Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 61 (1.8.1924)
- Date
- 1924-08-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Kann ich nicht umhin, die negativen Seiten der jetzt üblichen Kolonisation, die uns allen schon zum Ucherdctiß bekannt sind, wenigstens in .11 ר g e nr e i 11 e n Zügen zu berühren. Denn es muß ja gest.'imlcn werden, daß sich unter uns Kaum jemand finden wird, der behaupten, geschweige denn he weisen könnte, daß unsere Kolonisation bislang »rach Systemen geführt wurde, die erfolgreich sind, , Meiner Meinung nach liegt der H a u p t f e h 1 c r der Leiter unserer Kolonhationsnrbeit darin, daß sie ' nicht iu ge tiiigcirdcin Malle die natürlichen Ei g c n s c 11 a 11 c n Dies Landes eingescliät/t haben, die so sehr in die Augen! springen, daß nienrnml, der nur ökonomisch sehen kann, sie unbemerkt und unausgemirt/.t lassen konnte. Gemeint ist damit die Sonne Palästinas. Ein besonderer Vorteil unseres Landes, der sic von anderen Landern unterscheidet, ist das gesegnete K I i n» a , die i m nr e r s t r a 11 - lende, die immer wärmende Sonne, die für Mensch, 1!Tier und Pflanze ausgezeichnete physiologisch Lebensbc- •. dingtutgen schaffen. Palästinas Sonne erlaubt fast das!ganze Jahr hindurch Pflanzen zu kultivieren. Wenn die!Temperatur nie unter Null sinkt, kann und muß die [ Pflanzaizelle ihre Tätigkeit ununterbrochen fortsetzen, unter!der Voraussetzung natürlich, daß ihr die notwendige!Feuchtigkeit gegeben wird. Um sich diese Eigenschaft ו vollkommen zu Nutze zu machen, ist es notwendig, in unserem Lande, dessen Regenzeit sich auf 5 Monate beschränkt, die ]ganze Aufmerksamkeit auf künstliche Bewässerung j zu lenken, in der Zeit, wo das Wachstum gerade am größten 1 ist, der Regen aber ansbleibt.! Klarer gefaßt: Um die Sonne von Palästina so weit als I möglich auszumitzcn, muß man den Pflanzen während sieben Mona ten Feuchtigkeit auf künstliche Weise zuführen. 1 Unsere bisherige Kolonisation hat diese beiden Fak- , toren außer acht gelassen: die prächtige Sonne, die!vollauf da ist, und das Wasser, das an Stellen, wo es schon!vorhanden ist, ausgenutzt und an Orten, wo es noch;nicht da ist, h e r h c i g c sch a f f t werden kann. Unsere bisherige Kolonisation stellt einerseits eine Nachahmung der rückständigen l.amkv irt scltaft der c i n 1» c » m isehe n Jievölkerung dar, andererseits eine Hebertragung der in der I g c »11 ä ß i g t e n Zone a n g e b ra e 111 c n Systeme, aus denen Ulic meisten unserer Kolonisatoren ihre Erfahrung schöpfen, : 1Deshalb geben sie dem A c k c r b a 11 und gerade dem c x t c n jsiven Ackerbau gegenüber den anderen Zweigen der Land- Wirtschaft eleu Vorzug. Selbstverständlich konnte man bei! Schätzung der Rentabilität der Landwirtschaft in Palästina ’ auf Grund der Erträge der arabischen Wirtschaft nicht umhin die Ecstslclliuig zu machen, daß für den Unfeihalt i einer Familie eine Fläche von 210—300 Dunain erforderlich ' ist. Zwar hat man in letzter Zeit die Fläche auf 100 Dunam reduziert, doch dürfen wir bei Gegenüberstellung der Flächen- grüße in den alten (etwa 210 Dunam per Familie) und!in den neuen Kolonien (HX) Dunam) die Tatsache nicht . unberücksichtigt lassen, daß cs in den alten Kolonien mehr!’Arbeitskräfte in der