Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 69 (29.8.1924)
- Date
- 1924-08-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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/ f Seite 4 94 'fUEDISCHE RUNDSCHAU' Nr. f>9 ״ Wירי ו:;:ל' י/י; ' 1)■:׳"? _ h,JW m 11../ Von R i c h a r d L i c h t 11 c i m. Auf der Londoner A.-C.-’.'.il/ung wurde der Vorschlag, den Kongreß im Winlvr zur Entscheidung der Jewish Agency- Frage cin/iihenifeit, abgclchiil. Die Exckulive 1u1!:׳m da zu keine bestimmte Steilung.!len• Sokoloxv sprach für den Vorschlag, Herr L i p s k y sprach dagegen und sein Widersprnch war entscheidend. I)r. W c i z 111 a 11 11 ycriangte (mit!■!echt), daß der Kongrel! für den Winter einberufen, oder aber die Exekutive mit weitgehenden Vollmachten für die Agency- Verhandlungen ausgesiattet winde, da man nicht bis /um :nächsten Sommer warten könne. Da die meisten A.-C.-Mitplieder gegen den Winterkorn;reß waren, entschieden sie sich für die Erteilung der Vollmachten. « 1 Von der Einberufung: der statutengemäß erforderlichen Jahreskoiifcrciiz war nicht mehr die Rede. Die Exekutive bat die Fiiihcriiiung seinerzeit unterlassen, weil sie, wie es damals hieß, einen Kongreß im Winter haben wollte. Herr Lipsky, der auf dem letzten Kongreß in die Exekutive gewählt wurde, mit der besonderen Aufgabe, das Orgauisationsdcpnrtcincut zu übernehmen•), trägt für alle orgauisfitorischen Maßnahmen der Leitung die I (auptverantworlung.!Wie kam es, daß der Organisntionschcf die N'icht-Einberufmig der Jahreskoiifcrenz duldete, wenn er zugleich entschlossen war, den Plan des Wintcrknngrcsscs zu Falle zu bringen? Offenbar hält er von dein Statut der Zionistischen ׳Organisation und von ihren parlamentarischen Einrichtungen sehr wenig. Das A.-C. überging die Nichteinbenifimg der Jahreskonteren/ mit Stillschweigen, es lehnte den Winterkongreß ab und erteilte der Exekutive eine Blankovollmacht in einer Frage, die nach Ansicht Dr. Wcizmanus nicht einmal von der Jahreskoitferenz entschieden werden dürfte. Daß die Mitglieder der Exekutive und des A.-C, so planlos verfahren, daß viele Zionisten resigniert erklären, es komme auf solche ״Formalitäten“ nicht an, zeigt die Zerrütiung des Zionismus. Eine weltumfassende Organisation kann nicht bestehen, wenn sic ihre selhstgegehcnen Gesetze mißachtet und alle organisatorischen Formen den momentanen!Wünschen oder gar der Gleichgültigkeit und Bequemlichkeit einer 1 landvöl! Führer preisgibt. ץ In der Frage der Jcwisii Agency sind leider keine großen Fortschritte zu verzeichnen. Zwar hat die Marsh,ail-Konfercnz in Amerika zur Einsetzung einer Kommission geführt, die sich für die Beteiligung der amerikanischen Juden an der Agency ausspricht, aber noch ist völlig ungewiß, ob und welche ׳Leistungen von jener Seite zu erwarten sind. Man hört immer nur von der ״Investment Company“, also einem neuen Wiriscliaftsinstitut, dessen Begründung schon vor der Auf- ׳Tollung der Agency-Erage geplant war.; Inzwischen ist ein Interview mit Marshall erschienen, das ernüchternd klang und hinsichtlich der Beteiligung der Amerikaner am Keren liajessod gewisse Zweifel erweckt hat. Oh diese Zweifel berechtigt sind oder ob das Interview Jitir eine Vorsichtsmaßregel war, um vor der Beratung des ,Agency-PInns durch das A.