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Jüdische Rundschau · 1924-08-19 · Heft 66 (19.8.1924) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 66 (19.8.1924)
Date
1924-08-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 474 Nr. 6a ־״׳-,ן!1 U-., . V* .. Vv.i Arnold Zweig .1 ׳;! ‘ Persönliche Handlungen Irefen, wenn sie sich als Sym- 'pfomc allgemeinerer Gnmtiveihäliiüssc anfzeigen lassen, aus der privaten und also un-öffentlichen Sphäre in eine höhere Von breiterer GiiKigkeit; und dann wird ihre Erörterung in» einer Steile, die wesens mäßig den allgemeinen jüdischhioni;,lisciie.ii!•'ragen Vorbehalten ist, zur Pflicht dessen, der Siihv'iininis sucht und schaßen helfen möchte. Der Zionismus ist!:eine monarchistische Bewegung; aber erst recht nicht ist ר liceclor Hcrzls Sohn für ihn irgendein Herr Cohn oder Meyer III, und wenn Hans Her/1, erwachsen im Schatten seines Vaters, erzogen in der Luft eines fast tm-anlisciniiisehen Gemeinwesens und in einer jüdischen Schule, jet/t '/־um Katholizismus iibergctrotcli ist; wenn der Sohn des prominentesten jüdischen Eührcrs unserer — durch diesen Mann und Juden wesentlich bestimmten —: Epoche, zwischen der von seinem Vater geführten und!ungestalteten Gemein- Schaft und sich den trennendstcu Schritt vollzogen hat, so heißt cs keineswegs, das Recht der Privatperson auf eine stille Sphäre individuelle.- Entschlüsse antasten, wenn wir uns cnschickcn, diesen und dergleichen Schritte in seinen Ur- Sachen anf/usiidien. Mit tiefem Schmerze verfolgen wir das Ichenssdurksal der Kinder Tncodor Iter/ls, «ml mit einer Wehmut voll all der Ziirtlichkeit, die wir den Manen licrzls widmen, lesen wir in den Kurven von Hans 1 icfzls Leben. Aber das darf uns nicht hindern zu lesen, was wir lesen — Lcheiisliiüen sind Schriftzüge, die der Genius des Volkes in die Zeit schreibt, mul Einzelne noch so wertvoller Abkunft sind ihm gerade gut genug als Stift und Tinte. 2. Alle Abkömmlinge großer Menschen sind Enden; letzte 'Ausläufer, nach denen nichts mehr kommt. Wie Goethes Geschlecht schon in den Enkeln erlosch, wie die ganze große Familie Bach in dritter Generation nicht mehr aufzuweisen ist, wie Shakespeares einzige Enkelin Elisabeth zugleich das Erlöschen seines Blutes darstdlt, das ist aller Welt geläufig. Die großen Individuen reißen alles an sich, was an Lebenskraft von ihrer Ahnenreihe her geblieben ist, Und wenn sie nicht, wie alle großen Philosophen, viele Genies wissenschaftlicher Welt, sich von vornherein ohne den Trieb zeigen, ihr Geschlecht fortzusetzen, so lassen sie ihren Kindern nur schmale Reste von der Kraft, welche Massen dumpferer, konfliktlos lebender Vorfahren, für das Hintragen ihres Blutes in die Zukunft aufgehäuft haben. Wenn mm diese dumpfe, vor den Enervierungen des Geistes geschützte Lebenskraft von vornherein geringer ist, dank sozialer oder nationaler Besonderheit, braucht es der überragenden Genies nicht, um so endsefzend zu wirken; auch Menschen zweiter Größe haben dann Wirkungen aufzehrender Art. Die Durchgeistigt!»״ des jüdischen Volkes wie auch seine an furchtbaren Aufregungen reiche Geschichte haben nun allerdings die Grundkraft unserer Lebenssubstanz beciiiträehtigt. Immer war an irgendeiner Stelle der Erde jüdische Geschichte, d. h. jüdisches Erichen, Eintauchen in brennendes Entsetzen — Rumänien von heute!'