Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 63 (8.8.1924)
- Date
- 1924-08-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 13 Wirtschaftsblatt der Rundschau** Berlin, 8.V11I.1924 Neue Wege für die Kolonisation Palästinas (Schlaf?.) Von Dr. S. S o s k r n. Die eben dargclcgtcn Gedanken lind Tatsachen müssen unweigerlich zu denjenigen!neuen Wegen für unsere Koloui- *a'ion führen, .wie ׳«»ie jet/.t mit der Gründling einer Kolonie von 500 Familien auf der Grundlage intensiver Kultur nun ersten Male von meinen Freunden und mir cingcschlagen werden sollen. Nicht zum erstenmal ist in der zionistischen Literatur von der zwingenden Notwendigkeit gesprochen worden, in unseren Kolonien intensivere laudwirtschaftliehe Methoden zur Anwendung zu bringen. Niemand jedoch hat bislang aus den natürlichen und wirtschaftlichen Hedingtmgen unseres Landes die logische Folgerung gezogen, die zu einer radikalen Ablehnung «ler alten Kolonisation^- methoden und zur Erhebung der Intensivität zudem System fuhrt, das in Zukunft der Kolonisation zu Grunde gelegt werden 1111111. 1'גו Prinzipien der Intciisivii:;; müssen gleich beim Aufbau der Siedlung verwirklicht werden. Nicht «lei einzelne Siedler wird seine Siedlung für sich allein einrichten, da er dazu meistenteils nicht in der Lage ist und die Sache mit großem Kostenaufwand und einer Verschwendung von menschlicher Energie verbunden ist. Der Aufbau der ganzen Siedlung wird einer zweckdienlich organisierten geübten Leitung übertragen. Diese wird den Boden vorhcrcitcn, ihn düngen, die Bewiissc• rtmgsaulagcn entrichten, die notigen Wege hauen, die genossensehnithehon Einrichtungen schaffen, ja sogar Hauser für die Siedler hauen, das notige Pflanzung*- und Saat-Material vorhcrcitcn, die erforderlichen Versuche anstelle!! usw., d a s alles, noch bevor der Siedler den Boden hetreten hat. Das Komitee der in Begründung befindlichen Genossenschaft der ״lntensivisten“ wird sich mit der tcchnischcn Vorbereitung und Ausbildung der zukünftigen Siedler befassen, die erforderlichen Instruktoren anstcllcn und, was die Hauptsache ist, einen Markt für die Erzeugnisse der Siedlung schaffen. Der prinzipielle Unterschied in der Auffassung der Intensivität zwischen denen, die sie als Resultat der Zunahme der Bevölkcrung und hauptsächlich der Vergrößerung der Städte Palästinas in Vorschlag Dringen, und dem Verfasser dieser Zeilen, besteht in der Finschätzimg des Weites des Exports für die ökonomische Struktur des lamles. Wahrem! die erstereu davor einfach Angst haben und die Intensivität in der I andwirtschaft mir insofern gelten lassen wollen, als sic den Bedürfnissen der Landesbevölkerung zu entsprechen vermag, und eben deshalb auch fordern, daß die Gemüse und Milch produzierenden Dörfer inderNähederStä dt e gelegen sein müssen, basiere ich die Intensivität hauptsächlich auf den Export. IchkannmichdcrTatsachcnicht verschließen, daß fast 00 0׳״ der Bevölkerung Palästinas unsere Erzeugnisse nicht brau* c h e 11, und dal! die verbleibenden 10 0׳״ , die als Kundschaft in Betracht kommen, nicht in der Lage sind, für unsere Qua1 itätscrzeugn i s sc die Preis e zu bezahlen, die die breiten Schichten d c r Bevölkerung in Mittel-Europa für K o 11 s 11 m a r t i k c I des täglichen Bedarfes (wie Kartoffeln, Zwiebel, T o m n t c n usw.) zahlen müssen, weil die klimatischen Bedingungen in den meisten Ländern Mittel-Europas der Bevölkerung die