Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 65 (15.8.1924)
- Date
- 1924-08-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2651273-2652595-2652656--15963-2675311- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 40S JUKDISCHE RUNDSCHAU Nr, 0s Ji unproduktiven Elementen und aus Leuten, die nichts zu tim halten, /us;mimen. Seit jener Zeit ist die jüdische Be- Viilhcniiu:־ von Jaffa nach Tcl-Awiw gezogen und auch andere liin\vanderer, die das Stadtlcheu dem Leben in den Kolonien vor/ichcu, gehen viel lieber nach Tcl-Awiw als nach Jerusalem. ■Tcl-Awiw ist heule vier- oder fünfmal so g r e! iS wie vor v i c r Jahren. Die Einwohner/ a 111 h e - tri! ff t '.!2 0(10 mul set/t sich zum fjrolkm Teil aus indusü ielicn Dementen zusammen, bis zu einem derartigen Grade, daß die Stadtverwaltung von den Arbeitern beherrscht wird. Die jetzt gebauten I liiiisertypen sind viel solider und viel besser dem Orient augcpaßl als die früher gebauten. Der Bürgermeister von Tel-Awiw׳ belindel sieli gegenwärtig in London, ausgerüstet mit allem möglichen statistischen Material, das im l'.ilästiiia-Pavillon in Wembley ciugcschcu weiden kann. Tel-Awiw hat alle Aussicht, eine Industriestadt von g r 0 li c r Bedeutung zu werden. Deutschland Der ״Vorwärts1’ lallt sich unter dein 13. d. M. aus I lalle iniUeiion: Die Pogromhetze wird neuerdings von der Komnnmistisclien Partei als K 1 a s s e n k a in p f m i 11 e i be* trieben. Bis zum 1. August ist sie rrlt verbrieftes Reservat recht der Völkiscli-Deiitschnationalrn gewesen. Jetzt ist es dem 1 lallescheu ״KLisseiiknmpf", früher Organ der dritten Internationale, Vorbehalten geblieben, au führender Stelle unter den antisemitischen 1 iot/blättern zu landen. 1111 Stil der Hitler- Presse und int Jargon völkischer Mordhuben betreibt er die Hetze. Die deuisclmaiiouale Presse Mitteldeutschlands druckt die Hetzereien des ״Klassetikampi" in breitester Ausführlich- Leit nach, da die kommunistischen Ausführungen sich völlig ,mit den deulschnational-völkischen Ergüssen decken. Nachtriiglich erklärt zwar der ״Klassonkampi“ mit scheinheiliger Bicilermienc, dali die anderen Kapitalisten nicht besser seien als die fetten jüdischen Kapitalisten. Man tut dies jedoch mit saldier Erivolität, dali seihst diese Einschränkung die Po g r o in 11 e t z c g e gen j ü d i s c 11 e M i t b ü r g e r mir um so deutlicher erkennen läßt. Da auch in der Mitgliedschaft der KPD. für die neue Taktik mit Zwang geprellt wird, wird die nächste F״i.:e wahrscheinlich ein Pogrom der Kommunisten sein, wobei sic Schulter an Schulter mit den Völkischen kämpfen werden, wie selten so oft. ׳Die vor kurzem begründete neue Palästina-Verkehrs- Gesellschaft ״l*a lest ine Lloyd“ arrangiert für die kommenden jüdischen Feiertage Palästina-Reisen, die am 11. vtiul am 17. September von Berlin ihren Abgangspunkt nehmen und Anfang Oktober beendet sein werden. Die Rosch- Hasclioiioh-Tagc werden die Touristen in Jerusalem verbringen, Jom Kippur und Sukkoth in Tel-Awiw, die rcstliehe Zeit wird für den Besuch der historischen Stätten in Palästina und Aegypten und der palästinensischen jüdischen Siedlungen verwendet werden. Die Vorstandschaft des Vereins des ü a s t g c vv e r ־ . 