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Jüdische Rundschau · 1924-08-01 · Heft 61 (1.8.1924) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 61 (1.8.1924)
Date
1924-08-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. Rl JUEDISCHE RUNDSCHAU Sette 441 Der Jüdische Klub im polnischen Sejm (Von unserem polnischen Korrespondente 11.) Der jüdische Klub (Kolo z.ydowskic) im polnischen Sejm hat nach knapp zwei Jahren parlamentarischer Tätigkeit eine gewisse Machtposition errungen. Bei einer ungefähren Zahlcnstärke der Juden im Staate von 12 "/# (die Ergebnisse der Volkszählung vom Jahre 1920 werden noch immer bcarbeitet), besitzt der jüdische Sejmklub 34 von 44-1 Abgeordneten (7,7 ".'!>) und 13 von 111 Senatoren (0,2 * *>). Der jüdische Abgeordnete P r i 111 c k i stellt außerhalb des Sejmklubs. Kurzum, selbst die Zahlcnstärke des jüdischen Klubs ist nicht gering zu schätzen. Die Regierung (1 r a b s k i verfügt über eine sichere Majorität. Da der jüdische Sejmklub zur Opposition gehört, kommt seine Zahlcnstärke nicht zum Ausdruck. Ah und zu füllt ihm zwar die Rolle eines Züng-!eins an der Wage zu, allein der jüdische Sejmklub weicht dieser Rolle klugerweise' aus, weil das moralische Prestige der Regierung (irnbski im Lande viel stärker ist, als seine zahlenmäßige Majorität im Sejm und der Sturz der Regierung durch die Juden mehr Entrüstung als Zufriedenheit erregen würde. Diese Verhältnisse drucken zwar die parlamentarischpolitische Rolle des jüdischen Sejmklubs herab, umso stärker tritt jedoch seine moralisch-politische Kraft in Erscheinung. Man merkt cs bei allen Debatten, sowohl in den Voll- Sitzungen, wie auch in den Kommissionen, ja selbst — bis zu einem gewissen Oracle — in der Stimmung der Bevölkerung und in der Presse. Straffe Arbeitseinteilung, proportionelle Vertretung in sämtlichen Kommissionen, verantwortlicher Arbeitswille, fachmännische Schulung der Majorität der jüdischen Abgeordneten und Senatoren, das sachliche Eingreifen in jede Debatte, legislative Initiative und nicht zu allerletzt eine erkleckliche Zahl von Rcducrialcnten haben allmählich dem jüdischen Sejmklub eine moralische Macht- Position verschafft, die sich nicht selten in der Annahme von jüdischen Vorschlägen und Korrekturen (allerdings durchweg in wirtschaftlichen, nicht aber in politischen Angelegenheilen) äußert, jüdische Abgeordnete werden hie und da in Kommissionen für allgcnieinstaatlichc und selbst jüdische Angelegenheiten entsendet, als Referenten für die Pleiiar- Sitzungen gewählt, manchmal wird eine Kommissionssitzung vertagt, weil der jüdische Abgeordnete am Erscheinen verhindert war. Die Zeit, wo ein jüdischer Antrag von vornherein zur Ablehnung verurteilt war, bloß aus dem Grunde, weil er von einem jüdischen Abgeordneten stammle, ist zwar noch nicht ganz, vorüber, der prinzipielle Argwohn ist jedoch gewichen oder ist zumindest gemildert. Gerade darin liegt aber die psychologische Voraussetzung einer politischen und wirtschaftlichen Linderung der anlisemitischen Angriffe und der;intiscniilischcn Strömung überhaupt. Diese Wertung der polnisch-jüdischen Verhältnisse im Laude bedeutet keinesfalls, daß Wolf und Lamm friedlich auf einer Aue weiden. Das wäre ein Trugschluß. Der polnische Antisemitismus schreit sieh heute nicht die Kehle heiser, aber er setzt