Möglichkeit nehmen, diese Erzeugnisse fast ein halbes Jahr hindurch unter freiem Himmel wachsen zu lassen. Gerade die am dichtesten bevölkerten Gegenden Europas werden das Verlangen nach den erwähnten frischen Produkten nur durch Einfuhr decken können. Die Länder, die von der Natur mit unaufhörlichem Frühling und Sommer beschenkt sind — das sinddie L ä n el c r um das Mitteln! ccr, die die Deutschen mit der betreffenden Bezeichnung ״V o r z u g s g e b i c t c“ belegt haben — werden immer 111 e!1 r u 11 d m ehr die Rolle der notwendigen Lebensmittellieferanten für Zentral- und Nord-Europa einerseits und für die La 11 der der tropischen Zone andererseits übernehmen. Die hauptsächliebsten Abnehmer werden natürlich stets die Einwohner Europas sein. Bei jeder Erwähnung des Wortes ״Export“ wird man mit Fragen überhäuft: ״Werden wir denn imstände sein, der Konkurrenz anderer Länder Stand zu halten?“ Es ist aber doch klar, daß nicht wir die Konkurrenz zu fürchten bähen, sondern d i c ״Intcnsivistcn", die gegenwärtig gewaltige Mengen von Nahrungsmitteln in Holland, Belgien, Frankreich, England tmd besonders in der Nähe der großen Städte erzeugen, die aber von der künstlichen Wärme Gebrauch machen und gewaltige Summen ausnrheu müssen, um die klimatischen Bedingungen zu schaffen, die den Ländern a!n Mittelländischen Meer in Fülle von der Natur geboten werden. Zum Beweise könnte angeführt werden, daß die Gemüsebauer bei Paris, die vielleicht fleiß i g s t e n u nd geschicktesten Gärtner der Welt, schon die Konkurrenz der billigeren algerischen Produkte zu fühlen beginnen. Denn wenn wir in Betracht ziehen, daß der in der Umgehung von Paris lebende Gärtner einen hohen Preis für den Boden zu zahlen hat, ein T re i b 11 a 11 s hauen, M au e rt e i 1 e t cil s z tun Schutz, vorden W i n d c n , teils zum A u f f a n g e n der So 11 neustrahlen errichten, das Treibhaus beheizen, eine ausreichende I> ü n (Min״ des Bodens durchführen muß, nicht so sehr, um die Nährstoffe der Erde zurückzngchcn, die die Pflanzen ihr entnommen haben, als vielmehr um den Boden zu erwärmen usw,, dann wird cs uns verständlich werden, warum es dem algerischen Gemüserodiizenten leicht fällt, mit seinem Pariser Kollegen zu onkiirriercti, besonders wenn seine Wirtschaft in der Nähe eines Hafens gelegen 'öst: denn der Seetransport wird immer biliiger und kann nicht als ökonomisches Hindernis gellen, besonders wenn es sich um hochwertige Er- Zeugnisse handelt. Je nördlicher der europäische Erzeuger der erwähnten Produkte sich befindet, desto * c 11 w c r e r wird ihm die Konkurrenz. 111 i t u 11 s, und nicht u mgckch rt. Außer der Schaffung von Märkten für unsere Er- Zeugnisse — eine Sache, die uns zweifelsohne gelingen wird, wenn wir nur hochwertige Qualitätsware erzeugen werden, — müssen wir den lokalen Markt mit den erforderlichen Produkten versorgen. Doch wird uns die lokale Bevölkerung nie die Preise zahlenkönnen,«] »ewirin Europain den Wintertnonaten erhalten werden. Die Einnahme von der quantitativ verhältnismäßig kleinen Ernte der Wintersalson wird größer sein als der Ertrag der quantitativ größeren Sommer-Ernte, die wir aber nicht in frischem Zustande werden verrenden können, *sondern die wir den Konserven - Fabriken «׳erden zu-lührcn müssen. Damit sind wir bereits beim dritten Weg für die Verwertung der Erzeugnisse einer intensiven Wirtschaft; der K <11 י s c r v c n - F a br *kn I io 11. Alle