Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 69 (29.8.1924)
- Date
- 1924-08-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Wenn jet/t plötzlich wieder betont wird, daß ״mm gerade" die Zionistische Organisation gestärkt, daß sie radikalisicrt und verjüngt werden müsse, ja sogar, daß bisherige Nichtzionislcn in sic liincingczogcn werden sollten, so ist dies nicht Ausdruck politischer Einsicht und organisatorischer Stärke, sondern nur Resultat des Unvermögens, die eine oder die andere Politik zu gestalten und zu wirklichen Ergebnissen zu bringen. Aus Mangel an Selbstvertrauen hat man in entscheidenden ,!.ihren die eigene Organisation verkümmern lassen, um neun! Orgauisationsformcu nachzujagcu. Nim, da die Umwandlung der Zionistischen Organisation In ein anderes Gebilde unvermeidlich geworden ist, will man an die neue Aufgabe nicht mehr recht heran, Die Agency, die größte Errungenschaft der jüdischen politischen Geschichte seit der Zerstreuung — wird schon wieder und von denselben Führern, die von dem Eintritt der Nichtzionistcn In die Agency alles }feil erwarteten, als ziemlich unerhebliehe Formsache erklärt, gerade gut genug, ein paar reichen amerikanischen Juden die Mitarbeit zu erleichtern, und ״entscheidend" ist plötzlich wieder die ״Festigung des Ziouismus". Daher kein erneuter Versuch, in Europa, iiachziiahmcn, was Weizmann in Amerika mit größter Anstrengung versucht hat. Was int das alles? Wie erklärt sich dieser Mangel an Linie, an Ernst, an Klarheit und Entschiedenheit? Nun, aus dem Gegensatz dieser für alle große Politik unentbehrlichen Eigenschaften, nämlich aus der Planlosigkeit und Sorglosigkeit einer Führerschaft (der deutschen Zicuistcnfiihrcr vor allem), die leichten Herzens preisgegeben hat, was an Zu• kunftsmöglichkeitcn in der Zionistischen Organisation lag und in heiterem Vertrauen an den ewigen Bestand dieser von ihr mißhandelten, aber als Piedestai ach so nützlichen Organisation glaubt. So tändeln wir in den Abgrund ׳— nein, wir enden im Sumpf. Es ist ein gefährlicher Irrtum, zu glauben, die zionistische Bewegung könne nicht zugrunde gehen. Jede politische Bewegung und Organisation kann durch schlechte Führung gelähmt und zerrüttet werden. Noch ist cs Zeit — ist cs noch Zeit? Die palästinensische llalcnfrage Die von den arabischen und jüdischen Handelskammern Jaffas gewählte vereinigte Delegation, die dem Kolonialnmt in London die Wünsche der Im'laer Bevölkerung nach Errichtung des palästinensischen Hafens in Jaffa unterbreiten sollte, wurde am 2t. August vom Stellvertreter des Kolonial- Sekretärs Herrn J. H. Thomas, Herrn Major Young, empfangen. Die Delegation überreichte ein Memorandum, in welchem gegen die bckannlgcgcbcne offizielle Meinung der Palästina-Regierung, daß einzig und allein Haifa für die Erbauung des Hafens in Palästina der geeignete Ort sei, entschieden Stellung genommen wird. Es wird gefordert, daß die Frage neuerdings autoritativen Fachleuten unterbreitet wird. Die Unterredung nahm über eine Stunde in Anspruch. Schließlich versprach Herr Young den Delegierten, ihnen sobald wie möglich eine offizielle Antwort zukommen zu lassen. Die Delegation setzt sich aus den folgenden Herren zusammen: M o 11 a m c d Abdul-Rahim, Z 0 u 11 d i A b u 1 - gibens, Alfred Roch, Dmitri Tadros lind Samucl Tolkowsky. Die