Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 53 (4.7.1924)
- Date
- 1924-07-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seile 3RÖ JUKDISCHE RUNDSCHAU Nr. 53 <u: w mm L r,r r ■* (•יי rf * o,T*> v^JI* י’י*• ׳.ו ß (R; ־ > ■ •■ßQr't'-.r. -•» Von Naclium Gold man 11. Die Fuge der Jewish A g e « c y ist in den letzten Wochen in ihr entsolu-itloiuJes Stadium getreten. Nachdem c:s sicli in den fnilirren Stadien der Frage vorerst darum gehandelt hat, die verscliii denen widerstreitenden Meinungen und Riehtunken innerhntb des Zionismus zu einem gewissen Au-e/eidi zu bringen 1md ani dieser Basis eine einheitliche zionistische Konzeption der künftigen Agency zu bilden, aus der heraus wir unsere Vorschläge den mehi/iouislischen Giuppctt machen konnteil, sind wir jetzt bereits so weit, daß wir von der wichtigsten dieser Gruppen klare (ji-gcnfordermigen haben. Es bestand auf der letzten Sitzung des Aclitms-Coniites im März die Hoffnung, daß die damals einstimmig angenommene Resolution, in der eine umfassende Konzeption der jewish Agency gegeben war, als Basis der Verhandlungen und der Verständigung mit der amerikanischen Gruppe werde dienen können. Es erweist sich aller auf Grumt der Verhandlungen, die I)r, Wci/maim in Amerika mit dem Marsliall-ComifiS geführt hat, daß diese Basis von der Gegenseite abgclehnt und sehr viel weitergeheude Forderungen gestellt werden. Die A.-C.-Sitzung, die Ende Juli *tattfinden wird, steht vor der Aufgabe, Stellung zu diesen Gegenforderungen zu nehmen. Die Beschlüsse nml Entscheidungen des A.-C. werden diesmal von einer wirklich historischen Bedeutung für die Weiterentwicklung des Zionis* mus sein, denn das entscheidende Stadium der Agcncy-Eragc ist zugleich und notwendigerweise auch ein Stadium der Ent- Scheidung über die Zukunft der zionistischen Organisation, deicn Rechte lind Kompcton7.cn ja die neue Agency iibtr* nehmen sott. Es ist deswegen fast unverständlich und jeden• falls ein sehr hcilnuerlielies Symptom für den inneren Zustand der Organisation, daß sich die weile zionistische Oeftcntlieh• keif kaum irgendwie mit diesen Problemen beschäftigt. 'Man ist sehr stark und unmittelbar an der Entwicklung Palästinas interessiert, nicht nur in zionistischen Kreisen, solidem weit darüber hinaus; aber man hat selbst in den Kreisen der eifrig* sieu zionistischen Gruppen kaum Interesse lür das, was man innere zionistische Politik nennt, und wwln viele nur den Ausdruck schädlicher Parteiungen und persönlicher I>ifferen/en sehen. So erfreulich das positive Interesse an allem ist, was Palästina betrifft, so gefährlich ist diese Indifferenz in der Beziehung zu diesen sogenannten innerpolitischen Fragen, die besonders in der jetzigen Phase wirklich die Zukunft des Zionismus und damit auch unter weiteren Perspektiven das! Schicksal des jüdischen Palästina letzthin bestimmen werden. Es äußert sich in dieser Indifferenz ein Mangel an Voraus• sicht und Perspektive, der bei einer auf weite Sicht cingcstell* ten Bewegung, wie es der Zionismus ist, zerstörend wirken muß. Ich begreife durchaus, daß man in einer Frage von der Bedeutung der Konstituierung der Agency nur schwer zu einer klaren Stellungnahme gelaugt, weil tnau das Bewußtsein der großen Verantwortung hei allen Argumenten pro tmd contra und bei dem ganzen zur Entscheidung stehenden Fr.igcnkom׳ plex iiai. Aber so stark müßte wenigstens das Interesse sein, dal) man über die Bedeutung dieser Frage und die Koiiscqucn׳ zen, die jede Entscheidung haben muß, sich klar wird, mul ein jeder Zionist müßte sieh verpflichtet fühlen, sich ein klares Bild von den Folgen und letzten Konsequenzen seiner Ent׳ Scheidung in dieser Frage, zu der er ja sehr bald üufgerufeu werden wird, zu machen. Ich will eben aus diesem Bewußtsein der Verantwortung heraus keine abschließende Stellungnahme in diesen Ausfall׳ rtmgeii zum Ausdruck bringen, sondern glaube, daß man wo•; nigMens bis nach der A.