Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 52 (1.7.1924)
- Date
- 1924-07-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 376 yUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 52 Zwei Ilödiscli Pi’dcsscr El€*:2r4 (1 «*U «■*,^■*•»■ןןך■**« tuUCäUi U 4 fc ».*«./«>»*Uv4 Och. Rat Prof. Df. Richard Willstättcr, der berühmt״ Chemiker, Nobelpreisträger tind Inhaber des Ordens Pour le nirrite. hat we־>c11 antiseniilKchcr Umtriebe im Lehrkörper der Münchener Universität sein Lehramt niedergdegt. Der Grund für Willst,ätiers Schritt ist. daß sein Vorschlag, den IrcTCWcrdenet» Müiidtcncr Lehrstuhl für anorganische Chcime dem’ bisherigen Pr, lessor an der Universität Christi,itüa Dr. Heinrich Gold Schmidt zu überiragen, wn der Mehrzahl Miner Ko'.'.e en mit der Begründung. daß Goklschmidt «Aus• ländcr“ sei, abgclehnt wurde. Willstättcr hat jedoch Anhaltspunkte dafür, dal! es sxh bei dieser Ablehnung um antiscmitische Machenschaften handelt. — Dieses Vorkonunnis zogt, daß cs für charaktervolle Gelehrte auf die Dauer unmöglich Jst, in der wn wüstestem Judenhaß verpesteten Atmosphäre der deutschen Hochschulen zu wirken. Professor Gustav Roethe Aus Anlaß des Verbotes der Wahlversammlung der. republikanischen Deutschen Studentenbumles in der Berliner Universität durch den Rektor Prof. Rocilie bringt der ״Vorwärts“ einen ״Versuch einer Feder- Zeichnung“, den! wir die folgenden charakteristischen Striche entnehmen: ״Die Ernennung Roctfics für den verwaisten Posten Erich Schmidts wurde davon abhängig gemneht, daß er sich verpflichtete, dem weiblichen Geschlecht die Türen zu öffnen. Paris war eine Messe wert und die erste Professur für Literaturgeschichte an der ersten Universität des Reiches ein Opfer des Prinzips. Herr Koethe fügte sich. Aber in der ersten Stunde, die er in seinem neuen Amte las, redete er die anwesenden Damen wie folgt an: ״Ich werde mitunter Dinge berühren müssen, die für weibliche Ohren nicht passen. In solchen Fällen werde ich am Schluß einer Vorlesuiig ,״(־kündigen, daß ich am nächsten Tage Damen nicht za sehen wünsche. Sollten sich gleichwohl einige cinfindcn, so werde ich wissen, was ich von ihnen zu halten habe.“ Man hatte leider vergessen, .sich von Herrn Roethe versprechen zu lassen, daß er sieh gegen die zugelassenen weiblichen Studierenden auch angemessen bcneiimen werde. Natürlich löste seine Flegelei ein tobendes Beifallsgctrampcl des im Rocthcschcn Geiste erzogenen Teiles der männlichen Studierenden aus,“ ״Der Reichstag sprach Herrn von Bethmann-Hollweg mit Scchssicbcotclmchrhcit seine Mißbilligung aus, weil er die Z a - berncr Vorg änge nicht m't genügender Entschiedenheit getadelt und geahndet hatte. Herr Roethe aber zollte auf dem Fcstkomnicrs des antisem'tischcn Vereins detitscher Studenten in Berlin am 18. Januar 1914 den preußischen Ku'turtr.'igcrn im Elsaß seine schwärmerische Be- Wanderung und höhnte über die drei großen P., die das 'ganze Deutschland beherrschen wollten: Pöbel lärm, PrcsscgcschTci \1nd Parlaments״) chrhei t.