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Jüdische Rundschau · 1924-08-01 · Heft 61 (1.8.1924) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 61 (1.8.1924)
Date
1924-08-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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TUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 61 Seile 442 vö! Id 1c h -d e 111 sch 11 at i o n a I cn ״I")c u t s eben Ze i tu 11 g" Ablcliming, Sie schreibt: ״t)icse Beispiele sprechen“ allerdings ,.Rand(•‘‘ und zeigen jedenfalls, daß ,,die Geheimnisse" des Vcndriiiselien ״Geistes‘‘ mir f ii 1׳ d c 11 i r r e 11 a r 1.1 \v i s s c 11 - s c 11 a : 11 i c 11 e T e i 1 n ,11!־ m c besitzen. Nur eines geht aucli uns an: Wie ist es imndieli, dal! ein großer und;1 n g e ־ scheue 1׳ V! r'.i wie < 1. Wester m min einen solchen AI u m p i t z in g 1 ä n / c n d e r Ausstattu n g herausgibt und ihm damit Taus ende von Lesern si• chcrt? Und nicht nur dies: im Juliheft 23 der Westennannselten Monatshefte hat Vemlri'i einen umfangreichen Aufsatz über die ״Germanen vor 20 00t) Jahren.• Entzifferung der FclsurkmxU 11 von Bohusl.iii•* veröffentlicht. (Nebenbei: inzwischen hat er 21)000 in 200000 verbessert!) ״Die Paradieskämpfe“ sollen nur ein Auszug aus seinem demnächst erscheinenden ״I inuptwerk“ sein. Fr redet ven Sachverständigenj «xpeditiaueii der beteiligten Regierungen, die seine Untersuclitmgon an Ort und Stelle wciterfiihren werden, und bringt Ioni Gutachten des I lernt P. Neugelvuter, Observator am Astronomischen Ifecheiiiiistitul Berlin-Dalilem, in dem das Alter eines der von ihm in Bohnslän angeblich gefundenen Sternbilder, des <irotien Baren, berechnet wird (sehr vorsichtig allerdings auf 20000000 100--־, also nur im Durchschnitt {׳ 000 0.־Jahre). Mari s'nlit, der Wahnsinn hat Methode und der Unfug wird ernsthaft; und sein Umsichgreifen zeigt die. gerade in gebildeten Kreisen vielfach herrschende Instinktlosigkcit. Um so schärfer trifft die Verantwortung jeden, der absichtlich (ater f;׳hrl.isGg derartige geistige Nahrungsmittellalschimg begunsligt. Nicht a!s ob eine Bewegung von der N a t 11 r g e \v a 11 der v ö I k i s c It e n d u r c h einzelne : N a r r c n 11 n d M 0 c 11 s t a p־l c r a!1 s i h r e tu W c g g c 1 c ״ k t werden könnte; aber wem sie heilig ist, dem ist es Pflicht, auch ihre Quellen rein zu erhalten." Offenbar befurchtet die ״Deutsche Zeitung“ eine Schmälern 1g der völkischen Bewegung durch dieses irrsinnige (oder mir als Ulk zu 1 betrachtende?) Buch. Am 18. Juli hielt Richard Kunze (Knüppel-Kunze) in I. a u e 11 b 11 r g eine 11 Vortrag, in dem er, wie üblich, auf die Juden schimpfte. Darauf fuhr er atu Sonnabend, den 19. Juli, nach dem Badeort Lehn, begleitet von dem uilkischeu Restaurateur J 11 11 11 k e und dessen Frau. Alle drei erfrischten sich in der Ostsee. Die Badehose des Jttlmkc war geschmückt mit einem g r o IS c 11 II a k c 11 k r c u z. Plötzlieh hörte man Hilferufe! Herr Kunze war mit seiner BeglciUmg in eine Untiefe geraten und alle wären Zweifellos ertrunken, wenn mellt rechtzeitig Hilfe zur Steile R gewesen wäre. Herr Juhnke nebst Frau wurden von dem »Bademeister horausgehoit. Den ständig ״Helft mir doch, helft mir doch!