Delegation wird in einigen Tagen nach Palästina zurückkehrcn. Die Imralgralionslragc von den Juden abhängig Auf die Petitionen, die der stellvertretende High Commksioner von Ercz-Israel, Sir Clayton, bei seinem Besudle der neuen Siedlungen im Emck von den Kolonisten erhalten hat, gal» er folgenden Bescheid: ״Seid überzeugt, daß mir die himigralionsfrage sehr am Herzen liegt. Ihr wißt nichts davon, daß ich häufig eure Siedlungen incognito bereise, um mit eigenen Augen zu sollen, womit sich die neuen Ein- Wanderer belassen. Nun muß icli ollen sagen, daß meiner Meinung nach die Lösung der Immigrationsfragc chef* von euch als von der englischen Regierung abhängig ist. Euch obliegt cs, den Boden und damit die Bedingungen vorzubereiten, um die Kapazität des Landes für die Aufnahme einer größeren Zahl von Immigranten zu steigern. Wenn ihr von den Beschränkungen der Einwanderung redet, so dürft ihr doch die Tatsache nicht übersehen, daß in den letzten Monaten schon viel mehr jüdische Immigranten nach Ercz-Isracl kommen konnten, als in derselben Periode des Vorjahres. Ihr müßt begreifen, daß es unter den derzeitigen ökonomischen Verhäilnisscn in Ercz-Israel unmöglich ist, Einwanderer in 1mbeschränkter Anzahl ins Land cinzulassen.^ Ich rate euch nur, setzt eure Arbeit im Emck ruhig in derselben Weise fort, wie ihr sie begonnen habt, baut eure alten Siedlungen 811s und gründet neue Siedlungen. Dadurch werde1 ihr selbst die Möglichkeit schaffen, um Juden in einer viel größeren Anzahl als bisher ins Land hereinzubringen.“ Tire gekault Nach schweren, langwierigen Verhandlungen ist cs dem Keren Kajemeth gelungen, von den bisherigen Cigeiilümcrn, den deutschen Kolonisten von Nendorf, 500 Bunan! des sogenannten Tirc-Bodens südlich Haifa zu erwerhen. Hier, am Strand des Miltclmccres, hat vor 5 Jahren eine Genossenschaft junger Leute unter dem Namen ״Kwu- 2nth Tire" den Boden gepachtet und seither eine prospo« rlercndc gemischte Wirtschalt aufgerichtet, deren Einnahmen Von Jahr zu Jahr stiegen, so daß die Genossenschaft letztens bereits ohne Defizit arbeiten konnte. Die Kwuzali hatte hei dem gesunden Klima Tires, dem guten, ertragreichen Boden und der günstigen Lage zum nahen Absatzmarkt Haifa «l!c Chancen, die Einnahmen aus den Bodenprodukten noch *u vergrößern und die Entwicklung der Wirtschaft zu bcschleunigen. Doch war jeder planmäßige Ausbau der Siedlung •Gange unmöglich, als der Boden selbst in fremder Hand blieb und die’Kwuzah nicht darüber beruhigt war, daß sic hier bodenständig werde. Nun erst, da der Boden in nationales Eigentum überführt worden ist und einige vzohlerhaltene Wohn- und Wirtschaftsgebäude miterworben wurden, scheint Gewähr dafür geLuten, daß alles, was die Kwuzali schafft, unveräußerlich jüdisch bleibt. Damit ist zugleich die Stanzende Zukunft der Wirtschaft verbürgt, Die Nachricht, daß der K. K. L. endlich den Erwerb von Tire durchführen konnte, hat In ganz Ercz-Israel und' besonders im landwirtwh&Ulichea jischuw helle Freude geweckt. IUEDISCHE RUNDSCHAU mm mmi Von G c r!1 a r d II &s Zionismus Hold heim. Die Frage der gemischte!) Jcwisii Agency hat durch den Beschluß des Aktions-Comitös ihren vorläufigen Abschluß ge* fiinilcn. Wir atmen erleichtert auf, daß endlich diese» Thema der Diskus!.ioiiMiulwendigkelt enthoben wurde. Bel nllcr