-C. zu zeigen, daß die Ma’rshalt- Gruppe sich vor der Annahme ihrer Bedingungen zu keinen ^Leistungen für .den. Keren liajessod verpflichtet hält — mag 'dahingestellt bleiben. ' * 1 Von Verhandlungen mit den Großjuden der wichtigsten ,!europäischen Länder verlautet — nichts. 1 Wie stetits mit dem englischen Judentum, welches laut einem vor mehr als einem Jahr von dem politischen Sckre- Dir der Exekutive an das Colonial Office ahgesandten Schreiben in erster Linie für den Eintritt in die Jewish Agency ׳gewonnen werden sollte? Was ist geplant und was geschieht, um die mchtzionisti« scheu Juden anderer Länder za gewinnen? t Die Frage wird von mir — dem entschiedensten Gegner der Wcizmanuschcn Agcncy-Politik — nicht ironisch gestellt. 11» jetzigen Stadium kann nur eines erstrebt und gewünscht ׳Werden: Das vollständige, über alles Erwarten vollständige Gelingen der Agency-Erweiierung. Mißlingt sic oder gelingt sic nur teilweise, so wurden die Rechte der Zionistischen;Organisation zwecklos geopfert. r Daher ist die Haltung der ״demokratischen Fraktion“ ganz verfehlt. Man konnte zwischen z.wei Wegen wählen: man konnte vom Tage der Balfour-Dcklaration bis heute an der Festigung und Erweiterung der Zionistischen Organisation arbeiten, alle erreichbaren Kräfte in sie liincinziehcn und ihre;Funktion als Jewish Agency unangetastet lassen. Diese Politik habe ich seit fünf Jahren empfohlen und hin heute noch der Ansicht, daß sie die allein richtige war. (Br. ■»leis wollte auf seine Weise ülmliches; er scheiterte — wie Wilson in Paris — ■an der Unkenntnis Europas.) Aber diese Politik ist von den Führern in London und Berlin seit fünf Jahren mehr und ־mclir verlnssen worden. (Man erinnere sich an die ״Kongreß- Bewegung“, die dem deutschen Zionismus von einer Führergruppe aufge״ütigt wurde: da mutete man den nichizioiiisiischon deutschen Juden zu, sich auf einer Postkarte als Angehörige der jüdischen Nation ׳zu bekennen — aber Zionisten sollten sie, Gott bewahre, nicht werden. Und man erinnere sich an die bis vor einem Jahre grassierende Keren liajessod- Philosophie, nach der dieser von der Zionistischen Orgaui- *»tion gegründete und verwaltete Fonds, zu dem auch nichtzionistische Juden beitrugen, weil sic für Palästina etwas geben Wollten, eine neue ״Bewegung“ darstellen Und den Zionismus bald fiborfliisßig 'machen sollte. Natürlich wurde kein Ver• such gemacht, die Keren 1 Iajessod-Zciclmer zu Mitgliedern der Zionistischen Organisation zu!midien. Das hätte Ja auch der Philosophie der Keren Majcssod-Bewcgung widersprochen. Jm Kampf gegen diese Irrwege und Irrtümer bin ich im deutschen Zionismus allein geblieben.) Von diesen grotesken Zwischenspielen hat nur Dr, Wcizmami sich mit Entschieden• heit, zu jenem anderen Wege!ungewandt, der als erstes Marschziel die ״Erweiterung der ״Jewish Agency“ zeigt, dann aber in gerader Linie zum Aufbau einer neuen Palästina- 'Organisation führt, die an die Stelle der von ihren Leitern ■aufgegcbeneii Zionistischen Organisation treten nuifi, i Die politische Blindheit der deutschen Ziomsicnfiihrer ließ *k an die Möglichkeit von Kompromissen glauben. So ent- Stauden die lahmen, unbefriedigenden Agcncy-Beschliisse des Kongresses und der nach dem Kongreß in Berlin tagenden ן ' *) Daß Or. Soloweilschik die Organisation leiten sollte, ßst eine nach dem Konflikt mit ihm aufgekommene Legende, Agency•lC'.iiimisMoit, die dam! v<>11 der vorletzten A.