“ rufenden Herrn Kunze zog aber der jüdis ctic Badearzt l.ehns, Herr l)r, Pos 11 er, aus dem Wasser und hüllte ihn in sein Badetuch, da Herr Kunze in seiner Todesangst die Badehose verloren hatte und splitternackt ans Land gezogen wurde. Während Herr Juhnke und Frau sieh bei Herrn D r. P o s 11 e r bcdankten, erkundigte sieh Kunze nachttäglich, ob Herr Dr. Postier wirklich Jude sei — und verschwand dann ohne ein Wort des Dankes aus Lcba. Vor einigen Tagen besuchten Ussischkin, der sich auf der Durchreise in Berlin befand, und €11. N. Bialik, der aus Palästina zu kurzem Aufenthalt in Europa eingetroffen ist, das neue Heim der Z.V. f. D. in der Mcinckcstrafte 10. Sie gaben ihrer Freude über die schönen Räume!Ausdruck, in denen die zionistischen Zentralinstitutc Deutschlands imtcrgchradit sind. Die Mitteldeutsche Filmfabrik, A.-CL, Leipzig, und die Werk- und Werbefilm G. m. b. JL, Leipzig, beabsichtigen einen neuen grollen Palästina film hcrzustellen und haben die Vorarbeiten bereits beendet. Die Expedition verläßt bereits Ende Juli Deutschland, um sich über Triest-Alexandrien nach Palästina zu fbegeben. | Die Zentralstelle f fi r jüdische Jugcndbc- I'wcgung, 11e von Vertretern einer Anzahl von Jugendverbänden wahrend des 13. Z i o n i s t cn - K o 11 g r c s s es ins Leben gerufen worden ist, hat gemeinschaftlich mit dem Mcrkas des Welte 11 aluz-Vcrbandcs für den 2.-4. September 1924 nach Danzig eine all weltliche Konf e r e 11 z der jüdischen Jugendbewegung Unberufen und Ein- Ladungen an sämtliche in Betracht kommende Verbände versandl. Zum Ziele hat die Konferenz, die Schaffung eines;einheitlichen Verbandes der zionistischen J 11 g e ״ d, der fiir die Verbindung der sonst auscinandcrfallcndcn Gruppen!Sorge trägt und den Geist der (; h a 1 u z i u t h allenthalben stärkt. Die größten Verbände, wie Haschomcr-Haznir, Blauweiß, Tchclet-Lawan Zofim, haben ihre Teilnahme an der Konferenz bereits /.״gesagt. Der beriiehtigste Veranstalter von Judenpogromen ,in der Ukraine, der Attaman ,M a c 11 n o , befindet sich gegenjwärlig in Begleitung seiner Frau und eines Adjutanten in!Danzig und ist in großer Not, Durch einen Mittelsmann [erbat Machno von der Zentralstelle für jüdische!H i 1 f s i n s t i t u t i o 11 c n in D n n z i g Unterstützung zum Zwecke einer von ihm beabsichtigten Reise nach Paris. Der unverschämte Bittsteller wurde natürlich abgewiesen. ufVanUmcb ן In einer in Paris als Hcrzl-Gcdcnkfeier voranjstniteten Versammlung meldete sich auch Wladimir Jabo- Itinsky zu Wort. Bei seinem Erscheinen auf dem Podium (wurden viele mißbilligende Zurufe laut, die sich, als Jabo- Itinsky französisch zu sprechen begann, dermaßen steigerten, Idaß die Versammlung geschlossen werden mußte. ן Am 13. Juli starb in Paris im Alter von 61 Jahren der!Deputierte Edouard i g 