seine Propaganda umso ruhiger und konsequenter fort, er bricht seltener vulkanisch aus, aber er streichelt die jüdische Haut sanft mit einer ־- Eisen Dürste. Kurz — er hat sich in seinen;inneren Formen durch die Stanlsraison bestimmen lassen. Wer aber tiefer schaut, der merkt, daß er in seiner Grundfeste wankend, zögernd, rcflcktiv geworden ist. Noch vor zwei Jahren war der Antisemitismus hier zu Lande bloß gefühlsmäßig und daher für alle Argumente unzulänglich. Der Jude — gut oder schlecht — war Staatsfeind schlechthin. Daran war nicht zu rütteln. ״Credo, quia absurdum“ und ״Judacos delcndos esse“ — das waren die eingcpcitschtcn dogmatischen Lösungs- Worte. 1 ieutc regt sich tastend und vorfühlcnd in der polnischen Gesellschaft die Frage, ob denn wirklich der Jude ein Teufel sei, ob denn doch die Möglichkeit eines modos vivendi nicht zu enviigcn sei. Und das ist der Sieg der jüdisch-nationalen Politik. Die Ueberwindung des psychologischen Widerwillens und Ab• sclicus vor der Diskuticrung der Judenfrage war die logische Voraussetzung jedes politischen, klugen, evolutionären Beginnens. Das ist größtenteils gelungen. Realpolitisch ist das de praesenti Null, dynamisch jedoch — sehr viel. Ein kleiner Beweis: Im polnischen Sejm wurden vor kurzem die Gcsctzcsvorkigcn über die Regelung der Sprachenfrage in den östlichen Randgebieten Zinn Beschluß erhoben. Die Ukrainer, Weißrussen, ja selbst die Litauer bekommen gewisse Rechte. Ihre Muttersprachen werden in gewissen Gebieten bei den Gerichts- und Verwaltungsbehörden als Amtssprachen anerkannt und ein Schulwesen geschaffen, das in verkrüppelter Form (utraquistischc, zweisprachige Schulen) versucht, den nationalen Bedürfnissen der Minoritäten gerecht zu werden. Die jüdische Minorität, die in den Randgebieten durchschnittlich 16 ״/« beträgt, wurde ganz außer Acht gelassen und zwischen Hammer und Amboß gelegt. Der jüdische Sejmklub nahm selbstverständlich eine vehement oppositionelle Stellung ein und wäre — nebenbei erwähnt — bei dieser Angelegenheit infolge prinzipieller Meinungsverschicdcnheit bezüglich der ciitzuschlagcndcn Taktik beinah^ gesprengt worden. Man kann übrigens nicht gerade bcli.itiplcn, daß der jüdische Sejmklub hinsichtlich der in 11 c r c 11 Disziplin als Vorbild gelten könne. Die Grüiibaumgruppc (stark in der Minorität) vertrat den Standpunkt, daß eine programmatische und taktische Einheitsfront mit den territorialen Minoritäten, also Ukrainern und Weißrussen, geschaffen werden muß. Die Richtung Dr. Thon verlangte eine selbständige jüdisch-nationale Politik, weil sich die jüdischen Interessen mit jenen der territorialen Minoritäten nicht decken. Der Klub wählte den Mittelweg, ließ den Abgeordneten Griinbaum in seinem Namen jedoch im Rahmen einer gefaßten Deklaration sprechen, entschied sich dann aber doch für einen gemeinsamen Exodus mit den Ukrainern und Weißnissen aus dem Sitzungssaale während der Ab- Stimmung, unter der Bedingung, daß dies ohne Gesang, ernst und parlamentarisch geschehe. Sonst solle der jüdische Sejmklnb gesondert und ruhig den Saal verlassen. Ukrainer und Weiflnisscn begannen zu singen. Die Abgeordneten Grünbauin, Schipper und noch zwei Herren sangen hierauf gegen den Beschluß des Klubs die ״Hatikwah“, (lieber Gott, was wäre das für Gleichberechtigung: nicht singen dürfen, wenn die