Ein- •sieht in die Schwere einer Entscheidung, die der Zlontstisehen Organisation freiwillige Resignation zunniSelc, konnte ein Bedauern darüber nicht nur.bleibert, daß die Diskussion über diese Frage das Interesse allzusehr in Beschlag nahm und von Fragen ablenktc, die in ihrer grundsätzlichen Bedeutsing einen wesentlichen Rang in Anspruch nehmen dürften. Der Entschluß, die Nichtzionistcn au dem Palästinawerk zu halbem Part zu beteiligen und uns unseres alleinigen Einflusscs zu begeben, mußte ohne Frage den verantwortlichen Stellen der Zionistischen Organisation schwer fallen. Er war aber selbstverständlich. Für jeden, der über einen klaren Blick für historische Entwicklungen und Notwendigkeiten verfügt, war bereits nach den ersten Sondicniiigsversiichcn Weiztuet uns, also schon vor dem letzten Kongreß, die Notwendigkeit deutlich eikennbar, unter allen nur irgendwie ertragliehen Umständen zu einem Arrangement mit den Nichtzionisten zu kommen. Mochte es dem oder jenem von uns gefühlsmäßig noch so sehr gegen den Strich gehen, das starre Piinzäpreitcn wäre ■schwerer und vor allein unvernuhvortbnr gewesen. Wir erkannten die Notwendigkeit der Verstärkung durch die anderen Teile der Judenheit, wir sahen auf .der anderen Seite die Annäherung an unser Palästina• Programm mul den guten Willen zur Mitarbeit, ohne daß man uns in einem prinzipiellen Punkte einen Verzicht zumutete. Gab cs da einen anderen Weg als den Bündnisgedanken, den man beim Koren I lajessod praktisch erprobt hatte, bis zu seiner letzten Konsequenz, der gemeinsam übernommenen Verantwortung durebzuführen? Die Entwicklung, die zur Annähme der gemischten Jewish Agency führte, war zwangsläufig und im letzten Grunde unproblematisch. Das Problem war wo anders zu suchen. Es liegt in der Frage: Was wird nunmehr aus der Zionistischen Organisation oder richtiger gesagt aus der zionistischen Bewegung? Darüber, daß der Zionismus aus seiner Lethargie erwachen und sich dazu aufschwingen muß, Lehen nicht nur vomüäusclien, sondern auch sichtbar zu manifestieren, darüber gibt cs wohl nur eine Meinung. Die Frage ist lediglich, worin er seine entscheidende Nuance und seinen besonderen Weg sollen soll. Begreiflicherweise unterliegt dieses Problem schon jetzt gelegentlicher Erörterung, und cs sind Ansichten geäußert worden, die mit größter Entschiedenheit abzulchncn sind. Jeh möchte deshalb mit der Anführung dessen bcginnen, was ich in Zukunft nicht als unsere Sondcraufgabc angesehen wissen möchte. Vorerst möchte icli vermieden sehen, daß der Zionismus nunmehr die Zeit wieder für gekommen hält, die radikale Geste zur Schau zu tragen und sich in möglichst'kräftigen Formulicrungen zu ergehen. Wenn in dieser Hinsicht vor dem Kriege Überschreitungen ständig zu beobachten waren, so war dies kein Unglück. Zionismus war (und ist cs in einem sublitnicrten Sinne auch heute noch) die ״Jugendbewegung des jüdischen Volkes", ,m Wesen der ■Jugend liegt cs begründet, daß sic gesetzte Grenzen überschreitet, daß sie sich gedanklich überschlägt und ohne Besinnen daraut IossUirmt. Diese Sturm- und Drangperiodo war historisch notwendig. In einer Zeit, der aus politischen Gründen die konstruktive Arbeit versagt war, mußte die Auseinandersetzung mit der andersdenkenden Judenheit den fast alleinigen Inhalt des zionistischen Lebens