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Jüdische Rundschau · 1924-08-19 · Heft 66 (19.8.1924) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 66 (19.8.1924)
Date
1924-08-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 470 [ÜEDISC H E RUNDSCHAU Nr. 63 B3s ״Gesetz“ Von Abraham Schlesinger, Buchau a. F. 2• ln dem Gefühlsmoment kommt als!weiter allgemein• nationaler Vcrpflichtungsgrund des Gesetzes dessen fundamentale Bedeutung für die Erhaltung der histo• rischen Kontinuität des Judentums. Fi 11 Volk ist nicht einfach die Gesamtheit der gerade lebenden Volksgenossen, sondern eine historische Gegebenheit, Welche die reiche Fülle einer Vergangenheit in sich trägt, mich die früheren Generationen mit ihrem Tun uml Leiden, Frinncrii und Hoffen, zum Inhalt ihrer Wesenheit, ihres Ich hat — eine Art Organismus, der alles das ist, was er im Vcihnil einer längeren Ent Wicklung geworden ist. Das ganze vergangene Volksleben, die ganze geschichtliche Kultur gehört zum Wesen und Begriff der Volksgemeinschaft so gut, wie ihr besondere!; ,,Blut“. Entsagt eine Nation ihrer geschieht• liehen Vergangenheit und Kultur, zerreibt sie den Faden der Entwicklung, so gibt sie ihre Eigenart, ihr Ich, ihre Wesenheit preis uml hört auf, sie selbst zu sein. Das gilt für das jüdische Volk gleich jedem anderen. Judentum — wennschon das Wort noch nicht existierte — war ursprünglich das volle, gninds it/lk'li alle überhaupt mögliehen!:iu/elgelüete umfassende Lehen der jüdischen Volks- }׳cmeinschafl, das freilich an bestimmten höchsten ethischreligiösen Ideen und Idealen orientiert sein oder genauer ihre Verwirklichung darstelleu sollte. Das mosaische b.׳w, später das talmudischc Gesaintgesclz. waren die konkreten Gestaltung .;weisen des jiidi. dien Volkslebens im Sinuc jener Ideen und Ideale. Nach und nach verkümmerte, verschrumpfie da׳; jüdische Volksleben, aber was übrig blieb, war eben doch ein Rest tlcs teiche;cn, weiteren Volkstums von ehemals. Und seihst iiach dem gänzlichen!־'alle des Ghettos konnte immer noch rin Ueberbleibscl gerettet werden, v ohl imstande, den iiuiorcu Zusammenhang mit dem geschieh'.'.;..le.11 jüdischen Volkstum .aifi'icht zu erhalten; Das ״Zercmönialgcselz“. Cs regelt und beherrscht trotz allem auch heute weithin unser häusliches uml peisö iliches Leben. Die Speisegesetze z. B. oder der Sabbat und die Feste mit ihrer Werkruhe und den Vielerlei etiorderlichcn Vorbereitungen erhalten allein schon unseren Häusern und unserem persönlichen Leben den spezifisch jüdischen, den historisch-jüdischen Charakter. Achniich verdankt das jüdische Gemdndeiebcn der Gegenwart seinen historisch-jüdischen Charakter neben traditionellem Kultus und Pik gestatten der überlieferten Lelire — dem Gesetz. Man denke z. 15, wiederinn an die Bedeutung■, die in solcher Hinsicht der Sekcchi'.a und dem rituellen Speisehaus mit allem בו mm mul Dran zukommt oder dem Sabbat und den Festen! IT »us und Gemeinde sind aber heute wie bisher die cigcntliehen ״Heimstätten“ des Judentums. Das Hans bestimmt wesentlich die Entwicklung des Kindes, die Gemeinde bildet einen gewissen Teil des Milieus des Erwachsenen. Im gesetzestrcucn Hanse lebt schon das Kind Judentum, einen Rest historisch-jüdischen Volkstums; in der ihren öffentlichen Einrichtungen nach gcsctzcstrcuen Gemeinde ist die Möglichkeit und ständige Anregung zur Fortsetzung, Vertiefung, Erweiterung solchen