Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 53 (4.7.1924)
- Date
- 1924-07-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 53 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seife 381 selten (Irtippen. Es geht aus den amerikanischen Vor• schlügen überhaupt nicht hervor, welche Verpflichtungen die in der Agency vertretenen nichtzionistischen Gntpircti auf sich nehmen, welche Aequivalcnte sie bieten sollen. Was wir, die Zionisten, in die Agency hincintragcn, ist ungeheuer viel. Nicht nur die Vergangenheit, das Prestige, die Erfahrungen und die Schlagkraft einer in dreißig Jahren mühseligster Arbeit aufgebauten Weltorganisation, nicht mir die jvotitischc Mi'gift der volkcireehtlichcii Anerkennung und unsere gegenwärtige Siel• lung als Agency, sondern auch finanziell eine Reihe von macht* vollen Institutionen, allen voran den Kcreti-1 lajessod. Was gelten hierfür die Andern? Man wird zu,gehen, daß dies eine entscheidende Frage ist, auf die bisher immer mit 1 foffntmgcit, Aussichten, aber noch nicht mit Konkretem geantwortet worden ist. Es ist die Rede von einer Investment Corporation der Marshallgruppc. Ich frage: wird diese Institution der Agency unterstellt werden? und welche finanzielle Bedeutung wird sic überhaupt haben, welche Mittel will man itt diesem lnslittit investieren? Man sagt uns, daß die Nichtzionisten im Falle ihrer Einbeziehung in die Agency sich am K.-H. he- (eiligen werden. Ich hin durchaus bereit zu glauben, daß sic tatsächlich an den Sammlungen des K.-M. Anteil nehmen werden, wahrscheinlich mit erheblichen Beiträgen. Alter die ■er Glaube allein kann doch keine genügende Baus der Vorhand• Itingn! und des Abschlusses bilden. Was wir geben, ist präzis und konkret umschrieben. Die lloflnung auf die Beteiligung der andern am K.-ll. ist eine gute und berechtigte Aussicht, aber doch nicht mehr. Man darf vielleicht das Ergebnis der diesjährigen K.-M.-Arbeit in Amerika als Illustration heranziehen. Es war dies eine Aktion, die mit der vollen rnoralisclicn und faktischen Unterstützung der Marshall-Krcisc geführt wurde. Louis Marshall selbst hat in verschiedenen K.-U.-Veranstaltungen gesprochen. Der Leiter der drives des ״Joint“, David Brown, hat sehr aktiv und energisch sich ,111 der Aktion beteiligt, und Weizmann selbst hat In Monaten mühevollster und anstrengendster Arbeit die ganze Aktion mitgemacht. Das Ergebnis war gegenüber dem vorigen Jahre in dem von einer Beteiligung dieser Kreise keine Rede war, eine Steigerung von 20 0׳״, das ist bei einem normalen Ent- Wicklung des K.-H. in Amerika, in dem der Apparat des K.'-Ii. ja noch immer nicht ganz ausgebaut ist, ein befriedigender, natürlicher Fortschritt. AI er er ist nicht ungewöhnlich. Und man könnte annchmcn, daß cs unsern Kräften al'ctn gelungen wäre, von einem Jahr zum andern eine solche Steigerung zu erzielen, vor allem, wenn man die ungeheure Arbeit Weizmanns mit in Rechnung stellt. Ich führe dieses Beispiel nicht an, um irgendwie der Marshall-Oruppe Vorwürfe zu machen, und ich begreife, daß sic nach einer solchen Einbeziehung in die Agency sich wahrscheinlich noch viel aktiver beteiligen wird. Aber als Illustration dafür, daß man diese Aussichten nicht als absolut sicher betrachten darf, vor allem nicht in der Ueber- Schätzung, mit der wir sie zu bewerten geneigt sind, ist dieser Fall doch