Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 63 (8.8.1924)
- Date
- 1924-08-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 454 ]UEDISCHE UUNDSCffAll Kr. 63 I laudier können Kehr viel Nutzen stiften. Sehr wichtig w.irc niirli der An;;!.um des J a f f a e r Hafens. Der englische Markt ist noch bei weitem 11 i c 111 genügend n 11 s •ן e 1! ü t z t, neue Märkte können erschlossen werden. Bisher wurde für palästinensische Orangen übrrliaiiin keine Reklame gemacht. Fs müßten nur die wirklich vor- II and eil en Vorzüge dieser Frucht «10m Publikum klar gemacht werden mul ihre .Stellung auf dem Markte würde unerschütterlich und auch ein höherer Preis gern bezahlt weiden. Ls ist sogar sehr wahrscheinlich, daß die' Pflanzungen noch einer großen Ausdehnung fähig sind und diese mit der Zeit auch eintreten wird, was natürlich vom größten Vorteile für Palästina wäre. Dr. Weinbergs Schrift ist das Werk eines wirklichen Fachmanns, der das Material in alten Details souverän be• herrscht, so daß eine Fülle von Daten zus.unaiengctragen ist, die man in einein kurzen Hinweis unmöglich erschöpfen kann. l'r vciliert sieh aber nicht iil Einzelheiten, sondern behält das Ci a 11 z e stets im Auge, begnügt sich übrigens nicht damit, eine große Menge von bisher unlick n 11111 e 11 Tatsachen und Ziffern anzuführen, sondern kritisiert auch den gegenwärtigen Zustand, z. ß, das 1111 - gesunde Kreditsystem im Orangen - Handel, den Mangel an w i s s c u s c 11 a f 11 i c 11 e 11 Forschungen und Methoden nsw. Er bringt ferner eine Reibe von wertvollen Anregungen tmd Vorschlägen, die wahrscheinlich ihren Eindruck flieht verfehlen werden und den Orangeiiliandcl günstig beeinflussen dürften. Eine gute Tsbakernfe in Sicht? Die neue Tabakernte in den jüdischen Kolonien und genossenschaftlichen Siedlungen bietet, wie der Junibcricht de!; Schatzmeisters der Palcstinc Zionist Executive besagt, gute Aussichten. Nur sehr wenige Plätze, kaum 5 der Gesamtfläche, bleiben unter Durchschnitt, Die An- Pflanzung, Pflege und Zubereitung des Tabaks war vom Arbcitsdepartcinent der Exekutive als ein Mittel gedacht, tun mehreren hunderten jüdischer Arbeiter Beschäftigung zu gclien. Es wurden Gruppen zusaminengestcllt und ihnen Kredit aus dem Keren Hajessod-Budget gewährt, so daß sie mit den Kolonisten ein Abkommen über den Tabakbau ab• schließen konnten. In einigen Falten wurde die Vereinbarung >11. Form einer Beteiligung abgeschlossen. Bei gleicher Gcwiuntcilunp stellen die Kolonisten den Boden und die Saat, die anderen die Arbeit. Die Anwesenheit jüdischer Arbeiter in den Kolonien des alten Jischuw hatte die Wirkling, daß such zwischen d_en neuen Ci1a!uzim und den Kolonisten, die als die alten Clialuzim gelten dürfen, engere Beziehungen tmd eilt besseres Verständnis hennisbihleten. Man hofft, daß nicht blot! diese Arbeiter in den Kolonien das ganze Jahr beschäftigt bleiben, sondern daß sogar noch weitere 500 hinzukomincn werden. Der Fortschritt des palästinensischen Tabakbaus. Der in Palästina jetzt zur Reife gelangte Tabak ist, wie der Ziko zufolge von allen Sachverständigen erklärt wird, von hesonderer Qualität. Der Erfolg, den die Juden mit dem Anbau des Tabaks im Lande erzielt haben, hat eine große Zahl von Arabern veranlaßt, dieses Beispiel nachzuahmen und große Strecken ebenfalls mit Tabak: zu bebauen. A11s der illdisclicii Welt Greg - Israel . _ Na ha In I entwickelt sich’sehr rasch, nicht bloß in Fand- Wirtschaftlicher, sondern auch in sanitärer Hinsicht. Bekanntlieh war diese Gegend als ein Moskitoncst