geschichtlich-jüdischen Lebens und Erlebens gegeben. Die Geset/cstrcuc macht also das historische Judentum zu einem Teile unseres Lebens, unseres individ eilen Ich, oder anders gewendet: macht uns zu fcbendigen Trägem und Fortsetzern des historischen Judentiints. Und zwar unmittelbar, unreflektiert. Das ״Lernen“, überhaupt die Pflege aller unserer sonstigen nationalen Besitztümer, der hebräischen Sprache und Literatur, der jüdischen Geschichte, der jüdischen Ethik, der Zionslicbc usw. ist gewiß dringend notwendig, erscheint jedoch gegenüber der Beobachtung des Gesetzes als sekundär. Grundlegend ist normalerweise immer das Leben, liier das jüdische, das gcsetzcstrciie Leben. Es bildet die breiteste und allmeinste Basis alles irgendwie lebendigen Judentums, den natürlichen Wurzclbodcn des jüdischen Geistes wie des jüdischen Nationalgcfülils. Schließlich kann nicht jeder Literatur und Geschichte, Ethik und Rcligionsphilosophic studieren; dagegen, statt urjüdischc, außcrjiidisclic Lcbenssitten und Bräuche nachzuahmen, die überlieferten jüdischen festhalicn, 'der überlieferten Lebensweise der eigenen Väter Treue bewahren: das kann —• mit bestimmten später zu erörternden Einschränkungen —- jedermann. Mag das ״Leben unter dem Gesetz“ heute noch so ruditnentär sein, ein noch so armseliger Rest des einstigen echten . jüdischen Totallchcns, nur ein im Galutli eben noch zu bewahren mögliches Bruchstück vollen Judentums: wir müssen cs mit allen Kräften weiter erhalten, wofern wir die Erhaltung und Höherentwicklung, wofern wir eine 1Wiedergeburt des Judentums wollen. Die Beobachtung des Gesetzes ist die allgemeinste und solideste Grundlage der Erhaltung der historischen Kontinuität des Judentums. Man kann darauf Ausgehen, das Judentum zu einer reinen Konfession umzu bilden oder cs sonstwie zu cntnationalisicrcn, seines historischen Charakters zu entkleiden: dann wird die Stellung zum Gesetz notwendig eine andere sein. Ist matt aber erfüllt von historischem Nationalgcfiihl, will man die Wahrung der geschichtlichen Eigenart des Judentums und die organische Entwicklung einer auf und aus diesem Boden erblühenden jüdischen Zukunftskuliur, dann muß man das Gesetz als das fundamentale, ■unmittelbaren Lebens- Zusammenhang mit der Vergangenheit stiftende Mittel ancrkennen, praktisch anerkennen. Die Erfahrung lehrt, daß tatsächlich die Beobachtung des Gesetzes die Vorbedingung jüdischen Lebens und Geisteslebens bildet. Man braucht nicht erst nach dem Osten zu blicken. Auch bei uns in Deutschland zeigen die Gemeinden, wo das Gesetz eine dominierende Stellung entnimmt, Einzelnusnahmen abgerechnet, ein ganz anderes Bild lebendigen Judentums wie jene, wo der Sabbat, die Speisegesetze usw. fast nur vom Hörensagen bekannt sind. Und ist cs Zufall, daß — um von den hebräischen Denkern und Dichtern des Ostens zu schweigen — in •Deutschland weitaus die meisten, wenn nicht alle Träger und Mehrer der jüdischen Wissen- Schaft gesctzestreucn Häusern entstammen? Man vergegenwärlige sich nebeneinander ein im Sinne des Gesetzes und ein Im entgegengesetzten Sinne geführtes jüdisches Haus: welches von beiden werden wir instinktiv als ״jüdischer“ und für die Zukunft des jüdischen Volkes und der jüdischen Kultur wertvoller empfinden? Aus einem geringen Funken kann noch ein mächtiges Feuer entstehen, aber aus Nichts entsteht nichts. 