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Jüdische Rundschau · 1924-08-08 · Heft 63 (8.8.1924) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 63 (8.8.1924)
Date
1924-08-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 452 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 63 Me Her. ,.dir tUr psriirt;־Ksr3n3:״־ zuin iT.iüi 1״s ,13..jiiniiü Dar. von den Maramicu aus Portugal an das paUisti- »icnsische Obei nMiinnt gerichtete Gesuch, wieder in die jüdische Gemeinschaft aufgaiommen /u werden, ist nun Gegenstand dauernder Erwägungen des Ohcrrabbinats. Es wurde beschlossen, mit den jüdischen nationalen Institutionen in Palästina bezüglich einer cinvcrstiimllielicn Regelung dieser Trane in Verbindung zu treten. Wie die Pal. Tel.-Af:enh1r erfährt, wird darüber verhandelt, daß eine Anzahl Maramien, hauptsächlich solche, die landwirtschaftlich vorgebildet sind, nach Palästina kommen sollen, um sieh hier anzusicdelii. Das Gesuch der Maramien ist vom 25. Juni datiert und wurde dem Oherrabbinat durch die jüdische Gemeinde von Lissabon ztfgcstellt. Die Mehrzahl der Maramien, heißt es in dein Gesuch, sind Landwirte; die übrigen sind Aerztc, Rechtsanwälte, Gelehrte, Kaufleut c und Industrielle. Die Taufe unserer Almen, heißt cs weiter, war eine Sch ein taufe als eine Folge der Inquisilionsschrcckcn und der Autodafes. Wir sind in unserem Herzen Juden geblieben u 11 d 11 a b e 11 u 11 scrc Li e b c und T r c u c 7. u m j ü dischcn Volke durch all die Zeiten mit uns getragen. Wir heiraten nur unter Glaubensgenossen. Wem! wir auch als Kinder in der katholischen Kirche getauft, nach katholischen Gesetzen getraut und als Katholiken ins Grab gelegt werden, so hören wfr nie auf, uns als Juden zu fii lilcn. 1111 Verlauf der Jahrhunderte, da wir unter dem ■Drude des Klerikalismus gelebt haben, Waren wir von jeglicher Verbindung mit den Juden ahgcschnittcn.!Die jüdischen Gesetze sind uns fremd geworden. Durch Beobachtung der Mondphasen stellen wir fest, wann J o m Kippur ist, den wir nach den uns überlieferten Traditionen beobachten. Unser Schmerz ist es, daß wir die hebräischc Sprache nicht mehr verstehen. Wir verfolgen den Wiederaufbau des Landes unserer Väter mit Teilnahme und hoffen, daß es einst u 11 - seren Kindern vergönnt sein wird, nach Palästina zurückzukehren. * Besser als alle Erörterungen beweist dieser ergreifende Briet der portugiesischen Maramien die geistige Macht der zionistischen Bewegung. Was weder Libcralismus noch Orthodoxie vermochten, hat der Zionismus bewirkt. Das prophetische Herzl-Wort: Der Zionismus ist die Rückkehr zum Judentum vor der Rückkehr ins Judenland, hat wieder — wie schon in zahllosen jüdischen Einzel- Schicksalen vorher — wunderbare Erfüllung gefunden. Eine eene Verlilgt1r.fi des Eoloaialaales über das liadsßrie ■ Legal Wie die Pak Tcl.-Agentur erfährt, hat das Kolonialamt seine Absicht betreffend die Verwertung der Gelder aus dem Vermächtnis des verstorbenen Sir Ellis Kadooric geändert. Anstatt daß das Kapital, wie cs vor- 11er bestimmt gewesen war, zur Errichtung zweier Mittelschulen in Palästina, einer mit hebräi• scher und einer mit arabischer Unterrichtssprache, verwendet wird, wird nun laut Beschluß des Kolonialamtes die Hälfte des Kapitals für die spätere Erriclitu n g und Erhaltung einer hebräischen Hochschule (? soll wohl heißen: Mittelschule. Red.) reserviert und die andere Hälfte zur Erbauung einer landwirtschaftlichen Schule in Tulkeram verwendet. 