Familie gab als iu der neuen, — Ich : Hatte selbst Gelegenheit bei der Gründung von K a s t i 1» i c ,im Jahre 1896—07 milzuwirken. Die Familien hatten damals mindestens z.wei erwachsene Männer, gegenwärtig aber gibt cs iu dm Familien nur eine männliche Arbeitskraft, und ■ häufig gehört die Wirtschaft einem Junggesellen. Die neue Konolisation, ebenso wie die alte, paßt sich den klimatischen Bedingungen nicht an und basiert auf die Bevorzugung der Feldwirtschaft. Wenn auch im großen und ganzen ein gewisses Ab weichen von dem seither cingesclilagcucn Weg fcstzustcllcn ist״ so ist doch im Grunde genommen auch das Wesen der neuen Kolonisation. c x t c 11 s i v. Und das ist ja erklärlich: Die Kolonisten von Nahalal, Bei» ja min a usw. beschäftigen sich mit so vielen W! rt s c 11 a f t s z\vc i g c 11 und verfügen über so große Flächen, daß ihnen wegen der Kleinheit ihrer Familien nichts anderes übrig bleibt, als ihr Land auf extensive Weise zu bearbeiten. ' Weira wir nun in bezug auf Fläche und Form der Wirtschäften in den neuen Kolonien keinen Fortschritt im Vergleich zu den alten sehen, so muß sogar ein Rückschritt von ökonomischem Standpunkte festgcsUHt weiden, I)ic Installation eines Siedlers hatte vormals 15.(100 Goidfr,•mken gekostet (d. 11. £ </.X}), jetzt kommt jeder Siedler auf nicht weniger als C 1500 zu stellen. Der Boden Ist sehr verteuert worden, die Kosten der Gebäude, des Inventar«; und des anderen Zubehörs sind gestiegen — und die F r 11 r 111!1 a r k c i t des Bodens hat sich nicht vorgroßer(. Und wenn die Unrentabilität der alten Kolonien in der Kolonisationsperiodc der ״Clübath Zion“ noch nicht 60 sehr zum Vorschein kam und noch viele ehrlich au Amortisation der den Siedlern gegebenen Anleihen denken konnten, so wird jetzt, wo die AnsiedliBig■ einer Familie .(meistens aus nur 2 Personen bestehend) etwa £ 1500 kostet, doch niemand mehr an der Unrentabilität dieser neuen Kolonisationsform und somit an vier vollkommenen Unmöglichkeit, die Schulden jemals zu tilgen, zweifeln können. Die folgenden Zahlen und Tatsachen dürlten das klar beweisen: Von der Fläche von 100 Dunam (gewöhnliche Norm einer Wirtschaft in den neuen Siedlungen) verbleiben dem Siedler zur Bodenbearbeitung etwa 00 Dunam, denn ungefähr 10 Dunain gehen auf Pflanzungen und den Hof ab. .Wenn wir die Ernte der ganzen durch den Kolonisten bearbeiteten Fläche auf die Einheit ״Weizen“ bringen, und wir annclimeii, daß jeder Hektar einen durchsdiiiittlidicii Ertrag von 1000 kf; ergibt (eine Norm, die wir als Durchschnitt in unseren Siedlungen leider noch ■nicht erreicht haben), so finden wir, daß die ganze Fläche nicht imstande ist mehr als 8 Tonnen Weizen zu gellen, deren'Wert sich auf ungefähr £ 80—90 stellt, d. 11. in bestem Falle £ 1 von je einem Dunam Rohertrag, während die Gelder, die in der Wirtschaft investiert wurden, zu 5 »׳« Verzinsung und 1 */# Amortisation gerechnet (entsprechend einer Tilgung der Schuld im Verlaufe von 36Vz Jahren, wie ich cs in der Kalkulation der Wirtschaften nach meinem Plan vorschlage) gerade so viel kosten. D. 11. der Siedler muß von seiner Arbeit auf Basis des ״neuen“ Systems £ 0(! (6j>A von £ 15Ö0),!eukjöu, Allein un* de« TT«1 9 jf n ן J.^1 ** ««h «4, W׳.