Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 65 (15.8.1924)
- Date
- 1924-08-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2651273-2652595-2652656--15961-2675309- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 466 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 65 Der Tabakbau ist vom finanziellen Standpunkt aus recht vielversprechend. Wie groß der Wert modern-wissenschriftlicher Arbeitsmethoden sein kann, wird von den dcutscheu Farmern in W illicl m a bewiesen, deren TnbakcrnUn drei- bis fünfmal so!.;roß sind wie die in der gleichen fiepend von arabischen Pllanzeni erzielten. Es stellt nulier Zweifel, daß, falls es den zionistischen Kolonisten gelingen sollte, ihre Methoden der Trockciibcwirlschafiung zu vorbessern, nicht allein der Erntcertrag erheblich gesteigert, sondern auch die Bebauung auf die weiter südlich gelegenen •Gegenden, in denen der Niederschlag ein geringerer ist, ausgedehnt weiden kann. , lllr jilditdicn Kolonfan Bisher hat die ländliche Entwicklung noch unter dem Mangel desjenigen Faktors oder Einflusses gelitten, der in der Verwandlung der fruchtlosen Fandst recken Si'ulkaliforniens eine so füliromlc Rolle gespielt hat. Es ist dies der Mange! nn Ansiedlern mit ausgiebigen eigenen K a p i t n 1 i c n, die imstande wären, mit ihren Farmen zu demonstrieren, was Kunst und Wissenschaft in der Form von geeigneten 'Arbeitsmitteln und Arbeitsmethoden zu leisten vermögen. Bis- 11er ist den Zionisten daran gelegen gewesen, eine größtmögliche An/alil von Farmen mit den geringstmöglichen Geldwitteln ins Leben zu rufen, anstatt zu beweisen, was aus dem Boden und den" klimatischen Verhältnissen unter entsprechendem Kosten,auf wände herausgc wirtschaftet werden könnte. Bis vor kurzem waren die politischen Verhältnisse des Landes noch zu unstet, um vermögende Männer zu veranlassen, sich (lauernd in Palästina atmtsiedelii. Das KoionisniioMsproblcni bestand bisher darin, Leuten mit geringet« oder gar keinem Kapital Ansiedlungsmöglichkeiten zu verschaffen. Vor der Erteilung des britischen Mandates bedurfte cs der Gewalt, sollten neue Kolonien begründet werden. Galt es, das Land zur Ausiedlmig vorzubercitcn, so mußten gleich Bataillone entsandt werde». Nur so war es möglich, die Arbeiter gegen Uaiilii'iberfälle und Belästigungen von seiten rimher/iclieiider ׳ B e d 11 i n e 11 b a 11 d e n zu schützen. Das erste dieser Bataillone bestand aus 100 Arbeitern. Diese wurden als eine Arbeitsgruppe entsandt und als solche bei •Wegebauten, •Drair.iemngs- und Feldarbeiten, Häuserbau usw. beschäftigt und bezahlt. Die Umstände, unter denen diese Entwicklung vor sich ging, haben zu einer merkwürdigen Erscheinung in der gegenwärtigen Kolonisation geführt, die in dem Mangel jeglichen A b k o 111 mens zwischen den Ansiedler u unddem Keren Hajcssod bestellt. Obgleich das Land besiedelt, Häuser errichtet, Farmen mit Viehbeständen versehe» und ausgebaut worden sind, besteht zwischen der Organisation, aus deren Mitteln und unter deren Anleitung all dies geschehen ist, und den Ansiedlern kein schriftlich festgelegter Vertrag. •Die von den Siedlern zu entrichtenden Mieten, die vom Keren Haicssod zu Entvvicklungszwccken vorzustreckenden Gelder, die Höhe und Fälligkcitstcrniinc der Rückzahlungen sind noch