berüchtigt. Eine deutsche Kolonie ging infolge dieser Plage dort zugrunde. Darum pflegten die Araber der Umgebung den Hauptzuiluß der Sümpfe von Malul die ״Todcsquelle“ zu nennen. Als der Keren Kajemcth den Boden für eia jüdisches Dorf erworben hatte, schritt er sofort au die Trockenlegung der Sümpfe und bat die Quelle des Todes in eine solche des Lebens verwaudelt, die das ganze Dorf niit frischem, gesundem Wasser ver* sorgt. Der große Teil des Einek, in dem sich a 'לי. י * a I befindet, i s t 11 u 11 völlig saniert. Sogar die Einwohner von Jerusalem, das sich seiner gesunden Lage rühmt, müssen im Sommer unter Moskitonetzen schlafen und sind angenehm überrascht, wenn sie in Nahalal sehen, daß solche Behelfe hier überflüssig geworden sind. Auf Anfrage, desK. K.!..-Hauptbüros in N'ahalal wegen der Malaria, schrieb Llioser Joffe, Gründer und Leiter der Kolonie, ebenso kurz wie bündig: ״Hier, gibt es keine Mosk 1 t o s.“ Nach Ucberwjmlung der für die palästinensischen VeriiäHnissc charakteristischen Schwierigkeiten wurde kürzlich die große 10000 Dunam fassende Bodenflächc von T c 1 - A d;1 s im Herzen der Ebene Jesreel auf Namen des Keren Kajcmetli grundbüchcrlich übertragen. Hierdurch findet die von der Palcstinc L a 11 d Development C o in p n u y noch lange vor dem Kriege eingeleitete Bodciicrwcrhs* aktion, die so viel Mühe gekostet hat, einen erfolgreichen und erfreulichen Abschluß. Wie die Zeitschrift ״M i s c h a r Wet nass iah" in ihrer letzten Nummer meldet, haben aus Polen stammende Juden im Norden von Jaffa in der Näiie von Bajit w’gan ein Terrain von iFtXi Dunam erworben, um dort eine städtische Siedlung zu errichten. Wie schon bekannt, hat das K. K. L.-Direktorium für die ,Wasserversorgung der ersten M i s r a c 11 i - K o 1 o 11 i e C 11 i t - t in nächst Tiberias 5 '200 £ bewilligt. Das Wasser muß aus dem Kmerethsce bis ,auf die Spitze des Rcrgcs, wo die Kolonie hegt, gezogen werden. Gleichzeitig wird ein Wettbewerb f ti r d i c I) 111־ c 1t f ü 11 r 1111 g d c r A r h e i t c 11 ausgeschrieben und!)innen drei Monaten wird die Wasserversorgung von Chittin hoffentlich Tatsache sein. .111 der Sitzung des Vorstandes der jüdischen Getn c 111 d c 11 Chicagos vom 27. Juni wurde beschlossen, in Palästina eine Kolonie aus Geldmitteln der Chicago er Juden zu gründen. Die Kolonie soll den Namen W’idath Chicago fuhren. V°r kurzem beging das jüdische Stadt viertel Jerusalems ״Mcah Sch ca ri in“ die 50. Wiederkehr seines Gründlingstages. An der Feier nahmen Vertreter der nschkcnaslschen und sephardis.cli.en Juden mit ihren Rabbinern teil. Die Zionistische Organisation hat bekanntlich aus Keren Hajcssod-Mitielii die Bibliothek Go Id zieh er, eine der größten Sammlungen von Arabien, gekauft. Diese Bibliothek ist inzwischen nach Jerusalem gebracht tmd in einem Gebaude nächst der Nattonalbibiiothek in Jerusalem provisorisch «»gestellt worden. Hier wird diese Sammlung solange verbleiben, bis die W o 1 f f s o 1111 -S t i f t u n g ein w ii r d i * ßc3 Heim für die Jüdische Nationalbihliothek errichtet hat. Von der von der Hebräischen National- und Univcrsitäts- Bibliothek herausgegebenen Vicrteljalircssehrift ,,Kirjatli Scfcr“ ist soeben das zweite Heft erschienen. Es enthält außer einem Bericht über den Fortgang der Arbeiten in der Bibliothek und für sic und einer wertvollen hebräischen tmd jüdischen Bibliographie eine Anzahl von wissenschaftlich linclisfelu ndcii Auf.,ätzen, i1;:.be.