״ tJl j * •*״׳ ד (ha ׳•״ Äi- ״, z־yfv* r* -י z׳> ■ V«• I« 14 fei *4 i tri > \ J W kzä i mk :11c iöSl Nach einer Meldung, die uns in letzter Stunde von der Zionistischen Palästina-Exekutive zugeht, ist der Einfuhrzoll auf Mas ciis neu, die für industrielle Zwecke b e s t i m m t s i n d , und ebenso für eine Anzahl 1 a 11 d w i r t - sc hat tlich er Maschinen, die wir i:1 der nächsten Nummer spezifizieren werden, aufgehoben worden. Der Wortlaut des betreffenden Paragraphen spezifiziert die Maschinen folgendermaßen: a) Maschinen und deren Bestandteile, d. h, Maschinen oder Mascliincnserieii, die durch Elektrizität, Dampf, Feuer oder andere Kraft, aber nicht durch menschliche oder tierische Kraft getrieben werden; ■oder die, bevor sic in Gebrauch gesetzt werden mit anderen bewegenden Teilen fixiert werden müssen; 1>) vorausgesetzt ist, daß die Zollbefreiung Maschinen citischlicflt, die aus anderen Malcrialien »15 Metall verfertigt sind, und Treibriemen oder Materialien für Antriebsmaschinen; aber keine Maschinen, Werkzeuge oder Geräte für Handarbeit «der tierische Arbeit; und vorausgesetzt, daß nur solche Artikel als Mnscliinen-Beslandtcile gellen sollen, die für die Arbeit von Maschinen unentbehrlich und ■nach ihrem Modell oder anderen speziellen Eigenschaften für keinen andern Zweck geeignet sind. Damit ist eins der wichtigsten Hindern!«« der Wirtschaftliehen Entwicklung Palästinas aus dem Wege geschafft worden, um dessen Beseitigung die Exekutive einen langen Kampf führte. Betrug zu verzinsen und in 3(>Va Jahren zu bezahlen, der in die Wirtschaft hineingcstcckt wurde, das ist die ganze Summe, die ihm eine mittelmäßige Ernte einbringen kann. Von dieser Summe müssen aber noch die Kosten des Zug- und Nutz-Viehes, sowie andere Ausgaben der Wirtschaft, vier Unterhalt der Familie, die Steuern, allgemeine Kolonie- Ausgaben gedeckt werden. Wie soll denn das alles bewerk• sldligt weiden? Kurz gefaßt: Eine solche Wirtschaftsform ist eine ökonomische Unmöglichkeit. Es ist War, daß es in Palästina ebenso wenig wie in der ganzen Welt sonst lohnt, auf teurem Boden und hei einem Mcrischcmnaterial mit viel- .-•.eiligen Bedürfnissen Getreide anzub.uicn. Für andere Länder (wie Kanada, die Vereinigten Staaten Amerikas, ArgcnUmen, Australien), wo wegen ihrer gewaltigen Flächen der Boden sowie z. T. auch die Arbeit billiger Ist (wie in Indien, in großen Teilet! des vormaligen Rußlands, in Ungarn, Rumänien usw.), mag das passen. Das letzte Jahr jedoch lehrte uns, dal! es sogar iu Australien trotz seiner ausgedehnten Flächen wegen vier Konkurrenz von Ländern, die sieh iu besseren ökonomischen Bedingungen befinden, nicht lohnt, Weizen zu kultivieren. Unsere deutschen Nachbarn in Palästina bähen rechtzeitig aus der U11rimlahilitä! der <»ctreide-Erntcn die notwendige Schlußfolgerung gezogen: Schon sei! zwei Jahren haben sic die Flächen für Getreide bis auf ein Minimum reduziert, und sie bcscliäftigeii sich hauptsächlich mit der Milch- und Gemüse- Produktion zur Versorgung der jüdischen Bcvölkcr u 11 g Palästinas. Zweifelsohne ist dies eine sehr zu begiiiiiende Sache, da sonst die jüdische Bevölkerung Mangel;!ehrten hatte. Bemerkenswert aber ist cs, daß »insere neuen Kolonisationspimkfe, wie Nahalal, Kcfar-Jeheskicl usw., die