— und immer litten wir alle mit, erschraken wir alle, zuckten wir alle int Nerv, wem! irgendwo am jüdischen Leibe Gräßliches geschah. Kommen dazu, und zu den sozialen und Wohnlicclingungen durch zwei Jahrtausende, noch all die Konflikic, die in der jüdischen Seele ablaufen und mit den Kontrasten jüdischen Sonderscins in nichtjiklischcr Masse gesetzt sind, so ist des Schwächenden genug gegeben. Man inuß, im Judentum, kein übermenschliches Genie sein, um im biologischen Sinne zu wirken wie ein solches: um seinen letzten Ausläufern die volle Schwächung ihrer Lebenskraft zu vermachen, die gleichsam die Rache des Lebens am Geiste ist 3. Geschwächtes Leben weiß: ich bin schwach. Ich bin den Spannungen und Kaiupfuotwcndigkcitcn des Daseins nicht gewachsen. Das Leben verlangt von mir Ansprung, Kraft, btoßfähigkeit: ich kann sic nicht leisten. Laß mich also auf Sicherungen sinnen. Es gibt Institutionen, wie die katholische Kirche, die dem Menschen, wenn er sich zu ihr bekennt, Führung des Lebens abnimmt und ihm erlaubt, sich kindlich in ihre Hand zu schmiegen, cs gibt, milderer Grad, das Eintauchen in die unauffällige Masse der Millionen: die Siaatsreligion, in nordisehen Ländern den Protestantismus, der immerhin noch Heiland, Opferlod und das wicdcrgcwonncnc Paradies hat. 1Es gibt, schließlich, auch noch die eigene jüdische Strengghäiihigkeit, die mit Ritual und Gesetz eine stattliche Zuflucht darstellt. Aber zu ihr geht man, wenn man noch die Kraft hat, Jude zu sein; Jude sein ist eine Leistung, vom Standpunkt geschwächten Lehens aus gesprochen; ״laß mich lieber aus diesem Kreis der Spannung hiuaustrctcn,“ Und so verlassen Nachkommen Moses Mcndelsohns, Samson Raffael liirschs und Theodor iivr/ls das Judentum; dies ist die erste Komponente. Wir wollen nicht an die Wcitcrfübrung dieser Analyse 'gehen, bevor wir nicht ausgesagt haben: natürlich ist diese Art, in religiöse Zusammenhänge eiuzutreten, nicht etwa die einzige oder die normale. Es gibt natürliche positive Frömmigkeit, positiven Glauben, ungebrochene, direkte Inbruust hin zum Göttlichen. Aber davon ist hier ja nicht die Rede. Und um einen Augenblick den Fall ״Orthodoxie aus Sichcrungsaiigsi“ zu streifen, so hat er ein untrügliches ■Kennzeichen: sein Träger kam! sich nicht genug tm! an Sicherungen. Er wird immer frömmer. Er rückt immer weiter nach rechts — der Fall de Haans. 4. Der Mensch des geschwächten Lebens hat eine fixe Eigentümlichkeit: er bleibt gerne Kind, denn den! Kinde sind ja die Konflikte der Erwachsenen und ihrer strengen, kontradiktorischen und diktatorischen Welt erspart. Darum auch will er geleitet werden; darum sticht er die feste Hand anderer, die das Leben für ihn meistern, darum hat er den esprit de suite, den Geist der Folgsamkeit, denn Gehorchen erspart Verantwortung. Er hat also, ohne daß er es merkt, noch im erwachsenen Zustande gewisse typische Grundlialtimgen des Kindes zur Welt. Das Kind liebt seine Eltern ausschließlich, glühend und tnit Eifersucht. Es will den Vater — denn liier bedürfen wir nur seiner — seiner Kimlerwelt erhalten, oder ihn überall hin begleiten, wohin sein Beruf ihn sendet. Es wirft eine wilde oder geheime, aber um so tiefere Abneigung 'auf alles, was ihm den Vater entzieht, und wenn es ia das Stadium IUI: Diseur;' RUNDSCHAU r. 1־״r,!