-C.-SHzting giitgclu'ilien wurden. Stolz verkündete man damals die neu errungene ״Einigkeit“. \V.1׳s au.! du :,cn Beschlüssen, diesen ״äußvrr.ten Kon- Zessionen“ geworden ist, wissen wir ja mm. Schade, daß die ״th mukrailsche Fraktion“ dem 150(1011 priu/ipieik'r Opposition verlassen hat und zur Hüterin Inhaltloser Kompromißphraseii geworden ist. Ala ich vor dem letzten Kongreß die neue Agcncy-Politik in einer Artikelserie der ״Jüdischen Rundschau“ bekämpfte, habe ich voraur.gesagt, daß mau entweder die Zionistische Organisation als Agency bestehen lassen, oder aber bei einer Erweiterung der Agency den niclitzionislisehen Elementen die volle Gleichberechtigung gewähren müsse. Es war klar, daß diese Gleichberechtigung von der anderen Seite sofort verlangt werden würde, — zumal wir cs ja waren, die so stürmisch den Eintritt der Nichtzionistcn in die Agency begehrten. Nun sind wir so weit — und nun läuft unsere Führerscliaft wieder mal hinter den Ereignissen und hinter Dr. Weizmaim her. 9 In der Politik kann man das Geschehene nur selten ungeschehen machen. Die Tatsache, daß unsere Führung seit fünf Jahren auf Ausbreitung der Zionistischen Orgaui* saiion verzichtet, die Propaganda für die Erweiterung der Organisation eingestellt, und bald diese, bald jene neue ״Losimg“ für die Heranziehung der iiichtzionistischen Juden aus• gegeben hat (Kongreßbcwegtmg, Keren liajessod, Erwciterung der Agency) — diese Tatsache hat ihre Wirkungen getan, die nicht mehr beseitigt werden können. Daß die Zionistische Organisation mit solcher Politik auf große Möglichkeiten verzichtet hat, ist klar. Bleibt die Frage, ob der Erfolg das Opfer wert ist. K,11111 im heutigen Stadium ein Zionist etwas ancitrcs wünschen, als daß die ״Erweiterung der Agency“ gelingen und ans ihr die neue, umfassende Paläslinaorganisation der jmlcnheit hervorgehen möge? Freilich bedarf cs dazu orgaui« satotiseher Ideen, Pläne und Anstrengungen, Leider sollen wir davon allzu wenig. * Inzwischen trösten sicli die Ewig-ßliudcn auf Ihre Art, Sie reden davon, daß ״nun erst“ die große Zeit der Zionistischen Organisation kommen werde, da sic sich jetzt, befreit vom Druck der materiellen Paliistinasorgen, auf ihre ״cigeiillichon“ Aufgaben besinnen könne. Am nächsten Tage hören wir dann freilich von denselben Auguren, daß ״auch in Zukunft“ die Zionisten die Hauptlast mul Hauptsorge für Palästina tragen müßten. Worin sollen denn mm die ״eigentlichen Aufgaben“ des Zionismus künftig bestehen? Nach den Aeußerungen maßgehender deutscher Zionisten 7.11 schließen, in der Bildung einer esoterischen Ordens-Zionismus (eines neuen Bundes Bne Mosche) oder in der Verfechtung eines kulturell und politisch radikalen Judeiistaat-Zionismus innerhalb der Agency, also in der parteimäßigen Züchtung eines ״unentwegt“ oppositionellen Maximalismus. Beide Programme sind ausführbar. Aber schon der Versuch, die Zionisten in solcher Richtung zu führen, kündigt das Ende der Zionistischen Organisation als der national-politischen Weltorganisation der Judcnhcit an. Bisher war die Zionistische Organisation der Sammelplatz aller für Palästina kämpfenden Juden. Wir waren nicht ״esoterisch“, sondern