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Jüdische Rundschau · 1924-08-22 · Heft 67 (22.8.1924) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 67 (22.8.1924)
Date
1924-08-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite «!80 TÜEDIS'CHZ RUNDSCHAU' m. m » »"'׳*““ץ* ך״י״ד/׳ ׳®■״יור־־י־ y/\ f*jy i * ^v... »* < ff f v" r n ■'־r TI /».* /l :׳יןו /■? #וי י;־ f Von El wood M1:ad, Prüfe ,זסל am lanUwirtsclirjftliclieu Institut der University of California Zweier!?! S'.etl3:״״ca Sechs der zionistischen Siedlungen bestehen aus chm־!- bäiierliclien Siedlungen, d. 11. aus KL'ingnmdstüeken, die Ligentum des Siedlers und seiner Pamilie sind und von ihnen bcwirtschaftet werden und auf deren Ertrag sie vollkommen angewiesen sind. Die übrigen sind genossenschaftliche Siedhingen, d. 11. der Grund und Hoden samt Zubehör ist Kollektiv- Eigentum der in den betreffenden Kolonien angesiedelteii Familien und Einzelpersonen. Das Land wird von diesen ■gemeinsam bearbeitet und der Ertrag des Gesamtkomplexes nach einem Kooperativsystem auf die Mitglieder der Siedhing verteilt. Zuweilen wolmcn die Mitglieder dieser gcjiossciisehnfdicheit Siedlungen in grollen Kommtmalhäusern und führen auch gemeinsamen Tisch. Zuweilen haben sie mich getrennte Wohnungen und fuhren separate Wirtschaften. X'ahalal ist die bedeutendste der kleinbäuerlichen Siedlungen. Sie besteht aus 2(101) Morgen, die in 80 Farmen von je 25 Morgen emgeteih sind. Die Iii1Uvic!i!;n:fj und IJisgelniso von N2hsl.11 In ganz Palästina sind die Landwirte gezwungen, in Dörfern zu leben, um sich gegen die Beduinen zu schützen. Dies wird aber nicht als ein Unglück empfunden; denn sie;rieben das soziale Lehen vor, welches sie dort erwartet. Das Dort bei Nahalai und einige von den Dörfern hei Nuris Sind von einem hegabien Landscbaftsgärtncr nach verlockenden PI.inen angelegt worden. In Nahalai besteht eine Atisbüdungssdude für Frauen. Obgleich es au der erforderlichen .Ausrüstung fehlt, werden liier junge Mädchen in der Haus- und Landwirtschaft unterrichtet, wodurch sie zur tatkräftigen Erfüllung der ihnen obliegenden Pflichten und zu besseren Lebensgefährten ihrer Männer erzogen werden. Das Wasser für irrigationszwecke wird in Nahalai von den Entwässerungsanlagen eines großen Sumpfes im Kiscbontal licrgeleitet, während das für den Hausbedarf au; einer Quelle am ilcrgessauine auf der nördlichen Seite des Tales gewonnen wird. All diese mit der Vorbereitung der Farmen und der Verbesserung des Bodens verbundene Arbeit wurde von An- Siedlern . und Siediungsrcflektanten gegen eine vereinbarte, tarifmäßige Entschädigung geleistet, jedem Aiulsiedler wurde vom Keren Hajessod ein Kredit von .C 600 gewährt, der zur Bestreitung der Kosten für die Amciioration seiner Wirt* schaft und die nn/usehaffcmle Ausrüstung dienen soll. Für das Land selbst werden keine Zahlungen geleistet, da jeder Ansiedler dieses in Dauerpacht erhält. Der Rechtsanspruch daraut steht dem Jüdischen Nationalfonds zu. Die Pacht für das Land beträgt 2 ״/״ seines eigentlichen Wertes und der zum Zweck der Amciioration und Gcrätcanschaffung vorgescbossciie Betrag muß mit 5 «,0׳ Zinsen zurückgez,1111t werden, Die Gciiosscnschnftssicdlungcn bei Dagania und Nuris haben ähnliche Bedingungen wie die in Nahalai. n. . Bei der Erwägung der für die künftige ländliche Kolonisation in Frage kommenden Methoden ist der Erkenntnis Rechnung getragen worden, daß