> cs seinen Leid ■׳;Hr ׳ en Grüm! - v ׳.*Hinr'r ״er Ar! in!‘ r c Iti •bt, ״hegtdielet“ 1 ■ ut l faß ge;1 die Id, - •vlt; .-.itc s Valor;, A'׳: er ׳. ny, ־, lieber 1 ־׳, Ki,;:; '■iiß;m; mehle, imie.; er nur noch Ga:,l 1,. der Kind.;..:.A.c v-m nlcr imiuni c:;; irgendwelche trag;׳ 11 n >;!*.־ C d: ׳״■eie,׳; ", als ״Schuld“ t ler BemfeWelt re;;•;siliert. Darum 1 haben cs die Kinder jütl üse'ier Führet' so Icii'ln, aus tk־n1 Judentum ZU treten: sie ■ rächen sieh auf kindliei Itc Art an dem Ju<! lentum, 11 ns i litien den Vater n ahm. Dazu kommt, als letztes, daß sic sich auch am Vater für die ״Vcrnadtl.'issigung“ rächen können, wenn sie der Sache den Rücken kehren, die ihm vor allem teuer war. Für das Kind, wie also auch für diesen Mcnschcntyp, sind Tute nicht tot; sie leben weiter; sic fühlen den Schmerz, den sie ihrem Kinde so oft antatcn, den des Vcrlnsscnwerdcns, jetzt endlich und gründlich ׳— und sic können sieh nicht!tagegen wehren, dem! ihre magische Macht endet ja an den Toren des Heils, (!egen die Kirche mit dem Kreuz vermögen tote Juden nichts: das ״Kind" ist mit einem Schritt der elterlichen Strafgewalt entgangen. 5. ׳ Aber dies kleine Gemälde wäre nicht vollständig, wenn cs nicht — ein Pater Schlesinger hat Hans Her/i bekehrt —• and! die Rolle des jüdischen Konvertiten bei der Konvcrtiernng anderer Juden berücksichtigte. Es gibt zur Kirche, und gar zur Kirche in der Kirche, einem der geistlichen Orden] übergetrelcne Juden, in denen ein unermüdliches Schuldgefühl ihrer jüdischen Vergangenheit, ihren Vorfahren gegenüber, zu innerst am Werke ist. Sic brauchen Beweise, d'alt ihr Schritt richtig war, und Nachahmung durch andere, das Ansteckende des Beispiels ist ei!1 prachtvoller Beweis für einen kindartigen Menschen. Ferner lindern sich Schuldgefüllte, wenn möglichst viele diese Schuld teilen: man geht Konferenz der Vertrauensleute des Keren Kajemcth in Deutschland ia Leipzig, am Sonntag, den Xi. September 1924 </ (■ (\ ll 1! •;I Tagcsordrt 11 n g m i) Vormittag: M. UssiscMdn: ״Unser Aufbauwerk“ ln der Diskussion vorgemerkt die Direktoren de» Keren Kajemcth Adolf Bochm, Dr. Artur Hantke, S. Schocken, Prof. Herrn. Struck, Prof. Warburg Nachmittag! Dr,.-Erhard; ״Die Arbeit des Keren ICafcmeth ia Deutschland“ In der Diskussion vorgemerkt! Julitx Berger, ' Adolf Pollak Sämtliche Vertrauensleute, Vorstände der zionistischen Ortsgruppen, Organisationen usw, sind einßcladcn. Die Vorniittngstagung. auf der sämtliche Probleme des Palästina-Aufbaues’ besprochen werden■ sollen, sollte von allen Zionisten besucht werden. also darauf aus, Juden zu christianisieren. Und indem man ihnen dabei ״die Heilsbotschaft von Golgatha״ bringt, tiat man noch überdies Vorwand, gutes Gewissen, Gottesdienst in HcüsverbreiUm״ auf einmal. ״Gehet hin und lehret alle Welt“, so steht geschrieben. ״Ich bin nicht gesandt denn zu den verirrten Schafen aus dem Hause Israel —“ das ward gesagt. 