drei Verwertimgsmöglielikeiten (Export, innerer Konsum und Fabrikation) werden uns von einer verhältnismäßig kleinen Parzelle, die von jeder Familie bearbeite! werden wird, einen re eilt hef ri eil i ״ e 11 d e 11 Ertrag sichern. Auch die autle reu Zweige der intensiven Wirtschaft dürfen nicht vernachlässigt werden! So die < i e f I ü geiz u c 111, der T a hak- und S e i d c n b n 11, die ebenfalls zur ökonomischen Stärkung der Siedlung beitragen .werden. Die Geflügelzucht, insbesondere für den Eierexport, wird durch Einrichtung von. Kühlan lagen gefördert werden, die die Möglichkeit *xhalfcn werde״, grolle Mengen von Eiern zu exportieren. Im Allgemeinen hat mau bisher den Wert von Kühlanlagen für den ökonomischer! Aufbau eines warmen Landes wie Palästina nicht in genügendem Modle ««!geschätzt, und doch verdient diese!־'rage die besondere Aufmerksamkeit unserer Ock<momistcn. Alle die erwähnten Zweige der intensiven Wirtschaft, wenn sie nur richtig organisiert sind — ist doch das Hauptproblem der ״tüdernen Kolonisation die 01׳ -!• a n i s a t i n 11 müssen dem Siedler unbedingt einen Ertrag li'fein, der 11X11! allein eine ausreichende Existenz, sondern auch die Z n h 1 u n g von Zins e 11 samt Amortisation der etwa mitgenommenen Anleihe gestatten wird. Wie aus dem Prospekt der Genossenschaft zu ersehen ist, muß die Wirtschaft eines Siedlers der von mir empfohlenen Typs auf .C 500 zu strlien kommen. Dieser Betrag ertoalert einen Zinsverdienst von il 30 jährlich zu ü ״'״ (einschließlich 1 0'״ Tilgung) gerechnet, während der Kolonist von N a h a 1 a 1 il <X> und der von Benjamin n gar •C!2!) zahlen müßten. Der Betrag von!1 30 ist er s c h w i n g - lieh, iiishesosidere wenn man den besonderen Oharaktcr der erzeugten Produkte i!m Auge (aßt. Hätten unsere nationalen Institutionen die erforderlichen Mittel zur Verfügung, so könnte mail ohne Zweifel eine Siedlung aus dem gegenwärtig hier schon ansässigen passenden Menschcmnatcrial schaffen, auch wenn die Leute kein eigenes Geld haben sollten and gezwungen wären, den ganzen Betrag zn leihen, mit d!cr vcllsten Sicherheit, daß die Schuld ord nu ng sgcm ii ß v e 1 z t >1 s t und getilgt würde. So aber, da unsere Institutionen die erforderlichen Mittel nicht besitzen, müssen wir u’ns an Elemente wenden, die, wenn nicht die ganze Summe, so doch einen in Betracht kommenden Teil von ihr hergeben können. Diesen Kolonisten wird es freilich noch leichter, ihren Schuldverpflichtungen nnchzukommett. Es ist überflüssig, von den weiteren I igrnr.cltalloii und Vorzügen dieser Kolonisation ausführlicher zu sprechen: von der Möglichkeit, grolle Zentren aus einigen hundert Familien zu schaffen, die auf eine leichtere, einfachere und billigere Weise ihre k o nt in 1111 n I c n Bediirfnisse befriedigen tmd die den Kolonisten eine auziehenden,• geistige und g c s c I Isc h a f 111 c 11 c Umge bung bieten können, als die kleinen Siedungen von 30 —SO Familien. Die Kleinheit der Fläche und die Billigkeit der Wirtschaft gestatten breiten Schichten unseres Volkes zu siedeln und so gewissermaßen die Grenzen unseres Landes zu dehnen. Die jüdische Bevölkerung Palästinas muß durch einen Zustrom von Immigranten so schnell wie möglich verg r ö ß e r t werden. Schon der Präsident der Vereinigten Staaten Amerikas, Ahraham Lincoln, hat cs verstanden, daß die Vermehrung der Bevölkerung eines Landes durch intensive Bearbeitung des Bodens gefördert