Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 67 (22.8.1924)
- Date
- 1924-08-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr 67 JUED ISCHE RUNDSCHAU Seile 4SI iif ß las en.!rc en, len ,rticr ißicr mt nit ich die ׳en en, kr 131cs :te. rkc ics ,ml ule »nt Mit len za ich #ncken, nsdie!rttre je־ m- :11t len ißch. ml ich att ■de ׳׳11 na in. •rt, iit* KT 5ie ics irn nn er an aß lt* lie er, di ics 1er inim 00 1m •ח, en lie lic en so »g r» •יו• fk [1er Erfolg intensiver Kultur hängt von der Geschick• Ijclilii'it des Pflanzers ab. Hin erfahrener Gärtner heelarf weni.rrcr Land als ein ungeübter Anfinigcr. East alle nalastinnisisrhcn Siedler werden ungeübt sein; sie werden besser fahren, wenn man ihnen genügend große Farmen gibt, damit sie auch mit Getreidebau und Obstptlanzung beginnen. Wenn sie Erfahrung[ gewinnen und Markte für besondere Erzeugnisse geschaffen werden, können die Farmen geteilt werden. Dies bezieht sich niclit auf Siedler, die sidi ihren Unterhalt zum Teil mit Lolunrbeit verdienen. Ihnen würde schon ein Stückchen Lan.1 für einen Hausgarte״, mit Raum für das Halten einigen Geflügels und in manche» Fällen einer Kuli, genügen. Derartige G.irlensicclhiitgeii sind bereits in der Nahe von Jaffa und Tibcrias errichte♦ worden, ferner auch auf dem Lande, wo Lohnarbeiter ln nötigt werden, wie z, B. in den Weinkclicrcicn in kisehon und den großen Ornti'TCiipl. maqci» in Pctacli Tikwali, Im allgemeinen sind die jüdischen Lärmen in Palästina kleineren Umfanges als die intensiv kultivierten Teile Kaliforniens und Australiens, wo man sich mehr mnsciiincller Mittel bedient. An Areal gleichen sic eher den Farmen Westeuropas, die mit einfacheren Werkzeugen und mehr vermittels Menschenhand bewirtschaftet werden. . Gelegentlich einer in Jcmsnlem nhgehalteiicn Sitzung, nn der Leute aus den wichtigsten Siedlungen tcilnahmon, wurden vier!־'ragen in 110/ng auf die Bodenbestellung aufgeworfen. Es gingen darauf sichen sdiriftlidic Antworten ein. Nachsiebend eine Zusammenfassung der betreffenden Fragen und Antworten; a) Frage; Welchen Landkomplcxcs bedarf cs, um einer Sicdlerfnmilie Beschäftigung und Auskommen zu sichern? A n t w or t : Bei Trockenbewirtschaftung 25 bis 30 Morgen oder eines Durchschnitts von 35 Morgen. Bei Bewirtschaftung irrigierter Farmen 2'/j—10 Morgen oder eines Durchschnitts von 6 Morgen. b) Frage: Womit soll der Boden bestellt werden und welchen Komplex sollen die diversen Felder einnehincn? Antwort: Bei Trockenbewirtschaftung: Weizen, Gerste, Hafer, Wurzelzeug, Gemüse, Mandeln, Oliven, Feigen. Trauben, Eukalyptus und anderem Nutzholz, Tabak; Milchwirt• schaff, Geflügel- und Bienenzucht. Bei Bewirtschaftung irrigierter Farmen: Zitruspflanzungcn, Bananen, Alfala und anderen Futtcrcrzcugiiisscn, Gemüse; Milchwirtschaft, Geflügel- und Bienenzucht. Außerdem wurde noch von Dr. Soskin ausgiebiges Maferial über die Möglichkeiten der cinzclbäucrlichcn Wirtschaft (small holding) unter Irrigation zur Diskussion gestellt. Eine typische Wirtschaft dieser Art wurde von Herrn Dr. Soskin wie folgt veranschlagt: 11/4 Morgen unter Irrigation, 11/4 Morgen ohne Irrigation, Zusammen 2'׳j Morgen oder 10 Dunam, die wie folgt zu bestellen sind: 2 Dunain mit Gemüsen, 2 ״ ״ Bananen, 2 ״ ״ Tabak, 2 ״ ,, Seidenraupenzucht, 2 ״ für Baulichkeiten und Gefiiigelliof. c) Frage: Was kann ein Siedler an Zinsen für die Amcliorations- und Ausrüstungskosten seiner Farm zahlen? Antwor t: Von 1—5 »/״ oder durchschnittlich 4 ׳,״o. d) Frage: Welche Qualifikationen sollte ein Siedler