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Jüdische Rundschau · 1924-08-08 · Heft 63 (8.8.1924) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 63 (8.8.1924)
Date
1924-08-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392.,,*י Für Oesterreich! Postsparkasjenamt Wien, Konto Nr. 156030. > Für Tschechoslowakei! Poatsparkaaaenamt Prag, Konto Nr.594IO., — KedaktionsschluO Sonntag und Mittwoch nachmittag. — v par Zionismus «rstrabl für da! JQdlsch• Volk dlo Schaffung olnar öHonUlch ח׳ אב׳ תרס״ד raichtSIcti gesicherten ifalmstBtt« In PalSstlna. XXIX. Jahrg. ״Baseler Programm.“ Die Ergebnisse der Ä.-C. ■Sitzung Mit begreiflicher Spannung wurde in der zionistischen Welt den Beratungen und Beschlüssen der letzten Sitzung des Actions-Coniites entgegcngcselien. Allgemein herrschte die Empfindung, daß das Actions-Coinite in der grundlegenden!•'rage der Erweiterung der Jewish Agency endlich klar, deutlich und endgültig Stellung nehmen solle, um dadurch dem Zustande der Ungewißlieh, des Schwankens und der Unsch|üss:gkcit ein Ende tu nm'-aen. Man war sich vielleicht darüber nicht klar, daß <!. ,0 Entscheidung des A.-C. die wirklich gnmdlegende und ausschlaggebende ist. Denn wie in allen anderen Parlamenten können auch bei uns die großen Fragen der Politik nicht zuerst und gleichzeitig zuletzt int parlamentarischen Plenum, sondern dort erst nach den Beratungen und Vorabstimtmmgen in den Kommissionen entschieden werden. Es kennzeichnet die Anomalic im organisatorischen Aufbau der Zionistischen Organisation, daß man schwer die Frage bejahen oder verneinen kann, ob das Actions-Comite, die!Commission des zionistischen Parlaments, die in sidi alle Funktionen der andern nichtständigen Ausschüsse des Kongresses vereinigt, auch wirklich für diesen repräsentativ ist. Das hängt sowoiil mit der wechselnden Zusammensetzung der einzelnen Zionistenkongresse, wie auch mit den verschicdcnen Gesichtspunkten und Kriterien, nach denen Mitglieder des A.-C. gewählt werden, zusammen. Trifft aber die Annahme zu, daß jetzt im Aktions-Comite die Gegner des Zusammengehens mit den Nichtzionisten starker vertreten sind, als es ihrer zahlenmäßigen Anhüngcrschaft entspricht, die bei den nächsten Kongreßwählen oder sonst durch ein Referendum fcstzustellen wäre, dann war wenigstens der eine Schluß mit größter Sicherheit zti zielten: Wenn das Aktions-Comite in dieser gegenwärtigen Zusammensetzung einen mit großer Majorität zustande gekommenen Beschluß zur Erweiterung der Agency faßte, war mit Bestimmtheit anzunchmcn, daß auch der nächste Kongreß zumindest unter den gleichen Mchrhcitsverlüiltnissen diesen Beschluß billigen werde, ln Äiescin Falle wäre die Ratifizierung des A.-C.-Bcschlusses durch den nächsten Kongreß eine zwar formal erforderliehe, sachlich aber kaum mehr als dekorativ wirkende Bestätigung geworden. In der Schlußrede, die Wcizmann auf der A.-C.-Sitzung vor seiner Abreise gehalten hat, hat er auf diese Möglichkeit ausdrücklich hiiigcwiescn, nachdem der legale Weg: die Befragung der Zionisten mittels der Wahlen zum nächsten Kongreß infolge der Ablehnung des Winterkongresses verbaut worden war. In Parenthese soll übrigens darauf verwiesen werden, mit welch besonderer Gewissenhaftigkeit gerade Weizmann sich bemüht zeigte, die von der Organisations- Verfassung vorgeschriebenen Methoden der Beschlußfassung einzulialten. Wenn vielleicht auch die übereifrigen Kritiker, die früher nicht scharf genug Weizmann oder der Exekutive die Mißachtung von A.-C,• und Kongreß- Beschlüssen, sowie überhaupt der legalen Instanzen der Bewegung vorgeworfen haben, behaupten werden, dies sei der Erfolg ihrer Kritik, so mag doch festgcstcllt werden, daß in dieser Vcrhaltungswcisc Wcizinatuis eine ehrlich demokratische und konstitutionelle Ucbcrzeugung zum Ausdruck kam.. Es ist immerhin interessant, daß gerade A.