wir sammelten Schekel, Wir wollten durch Wucht und Große der Organisation vor aller Ocffentliclikcit wirken: Das ist uns gelungen — bis wir uns selber aufgaben und um Hilfe riefen. * Es gehört — so paradox cs klingt — zu den Eigentumliehkeiten gerade der deutschen Zionisten, daß sic das eigent• liehe Wesen mul die Lebcusbcdiugtmgen der Zionistischen Organisation so schwer verstehen können. Man hat bei uns so viel von Vertiefung geredet, wir sind so stolz auf unsere heutige Organisation und auf unsere Jugendbewegung, daß darüber der Sinn mul Ursprung der Zionistischen Orgauisaiion vergessen wurde. Es ist aber eine einfache und unbestreitbare Wahrheit, daß!licht die deutsche ״Vertiefung“, sondern Iterzls Aufruf zum Jiuienstaat die Zionistische Organisation geschaffen hat. Um des so großen, so einfach zu verstehenden Zieles, um des jüdischen Palästina willen sind Juden aller Art und Lander nach Basel gekommen. Da liegt Sinn und Ursprung der Weltorganisation. Es war natürlich, daß die erhaben-einfache Idee das ganze Judentum in Aufruhr versetzte und daß sie im täglichen Leben der üaliitli-Judcuheit umgestaitend wirkte. So wurden Zionisten zu Trägern einer netten jüdische Geistigkeit, so knmpfien sie in den Gemeinden gegen die Assimilaiitcn, schufen ihre JugendbüiKle, wandten sich sozialen und politischen Problemen des Judentums im Gallith zu. Dies alles war Folge und Begleiterscheinung des Zionismus. Daß aber die Zionisten trotz, der Verschiedenheit der jüdischen Probleme in ihren Ländern, trotz, der Differenzierung ihres Denkens und ihrer Arbeit als ein großer WcUverband zusammenhielten, daß sie sicii eine zentrale Organisation und Leitung gaben, daß die Tatsache des Vorhandenseins eines solchen Weitverb,׳indes und solcher Leitung in jedem Zionisten eine Art zionistischen Heimgeiiihls und Bürgerrechts erzeugte, daß diese Zugehörigkeit zur Weltorganisation dem Zionisten immer wieder Anregung und Kraft zur Betätigung iin Judentum seines Landes gab — alles Folge und Begleiterscheinung des großen Gedankens der politischen Vereinigung der Judenheit für Palästina. Diese politische Vereinigung hieß bisher Zionistische Organisation und ihr wurde die stolze Funktion der Jewish Agency übertragen. Nun soll diese Jewish Agency nicht mehr eine (vom Zionismus verwaltete) Funktion bedeuten, sic soll vielmehr —• durch Ausgestaltung zu einem Komitee, in dem auch Nicht« zioiiistcn silzc'it — selbst Organisation werden, Und Auf« gäbe dieser neuen Organisation soll gerade das sein, was den Inhalt des zionistischen Programms aiismachic: die Schaffung de» jüdischen Palästina. ist es denn nicht vernünftig, zu sagen, daß die Zionistische Organisation damit überflüssig geworden ist — vorausgesetzt natürlich, daß die Agency wirklich zustande kommt und daß unser Vertrauen in die Fähigkeit und den guten Willen der Nichtzionistcn gerechtfertigt wird. (Waren diese Voraus« Setzungen nicht vorhanden, so war ja die ganze neue Agency« Politik ein Verbrechen.) ״Aber nein,“ sagen die deutschen Zionistcnföhrer, ״nun gerade ist die Zionistische Organisation nötig, nun erst Wird sie wachsen.“ , . Warum? Weil wir uns je i/t erst recht ״vertiefen“, Jugendbewegung 111.