Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 69 (29.8.1924)
- Date
- 1924-08-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 40ה OfT/urrrs cu jt;j \r;< r> j c 1;!.־ tr־' - Nr o nimmt, Ls erscheint mir sicher, daß die Zionistische O;• gniiisaliou sich in der Richtung einer Intensivier״»(' ihrer programmatisch( 11 Fnrdeniiigal zwangsläufig entwickeln muß. diese ITaqcn s<>11111 ׳ hier ander Betracht bleiben. Es üitcr• cssiert liier nicht die Flüge, oh sich die Organisation von dem Ballast der Miil.itifer befreien und konkrete Forderungen (eiwa die Mansscrverpfliehtmig bei Aussdiluiidrohmiq) eiluhen soll; es wird allein versucht, den Be;;nl‘fswamlei /u kennzeichnen, den in der kommenden Entwicklung der Name Zionis- Jims davontragen wird. Zionisten jn diesem neuen Sinuc sind diejenigen, die in ihrer Person mit dein Aufbau Palästinas verknüpft sind. Die Bewegung, die Inder der allen Flagge Zionismus umhertreiben wird, wird in aller Deulliehkcit den persönlichen Charakter ries Zionismus 7um Ausdruck bringen. Das soll Jiield heilten, dall nun eine Scheidung 7u erfolgen hatte /.wische» denen, die hi11üher;;ehen, und denen, die liieiliieiheii. Zahl-, reiche wird es ,neben, die durch Alter, mangelnde Gesundheit oder Elastizität, familiäre Verpflichtungen, Verwurzelung im Iteruf, Unmöglichkeit, in Palästina eine wirtschaftliche Existenz zu erlangen, für die Auswanderung ansschciifen müssen, und so in,melier w ird im f ialuth notwendiger gebraucht werden, als im Lande. Dntscheidend ist allein die zentrale Bedeutung Palästinas für das persönliche Lehen. Eine prinzipielle Treuinnig in (lalullizioiiisniiis und Pnl.:isti11n7i011ism118 darf cs hinfort nicht mehr gehen. Der Zustand, daß sich Menschen Zionisten nennen, die nicht einmal daran denken, persönliche Folgeruiigen aus ihrer Anschauung zu ziehen, wird bald als grotesk empfunden werden. Alle diese Menschen (deren jüdische Gesiummg natürlich völlig einwandfrei sein kann) werden, tmabh.ingig davon, ob sie der Zionistischen Organisation äugehören oder nicht, dem großen und hoffentlich immer größer werdenden Kreise der Paliistinafremide ztt/urechiicn sein. Zionismus als Bewegung will mehr. Er will -- das sei deutlich gesagt — nicht Sekte werden. Wehe ihm, wenn er es würde! Die Freiheit des Geistes bleibe unantastbarer Grumt• satz der Bewegung. Gruppierungen und Nuancierungen und widerstrebende Meinungeil — selbstverständlich. Aber allen gemeinsam: die lebendige persönliche Beziehung zu Palästina. * Palästina ,,unser Kinder Land“. Einst, in der Zeit des ״utopischen Zionismus“ war 1ms Palästina ein Traumlaml, ״das imcntdeckte, im fernsten Meere“. Heute hat cs in unserem Bewußtsein greifbare Gestalt angenommen. Palästina ist das Land unserer Sehnsucht, aber nicht unserer Illusion. Ls wird nicht das Reich Gottes auf Erden werden, und der Uebermciisch, ganz gleich wie mau ihn sieh verstellt, wird dort nicht heimisch sein. Es wird Kämpfe geben und Parleimigen, und die niedrigen Instinkte, die in jeder Menschenseeie wohnen, wird auch die Luft Palästinas nicht zum Schweigen bringen. Wir glauben aber, daß dort das möglich werden wird, was das Galutb gewaltsam hindert: ein Ausleben unserer Ligen arten imd Kräfte. Und wir glauben noch mehr: daß diese Kräfte es 1ms ermöglichen werden, ein, wenn auch keineswegs vollkommenes, so doch gesünderes und vereinigteres Gemeinschaftsleben zu schaffen. Die jüdische Gemeinschaft in Palästina wird es