besitzen? Antwort: Er soll kräftig, jung und guten Charakters seilt und eine landwirtschaftliche Vorbildung von 1—2 Jahren besitzen. Es ist zurzeit noch schwierig, eine Große für unirrigierie Farmen fcstzuseizen, denn mit zunehmender Erfahrung mul vergrößertem Betriebskapital werden sich auch die Betriebsmetnoden ändern. Die Verwendung maschineller Hilfsmittel dürfte mit der Zeit zunchmcn, so daß auch der von dein Einzelnen bewirtschaftete Bodenkomplex sich entsprechend vergrößern wird. Ein gewisses Areal der Trockcufarmcn wird in der Reihenfolge mit Getreide bebaut werden müssen, wozu dann Erntemaschinen erforderlich sein werden, die ,gemcinsames Gut einer Gruppe von Siedlern bilden können. Die Milchwirtschaftnfarmen sollten groß genug sein, um Futterzeug für eine Milchherde von 10 Kühen liefern zu können, denn ein solches Farmwesen und eine solche Anzahl von Kühen können leicht von einem Einzelbauern und seiner Familie versehen werden. Im südlichen Teil Palästinas wird den Trockenfarmen ein größerer Bodenkomplex zugewiesen werden müssen als im Norden, da dort weniger Regen fällt. Antwort auf Frage 8: Um unbebautes Land in Farmen umzuwandclii, die damit verbundenen Ameliorationsarbeiten auszuführen und die Farmen auszustatteii, bedarf es heute doppelt so hoher Ausgaben wie vor dem Kriege. Nachforschungen, die vor kurzem von seiten des lanciwirtschaftlichcn Departements der Regierung der Vereinigten 51;raten unternommen worden sind, haben ergehen, daß sich die Kosten der Verbesserung und Ausstattung kleiner l armen tmler Irrigation im Durchschnitt auf £ 1500 pro Farm bclaufen. Diese Ziffer stimmt so ziemlich mit den in der Neusiedlung ßenjamina tatsächlich gemachten Erfahrungen öbercin, in der die Insfallationskostcn etwa £ 1600 pro Farm betrugen. 1111 Jahre 1923 wurden eingehende Nachforschungcn bezüglich der Vorbcrcitungskosien einer bewässcrfen Ansiediungsfarin in Australien angcstcllt. Es ergab sich, daß fiir Farmen von 15—40 Morgen diese Kosten zwischen £ 1000 und £ 2000 schwankten. In diesen Ausgaben waren Baulichkeiten, Gerätschaften, lebendes Inventar und Spesen für den Lebensunterhalt (für 1—3 Jahre berechnet) eingcschlossen. Die Gelder, die fiir die Anschaffung von Viehbeständen vorgestreckt wurden, sind in 1 -5 Jahren rückzahlbar. Die Kfiekzalilun״ von Beträgen für Dnucramcliorationcn sollic in 20 —50 Jahren erfolgen. In den meisten Ländern ist cs Usus, bei Darlehen, die amortisiert werden, die Zahlungsbist zu verlängern. Der Zinsfuß muß ein niedriger sein. Solange die gegenwärtige Preisdenressioii andauert, wird die Landwirtschaft kaum mehr als 3—4 °'o ahwerfen. Boden- Zahlungen sind nicht inbegriffen, da das Bodenanrecht dem zionistischen Nationalfonds Vorbehalten bleibt: somit wird nur ein niedriger Pachtzins von 2 «/o erhoben werden. Eine Dauer- Pacht Ist sehr zu empfehlen, indem diese weniger beschwerlich für den Siedler ist und auch die Ucbel spekulativer Ucbcr- Iragiuig aiissclilicßt. AntwortaufFrageO: Je schneller die Verbessefungsarbeiten und die Ausstattung der Farmen nach Ihrer Uebcrgahc an die Siedler durchgeführt werden können, je bessere Resultate werden erzielt werden. Verzögerung in der Entwicklung ist, da die Einnahmequelle hinatisgeschoben oder verringert wird, natürlich mit Zinsen- und Stcucrvcriusten verbunden. Im driften Jahre sollten die Siedler schon ziemlich Ruf auf den Beinen sein und schon im zweiten Jahr mehr als die Spesen verdienen. Antwort auf Frage 10: Die Antworten hierfür lind bereits in der Beantwortung der Vorfrage enthalten. Die