11021 fclea 18 15 Monaten ln Misten dagewaatet Jerusalem. (j.T, A.) Nach den amtlichen Fest- Stellungen wanderten in den letzten 15 Monaten 11921 Juden in Palästina ein. Die Zahl der jüdischen Immigranten betrug im Jahre 1923 : 742t, im Jahre 1922: 7844. Nachdem im Mai 1921 das Immigratioiisverbot wieder aufgehoben I״ccl!2nofa!u!nr Henryk Berlevis Ausstellung Im ״Sturm" Von Ra lief Wisch 11 itzer-Bcrnstein Ich blätterte inj Katalog, bevor ich mich im Ausstellung«- raum umscliautc. Sonst mache ich es umgekehrt. Aber auch die Künstler heute machen cs umgekehrt. Früher gaben sie sich Mülic, ihre Intentionen so weit zu verbergen, daß sic dem Beschauer nicht zu Bewußtsein kamen; merkte er die Absicht, so war’s mit seiner Stimmung vorbei. Jetzt ist die Absicht, das Wollen des Künstlers ein Stimmuiigsmoment, mit das wichtigste Stimmungsmoment. Ich las im Katalog die Parole: Mcchnnofaktur. Gut, dacht׳ ich mir. Das versteh׳ ich, das ist klar. Natürlich Mcchanofaktur und nicht etwa Faktur von Seidengcwebeii. Ter horch konnte sich in den süßen Wahn wiegen, der weiche Schimmer weißer Atlasklcidcr, den er so gerne malte, spiegele irgendwie den Geist seiner Zeit.!Der _ moderne Zeitgeist fordert eben Mcchanofaktur. Ich bereitete mich also vor, Hartkantiges, Gezacktes, Poliertes, Geschliffenes, dünne scharfe Lichtstrahlen auf dunklen Flächen ZU sehen: Metall. Eigentlich erwartete ich die vertraute Stimmung zu erleben, die sich bei mir. immer, einstellt, wenn ich die Druckerei betrete. Es ist in ihr Enthusiasmus für die Leistung organisierter Arbeit, Freude an der Verwirklichung dessen, was noch soeben der Traum eines einsamen Gchirns. war, Konzentrierung der Aufmerksamkeit (daß man ja nicht unter die Hebel der Maschinen kam!) und eine Belaubung von all dem Lärm. Kami man diese eigentüniliehen Eindrücke, die <1001! nicht allein optischer Natur sind, iu der darstellenden Kunst überhaupt wiedergeben? Bcrlcwi, den ich als Autor zarter Frauenbildnisse (er. ist ein Warschauer), poetischer Städtelandschaften, symbolischer Volkssitteiibilaer (Einflüsse: Wyspjanski und ’A 11 s k i) kenne, sollte berufen sein, die hastenden Rhythmen der ,Maschine zu vermitteln? Ein flüchtiger Blick auf die Wände erinnerte mich an die Tatsache, daß wir nicht im Zeitalter des Impressionismus . leben. Der Künstler von heute will nicht Eindrücke verinitteln. Er nennt eine Kunstrichtung, die sich dies zur Aufgabe stellt, verächtlich Illusionismus. Was heute gcschaffen wifd, ist gegenstandslose Kunst, gegenstandslos, wie ,etwa Musik oder Architektur. Aber das ist doch etwas anderes, wird man mir ent- Ijeßnen. Der Ton besitzt ganz andere emotionelle Qualitäten ן als die Linie und die Farbe, und in der Architektur wirken I die Formen als Träger von wirklichen Kräften, als Ausdruck feines Kampfes zwischen Lasten und Stützen, den wir ohne tjWühe ins Menschliche übersetzen. ן ücrlewi erschwert sich überdies seine Aufgabe, Indent wurde, wanderten vom 3. Juni Ws zum 31. t.vzci.iber 11 ■21׳: •17e! Immigranten ein. 111 