11 a c c , einer der dreizehn jüdischen!Deputierten in der französischen Kammer. fSnglitnd I Am 27. Juli abends fand in London eine von der Föde- ' a t i o 11 der 11 k r a i 11 i s c 11 e 11 J 11 d e n veranstaltete Massenj.'crsmnmlmig statt, in der Oberrabbiner Dr. J. H. Hertz den Vorsitz fühlte. Er beklagte die Unkenntnis, die in England ihcr die Lage der Juden in der Ukraine besteht, Hierauf wurde ein Schreiben Viscount Cccils verlesen des Inhalts, daß die Leiden der Ukrainer Juden bei jedem Mitgefühl :rwecken müssen. Israel Zangwill, der wegen Krankheit ier Versammlung nicht beiwohnen konnte, schrieb: So viele!.linder verschließen unseren Flüchtlingen ihre Tore, so daß l׳e Frage ״wohin" jetzt die dringendste Frage ist. In 5er Versammlung hielten Dr. J o c 11 e 1111 a 11 n , Abg, Grün-!1:111111, Sokoiow und der englische Traiisportministcr larry Gosling Ansprachen. Im Jahre ISAM) lernte Herz.1 einen Engländer kennen, fer schon lange Jahre vorher di« Rückkehr der Juden nach 're/ Israel tätig verfochten hatte. William Grant, ein kinkier aus Edinburg, ist, wie er selbst sagt, durch |l,1s Lesen der Fibel, das er seit früher Jugend eifrig betrieb, Mi der Idee gekommen, daß die Juden Unbedingt in das Land ihrer Väter zurückkehren müssen und daß es Pflicht 811er Christen sei, den Juden zur Rückkehr nach Erez Israel 11׳ verhelfen, schon als Entgelt für die Leiden welche las jüdische Volk von den Völkern christlichen Glaubens ,11׳ erdulden hatten. Im fahre 1S92 legte Grant zuin erstenmal;■iner Versammlung von J11 d c n u n d C h r i s t e n in Edinburg, ite er einherufeu hatte, seine Idee vor; er fand wenig Gegenvr» h <*-י*(׳־. .־♦ <*r 4 M tt צ. /\fvp Rdrrtj H.ultnpr *Wlirv W 15 . M©ln«kMir*6© \0, T0!6|)V(On f iJumantk 7JC)—70 - Pottf •»nliflokitonf• No. 1200h H*»ri*n NVV 0or li. /״. V Dörnten(**, Ul. pünktlich Uhr Z. i V, "1!<ז©זי*י01י“ K. V, im Kflnoilcrh*tu», H«llpvn0*tn\fl• 8 TI1rod«r untor •Mitwirkung oritcr KüuitUr; «U* üo^onktwi• hült Dr. AUrod Kt«*. Frcltasr, 1׳ An^ust •b«n<1• öH Uhr * NyrsftKojro im ZioninUoh«« **©tm, Lnad*b«Tg»T ßtr. HM• Sünrwwbpftd. d*n */. Anu«*t raoipcti* ß*/4 Uhr SynaRtj-ja im H*lm. Landaborgnf Str. Diönsfa.f״, den t>. und 1>7 ״10! ,׳»08**זי׳ייגןס. •b»ß«l» fi)־׳{ Uhr im Rlpinf-rt Snal Op« 7״i׳>nUtUchon HoSm•«. Sir»!)« Frntr^n dnr Ktonf«?iinliim *— Or. Oltaim A’lcüorcft, Mifjfllad do« Finanz• und \Virf«€lm'(prAtc« nnd «Inr JWnkntiv© dar JUdi«oh0n Arboitor OrRanirnfinn ln 1’*10וח1זי\. Kictritt Mk. 1 Mittwoch, den d, Angu»t •bmd» Uhr )!»1 ו־זיות!ar»!r (T!U*rhdnlf im croüon g?״%l do« ZionUtUcIton Heim*, l.^udahergcr StmQa W Ocff^nUtrhr Vcr«<»t»mf1m» Thfntn»• «,'ZictiiMtlar■)!({ 1'nHtiK nttd Wlrl״rk*ftM. Ttcdnar: Jnncf Rjnin»tvk. «Ut 7d*rH‘di«cU*n ▼״ vmd d«r Ktnkntivrt z)f»r Arhclfcrcr״cnUaHon Sn Pat^״«Sna. Ur. Ohaim Mitglied Kinnntr« «nd Wirt«c^rvf»״r‘׳t6* und dar Kx6Vnt*v<» 0nr ATVAitcrnrpunUnUon Sn rMü»tlna AHraham UawImmHn, Mitglied dos ZmniatiKchnn AVtio״«kom«tr«B ״. AhqaordDCter dr» polni*ch»n Sejm. Kroio Ann^prarlm. jri.jlNPh - ,Vatlonala FrawrnTer«lnSj?11n* Donn6rBtocr, den ל. Angnit lBmnUti»0110 Krrtchunffianrtrv'r *r\r ׳•«S-H•? *urückgabliaban« Klnflor ן!