hoffentlich unterlassen, jenem Kulturinipcrialismus zu huldigen, der an jüdischem Wesen die Welt genesen lassen will. Aber wir wollen im Kleinen das zu bereiten suchen, was wir im Großen herbeisehnen: die Morgenröte einer neuen Menschlichkeit. Und wir wollen es mitschaffen, wir, alle Zionisten. Wir wollen, daß — nicht nur das ״jüdische Volk“, sondern —■ unsere «,׳gene Nachkommenschaft mit dem Lande verwurzelt wird. Wir wollen zu dein ״Rest“ gehören, der zuriiekkehren wird. Vicic werden das Land nur von Ferne schauen, viele Kinder werden von dem Paläslinaglaiibcn ihrer Väter abfallcn. Unsere, der Zionisten Haltung, sei eindeutig: Palästina unser Wunsch und unser Ansporn. * Die Frage, was nunmehr, nach der Konstituierung der Jcwish Agency, die zionistische Bewegung als ihre spezifische zktifgabc zu betrachten fiat, beantwortet sicii daliin: Mensehen zu gewinnen, die in diesem höheren Sinne Zionisten werden. Man hüte sieh dabei vor Phrasen. Man lasse die leidige Entwurzelung aus dem Spiele, die geistige Mensche!! abstölit. Man benütze nicht die Europamüdigkeit und zaubere nicht lockende Bilder des Orients hervor. Ein anderes gilt: die verschütteten jüdischen Instinkte zu erwecken und den ganzen Menschen zu gewinnen, —■ der nicht aus der Not eine 1 iigeud macht, sondern aus innerster Notwendigkeit und in vollster Freiheit im Zionismus die menschliche Lösung seines Jiulcnproblems erkennt. Bei vielen wird die Mühe vergeblich sein. Andere werden mir begreifen, daß Palästina um derer willen mifgebaiit werden m11ß; die liinübergcheu wollen, und sic werden Geld beisteuern. Einige aber werden fühlen, dall hier ihrer und ihrer Kinder Schicksal entschieden wird. Upd auf diese wenigen kommt es au. s In dieser persönlichen Umstellung auf Palästina, in der Werbung neuer Seelen für lebendigen Zionismus sehe ich die Sonder,nifgabe der kommenden Zeit. Unabhängig davon bleibt die mühevolle Arbeit für das Gelingen des Atifbmis, der sich -— weit mehr als bisher — ein jeder von uns zu widmen fiat. Pas Jerusalemer jatlslsüsehc Institut Die gleichzeitig mit der A.-C-Sitzung im Juli in London slatlgefimdciic Uiiiver.silfiiskoiiferenz hat beschlossen, den in GclelirlcnkicPen bekannten derzeitigen Oberrabbiner in Nove Zämky Dr. Samuel Klei n als Professor an das judaistischc Institut der hebräischen Universität in Jerusalem zu berufen. Dr. Klein hat bereits erklärt, daß er die Berufung annimmt. Das Spezialgebiet Dr. Kleins ist die Paliisfiunforscluing. Er hat auf diesem Gebiet vielbeachtete Schriften veröffentlicht. Sir Güter! Cteylon in der ״l'er7.1ia“*Sdu!!e Bei der zwölften Jatircs-Sclilußfeier des hebräischen Gym- Itasiuins ״Iierzlia" in Tel-Atviw sagte Sir Gilbert Claytön, er habe mit großer Befriedigung vernommen, daß einige Absolvc 11 teil der 1 locbschiße sich der Landwirtschaft gewidmet haben. Dies sei gut, dn die Landwirtschaft einer der Grundsteine zum Nationallieim sei. Sir Gilbert Clayton beglückwünschte die Graduierten und drückte seine Hoffnung aus, daß sic dauernd in Palästina bleiben werden. ״Wir können nicht leichten Herzens auch nur auf einen unserer jungen!.eilte verzichten,“ schloß er. Nach den Begrüßungsansprachen des Untcrriciitsdirektors der Palästina-Regierung, Herrn ß o w - m a 11, der h c b r ä i s c h 0 n Rede des Gouverneurs C a m 1> - bell und der Dankrede Colonel K i * c h s berichtete der Direktor der Schule, Herr Dr. Mors ins oh n über die Lcistmigcn der Hcrzlia-Schide. Die Gesamtzahl der Ab$ol* yciytcn beträgt 360 : 250 Schüler und 100 Schiilerifinpn. JErJr j|!)