von Herrn Etlinger gestellten Fragen haben ihre Beantwortung in gemeinsamer Erledigung des Fragebogens der zionistischen Exekutive gefunden. In eingehender Er- Witterung seiner ersten Frage wäre noch zu bemerken, daß *ämtliclie Entwicklungsarbeiten unter der Anleitung von Bcunten der Zionistischen Organisation ausgeführt werden soii• fen, es müßten aber Vorkehrungen getroffen werden, um Eiiizelprtsoncn, die um Farmen em/ttkoinmen beabsichtigen, Lolmheschäftigung zu verschaffen oder es Gruppen von vornnssicliilielien Siedlern zu ermöglichen, Arbeitskontrakte ahzuschließe״. Kolonisatorische Entwicklung tltirdi Siedler mit ausgiebigen Kapitalien Bei der Begründung der ersfen zionistischen Farmsirdhingen gal) es fiir kapitalskräftige Siedler noch wenig verlockende Aussichten in Palästina. Die Stellungnahme der Rcgieruug war eine unbestimmte, wenn nicht gar iintmiiullichc. Dem Eiweiß von Boden lagen viele gesetzliche Schwierig• Ryiten im Wer:!'. Der bedachtsame jüdische Farmer konnte sich nicht entschließen, sich und seine Familie zu entwurzeln und mit Hab und Out nach Palästina übcrzttsiedelu, um sich der Bewegung dort nn/uschlicßcn. So geschah cs, daß die ersten Siedler sich aus Leuten zusammensetzten, die kein oder nur wenig Vermögen besaßen und vorwiegend mm Ländern kamen, in denen die Verhältnisse noch iirger als in Palästina waren, Eine palästinensische Farmsicdiung bedeutete den Znfluclitshafcn für viele Flüchtlinge, die vom landwirtschaftlichen Leben keine Ahnung hatten. Andererseits herrschte fiberall vielfach die Meinung, daß Palästina eher ein armseliges Land als ein nn Uttcrschlosr.enon und unentwickelten Möglichkeiten reicher Flecken sei. Viele #^יי• ך-« iir. Iß tlü? 112p Zlcnlstlschcn fcslnipnö geht in diesen Togen ollen Gesinnungsgenossen, die Ircgelmöfslg Zlonfttcmfeuer zahlen, zu. Wir bliten olle Freunde, die mit der Zahlung der Zionlsfensfeuer Im * Rückstände sind und die Wert auf die Zustellung dieser Nummer legen, Ihren Beitrag unverzüglich entweder direkt an uns (Postscheckkonto Berlin 8091) oder an die zuständige Ortsgruppe abzuföhren. Die Nachllcfcrung der Nummer wird dann sofort erfolgen. dieser uralten Rasse, die dazu imstande waren, ein ge• siindes, freies Landleben zu führen, gingen nach anderen Orten. Dadurch beschränkte sich die Kolonisation auf Leute, die weder Vermögen noch Erfahrung besaßen, und somit wurde dem Keren Hajessod eine schwere finanzielle Last aufgebürdet. Anstatt den Beweis erbringen zu können, was ein erfahrener Landwirt, mit geeigneten Gerätschaften orbeitend und über einen guten Viehbestand verfügend, aus der Sache machen könnte, mußte der Keren Hajessod vorerst darauf bedacht sein, «lic Ausgaben möglichst ticrabzusctzen. Die Ausgaben fiir Baulichkeiten, Anpflanzungen und lebendes Inventar mußten so niedrig wie nur möglich geschraubt werden, so daß die jüdischen Siedler, obwohl sic im Vergleich zu den arabischen Farmern gliinzci.dc Resultate erzielt haben, doch nickt imstande waren, das zu leisten, was von Siedlern, die über genügende Kapitalien verfügen, um ihre Wirtschaften nach den anerkannt besten Methoden zu führen, geleistet werden könnte. Das ländliche Palästina sollte aber nicht ntir den Dnlrrdrückten eine Zufluchtsstätte sein, mich sollte die Entwickhing seines Farmvvosens niclit ausschließlich denen überlassen bleiben, die finanziell unterstützt werden müssen. Der für intensive Bearbeitung geeignete Bndcnkomplex ist zu beschränkt, als daß er vielen Juden eine Heimstätte gewähren könnte. Was aber in den Talern, und