gerade in den letzten zwei Jahren begründet wurden, trotzdem auf der Bevorzugung der Getreidekultur aufgebaut worden sind. Diese Unzweckmäßigkeit der Kolonisationsmethode und die gleichzeitige Vernachlässigung der Grundsätze der J ntcusivität werden noch augenfälliger, wenn den besondere 11 Bedingungen unserer Kolonisation Rechnung getragen wird, nämlich der wirtschaftlich unbegründeten Bod c 11 vc r t e u c ru »1 g , der geringen Ausdehntttig der Flächen, die wir in»• Stande zu erwerben sind, einerseits, dem Landhunger vieler Tausender unserer Brüder andererseits,. Der Grundsatz der 111t e 11 s i v i t ä t in der Landwirtschaft läßt siel! am besten auf folgende Weise nttsdrücken: ״Maximale Ausnutzung der miiiiinaleii Fläche“. Daraus ist zu ersehen, (laß die 111tensivif.it nicht ausschließlich auf bestimmte Zweige der landwirtschaftlichen Produktion angewendet zu werden braucht. Sie ist sowohl beim Getreidebau wie auch in ■der Milchwirtschaft und heim Tabakbau anwendbar, ebenso wie in all diesen Zweigen auch das extensive System möglich ist. Doch ist die höchste mul vorteilhafteste Form der Inlcnsivifät hauptsächlich heim Obst- und Gemüsebau erreichbar, die mit Hilfe von künstlicher Bewässerung dank den günstigen klimatischen Bedingungen Palästinas die Hervorhringuiig mehrerer Ernten im Jahre gestatten. Mit anderen Worten, diejenigen Pflanzen sind zu bevor- /״gen, deren Vegetationsdauer k u rz ist und die daher mehrere Ernten im Jahre ermöglichen. Sogar bei der Wcizcnkultur kann man vermittels künstlicher Bewässerung zwei Ernten jährlich haben, aber Gemüscarten wie Tomaten, Zwicbcln, Kartoffeln usw. — alles wichtige Nahrungsmittel — bedürfen zu ihrer Reife nur 4—5 Monate Und können deshalb drei Ernten im Jahre liefern und bei Ausnutzung des Bodens durch Zwischcnkulturcn sogar vier bis fünf Erntet». Aus diesem Grunde wird dort, wo Verhältnismäßig wenig Wasser zur Verfügung stellt, dieses zuerst für die G c 111 ii s c p r od u k t i o 1» benutzt und erst dann bei Vorhandensein größerer Wasservorrätc in Verbindung mh gewissen wirtschaftlichen Bedingungen (größerer Landflächen) wird da; Wn«scr zur Bewässerung anderer Kulturen, wie Reis, Zuckerrohr usw. verwendet. Nun wird es klar, daß bei Anwendung intensiver Kultunurthodcn bei Pn.m/eu, die.dk; 1 Icrvorhringtmg mehrerer Ernten im Jahre ermöglichen, dazu «och von hochwertigen Produkfen eme .Familie zu ihrer Verpflegung eine verhältnismäßig kleine Fläche benötigen wird, deren Größe einerseits von den. Lebensbedürfnissen, andererseits von der Arb e i t s f ä h i g k c i t der Familien des Siedlers bestimmt werden wird, d. h. der Siedler muß eine Fläche erhalten, die er mit eigenen H ä n d c n bearbeiten kann, ohne Lohnarbeit in Anspruch zu nehmen. Und es unterliegt keinem Zweifel, daß hei richtiger Bearbeitung emc solche Fläche ihn nicht allein gut ernähren kann, .sondern ihn nach und nach zum Wohlstand führen wird. Ich bcmcssc die Fläche auf ungefähr 10 Dunam, von denen die Hälfte bewässert werde״ muß. (Schluß folgt.) Das W2c״s»utn Jerusalems Vor einigen Monaten hat der Keren Kajcmcth V/t km von Jerusalem, nächst der Bahnstrecke Jaffa-Jerusalem, das Grundstück Amos an die misrachisiiselic Gruppe ״M a k o r Ghajim“ nach Erbbaurecht vergehen