6. So verliert also das Judentum nichts bei all den Ucbcrtrilten von Juden zur Kirche, wenn nur ״geschwächtes Leben“ himibergcht. Das wäre ein geistiges Mißverstehen eines biologischen Ausdrucks, Biologische Schwächung kann Fland in Hand mit prachtvollen geistigen Leistungen gehen; es können menschlich sehr wertvolle Individuen sein, die wir verlieren, mit dem vollen Verlust, den man erleidet, wenn Menschen, die man nach Wesen, Gaben oder Herkunft schätzen muß, sich uns unter der Tyrannis ihrer Anlagen entziehen. Seit Paulus und den Urcltristen haben wir unserem Volkskörper edles Blut entziehen lassen, um unsere Widersacltcr grolizuziehen. , , 7. Und überhaupt: wir, wir vor allen anderen sind verantwörtlich dafür, daß dem Volke, dem wir Zukunft und Neu• gebart in Kanaan bereifen wollen, kein Abbruch geschieht. Und wenn wir, national gedacht, die Konvertiten leicht verschmer/en können, so ist uns das doch nicht national genug e m p f tt 11 d e 11. Es muß dafür gesorgt werden, daß die jüdische Lage hinreichend normalisiert wird, um auch dem Vcrlel/liehsteu von 1ms noch die Möglichkeiten zu geben, nach seiner Art und in seinen Bedingungen krank sein zu dürfen — wie bei allen Völkern auf der Erde. Wir, und das ist keine schlechte Folgerung, haben es in der Hand, *las Wachstum unseres Widersachers, dessen I Land wir in Palästina zu spüren hekomnten, wenigstens soweit zu hindern, daß ihm nicht jüdische Begabungen (Kardinal N'ewman, Schelcr usw.) noch helfen, seine Position zu stärken, die der unseren zuletzt und ein für allemal prinzipiell entgegengesetzt und feind• lieh war, ist und bleiben wird, solange sie von dem Märchenmoiiv nicht ahläßt, die Juden hätten den Heiland der Welt, Sohn Gottes aus Bosheit ans Kreitz geschlagen. Damit setzt sic eine Wurzel des liimmcnmidcu Antisemitismus in eine Kindergeneration nach der anderen. Um! sic kann von der Ausbeutung dieses blutigen Haßmärchens nicht ablassen, denn sie lebt davon. Louis I.Ips!»y usd N. Soltolow über Bans Herzls Taolc London, (J. T. A.) lieber den Uebcrtritt von Theodor Hcrzls Sohn, Hans, zum Katholizismus, äußerte _ sich Herr Lentis Lipskv, Mitglied der •zionistischen Exekutive, gegenüber dem J. T. A.-Vcrtreter wie folgt: ״Das Andenken Theodor Hcrzls kann durch die_ Tat seines Sohnes nicht geschmälert werden. Die Zionistische Organisation hat in Wien über die Angelegenheit Hans Hcrzls nähere Erkundigungen einzicltcn lassen und wartet jetzt auf das Ergebnis. Sollte sieh die Nachricht über Hans Hcrzls Taufe bewahrheiten, so würde dies von den Zionisten und den Juden der ganzen Weit sehr bedauert ,werden. Der junge Mann genoß die allgemeinen jüdischen Symnathien einzig da!um, weil er der Träger des N tmens 1 ler/1 war, dm jeder Judo achten muß. D,<» Andenken;11! Tf;!-o!l!׳>r 1 ler/i bleibt un.niget ,-tet. Des .,;:iimü Mtlttct können wir uns eines ilcpi ituicrem.• 11 tnfubls nicht erwi hrrn,“ 1 Icrr Nahem S o k o I o w , der Prä'-ideut Her zionistischen Exekutive, sagte dem J. T. A.