werden kann, und «laß diese Vermehrung mit einer viel größeren Schnelligkeit gehen müsse, als früher. Vor ungefähr 75 Jahren sagte er: ״Die Bevölkerung muß sich mit Schnelligkeit vergrößern, mit einer Schnelligkeit, die viel großer kt, a's in den früheren Zeiten, una deshalb wird noch viele Jahre hindurch die Kunst, die notwendigen Rcdarfsmittcl von der kleinsten Fläche zu erzielen, am höchsten geschätzt werden. Keine Gemeinschaft, in der jedes Mitglied über diese Kunst verfügt, wird jemals ein Opfer der Bedrückung, in welcher Form sie auch sei, werden. Eine solche Gemeinschaft wird immer unabhängig sein von allen Königen, sowohl den gekrönten, wie auch von den Geld- oder L n nd k ein i ge n.“ Vor fünf und siebzig Jahren hat der Präsident Lincoln rffe Bedeutung der Inlcnsivilät in dem damals noch 11 nbesiedelten, immensen Amerika verstanden. Und in unserem kleinen Palästina muß man noch heute für die Durchführung des Grundsatzes der 111‘criivität kämpfen, und dies angesichts eines großen tuch Botten lechzenden Volkes, Es ist unsere Aufgabe, unermüdlich dafür zu arbeiten, daß die Ideen und der Glaube Lincohts, die Erhaltung der polttischen wie wirtschaftlichen Unabhängigkeit eines Gemeinwesens, das intensiv die kleinste Bodcnfläche bearbeitet, in unserem Lande zur Wahrheit wird. Der Orangenliandcü von Jalta Von Dr. Viktor Grünwald. Dies ist der Titel einer Monographie In" englischer und hebräischer Sprache von Dr. I. Weinberg, herausgegeben von der verdienstvollen ״Palest ine Economic Societ v“. Es ist sonderbar, daß erst jetzt dem Orangcnhandel Palästinas eine besondere Schrift gewidmet wird, obwohl er seit Jahren eine ungemein wichtige Rolle im Wirtschaftsleben des Landes spielt. Orangen sind bei weitem der wichtigste Exportartikcl Palästinas. Im Jahre 1021/22 stellten sic 23״״ des Gesamtexportes dar im Werte von 325.374 äg. Pfund. Abgesehen davon ist der Orangcnhandel von dem größten Einfluß auf den Handel iin allgemeinen: lieber eine Million Orangenkisten werden jährlich cingcfiihrt, dazu die entsprechende Menge von Nägeln, Scidcnpnpicr zum Einpacken usw., all dies in einem Werte von zirka 160.000 äg. Pfund. Für die Arbeiter bedeutet die Zeit der Oraugenernte Hochsaison, sie strömen in die Kolonien, es entsteht meist temporar eine Zeit des Arbeitermangels und wenn die V e r s c 11 i f f u!1 g e 11 beginnen, steht der ganze Hafen von Jaffa unter dem Zeichen des Orangenexportes. Wenn die Ernte gut ausfällt und günstige Preise erzielt wurden, übt dies einen belebenden Einfluß auf das ganze Wirtschaftsleben aus, die Kolonisten haben Geld zu Einkäufen, zum Bezahlen ihrer Schulden usw., ist jedoch die Ernte mißraten, so ist eine \ ׳irtschnftliclic Depression im ganzen Lande unvermeidlich, 80 tief schneidet gerade dieser Produktionszweig in das palästinensische Wirtschaftsichen ein. Auch für die Regierung ist dieser Handei von großer Wichtigkeit, da sie einen guten Teil Ihrer Ei!nahmen aus den Steuern lind Zehnten von den Orangcrigärtcn zieht. Die Orangen werden in Palästina meist in der Ebene längs des Meeres gepflanzt, cs gibt zwar mich kleinere Oraiigcngärlcn im ' J o rd a n t a I c , doch!lic kommen kaum in Betracht. Diese Konzentration hat natürlich große Vorteile, da einerseits Transportkosten gespart werden, andcrcrscits ein einheitlicher Orangentypus Infolge der gleichen klimatischen Verhältnisse entsteht. Zirka 6fl.