insbesondere in den irrigierbaren Teilen der Täler getan werden kann, ist, Lebensbedingungen zu schaffen, so verlockend, wie sie nur in irgendeinem anderen Teile der Welt angetroffen werden können. Das würde Palästina etwas von seiner glorreichen Vergangenheit zurückgeben lind würde cs zu einem von allen Juden gern besuchten Wcltflccken machen. Wenn die ländlichen Anziehungskräfte so entwickelt sein werden, wie sie es sollten und könnten, dann werden die Juden mit Stolz und Freude auf Palästina blicken. Das Land wird Besucher aus allen Teilen der Wett anzieiicn und wird tausenden, die aiulerwärtig ansässig sind, doch im besten Sinne des Wortes eine Heimat werden. Es ist mm nn der Zeit, daß eine Siedlung begründet wird, welche dein eigenartigen ländlichen Reiz und den Möglichkeiten des Landes gerecht wird und der Welt klar vor Augen fuhrt, was in Palästina geleistet zu werden vermag. Die prachtvollen jüdischen, Wohnhäuser, die kürzlieh in ierusnfrm, Haifa und Jaffa’ erriciifet worden sind, deuten darauf hin, daß die Städte wohlhabende Menschen von Bildung und Geschmack n»ziehen, Mit dem Aufblühen der Vororte Haifas und Jaffas werden ober noch wertvollere Resultate und noch bessere Lcheiisbcdingungen geschaffen werden, als dies in den Städten möglich ist. Was für das Landleben um Neapel herum und In anderen Gegenden des Mittclmccrcs oder z. B. in Florida, In den Vereinigten Staaten und in Südkalifornien getan worden ist, das kann auch im Tale von Esdrnton oder auf den Abhängen des Karmclbcrgcs getan werden. Hier bietet sicli wohlhabenden Menschen die Gelegenheit, ihre Mittel und Kräfte, ihr Können und ihren Geschmack der Schaffung eines Zentrums zuzuwenden, geeignet, Leuten, die im Lande ihrer Väter lohen möchten, zu beweisen, daß cs ihnen ailc Vorzüge der Kultur zu bieten vermag, die sic anderwärts etwa vorfinden könnten. Besitzt die zionistische Bewegung genügend Lebenskraft, tun sich behaupten zu können, so muß sic es verstellen, Menschen nnzuzieheu und zu fesseln, die, falls sic cs wünschen, außerhalb Palästinas ansässig sein können. Fliese Leute suchen Palästina genau 80 auf, wie sic nach anderen bevorzugten Erdfieckcii reisen, um das Beste, das ilinen das Leben zu bieten vermag, genießen zu können. Wenn sich die jüdische landwirtschaftliche Kolonisation mit derjenigen anderer Länder messen will, so muß das jüdische Volk bestrebt sein, die gegebenen Möglichkeiten so auszunutzen, wie dies in anderen Ländern geschehen ist. Zus3mmcala3scntlc IlslsdtKge Es empfiehlt sich, damit die bestehenden Siedlungen ahgerundet werden können, die etwa noch fehlenden Ländereien zu erwerben, ferner sollten die Ent- und Bewässernngs- Systeme vervollkommnet werden. Abkommen, in denen die licitragsleistuiigeu des Keren Hajessod zur Begründung von Einzcifarmcn oder Gcnossenschaftssicdhingcn fcstzusctzen sind, sollten ausgearbeitet und in allen bestellenden Kolonien unterzeichnet werden. Die Bedingungen, unter denen künftige Kolonien geschaffen werden sollen, sollten sorgfältig ausgedacht und in einem Kontrakt verkörpert werden, der dann von jedem Ansiedler zu unterzeichnen wäre. Jeder neuen Siedlung sollte ein kompetenter Berater oder Leiter zugctcilt werden, dem weitgehende Vollmachten in bezug nur die Auswahl der Siedler, wie auf die Unterstützung und Anleitimg, weiche ihnen bei der Entwicklungsarbeit gewährt werden soll, cingeräumt werden müßten, Es sollte eine aus finanziell unabhängigen Leuten bestehende Kolonie begründet werden. De Haan LXc katholische ״K ö 1 n i s c h c V o 1 k 8 