festzusetzen. Die Leistungen, die in der kurzen Periode jüdischer An- Siedlung bei Jaffa, und ganz besonders die schnellen Fortschritte, die seit dem Entstellen der zionistischen Be- ■wcgnng gemacht worden sind, lassen darauf schließen, daß das jüdische Volk die Fälligkeit besitzt, die- '15 c n f r 11 c 111 b a r c u Tälern eine eigene Land- Wirtschaft und Kultur aufzuprägen, die den günstigsten Zeiten der Vergangenheit in keiner Weise nachzustchcn braucht. Von den 80 jüdischen Siedlungen, die in den letzten Jahren in Palästina entstanden sind, wurden 35 von der Zionistischen Organisation begründet. ,! BotüccUoraptex und Eodeneraugalsse Das gesamte in de» jüdischen Siedlungen unter Bebauung . befindliche Areal beträgt 165 163 Morgen, deren Ertrag im ,Jahre 1923 wie folgt angegeben werden kann; , 93 509 Dunam Pflanzungen, darunter Orangerien von insgesamt Mandelbnumgärteu von insgesamt Weinfeldcr von insgesamt Olivenhaine von insgesamt Oliven- und Mandelbaumpflanzungcn von insgesamt Junge Forstaniagen, vornehmlich Eukalyptusbäumc, alte Waldungen, vornchmlich mit Eichen bepflanzt 11171 Dunam ״ 31507 ״ 16701 ״ 7563 JA־ 3625 2347 ׳ fi Der!:.,״;amicr Val'.'r.y,;,:;tl f’;; p2iä5G;1cn±x״c Sk,..'ahii ״ äk.d London. (J.T. A.) Der Frieden 8 vertrag mit der Türkei, der am 21. Juli 1923 in Lausanne Unterzeichnet worden ist, trat am 6. August für das üritische R e i c |1 , Italic 11 11 n d J n p a 11 (aber noch nicht für Frankreich) in Kraft, Laut f; 16 des Lausaitner Verträges verzichtet die Türkei auf alle Rechte und Ansprüche betreffend die ,•iiilSerhalb ihrer jetzigen Grenzen gelegenen Teriitoricn. Diese Territorien schließen Palästina, Syrien, Tr.iiisJordanien tmd den I ledsclias mit ein. § 51 handelt von dem auf jedes vom früheren ottoumnischen Reiche, losgelösten Territorium entfallenden Teil der türkischen Staats- M-ln1Ul. Das Inkrafttreten des Lausaiiuer Vertrages bedeutet für Palästina den Beginn der Leistungen für die ottoinanischc Staatsschuld. ■Das Inkrafttreten des Lausanncr Vertrages ist aticii auf die Frage der palästinensischen Staatsbürgerschaft von 131101115. Demi erst jetzt wird cs möglich werden, ein p a 1 ä s t i 11 e 11 s i s c 11 es Staatsbürgerschafts־ gesetz zu erlassen. ח* *fT ך׳ ■*יי?/ v ■'״V f) ־ , גד׳/ n geht 211 Ende. Wir bitten unsere Mitglieder noch einmal, Intensiv Sdickel zu verkaufen und bis Ende dieses Monats abzurechnen. An sämtlichen Veranstaltungen der B. Z. V, und der Gruppen können Diode» abgegeben und abgerechnet werden, Berliner Zionistische Vereinigung. ^w^ä^higgcoOOWOOOOuCOQUDiXJC, ,Q&UUOQUij&OOOüOaGüOöOUi Der Aaßlö-Iletlsdias Vertrag Die ״Wiener Morgenzcitiing“ meidet aus London: ״Der König von Hcdschns, Iltisse! 11, verweigerte die Unterschrift auf dem Vertrage mit England und verlangte die Erfüllung׳ der britischen Kricgsvcrsprechuugcn bezüglich der Unabiiäugigkeit der arabischen Länder, darunter Erez-fsracis.“ Dam bemerkt die ״M. Z.“: ״Es handelt sieh um den seinerzeit vom ,Temps‘ veröffentlichten angeblicher! Vertrag, den der Archäologe Lawrence im Jahre 1917 mit Hussein obgc• schlossen haben soll, wonach alles Land südlich einer Linie von Adana bis zur Wüste nn Hussein fallet! solle. Die Authentizität dieses Abkommens konnte bisher nicht nachgcwiesen werden.