־>:־hen, OalutlipoBük treiben können? Welch' ein Irrtumliier wird Ursprung und Folge der Bewegung, Inhalt und RcgleHuscluutim;׳ verwechselt. Y;V;| in I)cüUehland die Führer des Zionismus sehr stark mit 11 er Jugendbewegung verwachsen sind, weil sic sich deren Auf. hören nicht vorsteilen können, weil sie vergessen haben, daß auch eine Jugendbewegung die:.(׳!! Umfangs nur geworden ist, weil die Zionistische Organisation Basel 18')7. wurde -. _ so gehen sic heute mit dieser Zionistischen Organisation auf ן das leichtfertigste um, im Glauben an die Unzerstörbarkeit j einer Bewegung, die sie bisher getragen hai. _! Ist es denn so schwer, 7,1! begreifen, daß nur das eine größt 1 Ziel des jüdischen Palästina uns ans aller Welt zusammen• j führen konnte, und daß die Zionistische Weltorganisation i einem anderen Gebilde •weichen muß, wenn dieses Ziel nicht; mir uns Zionisten, sondern große, bisher als nichtzioni bezeichnet« Teile der judcnhcit ־zu gemeinsamer Arbeit ver. bindet? Daß «bei! mit dem Eintritt von Nichtzionistcn in die Agency schon eine neue Weltorganisation entstanden ist, deren Spitze die Agency ist und deren Basis dann durch Zionisten und Niclit/ionistcn geschaffen werden muß? Ist cs denn wahr, daß uns Zionisten ״noch mehr“, noch ״etwas anderes“ verbindet als das nationale Palästinazicl, und daß j dieses ״andere“ den Fortbestand einer Weltorganisation [ rechtfertigt? Es ist nicht wahr. Wir sind nicht mehr um! j nicht besser als jeder andere Jude, der in der neuen Jewish f Agency wahrhaft und aufrichtig das nationale Heim errichten ן will — wenn er cs will. Gibt es solche Jude״ außerhalb j des Zionismus nicht — so ist die geplante Erweiterung der Agency ein nationales Unglück. Gibt cs solche Juden außer• halb des Zionismus — und dies hat man uns, den Skeptikern und Verteidigern der Zionistischen Organisation,‘immer wieder j versichert — so sollen sie zusammen mit uns in voller { Harmonie und Glekhbetechtiguitg entweder eine verjüngte j Zionistische Organisation oder an deren Stelle eine neue Palästina-Weltorganisation bilden. Wenn dann noch zionistische jugendvereine, Ocincmdcpolitikcr, Vorkämpfer des llcbrais• mus oder des Minojitätcnschut/.cs in Form von besonderen Gruppen und Bünden ihre Ziele verfolgen, so kann doch die Summe ihrer Tätigkeit nicht mit dem Zionismus von früher verglichen werden, der nicht mehr und nicht weniger war als das Bestreben, die Judcnhdt in und für Palästina zu einen. » Gelingt die Erweiterung der Agency, so sind die wichtigsien Funktionen der bisherigen Zionistischen Organisation auf eine neue Körperschaft übertragen: Politik, Finanzen, Wirtschaft -- alles wird von der neuen Agency bestimmt. Welchem Zwecke datut noch zionistische Kongresse, Aktions- Comites und Exekutiven dienen sollen, bleibt unerfindlich. Nur wegen ״fifty — fifiy“? Aber da zeigt sich die Unhnllbarkeit der neuen Ageiicy-Konstruktion, wie sie sich in den Köpfen unserer Führer malt.!■ Ist cs nicht ein widersinniger Gedanke, daß demnächst in Amerika eine große Konferenz des amerikanischen Judentums zum Zweck der Beteiligung an der Agency zusammentreten soll — unter Ausschluß der amerikanischen Zionisten, weil diese ja via Karlsbad oder Basel schon in der Agency׳ vertreten sind? Ist es denn wahr, daß Lipsky, Goldbcrg, Rothenberg und ihr Gefolge nicht auf diese Konferenz gehören? ■Haben sie denn wirklich ein .