11 c s von G a r mi s c 11 - P a r t c n k i r c 11 c n stellt in einer Zuschrift au die Presse fest, daß neben verschiedenen UV- Sachen auch die 1 I a k e 11 k r c u / b 0 w e g ti 11 g große Schuld daran trage, dali der Besuch in den bayerischen Kurorte!! in dieser Saison so schwach ist. Es beißt in dieser Zu- Schrift wörtlich: ״Die Juden gehen nicht nach Bayern, sic lassen sieli nicht beschimpfen, anpöbein und selbst schlagen. Der gemeine Uebcrfall auf Kommerzienrat Frankel, die Anpöbelung der jüdisch ausschcndcn Menschen fn München, die gemeine Beschimpfung in einem Teil der ‘ Presse, das hat eine Gegenbewegung verursacht: den abs o I u t c n Boykott Bayerns durch die Juden und eines Teiles von N 1 c 111 j 11 d e n. Der Feldzug gegen die Juden kann mit einem wirtschaftlichen Fiasko enden, den zwar die Vernünftigen vorausgesellen haben, den aber die Gewerbetreibenden und alle, die von dem Ertrag ihrer 'Arbeit leben 111 Pissen, bezahlen werden.“ Zum Schluß heißt es: .,,Die Vorstandschaft des Vereins für das Gastgewerbe trifft kein Vorwurf, denn sie hat die Dinge kommen scheu und bei allen Stellen, selbst beim Minister Dr. Schweycr, oft darauf liingcwiesen. Leider vergeblich ... Die gleiche Klage wie Gnrmisch-Partciikirclien erheben München, das leer von allen Besuchern ist, ausgenommen dem durchgehenden Touristenverkchr, Den gleichen Schmerz bähen Nürnberg Und alle Orte, die nicht ausgesprochene Heilbäder sind." €ngtand Oer Große Orden des Israelitischen Freundschaftshundes (Israel F r i c!1 d I y So c i e t y) hielt dieser Tage seine Jahreskonferenz in Glasgow ab. Ungefähr 00 Delegierte waren anwesend. Der Jahresbericht wies 45 000 Pfund freiwillige und 200 000 Pfund Pflicbtspcndcn aus. Die Mitgliedersebaft setzt sich aus 9000 freiwilligen und 12 000 Pflichtmilglicdern zusammen. In Großbritannien und Irland befinden sich gegenwärtig JOS Filialen der Gesellschaft. 111 London hat der Bund ein Gebäude errichtet, in welchem fast 40 Logen untergebracht werden könnten. Die Ge- Seilschaft nimmt lebhaftes Interesse an der Bewegung für das jüdische N a t i o n a 111 c i m. Der Orden hat in diesem Jahre eine bestimmte Schekclzalil geleistet, die ihn berechtigt, einen Vertreter für den Zionistischen Weltkongreß zu entsenden. Es ist dies der erste Fall, daß ein Brüdcr-Orden sich auf einem Zionistenkongreß vertreten läßt. Der Erzbischof von Cantcrbury hat den Palästina-Pavillon in der Britischen Rciclisausstellung zu Wembley besucht. Er w׳crde von Sir Ronald Storrs, dem Gouver- Jieur des Jcrusaleni-Jaffa-Distrikls empfangen und geführt Er zeigte für die Ausstellung großes Interesse. Der Erzbischof von Gaiiierhury meldete seine Mitgliedschaft in «Irr Pro- 1Jerusalem-Gesellschaft, in der Sir Ronald Storrs Präsident ist, an. Polen Am 9. August reiste eine aus 120 Personen bestehende Gcsellscliait nach Palästina von Warschau ab. Die Expedition, die sich aus Acr/ten, Studenten und Lehrern ziisamrncnsetzt, wird von dein Abg. Dr. Schipper