-0.-RH71u1g, die über manche noch : durchaus unklare!*unkte Aufklärung bringen wird, warten; soll. Was Ich aber für wichtig halte und ün folgenden ver׳ Rüchen will, das ist: ganz deutlich die Bedeutung der Ent• scltchhing und ihrer Rückwirkungen auf die Zukunft des Zionismus Idnrzustclleii. Der prinzipielle Unterschied zwischen def Konzeption der Agency, wie sie die letzte A.-C..Sitzung, gestützt auf die Be Schlüsse des Kongresses, gebildet hat und derjenigen, die in den von Wei/mami übermittelten und von ihm wollt auch unterstützten Forderungen der Marsh,•illgnippc zuin Ausdruck ״Der €011 der Rache" J i d I s c 11 e Aufführung im Wallncrthcater. Vom Beifall donnerte das Haus; unerzogene Leute, die ihre Begeisterung nicht mehr an sich halten konnten, klatschten sogar in zarteste Momente hinein. Man war wütend über sie, aber man verstand ihren Aufruhr. Mit der Wucht eines Elementes brach .!Erlebnis von der Szene herab bannend 11ml würgend in uns ein, aus Einzelnen, aus Individuen, aus vorlnrenrii Seelen eine Einheit schäftend, Juden, die sieh am tiefsten Punkte ihrer Vergangenheit begegnen, aus einer Wurzel kommend, Kleinbürger wie alle, Kleinstädter, Volk und Hefe von Volk. Atisgclöscht die Wirklichkeit dieses sommerlichen Berlin, weggehhvscu sein kubischer I lühknschwamm voller deutscher Men* Kellen, wie Saud zerbiasen das Bewußtsein von Theatergang und Theatcn.it/en, nur ein leiser I laucli von Wissen um Theaterspiel, die Realität, Wirklichkeit höchsten Grades war lecliiel h »eliapwhowilz, seine Töchter, ein Ssefer Thora, ein ikmlell 11' der elenden jüdischen Gasse, Juden, Huren — und eine Seele, die ans der äußersten Gott ferne Um Gott ringt, und Gott verliert, ausgebrannte Asche. Nichts war da als das; ln drängender Erregung saß es in allen Seelen, bei der K.ata* atrophe brach es als Befreiung, Dank und Glück heraus — aus allem Mau kennt das Stück; dramatisch ist cs nicht gut — obzwar cs besser als sein deutscher Titel ist! Gott der Rache? Es heiht ״Der Gott für Nckomc", und Nckome ist, wie man weiß, vielerlei, aber vor allem Vergeltung mit einem Unterton von Schadenfreude. Aber wie cs auch heiße — Asch weiß mellt, daß erste Pflicht des Dramatikers Kt, die Voraussetzungen des Stuckes, das, was von Beginn der Hand- Imig .111 da ist, dem Zuschauer a 11 s e h a 111 i c 11 darznbieteu und auscinnmlcrziili-gon. Daß hier ein Bordell Ist, daß Riwkele die Tochter des Inhabers, durch ihre Beziehung zu der Dirne Mauke zu innerst gefährdet ist, uml daß ihr Vater zum Schutze für sic ein Ssefer Thora schreiben läßt: das mußte und in dieser Reihenfolge, Inhalt je einer Szene des ersten* Aktes sein Als Dramaturg also müßte man sinnvoll den zweiten Akt halbieren und die erste Hälfte vor dem jetzigen ersten Akt spielen. Dann erst bekäme das Werk das volle Timbre des Unerhörten, das ihm gegen linde eigen kt, schon von Anfang komm!, f׳g der, daß die R(״.oh1!;,>1! des A.