womöglich das jüdische Volk selbslp seinen eigenen Eingebungen gemäß Methoden und 'Richtlinien,‘ abweichend von den bisher gebräuchlichen, aufstellen könnte. Dieser Möglichkeit ist durch eingehendes Studium der Verhältnisse und der Schlußfolgerungen weitgellendste Aufmerksamkeit geschenkt worden. Bei Aufnahme dieser Studien wurden die Herren, in deren Ressort die kolonisatorische Entwicklung fällt, tun Nennung der von ihnen am wichtigsten erachteten Seiten der Lindliehen Kolonisation ersucht, denen ich besondere Aufmerksamkoit zu schenken hätte. Daraufhin wurden von der Palästina- Exekutive und von Herrn Ettinger, dem Leiter des Kolonisatinns-Departcments, Fragebogen ausgearbeitet, die mir als Richtschnur dienten. Dr. Soskin, der nach Palästina gekommen war, um ein eingehendes Studium der Möglichkeiten für die Entwicklung des Kleinsicdhingssystcms an Ort und 'Stelle zu verfolgen, hat mir ebenfalls in liebenswürdiger Weise mit einem Fragebogen gedient. Nachstehend gebe ich diese Fragebogen in ihrer Reihenfolge wieder. A. Fragebsflen der Paläsifaa-Exelcntlv« Die Kolonisatioustätigkeit der Palästina-Exekutive wird folgendermaßen durdigct'ührt: 1. Einz.clhäiicrlichc Kicinsiedhingen in den sogenannten Arbcitcrkolonicn. Beispiele: Nalialal, Kfar Jcclicskiel. 2. Kleine Kooperativ-Gemeinden. Beispiele: Dagania, Merchawia. 3. Große Kooperativ-Gemeinden. Beispiele: En Charod, Tel Joseph, Iiaschomcr Haznir. 4. Vorschüsse an selbständige Landwirte (die über ein gewisses Eigcnkapital verfügen). Beispiele: In Moxa 11, Oederah. * 1. Welche Ansprüche in bezug auf Dauer und Art seiner landwirtschaftlichen Ausbildung sowie seines Anpassungsvcrmögens an die klimatischen Verhältnisse Palästinas werden an den kandidierenden Kolonisten gestellt; so!! ihm bei der Ansirdhmg der Vorrang cingcräumt werden? 2. Ist es unbedingt notwendig oder nur wünschenswert, daß ein an gehender Landwirt Eigenmittel besitzt, um erste Berücksichtigung für die Ansiedlung zu erfahren? Falls Eigenmitte! Bedingung ist, wie hoch soll der Mindestbetrag sein? 3. Welche Maßnahmen sind am geeignetsten, das Risiko herabztimindern, welches die Bewirtschaftung in großem Maßstabe, wie z. B. in En Charod, in sich schließt, wenn diese mit meist unerfahrenen Siedlern, die erst angelernt werden müssen, betrieben wird? 4. Lassen die auf dem Gebiete der Landwirtschaft gesammelten Erfahrungen und gemachten Studien die Begründüng von landwirtschaftlichen Siedlungen auf koninumistischer Basis als vorteilhaft erscheinen? Ist die Anwendung kommunistischer Prinzipien vom kolonisatorischen Standpunkt aus als günstige oder schädliche Einwirkung zu bezeichnen? Welchen Einfluß würde diese Ar; der Bewirtschaftung auf die Produktivität des Bodens im Vergleich zum Privatbetrieb ausüben? 5. Kann eine große Gnippe von 150 Mitgliedern (wie oben stib 3 erwähnt) oder eine kleinere Gnippe (wie sub 2 erwähnt), als Kooperativ-Genossenschaft arbeitend, zu einer fest ansässigen selbständigen Siedlung herangcbildet werden? Wie groß sollte die Maximahnitglicderzahl einer solchen Gruppe sein? 6. Wie sollte die Leitung unserer landwirtschaftlichen Tätigkeit zusammengesetzt sein’ Was sollten die Aufgaben und wie die Zusammensetzung unseres fachmännischen Personals in bezug auf die finanzielle und wirtschaftliche Bcaufsichtigung und Anlernting der Siedler sein? 7. Weicher Komplex würde bei der Zurverfügungstellung von Boden in folgenden Fällen als angemessen betrachtet wcrdec? a) Für Farmen, die, ,wie iß Nahalai, vor» Besitzes selbst m bewirtschaften sind; b) pro Kopf der kleineren Kotiperativgruppeii, wie jene in Dill», Merchawia usw.j c) pro Kopf der großen Kooperativgruppep, wie jene in En Charod? 