% der Orangen• gärlcn sind in arabischen, der Rest in jüdisch elf lande״. Der jüdische Besitz an Or.ingengärtcn hat sich in letzter Zeit nur sehr wenig vermehrt, doch ist zu hoffen, ,1* ,'•™יי dem grollen Erfolge des letzten Eriitejahrcs das Interesse an den Pflanzlinge״ wieder steigen wird. Der Giangenhaiidel leidet sehr unter dem Mangel an Organisation. Nur die jüdischen Orangenplianzcr haben sich bisher zu Verkaiifsgenosscnschaltcn vereinigen können, von den heute nur mehr der ״Pardeß“ bestellt, in dessen Leitung sich Dr. Weinberg befindet. Diese Genossenschaft ist von großer Wichtigkeit und hat ein Viertel des gesamten Orange 11 exports in der Hand. De Ernte jedes Mitgliedes wird auf dessen eigene Rechnung versandt und der Erlös ilirn gutgcschriebcn, so daß jedes Mitglied ein eigenes Interesse daran hat, Früchte von guter Qualität 11 ml in guter Verpackung aut den Marsch zu bringen. Der ״Pnrdcll“ gewährt seinen Mitgliedern während des Sommers vor der Ernte, die im November beginnt, Kredite, was sehr wertvoll ist, da um diese Zeit Investitionen erforderlich sind, die sieh natürlich erst 11 a c 11 dem . Verkauf bezahlt machen. Ferner schließt der ״Partiell' mit Schiffahrtsgesellschaften Ver- ti'äge zwecks Erlangung von günstigeren Frachtsätzen ab, sucht neue Absatzgebiete für die Früchte und entfaltet so eine äußerst nützliche Tätigkeit für seine Mitglieder, Natürlich wäre cs sehr wünschenswert, wenn sich alle Pflanzer derartig organisieren würden, um die Konkurrenz iintcreiiiaiider auszusclilicßen und Verkauf und Kreditgewäh* ruiig auf gütlichem Wege und zum Gesamtvorteil zu vereiuh.ircii. liier taucht die Frage der Aufnahme der Araber in die PardcßqenosscMsthafl am'; und cs ist sehr interessant, daß Dr. Weinberg diese Frage auf Grund seiner reichert I: rfalirimg verneinend beantwortet, In einer Kooperativ. gcnosscMscliaft ist selbstlose Arbeit nötig und cs müssen manchmal augenblickliche persönliche Vorteile im luteres»; der Gesamtheit zurückgcsttlH werden, da der, schlicßlichr Nutzen so einen Verzicht reichlich komp e 11 s i c r t. IXw Araber ist infolge seiner ganzen Sinnesart dazu noch nicht reif und könnte zerstörend wirken. Man erinnert sich, daß eine ähnliche Frage in der A r be 11 e r- Organisation auliauchte tmd auch hier gerade die Erfahrensten entschieden, daß <1 i e Aufnahme von Arabern in die bestehenden Institutionen eine Gefahr für diese darxtcllcn würde. Fs wäre Aufgabe der Regierung, den Or.mgcnliamlel zu organisieren, da sich fiir Palästina die englischen Frdhniidrlsidecn absolut nicht eignen. In der Tat wurden in let/lcr Zeit von Seile der Regierung Schritte unternommen, um wenigstens ein gewisses Einvernehmen unter den Exporteuren bezüglich gemeinsamer Verschif* fung hcrbeiziiführeii, doch steht das Resultat noch aus. Die Verschiffung ist überhaupt ein wunder Punkt des Oraiigcnhandcls. Zunächst macht sich der Mangel eines ordentlichen Hafens in äußerst unangenehmer Weise fühlbar. Der Schaden, der durch das F c 111 c rt eines Hafens entsteht, ist enorm und dürfte in einer Saison 50.000 äg, Pfund übersteigen. Orangen sind schließlich ein Lux 11 so bst und müssen daher sehr sorgfältig behandelt werden, um bei der Kundschaft Aiiklang zu finden und günstige Preise zu erzielen. Dazu kommt noch, daß die Konkurrenz, besonders in Australien, auf die Verpackung und Behandlung der Orangen ganz besonderes Gewicht legt und diesbezüglich die größte Sorgfalt aufwendet. Der