««!»♦« mark! Abfahrt 1.^י PoUdnmar Bahnhoi, Wildpark nm«t*i*«n nach Haaliti Stadt nonnrr•*6(*. d״n ‘21 An«׳n«H nachn'. PS Uhr V©r6in Freund« der Tanb*h1mm6n •fclida TIm’m, VVpl8rn«aa, rarkttr. ,Ai Linien 62. 162. 60, 61, Treffpunkt in dor AnitaH. nachm. 6 Uhr •TQdtNch•! Danorliaim ihr Pdhwaoh«lnntfl׳a. Waifrn■«#, Wdrthafcr.26, Donnoratofi׳. don 4. Santorobo״ Aneu«t*tr. 15/17. 1 Kinderheim Ahnw*. — % KSndftf*T»M*nn<*. — S. Müdftbanhalm Abaw«. — 4. Aßndaa Kindar^artan. — ft. da* JttdUnhaa Arbeit»• amt«». — 6. SftueHntrrhaim naw. Jod.a MoiO.k »b.nd« %Vt Uhr Srnp&a N'ard »מו Oarten dor Branarol Pfaflorl>«r1r, Scbftnhan»©r Alt«•# ItaUBmmrnarf« J0<1 MI Mittwoch •b.n׳)» t»Vj Uhr f»n*nr* 0«t in dor nranarai Frle ,WchoHam. k m Frio lr'chihaln 16/23. »1״»ח6והויי*»י«ת firnpp• Wr«t#Cl)»rlet!aaber» Jeden Mittwoch abend• Uhr Kroii der CUnrlcttanbnoffor Zionist•!!, Zt1<*rtmanarfn• Konditorei Toarhendorf, FchHUor*tn**•©, Keko Kantetra»••״ Jeden Montag abend• 9p( Uhr Krofe der 7,|nn?*tan d«״ We»t«n», /מז״יייסמיוווייס» Konditorei Kann. NoFondorfidMr. Jodon Dienttagabend ו Uhr Üitjiid. KCadettlenreratn. FrledricHMr. 116 Mrinmar für jüdircha Üpnobicht• liebe, ließ sich aber dadurch in seiner Propaganda für die Idee nicht behindern, sondern predigte in Kirchen und Synagogcu des Insclreichcs unentwegt die Schaffu!1g .,einer jüdischen Heimstätte in PaJästina. Damals erfuhr er' auch von der Existenz eines Chowewc-Zion-Vcrcins in London, mit dem er in Verbindung trat; schon damals verfocht er den Standpunkt, daß England allein berufen sei, das Protektorat über Palästina zu über ne 11־ men und so die Schaffung der jüdischen Heimstätte zu beschleunigen. Nach dem Auf treten llcrzls schloß er sicli sofort der po'ilisch-z.ionistischcn Bewegung an, in der er die einzige Möglichkeit zur Lösung der Judenfvagc sah. Bis heute ist William Graut zionistisch tätig. Im Jahre 1922 hat er seine sämtlichen Geschäfte und Unterncimmiigeii in Ldinhurg und Liverpool liquidiert, tun seine letzten Lebensjahre gänzlich der zionistischen Sache zu wkirnen. ,Seit zwei Jahren bereist Mr. Grant die verschiedensten Ortschaften und Länder (so Australien und Kalifornien), um nicht nur unter Juden sondern auch unter Nichtjuden den Zionismus ztt propagieren. Grant war auch in Palästina, wo ihn, wie er selbst in einem Interview mitieüt, die Leistungen der jüdischen Kolonisten zur Ucbcr- Zeugung brachten, daß die Juden berechtigt seien, von der nielitjüdischeu Mitwelt vollste Unterstützung ihre« palästiiiensischcii Aufbauwerkes zu verlangen. Gegenwärtig befinden sich Grant in New-York; dort hat er sich der Keren- Hajessod-Zcntralc zur Verfügung gestellt und nimmt an der gegenwärtig im Gange befindlichen Keren Hajcssod- Aktion regen Anteil, polen Das vom polnischen Palästina-Amt herausgegebene Nachrichtenblalt teilt mit, daß in diesem Zeitpunkt 920 Chaluzim und qualifizierte Arbeiter auf