(u1!D!1 la Jcn!5r!!״n Der Emir Abdullah von Tra1|:;jorda11!eu fst mn ',S. August in Jerusalem ejiigetroffen. Er hat noch am selben Tage die Moschte Omar hcsiiclit, wo ihm ein cnthiisi.isiiseher Empfang zuteil wurde. Der Emir hat der Vcrwaliimg der Alosdiee 25 (KK) Pfund für RestnuricritngSAvecke 1 liier;׳.: heu. S in offizieller Bericht aus Transjordanicn vom 21. August hem gl, daß die Wahahiten, die das Geleit des Emirs Abd11ll.il! angegriffen hatten, aus Transjordanieu vertrieben worden sind. Trauben ttr.fl!,״lieh stell fielttepcittka Wie sehr der K. K. L. bei den Chalu/im in Erez-fisrad beliebt ist, zeigt die Tatsache, daß sie sich alle an den Saum!• hingen für ihn zu heteiiigen suchen. Wer außerstande ist, seinen Beitrag in Geld zu leisten, macht einen Teil seiner Produktion oder ganze Arbeitstage zum Geschenk. Die Kwuza ״M a c 111» n a j j tu" in Obergaliläa |»a{ als ihren Bei- 11.■ig zu den Sammlungen vom 20. Tainiis, JJcrzls Jahrz. idag, dem K, K• L.-Iiiiro in Safed 60 Rottel Weintrauben und die Kwuza ״Ajeleth If a sc 11 ac |1a r“ 20 Rottel Milch ahgeliefert. In Clmhla hat die Kwuza aus dem gleichen Anlaß einen Tag Arbeit gewidmet. Diesem Beispiel sind dann eine ganze Reihe anderer Clialuzgruppcii im Lande gefolgt. Einwanderung beÄarabiscIicr Kolonisten Unter den jüdischen Kolonisten in Beßnrablcn hat letztens eine starke Bewegung eingesetzt, ihre Wirtschaften zu liquidiercii und 11 a c 11 ’ E r e z -1 s r a c 1 zu (i b e rs i e d e 111. Den H.'iuptnnstoß hierzu gab, daß die Entwicklung der Tnhakprodnktion, mit der sieh die jüdischen Kolonisten Befiarnbjcns hauptsächlich befassen, durch verschiedene Maßnahmen der mmani.xlieii L’cgienmg empfindlich gestört wird. Außerdem leiden die jüdischen Kolonisten in Kjlin, Tarotino, Tatarbuuar und anderen Orten Ilaßarabians sehr au Rodciniinngel. Die Kuhmisten haben sieh deshalb entschlossen, zunäclist ihre .Sohne nach Erez-Israel zu schicken, damit sic hier Boden kaufen oder ihn vom Keren Knjeineth in Erbpacht nehmen und auf diesem Boden ihre Wirtschaften entrichten. Später wollen die allen Kolonisten ihre Wirtschaften in Bcßarnbicn liiiuidicreii und ihren Söhnen naciikoinmen. Um mm den jüdischen Kolonisten Bellarabiens diese Uebcrsicdlung und Einordnung in Allnculaiid zu erleichtern, wurde in Kischinew eine Gesellschaft unter dem Namen ״Das neue Erez-Israel“ gegründet, an deren Spitze der bekannte zionistische Führer Dr. K o 11 a n - 0 c rn s t c i 11 stellt. Zweck der Gesellschaft ist. geeigneten Boden in Ercz.-Isracl anzukaufei! und ihn gegen leichte Abzahlungsbcdingtnig'en an bcßafabjschc Juden wciterzuverkaufeii. Rfsoliillonea des denlschen ״Irdisliiz“ Am 22. und 23. August d. J. trat der erweiterte Mcrkas des deutschen Landesverbandes Ifechaluz. mit einigen Vertretern der Ortsgruppen zu einer Sitzung zusammen, mn zu der .Moa/ali des Wcltficchahiz in Danzig Stellung zti nehmen. Fs wurden für die Punkte Alijali und Hachseharah folgende Resolutionen gefaßt: A. 1. Alijah. Der deutsche Landesverband Hcchaluz fordert den Mcrkas des Welthcchaluz auf, bei der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation die Forderung zu vcrtreten, daß umabhängig von den Zertifikaten, die im Zusammenliaug der wechselnden wirtschaftlichen Lage Palästinas ge? währt werden, jedem Lande eine für das ganze Jahr oder für die einzelnen Monate bestimmte, gleichbleib