und zugleich mit Wasser versorgt. Hier entwickelt sich mm mit verblüffender Schnelligkeit ein neues Vorstadtviertel. Zu Pessacl! wurde dort erst der Grundstein zum ernten Hause gelegt 11i1d jetzt stehen dort schon 17 Häuser nebst einigen Ställen. Es wohnen auch schon Mitglieder der Gruppe in einzelnen Häusern und beginnet» ihre Wirtschaft cinzurichtcn. liier sind Kühe eingestellt und die Kinder bringen die Milch täglich nach der nahen deutschen Kolonie und'nach Jerusalem selbst, dort fabriziert ein Siedler Z c m c 1» t h o 111 - zicgel, die gleich beiin Bau der neuen Häuser nebenan Absatz und Verwendung finden. Auf dem Gelände der Siedlung liegt auch ein Steinbruch, der vom Keren Kajcmc 111 der Arbeiterkooperalivc ״Sold Honeh“ zur AusbcuUuy: überlassen wurde. Die Beziehungen zwischen den hier tagsüber beschäftigten Arbeitern und den Siedlern von ״Makor Chajim“ sind durchaus gut. Als nächste wichtige Aufgabe gilt der Ausbau des kurzen Verbindungsweges zur Straße nach Bethlehem und dem jenseits derselben gelegenen ״Talpiotli“. Die Untersuchung über die Aufnahmefähigkeit Palästinas für europäische Waren. Die Berliner Zentrale des mitteleuropäischen Ex porteurverbandes schic kte seinerzeit eine Stud ciiabordnung nach Palästina, um die Aufnahmefähigkeit des Landes für deutsche, tschechoslowakische und österreichische Waren zu untersuchen. In ihrem Berichte erklärt die Dclcgatioi, daß Psich Palästina im Stadium einer erfreulichen Ent- Wicklung befinde und als Abnehmer für deutsche Waren in Frage kommen würde, wenn die Mandatarniacht sich entschlösse, den außerordentlich hohen Einfuhrzoll zu ermäßigen. Gegenüber dm in Palästina geltenden Preisen für Imiiistricprodukte könnten deutsche Waren um 30—40 *0 billiger geliefert werden. Bis zu einer Aenderung des hohen Zollsatzes besteht aber für Deutschland geringe Aussicht gegenüber englischen Waren konkurrenzfähig zu werden. Der zentrale kaufmännische Verband in Polen beschloß, aus seiner Mitte eine Delegation nach Palästina zu entsenden mit dem Ziel, Handelsbeziehungen mit diesem Lande a 11 z u k n ti p f e n. Die Delegation reist schon iu den nächsten Tagen ab. ״Palästina-Lloyd“. In Berlin ist vor kurzem eine neue Gesellschaft unter dem Namen: ״P a 1 ä s t i 11 a - L1 o y d“, Passage- und Transport-Gesellschaft für alle Länder des Orients, gegründet worden. Gründer dieser Gesellschaft sind: Der russisch-baltische Lloyd und die bekannten Zionisten Dr. Victor Jacobsohn,' big. S .111; i 11 d, M. Oroimann und .Dr. M. Rosenstein. Zweck der Gesellschaft ist. den jüdischen Touristcnreiscvcrkchr nach Palästina billig und z.wccKiuäßig zu organisieren. Außerdem wird sicli die neue Gesellschaft eine rationelle Behandlung der Wareutransporte nach Palästina und allen Ländern des Nahen Orients zur Aufgabe stellen. Der Palästina-Lloyd organisiert gegenwärtig für die nächsten Feiertage zwei Touristcnfalirteii nach Palästina. Eine palästinensische Kooperative kleinerer Grundbesitzer ist in Jerusalem am 20. Juli gegründet worden. Sie hat cs sich zur Aufgabe gemacht, eine möglichst große Anzahl von neuen Ansicdlungcn zu schaffen. Herr Soskin wurde zum Vorsitzenden gewählt. Eine kleine Gerberei ist in Haifa eröffnet worden. Sie will hauptsächlich