Ukrainer singen!) und beinahe wäre unsere Nationalhymne zum Todesstoß für den jüdischen Klub geworden. E* kam zu wüsten Szenen. Abgeordneter Prilucki wurde vom polnischen Antisemiten Manterys geohrfeigt (Prilucki antwortete in gleicher Weise) und wurde mit einem Revolvergriff verletzt. Die polnische Presse tobte zwei Tage lang wie besessen (fast ausnahmslos) und zu allerletzt — erschien in einer lialboffi/iöscn, dem Ministerpräsidenten Orabskl nahestehenden polnischen Monatsschrift ״Polens Wege" (Drogi Polski) ein langer, anonymer Artikel, der die polnische Gesellschaft vor einer nervösen Behandlung der Judentrage warnt und zum ersten Male seit dem Bestände Polens die nationale jüdische und zionistische Bewegung in Polen als durchaus mit den Staatsinteressen vereinbar erachtet und die Befriedigung der jüdisch-nationalen, kulturelle 1 Forderuiigen durch den Staat als billig, gerecht und nötig darste'llt!*) Die polnische Presse 11 at diese Stimme todgeiclvwiegcn! Daß sic laut werden konnte und daß die Presse, sich mit Schweigen begnügt, wo sic vor zwei Jahren gejohlt und HAPOEL II AZ Alle (HITACHDUT) Öffentliche Versammlung am Mittwoch, den 6. August im großen Saal de* Zionistischen Heims, Landsberger Straße 89, abends 8 •/» Uhr. Th! 1IS1: «<y üiiiü diu: Redner: Josef Sprln7.«k, Mitglied der Zionist. Palästini-Eiekutive und der!exekutive der Jild. Arbeiterorganisation Palästinas. Dr. Ch. Arlonoroff, Mitgllsd de» Zionist. Finsnx• und Wi״t- »rhnftsrats und der Exekutive der Jiid. Arbeiterorganisation Palästinas. Abrnlinm Lowinaon, Mitglied de» A.-C. uad Abgeordneter des polnischen Sejm. Freie Aussprache! Freie Aussprache! geschimpft hätte, ist ein Symptom der allmählichen Ueber- Windung des polnischen Antisemitismus. Einer der führenden polnischen Politiker, das Haupt der radikalen Bauernpartei ״Erlösung“ (Wyzwolonic) und wahrscheinlich der künftige Ministerpräsident, der Abgeordnete Thugutt, der gleichzeitig Miturheber der Sprachengosctzc ist, erklärte öffentlieh, die Sprachenfrage der Deutschen und Juden werde im kommenden Herbst gelöst werden. Vielleicht hängt der Artikel in ״Polens Wege“ mit dieser Deklaration zusammen. Vielleicht. Vielleicht ist alles wieder ein neuer Trick. Der Scjnt ist eben in die Ferien gegangen, die er nur für einen Tag in zwei Wochen unterbrechen soll, Auch der jüdische Sejmklub ist erholungsbedürftig. Seine Nerven sind zerrüttet, die Disziplin gelockert, die persönliche Gereiztheit gesteigert. Möge er in den Ferien gesunden. Es harren seiner große Aufgaben, bei deren Lösung Einheit, Stärke, klarer Blick und inneres Gleichgewicht nötig sind. « Die vom Sejm beschlossenen Sprachengesetze für die nationalen Minderheiten in den Randgebieten werden jetzt im polnischen Senat beraten, der folgende Verschlechterungen angenommen hat: das Gesetz tritt erst am 1. April 1025 in Kraft (der S.