-C.-Mitgücder, die zur demokratischen Gruppe gercchnet werden, die Bedenken gegen die Legalität der von der Exekutive jetzt mit den Nichtzionisten endgültig zu treffenden Abmachungen zurückstcllcn. Ilrr wirklich sehr begründetes Motiv hierbei war die von ihnen durch die Einberufung eines Kongresses befürchtete Becinträchtigung der zionistischen Arbeit im Winter. Diesem ins• besondere von den amerikanischen und palästinensischen Vertretern geäußerten Bedenken wird wohl niemand die Berechtigung absprechen. Ja, es wäre an sich überhaupt nicht cinzuschen, warum um1 eines im׳ letzten Grunde doch nur formalen und überdies vielleicht schon etwas überspitzten Demokratismus willen auch nur ein Monat der wichtigsten Arbeitszeit verloren gehen sollte. Andererscits kann man cs aber wohl verstehen, daß bei Weizmann und Sokolow die verfassungsmäßigen Besorgnlsse gerade infolge der gegen die Leitung vor nicht allzu langer Zeit erhobenen Vorwürfe überwiegen. Ferner handelt es sich ja auch um so schwerwiegende und lebe nswichtige Vereinbarungen, daß selbst der kleinste formelle Verstoß bedenklich erscheinen mag. Die Situation, in der die angeblich diktatorische, sogar des Fascismus drin, gend verdächtige Leitung plötzlich als Hüterin der Verfassung erscheint und prinzipienfeste Vorkämpfer der Demokratie sich (sehr mit Recht) als wenig geneigt zu einer buchstabentreuen Auslegung erweisen, cntbclirt Jedenfalls nicht einer heiteren Seite. Der Antrag Blumenfeld, der die bisherigen Verbandlungen über die Agency zur Kenntnis nimmt und die Exekutive auffordert, sic so weit zum Abschluß zu bringen, daß der nächste Kongreß die Abmachungen ledig- •Ich zu ratifizieren braucht, entspricht -zwar, wenn auch' m Seiner letzten vom A.-C, ängenonünenen Fassung leider nicht mit der gebotenen klaren Eindeutigkeit, dem vo!1 Weizmann erwähnten Ausweg, Sicht man von diesen Formulierungen und dem im /weiten Abschnitt der Resoltilion an ׳.gedrückten Wunsche nach Berücksichtigung der Vorschläge der vom A.-C. eingesetzten Kommission ab — wir hallen weder diese bescheidene Mumifizierung der Benitiingscrgcbiüsse der Kommission noeli die versteckte Absicht, die Exekutive irgendwie doch wieder zu binden, für sehr würdevoll — dann gibt dieser Beschluß im Ende rgcbn is der Exekutive eine brauchbare Hand- Babe und auch eine genügende Deckung. Es soll insbesondere die Acußcning Ussischkins im Gedächtnis bchalten werden: ״Es muß Weizmann genügen, daß 80 des A,-G. für seine Vorschläge sind. Damit übernimmt das A.-C. die Verantwortung für die Verschlüge, auch wenn der Kongreß im Sommer ist". Wenn, was wir nicht hoffen, später irgendwelche Acußcrungcn hinsichtlieh der nicht hinreichenden Legalität der von der Exekutive jetzt zu treffenden Abmachungen laut werden sollten, wird man auf diese klare und konsequente '.ntcrpretation verweisen können. Das A.-C. hätte der Exckutive ihre Aufgabe erheblich erleichtern können, wenn es olme weitere überflüssige Debatten und Dctailbmtungcn die im Antrag Bimncnfeld enthaltene (" ■ncral- Vollmacht erteilt hätte. Es wäre dann wirklich von dem vor der Sitzung hier bereits geäußerten ״,nid auch auf der Tagung hcrvortrctcndcn Bestreben, in der nun einmal geschaffenen Situation ״to tunke the best of it", geleitet gewesen. Weder der deutsche Reichstag noch einer seiner Ausschüsse hat versucht, der Delegation zur Londoner Konferenz eine genaue Richtschnur oder gar, was besonders komisch wäre, ein ganz ins Einzelne gehentles, mit höchster politischer Spitzfindigkeit ausgetüfteltes Statut der deutschen Bedingungen mitzugeben. Soweit sind wir aber anscheinend bei unserem A.