sehr lehrreich. Mir scheint also, daß die Frage der Gegenleistungen der andern auch noch einer Klärung dringend bedarf. Wenn man von uns so gut wie alles verlangt — und ich wüßte nicht, was nach einer Annahme der amerikanischen Vorschläge der Zionismus den andern überhaupt noch zu bieten hätte — muß doch von der andern Seite etwas wenigstens klar, präzis und konkret angeboten werden. Es ist richtig, wenn man von uns fordert, mit Vertrauen in dieses lifüc Bündnis hiiiciiiziigchen; ich glaube auch durchaus an den guten Willen und an die besten Absichten, wenigstens der amcrikanischcn Marshall-Oruppe. Aber cs handelt sich schließlich um politische und wirtschaftlich-finanzielle Angelegenheiten, in denen man nicht nur das Recht, sondern die Pflicht hat, bei bestem gegenseitigem Vertrauen und beim besten Willen zur Zusammenarbeit eine klare Vorstellung von dem zu haben, was die einzelnen Parteien in die Cooperation hincinbringcn. Und schließlich handelt es sich ja nicht mir um die amerikanische Marshall-Oruppe. Auch die englischen Juden und verschicdcne niehtzionistische Gruppen anderer Länder werden einbezogen werden müssen, wenn die Agency definitiv gebildet werden soll. Und cs wäre deswegen unbedingt erforderlich, mit dem Prinzip, daß so und so oft vom Kongreß und vom A.-C, proklamiert wurde, daß der Eintritt in die Agency bcstimmte Verpflichtungen zur effektiven Mitwirkung an der Finanzierung des Palästina-Werkes vornussdzt, Ernst zu machen und von allen Gruppen, die einbezogen werden, zu verlangen, bestimmte konkrete Leistungen auf sich zu nehmen. ncml, geistig nachdrücklich und gemein bis zur Niedertracht vermag diese Sprache sich als dichterisches Werkzeug zu zeigen, weil in ihr der Jude sieben Jahrhunderte Leben und Seele niedergeschrieben hat. Und aus welcher fülle, bei der Begabung des Mittclmcer-Mcnscbcn, der der Jude ist und bleibt, für Schauspielkunst, f'oß die Natürlichkeit, Echtheit und Kraft aller. Es lag nicht an Erl. H a 11 m, wenn ihr Uiwhclc nur kindlich rührend blieb — man hat gelesen, da» der Dichter nichts für sie getan hat. Aber der Frau Sure von Frau B a u in und Herrn Ben-Jacobs Schkiimc muß mit Dank gedacht werden, die Damen Scidcrmann, Schocps und Mose 11kowitsch vcrhalfcn dem zweiten Akt zu erschütternd dichter Atmosphäre, und TYI. Per ef man 11s Mauke gab dieser Dirne soviel verführerische Kraft, dal! von hier aus das Schicksal Riwkclcs verständlich war. Ueberhaupt konnte mau ruhig sich der Aufführung der Wilnaer erinnern, ohne den heutigen Schauspielern Unrecht zu tun; nur bei Reb Eli durfte man nicht an Nachbuscli denken. Und so enden wir beim Urelement, der l.chcnssprache. Jüngst, im hebräischen Palästina-Theater, die interessierte und erlesene Sensation auf russischer Basis. Hier: das herbe Eiement jüdischer Seelen. Und die Folgeruiigen für den Rangstreit der Sprachen des Juden? Heute führt das Jldisch. Aber es habe erst das Hebräisch die Zeit, in voller Breite und. Tiefe jüdisches Lehen zu fragen, cs lasse erst die Qualen und Wonnen kämpfender Generationen in seinen Sprachlauten zum Ausdruck kommen, cs füge erst zu seiner geistigen Qualität die volle Naturwüchsigkeit einer neuen jüdischen Gass׳ — und dann glaube man, daß wir nicht Propheten zu sein brauchen, um voraiiszusagcn, daß Hebräisch als Dichter- Sprache um ein volles Mciiselienmaß über das