eil de Mindest zahl von Zertifikaten zu zusichern sind, da mir auf diese Weise die Möglichkeit einer Kontinuität der Alijah gewährleistet werden kann. 2. Der deutsche Landesverband fordert den Mcrkas Olami auf, von der Hisladruth Informationen darüber cinziizichei), wieviel und welche Bcrufskatcgoricn von Zertifikaten auf Grund der vorhandenen Pläne der bestellenden oder eventuell neu zu gründenden Betriebe der Histadrtith zu erwarten sind und dementsprechend den einzelnen Landesverbänden Au- Weisungen für ihre Hachsdiarahtäügkcit zu geben. B. I. II .׳! clisc 11 a r n 11. 13er deutsche Landesverband Ileehaluz ist der Meinung, daß sich die Grundsätze der fachliehen Hachseharah und ihr Verhältnis zur Alijah nicht in ein starres und für alle Länder und Zeiten gh'khblcihciules System bringen lassen, sondern, daß diese vielmehr p.aeh den jewrilirjen besonderen menschlichen, wirtschaftlichen und kulturellcn Bedingungen der Länder und der gegebenen politischen Situation fcstgelegt werden müssen. 2. a) Es wird fcstgchaltcn an dem bisherigen Systeme der Hachseharah, die als Ziel hatte, beruflich gründlich aiisgcbildctc, zum Gemeinschaftsleben innerhalb dcrChcwrat-Owdim gec'gnetc .Maischen zu erziehen. Das wesentliche Erziehungsmittel hierfür bleiben eigen׳', vom Ghaluz geleitete Lehrfarmen und Werkstätten, sowie landwirtschaftliche und handwerkliche Gnomen. b) Darüber hinaus muß der Hcchaluz bestrebt sein, ein System der 1 Indisch,trab ,711f/11sfcIIcj1, das geeignet ist, einen breiten Kreis von Menschen zu erfassen, die gemäß den Grundlagen des Ifechaluz erzogen werden und in ihrer A 11 s h i I d u n g den körnerlichcu Anforderungen der Arbeit in Palästina gewachsen sind. 3. Die Finanzierung der HacJiRcharah erfolgt aus zwei Ouellen: ans den «Mitteln des zionistischen Budgets und aus den von den Landesverbänden selbständig anfgehraehten Geldem. Die aus (Dm!S!!d״et stammenden Gelder sollen in ZukHilft vornehmlich fiir dje Ocsamizwecke der Orgnnisntion, der Tarhutharboit und der unter 2. IV) gekennzelehncten hrel. tcn! 1 a c h s c 11 a r .11 ר verwendet werden, während fiir ,die intensive und spezifizierte Berufsausbildung■, wie mich für die im Gesamtsystem der Hachseharali außerordentlich wichtigen Eige.nbctriebc des lieclialuz. (Siedlungen und Kooperativen) nur soweit aus dem zentralen Budget Gelder bewilligt werden sollen, als ihre Aufbringung aus anderen Quellen uiimög• lieh ist• ״Der JMIsc'ie T.13“ In Gent (Die Eröffnung des Pavillons der Jüdischen Arbeiterschaft Palästinas) Anläßlich der Eröffnung des Pavillons der indischen Arbeiterschaft Palästinas auf der Internationalen Genossenscbafts-Ausstelluug in Gent, fand am 17. August 1924 ein ״Jüdischer Tag“ statt. Der Sportklub Mnkkabi hat die gemeinsame Reise der Juden ans LRge, Anlwcrncn und Brüssel nach Geilt durcbgcfiihrt. Alle Versammelten marschierte« im geschlossenen Zuge .durchfdie Straßen Gents nach der Ausstellung, Der Vorsitzende, Dr. Leon Kubavvitzki, cröffnetc den ״jüdischen Tag•“ und führte aus: Die palästinensische Arbeiterschaft •zeigt heute den Juden Belgiens, was sie unter den schwerste» Bedingungen geschaffen hat. Es ist unsere Pflicht, nicht nur zuzitschcn, sonder« uns aktiv an der Arbeit zu beteiligen. Hierauf wurde!) den Versammelten die vielen eingegangejicn Begrüßungen hck״u1d״egc>a1׳״. tJ. ׳׳. schickten Begrüßungen der DcptificrG־ l.eo Blum, Frankreich, Senator Henri PoHak, Hetbiut. und Professor Charles