-jm hatte den Termin 1. Oktober!024 bcschlossen); das vom Sejm beschlossene Gesetz wird mit der ausdrücklichen Erklärung cingctcitct, daß auch in den Randgebieten tunlichst die Staatssprache fnolniscn) in Schulen und Behörden zu gebrauchen sei. — Red. Aas der Jödisdien Welt €r«1 -Toxatl Der 20. Tamus wurde In ganz Ercz JIsrael mit großer Anteilnahme gefeiert. ״Ifaarez“ und ״Doar Hnjom“ ließen zur Feier des Tages Beilagen mit Artikeln über Herzl erscheinen. Das Hauptbüro des Keren Kr.jcmeth hat eine hebräische Abhandlung ״Dr. Herzl ur.d sein Lebenskampf“ von dem bekannten hebräischen Schriftsteller R a w Be 11 j aut in licratcsgcjicbcn. Die drei großen Jugetidorj/anisaiionen des Landes ״Makkabi“, ״V'crcin zum Schutz der hebräischen Sprache“ und ״Wcltvcrband der hebräischen Jugend“ haben gemeinsam mit dem Hauptbüro ein literarisches Sammclhuch ״Le s c ch c r li c ז zl“ (Zum Andenken Hcrzls) Iicraiisgcgcbcn In fase allen Schulen wurden Gedächtnisfeiern veranstaltet. Das l.andcsbüro des K. K. L. veranstaltete einen volkstümlichen Ausflug nach dem Herzlwald in C hui da. Von Jerusalem und Jaffa gingen Sonderzüge ab. Viele Hunderte nahmen an dem Ausflug teil. Hier wie In! ganzen Lande wurde natürlich am 20. Tamus die traditionelle Gcldsnmmhing zur Pflanzung netter Bäume in den Hcrzlwäldcrn erfolgreich dtirchgcfiihrt. Herbert Samuel wird, wie der Jerusalemer ״Doar Hnjom“ zu melden weiß, bis Ende Juli In London bleiben und sieh dann Anfang August für die Dauer eines Monats zum Kuraufenthalt nach der Schweiz begehen. Vor seiner Rückreise nach Palästina wird Samuel noch für einige Tage nach London reisen. Wie die Pal. Tel.-Agcutur erfährt, hat das Paricikomltcc der linken Sozialisten an das Kolonialamt in London ein Telegramm gesendet, in welchem über die Schließung des 1' a r t e i k I n b s in llalfa, sowie über die Gefangennahme, Verurteilung und Landesverweisung von sieben Mitgliedern Bc sei! wer de geführt wird. Die sieben Sozialisten wurden verhaftet, weil sic dein Befehl der Polizei, den Klub zu verlassen, nicht Folge geleistet haben. Am 22, Juli wurden sie von dem Gericht in Haifa zu je einem Monat Gefängnis und zu Deportation verurteilt. Wie der Vertreter der Pal. Tel,•Agentur erfährt, lat zwischen der Ica und den Arabern von Kabara nunmehr eine Ueberciiistimmiing erzielt worden. Die letzteren hatten bisher die Realisierung der Ica-Kott Zession über die Trockenlegung des ihnen benachbarten Moorlandes verhindert. Als Entgelt für die Aufgabe des Widerstandes erhalten die Araber einen Teil des Kabara-'!.indes, einen Teil von West-Tnntura und außerdem eine bestimmte Geldstimme. Die Arbeit in dem Moorland wurde wieder aufgenommeii. Es werden dabet dauernd 200 Arbeiter Beschäftigung finden. Wie die Pal. Tcl.-Agentur erfährt, hat sich die palästlncnsischc zionistische Exekutive in Uebcrclnstlmmung mit der palästinensischen Regierung bereit erklärt, die nötiger! Schritte zur Erlangung von Palästina Visen für die jüdischen Emigranten, die durch das neue Immigrations-Ein- Flnrchränkungspcsctz der Vereinigten Staaten in E a sj I c i g!1 Camp stecken geblieben sind, einzulelten. Die Exekutive hat sich jedoch von der endgültigen Entscheidung an die Londoner Föderation der ukrnlnlschcn Juden um nähere Berichterstattung über den ganzen Fall gewendet, *) Wir haben den Artikel in Nr. 58 der ״J. R.M aut• zugsweise wiedergegeben, — Red. Die Aufmerksamkeit des Schatzmeisters der Palcstiiic Zionist Exekutive w 11 ntc auf ein Rundschreiben gerichtet, das man aus Tiberias wi verschiedene Institutionen und Persönlichkeiten verschickt hat. Darnach soll der verstorbene Mr. Peter Schweitzer aus New York dem Keren Hajessod eine Summe Geldes für dien Bau eines Snitales in Tiberias übergeben haben. Das Geld aller sei, laut Rundschreiben, von der Palcsiinc