Jidisch hinaussvachsen muß, nämlich um das Maß des Heroischen und seines Pathos, das in der Sprache schläft und in der Seele des neuen Juden noch träumt Wenn dann ein Kerl und Künstler, wie Granach heute, als Muttersprache hebräisch spricht, wollen wir noch einmal Sprachen aneinander messen. Diesmal aber danken wir ihm, wie er ist, dem Jidisch und Schalom Asch ein Erlebnis, das seinesgleichen im vergangenen Winter Berlins nicht hatte, und nirgendwo sonst in Deutschland. Arnold Zweig. Ich habe Im Vorstehenden versucht, die wichtigsten Punkte der F'rage •klarzulrgcn. Viele der wichtigsten Momente sind noch durchaus ungeklärt, und eine definitive Stellungnahme• ist unmöglich, bevor nicht die wichtigsten Einzelheiten prävisiert sind. Ich tiegreife durchaus alle Motive, die für eine Erweiterung der Agency sprechen, begreife sie ■doppelt und dreifach, seitdem ich in Palästina war und die Größe des bisher Geleisteten, noch stärker aber die unbedingte Notwendigkeit einer mißeroideutlichen Be;dilctmignng des Tempos und einer Vergrößerung der Dimensionen der Aufbauarbeit erlebt habe. Aber es wäre falsch, sich nur von diesen Motiven allein leiten zu lassen und alle die großen Bedenken nicht sehen zu wollen, die mit dieser Erweiterung verknüpft sind. En wäre möglich gewesen, viele dieser Bedenken zunächst zurück• /»stellen, wenn man den Weg, den das A.-C. bisher in Aus• sicht genommen hatte, weiter gegangen wäre, den Weg der langsamen, allmählichen Aufbaus der Agency. Man schlag( uns heute einen andern Weg vor, einen schnellen, abrupten, plötzlichen. Man verlangt von uns, daß wir ohne vorherige Erfahrungen und ohne allmähliche gcgcnsciti »c Anpassung in dieses definitive Bündnis mit den andern luneingchen. Vielleicht ist dieser Weg unvermeidlich;!11:111 kann es vor der Kenntnis der einzelnen Umstände, die die Sitzung der. A.-C, geben wird, nicht beurteilen; aber so viel ist schon heute klar, daß jeder Zionist wissen muß, wie ungeheuer folgenschwer dieser Weg ist. Es gibt kein Zurück auf dieser Bahn, wenn einmal die Agency in ihrer neuen Form definitiv konstituiert sein wird. Der Charakter und das Wesen dessen, •was bisher Zionistische Organisation war, wird damit ein ׳für allemal geändert. Der größte Teil unserer Aufgaben und Kompetenzen geht sofort an diese neue Instanz über, von der wir noch nicht wissen, wie sic arbeiten wird. Ich glaube, daß es das Mindeste ist, was man in dieser sehr schwierigen, ungeheuer verantwortungsvollen Situation von einem jeden Zionisten fordem muß, daß er sich der Folgenschwere und Verantwortung des Entschlusses bewußt bleibt. Der Wille zum jüdischen Palästina zwingt uns, die Grenze zu erweitern und den neuen Weg einer Zusammenarbeit mit den Nicht/.ionistcn zu gehen. Aber eben dieser Wille zu einem wirklich jüdischen Palästina in unserm Sinne, der Wille zur Verwirklichung der Ideale, die den Sinn des Zionismus ausmnehen, zwingt uns auch, wenigstens die ersten Schritte auf diesem Wege nicht übereilt zu tun, sondern die Sachlage und die gegebene Situation nach all ihren Seiten mit der ganzen Gründlichkeit und Vorsicht zu prüfen, die aus dem Bewußtsein entspringt, daß auch nach aller Erweiterung wir schließlich die Träger des Palästina- Gedankens bleiben und die letzte Verantwortung für das, was Palästina wird, auf uns ruhen bleibt. Ussischkin in Berlin Montag, den 