den vorlicrgegiuv׳, ,icn acht Molinien, d. 11. vom 1. September 1920 bis Zum 30. April 10:; 1 kamen 80K) Iimiiigi'niiiru 113,11 Palästina. D>e Gesamt• zahl der während der 15 Monate (1. September 1920 bis 30. November 1021) in Palästina ein,gewanderten Immigranten betrug demnach 12 SH. Vom 9. Dezember 1917, dem Tage der britischen Besetzung Palästinas, bis Ende des Jahres 1922 wanderten 20 639 Juden in Palästina ein.;vli-.icr SIösiDklbcfie Ycrelal^taig Am Dienstag, den 12. August, abends pünktlich 8Va Uhr, in der Aula des Falltrealgymnasiums, Lützowslr. 84, spricht Herr E3?» i!!5SiHHSS? E »LirjAJO über d*a Thema! י* <<־׳?־ rול / *״־ * rt L ׳//ע* h 1 v <״* *v jv» יד?fj: 7? v7r p a j2׳!.■Z.L1 •tu r* sex—■ .zc&v J ^1— *Gäl* % ויי ,1 # •** «־ u ji'i'sgQ der /eswmi Ägancy“ Bcr'cfst über die Ergebnisse der A.-C.-Silsung Jüdische Arbeiter ia den allen Kolonien Seit Jahren beschäftigen sich die Personen, die die zionisiischc ’Kolonisation leiten, mit dem Problem, wie iu den allen Kolonien von Judäa, Galiläa und Samarla den jüdischen Arbeiter 11 Beschäftigung . verschafft werden kann. Dieses Problem wird 111111 — zur Befriedigung aller beteiligten — durch das Arhcitsdcpartemcnt der Pnlcstinc Zionist Executive, die sich hierzu der Mittel des Keren Hajcssod bedient, im Zusammenwirken mit der A11g e m einen Jüdischen Arbeiterorganisation einer Lösung zugeführt. ״Die unablässigen Bemühungen, die wir in den letzten vier Jahren auf ge wandt haben, um jüdische ArbcLcr in die alten Kolonien eiuzufüliren, scheinen schließlieh doch von Erfolg gekrönt zu werden.“ So hcillt es im junibericht des Schatzmeisters der Exekutive. Heute sind nicht weniger als 2150 Arbeiter (nulter den Jemeniten) in den alten Kolonien beschäftigt, über 600 iu Unter-Galiläa, 600 it! S a u! a r i a, ebensoviel in P c t a c h T1 k w a h und der Rest in! übrigen Judäa. Uebcr 65 °/0 davon widmen sich dem Tabakbau. Uebcrhaiipt sind die Verhältnisse auf dem jüdischen Arbeitsmarkt f o r t d a 11 c r n d befriedigend. In den Kolonien gibt cs noch eine Menge zu tun und es können dort wohl einige hundert neue Emigranten untcrgcbracht werden, Insbesondere Ched e r a, P c t a c 11 T i k w a 11 u n d R e c h 0 b 01 h sind für landwirtschaftliche Arbeiter aufnahmefähig. Eine Beue Jüdische Kolonie bei Bnc B'ralc Zwischen Tcl-Awiw und Pc t ach Tfkwah wurde auf. dem Boden des historischen Bnc B’rak von einer Ansiedlergruppe aus Polen der Grundstein zu einer neuen Kolonie gelegt. Die Gründer mul Siedler von Bne B’rak, welcher Name hiermit wieder auflebt, sind fast durchwegs Kau fl e utc, die «ach Palästina kamen, um sich der Land,- Wirtschaft zutuwciulen. Vereint mit einer 'Gruppe gleich* gesinnter Juden aus Litauen haben sie• hier eine Fläche von '2700 Dunrim angekauft und sind sofort an die Besetzung des Hodens geschritten. Hinnen kurzer Frist wurden hier 12 Familien;«!gesiedelt, während 23 weitere Familien, die eben in Tcl-Awiw eingclaiigt sind, die erste Gelegenheit abwarten, um ihre Häuser zu bauen und zu beziehen, Rücklrii! Dr. Joseph I.nrjes Jerusalem. (J. T. A.) Dr. Joseph Lu r je, der Direktor des Unterrichts-Departements der Zionistischen Or. ganisatiou in Palästina (Wand 1 lachinuch), hat infolge der Herabsetzung des Erziclningsbiulgets