Zionist Exekutive für andere Zwecke verausgabt worden und das Versprechen, cs an Frau Schweitzer, die inzwischen nach Amerika zuriickgckchrt War, für den Bau des Spitals zurückzustcllen, habe man nicht eingelüst. Der Schatzmeister stellt demgegenüber fest, daß diese Darstellung ׳unrichtig Ist. Er weil! nur so viel, daß der verstorbene Mr. Schweitzer an seine Schenkung für den Keren linierst.d keinerlei Bedingung geknüpft hatte. Erst nach Abschluß ihres Besuches im Lande haben die Eheleute »Schweitzer dem Wunsch Ausdiuck gegeben, einen Teil ihrer Keren H ajesscd-Spemlc für den Spital hau in Tiberias zu verwenden. Jedenfalls stellt die Entscheidung in der ganzen Angelegenheit ausschließlich dem Zentralbüro de• Keren Hajessod in London zu und deshalb ißt es gewiß fa'seh, zu sagen, daß die Palest ine Zionist Exekutive irgendwelche Zusagen gemacht und dann nicht eingchalten habe. Di: Palc.tine Z-ienist Exekutive, welche die Notwendigkeit fine* Spitals für Tiberias durchaus anerkennt, teilt die Hoffnung, daß die Ballführung sich nicht verzögern werde. Von (len 786 Personen, die durch die Vermittlung des New Yorker P a I ä s t i n a a m t e 9 seit Anfang dieses Jahres nach Palästina übcrsiedeltcn, waren 565 im Besitze von durchschnittlich 6000 Dollar pro Kopf. Das von denselben nach Palästina einceführtc Kapital betrug daher 3100000 Dollar. Der Arbeiter V111 / i 11 in Tcl-Awiw wurde am 26. Juli zu einem Monat Gefängnis verurteilt, unter der Beschuldigttng, daß er sich an dem Uehcrfall auf den jüdischen Fabrikanten Krinizi beteiligt habe. Abdul Saüm Rach mann, der Führer der mohammcdnniscli-clirktlicheii Gesellschaft in T ulke rem und Sohn des Bürgermeisters, den man Anfang dieses Monats als den Anführer einer in der Umgegend von Tulkerem und Nablus hcrtimstrt’ifoiKlcn Räuberbande verhaftet hatte, wurde kürzlich gegen Bürgschaft f r c i g c I a s sc n. Wie die Pal. Tcl.-Agentur erfahrt, ist die Freilassung auf Ersuchen der palästinensisch-arabischen Exekutive erfolgt, die die geforderte Bürgschaft für Abdul Salim Rachman geleistet hat. Der Araber Abdul D11 edel ist am 15. Juli vom Gerieht zum Tode verurteilt worden, weil er an der Ermordüng der beiden britischen Sergeanten Dünn und Walker vom Regiment des Herzogs von Wellington beteiligt war. Die Morde wurden am 28. Januar in der Nähe von Rmntcli verübt. Wie erinnerlich, wurde der Araber Yousset Rassoul, der ebenfalls an diesen Morden tcilgcnommen hat, am 8. Juli liingcrichtct. Dtiitscblaml Am Sonnabend, den 26. Juli, ist der bekannte Uebersetzer und Schriftsteller Alexander Eliasberg in einem Sanatorium hei Berlin gestorben. Sein Leiden hat sich durch den wohl noch in aller Erinnerung befindlichen Zwischenfall in München, seinem früheren Wohnsitz, aus dem Eliasberg ausgewiesen wurde, verschlimmert. Eliasberg, der aus Minsk stammt, ist nicht mir durch zahlreiche Uehersetzungen aus dem Russischen, sondern auch aus dem Jiddischen bekannt geworden. Nach Artikel 73 der deutschen Verfassung ist ein Volksentscheid berbei/uführen, wenn '/1״ der Stimmberechtigten das Begehren nach Vorlegung eines Gesetzentwurfes stellt. Aut Grund dieses Arlikels der Verfassung hat sich eine Organ!