-C. noch nicht und dieses merkt wohl noch nicht, wie fast bclcidigern! für eine Exekutive schon der bloße Versuch einer solchen Bindung sein muß: als ob die Leitung nicht seihst wissen und verantworten kann, wie weit sie gehen darf und was sie zu unterlassen habe. Wann werden endlich auch bei uns die großen politischen Fragen und die Durchführung ihrer Lösung nach dem Maß an Vertrauen oder Mißtrauen, das man der Leitung gegenüber liegt, mit einer unumwundenen, unvcrklausulicrteil und mannhaften Aeußcrung über das Vertrauens- Verhältnis cntsehic.lcn werden? Die immer wicdcrkchrende Ucbervorsichtigkelt und Superklugheit im A.-C., die obendrein noch steril bleibt, ist ein deutliches Symptom für seine Ueberaiterung, was natürlich nicht nur in zeitlichem Sinne zu verstehen ist. Dasselbe A.-C,, das entscheidende Fragen nicht wirklich zu entscheiden wagt, ein Programm nicht ganz zu akzeptieren oder ganz abzulehnen den Mut findet, das noch in letzter Stunde den schon fast rührenden Versuch wiederholt, Weizmanns Konzeption einen Ableger vom Grünbnünr (sit venia verbo!) aufzupfropfen, das auf nichts verzichten und wie ein träumendes Kind alles hübsch beisammen haben will, — dieses A.-C. schrickt natürlich auf der anderen Seite auch vor all den Konsequenzen seiner Handlungen zurück. Es kennt weder ganzes Vertrauen noch ganzes Mißtrauen, es ist weder kalt noch heiß, cs ist lau. Der dem Aktions-Comitö von der Exekutive vorgelegte Entwurf einer Verfassung der Jewish Agency ist offiziell nicht veröffentlicht worden. Wie wir hören, enthält der von uns nach einer J. T, A.- Meldung publizierte Auszug verschiedene wichtige Stellen nicht. Es ist daher schwer, in der Presse zu der Vorlage Stellung zu nehmen. Jedenfalls zeigt bereits der veröffentlichte Auszu.;• wichtige Grundzügc der Konstitution der erweiterten Agency' und gibt auch eine ziemlich konkrete Vorstellung von den Absichten der Exekutive. Seine wesentlichen Richtlinien, die die Exekutive als G!Undinge der Verhandlangen mit den Nichtzionisten betrachtet, sind jedoch keineswegs neu. Die verschiedenen zionistischen Gruppen haben dazu'bereits' Stellung genommen und ihre Meinung geäußert. Der von der Kommission des A.-C. während der letzten Tagung unternommene Versuch einer bis ins Detail gehenden nochmaligen Durchberatung und Fixierting von Einzelheiten ist nichts anderes als eine Wiederlrolung der im Vorjahre fast zur selben Zeit eingesetzten Studienkommission, die mit einer bewundernswerten Dfa- Icktik und Pilpulislik die heterogenen Meinungen zu vereinigen und zu verschmelzen suchte, ln den gleichen Fehler verfiel auch das A.-C. bei seiner Zusammenkunft im Frühjahr dieses Jahres. Wir haben wiederholt unserer Meinung Ausdruck gegeben, daß hierin lediglich eine recht überflüssige Verschwendung kostbarer Zelt und Mühe liegt. Denn über allen diesen Beratungen Wurde doch die entscheidende Tatsache vergessen, daß dabei unsere künftigen Vcrtragsgegncr fehlen, so daß es sich um nichts anderes als um «ine Arbeit im luftleeren Raum handelte. Im Bereiche der Wirklichkeit aber stoßen sich bekanntlich die Dinge hart im Raiun,e4 wie die Ablehnung de? Märzbcschlüssc des A.-C. durch die Amerikaner zeigt. Um dies an dein׳ bereits zitierten Beispiele zu illustrieren: welcher politischen Körperschaft in Deutschland würde es einfallen, das Da wes - Gutachten bis ins Einzelne nach den deutschen Forderungen umniarbeiten und cs so den deutschen Unterhändlern als unübcrsehreitbarcs imperatives Mandat mitzngcbcii? Was das A.