geführt. In Triest Wird sieli ümen der Abg. lsak Grün bäum nnschliefkm. im Monat Juni wurden in O s t g a I i z i e 11 für den Jüdische 11 Natioiialfonds 21 000 Zloty, das sind ungefa.ir 4000 Dollar, gesammelt. Es ist das erstemal, daß ein so hoher.Betrag innerhalb eines Monats gesammelt wurde. Das Ergebnis ist auf die Stabilität der polnischen Valuta zuruck/uiührcn, und dämm kann man mit einer dauernden Steigerung der Nntkmalfonds-Eingmige in Polen rechnen. In der Lcmberger ״Cliwüa“ schreibt Dr. Leon Reich unter dem Titel ״Nach der Entscheidung — an die Arbeit“ über die F'ragc der Jewish Agency: ״Mögen die einen die Erweiterung der Jewish Agency als eine natürliche Eutwick- Itmg der zionistischen Bewegung betrachten oder die andern fn ihr nur ein Mittel zur Bekämpfung der finanziellen Anämie Gehe״. Alien ist cs jedoch klar geworden, daß nur Wcizmann weiß, was er will und den .Mut hat, etwas zu wollen, und das niemand seiner Konzeption ein anderes Programm gegenüberzustellen vermochte. Das Grumlproblcin gipfelt in eine Frage; Soll weiter ״fort ge wurschtelt“ werden, oder soll die Arbeit 111 Harmonie mit dem Laufe der Ereignisse und mit dem Drängen des Jüdischen Volkes nach Palästina vor sich gehen?“ mt *»«ו Oie I i I au i s c 11 c n V c r w a 1111 n ff 5 b e 11 Ö r de n habe״ den Gebrauch aller Sprachen der Minderheiten auf ״ f f e 11 Hi c 11 e 11 A 111; c h I ä gc!1, Schilder 11 usw. ve r• b o t e n. Eric* polnischen, jüdischen und deutschen Seimahgeoidneten haben an die Regierung wegen dieser Vergeu'.illigiing der nationalen Rechte der Minderheiten eine diiiigein’lr Tiitcrpellaiioii gerichtet, in der «Inrauf hingcwicscu wird, daß sogar während der zaris ti« ch eil Regierung der Gebrauch der Mimlcrlieitcnspradien auf öffentlichen An- Schlägen gestattet war. Auch der Kownocr Stadtrat hat das Imieiimimsierimn aufgefordert, die ungesetzliche Verordutmg des Kownocr Kreischefs aufzuheben. —- Diese ßchilderverordnimg ist ein Symptom mehr dafür, daß die manische Regierung die während der Revolution 1918 gcwahrten Rechte an die nationalen Minderheiten abbaut. Mittwoch, den 20. Aujjust, abends pünktlich 8Va Uhr, Vortrag von Herrn Dr« Hasillsc über; Ile Entwick' die « •MMMtiitmiinttmitm•» Mittwoch, den 27, August, abends pünktlich 8 73 Uhr, Vortrag von Herrn Dr« Landsberg über: »» « 11. d. Lebensfragen der Organisation‘ Beide Abende finden im großen Saal der Kottbuser Klause, Kottbuser Damm 90, statt. Mitglieder aller Gruppen der Berliner Zionist.- Vereinigung als Gäste sind willkommen. Rtmtänwn . Das Hauptbüro der fea in Rumänien teilt mit, daß die Regierung di•* Anfenthaltsfrist für die jüdischen Fl ficht• 1 i 1t g c in B e ß a r a b i c 11, die tun 1. August abgetaufen war, bis Ende dieses Jahres verlängert hat. In der Moldaustadt Doroboi fanden dieser Tage schwere antisemitische Ausschreitungen statt. Größere Trupps Schüler tmd Hooligans zogen durch die Gassen, schlugen in zahlreichen jüdischen Häusern die Fensterscheiben ein und demolierten Geschäft sliiden. Wiederholte Versuche des Militärs, die Demonstranten auseinander• zutreibon, mißlangen, so