׳:ot.derc über t :״'!er nicht veröffcutlichte Muim-kiiole. Nach dem erwähnten Bericht der Bibliothek umfaßte sie am 1. Juni d. j. öj2j7 Wette mit ä'SFOä Bänden. Soeben erschienen die enden drei Hefte einer neuen p c r i o d i .׳. c 11 ers e 11 0 i 11 e 11 ti 1' 11 Zeitschrift der f. .1 ״ d w i r t s c It a ft l i c h e n V e r 8 ti c h 0 r.! a f f 0 n der Zionistischen Organisation in Palästina. Die Zeitschrift enthalt Berichte über wissenschaftliche Untersuchungen der ikamten der i.aiuiwirtsclia ft liehen Versuchsstation. Die I lad.iss,׳!]! Medical Organisation gibt soeben unter dem Titel ״Belli Scfcr f’Acbjotli II n das sah“ eine kleine illustrierte Schrift über ihre Jerusalemer Schule, zur Ausbihhing von Krankenschwester» heraus. Die kleine Schrift enthält sehr lesenswertes Material über diesen Zweig der Tätigkeit der 1 Indassah. Der Leiter der Kunst,gewerbesdmlc Beznlcl in Jerusalem, Prof. Boris Schatz., erhielt vom Wiener M ii 11 7. n in t die Mitteilung, daß in einer großen Wiener M e d a i 11 c n a u s * stell 1111g auch die von ihm geschaffenen Medaillen ausgestellt werden. Fs ist das erstemal, daß Palästina au einer Kunstausstellung außerhalb des Landes beteiligt ist. Der palästinensisch-zionistischen Exekutive ist aus Italien die Nachricht ztigeg.iiigeii, d.aß eine große Gruppe italieni scher J 11 d e n j die an dem Aufbau des nationalen Heims Interesse nimmt, noch diesen Sommer eine P a I ä 8 t i 11 a f a 11 r t unternehmen will. Die Gruppe wird Triest am 22. August verlassen und in Palästina Ins zum 18. September verbleiben. Die Gruppe besieht zumeist aus wohlhabenden Kaufieuten und F a 11 r i k .1111 e 11. Sie beabsichtigt, alle jüdischen Städte, Siedlungen tmd nationalen Institutionen zu her,neben. Das Vorbereitungskomitee bilden die Herren־. B e n a i tn , 111g. C i v i d a 11 i, Dr. G 1 a ß, Prof. Prato und Advokat V i t e r b 0• Die Koionistenvereinigimg in Untergaliläa fiat einen neuen täglichen Automobiiverkchr zwischen Haifa und Jawncel organisiert, der über Sedjcra und Kfar Tabor führt. Die Einwandminßsbewepung von Juden aus Saloniki nach Palästina nimmt von Tag zu Tag zu. In den letzten Tagen ist eine große Gruppe von 70 Personen, Männern und Frauen, in Palästina ciugetroffcn, darunter eine Anzahl von Familien von Handwerkern und Kaufieuten. die sicli im Lande niedergelassen haben. Andere, Großkniificntc und sonstige vermögende Juden, kamen, tun die wirtschaftlichen Bcdin* gimgon des Landes zu studieren und ihre Ucbcrsiedhmgsmög• lichkeit zu prüfen. ’ Die erwähnte Gruppe ans Saloniki ist bereits die zweite, die von dort in Palästina cinwaudert. I>er Vorstand der j ü d i s c h c n (j emei n d C (wcleher? — Red.) J c ru s a 1 c in s hat eine Resolution gefaßt, in weicher gegen das neue griechische Gesetz, wonach ab 1. Januar 1025 die Sou 11 tags ru 11 c in Saloniki Geltung erlangt, energisch protestiert wird. Eine besondere Airordnung wird den griechischen Konsul in Jerusalem bc• suchen und ihm die Resolution zu weiterer Mitteilung an die griechische Regierung übergeben. In ganz. Palästina werden Protestvor^aminhingcit gegen das Zwangs-Sountagsruhegcsetz tu Saloniki ahgohalten. Der palästinensische Eisenbahner-Verband bat Herrn Gold in zu seinem Vertreter auf dem in Hamburg stattfindenden Internationalen Transportarbeiter- K o n groß ernannt. Goldin ist am 31. Juli nach Hamburg abgereist. Der amerikanisch-jüdische Journalist Gcrschon Agronsky, der in Palästina eine Reihe amerikanischer BUiltcr vertritt, halte mit Colonel Kisch eine Unterredung über die zioaisiische Arbeit in Crez-Isracl. Agronsky gibt in seinem Bericht eir.e Darstellung