auf 53 (XX) £ durch das Aktions-Comitd sein Amt niedergclcgt. er auch noch die Farbe ausschaltet. Schwnrzwcißzcichmingcn, die Kombinationen von Strichen und Punkten aufweisen, — und das_ trägt den Namen: Mcchanofaktur. Da ist mir der naive Realismus der russischen Maler lieber, die ihre ״Kunstwerke“ aus Glasscherben, Blech, Asbest und anderem unedlem Material formen. Sic erinnern midi an die selige Kindheit, an schöne Fericutngc an der See, Wenn die Ferien zu Ende waren, um! die Großen die Koffer parkten, liefen wir Kinder an!len Strand und holten uns noch ״was Sand in einem Säckchen und etwas Seewasser in einem Fläschchen. Wir glaubten so den Sonnenschein und den warmen Seewind und den ciinviegenden Wellenschlag und all die Bläue von Wasser und Himmel in dem Säckchen und dem Fläschchen cingefangcii zu haben. Auch diese Hussen sehen Welten in ihren dürftigen Seherbeil, ücrlewi will sie aber iu etwas, was wie eine Ingcnieiirzeiclinung aussieht, erleben. Wenn es jedem wenigstens frei stände, sich bei diesen Zeichnungen zu denken, was man wollte. ״Mcchanofaktur“, das ist aber bindend. Ein gegenständlicher Titel zu einem gegenstandslosen Bild! Ob das Publikum einverstanden sein wird, dem Einfall des Künstlers zu folgen? Das ist zweifclbaft. Also eine Kunst für Gleichgesinnte, eine Literatur-, eine Küns:ie!kum4, eigentlich bloß ein Experiment. ״Ich Imbe schon manches verwerten können,“ sagte mir Bcrlewi am Telephon mit freudigem Stolz. ״Wieso verwerten?“, fragte ich. ■ ״l 111 Plakat“, meinte er. So sind sic heute. Plagen sich ein Jahr, zwei Jalire . . , und was dabei hernuskoinint — ein Ornament für ein Plakat. Manchmal gelingt es ihnen, ein Muster für eine Tapete anzubringen. So ist das Leben. 'Der Kampf einer Künstlergciieration. Das Ergebnis? Ein ״entzückendes“ Muster für einen Blusenstoff. Natürlich, für eine Saison. Aber sic schuften weiter, die Unentwegten! Dein Reich komme! Ein ehiliastischer Roman au« der Zeit Rembrandts und Spinozas. Von Felix A. Thcilhabcr. (Berlin. C. A. Sehwetschkc Cr Solln. 1924.) Ob man will oder picht — immer wieder wird man bei der Lektüre dieses neuen Werkes von Felix A. Theilhaber־ den wir bisher als Schriftsteller nur als Rassen- und boziallorschcr und Rciseocliilderer kannten und der sich mm zum ersten Male als Romniidicbier versucht, auf die prinzipielle litcrarkritisclie Frage gestoßen: ״Was ist das Wesen des Romanes?“ Das ist etwas Ungewöhnliche« ׳ und, sagen wir es mir bald gerade heraus, etwas, was dem Buche nicht zum Vorteil gereicht; weil es den Le,er bei der Lektüre aulhält, zu iiuicrcin Widerspruche reizt. ,.Was ist ein /(oman?״ Wir haben die Antwort schnell bei der Hand; Im Jahre 5681 (1920-.21) erhielt das Unterrirhfs-Dcpaitement von der Zionistischen Organisation 103 281 £, Am Schluß des Jahres wies die Bilanz des Departements ein Defizit von 3311 £ auf. Der 17. Kongreß übertrug dieses Defizit auf das Billiget des Jahres 50S2 und dann abermal» aut das Budget' für 51x33. Das Unterrichtsbudgct für das Jahr wurde auf 10t) (XK) £, das für 5634 auf 76500 £ festgesetzt. Pallsflsieiistocfiß Orthodoxe gegen die Agudah Jerusalem. (J. T. A.) ln einer in Jerusalem am 29. Juli staltgcfundencn Versammlung orthodoxer Kreise haben sich die