z e i t u n g" nimmt ausführlich Stellung zu der Ermordung de Haans und. halt es für ausgemacht, daß die Mörder Zionisten sind. ' Außerdem wiederholt die ״Kölnische Volkszciiung“ eine Reihe von Verdächtigungen gegen den Zionismus und gegen die Zionisten, offenbar als Frucht fleißiger Lektüre agudistischer Blätter. Im Pariser ״Figaro“ stoßen die Brüder Jeromo und Jean Thnraud in das gleiche Horn. Auch diese nicht» weniger als judenfreundlichen Schriftsteller halten cs für er• wiesen, daß Zionisten de 1 La an ermordet haben. Auch da$ Brüsseler Katholikcnblatt, der ״Standard“, schließt sic« dem Konzert an. Im ״Standard“ heißt es: ״In Europa darf man nicht glauben, daß zwischen riert Zionisten und den echten, tiefgläubigen Juden, die streng an der Befolgung der Gesetze von Moses festhaltcii, Eintracht und brüderliche Beziehungen beständen, besonders niclit it* Palästina. Die orthodoxen luden erklären rund heraus, daß sie mit den Zionisten aut demselben Fuße stehen, wie' wir Katholiken gegenüber Gottesleugnern, Freidenkern; krassen Materialisten usw. Die Zionisten glauben denn auch tatsächlich nicht an das Hebern,itiirlichc. Sie be» kümmern sich niclit um den Sabbath und nehmen niclit teil an den gottesdienstlichen Uebungcn der Juden, l ür sie ist das ״Reich Israel" nichts anderes, als die 1 Icrrschaft über die Weit, da» Monopol auf dein Gebiete des Handels, de* Geldes und des üppigen Lebens. Die Zionisten sind daher für die gläubigen Juden ein Stein des Anstoßes. Vorwinter des jüdischen Gottesdienstes, also wirkliche Fein Je. Die orthodoxen Juden haben dem» auch den Zionisten glühenden Haß 'geschworen und nehmen ilire Zuflucht zur Vcrsamm« lungstätigkeit, zu Vorträgen und Flugschriften, um den Absehen gegen die Zionisten zu wecken und sic, wo mögi lieh, aus Palästina vertreiben zu lassen. Unlängst habet( die echten Juden noch einen strengen Fasttag eingelegt und besondere Gebete angeordnet, damit der Fluch die Zionisten treffe und ihre Bestrebungen zunichte mache.“ Diese merkwürdige Ucbcrcinstiinmung zwischen denkaiho» Jischcn Blättern verschiedener Länder in der Beurteilung de» Falles de Hann und des Verhältnisses zwischen Zionisten und Orthodoxen läßt den Schluß zu, daß die katholischen Blattet einer von einer Zentralstelle äusgcgcbetien Parole folgert. Die katholische Presse aller Länder beklagt sich oft mit vollem Recht, daß es eine Ungehörigkeit ist, wenn Anders•» gläubige in den häuslichen Streit zwischen den einzelne!» christlichen Bekenntnissen und Schattierungen eingreifen. Wie können diese Mahnung auch an die katholische Presse rieh» tcn. Sic möge in der Frage Zionisten — jüdische Orthodoxie Zurückhaltung üben und sieh vor allem davor hüten, Verleimt»׳ düngen auszustreucn, für die vorläufig nicht der Schatte« eines Beweises zu erbringen ist. Die ngiidistisehe Presse/ jedoch lasse sich diene Stellungnahme der katholischen Prcssij zur Warnung dienen, denn das Eciio dieser Presse auf (lief Ausführungen der Agudisten kann keinem Juden lieb in den Obren klingen. Die palästinensische Polizei hat das Verfahren gegen den Chaluz Jacob O 11 ß m a n n, der am 21. Juli in Verbitidtmg mit dem Mord an Dr. de Haan verhaltet und dann gegen Bürgschaft frcigclassen wurde, endgültig eingestellt. Es wird erklärt, daß gegen Otiflmann keinerlei Verdachtsgründe vorliegcn. Zu Allred Klees F.nlhillnng Unsere Leser werden bereits aus der Tagespresse davon׳ unterrichtet sein, daß die Verhaftung Dr. Klees, die der. ßautzener Lnndgcriehtsr.it Dr. Stark vorgenommert hatte, von dem zuständigen