3. Einen dritten allgemein-nationalen Vcrpflichtungsgrund des 0csctzc3 bildet sei»־» Eijjcnschajft als Bindemittel der in ,1־!k\n Weltteilen, unter allen Kulturen zerstreut lebenden Juden,;;eine Eigcuschaft als SirhmmgmnittCl der Einheit der judenlicit uml damit des Judentums. Da; gemeinsame Brauchtum, die einheitliche Art der l.ebcnsiiihrtmg ersetzt einem landlosen, territorial zersplitterten Volk in manchen Städten das sonst einigende und freilich niemals ganz zu crsctv.ende ,,nationale Heim“. So figuriert das Gesetz auch als Organin.itiomdonii, OrganisationsnüUel der jüdischen Gemeinschaft, •dient ihrem Zusammenhalt und ihier Be;,onden141g vergleichbar den ״Regeln“, dem ״Zeremoitial“ eines Ordens, wie gesagt worden iet.Ä) Mau keimt diese bindende Kraft des Gesetzes meistens dort sehr gut, wo die Volkisrimilafioit beabsichtigt wird; man weiß: fällt das Gesetz, dann stellt ihr Tür und Tor offen. Wohl gibt es noch mehrere andere ״Bindemittel“ der landlosen judenheit, aber schwerlich reichen sie ohne das Gesetz für die Dauer aus, Nntiönaijuden, hktörisch orientierte Juden, denen die Erhaltung des jüdischen Volkes •— und das bedeutet die Erhaltung der Einheit der Judenheit — doch als erste Voraussetzimg ('hier jüdischen Zukunft überhaupt angelegen sein muß, dürfen sich nicht das Wagnis gestatten, das ceit Esra bewährteste tT1m!1mc11tn!c Mittel unserer Einbeitserjialfung prc'a/tigcbe».* * * * * * 7 * * *) Gewiß: sehr viele moderne Juden haben sich vom Gesetze■ lnsgesagl, so daß es seinen früheren Charakter als n 1 i g c m c i n e s CmdcmiUc-1 der jüdischen Gemeinschaft heute nicht mehr wie einstmals hc.dUt. Desto stärker eint cs «her die Juden, für die cs seine Geltung behalten hat: gerade die Kreise, welche sich als den zukunftsichermlcn, ziikunfibegriimhmdcn ״Ueberrest“ fühlen. Zählen wir Nationaljuriei: uns nicht vorzugsweise zu diesem ״Rest“? 4, Endlich kommt ein viertes allgemein-nationales Motiv der Gcsc(/c׳;bco!'־u'!1ii1ng in Betracht, das erzieherische. Genauer sind dabei mehrere Momente zu unterscheiden. Zunächst ein formales und psychologisches, wie cs Moritz Lazarus ausführlicher bchnmlclt hot.׳*) Danach stellt die Durchflechtung des ganzen Lebens ״mit ״esc'./!!•.lim Ordnungen, mit der Erfüllung von Vorschriften" eine an Gesetz, und Pflicht übeihaupt gewöhnende sittliche Sehnhnr; dar. Ferner symbolisiert diese stete ״Beziehung aller l.ebensregtmgcn“ auf Gesetz uml Piiicht die ״aller wahren Sittlichkeit als Bedingung dienende Einheit der Person", Und sie gewöhnt ,־nßcnlem an die fortwährende Vollziehung von ־!״tandfimgen rein idealen Interesses", Das Letztere gilt, auch weint wir streng innerhalb der Grenzen unserer allgemeinnahen,den Betrachtungsweise des Gesetzes bleiben. Ist cs nicht ein ״ideales“, iiberpcrsönliebcs, selbstloses .,Interesse", aus dem der ationaljudc nach den bisherigen Darlegungen dem Gesetze Treue bewahrt — die Liebe zum geschichtlichen Judentum, die Liehe zum ideal gedachten jüdischen Volk und eins Streben nach der Wiedergeburt seiner ideal gedachten Kultur? Wichtiger noch erscheint mir sodann rin zweites Moment inhaltlicher Art: das Gesetz beeinflußt zu großen Teilen die G e m ü t s b i 1 d u n g. Zum Gesetz gehören ja auch Dinge wie Seder und Sttkka und Ltilab, wie Chanukkahlicht und Frcitagahcndfcicr, wie Sabbat101־d Feste überhaupt mit ihrer durch die Werkciiwteihmg bedingten eigenartigen, eine ״besondere Seele“ verleihenden Weilte I Die Bedeutung, die alten hierhefgcliörigert Bräuchen, wofern sic nur rinn- und gemütvoll und nicht sozusagen poHzeitniiBrg geübt werden, vorzüglich für das jugend’ichc Gemüt zukommt infolge ihres tiefen poctisehen Gehaltes, ihrer Fülle von Anregungen für Phantasie ■und Denken, Mi res Reichtums an geschichtlichen Erinnerungen und i!