Redner, unter ihnen Jerusalemer Rabbiner und Leiter jüdischer orthodoxer Institutionen, sehr scharf gegen die Aktionen der Aguda in der Frage der religiösen Gerichtsbarkeit ansgesprochen. Bekanntlich haben die Agmlistcn verlangt, daß die Administration der jüdischen Wakufs (Stiftungsguter) nicht dem palästinensischen Oherrabbinat übertragen, sondern daß die Gerichtsbarkeit von den mohammedanischen Wakufs ausgeübt werde. Die Agudistcn machten geltend, daß sie zu der cVrichtsbnrkoit des palästinensischen Rabbinats, dar, unter dem Einfluß der Zionisten stehe, kein Vertrauen hätten. Die Versammlung protestierte gegen diesen Standpunkt und beschloß, sich an die palästincusisclie Regierung mit dem Ersuchen zu wenden, daß einzig und allein dem palästinensischen Oherrabbinat die Jurisdiktion über die jüdischen Wakufs übertragen werde. Der polnische Minljicrpräsldcat über die Answandernag nach I'aiäsliaa Der polnische Ministerpräsident Grabski empfing vor einigen Tagen chic Abordnung jüdischer Arbeiter, die die Absicht haben, nach Palästina auszuwandern. Wahrend der Unterredung hob Grabski die besondere Bcdeutung der jüdischen Auswanderung nach P• lästina hervor, die für Polen äußerst nachteilig sei, da sie die finanzielle Lage des Landes ernstlich gefährde. Die Auswanderer müßten nach Grabskis Meinung vor ihrer UebcrsieJclung in ihr neues Vaterland ln ihrer alten Heimat, Polen, der MilitiirdicnstpfUcUt genügen. Für jeden Fall, meinte Grabski, versetze die jüdische Auswanderung Polen in eine schwierige Situation, da der Exodus der Juden a 11 ß e r o r d c 1111 i c 11 c Maßnahmen d e r R c g 1 e r u n g mit Rücksicht auf den Transport und die großen Reisekosten erfordere. (Solche Aeußcrungen sind charakteristisch für den Wandel der Zeilen. Früher die Ständige Aufforderung an die Juden in Polen und anderwärts: ״Geht nach Palästina!“ Heute aber die Angst, dieses Consilium abcundi könnte Wirklichkeit werden. — Red.) Die Moskauer Konlerenz des Unken ״Hccbaluz“ Riga. (J.T. A.) Dieser Tage wurde in Moskau die allrussische Konferenz der linksgerichteten Organisation ״Hcclialuz“ geschlossen. Diese Heehaluz-Gruppc steht nicht auf kommunistischer, aber auf kollektivistischer Grundläge und ist im übrigen unpolitisch. Der Konferenzsaal war mit den Bildern von Marx, Lenin und T rumpel* dor geschmückt. Aus dem Bericht des Zcntralbiiros ging hervor, daß in den chaluzistischcn Genossenschaften Rußlands mehr als 2000 Chaluzim in der Landwirtschaft tätig sind. Es handelt sich hauptsächlich um frühere Angehörige intelligenter Berufe, sowie um frühere Handwerker, Kauflcutc tisw., nur 4 <0׳ sind gewesene Arbeiter. Es wurden die folgenden Beschlüsse angenommen: 1. Zu der Ideologie des ,Hcchaluz: Hcehahiz setzt sich als Ziel ein kolickti- VI s t i s c h es P0 1 ii s t i 11 ä 'durch' das 'Mittel des Klassen*- kam pf es. llechaluz stellt die Avantgarde im praktischen wie im ideellen Sinne. 2. Organisationsarbeit: Der Schwerpunkt der Chaluz-Tätigkeit bleibt die ״Hachscharah“ (Arbcitserzielning für Palästina), llechaluz bleibt eine unpar* teil sehe Organisation für die praktische vo!