8. Welche Miudcstausstattimg sollte jeder Farmer oder jede Gruppe erhalten, h/.w. welcher Vorschußbetrag sollte in folgenden Fällen gewährt werden? a) dem Farmer, der sein Gut selbst bewirtschaftet; b) den kleineren Kooperativ- Genossenschaften (pro Kopf); c) den größeren Kooperativ- Genossenschaften (pro Kopf) für (1) Baulichkeiten, (2) Handwerkszeuge, Viehbestände und (3) Arbeitskapital? In welchen Summen (und über welche Periode verteilt) soll ihnen der Gcsamtvorschuß zur Verfügung gestellt werden? R. Prsgdjcpa tlcs llcrra Eülagcr 0. Im Laufe von wieviel Jahren kann die Rückzahlung der Ausrüstiingsanlcilie beansprucht, welcher Zinssatz soll für die Anleihe gefordert und was soll an Miete gezahlt werden? 1. Soll der Roden (durch Trockenlegung der Sümpfe, An- Jage von. Wnsscrinstallationcii, Wegcbmiten und Irrigations- Vorkehrungen) noch vor der Uebcrgabc au die Siedler anielioriert oder sollen diese Amcliorationsarbeitcn den Siedlern selbst tiberlassen werden? 2. Ist die Miiulestbctciligung des Siedlers mit 1Ö°/0 der Ansicdlungskosten als eine unabweichbare Bedingung anzusehen? H €0נוק:.!זו t'iJeGt - Oiarielioräburn B. Z. V. I •j Mittwoch, dou 8. Uopt«mbor 1024, al'oncJ» pünktlich KB Vh/1 1 ij Kurt Blumenfeld | m ״Das Schicksal der Zionistischen Organisation.״ J!J Amtpraohe. | H Allo Uit{;lio<lor und Frenu<W dor J*. Z. V. sind bosUn« eing«Ud«n. | i j Ort: KloiHt*tr5«*o 10. I 3. Sollen im Hinblick auf das für unsere Ansicdlungsarbeiten zur Verfügung stellende Menschenmatcrial Bewerber, die keine Eigenmittel besitzen, in Palästina aber bereits als Landarbeiter tätig gewesen sind, auf dem Lande ängesiedett werden oder nicht? 4. Ist die Forderung, die wir an den Sicdhmgsknndidaten stellen, daß er im Lande selbst wenigstens ein Jahr hindurch als Landarbeiter tätig gewesen sein muß, berechtigt oder nicht? 5. Ist cs angebraclit, mit Rücksicht auf die geringen Mittel, die uns zur Verfügung stehen, erst nachdem Irrigati.msvorkeUrungcn getroffen sind, zur Ansiedlung selbst iiberzugehen, oder ist es ratsamer, die IrrigaÜonsnrbciten auf/usdiieben, 11m so in der Lage zu sein, größere unbewässerte Areale zu erwerben und in Bearbeitung zu nehmen? 6. Ein wie großer Mindcstkomplex irrigierten Bodens ist nacl! Ihrer Meinung erforderlich, um einer Siedlcrfamilie in Palästina ihr Auskommen zu gewähren? Die gleiche Frage gilt auch in henig auf unhewüsserten Boden. 7. Welcher Miudesthetrag ist nach Ihrcr Meinung erforderlieh für die Anr.icdlmig einer Familie je nach Gegend und Art des Farinwesens, die in Palästina in Betracht kämen? 3. Was halten Sie von einer landwirtschaftlichen Kolonisation, die eine Zuweisung von etwa 5 Dunam (14/י Morgen) irrigierten Bodens pro Familie Vorsicht? 0. Welche Vorschläge würden Sie in bezug auf eine praktische Ausbildung in den verschiedenen Zweigen der "Land- Wirtschaft, insbesondere in denen, die bei Irrigationsbetriebcn in F'rage kömmen, machen? 