-C. erst zurrt Schlüsse tat, daß es nämlich, wie, in dem Falle der Rcparationsverhandhingen die deutsche Regierung, den vorgclegtcn Entwurf als eine geeignete Grundlage zur Verhandlung akzeptierte (bzw. auch hätte ablehnen können, natürlich nach einer vorausgegangenen wirklich prinzipiellen Debatte), — das hätte cs schon einige Tage vorher tun sollen. Die Budgctbcrntungcii haben ein erfreuliches Ergeh, nis gezeigt. Das von dem Zionistenkongresse leider bekannte ScliaUspicl, daß im Plenum immer neue Ausgabeposten angenommen wurden, ohne daß man sicht den Kopf über die erforderliche Deckung zerbrach, hat sich nicht wiederholt und cs wurde ein Budget aufgestclltj das die Erfahrungen der letzten drei Jahre berücksichtigt und sich vor allem darauf konzentriert, das Bestehende zu festigen. Man darf daher erwarten, daß, soweit dies in unserer Kraft steht, so schwere Krisen und Erschiitterungen des zionistischen Sicdlungswcrkcs wie bisher künftig ansgeschaltet sein werden. Vielleicht hat auch unter dein Eindruck des sich nun jetzt schon jahrelang glcichblcibcndcn, statt sich zu erhöhenden Budgets die große Mehrheit des Aktions-Comites darin den geradezu ziffernmäßigen Beweis für die Richtigkeit der von Weizmann Ungeschlagenen Politik gesehen. In der Frage des Sitzes der Exekutive ist eine Ent- Scheidung nicht getroffen worden. Wir braudien wohf nicht erst auszuführen, daß wir dies begrüßen. Man kann wirklich sachgemäß über die Frage nicht diskutieren) bevor nicht die Exekutive seihst dazu Stellung genommen hat und auf Grund ihrer fünfjährigen Erfahrungen in dieser Zwcckmäßigkcitsfragc ihre Anschauungen darlegt. Uebcrdics hängt auch dieses Problem ganz eng mit dem der Jewish Agency zusammen. Es handelt sicli jcdcnfalG um eine Angelegenheit, die auf großen Ver- Sammlungen, wie cs beispielsweise die letzte Convention der amerikanischen Zionisten war, kaum entschieden werden kann. Wir möchten jedenfalls nach wie vor davor warnen, aus dieser Frage irgendwie eine Art Weltan. schauungsprobletn zu machen. Es handelt sich nicht um eine Entscheidung für oder gegen Ercz Israel, sondern um eine solche über die zweckmäßigsten Vorkehrungen zur Ermöglichung möglichst intensiver zionistischer Arbeit und deren stärkster Wirkung. S. K. Neuer großer Bodcnmverb des Jüdischen Nattoiallonds Wie die Pal. Tcl.-Agcntur erfährt, ist der Jüdische Nationalfonds eben dabei, in der Nähe des Emek Jcsrccl 50000 Dunam Land käuflich zu er. werben. : Wie wir erfahren, handelt es sich um einen Bodenkomplex, dessen Größe der vor drei Jahren im Emek erworbenen Fläche ungefähr entspricht. Schon daraus ergibt sich die große; Bedeutung dieses Kaufes. ' Dr. Weizmann reist nach Palästina Dr. Weizmann wird voraussichtlich Ende September in Palästina cintreffen. Seit seinem letzten Besuch im Lande sind bald 11/5 Jahre verstrichen. Außer Colonel Kisch, der die politischen Agenden führt, sind alle anderen Mitglieder der Palcstinc Zionist Executive im Juli nach London gereist, um an der Sitzung des Aktions-Comitifs tcilzunchmen. Kisch wird Mitte August nach London auf Urlaub gehen und mit Dr. Weizmann nach Palästina zurückkehren. Wie wir ferner erfahren, dürfte auch gleichzeitig Herbert Samuel in Palästina cintreffen. Herbert Samuel Der Warschauer ״Hajnt“ belichtet aus London, daß Herbert Samuel die Absicht habe, nach Ablauf seiner fünfjährigen Arntspcriodc im Juni 1025 sicli völlig vom politischen Leben zurückzu ziehen und seinen dauernden Wohnsitz in Palästina mifziischlagc». Herbert Samuel gedenkt die noch vor seiner Amtsperiode be* gonnenen literarischen Arbeiten fortzusetzen. (Eine ähnliche Nachricht tauchte schön vor Monaten auf. Wir geben die Meldüng daher nur mit Vorbehalt wieder. — Red.) Der Bürgermeister von Jerusalem,׳ Reghlb Bey Nashashibi, befindet sich mit seiner Gattin ln London, wo er an einem von der Zionistischen Organ(• sation veranstalteten Lunch tcilnahm. Von zionistischer Seite waren die Herren Dr. Weizmann, Sokolow, Lipskv, Ycllin und Israel Cohen erschiene«. Der Tisch war mit zionistischen Emblemen geschmückt. Rcghib Bey nahm auch an einem Empfangsabcnd teil, den Sir Stuart Samuel zu. Ehren ,Herbert Samuel* .und »einer Gemahlin veram stattete« 4

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