• sation gebildet, die unter dem Namen ״Partei lose Ver» ei ui gütig eines verfassungsgemäßen vö'klkischcn Volksentscheids über die Lösung der J u d c n f r a g c“ Fragebogen in vielen Tausenden von Exem* Plarcn in Deutschland verbreitet. Das Büro dieser ״parteflosen Vereinigung“ befindet sich in Erfurt. Die Vereinigung verlangt, daß jeder Empfänger sich über folgende fünf Anträge äußere und mitteile, für welchen der fünf Antrag« er stimme. Die Anträge lauten: 1. Sämtliche seit 0. November 1618 eingewanderten Ost■1 * 3 j u d e n sind a u s z 11 w c i s c n. 2. Sämtliche seit 1.August 1914 e 1 11 g c w a n d e r t e n Juden sind a u s z u w c 1 s c n. 3. Wie Antrag 1, jcdocli mit dem Zusatz: ihr Vermögen ist — soweit unrechtmäßig erworben — zu bcschlagnahmen. Damit sind die um den Ertrag ihrer Arbeit betrogenen Kricgsanlcihczcichncr und Sparer, zuerst die kleineren Sparer, zu entschädigen. 4. Wie Antrag 2 mit dem Zusatz: ihr Vermögen ist — soweit unrechtmäßig erworben — zu beschlagnahmen. Damit sind die um den Ertrag ihrer Arbeit betrogenen Kricgsanlcihczcichncr und Sparer, zuerst die kleineren Sparer, zu entschädigen. 5. Wie Antrag 4 mit dem Zusatz: Die unter uns lebenden Juden sind unter F r c in d c n rc ch t zu stellen 111111 wic jeder Angehörige eines fremden Staates zu bc* handeln. Eine besondere Juden Ordnung ist auszuarbeiten und zum Gesetz zu erheben. Beigefügt ist eine genaue Richtlinie für die parteilose Vereinigung zur Vorbercitimg des Volksentscheids, in der genqu angegeben ist, wie unter Zusammenfassung von Ortsgruppen, Kreisen usw. die Abstimmung vorzunchmcn ist. Es wird darauf hingewiesen, daß mir wahlberechtigte Personen abstimmen dürfen. Bezeichnenderweise wird zugleich intensiv für die Stiftung von Beträgen zur Deckung der Unkosten ge* worben. Zu der Judendebatte im Verfassungsausschuß des bayerisehen Landtags vom 26. Juli ist noch naclizutragcn: Der Minister des Innern erklärte im Vcrfassiingsatisscliuß: Eine allgemeine Ausweisung von Juden sei in der Praxis undurchführbar. Bei Anträgen zur Namensäiidcruiig sei Voraussetzung, daß der Ocsuclistcllcr bayerischer Staatsangehöriger sei. Nach der Verfassung fehle jede Grundläge zur Beschlagnahme des Vermögens ausgewiesener Juden. Kultusminister Dr. Matt erklärte, daß die Anträge der Reichsverfassung und der bayerischen yerfassung in verschiedenen Punkten widersprächen. Es sei ein unmöglicher Standpunkt, den Juden das Studium zu verbieten, oder jüdische Lehrer an den Hochschulen nicht zuzulassen. ln der Sitzung des Staatshamhaltsausschusses des bayeri* sehen Landtags vom 28. Juli beantragten die Völkischen, die Hinterbliebenen der beim Hitler-Putsch Gefallenen, ebenso die Verwundeten und in Schutzhaft Genommenen, zu cutschädigen. Dagegen *olle den Hinterbliebenen von Salomon Kosminnwsky (gemeint Ist Kurt Eisner, der vom Grafen Arco ermordet wurde), keine Entschädigung mehr zugewandt werden. Der Regierungsvertreter machte daraufhin die Mitteilung, daß die Hinterbliebenen Kurt Eisners seit der Geldentwertung keine Entschädigung mehr erhalten haben. Die Anträge auf Entschädigung der Angehörigen der Hitlcriancr wurden abgclchnt. Das antisemitische Machwerk eines Franz von Vendrin ״Die Entdeckung des Paradieses״ (Verlag Georg Westermann, Braunschwelg), nach dem das Paradies in Mecklenburg gelegen hat und alle jüdischen Kultnrermngen■ schalten arischen Ursprungs sind, findet nun sogar ln der

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