10. \Vas halten Sie von unseren Gcnossenschaftssledlungen? C. Frsgebcgea Dr. SosUlns t. a) Sali eine voll unterstützte Kolonisation wie die bisher in Palästina übliche, auf einem Schema beruhen, welches eine Ausgabe von £ 1200—1500 pro Familie, aus zwei Personen (.Mann und Frau) und nicht selten sogar aus einer Person bestellend, Vorsicht? b) Sollte eine solche Ausgabe pro Siedler unumgänglich sein? (war, ich nicht zugebe). Ist es anzunclimen, daß die Farm hei der gegenwärtigen Methode der Feldbestellung, die dem Anbau von Getreide den Vorzug gibt, sich zu einem rentablen Unternehmen entwickeln kann, so daß der Farmer die Möglichkeit hat, seine Annuitäten von, sagen wir, 6 ®/o (5 % Zinsen und 1 «0׳ Amortisationsfonds), oder etwa £ 72 bis 00 im Jahre zu zahlen? Welche Art der Feldbestellung würden Sie sonst Vorschlägen, und was sollte Ihrcr Meinung nach angebaut werden? 2. Ließen die gegenwärtigen Verhältnisse in Palästina eine dichtere Siedlung zu, basiert auf einer intensiven Kullivation, wie sie etwa in Dänemark mit Erfolg betrieben wird (Farmen von 4—8 Morgen für Milchwirtschaften), oder in Kalifornien (bei der, wie in Durham. Delhi, den Farmarhcitcm Grundstücke von 1,72 Morgen Größe zucrtcilt werden), oder Spanien (KIcinfarmcn von weniger als 2 Morgen unter Irrigatlon)? 3. Bejahenden Falles ist die Annahme berechtigt, daß kleine, bewässerbare Pannen wie die oben erwähnten geringere Aufwendungen für Boden, Baulichkeiten lind Ausrüstung bcanspruchen würden? Könnten sie räch zu rentablen Unternelimungen entwickeln und gleichzeitig die Möglichkeit der weitgehendsten Ausnutzung des Bodens und des Klimas durch Bildung großer Kolonien (bestehend aus etwa 500 Familien) auf einer vcrhälliiismäßig kleinen Ilodenfiädic gewähren? 4. Besitzt Palästina bereits eine genügende Anzahl von landwirtschaftlichen Erzeugnissen, die für die intensive Bearbeitung auf kleinen Farmen geeignet sind, wie Tabak, Zuckerrohr, Maulbeerbäume für Seide, Bananen, Gemüsen (frischen und konservierten), Geflügel, Bienenzucht, Milchwirt• schaft iisw., und was ist die geringste Größe, die Sie für solche Farmen empfehlen, wobei die gesamte Arbeit bloß durch die Ansiedler und ihre Familien geleistet und diesen ein auskömmliches Leben und die Zahlung der Raten für den ihnen gewährten. Kredit gesichert werden soll? 5. Ist cs nicht eine wesentliche Bedingung der Ersparnis sowohl an Geld wie an menschlicher Energie, eine Methode alanmäßiger Kolonisation aimmchmen, wie sie sich in Austraien und Kalifornien als erfolgreich erwiesen hat, indem man nicht bloß einen Plan für eine Siedlung entwirft, sondern den Boden für Bearbeitung, Einhegung, Trockenlegung, Graben- und Kanälebau vorbereitet, ja sogar das Vieh kauit und die Felder vor der eigentlichen Anüedhmg besät? 6. Genügt bloß Gcldliilfc oder bedarf cs auch gleich von Beginn der Siedlung au entsprechenden Rates, Leitung, und Kontrolle, wie es sich anderwärts als erfolgreich erwiesen hat, mit der Bedingung, die Leitung der Siedlung den Sied-, lem selbst zu übergeben, sobald sic genügende Erfahrung enmcbei; laben.? Palästina eine private Ang«. 7. Soll die Kolonisation in legfiihi'it Philanthrop!׳;(her und ben ״der soviel als möglich Sta.tb.ltilfe erfahren? 8. Falls Staatsliilfe in die Kolonisation Palii führt wird, was soll vom Staate in bezug auf und Leitung gefordert werden? 9. Falls Staatsliilfe gegenwärtig in Palästina ist, wie soll die Kolonisation geleitet werden, reich zu sein? »naler Organisation hlej. itinas 1'ingc. ׳!nan/ieninjimcrianglnr um er fob». Von diesen drei Fragebogen wirft derjenige der Palast in.!