der Persönlichkeit des Colonel Kisch, der wir nachstehendes entnehmen: Fredcrick. Kisch ist 36 Jahre alt, Sohn eines Zionisten, der lange Zeit in Indien britischer Beamter war. im Aller von!9 Jahren trat Colonel Kisch in englische Militärdienste. Fünf Jahre verbrachte er in Indien, Im Kriege kam er an die französische Front, wo er zweimal verwundet wurde. Nach seiner Genesung kam er nach Mesopotamien und wurde wiederum verwundet, Dann war er im Londoner Kriegsamt tätig und Wurde hierauf Mitglied der englischen Delegation beiden Pariser Fricdcnsvcrhandlangen. Kisch besitzt viele militärische A 1t s 7. c i c h 11 u!1 - gen und ist Offizier der französischen Ehren- Icgion. Im November 1022 folgte er dem Rufe der zionistischcn Exekutive zur Uelic-rnahine des politischen Amtes in der zionistisch-palästinensischen Zentrale. Oeatrrmfb Der ״Israelit" bat kürzlich die Hoffnung ausgedriiekt, daß •die Verkeiirsformen in der jüdischen Presse sich bessern werden, tmd hat insbesondere diese Mahnung an die zionisiischeu Blätter zu richten für nötig gehalten. Gleichsam als lHusu-ation^ zu dieser Aufforderung (an die falsche Seite) zitieren wir aus einem Artikel des von dem Präsidenten der Aguda Dr. Piuchas Kolm geleiteten Wiener agudistischcn Organs, der ״Jüdischen Presse“, die folgenden Sätze über einen -- dem offiziellen Berichte nicht zu entnehmenden, wohl von privaten Meldungen gebrachten — ״Angriff Nahm» Sokoiows gegen Agudas Jisroei“: ,,Nachdem Herr Wcizmann, der _ Präsident zier Zionistischen, Organisation, zu Beginn der Tagung s i c ii vor d e m amerikanischen Geldsack tief, sein* tief, bis zum Ausgleiche von 50 0 0 verbeugen mußte, hat ilerr Sokolow, Präsident, der Exekutive, cs für nötig und politisch klug gehaltern .die ungebrochene Kraft und den Knmpfcsmnt der Zionistischen Organisation in einer Kampf rede gegen die Aguda z.11 dokumentieren. Es ist nämlich noch immer der billigste Erfolg eines Zionistenführers, Agudas Jisroei n 11 z 1t ״ r e i f c n. Dabei glaubte i ierr Sokolow, auf die Wahrheit w c 11 i g Wert legen zu müssen. Er sprach von einer jüdischen Front, die noch vor k u r z e m g e e i 111 gewesen wäre. Die Existenz dieser Einheitsfront erlauben wir uns entschieden zu bestreiten. Es waren bloß Zeiten, wo die überklugen zionistischen Politiker es glaubten oder glauben mache» wollten, daß sie das gesamte jüdische Volk repräsentieren. Ja, sie haben sich von diesem Irrglauben zu einem Machtdpi n k c 1 verleiten lassen, dessen verhängnisvolle Wirkung sie jetzt am eigenen .Leihe spüren müssen.“ Von den weiter folgenden Ergüssen zitieren wir mir kurz noch die folgenden Ausdrücke.: ״Terroristische Methoden" . . . ״SicgcrulUircn“ . ... ״Wcizntann wollte die Amerikaner zu jener Zelt aufs Knie zwingen (!)“ , . . Und dann folgt eine Bemerkung, die trotz ihrer jesuitischen Gewuinienheit und der deutlichen Sclioii, offen, zu beschuldigen, nichts anderes als eine Verdäditigmig Sokoiows als des intellektuellen Urhebers der Mordtat an de Haan dnrstciit: ״Die Worte von Herrn Sokolow scheinen eine eigenartige Schicksalschwere Bedeutung zu haben. Vor ungefähr vier Monaten, .in der letzten Sitzung des Großen Aktions-Comites der Zionistischen Organisation, hat er Prof, de H a a tt scharf angegriffen. ■Dieser Angriff bildete den Auf• ta k t zu einer gehässigen K a m pa g 11 e gegen de Haan, dessen tragischen Abschluß die ganze jüdische Welt vor Monatsfrist mit Schaudern erleben *mußte. Wir wissen nicht, was die Folgen der neuen IC a m p fa n sage von Herrn Sokolow sein werden.