“ Wir gebe» diese Meldung mit dem 111n so mehr gebotenen Vorbehalt wieder, als wir zuverlässige Informationen besitzen, daß der sogenannte Anglo-Hcdsclias-Vertrag überhaupt nicht existiert. Die Katars Konzession gesichert Wie der 1״ Li.mv,“ vom 5, August berichtet, wird nunmehr die Konzession zu r Trockenlegung der Kab a i'n -Sii n! pi c bald in Kraft treten. Das Gebiet dieser Sümpfe, die sich über <1000 Dunam amdehncn, Ist seinerzeit von der 1,C. A. erworben worden. Die arabischen Siedler der Nachbarschaft haben kürzlich einen Vertrag unterschrieben, wonach sie auf ihre Wciderechte im Interesse des Drainnageplanes der P. l.C. A. (Rechtsnachfolgern! der I.C. A.) verzichten. Als Gegenleistung soll die P, LC. A. einen nicht 1unbeträchtlichen Komplex ihres Bodens hei Caesarea und Tatwura den arabischen Viehzüchtern abgetreten haben. Der ״Haarest“ teilt ferner mit, daß, sobald alle. Schwierigkeiten beseitigt sind, die Drainagcarbcitcn in den ,Sümpfen und die Anpflanzung von Bäumen in den Kabara selbst und auf den Dünen zwischen Sichron Jakob und dem Meere sofort in Angriff genommen werden. (Wir haben diese Nachrieht bereits auszugsweise gebracht. — Red.). Die neue Faläsllni * launlprstlon Von den 1311 Immigranten, die in! Juni nach Palästina einvanclerte», gehören, laut ״Official Gazette“ vom 1. Augast, •118 zur Kategorie ״ß“, d. h. sind unabhängige Persoiicn, die in Palästina ihren dauernden Wohnsitz, nehmen wollen. 370 Personen der Kategorie ״E“, mit sicherer Aussicht auf Beschäftigung bei einem bestimmten Arbeitgeber, brachten 346 Frauen, Kinder und andere Angehörige mit sich. Kategorie ״E“ umfaßt hauptsächlich Immigranten, deren Aufnahme und Versorgung mit Arbeit von der Palestine Zio-!!Ist Executive aus Keren Hajcssod-Gcldcm bestritten wird. Außer den beiden vorerwähnten Gruppen passierten die Kontrolle 146 Franc», Kinder und sonstige Personen, die von im Lande Ansässigen völlig abhängig sind. Obige Zahlen zeigen deutlich, daß von Monat zu Monat mehr materiell unabhängige Jude» cinwandcm, während der Zustrom von Cha- Der Fe’Zs׳Ja2pavlI!3n la WeaMey II. Eine Darstellung der Londoner ״Times“ So stark ist der Zauber der Assoziationen, daß man cs ein bißchen schwer findet, Palästina mit denselben Maß- Stäben zu messen, die man auf andere Länder anwendet. Es ist nach allem und besonders vor allem das heilige Land. Ein besonders biblischer Ausstellungsgegenstand ist ein Baummessen ״Und sic sollen ihre Schwerter in Flugscharen umschmieden und ihre Lanzen in Baummesser“. So wird uns zweimal Von zwei verschiedenen Propheten gesagt. Dieses besondere Baummesser wurde von Sir Herbert Samuel im Jordantal gefunden, wo, wie cs scheint, er cs einen Mann gebrauchen sali, und es ist aus einem deutschen Bajonett gcmaclitl Nach Schluß der Ausstellung soll das Werkzeug — oder ist es noch eine Waffe? — dem Rcicliskriegsnuisenra übergeben werden. Inzwischen stellt cs eine ausgezeichnete Sichel dar, und man kann nur hoffen, indem man cs als Symbol nimmt, daß es, ebenso wie die Deutschen,, ungcschmicdct bleiben wird. Fast elirfurchtcrweckend sind weiterhin die kleinen ־ Kästchen ״Andenken an Palästina“, deren Inhalt als authentisch von einem Komitee in Jerusalem unter dem Vorsitz, des Jligh Commissioners gerändert wird. Es sind fünf Gegenstände, die