30. Juni, traf M. M. Ussischkin aus Prag in Berlin ein. Aut dem Bahnhof hatten sich führende Persönlichkeiten des deutschen Zionismus nebst einer Reihe persönlicher Freunde Ussischkins aus Rußland und Palästina diigcfuiiden. Herr Ussischkin reiste am 1. Juli nach Kowno weiter. Seine eigentliche Tätigkeit in Deutschland beabsichtigt er erst nach seiner Rückkehr aus Litauen' und Lettland, etwa am 15. Juli, aiifzuuclimcu. Von Berlin wird sich Ussischkin nach London zur Sitzung des Aktionskomitees bcgeben. Auf der Rückreise wird er Holland besuchen tird dann nach Karlsbad reisen, um an der Tagung der Jüdischen Welthilfskonferenz tcilzunchmcn. Ein tragischer Fall Selbstmord eines Chahtz in Wien. Die Wiener jiddische ״M o r g c 11 p o s t“ berichtet in ihrer letzten Nummer: Der 22 jährige Chahiz Moses Bern zweig aus Lodz hat in einem Anfälle seelischer Depression Selbstmord begangen. Er stürzte sich in die Donau. In einem!unterlassenen Briete an seine Chawerim bezeichnet als Motiv für seinen Selbstmord die Absicht, die Aufmerksamkeit der Oeffen flieh keit auf die in Wien bcf i nd! i c 11 c n C11 a 111 z i m zu lenken und deren Abreise nach Ercz-Isrncl zu beschleunigen. (Wir werden nach Eintreffen näherer Nachrichten auf diesen Fall zuriiekkommen. — Red.) Arabisch• Jüdische Freundschaft Zum Zeichen der Freundschaft zwischen den eingesessenen Bewohnern der Ebene von Esdralon, dem Beduinenstamme B n c S a k a r, und den neuen jüdischen Siedlern, die wahrend der letzten drei Jahre nach den! Emek gekommen sind, fand Mitte Juni in T c I J o s c p 11 ein Empfang statt, an dem außer den Arabern und den jüdischen Kok nisten Colonel Kisch, M. Kalvarisky 11ml andere offizielle Vertreter der zionistischen Exekutive tcilnahmcn. Nach Bewirtung der arabischen Gäste wurden die Festtcilnchmcr zur Erinnerung an die stattgefundene Verbrüderung photographiert. Colonel Kisch besuchte hierauf die zionistischen Siedlungen im Emek. Das Programm der palästinensischen Bauernpartei ■Die Pal. '1 el.-Agentur ist in! Besitze des Programm* der ״ r a 1! i s c 11 e n Bauernpartei, die kürzlich in i leb.-on gebildet worden ist. Es lautet folgcmlornrtUen: 1. Die Partei sammelt die B a 11 e r u k I a s s e Palästinas ohne Unter schied der Rasse. Mit Genehmigung des Zentralkomitccs dürieu ihr auch Eimuulente uml Stadtbewohner beitreten, insofern sie der Partei nützen können. 2. Dü: Ziele der Partei sind: a) Schutz den lokalen Produkten, Herabsetzung der Steuern und Verbesserung des landwirtschädlichen Systems; b) Fortschritt in der landwirtschaftlicher.׳ Erziehung. Die Partei soll dafür sorgen, daß Kinder von Bauern nach Europa geschickt werden, um dort die Landwirtschaft auf wissenschaftlicher G r u 11 ding e zu studieren; c) Entwurf einer Verfassung, die sich mit den Wünschen des gesamten palästinensischen Volkes deckt. 3. Die Partei wird mit nmlcren arabischen Parteien als unabhängige Gruppe initarbeitcn, warn dies im Interesse des Volkes not wendig erscheint, 4. Um die oben erwähnten Ziele zu erreichen, will die Partei;sich auf folgendes knu/cutricrcn: u) Einführung neuer Me 1110 d cif der I. a 11 d k 1111 i v i e r 1111;;; 11) Einrichtung von Kooperativen zum Verkauf der Produkte und Einkauf landwirtsehaftlichcr Maschinen für kollektiven Gebrauch; cj! Organl• sation landwirtschaftlicher Ausstellungen; d) Appell an di!: Regierung wegen Abschatfunf!