Preis unterschied zwischen erstklassigen und weniger gut erhaltenen Früchten — inan unterscheidet hier fünf Klassen — ist sehr gro® und cs ist daher sehr wichtig, daß die Orangen in t a d e 1 - losen! Zustande den Markt erreichen. Dies ist aber natürlich unmöglich, wenn die Orangenkisten rücksichtslos vom Quai in die Barken geschleudert, daun mitten int Meer aufs Schiff geladen werden, was bei höheren Seegang natürlich nur mit den größten Schwierigkeiten vor sich geht, ganz abgesehen davon, daß manchmal infolge der Stürme eine Verladung während längerer Zeit übet Haupt un■ möglich ist. ln den Schiffen selbst sind die Vorrichtungen für Ventilation während des Transportes, der nach England zirka zwei Wochen dauert, oft unzulänglich, moderne Kühlanlagen usw׳. sind überhaupt unbekannt. In England an gekommen, bleiben die Orangen manchmal einige Zeit liegen, da man auf eine Preis•׳ erhöh ung wartet und dies trägt natürlich nicht zur Verbesserung der Qualität bei. So kommt cs, daß die Jalfaorangcn, die an. Güte alle anderen tibertreffen, ntn11c11m.il nicht die Preise erzielen, die angemessen wären. Der Hauptmarkt für palästinensische Orangen ist England und hier wiederum Liverpool. Von insgesamt 1315 677 Kisten in der Saison 1022/23 gingen 377 767 nach Liverpool. In der letzten Vorkriegssaison gingen 000730 Kisten nach Liverpool. Das Streben der Exporteure geht nämlich neuestem dahin, die Orangen über den ganzen englischen Markt zu verteilen, da dadurch der Absatz, bedeutend gesteigert werden kann, so wurden bedeutende Mengen nach Manchester (150 608 K sten), Hüll (171475 Kisten) und Glasgow (137518 Kisten) exportiert und besonders in diesem letzteren Orte sehr gute Preise erzielt, ln London konnte bisher noch nicht recht Fuß gefaßt werden und cs wurden im letzten Jahre bloß 20 218 Kisten dorthin cingcfiihrt. Vielleicht wiru der Erfolg der Jaffa-Orangen auf der Ausstellung in Wembley dazu führen, den so wichtigen Londoner Markt zu erobern. Vor dem Kriege wurden bedeutende Mengen von J.afla-Orangcn nach K o!1 s t a n t i n 0 p c 1 und Siidrußland ausgeführt, gegenwärtig sind diese Märkte fast gesperrt. Doch bestellt kein Zweifel, daß sic früher oder später wieder aufnahmefähig sein werden. Ein bedeutender Markt ist Aegypten, wohin im Jahre 1422/23 mehr ausgeführt wurde als nach Liverpool; die Wichtigkeit dieses Marktes dürfte noch steigen. Mit der Zeit hofft man auch die skandinavischen Länder, Rumänien, Holland und andere Absatzgebiete erobern zu können. Als Konkurrenten kommen Australien, Kalifornien und Südafrika in Betracht, die aber nicht so gefährlich sind, da die Orangen dort zu einer anderen Zeit reifen als In Palästina. Sehr scharf ist dagegen die Konkurrenz der spanischen Orangen, die sich zwar an Qualität mit den Jaffaern in keiner Welse messen können, aber in enormen Mengen zu billigen Preisen aut den Markt geworfen werden. Die Jahresproduktion Spaniens beträgt zjrka zehn Millionen Kisten gegen nicht ganz anderthalb Millionen in Palästina. Trotzdem wird diese Konkurrenz die Jaffacr Orangen nicht vom Markte verdrängen können, da sich die bessere Qualität schließlich durchsetzen muß. Die Zukunft des palästinensischen Oraiigcnhandcls und Auhaus ist günstig zu beurteilen. Die vorhandenen Mängel liegen weniger ln der Sache selbst als in mehr nebensächlichen Umstanden. Verbesserungen In der Verpackung, im Transport und die .Organisierung der Pflanzer und