den Inhalt ausmachen. Nämlich 1. Jordan- Wasser in einer Glasflasche, die auf primitive Weise in Hebron liergcsteift wird, 2. Erde vom Berge Moriah, in einem scide- ,neu Sack aus damaszenischer Handweberei, 3. Bruchstücke von römischen Tongefäßen aus den Ausgrabungen bei Askalon, 4. gepreßte Blüten von den Bergen Judäas und 5. Muscheln vom Sec Gcnezareth. Die Kästen werden zu fünf Shilling verkauft, die Erträge sollen für allgemeine Wohltätigkeit in Paliistino verwendet werden und de!1 Wohltaten wird, wie man sich verstellen kann, vor dem Ende des Sommers dadurch beträchtlich wohlgctan werden. Palästina ist natürlich kein Teil des englischen Reiches, weit cs ein Mandatland ist; aber die lebende Wirkung britischer Verwaltung auf ein Land, weiches, wie Sir Herbert Samuel in seiner Einleitung zum Führer durch den Pavillon sagt, ״nach Jahrhunderten von Mißrcglcrung herrenloses Out" war, ist bereits enorm, Npben dem Wachsen von Eisenbahnverbindungen, Autochausscen lind Allgemeiner Ordnung und Stabilität, ist auch für Handel und Industrie des Landes eine neue Acra eröffnet worden. Ein augenfälliges Beispiel ist der Falb der .Tabakindtfätrie, Unter dein lähmenden Einfluß des türkischen Rcgicmonopols konnte es dort keine Tabakpflanzung und keinen Tabakhandcl von irgendwelcher Wichtigkeit geben. Nun arbeiten bereits mehrere Zigarettenfabriken, Proben von Tabak werden gczeigt, die dem mazedonischen in der Art sehr ähneln und alle Aussichten auf eine beträchtliche Industrie sind gegeben. Eine moderne Melilmühle mit einer Mahlfähigkeit von 50 Tonnen Mehl pro Tag ist gebaut worden, Eine Fabrik für die 1 ierstdiung von ätherischen Oclcn, eine Ziegelei, die 15 Mill. Ziegel pro Jahr fertigsten«! kann, eine Salzgescllschaft zur Salzproduktion durch die Verdunstung von Sccwasscr, eine Zementfabrik, eine Fabrik für Asbestunchzicgcl, — dies sind mir einige von den neuen Unternehmungen, die ins Leben gerufen wurden, nachdem wir das Land übernommen hatten. Vor allem aber ist Palästina ein Ackerbauland und sein Haupt* erzeugnis sind vom kommerziellen Standpunkt Jaffa-Orangen. ״Esset Jaffas zum Frühstück!“ werden wir beschworen. Eine immerhin äugen dune Vorstellung. Und die Schaustellung der Frucht geschieht in so wirksamem Maße, daß sic das ganze Gebäude durchdiiffen. Die Jaffa-Orange, wie wohl bekannt ist, ist snmcnlos (nur Saft und keine Kerne, sagt die Anpreisung) und wird ganz und gar durch Pfropfung tortgepflanzt. Aber wie sie begann und wo, bleibt ein Geheimnis. ׳Da sind ferner die Palästina-Weine, die gut sind, und Branntweine und Liköre; dann Honig und Maulbeeren _ aus Damaskus und Oliven und türkisches Konfekt, dessen' türkischen Namen man auf z.wöll verschiedene Weisen schreiben kann. Aber hier schreibt man es ״Rabat“ tmd ״Locotim“. Von den schon früher bcstehenden Industrien des Heiligen Landes Werden Webwaren und Stickereien gezeigt, Matten, Töpferclwaren, Gläser und Juwelierarbeiten, von denen die meisten, wenn nicht alle, auf die Zeit vor der christlichen Aera zurückgehcn. Fast alle litten schwer durch den Krieg und sollen jetzt wieder bis zur völligen Gesundung gepflegt werden. Außerordentlich gut und sehr interessant ist die Ausstellung der Arbeiten der ״BezaieD-Kunstpcwcrbcschule in Jerusalem, besonders dekoraiive Messing- und Emaillcarbcitcn. Viele von den heutigen Erzeugnissen Palästinas sind wirklieh von hoher technischer Vollkommenheit, und wir brauchen wirklich nicht über den Einfluß beschämt zu sein, den ciie britische Verwaltung bis jetzt auf das kommerzielle, industrielle oder künstlerische Leben seiner Bevölkert! 