•Exekutive wohl die schwierigsten und wich, tigsten Probleme auf. In den nachstehenden Antworten hoffe ich, meine Schlußfolgerungen genügend begründet zu haben. Antwort auf Frage 1: Es ist wold erwünscht, jedoch nicht iinunig.iiiglidi notwendig, daß der Bewerber ein Jahr in Palästina als Landarbeiter oder in der 1 Icrrichtting von Farmen zuhringt. Wenn cs möglich wäre, daß er während dieses Jahres unter Aufsicht des Verwalters oder des Individuums arbeitet, der später der Berater der Siedlung sein soll, so würde letzterem gleich Gelegenheit gegeben, zu entscheiden, ob sich’ der Bewerber für die Ansiedlung eignet oder nicht. An t wo rt a u f Fra gc 2: Es ist sehr erwünscht, daß der Siedler Ligenkapital in der Farm investiert hat, da meines Wissens nirgends außer in Paläslina Ansiedlnngsbcwerlicr ohne Eigenmittel in Betracht gezogen werden. Keine Kolonisation wird sich bezahlt machen, bei der der Siedler selbst mit weniger als 10 der Gesamtkosten der Farm beteiligt ist. Vor dem Kriege war dies der dänische Mindestsatz; seitdem ist er in Anbetracht der erhöhten Kosten der Farmamciioration auf 25 «'.> erhöht worden. Antwort auf Frage 3: Dem Ermessen der Zionistischen Exekutive muß die Auswahl der Siedler und die Art der zu gewährenden finanziellen Unterstützung in vollstem Maß überlassen bleiben; Fleiß, Charakter und Sparsamkeit der Bewerber müssen der Entscheidung zugrunde gelegt werden. Eine jede Siedlung soll der Leitung eines in ihr wohnhaften Beraters oder Verwalters anvertraut werden. Dieser Beamte hätte als Vertreter der Exekutive zu fungieren und alte zwischen Exekutive und Siedler vorkommenden Augelegenheiten zu erledigen. Alle Pacht- und Darlchcnangclcgen- Iieiten sind nach einen! sorgfältig auszuarbeitenden Plane zu behandeln und in schriftlichen Vereinbarungen fcstzulegen. Antwort auf Frage 4: In dieser Frage ist das schwierigste Problem der zionistischen Entwicklung enthalten. Nach den Erfahrungen anderer Länder, und insbesondere meiner eigenen Erfahrung zu urteilen, kann ich nur sagen, daß die cinzelbäuerüchc Farm die größten Vorteile und besten Aussichten auf Erfolg bietet. Obzwar cs einige landwirtschädliche Siedlungen in Amerika gibt, die auf kommunistischer Basis begründet sind, so kommen doch meist zwanzig Mißerfolge auf einen erfolgreichen Versuch, und auch dieser ist mir einer religiösen Basis zu verdanken. Dazu kommt noch, daß sich die erfolgreichen Siedlungen nicht nur mit dem Ackerbau beschäftigen, sondern ihren Wirkungskreis auch ■auf die Aktivitäten eines Kommunalwesens erstrecken: die Einkünfte der Fabriken, der Läden und der beruflich Tätigen fließen in eine gemeinsame Kasse mit den Fanncinkiinften, und . in einigen der wichtigeren Siedlungen, wie z. B. der Oncida-Gcmdnde im Staate New York, hat sich das Kommunal- System in der Fnbrikfühnmg weiter behauptet, nachdem cs auf die Landwirtschaft keine Anwendung mehr gefunden hatte. Obzwar nicht außer acht zu lassen ist, daß das starke Verlangen, nach dieser Form von Organisierung, welches von den zionistischen Siedlern, insbesondere den aus Rußland stammenden, zum Ausdruck gebracht wird, wohl imstande sein kann, dem ländlichen Wirtscliafticbcn neue Bahrten mit diesem Gebiete zu brechen, so muß meine Antwort doch aVit den Ergebnissen meines Studiums, den anderwärts gemachten Erfahrungen und auf den Schlußfolgerungen basiert sein, zu denen ich nach sorgfältiger Prüfung der palästinensischen Verhältnisse gelangt bin. Diese kurze Erläuterung voranschickend, bin ich der Meinung, daß die finanziellen Verwicklungen der Kolonisatioustätigkeit vermindert werden würden, wenn jeder Siedler eine Einzclfarrn erhielte unter der ausdrüeklichen Bedingung, daß er für den Pachtzins und für die Rückzahlung der Ausrüstungskoslen der Farm verantwortlieh ist. Ein derartiges Abkommen ist eine viel einfachere Sache, als wenn die Verantwortung von einer Gruppe geineinsnm getragen wird, die vielleicht nur einen!!