“ Jeder anständige Mensch hingegen weiß, was er von diesem Blatt, der Organisation und den Personen, die hinter ihm etchcu, m halten. hat, «zt.r.v;. s An( dem Programm der 22. Konferenz der interparlamenta rischen Union, die am 22. August in Bern eröffnet, dann in Genf fortgesetzt um) dort am 23. August pesciilns'K'ti wird, stellen 1111 erster Steile Fragen der M a ml a t e , der E m i g r a t i o 11 und I m in i g r a 11 o 11. Die Aussprache über die Mamlalsfrage wird vom Abgeordneten Marius Moutct (Frankreich: (1cm bekannten Zionistenfreund. — Red.) eröffnet. Die Einigrations- und Iminigrations. Probleme werden vom Senator Fernand Merlin (Frankreich) und M. Ruggero Dollfus (Scjiwciz) behandelt werden. 'jt ftUtn , Der Präsident des jüdischen Gemeinde■. Verbandes, sowie der Obcrrnbbiner von Rom erschienen bei dem neuen italienischen Unterrichtsnumstcr, Herrn Ciasati, und lenkten seine Aufmerksamkeit auf die anormale Lage der jüdischen Schulkinder in Italien in Verbindung mit der Reform des Elcmcntarschtilweseiis. ׳Die Schule ist vollkommen von' katholischem Geist durchdrungen und trägt den geistigen Bedürfnissen der jüdischen Bevölkerung nicht Rechnung. Der Minister versprach, diesem Problem sein Interesse zuzuwenden und insbesondere diejenigen Einwendungen, die sielt auf die Prüfungen am S a b b a 111 und an jüdischen Leiertagen beziehen, zu berücksichtigen. Das italienische Jlilfskomitce für die jüdischen Studicrcnden aus dein Ans lande gibt bekannt, daß jene jüdischen Studierenden, di•'׳־nach Italien kommen wollen, sich vor iitrer Abreise mit den Studentenverbindungen in ihrem eigenen Lande, dem Weitvorband der jüdischen Studeuten oder mit dem italienischen Hilfskomitee in Verbindung setzen müssen. Ferner mußten sic sich mit den notwendigen Dokumenten versehen und über gewisse, wenn auch beschcidcne Geldmittel verfügen. Das italienische Komitee kann keine Verantwortung für eine regellose Immigration übernehmen. ׳Diejenigen, die die Anordnungen des Wcitvcrbandes und des Komitees nicht befolgen, müssen sich darauf gefaßt machen, daß das Komitee ihnen kein Interesse zuwenden wird. poUn Die 11 a 1 b 0 f fi z I e 11 c Ost-Agentur teilte mit, die polnischen Regiertmg־־krei;c hätten deshalb keine Möglichkeit, ihre Absichten tn bezug auf das jüdische Schulwesen, die jüdische Sprache und Religion usw, einer dauernden Regelung zuzufuhre», weil die Forderungen, die durch den Abgeordneten Ci ruenbaum vorgetragen worden sind, allzu agressiv erscheinen. Die Regierung gehe nunmehr daran, zunächst die deutschen Minderheitsiragen zu regeln; diejüdischcn F ragen sollen in einem späteren Zeitpunkt noch einmal behandelt werden. Als Antwort auf diese halb-offizielle Mitteilung stellen ehe jüdischen Zeitungen lest, daß die Forderungci; der deutschen, der ukrainischen und der anderen Minderheiten weit agressiver waren, als die der jüdischen׳Minderheit; sogar Grünbaum hätte festgcstellt, daß die Juden als eine Minderheit ohne Territorium in ihren Forderungen bescheiden sein müssen. Pie Blätter stellen weiter fest, die Rcgiermigskreisc hätten diese Begründung an den Haaren herbeigezogen, um die Lösung der jüdischen Fragen zu verschleppen. Atu '29. Juli fand in Posen der vierte Prozeß gegen den bekannten Pogromistcn Sekret arczik statt. Diesmal handeite cs sich um den am 25. März durch Sckrctarczik provozierten Skandal vor dem Ocschäftslok.11 des Juden Salz, wobei er Salz erheblich verletzte und mit Tod be• drohte, sowie seiner schwangeren Frau mit einem Stock in den Bauch stieß. Durch die