11־; ausgeiibt hat. Jtizim durch die Zionistische Organisation gesteigert wird.! Hierzu kommen noch die jüdischen Touristen, deren Zahl in! Juni außergewöhnlich hoch war. Wie die ״Official Gazette“ berichtet, sind unter den Immigranten 39 Juden, . 1 Christ und 5 Mohammedaner inbegriffen, die' ursprünglich’ j als Reisende gekommen waren und später eine dauernde . Au 1 c n 111 ai tsc rl a u b 11 i s erhielten. 22 Immigranten, die den Emwandcrungsbcstimmungen nicht entspräche», wurde» * nacli Ankunft im Lande zurückgcwicscn. Elnli01״mcT5!e־aer Ia PaLlslIsa? Jerusalem. (J. T. A.) ln Jerusalem geht das Gerücht um, daß die Regierung die Einführung einer progressiven Einkommensteuer in Palästina beabsichtigt. Eine Gartenstadt der Bnd Briih - Logen Sa Palästina; Jerusalem. (J.T. A.) Der palästinensische Rnci Brith• Orden hat in der Nahe von Jerusalem 220 Dunam Land zwecks Errichtung einer Gartenstadt käuflich er-; worben. Dies geschah auf besonderen Wunsch de* atneri.! k a 11 i s c 11 c 11 B n c i Brith-Ordens, der die Geldmittel zur Verfügung gestellt hat. Gilbert Claytons Besteh in der hebräischen Universität Gilbert Ctayton, der in Abwesenheit Herbert Samu- » cls der Verwaltung Palästinas Vorsicht, besuchte am31. Juli j das Gebäude der hebräischen Universität auf dem Scopusi berge. Go|. Kisch begleitete Sir Clayton und steßte ihm 1 Prof, Fodor und Areh. Kornberg vor. 1 Die Indischen Mohammedaner gegen Husseins Kalifat Das jetzt vorübergehend in Palästina weilende Mitglied des indischen Staatsraats, Ismail Khan, äußerte sich in einem Interview mit dem Vertreter der J. T. A. dahin, daß die indischen Molu m medaner gegen die Kalifats- Ansprüche König Husseins von Hcdschas Einspruch erheben. Sie verlangen, daß der Kalif von einem aliwcltlichen mohammedanischen Kongreß gewählt werde. ״Kein Kalif," sagte Ismail Khan, ״wird von der mohammcdänischen Welt anerkannt werden, der nicht von allen mohammedanischen Körperschaften der Welt gewählt ist.“ Die Verlreter der Zionistischen Organisation bei der Jüdischen Wclliiillskonlercnz Die Exekutive der Zionistischen Weltorganisation hat soeben ihre Vertreter für die zwischen 21. und 27. August in Karlsbad statt!indende 2. Jüdische Wclthilfskonlerenz ernannt. Die Vertreter der Zionistischen Organisation sind: 1. Naiditsch (Paris), L. Le vite (Warschau), Prof. H. Pick (Jerusalem), Dr. Hcllmann (Riga), Berl Locker (Berlin); Ersatzvertreter sind: Dr. Leon Reich (Lemberg), Ben Gurion (Palästina). Die Bnei-Brith•Logen des Ostens, die ihren Hauptsitz in Ko n s t a n t i n 0 pe I haben, kündigen ihre Teil• nähme an der zweiten Jüdischen Welt 11 ilfs- Konferenz an. Der Verband umfaßt 30 Logen in folgenden Ländern: Bulgarien (Sofia und andere Orte); Aegypten (Kairo, Alexandrien und andere Städte); Griechenland (Saloniki, Athen u. a.); Palästina (Jerusalem, Jaffa u. a.); Syrien (Damaskus, Aleppo 11. a.); Türkei (Konstantinopel, Smyrna u. a.); Jugoslawien (Belgrad 11. a.). In dem