״anderes“ Palästina- Programm? Und werden sie dann.uoclj mit Erfolg bei den׳, amerikanischen Juden fqr die Zionistische Organisation werben können? Sogar die russischen Juden in Amerika werden cs ׳ dann wahrscheinlich vorziehen, an der ״iiichtzionistischen“; Palästinakonferciiz tcilzunehmen, um das nationale jüdischc Heim miinufzubaiieii, unsere Politik zu bestimmen, unserer Wirtschaft zu diktieren. — Tatsächlich ist dann der; Unterschied zwischen Zionisten und Nichtzionistcn (besonders in Westeuropa, Amerika, Südafrika, England) nicht mehr von solcher Bedeutung, um eine dauernde Spaltung der Judenlicit in Zionisten und Nichtzionistcn zu rechtfertigen und die Fahrt zu Zionistcukongrcsscn wird Zeitvergeudung. Bald wird die Zionistische Organisation ihre Anzichungskraft gerade für die tätigsten Zionisten verlieren, zugleich natürlich auch für die schon halb gewonnenen Kreise des westlichen Judentums und für die gebildete Jugend, die bisher unsere Hoffnung war. Aber auch das palästinensische Judentum und die Chafuzim in Europa werden kein Interesse mehr an den Ucberresten der Zionistischen Organisation nehmen; sie werden sich nur noch an die Jewish Agency wenden, die für die Politik und Wirtschaft des Jisthtib entscheidend ist. Das ist das Ende der Zionistischen Organisation als der nationalpolitisehcn Weltorganisation, die bis heute der negotiorum gestor der Judcnhcit in der Palästinasachc war. Wird an ihre Stelle etwas Größeres und Besseres treten? Deute, da unsere Führerschaft unwiderrufliche Schritte getan hat, müssen wir alle es wünschen. An die Stelle des nur als Uebcrgmigsmafiregel denkbaren fifiy-fifiy-Systems, an •die Steile einer ״gemischten Agency“ muß die neue Palästina-Weltorganisation treten, und wir alle müssen hinein. Der eiste, gefährlichste Schritt ist getan. Gelingt cs nicht, aus dem Sumpf der Kompromisse, dem Irrgarten von Organisationen und Institutionen zur Bildung der neuen Organisation zu gelangen, so bleibt als Resultat einer verkehrten Politik nur die Zersetzung der Zionistischen Organisation lind die Entstellung eines mit dem Namen ״Jewish Agency“ geschmückten Komitees in London, das kein organisatorisches Hinterland besitzt und bald nichts bieteil wird als den ridikiilen Anblick einer lea ohne Geld. Die politische Methode, die ich für richtig hielt, ist verworfen worden. Möchte doch die andere tum allein mögliehe Methode jetzt wenigstens enfsclihißfretidig und in voraus* schauender Erkenntnis aller Konsequenzen angewandt werden! Leider sind die Aussichten hierfür gering. Nachdem die Führer jahrelang erklärt־ haben, daß 11er Rahmen der Zio« nislischcn Organisation zu eng geworden sei und die Milarbeit anderer Kreise nur durch Schaffung neuer Formen ermöglicht werde (Kongrcßbcwcgttng, Keren Hajcssod, Agency), fehlt’jctzt offenbar die Kraft und die Fähigkeit, aus diesem Programm lebendige Wirklichkeit zii machen. Man will gestern einer englischen, heute einer amerikanischen Gruppe das Recht ein* räumen, über die Zukunft des nationalen Heims mit zu ver* fügen. Man lädt diese Gruppen auf das dringendste ein, erklärt öffentlich, ohne ihre Mitwirkung nicht weiter arbeiten zu könne״ — und scheut heute schon wieder vot den unvermeidlichen Konsequenzen solcher Politik zurück. Man will cs nicht wahriiabeh und leug* 1 1 I w כד כר בו