-Vrrtrctcr, es liege kein Anlaß vor, sich mit dieser Tatsache viel ah/ugeben. Hans HcrzI ist an und für sic 11 keine Persönlichkeit von Bedeutung. Er hat eine Zeitlang unter Gcmütsstörimgcii geiilfcn. Schott deswegen wird man seinen Handlungen keine größere Bedeutung beimessen dürfen. Am wenigsten können sie auf das Werk seines grollen Vaters um! auf die von ihm gegründete Bewegung irgendeine Wirkung üben. Alfred!Ute ־— verhaltet! Unsere Leser werden aus der Tagespreise ersehen haben, daß Rechtsanwalt Dr. Klee unter dem Verdachte der Begiinstigung eines wegen Koiiktir-.vcrbreclicus verfolgten Klienten in Untersuchung .Haft genommen ist. Niemand, der Alfred Klee kennt, wird daran zweifeln, daß cs sich hier um einen geradezu ungeheuerlichen Mißgriff des Untcrsttrhungsrichtcrs handelt. Die Untersuchung liegt in den I Länden des Lamlgeiiehtsrats Stark aus׳ Bautzen, der im Aufträge des dortigen Gerichts in Berlin Amtshandlungen unternimmt. In den Kreisen der Berliner Juristen erregt der Schritt des sächsischen Richters ungeheures Befremden; denn abgesehen davon, daß die unantastbare Ehrenhaftigkeit und Gewissenhaftigkeit Dr. Klees als absolut ausgeschlossen erscheinen lassen, daß auch mir im geringsten von seiten des Verteidigers etwas Unkorrektes getan ist, stellt sich der Akt des Untersuchungsrichters als eine wohl ohne Vorgang da• stehende Gefährdung der Rechte der Verteidigung dar. — Wir haben Grund zu der Annahme, daß die Angelegenheit, die natürlich für Dr. Klee persönlich in aller Kürze zufriedenstellend erledigt sein dürfte, noch weitere Kreise ziehen wird. Die Beweise des Vertrauens, die Herr Dr. Klee in dieser Zeit von allen Seiten erhält, werden ihn die Unannchmiiclikeitcn dieser Tage überwinden lassen. Wichtiger ist, daß ״der Fall Klee“ dauernde und reinigende Aus- Wirkungen zeitigt. Die Welllilllstatertnz in Karlsbad Dr. A. Rongy, der zusammen mit dem Richter Pant die Amerikanische Hilfsorganisation (American Relief Organ!• sation) bei der Wclthilfskonfercnz in Karlsbad vertreten wird, verlief! am Abend des 12. August London und wird am 10. August in Karlsbad cintrcffcn. Dr. Rongy beabsichtigt, auf der Konferenz die Frage der jüdischen Durchwanderer in den europäischen Zetttreu zur Diskussion zu stellen. Die zionistischen Kreise in London sind an Dr. Rongys Aktion in hohem Maße interessiert und sic erwarten, daß die Karlsbader Konferenz in dieser Angelegenheit positive Resultate schafft. Ein großer Teil dieser Durchwanderer belastet die palästinensischen Büros in den Haupthäfen finanziell in empfindlicher Weise, obgleich nur für wenige derselben Hoff* nung bestellt, daß sic nach Palästina werden kommen könne». > Uns wird von bulgarisch-zionistischer Seite geschrieben ״H ascliofar“, das offizielle Organ der zionistische Organisation in Bulgarien, bringt in seiner Nummer 23 vor 2. August einen Artikel, in dem die Stellung der bul garischcn Regierung zum Keren 11 a j c s s 0! daigclegt . wird, ,Am 30. Juli haben fast alle bulgarische Zeitungen eine ‘ gleichlautende'׳' Mitteilung gebracht, wonar das Ministerium des Aeußerri eine Verordnung erlassen habe soll, durch welche die Einziehung einer Keren liajcssod Steuer durch die jüdischer» Gemeinden streng untersag wird. Veranlassung dazu sollen dein Ministerium Beschwerde von jüdischer Seite gegeben haben. Diese Verordnung so die Absetzung sämtlicher schuldigen Gemeindevorsteher un ihre Verfolgung nach § 427 des Strafgesetzbuches voi schreiben. Diese Mitteilung der bulgarischen Presse entsprich der Wahrheit, da das Konsistorium des bulgarischen Juder tums die obige Verordnung auch offiziell vom Ministerin!