Einreisc/crlifik.itc für Palästina warten. Außerdem haben sich fiir die nächsten Zcrti* fikate 215 Weber, 250 Chaluz.otli und 1200 Angehörige anderer B e r 11 f s k 1 a s 8 c n vermerken lassen. Die Wilnncr l lerhaluz-Konfercnz, sowie das Zentralkomitee _ des Hechaluz in Polen haben sich telegraphisch an die zionistische Exekutive sowie au die Arbeiterorganisation in Palästina gewendet und um die Uchcrsenclting von mindestens 500 Zcrtifika'en g beien. D r H.'c'ialuz in Polen umfaßt 150 Orpnisatiorien mit •100:) Mitglieder«. Nunmehr wurde dieser Tage an die A.-C.-Tagung in London ein Telegramm _ gesendet, in welchem darauf hiiigewicsen wird, daß 920 (pialifizierle reisefertige Chaluzim auf die Einreiseerlaubnis warten. Das Aktions- Comite wird aufgefordert, bei der Palästiuaregicrung die Ausgabe von 1000 Einreisevisen für polnische Chaluzim zu erwirken. Unterschrieben ist das Telegramm vom zentralen Palästina-Amt in Polen, den Zentralkomitees der Zionistischen Organisation, des Misrachi, der Zdrc-Zion, der Hitaclidut, der Poule-Zioii und des llecluikiz. Nach laugen Bemühungen ist cs gelungen, die Keren I i a j c s s o d - A r b c i t in Ost g a I i z i e 11 zu legalisieren, indem sieh die Regierungsbehörden endlich dazu verstanden haben, einen Verein unter dem Namen ״G c s c 11 s c 11 a f t f ii r Pa 1 ii s t i n a - A u f b a u“ zu genehmigen'. In der Gene- ™!Versammlung wurden sämtliche Mitglieder, der früheren Keren Hajessod-Zcntralc in den Vorstand gewählt. Eine Gruppe jüdischer luge n i c 11 re in Lemberg organisiert eine Studienreise nach Palästina, an welcher sich 50 jüdische Ingenieure aus ganz Galizien beteiligen werden. Die Gesellschaft tritt Anfang September die Reise an. Viele reiche Jude״ aus Drohobycz, Bo ry s I a_w und anderen Städten des Petrolauirigehietcs von Ostgalizicu sind bereit, ihre Geschäfte und ücsiDungcn zu litntHiercn, um sich, wie die P.d'stiuc Zionist Executive berie'W, in Palästina meder/nhss u. Es handelt sich da um Fabrikanten, Grundbesitzer und Kmiflcute, .welche, bevor sic endgültig nach Palästina .mwamlern, zunächst die Möglichkeiten für Knpitalsinvcsticrung im Lande selbst genau studieren möchten. So haben sie sich zu einer Gruppe zusammen geschlossen, die, voraussichtlich 75 l’crs o neu, noch diesen Herbst Palästina bereisen wollen. Diese Gruppe wird in Palästina besonderes Interesse erwecken, weil sich in ihr Männer von großer Initiative und Kapitalskraft befinden, die nicht nur ihr eigenes Kapital im Lande investieren, sondern dadurch auch anderen ein Beispiel gehen werden. Unter der Textilarbciterschaft der polnischen Industriestadt Lodz, die sich zum g r ö ß t c 11 T c i I aus Juden zu• sammensetzt, herrscht Arbeitslosigkeit und Not. Von den 56 0<X> Textilarbeitern in Lodz sind über 33 000 seit längerer Zeit arbeitslos. Die meisten der Arbeitslohn! haben bereits das Letzte verkauft, um den Kindern Brot /.u beschaffen. Das am 31. Juli in Kraft tretende Gesetz betreffend die Ucberlrngimg des Tnbakmonopols an die