daß sich die Tumulte bis spät In die Nacht Iiinzogen. Die ׳Re׳üerung verfügte am Morgen darauf die Ausdehnung des Belagerungszustandes auf Dorolioi. Rueslaud Nach einem am 9. August in Riga eingetroifenen Bericht sind _ in der letzten Woche in dem Gouvernement Kiew 300 Zionisten und C I! a 111 z i 111 verhaftet worden. Das Kommissariat für Arbeiterliygieuc beim Odessaer Gouvernement veröffentlicht soeben, wie der Gesellschaft ״Ose“ mifgeteilt wird, die Resultate einer Ende 1923 durchgeführten Enoiiete über den Gesundheitszustand der Odessaer jugendlichen Arbeiter, Von den untersuchten 1123 Arbeitern waren über 70״׳״ Juden. Die Resultate ergehen ein über alle Maßen trauriges Bild von der gesundheitlichen Lage der tüdiic!1c!1 jugendlichen Arbeiter. Von den untersuchten jüdischen Arbeitern wurden bloß 16.9 ״,V gesund befunden, während von den nichtjüdischen Arbeitern der doppelte Prozentsatz gesund ist. Lungenkrank sind 51 ״',״ der jüdischen Arbeiter gegen mir 20״'#' der nichtjüdischen, BIcichsüchtig waren 16 ״׳״ luden und 9,5״׳״ Nichtjuden. Nervenkrank waren 13,7״'״ Juden und 5,4״',״ Niditjudcii, Auch der Prozent• salz der Augciikrankcn war hei den Juden viel größer, nämlich über 20 während bei den Nichtiudeti nur 9,7 «,״׳ nugenkrank waren, Vollwaisen waren 23,8 0/0 Juden und 15,3 3״ Nichtjuden. ßtloicn Die jetzt in Gent stattfindende Ausstellung der Inter• nalionalen Berufsgenossenschaften schließt nunmehr auch eine Pnläsiina-Ahtciluuc.׳׳ ein. Diese Abteilung wurde am 9. August durch den^ Präsidenten der Ausstellung Herrn An Rede eröffnet. Sie• wurde von der Beruf.sgcnosscnschnft der Arbeitcr-Oi'g.uusntinn Palästinas arrangiert und Ist 111 einem Pavillon unfergohracht, der einem der jüdischen Häuser In Palästina nnchgehikict ist, wie sie jetzt von der Solei- Boiieli erbaut werden. Ansprachen hielten der Präsident der Ausstellung, Herr Ansccle und der Vertreter des ״Beigischen Komitees für das arbeitende Palästina" Herr Kubow i t z k y. Bniw'ia Bis zum 1. August wurden von der American Zion Co m in o ״ w ea 1111 für die Kolonie Herzliah Bodenp.trzellen im Betrage von einer halben Million Dollar verkauft. Die Käufer verteilen sich über das ganze Gebiet der Vereinigten Staaten. Die Kampagne wird "bald abgeschlossen, da der zur Verfügung stellende Boden fast ganz verkauft ist- Das Programm der Commonwealth siebt für jedes Jahr die Gründung einer neuen amerikanischen Kolonie vor. Nach den bisherigen Erfolgen ist anzunehmen, daß dieses Programm mit Leichtigkeit durchgeführt werden kann. Der Wochenbericht des amerikanischen Keren Hnjessod vom 8. August bringt zur Kenntnis, daB die amerikanische Keren Hajessod-Zentratc auf ■Ersuchen des Londoner Raupt• Büros im letzten Monat 50000 Dollar über ihr monatliches Kontingent nach London überwiesen hat. Diese Summe wurde dem vom amerikanischen Keren Hajcssod unterhaltenen Reservefonds entnommen, der dazu bestimmt ist, unabhängig von der jeweiligen Höhe der monatlich ciiifließcrtden Keren Hajessod-Rdträge regelmäßig den übernommenen Beitrag zur Verfügung zu stellen. Nach mehr als neunjähriger Tätigkeit hat das amerikaniscli-jüdische Hilfskomitee seine Büros geschlossen. Das Komitee hat viele tausende_ Familien; untcrst^Ut,. über 4QOO Kinder ernährt und bekleidet, ferner etwa 1000 000 Tonnen Nahrungsmittel nach Mitteleuropa gesandt. Das Komitee wurde am 25. Oktober 1014 gegründet; Herr Henry H, Rosenfeld hat das Hilfswerk die ganze Zeit hindurch geleitet. 