Gjdc, Frankreich. Nach KubowU/ki hielt jiocli cip MRfiikd. von! §0JeI fjjoneli» Hprr M. Bader aus Palästina, eine Ansprache (hebräisch), fc!rtCr der Vorsitzende der sozialistischen Pördcratiori Belgiens, jUi> Fir, c||cr, und als Ici/Ier der frühere Arbcitsuiiui.strr, Ab. geordneter Edouard A!1 s c e 1 e , der als Vorsitzender (|,:r; Ausstellung im Namen der Ausstellung die Eröffnung ,je. paHstiiiriisischcu Pavillons begrüßte. Nach Schluß der Vcr. Sammlung begaben .sieh die Versammelten in einem gc. ' schiosseiien Zuge unter den Klangen der llatikwah zum palästinensischen Pavillon, der mit blau-weißen und rote» j Fahnen sowie mit den Bildern von Brenner und Gordon i geschmückt war. Am Nachmittag fand ein Sportfest der jüdischen Klubs statt und am Abend ein jüdischer Kunst, j abend im Konzertsaal des Ravillpns. j Msssfiivcrjiallufioen füdixriier Arbeiter in Warschau j Am 21. August abends wurde das Mai« Lcchncstraßc 31, j in weichem sich die Büros der Gewerkschaften der jüdischen j Texlll-Arbeiter und der Ladträger befinden, von einer großen ' Polizeitrupj» umzingelt. Agenten der politischen Polizei durchj suchten beide Lokale, beschlagnahmten sämtliche Bücher und ־ ״(!kumente und erklärten alle im Hause sich befindenden ן jüdische» Arbeiter für verhaftet. In vier Transporten zu i LulS und in einem l.aslautomobil wurden St) jüdische i Arbeiter und Arbeiterinnen auf die Polizei gebracht. Unter den Verhafteten befinden sich die Sekretäre und die meisten Vcrwaltungsniiiglieder der beiden Gewerkschaften, lieber die Ursache der Verhaftungen konnte mau nur erfahren, daß der Polizei Mitteilungen über angebliche kommunistische Betätigung!gewisser Mitglieder dieser Gewerkschaften zugegangen sei» sollen. Neue Kampfaasnße nillers fn Verbindung mit einer kürzlich durch die Presse gegangeiicu Meldung, wonach Adolf Hitler sich gegen die Fortsetzimg des an'ijüdisehcii Kampfes ausgesprochen hätte, erklärte Hitler dem Nationalsozialisten Rugier, der ihn in Landsberg, wo Hitler interniert ist, besucht hat, folgendes: ״Ja, ja, es ist schon richtig, daß sich meine Ansicht, über die!(anipfeswcisc gegen das Judentum geändert hat. Ich habe erknnnt, daß ich bisher richtig milde war. Ich bin bei der Ausarbeitung meines Buches zur Erkenntnis gekommen, daß i« Zukunft die schärfste!» Mittel augewendet werden müssen, um uns erfolgreich (liircli/iisetzeii. leb bin jelzt überzeugt, daß nicht nur für unser Volk, sondern für alle Völker dies eine Lebensfrage ist. Denn Juda ist die Wcllncst.“ Rugier gibt dic.se'Erklärung im Aufträge Hitlers in der völkischen Presse wieder. Zweite Jildisclic Wealliillskonlerenz Der Vorsitzende der zweiten Sitzung der Jüdischen Welt- Lilfskonfcrenz war Dr. Oskar Cohn (Berlin). Auf der Tagesordnung stand zunächst die Diskussion über den Bericht der Exekutive. Herr Rudel führte aus, daß sich die Exckutive große Verdienste hauptsächlich durch Schaffung eines wirklich demokratischen Geistes bei der 1 lilfsarbeit eryvorben habe, daß mau aber doch auf gewisse Fehler hinweisen müsse. Der Hauptfehler nach seiner Meinung ist, daß die Exekutive der Frage der sozialen Fürsorge für die Arbeiter nicht genug Aufmerksamkeit gcwidmet hat. Der Redner wies darauf hin, daß gerade in Frankreich, wo die Exekutive ihren Silz hat, große Möglichkeiten für die Einwanderung jüdischer Arbeiter vorhanden seien. H. Grünberg (Paris) antwortete Herrn Rudel. Er erklärte, man dürfe sich keinen lliusioncii hingeben, als