Öffnungen — das ist gerade in naüonaljüdisch erzieherischer Hinsicht gar nicht hoch genug cinzuschätzcn. Ich erinnere z. B. an Moses Hess׳ anschauliche Schilderung des starken Eindrucks, den auf ihn ,*da Kind der ״schwarze Sabbat“ und die ״neun Tage“ im Hause meines gesetzestreuen Großvaters!unterließen.*) Ein drittes erzieherisches Moment ain Gesetz Ist seine ethische Tendenz, Beine Intention auf Lebenshclligung. Die Thora bringt z. B. die Speie,egesetze in engsten Zusammenhang mit einer solchen Absicht!1«) S. R. Hirsch liat!in einzelnen den Gedanken nits geführt, daß als Zweck des ganzen Komplexes der Spclsegesetze venmnrtct werden könne: der ver- oder entsittlichende Einfluß, welcher durch ständige Aufnahme oder Nichtaufnahme bestimmter tierischer Nahrung nach imd nach auf das Triebleben, auf Natur und Charakter des Menschen ausgeübt werde. Es sei für unsere geistigsittliche Entwicklung nicht völlig gleichgültig, was wir ge-!ließen bzw. wovon wir uns dauernd enthalten11 * *). Ich finde den Gedanken plausibel, Liegt nicht wirklich ein .Körnchen Wahrheit in dem bekannten übertreibenden Worte Feuerbachs: ״Der Mensch bl, was er ißt“? Und wenn cs nur wäre, daß die Spcisegcsctzc in diesem Sinne gedeutet und gelehrt werden, hätten sie schon erzieherischen Wert. Schließlich kommt cs mehr darauf an, was die Dinge uns, als was sie an sich sind! Oder nehmen wir den Komplex der SabbathVorschriften.' Wiederum hat schon die Thora selbst das Sabbathgesetz einmal rein sozialethisch motiviert'»), Im einzelnen mag man über die sozialcthischc Bedeutung des Sabbaths den bekannten AuLafz Nabels nachieaen1*). Man darf zusammenfsssemi behaupten: das Gesetz stellt ein wichtiges Mittel nationaljüdischcr Jugenderziehung dar. Auch Fritz Kahns sei gedacht, der u. a. vom Sabbath sagt, er sei ״aus sittlichen Motiven geboren und zu slttliehe« Erfüllungen verpflichtend“14). __ (Schluß folgt.) f>) Goldschmidt, Wesen des Judentums, S. 179ff, 1) Spinoza sagt einmal! ״Das Zeichen der Beschneidüng ist meiner Meinung nach in dieser Hinsicht von solcher Bedeutung, daß ich glauben möchte, cs könnte allein schon dieses Volk für alle Zeiten erhalten.“ (Theol.-pol. Traktat 3. Kap.). R) Ethik des Judentums F, 22—24, 180, 205 ff. ף Rom und Jerusalem, 4. Brief. Man lese ferner die ״Idyllen“ des gewiß keiner traditionell-jüdischen Religiosität verdächtigen Sch. Tschernicliöwsky und dazu die Ausführungen J. Klausners in seiner ״Geschichte der ncuhcbniischcn Literatur“, S. 119. J0) 111 M 11 v. 43-45 und 20 v. 25 f. ״) Choreb Kap. 63 § 451־, dazu Pentatcuchkommcntar III M II v. 46/47. 11 (״ M 23 v. 12. 1S) Im Sammelbuch ״Soziale Ethik Im Judentum“. u) Die Juden als Rasse, S. 177 fl. Vgl. ferner: Ach ad Hasm, Schabbath Vezioniuth (APD III S, 73). Juden la lernen Osten •Die Vertreterin der amerikanischen B’uei B’rith-Logcn, Frau Bella Pewsum, die in den letzten zwei Jahren auf Auftrag des Ordens die östlichen Gebiete in Asien, Afrika und Australien bereist hat, übergab einem Mitarbeiter des Rigaer ״Folk“ nachstehende Mitteilungen über das Leben der Juden m Ostasien und in Afrika: In Indien weilte ich längere Zeit in den Gemeinden der schwarzen Juden, die sich Ji’nei Israel nennen und der Sage nach seit der ersten Zerstörung des jüdischen Reiches in Indien leben sollen. Diese Gemeinden feiern sämtliche jüdischen Festtage mit Ausnahme des Purimfestes, weiches ihnen gänzlich unbekannt ist. Ihre Hauptgcmcinde befindet sich in Bombay, wo über 8000 Seelen dieser Sekte leben. Die B’nei Israel beschäftigten sich zumeist mit Handwerk und Kleinhandel. 