palästinensische, syrische und transjordänische (läute bearbeiten und sic für die Vereinigten Staaten cxportferlig machen. Private Bodenkiiufc in Jerusalem. Für die Juden, die kürzlich nach Palästina kamen, hat sich Jerusalem als ein Anziehungspunkt erwiesen, wo man gerne ein kleines Stück Boden kauft, um die künftige Ucfaersicditing vorzubereiten. Bis vor kurzem fanden solche Käufe nur in Tel- Awiw statt, oder in Haifa, voraussichtlich dem wirtsehaftlichcn Zentrum Palästinas. Jerusalem hingegen, obgleich die Mehrheit seiner Bevölkerung jüdisch ist (von 60 000 Einwohnern sind 38 000 Juden), konnte bisher die Fremden, die nur eine bescheidene Investierung machen konnten, nicht fesseln. Der Umschwung ist seit 11cm letzten Pcssach eingetreten, als wohlhabende Kaulicutc aus Polen und anderen Ländern Boden im neuen jüdischen Viertel Rcchawia, nächst R ,11 i s b 0 n e, zu kaufen begannen. Siedlung von Karkur mit Hilfe des K. K. L. Der Keren Kajcmelh hat der Palcstine Corrcsponden.ee zufoigo mit der First London Aschusal» Company ein Abkommen geholfen, wonach er von dieser 2000 Dunam Boden aus ihrem Besitz in Kaikur (bei Haifa) übernimmt mit der Maßgabe, daß dadurch für das 1. a 11 d \v i r t s c h a f t s d e p a r - t e m e 111 der Zionistischen Exekutive in Palästina 120 Familien;!'!gesiedelt werden und daß er seihst die Kosten der Ameüora- »ion mitträgt. Die Besiedlung soll zu Beginn des nächsten I.andwirtscl1aftsjnl1rcs mit einer genügenden Minimalzahl von Kolonisten beginnen. - Die Londoner Gesellschaft hat bereits vor dem Kriege 9000 Dunam in Karkur für eine Kofoniegründung erworben. Aus verschiedenen Gründen mußten die Arbeiten aufgeschoben werden und die Mitglieder der Gesellschaft waren nicht imstande, sich auf ihrem Boden anziisicdein. Ein Teil von ihnen ist mit seinen Familien bcreits in Palästina und hat sich auf die Okkupation und Kultivierungsarbeiten vorbereitet. Durch das Arrangement mit den» K. K. L. soll die im Interesse einer gesunden Entwicklung der Kolonie gelegene Ausicdtung einer größeren Anzahl von Personen gesichert werden. Vergrößerung der Jemenitcnsledlunjfen. Die Leitung des Keren Kajcmcth ist mit dem Plan beschäftigt, durch Beisfelhing neuen Bodens den Ausbau der ländlichen Siedlungen jemenitischer Juden im Lande zu crm5gliehen. Als im Jahre 1901 die Einwanderung der Jemeniten begann, nahm sich ihrer der K. K. L. sogleich an, indem er den Einwanderern Boden »1ml bescheidene Häuschen ver* pachtete, Die einzelnen Bodenparzellen waren klein, weil man damit rechnen konnte, daß die Jemeniten bei den Kolonisten als Arbeiter Beschäftigung und Unterhalt finden werden. Anfangs waren die Jemeniten auch mit diesem Zustand zufrieden, Jetzt aber, da das Gefühl ihrer sozialen Gleichheit mit den anderen Juden sich gestärkt hat und ihre Familien gewachsen sind, leiden sic ’sehr unter dem Bodenmangcl. Besonders gilt dies von der Siedlung M a cli n e J c h »1 d a bei Petach Tikwah, wo jeder Jcmcnite über einen, ausnahmsweise zwei Dunam verfügt, was für einen städtischen Siedler, nicht aber für einen ländlichen genügt. Deshalb wird die K. K. L. - Leitung den Bodenbesitz jeder Jemenitenfamilie auf 15 Dunam vergrößern, um den Betrieb der Landwirtschaft auf eigenem Pachtboden zu ermöglichen.