*C. einen pro Vl 0 r i s c!1 c 11 Znsiand vor,all, die Forderungen der Amcilkancr her auf ein sofortiges De f 111 i 11 vu in hiüzn'Ci», fei!11 ״ vier 'wscliliil) des Kongresses bezweckte zunächst, eine provisorische Aufaugstorin der Agency zu ermöglivlicn. Mau war sicli der tedeiikeii bewußt, die die ninz.it/iolun1f•; weiter oicht/ioimli» :eher Kreise zu den vermittelnlungsvollsten Aufgaben des Pa* üsfiiia-Aufiuues erwecken mußten, zumal wir ja noch keinerlei hf.iliniiigen über den Geist der I*,11ii«tinn-Arl>eit lind Pa*!üstiim-Poliitk der nichtzlomsiisclien Gruppen hatten, und wollte deswegen ein Anfaiigsst.idhim schaffen, iil dem den Nicht/io* nisten Gelegenheit gegeben sein sollte, In einer allmählich immer enger werdenden Zusammenarbeit mit der zkmktisdKn Organisation zu beweisen, von welchem Geist ihre Mitarbeit am Pal.'isiinawerk getragen sei, inwieweit eine gegenseitige A11passmig und wirkliche Verständigung in den Prinzipien um! Methoden der Arbeit möglich sein werde,!111 Sinne dieses Grundgedankens der Kongreßresolution beschloß das Actions- Gönnte, daß die Jewish Agency als solche in ihrer Völkerrecht* liehen Form zunächst die zionistische Organisatbn bleiben, wohingegen ein Council gebildet Werden. solle, in paritiitischcr Zusammensetzung von Zionisten und Niä1tzk>- nisten, der in allen!־'ragen des Palästina-Aufbaues der zionistisehen Exekutive zur Seite stehen würde. Diesem Council sollten de facto alle in Palästina arbeitenden Institute unterstellt wculeu, damit der Council in der Lage sei, ein Gesamtbudget all dieser Institute auf/ustetlcn und damit eine Vcreinlicitlielumg und zentrale Leitung der gesamten ökonomischen Arheit in Palästina zu ermöglichen. Dem zionistischen Kongreß sollte in Anbetracht seiner Vergangenheit und Seiner Einzigartigkeit als große demokratische Kor|>crscl1aft das Recht Vorbehalten bleiben, den Anteil der zionistischen Flnanz-Insti* stute au dem Gesamtbudgct, wie cs der Council tkr Agency feslsivileii süßte, zu ratifizieren. Die Forderungen der Marshallgrnppc lehnen diesen gan* zen Grundgedanken eines provisorischen Anfangs- und Vcrsuchs-Stadiums ab und verlangen, daß die Nichtzionisten von vornherein in die Jewish Agency eiiitrctcn Und damit sofort ein Definitum konstruiert wird. Wenn dies geschieht, so bc* deutet das — und cs ist von größter Bedeutung, ei,iß sich jeder Zionist über diese Konsequenzen klar wird —, daß sä 1111• liehe Aufgaben und Kompetenzen der z I o n t - st i sch cn Organisation in Bezug auf Palästina sofort in die Hände dieser ge nt ischtcn Agency übergehen; nach präziser gesagt, daß sowohl die Leihing der zionistischen Palästinapoülik, wie diejenige der Palästiiinkoloiiisnlion der Agency übertragen wird. Die notwendige Folge wäre, daß die zionistische Exekutive als solche fast uberllüssig wird, da sic den größten und vor allem den wirklich produktiven Teil ihrer jetzigen Aufgaben verliert. Die palästineusiche Exekutive müßte selbstverständlich eine solche der Agency werden, denn alle ihre Ressorts (Politik, Iiiunij :1.1 Sion, Arbeit, Kolonisation) würden in Zukunft zur Kompetenz der Agency gehören. Von der Londoner zionistischen Exekutive würde das politische Ressort ebenfalls auf die Agency übergehen, und da bei einer defml* tiven Konstituierung selbstverständlich der Keren •Hajfrssod ebenfalls ein Instrument der Agency werden müßte, würde auch die ganze Verwaltung und Leitung des K.