Regierung weckt unter den jüdischen T a b a k a r b c i t c r 11 große Befürchtungen. Man glaubt, die Regierung werde nach Uebcrnahme. der Regie Tausende von Juden aus den Tabnkfnbriken entlassen, Das in Lemberg erscheinende jiddische ״T o g b 1 a 11", sowie die gleichfalls in Lemberg erscheinende Zeitung ״Volk und!.and“ wenden sicli in zwei scharfen Artikeln gegen den Klcrikalismus der agudistischen Kreise. Die Aufrufe der orthodoxen Rabbiner werden vom ״Togblatt“ als schwere Störungen der Toleranz, und Angriffe auf die persönliche Freiheit bezeichnet, die zurückgewiesen werden müssen. Das ״Togblatt“ ist die verbreitetste jüdische Zeitung Ostgnli/iens. ״Volk und Land“ übersclireibt seinen Abwchrartikcl gegen die Agudisten mit ״Die schwarze Gefahr" und verlangt eine intensive Aufklärungsarbeit unter den breiten Massen der jüdischen Bevölkerung, um sic vor der militanten Orthodoxie zu schützen. In Uhnow (Ostgalizicu) hat der dortige ag.ud i s t i s c 11 e Rabbiner in den Synagogen einen Che rem verlesen lassen, wonach sämtlichen Ocmciiidcmitglicdcrn verboten wird, ״jüdische und hebräische Bücher zu lesen und der Zionistischen Organisation a n z u g e 11 ö r e 11". Als die in der Synagoge versammelte Jugend die Verlesung dieses schmachvollen Dokumentes nicht zulassen wollte, hat der Rabbiner bei der Polizei den dort bestehenden zionistischen Verein als einen kommunistischen denunziert. Die Polizei hat hierauf iin Vercinslokal eine strenge Hausdtirch- Stichling vorgenommen. Dieses Vorgehen des Rabbiners hat im Städtchen große Erregung hervorgerufen. RuavUnd In Riga sind zuverlässige Mitteilungen cingelangt, daß die Sowjetrogieruug in Rußland und in der Ukraine in letzter Zeit, abgesehen von den bereits gemeldeten Ausschluß von über 30030 jüdischen Studenten aus den Hochschulen, auch im Staatsdienst mit der Entfernung j it d i s c he r Beamten begonnen hat. Am I. August sollen bereits einige tausend jüdischer Beamten aus dem Staatsdienste entlassen werden. Der Rigaer j, T. A.-Vertreter erfährt aus zuverlässiger Quelle: Auf einem Dampfer, der auf der Strecke zwischen M a k a s c h i n und א o w g 0 r o d - S i e w 1• r s k verkehrt, überfiel eine Bande, die offenbar schon früher zu diesem Zwecke den Dampfer bestiegen hatte, die jüdischen Passagiere, tötete mehrere von ihnen in grauenvoller Weise und warf die Leichen in den Strom. Es spielten sich nicht wicderzugebcmle Szenen ab. Die niclitjüdischeu Passagiere wurden von den Banditen unbehelligt gelassen. Bisher wurden 15 Leichen aus dem Strom gezogen. Die Sowjet-Presse, auch die jüdische, hat bis jetzt über den Fall nicht berichtet. Unter den neuen Mitgliedern, die in die Verwaltung der Sowjet-Staatsbank zu Moskau berufen worden sind, befinden sich einige Juden. Es sind dies die Herren Arbus, Blum und Lev in. Arbus war früher Mitglied des Finanzkommissariafs und bis vor kurzem Direktor der russischpersischen Bank in Teheran. Blum war Direktor der Finanzabtcilnng des Obersten Wirtschaftsrates und Lcvin war allgemeiner