111 den größeren Städten gehören sie auch den Intelligcnzlicrufe» an. So findet man unter den Beamten der englischen Verwaltung sehr viele Angehörige dieser Sekte. Ihre Existenz war bis vor 100 Jahren der judenheit ganz unbekannt, erst ein englischer Missionär entdeckte sic zufällig während einer Reise durch Indien. Seither begannen sich die schwarzen Juden für Bildung zu interessieren. Wenn sie auch äußerlich sich von der übrigen Landbevölkerung unterscheiden, so ist die unter ihnen vorherrschende Assiinilation nicht ztt verkennen. Einen ganz anderen Menschenschlag stellen die a r a b i s c 11 c n Juden dar, die zumeist aus Bagdad stammen und in Indien große Handelsgeschäfte führen. Sie sind die Hauptfinanziers und Besitzer der Baum- Wollindustrie in Indien, ln Indien dürften ungefähr 10000 arabische Juden wohnen; ihr kulturelles Niveau ist trotz ihres Wohlstandes sehr niedrig. Mit den schwarzen Juden stehen sie in gar keiner Verbindung, es herrscht sogar eine starke Abneigung zwischen beiden Teilen. Die arabischen Juden führen ein sehr religiöses Lehen, haben jedoch für die jüdische Erziehung ihrer Jugend gar keinen Sinn. In China, wo über 30 (XX) Juden leben, konnte Frau Pewsner fcststcllen, daß der nationale Entwicklungsprozeß sich durchzusetzen beginnt; allerdings ist infolge der Sicdlungsverhältnissc, da die Juden in China keine geschlossenen Gemeinden besitzen, die Assimilationsgcfahr nicht unbedeutend. Die meisten chinesischen Juden heiraten mehrere Frauen, gehen jedoch keim; Mischehen ein. ln Japan gibt cs sehr wenige Juden, da die Regierung fremdrassige Einwohner aus den Grenzen des Reiches ausweist. Die meisten japanischen Juden sind erst während des russisch-iananischen Krieges nach Japan eingewandert. In den letzten Jahren wurden aber auch diese Juden zum Verlassen des Landes gezwungen. Die in Japan noch wohnenden sind derart assimiliert, daß man von einem spezifisch jüdischen Leben in Japan nicht sprechen kann, ln Australien leben unter sechs Millionen Einwohnern 20 00t) Juden. Die Beziehungen zwischen der einheimischen Bevölkerung und den Juden sind leider nicht die besten, da die Juden, die durchwegs Handel und Trödlerei betreiben, von den Australiern, die sielt ausschließlich mit Landwirtschaft beschäftigen, verachtet werden. Erst in letzter Zeit hat eine größere Anzahl jüdischer Familien Farmen angekauft und sich mit der Landwirtschaft zu beschäftigen begonnen. Durch die Verfolgungen der australischen Farmer sahen sie sich aber gezwungen, ihre Wirtschaften aufzulassen und in die Städte zurückzukehren. Viel besser ist die Lage der Juden in Neuseeland, wo auf eine Million Einwohner 2000Juden wohnen. Hier spielen die Juden im Wirtschaftsleben als Industrielle eine bedeutende Rolle. Die gesamte Industrie verdankt ihre Entstehung der jüdischen Initiative. Während die australischen Juden in kultureller Hinsicht viel zu wünschen übrig lassen, ist Unter den Juden in Neuseeland ein reges jüdisches Kulturleben