bilden. Im Kampfe gegen den ״gemeinsamen Feind", nämlich die assimilatorische Gesinnung, erstarkte die Bewegung, und was au Ueberspanmmgen mitunter geleistet wurde, konnte man getrost als notwendige Begleit Erscheinung einer an sich riehligen Einstellung betrachten. Diese Grundeinstellung (für die meinetwegen das leidige Wort ״Radikalismus“!»erhalten mag) ist dem Wandel der Zeiten nicht unterworfen. Verändert Ist nur die Art, in der die Gesinnung ihren Ausdruck sucht. Der Zionismus ist alter und reifer geworden. Den Lehr- und Wanderjalircu folgen die Mcistcrjalirc. Acltcr werden, heißt nicht milder, sondern weiser werden. Die ungeheuren Erfahrungen und Erlebnisse, die der Ziouismus in den letzten zehn Jahren sammeln konnte, die neuen Entwicklungen, die er inaiigtiricrtc, dürfen nicht ungenutzt gelassen werden. Eines muß vor allem anderen erkannt werden: Es ist weder am Platze, große ideologische Gebäude zu errichten, noch revolutionäre Wendungen erneut in unser Vokabularium aufzunclimcii. Was allzuoft gepredigt wird, verliert an Gehalt, und der Glaube schwindet. Starke Worte werden schließlich auch einmal abgebraucht und klingen in feineren Ohren fade und peinlich. Deutet nicht überhaupt alles darauf hin, daß das jetzt hcranwrftliscndc Geschlecht auf andere Rufe hört? Die wertvollen Menschen dieser neuen Jugend sind unzugänglicher der lockenden Versprechung, sic unterwerfen sich nicht mehr so leicht dem Stimmungstaumel. Die Psychosen, die die letzte Zelt erleben ließ, haben nachdenklich mul mißtrauisch gemacht. Ich glaube, die einzige ״Methode“, Menschen zu gewinnen, ist, mit wachen Sinnen ihre Sehnsucht zu erfassen. Die aber will nicht Worte, sondern wesentliches Leben. Einen wesentlichen Diskussioiispuiikt der nächsten Zeit wird, wie ich fürchte, unsere Stellung zur Umwelt darstcllcn. Er, wird die Meinung vertreten, daß wir auf diese Auseinandersctziujg großes Gewicht legen und von unseren Anhängern eine klare und eindeutige Haltung gegenüber der Umwelt verlangen sollen. Eine derartige Debatte, noch dazu mit dem ausgesprochenen Ziele der Festlegung sämtlicher Zionisten, muß auf jeden Fall unterlassen werden, Oie Frage nach unserer Stellung zum Staate, zu den Formen und der Kultur der Umwelt ist äußerst diffiziler Natur und wie kaum^ eine andere ungeeignet, in uniformierendem Sinne geregelt zu werden. Das Verhängnisvollste aber wäre, wenn ActifScrungcn verlauthart würden, die — wenn auch in noch so verklausulierter Form — die prinzipielle Resignation dem Staate und der Umwelt gegenüber verkünden würden. Ich sehe ganz davon ab, daß die überwältigende Mehrheit, auch unserer besten und radikalsten Zionisten (wie ich sicher zu wissen glaube) gegenteiliger Auffassung Bind. Es kommt mir nur darauf an, auf die Wirkungen hinzuweisen, die allein eine derartige Diskussion lscrvorrufcn müßte. Nichtzionistische Juden würden aufs äußerste gegen eine solche Entwicklung des Zionismus protestieren, einen scharfen Trennungsstrich zwischen sich 405 Seile •״׳׳•■. und den Zionisten ziehen, »lud jede Zusammenarbeit in der Palästinafragc wäre damit ein für allemal erledigt. Die Wirktmg aber, die eine derartige Haltung auf die ~!1icl!tjüdi5che Welt ausüben würde, ist in einer Zeit, die die Gefahr der Entrechtung der Juden in greifbare. Nähe rückt, ohne weiteres klar. Auch