■ oder Erleichterung den ״Zehnten"; gerechte Verteilung der Steuern aut alle Klassen der Bevölkerung; Schutz der heimischen Produkt; durch Erhöhung der Einfuhrzölle auf fremde Pro dukte. Eröffnung einer Landwirtscliaftshank, Eröffnung einer landwirtschaftlichen Schule und Entsendung der begabtesten Schüler nach Europa zur Vervollkommnung ihrer Studien. Die Anstellung von Experten in der Landwirt* Schaft, um die neuen Kultivicniiig.smcthodeii cin/uführcn u. a, in. 5. Die Ziele der Partei sind hauptsächlich wirt* sehaftlichcr Natur. Di jedoch die politische Lage, d. h. ’die öffentliche Ordnung, der Friede und die Sicherheit im Lande abhängig ist von der wirtschaftlichen Lage, erklärt die Partei, daß es ihr ernster Wunsch sei, a) mit allen Bewohnern des Landes in Frieden zu leben; 11) Das Mandat G r u ß B r i t a u tt i c n s auzuerken- 11 eit; c) mit der Regierung übereinztikommen, daß eine A 11 fbn 11 p o I i t i k pemacht werden soll; d) es soll sofort eine gesetzgebende Körperschaft aus Vertretern aller Linwahner cinbcrufcn werden, wie flies schon einmal von der Regierung vorgcschlngcn worden war. Das Programm Ist von siebzehn Scheichs und Führern der Dörfer des Hebron- Distriktes unterzeichnet worden. Die Unterrichtssprache in den Jüdischen Schalen der Türkei Konstantinopcl. (J.T. A) Ausländische Zeitungen (in Deutschland das W. 7. B. — Red; haben gemeldet, daß der Kultusminister eine Verordnung erlassen habe, dal! mit Beginn fies neuen Schuljahres Hebräisch oder Türkiscli an Stelle der ln.lnrigen französischen Sprache eingeführt werden soll. Wie der Vertreter der J. T. A. erlährt, halicii bisher weder das Groll-Rabbin.it noch die betreffenden Sdiiilbcliöitlen eine oHi/ieüe Mitteilung hierüber erhalten. Der Leiter der G o 1 fl s c 11 m I d - Schule, Herr Kanal, gab die folgende Aufklärung über die Angelegenheit: Als ich f f i i in y IS c ץ den Stndicnplan meiner Schule pflichtgemäß überreichte, tragte er mich, warum so viele Stunden dem Studium der französischen Sprache gewidmet seien. Nach dein Lamanncr Vcrlr-sagte er, hatten die nichtmohammcdänischen Schulen das Recht, den Unterricht in ihrer eigenen nationalen Sprache zu erteilen. Er gab seinem Erstaunen Ausdruck, daß in jüdischen Schulen das Französische vorherrsche und riet, Spaniolisch a's Unterriehtssprnehe cinzuführen und dem Französischen etwa gleichen Rang wie dem Englischen und Deutschen einzuräumen. Ich verneinte, daß Spaniolisch die Sprache der Juden sei und sagte, flies sei Hebräisch. Darauf riet er, llcbräisch als Unterrichtssprache cinzuführen und wenn die* derzeit nicht angehc, so Türkise h. Ich wies darauf hin, daß die jüdischen Schulen auf der Grundlage der französischen Sprache gegründet waren und daß unter einer so radikalen Aenderung der Unterricht ungeheuer leiden würde. Hilmy Bey erwiderte, daß er die Angelegenheit dem Unterrichtsminister in Angora unterbreiten werde. Aus Angora ist noch keine Nachricht ciiigctroffen. Sollte die Ansicht des Ministers in Angora mit der Hilmy Bey* übercinsiimmen, so wird die bisher gepflegte französische Sprache der hebräischen, h/.w, der türkischen weichen müssen. Das Französische wird daun als Fremdsprache figurieren. Eine Warnung der bulgarischen Regierung Sofia. (J. T. A.) Die Regierung erläßt eine offizielle Verwarnung au diejenigen