63137 562 Dollar hat das Komitee in Amerika auf. gebracht und durch da» io int Distribution Co inm i 11 c c verteilen lassen. Als in den ersten Kriegslagen die Leiden der Juden Europas bekannt wurden, beriet Herr Louis Mars hall die Vertreter von 33 jüdischen Organ», national, mit deren Hilfe das amerikanisch-jüdische liillj. komitce gegründet wurde. Der Präsident des Komitees war Herr Louis M a r s h a 11, der Sekretär Dr. C y r u s L. Sulzberger und der Schatzmeister Herr Felix M. W a r b u r g. IIlIteiltiBgea des Landcs-Vorsfandes der Z. V. L D. Dieser Tage gelangt Nr. 7 unserer vertraulichen ״Informationen“ zum Versand, die wiederum •Hmt« liehen ZlonUten1tcuer«Zcichnern zügelten wird. Sprecbsaal Erklärung (Ohne Verantwortung der Redaktion.) ' Vom Urlaub zurückgckchrt, finde ich in Nr. 59 der ״J. R,“ eine gegen meinen letzten ״Wiener Brief“ ge-; richtete Sprcchsaaliiotiz unter dem Titel ״Die Chaluzim ' in Wien“, vom Zionistisch c nn Landeskomitce I für Oesterreich gezeichnet. Dazu erkläre ich: die i Richtigstellung des Z. L. K. ist unbegründet, j Meine Darstollungdcrtraurigcn Verhältnisse , der Chaluzim in Wien — die übrigens mir im cigent-; lieh nebensächlichen Punkte ״Ch a 1 ti z 11 e i m“ bestritten wird, , — ist vollinhaltlich richtig. Ohne mich in eine weitere Polemik cinzulasscn, gebe ich kurz, die Quellen meiner diesbezüglichen Mitteilung im letzten Wiener Brief hier an: J. Die ״Wa h rh ei t“, Nr. 26 (״Zwei Welten oder B c r 1 i 11 - W i c!1“), wo cs unter Bezugnahme auf eine Notiz der Redaktion der ״I. R.“ (״Nochmals die Hakoali“; Nr. 44) u. a. heißt: ״wir bewundern den Optimismus der Berliner Herren, wenn sic glauben, daß die Wiener ziouistisclie Leitung sieb mit der Sache (Austragen von Fuß• ballwettspielcn am Snbbath) befassen wird. Der Vize- Präsident dieses LandcskotnitccK, Herr Dr. Löwenherz, bczeichnete die ״Hakoah“ als den einzigen Erfolg der zoüstischen Arbeit in Wien, wo cs keine Chaluz- und keine Jugendbewegung gebe. Was die zionistische Leitung für die letztere getan, verriet er nicht. Die Berliner Herren werden wohl etwas verwundert sein über diese Ans'^ht. Sic haben unter ungeheuren Oplern Lchriarmcn und Lehrwerkstätten aufrechterhalten und neugegründet, um für Palästina das bestausgebildete Mcnschcnmatcrial stellen können. Hier in Wien verfallen die jüdischen Schlosscrwcrkstättcn in der Apostclgasse, und das Chaluzhcim im K a h t e n b c rge.rd o r t, einst der Stolz der Wiener Zionisten., wird verkauft... Es wird endlich Zeit, daß mit diesem Bluff der ״Hakoah in Palästina" endgültig aufgeräumt wird.