״bestimmten legalen Status genießt. Das, was den Menschen zum Farinlcben hinzieht, weicht wesentlich von dem ab, was ihn zur Wahl eines industriellen Berufes bestimmt. Vor allen Dingen bringt die Mannigfaltigkeit des Farmlcbens eine größere Befriedigung mit sich. Das kommunistische System kommt eher für Fabriken und industrielle Unternehmungen in Betracht, in denen cs sich vorwiegend um Routinearbeit handelt; in der Landwirtschaft hingegen wechselt die Arbeit mit der Jahreszeit, und jede Stunde des Tages bringt eine andere Art von Beschäftigung mit sich. Diese Beschäftigung wechselt mit dem Wetter und der! so häufig cintretcndcn unvorhergesehenen Umständen. Dadurch wird jegliche gruppcitmäßige Organisation erschwert, ganz besonders dann, wenn es sich um eine größere Mitglicderzahl handelt. Mit kleineren Gruppen läßt sich besser als mit großen arbeiten. Eine große Befriedigung des Farmlcbens ist die Schaffensfreude, die es auslöst. Nicht allein des Geldes wegen hegt und pflegt der Farmer seinen Acker, sondern um qualitativ das Beste zu erzeugen; das bereitet ihm dann genau dieselbe Freude wie dem Maler das Bild, das er geschaffen hat. Vier oder fünf Künstler werden kaum an dem gleichen Bilde malen. Ebenso ist nicht anzunclimen, daß eine Gruppe von Farmern, die ihr Land als Gemeinbesitz bewirtschaften, gleich gute Resultate erzielen oder die gleiche Befriedigung in ihrer Arbeit finden wird wie der Einzelbauer, der seine eigenen Felder bestellt. Eine kommunistisch betriebene Landwirtschaft vermindert die Verantwortung des Einzelnen in bezug auf die erzielten Resultate, gewährt aber ni׳i1t dieselbe Befriedigung, die die Ausübung eigenen Konnetis mit sich bringt. Es entsteht deshalb die Frage, warum die. genossenschaftliche Form der Siedlung in Palästina so beliebt Ist. Vielleicht ist die Erklärung hierfür in Folgendem zu suchen: ln dem Mangel der Erkenntnis, z. B,, inwieweit die An- Wendung des Koopcrativsystems auf cinzelbäuerüchc Farmen möglich mul erwünscht ist. Eine cin/elbäuerliche Kolonie kann kooperativ sein und soll cs in Palästina sein. Die einzelnen Bauern sollen die Instrumente, die in mehreren Farmen benutzt werden können, gemeinsam besitzen, ebenso die Einrichtungen für den Absatz und für die Verarbeitung der Farinproduktc, z. B. die Maschinen, um Milch zu kiihlm und zu pasteurisieren, und um Butter und Käse zu erzeugen. Antwort auf Frage 5: Ich glaube nicht, daß große kommunistische Siedlungen erfolgreich sein können Antwort auf Frage 6: Schon beantwortet. Antwort auf Frage 7: Die Größe der Farmen soll soviel betragen, daß sic der Einzelne mit seiner Familie bearbeiten kann. Das Resultat hängt von der Bewässerung ab. Bei genügender Bewässerung ermöglicht das palästinensisclie Klima zwei oder drei Ernten im Jahre. Falls ein Markt für Gemüse gefunden werden kann, kann das Ausmaß dw , tmzelafrnien niedriger angesetzt werdeu, als jetzt ÄV/cdanälitg ,wäre. 1

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