Gericht sofort, nachdem es sich mit der Angelegenheit befaßt hat, aufgehoben wurde, wie es niclit anders zu erwarten war. Die in den Zeitungen veröifentlicIPcrt Mitteilungen über die höchst eigenartige Persönlichkeit des Richters und die mit!geteilten Daten aus seiner bisherigen Lauf« bahn geben immerhin eine Art Erklärung des merkwürdigen Vorfalles: unerklärlich aber bleibt, wie eine derartige Persöulichkrit, wenn auch mir vertretungsweise, einen Posten be< kleiden durfte, der mit einer so weitgehenden Machtbefugnis nnsgestattet ist. Wer weiß, welche Taten der Herr noch voll•» bracht hatte, wenn nicht die Verhaftung Klees dem sächsische« Jutr.izministcrium sofort Anlaß gegeben hätte, Herrn Stark? telegraphisch (Sie Vornahme jeder weiteren Amtshandlung zu verbieten. Bedrückend und beängstigend ist aber die in» diesem eklatanten Fall offenkundig gewordene Tatsache, da® Leben, Freiheit und Person mit so wenig Rechtsgarantici» geschützt sind. Wenn ein solcher die Grundlage der Existenz gefährdender Eingriff gegenüber einem hochangesehenen Anwalt und Verteidiger möglich Ist, wie soll sich daun irgend■ jemand kn LXuitschcn Reiche überhaupt noch sicher fühlen A, Aber gerade der Umstand, daß das Opfer des ״wild gewor* denen Untersuchungsrichters“, wie cs in der Tagespresse gesagt wird, eine Persönlichkeit vom Range Dr. Klees gcworden ist, dürfte Anlaß dazu geben, eine wohltätige und notwendige Revision der Sfrafprozeßordnuiig durclmiführcn; Das ist natürlich in erster Reihe die Aufgabe der juristischer» Organisation. So unangenehm der Zwischenfall für Dr. Klca natürlich gewesen ist, hat er ihm doch Gelegenheit verschafft, zu sehen, welcher Sympathie und welchen allgemeinen Vertraucns er sich crir׳״״.. Die Art, in welcher die Berliner Anwaltskammcr, die anwaltliche Standesvcrtretung, sich für ihn eingesetzt und die Garantie für die absolute Unantastbarkeit: seines Charakters übernommen hat, die zahllosen Kundgctnmgen aus allen möglichen Kreisen, werden ihm zweifellos eine Genugtuung sein und ihm helfen, die bösen Eindrücke diesen Tage bald zu überwinden und mit alter Kraft sich seinen beruflichen und öffentlichen Arbeiten zu widmen. Die zweite jüdische Weltliillskonlerenz Das Programm der am 21. August in Karlsbad eröffneten zweiten Jüdischen Wcltliilfskonfcrenz lautet: Er« Öffnung der Konferenz durch den Vorsitzenden der Exekutive der Wcltliilfskonfcrenz, Herrn Leo Motzkin. Ucbcr die Fragen der Kincierltilfc und des Kinderschutzes sprechen;■ Dr. M. Pcker (Warschau), Sejm-Abgeordnete Frau Dr. Rosa M e 17, c r (Lemberg) und Dr. W. Adler (Odessa). Ucbcr die Probleme des jüdischen Gesundheitsschutzes sprechen: Dr. O. Lcwiu (Warschau.) und Dr. L. Bern« stein (Kiew). Ucbcr die wirtschaftliche Lage in Osteuropa: die Herren Jacob Lcstschlnsky (Wiederaufbauhilfe), Prof. B. ßrutzkus (jüdische Landwirtschaft), Abg. Dr. Oskar Cohn (Hilfe durch Arbeit), der Direktor der litauischen jüdischen Zentralbank Herr Brudny (jüdische kooperative Bewegung). Von den (ihrigen Referaten sind erwähnenswert: Prof, Dr, Chajcs (Wien): Hilfe an die jüdische Intelligenz# Dr. S. Tiomkln lind W. Latzki-Bertholdl: Die Krisis in der jüdischen Emigration und ihre Abwehr; Dr. I). Joche!mann (London): Die Vereinigte jüdische Volks« bank: Herr Sliosberg: Die Beziehungen zu anderen jüdischen Hilfsorganisationen; Z. Aberson (Genf): Die Beziehungen zu den internationalen humanitären Organisationen; L. Motzkin, J. Efroikln und Dr. Alfred Klee: Der Jüdische Weltvcrband für *oziale Hilfe und der Jüdische Rettungsfond(.