“ (Unterfertigt ist dieser Artikel von H a z a ir.) f Unter Hinweis auf die ״Wahrheit“ habe ich die letztgesperrte Stelle in meinen Wiener Brief auigcnominen. Es wäre also naheliegend gewesen, zunächst bei der .,Wahrheit“ zu berichtigen. Eine derartige ״Berichtigung“ in Wien wäre aber nicht möglich gewesen, da hier jeder Leser 2. der ״Wiener M o r g e n z c i t u 11 g“ weiß, daß vor kurzem der Plan zum Verkauf des Chaluzhcimes noch bestand. Denn in diesem Blatte war ein Verkaufsan gebot in Form einer großen Annonce zu lesen, vom Zionistischen Laiidcskom itee selbst veranlaßt. Ebenso in einem Realitäten-Verkaufsblatt! Es gehört einiger Mut dazu, wenn dasZ. L. K. jetzt meine Nachricht so hinstellt, als ob sie aus der Luit gegriffen wäre! 3. ״Jüdische Wochenschrift“, Nr. 27 usw., mehrcre Wiener T ageszeitungen (über die Erteilung von Einreise-Visen nach Spanien an 60 Chaluzim und über den tragischen Selbstmord eines Chaluz). Da die Annoncen erfolglos blieben und Herr Oberrabbiuer Dr. C11 a j e s sich gegen den geplanten Verkauf des Heimes aussprach, und hierauf cingelcitcte Verhandlungen auch zu keinem Ergebnis führten, überließ das Z. L. K. das Heim dein jüdischen Gymnasium als Fcricn-Kolonie, was um so eher möglich war, als seit vielen Monaten die meisten j Chaluzim in der Rossauer Kaserne cinquarticrt sind, und manchmal keine zehn Personen ün Kahlcnbergdorf wohnten oder nächtigten. Diese Mitteilungen genügen wohl, um die Berichtigung des Z. L. K. ins rechte Licht zu setzen. Ich glaube auch, davon Abstand nehmen zu können, auf die Behauptung des Z. L. K. zu reagieren, die besagt, daß ich ״sehr oft unrichtige Informationen“ in meinen Korrespondenzen bringe. Ich stehe nach wie vor für die volle Richtigkeit aller meiner Mitteilungen ein. Ing. Rudolf Seiden. Meschck. Die Vertretung der P. L. D. C, in Europa liegt in den Händen der ״Mesctrek“־GcsclIschaft, deren Direktoren Prof. Dr. Bruzkus, Dipl.•Ing. Kutzcnok und Architekt Ocpstcin sind. — In Deutschland sind die Herren M a r kus, Leiter des Palästinaamtes, Breslau, Dr. OI s c 11 w a 11 gc r, Berlin, und der Leiter der ״Zionah" Jakob Josef sberg, Berlin, ermächtigt, für die P. L. D. C. und die ״Mcschek"-Gesell• schaft Verträge abzivschlicßen, zu auulllcrcu und Gelder einzukassieren. ״JuwaF'-Musikverlag. Unter der Redaktion des bekannten Komponisten S. Rosowsky ist soeben im Juwal-Vcrlag das Synagogen-Werk ״S c 11 i r e i * T c f i U o h“ (Gebetgesängc) des hcrülimlcn, vor fünf Jahren verstorbenen Rigaer Oberkanfors Boruclt Leib Rosowsky, erschienen. B. L. Rosowsky, Vater S. Kosowskys, war der einzige Kantor im früheren russischen Kaiserreich, der als erster Zögling des Petersburger Konservatoriums unter Anton Rubinstein eine höhere Ausbildung in Gesang und Komposition erhalten hat. B. E Rosowsky entwickelte in glücklichster Weise in seinem ,Werke die Richtung seines großen Lehrers Weintraub, des Königsberger Kantors. Das von Juwal herausgegebene Werk enthält eine Biographie des Autors, sein Portrait, ein Faksimile, einige Juhilüumswkiniungcn, ist au! holzfreiem Papier gedruckt und mit mehreren ornamentalen Zeichnungen geschmückt. Es ist nicht nur unentbehrlich für jeden Kantor sondern gehört auch In jedes Jüdische Haus, wo ernste jüdische Musik getrieben wird. .!