« bereitung für Palästina. Die Mitglieder wurden verpflichtet, *ich . neben der wirtschaftlichen Tätigkeit auch In den sozialen Wissenschaften, in jüdischer Geschichte, Pa• Uistiiiakundc und hebräischer Sprache zu vervoll* kommiien. Die Konferenz wurde mit dem Absingen der Internationale in hebräischer Sprache gcschlossen. Charakteristisch ist, daß die jüdische kommunistisclie Presse keine Berichte über diese Konferenz ge• bracht hat, obwohl sie legal war. die dichterische Konzeption des Erlebnisschicksals eine» Menschen, einer Familie, eines Volkes oder sonst einer Gruppe von Menschen, sei dieses Schicksal nun durch die Fülle oder Besonderheit der Erlebnisse einzigartig oder umgekehrt gerade alltäglich und gewöhnlich, aber eben darum typisch, wenn cs nur in dem Reichtum äußerer oder innerer Handlung von der Kraft eines Dichters geschaut und erzählt ist — dann Ist'» ein Roman, Nichts von dem, was wir so als zum Wesen dos Romans gehörig kennen und erwarten, finden wir in dem neuen Thcilhabcrschcn Werke wieder, das er doch nun einmal einen Roman nennt und in dem die Menschen wie im Roman handelnd und redend aiiltrcten. Thcilhabcr ist auch als Romanschriftsteller der Zustiiiidsschildcrer. geblichen, als den wir ihn kannten. Die dichterische Kraft, das Erlebnis eines Individuums oder eine» Volkes zu schauen und in der Form einer inhaltlich gebundenen Folge von Handlungen und Ereignissen darz.ustcllen, ist ihm nicht gegeben. Und noch ein zweites muß gesagt 'werden, was 111 seinem Wesen aus dem ersten Mangel fließt: der Roman Thcilhabers, . der die Gefühls- und Gcdnnkcmvclt der Amsterdamer Judenlieit zur Zeit des Auftreten» Sabbat,־>i Zwis schildernd zum Inhalt hat, verknüpft mit diesem Stoff der •Darstellung, Einzelcrcignissc aus dem Leben Spinozas und Rembrandts, ohne daß — bei nocl! so großer Mühe — dem Leser die innere Notwendigkeit dieses Zusammcnnindens klar wird. Sieht man von diesen Mängeln, die, wie 1ms scheint, die wahre schriftstellerische Begabung Thcilhabcrs gerade in ein besonders deutliches Licht rücken, ab, nimmt man also das Werk Thcilhabcrs als das, was es wirklich ist, als den •Versuch, die Gedanken- und Gefülilsweit einer ganzen Epoche der jüdischen Geschichte plastisch zu schildern; vergißt man also, daß der Verfasser sein Werk einen Roman genannt hat, — so hat cs unlcugbar seine großen, bedeutsamen Vorzüge. Thcilhabcr kennt die Menschen, 1111d besonders die Juden der Zeit, die er schildert, in ihrer seelischen Struktur, in dem, was sic bc* wogt und erfüllt, und in ihrer zeitlichen Gestalt, (n dem, wie sic sprechen und handeln, wirklich in einem ungewöhiiliehen Maße. Er hat; das ist für den Leser kein Zweifcl, die Quellen dieser Zeit gründlich studiert, und die Menschen, die er schildert, sind ihm bei diesem Studium ganz nahe gekommen. Etwas von einem Dichter steckt also doch in i'heilhaber, wie ja schließlich auch der wahre Historiker ein Dichter sein muß. Und eben darum ist die Lektüre dieses Romanes, der kein Roman ist, für den der da* Leben unseres Volkes in anschaulicher Schilderung seiner Entwicklungsstadien sucht, doch ein Genuß von besonderer Art, Wir können diese Darstellung des Lebens der Amslcrdamer Juden zur Zeit Spinozas und Rembrandts jedem, der an geschichtlichen Bildern Freude hat. angelegentlich rar Lektüre empfehlen. Dr. Georg HerUt*.

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