Repräsentant der russischen Staatsbank im Auslande. Ein viertes neues Mitglied der Administration ist 'Prof, Manilow, der während der Kerenskiregicrung Unterrichtsminister war. In Moskau wurde dieser Tage die allrussische Konferenz des legalen (kommunistischen) Verbandes ״Hechaluz“ eröffnet. Laut einer soeben aus der Ukraine cingctroffenen" Meldung hat das Volk s k o m m i s s a ri a t für!.and- Wirtschaft der ukrainischen Sowjctrepnbhk beschlossen, mit der Verteilung des Bodens an Juden in der Ukraine, die sieh der Landwirtschaft widmen wollen, zu beginnen. Es handelt sich um den Boden des Kolonisationsfonds in dem Rayon d;r bisherigen jüdischen Kolonien. Das Rayon- Komitee der koniinnnisUschen Partei in der Krim hat bcschlossen: 1. im Prinzip der Ansiedlung von Juden auf dem freien Boden der Sowjetrepublik Krim nicht entgegenzu wirke 111 2. gemeinsam mit den Vertretern des Sicdlungskomitecs den Umfang des den neuen Ansiedlern zu übergebenden Bodens fcstrustcllcn. Auch das Sekretariat der kommunistischen Partei im Odessa-Gouvernement beschloß, den Ucbcrgang der jüdischen Massen za landwirtschaftlicher Tätigkeit zu erleichtern, sowie den Kreiskoniitees Direktiven zu erteilen, diese Frage mit der größten Aufmerksamkeit zu behandeln. Diese Beschlüsse waren dadurch notwendig geworden, weil in vielen Orten die Rätekomitccs svstem a t i s c 11 die L a 11 d a 11 s p r ü c h c der jüdischen *Bevölkerung ignoriert haben. Es kamen sogar!'alle vor, daß man jüdischen Gruppen den schon in Bearheitung genommenen Boden wieder entreißen wollte, indem man sieh auf ein früheres Dekret bezog, daß bei der Bodenverteilung diejenigen bevorzugt werden, (Ile sicli schon .bisher mit Landwirtschaft beschäftigt haben. Die Moskauer Zeitung ״Eines" fordert eine Zentralisierung der ganzen Angelegenheit und die Einsetzung eines speziellen Komitecs beim Exekutivkomitee der Sowjets, in weichem alle an der Angelegenheit interessierten Republiken sowie auch Juden vertreten sein sollen. Tmerih» Wir haben vor einiger Zeit gemeldet, daß auf der Insel K u b a einige tausend jüdische Emigranten, die dahin in der Hoffnung gekommen waren, von dort in die Vereinigten Staaten gelangen zu können, stecken geblieben sind. Nunmehr hat das Washingtoner Staatsdepartement für Einwanderung erklärt, daß die Insel Kuba nicht als ,.Nachbarland" der Vereinigten Staaten zu betrachten sei. Die Folge ist, daß man bereits Hach einjährigem Aufenthalte auf der Insel ein Einreisevisum in die Vereinigten Staaten erlangen kann, während die Karenzfrist für Nachbarstaaten zwei Jahre beträgt. Eine Konferenz der jüdischen Arbeiterverbände in den Vereinigten Staaten beschloß namens der von ihnen vertreteneu 300 000 Arbeiter bei der bevorstehenden Präsidentenwähl den fortschrittlichen Kandidaten LafolMlp zu unterstützen, da der bisherige Präsident Co 01 tu ge lür die Einwaiiderungsbrschränkinigei!, von dcnei; bc-ondcrs die Juden betroffen werden, verantwortlich sei.

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