-H, der Agency iiiitfc־•(eilt werden. Was übrig bliche für die eigentlich zioiiistisdie Exekutive, wäre also mir das Organisations-Ressort, die Aufgabe der organisatorischen Leitung der zionistischen Organisation. Aber auch dieses Organisations-Ressort würde naturgemäß einen großen Teil seiner Bedeutung cinhüßcn, weil, mm — weil die zionistische Organisation al» solche das meiste ihrer jetzigen Bedeutung verlieren würde. Denn Ac* iions-Gomite und Kongreß hätten nicht mehr selbst ln Fragen der Puliiik und der Kolonisation zu entscheiden, sondern könnten lediglich den zionistischen Vertretern tu der Agency bindende Instruktionen erteilen. Das, was der zionistischen Organisation heute ihre Machtposition gibt, daß sie Triigcr aller Entscheidungen des Palästinawerkes ist, würde verloren gehen mul das Interesse, das alle an der unmittelbaren paläsd* iicnxisclien Arbeit Interessierte (vor allem die paliist!״ nciisisehe Arbeitnscliafl) an der Organisation noch Witten, wäre bloß noch ein indirektes, als Umweg zur Beeinflussung der Liilsdieidungeii der Agency. Ich sage dies alles nicht, I an, und statt stoffliche Spaiinnung träte die geformte auf, die zugleich intensiver und reiner ist als jene, und die das Stück mit einem Ruck auch aus der Ebene jenes trüben Naturalisimu risse, in dem es jetzt unheilbar Schaden leidet. Aber gedichtet ist es auf seiner!linieren Bnsia -— gedichtet, trotz aller Enge in den Menschen, all des pestartigen und brutalen Kotes, der liier in Stellvertretung der ganzen Welt, dieses ewigen Gegenstandes aller Dichtung, die Breite des Stückes füllt, gedichtet mich trotz der Zufalls* und Ober■ flächen; 1s|1e!;U׳, mit denen sieh statt des wescnliaften Er* liliel’ieiis voii Menschenseelcii Sehaloni Asch begnügen muß, Llue einzige Szene wie die des Mairegeiis, in den die Dirnen hin,utsl,iidcn, um sich den Winter aus der Seele spülen zu lassen, lüftet auf immer. Gedichte», weil c* trotz allem wirkliche Mensel um gibt, die streben und hoffen, leiden uml weinen, die die ewige Bewegung des Menschen, aus der Tiefe nach einem l eben, das auch nur um eine klägliche Stufe höher ist, unbeugsam beseelt, und die amt diesem Gnu.de allein zu unseren Biüdern und Schwestern Werden, die wir innerlieh nachlcbcn können Und mit denen wir steigen, wenn sic hoffen, und fallen, wenn sie* stürzen. 1j' diesem Gmndzuge wurzelt da! geistige, symbolhafte Geheimnis dieser Kraßheit, Eimviuide gibt et ein Schock, Vor allein ethische. Alles wird Von der Frage nach K'iwkeUs liilehitis bewegt — und von ihr weiß def Dichter gar nichts. Er bleibt uns ihren Charakter schuldig׳•, den Menschen 111 ihr — und darum auch wird der Held des Stückes an wichtigster Stelle unplastisch; denn jede Gestalt im Drama modelt die andere mit Licht und Schallen 711־ r Rundheit* AscH müßte im* zeiflen, Wie sic Bt -־- abgesehen von der sehr natürliche!» Tatsache, daß ein Mädchen in der Pubertät, die über einem Bordell mifwilchst, leicht zu verfuhren Ist, besonders durch die Freundschaft mit einer ■Dirne. Er hatte 1מ gestalten, ob sie naschhaft und verlogen ist oder aufrichtig und innerlich fest — nbgc* sehen von jenem Trieb; ob sie mitleidig oder geldgierig, kameradsdiäftlieh oder heimtückisch ist — kurz, ob sie zu guter Letzt ein Wesen ist, dem von einem Irrweg aus zurückgeholfcn werde**! kann, <kUt \ä\ %\t mit Uceht von ihrem Vater In <he (iurnuinheU <Ios JkmlclU himmicr&tstolk'tt wird, wenn sie gesteht, daß sie getan hat, was «11: vdu ihren Eltern sah. Asch sieht auf diese Ihre Tat leider mit den Augen des 1 lelucu •— nicht mit den göttlichen de» Dichter«, um liier gegen die