Duldung früherer Gerichtsvnrsitzcnder ermutigt, versuchte Sekretarczik auch diesmal, blutrünstige Hetzreden gegen die Juden zu halten. Jedoch der jetzige Vorsitzende, Richter Narowicz, verwehrte ihm dies. Der Rechtsvertreter der Geschädigten, Dr. Jcschke, wies dem Gericht Dokumente vor, welche beweisen, daß Sekretarczik von der ״Liga zur Vcrteidigung des Vaterlands und des Glaubens" für seine Unternehmtingen gegen die Juden größere Stimmen erhalten tiat. Sekretarczik rief daraufhin dem Advokaten das 5X׳ort ״S c h a b b c s •G o i“ zu. Pis Gericht verurteilte Sekretärczik wegen der Mißhandlung des Ehenaares Salz zu drei Monaten Kerker und wegen des Wortes ״ScMbbcs-Goi״ zu drei Tagen Arrest. — ln der letzten Sitzung des polnischen Sejm bat der jüdische Parhmentsklub eine Interpellation cingebracht, in der die Aufmerksamkeit der Regierung darauf gelenkt wird, daß die Behörden die verbrecherische Tätigkeit der ״Liga zum Schutze des Vaterlands und des Glaubens“ in Posen, die Leute wie Sekretärczik und Roskowicz für ihre Pogromtaten honoriert, dulden. Der Jüdische P a r 1 a m e n t s k 1 u b hat, wie schon kurz!nilgetdlt, in den Sejm eine Interpellation eingebracht, 111 welcher die Aufmerksamkeit der Regierung darauf gelenkt wird, daß die Behörden in Posen gegenüber der gefährlichen judcnhclzcrischen Tätigkeit der ״Liga zur Vcrteidigung des Vaterlandes und des Glaubens" und des ״Verbandes der polnischen P a t r i o t e ti׳‘ eine übermäßige Toleranz bekunden. Die Interpellanten erklären, sie seien im Besitze photographischer Kopien einer ganzen Reihe von Protokollen der ״Liga". Aus einem dieser Protokoilc (vom 27־. Mai 1921) ist zu ersehen, daß hei der Liga eine ,,aktive Sektion“ bestellt, die die ausdrückliche Aufgabe hat, Juden zu Chcrlallcn ti n d zu mißhandeln. In einem vom 17. Januar 1021 datierten Protokoll versichert der berüchtigte Noskowicz, ein Fb1tcrsuch11ngsknmmis8.tr hätte iiitn erklärt, daß nach der neuesten Verordnung kein Mitglied der Liga wegen Mißhandlung der• Juden verhaltet werden dar(. Eine Anzahl anderer Dokumente bewcismi, daß die genannten Organisationen, zu deren Mitgliedern Beamte, Richter und Poiizeifunktionärc zählen, die tätliche Mißhandlung von Juden in ihr Programm autgenouumn haben, daß die Polizei tatsächlich einen Befehl erlassen hat, Mitglieder dieser Organisationen nicht zu stören, wenn sie Juden mißhandeln, und daß das Gericht unter dem Druck dieser Organisationen die Verhaftung von Noskowicz abgelehnt hat. Die Interpellanten fragen, was die Re* glcrtmg tu tun gedenkt, um die gesetzliche Ordnung in Posen h c r z u s t e 11 e n und die jüdische Bev fl 1 k c r u n g , die s i c it unter dem früheren p r e u * fl Ischen Rcgi.mc der persönlichen U n verletzlichkcit er treuen durfte, vor der Tätigkeit ver brccherisehorOrgan Rationen zu sch ii’t z e n. Das neugewähite Präsidium der Lodzcr jiidi• selten Gemeinde, das aus einem unabhängigen Qrtho* doxen und einem Zionisten besteht, ist auf Grund eines von der Aguda (von wem denn sonst? — Red.) eingebrachten Protestes vom R c g i e r u n g s k 0 m missar abgesetzt worden, pcmnäclut sollen Neu• Walt len stattiinden. An Stelle des vor einigen Ta^en verstorbenen Abgeordneten des polnischen Sejm Dr, Rubin Jonas tritt als Nachfolger Dr. Koppel Schwarz, Mitglied des Zentralkomitees der zionistischen Arbeitspartei Hitachduth in Ostoaliz.icn und stellvertretendes Mitglied des zionistischen A k 110 n 8 C 0י tn 11 c s. Die Fraktion der Hi t a c 1! d u t 1tn polnischen Seim wird somit vier Mitglieder *iüiicu.