Kreise, die bisher der jüdischen Bewegung mit wohlwollendem Verslüiuliih gogriiühcrstamleii, Würsten es für unvereinbar mit der Staatszugehürigkclt ei klaren, wenn (nicht etwa einzelne, sondern) die bedeutendste politische Organisation des Judentums den geistigen und seelischen Bruch mit der Umwelt als das Erziehungsziel der Bewegung proklamicrle. Aber nicht mir die Wirkung auf die andern (obwohl auch das schon ansreichcn würde) sollte uns abhaltcn, diesen Zündstoff auszubreiten, sondert( allein die Beachtung der Tatsache, daß im eigenen Lager erstrangige Menschen sich für einen derartigen ״Radikalismus“ bedanken würden. Die volle und tatsächliche Gleichberechtigung der Juden ist ein Ziel, das das Koponliagcncr Manifest als Forderung des Ziouis* mus aufgestellt hat, uml cs ist unerfindlich, wie eine noch so starke Palästinaseluisuclit sich so weit »׳ersteigen kann, diese allen Juden gemeinsame Forderung zu bagatellisieren. Betrachtet man aber das Problem — losgelöst von Staats-» biirgcrlum 1!״d bürgerlichen Rcchlcu — allein unter dem Gesichtspunkte unserer Stellung zur Umwcltkulhir, so ist die ״radikale“ Haltung ebensowenig zu begreifen. Es gelang mir nie, zu erkennen, warum cs das Zeichen einer unverfälschte« nationalen Gesinnung sein muß, daß sic erworbenes Kultur■* gut von sich abschiittclt und Loslösung und Abstinenz pro» Idamicrt. Eine solche Parole erschien mir immer komisch, da auch der angespannteste Wille das Kunststück nicht bcwültigen kann, das, was durch Erziehung und Milieu in das Wesen eines Menschen cingcgangen ist, gewaltsam herauszureißen. Abgesehen davon empfinde ich ein derartiges Unterfangen schlechthin als Kuliurlosigkeit. Die Sprache, die cs uns ermöglichte, Gedanken zu bilden und zu formen, durch deren Mutterschaft der Geist sich entfaltete und die Bildung empfangen wurde, ist unverlierbarer und unveräußerlicher Besitz. Deutsch ist nicht die Sprache des jüdischen Volkes, aber an deutscher Sprachseliöpfung sind wir hcrangcbildet, und deutscher Geist hat unser Denken entscheidend befruchtet. Die einzig würdige Haltung bestellt dariif, den Dualismus, den uns das C1nh1th.schicks.il aufz.wingt, für unsere Person anzuerkennen. Um ilm für spätere Geschlechter zu überwinden, sind wir Zionisten geworden. Uns, die Uebergangsgcncration, löst keine Macht der Welt aus unserer Verstrickung, —1 ob wir in Palästina leben oder in Deutschland. Für Pa» lästina sich entscheiden, heißt, seinem jüdischen Charakter folgen, der dorthin drängt, wo einheitliches jüdisches Leben einmal gelebt werden wird. Im folgenden will ich dartim, daß die persönliche Entscheidung für Palästina das Kennzeichen der nun anbrcchcndcn Epoche des Zionismus werden muß. Daraus folgt aber nicht, daß wir Bande zu lösen suchen, die unlöslich sind und die wir heilig halten, da unsere Existenz in ihnen verwurzelt ist. % * Es wurde davon gesprochen, daß die Erledigung des Agcncy-Problcms und die damit notwendig verbundene Be* mühung, den Zionismus gegen alle anderen palästinafreund• liehen Strömungen abzugrenzen, unerwünschte Entwicklungcrf zeigen könnte. Noch ein letzter Punkt sei hier erwähnt. Es bestellt die Gefahr, daß sich die Stimmen mehren werden, die nunmehr zur zentralen und unterscheidenden Sondcraufgabc des Zionismus die sogen,111111c Oalutharbeif, d. 11, die