Forderungen Marslinlii zu polemisieren, sondern um den Sinn dieser Forderungen klar zu stellen, da ich die Ueberzeugung habe, daß s< hr weite zionistische Kreise sicli über deren Tragweite nicht ganz im Klaren sind. Mau wird ciitgcgcnhaltcn, daß die Bedeutung der zionistischen Organisation, die 50 °/0 der Mitglieder der Agency stellt uml vermutlich — in der erstell Zeit wenigsten« — den größeren Teil der faktisch Arbeitenden stellen wird, noch sehr bciruchtücli bleibt, und das ist richtig. Aber auf der andern Seite muß man sicli mich darüber im Klaren sein, daß man sich nicht zu sehr auf diese mathematisehen 50 °.'o verlassen darf. Wir werden gewiß in der Agency die Aktiveren und Inter* essierten kein!11» die 50 ßo der NiohtzionUten; aber diese Tat• saclic muß nicht immer nur zu einer Erhöhung unseres Ein* Busses führen, wie man im ersten Augenblick zu glauben geneigt ist, «omlcrn kann — besonders in Konfiiktsfällcn — mich gegen uns sicli miswirken. Weil wir die Interessierteren sind, werden wir in solchen Fällen die Nachgiebigeren sein müssen, da die andern Orupiicn immer mit ihrer Zurückziehung von der Ar* beit drohen können, was wir natürlich nie werden tun dürfen. Es ist, um eine aktuelle Analogie dazu zu geben, durchaus der gleiche Fall, wie er heute in der Frage des Fraucnwahlrcdit* in der Asscfath I1.1niwch.trim in Palästina besteht. Die Orthodoxie droht dort im Falle der Annahme des Frauenwahlrechts mit Ihrer Sezession; die linken Gruppen, die prinzipiell zu* mindest so sehr mit dem Fraucnwahlrccht bestehen müssen, wie die Orthodoxie es ablelmen muß, haben dieses Pressionsiniltel nicht zur Hand, weil sic die national interessierteren sind an der Existenz einer Asscfath haniwehafim und nie-!!!als diese Institution sprengen können. Man muß sich über diese Konsequenz durchaus klar sein, und cs wäre leichtsinnig und sentimental, zu sagen, man brauche sich um eventuelle Konflikktälle heute noch nicht zu kümmern. Sic werden kommen und müssen konmien, gerade 111 dem Maße, in dem die Niclitzionisten von ihrer Ideologie aus ein stärkeres und innerliches Interesse an Palästina nehmen werden. Wir werden, wenn cs zum Konflikt kommen 901!te, die Schwäche* ren sein, weil wir niemals eine Sprengung dieser für um lebenswichtigen und integralen Institution werden zulassen können. Wenn man diene folgenschweren Konsequenzen, die eine definitive Konstituierung der Agency nach sich ziehen muß, ins Auge faßt, wird man die große Bedeutung der Form der Bildung der Agency verstehen. Ich will in diesem Zusammenhang ganz abschen von den rein prinzipiellen und ideolo* gischen Momenten, die gerade in diese Seite des Problems lilnoinspiclen, will nicht von den Gesichtspunkten der Demo* kratie und der nationalen Volkstümlichkeit sprechen. Aber ganz praktisch betrachtet ist e« doch klar, daß die Form der Bildung der Agency und demgemäß auch die Form ihrer Verantwortlichkeit für uns von geradezu lebenswichtiger Bc* deuttmg ist. Eine vor irgendwelchen demokratischen lustan* zen verantwortliche Agency ist auch in Konfiiktsfällcn zwischen uns und den nichlzkmistisclicn Gruppen immer unterm Einfind zugänglich. Wir hätten bei einer so konstituierten Agency immer die Möglichkeit, durch die öffentliche Meinung gegen antin.1tion.il sieh auswirkemlc Absichten der niclitzioiiistschcn Grbppe uns zu wehren. Bei einer Agency jedoch, die vor keiner demokratischen Instanz verantwortlich wäre, deren Mit* glieder von Gremien entsandt worden, die faktisch außerhalb jeder Beeinflußbarkeit durch uns stehen, entfällt jede Mög* lichkcit für uns, irgendwelchen Druck auf sic auszuüben. Daher Wird cs für die Beurteilung und Stellungnahme zu der. Vorschlägen der Marsliail-Qruppc von erheblicher Wichtigkeit »ein, sich gerade über diesen Punkt, der bisher sehr wenig deutlich ist ln diesen Vorschlägen, im Klaren zu »ein. 1111 Falle eines provisorischen Anfaugsstadiums, wie es in den Rosolutionen des A.