ob in Frankreich wirklich großes Interesse für die Einwanderung jüdischer Arbeiter vorhanden sei. Es war ein , Fehler, zu glauben, daß liier unbegrenzte Möglichkeiten vorhanden seien, llcrr Grimberg wies auf die Notwendigkeit bin, einen gc- Hauen Plan ausziiarbciten und die Arbeitercinwaiidcrung in verschiedene Länder, darunter auch nach Frankreich, systc* inatisch zu organisieren. Er hält das fiir eine der wichtigsten Aufgaben der Konferenz. Frau Anita Müller (Wien) warnte die Konferenz vor einer quantitativen Vergrößerung ihrer Arbeit, die angesichts der begrenzten Geldmittel unmöglich wäre. Man muß mehr für rationelle und gut organisierte Hilfe sorgen als für die Ausdehnung auf eine große Anzahl von Notleidenden. Ucber die weiteren Aufgaben einer zentralen jüdischen Hilfsorganisation'sprach Dr. Wicsmcycr (Prag), der auf die große Not der jüdischen Studentenschaft hinwies, für die unbedingt gesorgt werden müsse, Dr. Sega II (Zentralwohlfalirtsstellc Berlin) erklärte, die J.W.H.K. habe trotz ihrer großen Verdienste auf verschiedenen Gebieten der Hilfsarbeit nichts fiir die Hauptfrage geleistet, die eine orgamsatorische sei. Wenn die jetzige Konferetu ihre historische Aufgabe erfüllen wolle, müsse sic vor allein danach trachten, im Namen einer zentralen jüdischen Organisation all die Kräfte zu organisieren, die aul dem Gebiete der sozialen Hiltc tätig sind. Dr. Ros cn bannt (Jüdischer Nationalrat Litauen) führte ans, daß es noch zu früh sein würde, die elementare, schnelle Hilfe aufzugebe״, weil man mit der großen Ausdehmmg des jüdischen Elends und der jüdischen Not rechnen muß, ehe nur gestillt werden können durch die sogenannte schnelle Hilfe. Herr Alfred Berger (Arbeiterfürsorgeamt Berlin) unterstreicht noch einmal, daß es jetzt nicht an der Zeit sei, sich mit Wehklagen zu begnügen, man müsse eine planmäßige Organisierung der sozialen Hilfe vornehmen. Er hält für die wichtigste Aufgabe der W, II. K., diese Orgamsicruiig durdi/iifiihicri, und zwar hauptsächlich aul dem Gebiet des Arbeitsnachweises. Herr Bogdanovsky (Wcltvcrband Hcchaluz) spricht über die große Rolle, die die Jugendbewegung b״i_ der Organisierung der soziale» Hilfe spiele» kftim» niia veruugt von der Konferenz eine engere Zusammenarbeit mit der jüdischen J u r e 11 d. Herr David Yellin (Waad Leiinii, Palästina) wies auf die Wichtigkeit der aufbauciiden Arbeit hin, die der Waad Lemm für die neuen Einwanderer nut llißc der W. il.K, unternommen Iwt Handwerker und Arbeiter sind mit Werkzeug miterüützt worden und es ist ihnen die Möglichkeit verschafft w rde״, sich in Palästina nieucrzidassi•״. Leider hat das ExcKiitivkomitee in der letzten Zeit nut seinen Unter- Stützungen wegen Mangels an Mitteln auihören müssen, so daß diese Arbeit unterbrochen worden ist. Herr Brndny (Kowno), Vertreter des Verbandes der ostjiidiseben Kooperativen, Berlin, betont das Interesse, da* die Kooperativen für die Wcltliilfskonferenz hegen, die der Auftakt z« einen) jüdischen Weltkongreß werde« sollte. Pas Mitglied des Exekutivkomitees, Rechtsanwalt H. Sliosbcrg, erklärte, daß beim besten Willen der W.H.K., die Methoden ZU verbessern und ausschließlich zu systematischer, aufliauendcr Tätigkeit überzngchen, man nach Lage der Dinge doch nicht nufgeben kann, sofortige schnelle Hilfe zu leisten. Die Katastrophe im jüdischen Leben Ist eine Tatsache, die weder oej der Hilfstätigkeit noch bei der Propaganda außer ach{ gelüsss» werde!» kann-