Kreise, die zuletzt wieder Er* Pressungen und Terrorakte gegen Juden begangen haben. Es wird erklärt, daß die Juden aus dem Lande gehen würden, wie dies schon vielfach geschehen sei. Dadurch aber leiden der bulgarische Handel und Kredit iin Ausland. Der ״Eulgaremyr“ berichtet, daß eine Anzahl wohl* habender Juden ermordet au (gefunden wurden, ohne daß bisher irgend eine Spur von den Mördern aufzufinden wäre. Nach der Meinung der Zeitung sind die Morde von Agenten des mazedonischen revolutionären Komitees ausgeführt worden, die bereits vor einiger Zeit Erpressorbriefe an verschiedene prominente Juden sandten un4 ihnen mit Morel drohten, wenn sic nicht größere Summen für die revolutionäre Arbeit des Komitees in Mazedonien zur Verfügung stellten. Die bulgarische Regierung hat angekündigt, daß sic alle Anstrengungen machen wird, um der Mörder habhaft zu werden. Ein Einwanderung«! * IU!ach6 der palästinensischen Regierung in Warschau Es wird offiziell bekannt gegeben, daß ein spezieller Attache für Immigration von der palästinensischen Regierung bei der britischen Vertretung in Warschau zwecks Kontrolle der für Palästina gewährten Einreisevisa bestellt wurde. Der bisherige Emigrationsattachö in Triest, Mr. A. Cartw right, soll den Posten in Warschau versehen. Diese Stelle wurde mit Rücksicht auf die erhallte jüdische Emigration aus Polen nach Palästina geschaffen. Der polnische Unlerrich'sniinisier gegen die Juden Warschau. (J. T, A.) Während der Beratung über da* Budget des Unterrichtsministeriums im polnischen Sejm ergriff der Minister für Unterricht, Professor Miklaszewski, das Wort 11ml führte u, a. aus: Die Regierung hat die Wahlen In die jüdischen Gemeinden nach den geltenden Gesetzen durchgeführt. Die Juden zählen laut ihren eigenen Angaben 15״'« Analphabeten. In den Mittelschulen stellen sie 23°.'״ der Schüler, in den Hoch■« schulen 25״׳,״. Diese Ziffern beweisen, daß die yerfol- Rungen, von dene 11 die Juden in ihrer inneren und auswärtigen n n t i s t n a f 11 c h^e n Agitation sprechen, gar nicht existieren. 'Bei diesen Worten gerieten die jüdischen Abgeordneten in große Erregung, die sich auf die Bänke der anderen Minderbritsvettretcr . fortptlaiwtr, während die Rechte dem Minister Beifall spendete. Nachdem der Vorsitzende die Minderheitsvertreter Regula, Dr. Schipper (Zionist) und Prilutzki (Folkist) zur Ordnung gerufen hatte, verließen alle Abgeordneten der nationalen Minderheiten demonstra- 11 v den Saal. Trübe Aussichten für osijüdlsche Emigranten Präsident Coolidge erließ am 1. Juli eine Proklamation, mit der das neue amerikanische Einwande- 11111 ׳ g s g c s c t z i 11 Kraft gesetzt und gleichzeitig dl« E i n w a nd c rti n gs q u ot e 11 tür die verschiedenen Länder festgesetzt werden. Die größte Entwandetungsquotc entfallt auf ’Deutschland: 51 227. Aul Großbritannien entfallen ungefähr 34 000, auf Irland 28000, Schweden 9000, Norwegen 0000, Polen 0000, Frankreich 4000, Italien 400, Tschceluv Slowakei und Dänemark je 3000, Rußland, Freistaat Danzig und die Schweiz je 2000, Holland 1500. Der afrlkattlsehc Negerstaat Liberia darf 6000 Auswanderer nach den Vereinigten Staaten entsenden, bei allen anderen Staaten beträgt die Zahl der zugelasscncn Einwanderer weit unter 1000. Am schlimmsten von dieser Regelung betroffen sind die polnischen, ukrainischen und rumänischen Juden.