zu beobachten. Alt der lüälsehen Well 6r*s •Israel Außer dem Chain z Guß mann, der inzwischen gegen Kaution in Freiheit gesetzt wurde, sind noch zwei Personen in Haft genommen worden unter dem Verdacht, den Mörder de Haans zu kennen, da angeblich fcstgcstcllt wurde, daß sich in Begleitung des Mörders noch zwei Personen befunden haben. Unter Vorsitz Dr. Tenne ttbaums, des Direktors der Hadassah, fand kürzlich eine Versammlung der in Jerusalem wohnhaften amerikanischen Juden statt. Cot. Kisch betonte in einer warmen Ansprache, wie wichtig es sei, die Juden Palästinas mit den Aufgaben des Keren Hajessod — durch Anteilnahme am Sammelwerk — aufs engste zu verknüpfen. Ferner sprach Herr Leo Hermann, Generalsekretär des Keren Hajessod-1 launtbiiros in London. Auf Antrag des bekannten Archäologen Prof. Margolies wurde schließlich ein Komitee eingesetzt, das die Sammlungen unter den amerikanischen Juden Palästinas durchführen wird. Eine auf der Durchreise befindliche Delegation indischer Mohammedaner, bestehend aus Rushalli Hafez, Jacob Sti und Muhamed Vaial, besuchte dieser Tage das Oberrabbinat. Die Delegierten unterhielten sich zwei Stunden mit den Rahhinatsmitgliedcrn. Aus dem Gespräch ergab sielt, daß die Inder über die Gerüchte, daß die 7.10• n i s t i 8 c h c n Juden Palästinas sich der Omar- Moschee zu bemächtigen gedenken (!), in große Besorgnis versetzt worden sind. Die Rabbiner erwiderten, die palästinensischen Juden hegen keineswegs diese Absicht. Die Mitglieder der Delegation gaben sich mit dieser Antwort zufrieden. Mit dem Dampfer Kcrtsch" sind in Palästina am 7. August 187 russische Emigranten cingctroffen, von denen aber nur 37 die erforderlichen Einreisedokumente besitzen und im Lande bleiben dürfen. Das Schicksal der restlichen 150 Emigranten ist ungewiß. Man hat sieh an die Regierung mit der Bitte gewandt, diesen Personen zu erlauben, i m Lande zu bleiben, da sic in Rußland wegen ihrer zionistischen Ueb erzeug 11 ng Verfolgungen ausgesetzt waren und dorthin nicht zurückkehren dürfen; sie wären demnach als politische Flüchtlinge anzusehen. Der Oberrabbincr von Palästina, Abraham Kook, der sich gegenwärtig in den Vereinigten Staaten aufhält, hat dem Büro des öberrabbiimts telegraphisch mitgetcilt, daß er nicht wie er es beabsichtigt hatte, schon in dieser Woche die Rückreise nach Palästina antritt, sondern daß er sich entschlossen hat, bis naclt dem Sukkot-Fcst, d. h. bis Ende Oktober, in Amerika zu verbleiben. Oberrnbhincr Kook traf am 19. März in Begleitung der Rabbiner Schapiro und Epstein aus Litauen m New York ein. Der Zweck der Rabbiner-Delegation war, dem amerikanischen Zcntral-Hilfskomitcc in der Kampagne zur Aulbringung von einer Million Dollar zugunsten der jüdischen Lehranstalten im Auslände zur Seite zu stehen. Die jüdischen Schiedsgerichte in Pa* löst Ina, die unter dem Namen ״Mischpat Hase 110• lern“ bekannt sind und־’bereits auf eine 15jährige Wirksamkeit ziirttckbiicken können, haben sich bei Herrn T 1t o m a Haycraft, dem palästinensischen Oberrichter, darüber beschwert, daß die lokalen Behörden einiger palästinensischer Städte sie nicht anerkennen wollen. Da die Antwort Sir Thomas Haycrafts von den Schiedsgerichten als nicht befriedigend angesehen wird, haben sie beschlossen, sich an den stellvertretenden Oberkommissar von Palästina. Sir Gilbert Claytoa, zu wenden.

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