׳ erhalten hat. Daraufhin hat sich Herr Hain! F'archy, de Vorsitzende des Konsistoriums, ins Ministerium begeben, ui in dieser Frage vorstellig zu werden. Es wurde ihm auc mitgeteilt, daß im Ministerium, mit Zustimmung des Minister Kalfoff, der Einzug einer Keren liajcssod ■Steuer als gt setzwitirig angesehen wird. Herr Farchy hat auscinandei gesetzt, daß die jüdische Bevölkerung diese Steuer frei willig — durch Referendum und Wahlen — sich aufcrlcgt ha daß § 427 des Strafgesetzbuches sich auf Leute und Fäll bezieht, bei welchen die eigennützige Einziehung von Steuer vorlicgt und daß der Keren liajcssod zum Aufbau des je disehen Heimes in Palästina nach dem vom Völkerbund rat fizierteil Palästina-Mandat, dient. Er meinte weiter, daß Hu garicu als Mitglied des Völkerbundes auch verpflichtet ist, de Juden die Möglichkeit zu geben, am Aufbau Palästinas tei ziinchmcn und dal! es unklug sei, in diesem für Bulgaric schwierigen Zeitpunkt, die Empörung der jüdischen lievölk! ruttg Itcrvorztirutcn und dadurch das Interesse des Auslände darauf liinziilenkeii. ״Har.ehofar“ meint, daß es ziemlich pikar sei, die Acußernngen festztisfellcn, die nur einige Woche vorher der Minister des Aettßcrn Herrn Dr. jacobso gemacht hatte. Er so!', ihn! erklärt haben, daß die bulgarisch Regierung und das bulgarische Volk große Sympathien fr den Zionismus und den Aufbau des jüdischen Palästina Itab! (Wir haben die Meldung von diesem Interview vor kurze! gebracht. — Red. ״J. R “) Es sei hier erwähnt, daß iti Tagung des Konsistori.iiraies am 13. und 1-1. Juli eine Ri Solution gefaßt hat, nach der den einzelnen Gemeinden at Grund Von Referenden oder Annahme von Walilplattforme die Eiu/iehurig von Summen für den Aufbau Palästinas v,v behalten bleibt. Diese Resolution ist die Ursache von de Beschwerden einzelner uns feindlich g c s i 1111 ter Juden, für die nichts Heiligeres gilt als ihr Beute gewesen ist. Diese Resolution zeigt aber, daß das bulgarisch Judentum durch seine offiziellen Vertreter den festen Wille jüdischen Palästina mit/uwirkci! un tr!rieht hcrvorgerufeii worden wärt Regierung die Satzung der Or ... _ , . j ü d i s c he n Gemeinden Bul gariens, über die wir schon einige Male berichtet habet anerkannt hätte. Dadurch hatten die Beschlüsse des Kot sisforiitms bzw. der Tagung der jüdischen Gemeinden geset, liehe Kraft gehabt. Aus dein ״Jcwish Guardian“ (London) ist zu entnehmet daß ein Herr Arjö aus Sofia, der sich Zionist nennt, dt Urheber der gegen die K. ll.-Steucr gerichteten Kamnagi: ist. Angeblich habe sich Herr Arje von Gewissensbedenke ct en msscii, da er eine Vergewaltigung von Nichtzionistc befurchtet. Daun ist es eine ebensolche Vergewaltigung, wen aus Stcucrheträgcn, die vop liberalen Gcmeimlemitglicder stammen, orthodoxe Institutionen erhalten werden, svic d: in fast allen Gemeinden Europas geschieht. Daß der ״] e w i s Guardian das Organ der autizionistischcit liberalen cm hscltctt Juden und gleichzeitig der Befürworter der Atrttd lnach(h״‘־־iJT fiefördert hat, ist bezeichnen. Dasselbe Blatt behauptet dauernd, für einen ״moderate" ur ״ßtaeticable“ Zionismus ciiuutretcn, hat, am Aufbau des daß dieser Konflikt j wem! die bulgarische ganisation der

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