Schreiben der Bnci-Brith-Logen an das Exekutivkomitee der jüdischen Wcithilfs-Konfcrcnz wird die Initiative zur Einberufung der י zweiten jüdischen Welthiifs-Konfercnz begrüßt und ausgedrückt, ״daß mehrere Or- * ganisationen und jüdische Gemeinden auf die Veranstaltung die Hoffnung setzen, daß sie die ungeheueren Schwierigkeiten des sozialen und wirtschaftlichen Lehens der Gegenwart bescitigcn helfen wird. Die Herren Reisner und Dr. Isaia Eskcnazi sind die Delegierten der Großen Bnei-Brith* Loge des Ostens auf der zweiten Jüdischen Welthilfs- Konferenz. . , ■ Hans Herzl zwn Katholizismus übergdretra Hans Herzl, der Sohn Theodor Herzls, hat den katholischen Glauben angenommen. Hans Herzl, der beim Tode seines Vaters 13 Jahre alt war, wurde in England in einem jüdischen Institut erzogen. Er litt seit Jahren an schweren seelischen Depressionen, die sich durch seine Erlebnisse im Krieg, den er als englischer Soldat mitmachte, gesteigert haben. Die ״Wicner Morgcnzeitung‘‘ bringt eine Acußcrung des Präsidenten der Zio- ת isti sch cn Organisation in Oesterreich, Herrn Ing. Robert Stricker, der wegen der Herausgabe der englischen Ucbcrsetzung der ״Tagebücher‘‘ mit Llerrn Herzl in letzter Zeit verhandelt hat. Herr Stricker äußert sich dahin, daß er Hern! Herzl für einen psychisch anormal veran* lagten Menschen halte. Wiener Briet (Von unserem R.S.-Korrespondenten.) Im Wiener Büro der Aguda ist ein gewisser Josef Löwenstein, der sicii als Doktor juris ausgibt, als Paßreferent in Stellung. Er wurde kürzlich verhaftet, weil er etwa 40 Chaluzim Beträge bis zu 10 Pfund zur Beschaffung der englischen Einreisebewilligung nach Palästina abnahm; Löwenstein unterschlug die ihm für die Paßbesorgung übergebenen Gelder. Löwensteins ״Amtsvorgänger" bei der Agtida, ein gewisser Elias Grün borg, wurde kürzlich wegen ahnliciier gewissenloser Manipulationen vor ein Schiedsgericht gestellt; damals erklärte der Vertrauensmann der Aguda, daß Grünberg auf Grund des Untcrsuchungsvcrfahrcns entlassen werde. Er wurde 'aber nur ״versetzt“, man wies ihm andere Agenden zu. Die Lage der Wiener C h a I u z i m hat sich in letzter Zeit ein wenig gebessert; es ist dies nicht zuletzt einem kleinert Bethausverein (״Gcmilas-Chescd“) zu danke», der 100 Cliahizini verköstigt und sich mit folgendem Aufruf an die Öffentlichkeit um Geldspenden wendet: ״Die Zahl der nach Wien kommenden Chalu/im, die hier den größten Entbclirungen ausgesetzt sind, mehrt sich von Tag zu Tag, ohne daß die jüdische Bevölkerung Wiens sich aufrafft, ihnen eine nennenswerte Hilfe zu bringen. Die Clialuzim, unter ihnen viele Familienväter, finden hier keinen l/nterstand, müsse» Wochen hindurch im Freien kampieren und buchstäblich hungern...“ Der Aufruf stellt die Situation wohl zu schwarz dar. Der ehemalige Rcichstagsabgcordncto Dr. Julius Ofnet wird am 20. August 80 Jahre alt. Aus diesem Anlasse wurde er durch Verleihung des Bürgerrechts der Stadt Wien ge• ehrt. Dr. Ofner ist liberaler Jude. Er gehörte, als einer der hervorragendsten Juristen, dem Verwaltungsgerichtshofe an. _ Die Kultusgemcindcwahlcn finden am 9. November statt. Die Parteien beginnen bereits mit den Wahlvorbereitungen. Es ist zu hoffen, daß diesmal die Zionisten besser abschncWcn werden als bei der letzten :Wahl.