-C. vorausgeselieu war, wäre cs uu» sehr viel leichter möglich gewesen, Konzessionen nach dieser Richtung zu machen, als im Falle eines Dcfinitivums, bei dem wir keine Möglichkeit einer späteren Acndcrung der Verfassung der Agency haben, Zuletzt f:cl nfeh auf einen weiteren Punkt hingewiesen, über den man sich nach dem, was über die amerikanischen Vorschläge verlautliart ist, kein richtiges Bild machen kann, und der von allem schließlich der praktischste ist. Es ist dies die Frage der Gegenleistungen der nichtzionisti- ... ״*•״■״״״ <■■״ Aber Jcchicl! Dieser jüdische Bordcllwirt ist Jakob, der mit dem Engel ringt und unterliegt, weil er ganz und gar Enge Ist, Dumpfheit, Aberglauben — wie wir alle in gewissen Bezirken der Seele eng siml, dumpf und abergläubisch. Er Ist Unser Vorkämpfer, weil er an irgendeine Reinheit, Göttlich* keit und unirdische Bewährtheit glaubt, wie wir; zu ihr sich hinaufreißen will wie wir, und stürzen muß wie Wir, weil die wahre Sphäre des Geistigen und Göttlichen unseren trüben Vorstellungen von ihr un/ugänglleh bleibt. Ein Ssefer I hor.t Ist kein wirkender (Litt, die Reinheit eines Menschen hängt nicht von körperlichen Vorgängen ab, und wenn ein Vater seine Tochter nicht über ihre gebrechliche ״Keusch* lieit“ hinweg zu lieben und zu halten vermag, sicht er in Ihr I i I 1 nicht einen Menschen, Mindern nimmt sie nur als Symbol seines eigenen Aufwärlmlranges wahr — was einer Mißhaud* hing gk'ichkommt, Aber — so ist nicht dieser einmalige Rentner des ״bösen Trieb•.-.«'1•, so befangen, arm, eng, düster uml ,gering an IJeb״s• und Seelenkraft ist der Mensch . . , Unsen- Sache wird dort gespielt. Und von Grnnnch, Und mit solch erschütternder Gewißheit in der Mitte zwischen abergläubischem Rohling und leid voll sehnendem Vater, daß von der ersten Szene an, trotz aller Gebrechen des Stückes, ein wildes Wunder von Mensch zwischen jcm-11 Wänden hangle und glaubte, rang tmd schrie, weinte uml lacht(’, seine eigene Verworfenheit mit Hanimmchlägcn an die eigene Brust anprangerte, und mit den zitlenid-gewaltvollcn Händen des Titanen in den Himmel griff, um das Sel1leks.1l 711 wenden, das er von oben über ihn liinblüteri fühlte. Ein Hnlh'ier, aber ein Jude. Auch er gebunden an die ethische Dnrchknetimg der Welt, norh er aus Schuld nach Rc’iilu-it drängend. Und in der großartigen Zwittergcsfnlt, die in Ihrer Aura von Niedrigkeit und Vaterj.immer, von Geld und Glaulen imiherst.impftc, echt, echt im «lang wie in den Zai testen und wildesten Tönen, die aus einer Menschcnsce'e kommen können. Inmitten eines Ensembles, daß er aus Einzelnen zusammcngchoU hatte, griff Alexander Gran.U'Ii^ als ein genialer Mcnschciiapiclcf erschütternd an unsere Seele, Das Jiiliselic iiiift ihnen allen. Seine Geschichte im Juden nllent ermöglicht solche Mcnseliengcstnllung; die Fülle und di« Znithcit der Töne, die dieser wahre ,,Mammclosclten", diese Muttersprache, zur Verfügung det Dichters und des Schauspieler* stellt. Zärtlich und drollig, donnernd und web