Vertiefung der zionistischen Idee und die Intens!» vicrung des jüdisch-kulturellen Lebens erklären werden. Man wird sagen, daß die gemischte Jewish Agency insofern eine erfreuliche Klärung bringe, als sic es den» Zionismus er« möglicht, frei von den Aufgaben der Politik und der Koloni» sation dem reinen Ideal zu dienen. Die Warnung vor einer solchen Verirrung kann nicht laut genug erklingen. Die Beteiligung der Nichtzkmistcn an dem Palästina-Aufbau war eine Notwendigkeit, um eine Verstärkung der Arbeit zu er» reichen. Eine Körperschaft, die die gesamte Judenheit vertritt, hat politisch einen stärkeren Rückhalt, und ihre Wirkung als ״Oestor der Juden“ ist unvergleichlich größer. Außerdem kann man hoffen, daß der Einfluß der neuen Männer Palästina Mittel verschaffen wird, die cs ermöglichen, daß der Aufbau beschleunigt und die Einwanderungsziffer vervielfacht wird. Ob all das, was man von der Erweiterung der Arbeits» bnsis erwartet, in Erlülluiig gehen wird, steht noch dahin, Selbst wenn aber, wie wir hoffen, die Mitarbeit der Nicht» zionisten stark in die Erscheinung treten wird, müssen wir uns darüber klar sein, daß nach wie vor die Hauptlast der Verantwortung auf zionistischer Seite liegen wird. Nicht nur, daß die Zionisten die Menschen für Palästina stellen, auch um die Aufbringung der Gelder werden sic sich, wie bisher, in erster Reihe mühen müssen. Nichtzioiiistisdic Kreise werden mehr als bi«her Geld geben; als Nehmer, d. h. Werber, kommen fast ausschließlich Zionisten in Betracht. Wenn auch in Zukunft die Zionistische Organisation nur mit 50 ",'0 in der Jewish Agency vertreten ist —■ die Verantwortung für das Gelingen des Werkes bleibt hundertprozentig. Es ist ein ungeahnter Fortschritt, daß cs gelungen ist, Niehtzio« nisten für Palästina so zu erwärmen, daß sie am Aufbau Anteil nehmen. Aber wenn auch mit zunehmender Arbeit eine Steigerung des Interesses zu erwarten ist, wenn die Leistungen in Palästina Stotz und Bewunderung in immer weiteren Kreisen hervorrufen, — liebend mit dem Werke ver« blinden ist mir, wem Palästina Schicksal bedeutet, nicht aber, wer im letzten Grunde das Galtith bejaht, . . * ,Wenn wir heute daran gehen, zionistische Bewegung neu zu entfachen, so ist es notwendig, daß wir dem Begriff Zionis« mus einen neuen Sinn und eine neue Weihe geben. Das Baseler Programm, dessen historische Bedeutung niemand verkennen wird, hat de facto seine Gültigkeit verloren. In seiner allgemein gehaltenen Fassung grenzt cs 111 keiner Weise den Zionismus mehr ab von all den Kreisen, die gleichfalls die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte ln Palästina wollen. Es war schon seit langem strittig, ob man bedenkenlos Schekel verkaufen und Vcrsammlungsstlm« mung zu Mitgiicdcrwcrbung benutzen solle. Aber so sehr eine derartige Methode dem zionistischen Gefühl widersprach, mußte man doch in Rechnung ziehen, daß die zionistische Organisation eine politische Partei darstellte und man nicht befugt war, andere Fordeningen als die Anerkennung des Programms und die sichtbare Handlung der Schckclzahlung zu erheben. Nach der Konstituierung der Jewish Agency wird die Zionistische Organisation nicht mehr ein rein politischer Ver« band sein können, wenn er neben der kommenden Palästina* Weltorganisation eine innere Daseinsberechtigung ln Anspruch