“ ״Der Weltkrieg kam. Herr Roethe schlüpfte in die Uniform. Es wurde ihm die seinen militärischen Fähigkeiten entsprechende wichtige strategische Aufgabe der Verteidig 11 n g des Potsdamer Bahnhofes übertragen. Er hat sic glänzend gelöst, was tim so anerkennenswerter ist, als er daneben seine Lehrtätigkeit fortsetzte, Der Potsdamer Bahnliof ist dank Herrn Roethe gehalten worden. Aber einmal War er gefährdet. Das war, als die Reichst,igsmehrheit itn Juli 1917 die bekannte Friedensresolution faßte. Herr Koethe, der selbstverständlich Gegner eines Verständigung«• friedens war, da seine Intelligenz ihm nicht gestattete, die ungeheure Gefahr zu erkennen, die Deutschland von der Fort- Setzung des Krieges drohte, war über den RcichstagsbcscMuß entrüstet und schrieb an den ״Lokal-Anzeiger“, daß er zum Zeichen des Protestes gegen die Resolution am liebsten den 1Degen einstecken möchte. Er hat sich aber erweichen lassen, und der Potsdamer Bahnhof wurde weiter behauptet.“ ״Als der Zusammenbruch erfolgte, wurde Herr Roethe zum ersten Male in seinem Leben gesittet und manicrliclt. Monate hindurch verhielt er sielt schweigend, was ihm hei seiner notorischen Geschwätzigkeit sicher schwer geworden ist. Aber als jede Gefahr geschwunden war, wurde er um so beredter. ... Es gab keine antisemitische Redeblüte, die dem übrigens stark semitisch ausschenden Jugenderzieher zu gewöhnlich gewesen wäre. Seine Art des Auftretens for- ,derte dazu heraus, den Amtst'te! Professor Ordinarius, den er ,führt, mit ״der ordinäre Professor“ zu übersetzen. Und die :Anerkennung der Besten fehlt semett Bestrebungen nicht, ln seiner Rede begeisterte er die Versammelten durch den selbstgemachten Vers: ׳ .Wo der Lump sich lausig macht, da der Jud׳ sich mausig macht. Die Weimarer Goej he-Gesellschaft muß in dieser Dichtung Gocthoschcn Geist gewittert haben, denn sic Wählte Herrn Roethe zu ihren) Präsidenten. Sonstige Verdienste, die die Uehertragung dieses Amtes rechtfertigen konnteil, hat Herr Roethe nämlich nicht aufzuweisen. ... : Spaßhaft war ein Rciufall, den er einmal in seinem Kolleg überGoethe erleben mußte. Eine Stunde lang hatte er sich der Entdeckung gerühmt, Haß das Urbild des Gocthoschcn Satyros kein anderer als Herder sei. Er trug Indiz auf Indiz zusammen und flocht sich ob seines Scharfsinnes einen umfangreichen Lorbeerkranz. Am anderen Tage aber mußte er kleinlaut mitteilcn, der verdiente Goctlie-Forsehcr Dr. ,'Morris, der sich unter seinen Hörern befunden hatte, habe ihn wissen lassen, daß die Beziehung der übermütigem) Satyros-Dichtung Goethes zu der Person Herders längst bckaimt und in der Literatur behandelt sei. Herr Roethe hatte also entweder die Goethe-Literatur nicht genügend studiert, ,oder er hatte sich im Vertrauen auf die Ahnungslosigkeit der Studenten mit fremden Federn schmücken wollen. Und ausgerechnet cfn Jude mußte ihm seinen Ruhm rauben. Da soll ein Mensch nicht Antisemit werden!“ . ״Das Schlußstück, das er sich geleistet hat, entspricht seiner Amtsführung während des ganzen zu Ende gehenden ,Rektoratsjahr:», Einem obskuren völki sehen Agitator hat er zwecks Einwirkung auf die Wahlen zur Stuucntcuvcrtrctimg an der Berliner Universität einen Hörsaal zur Verfügung gestellt; dem Deutschen Studentenbund aber, der aus Gegnern der nationalistischen Verbände bcsteht, hat er die gleiche Vergünstigung für eine Versammlung, in dem Männer von dem Rufe des Grafen Monte glas Und des Berliner Universitiitsprofessors Borgsträsßcr sprechen sollten, verweigert. Man möchte Herrn Roethe zur Scham rufen. Aber es fehlt ihm die erste Vorbedingung zum Verständnis eines solchen Appells. Ein Roethe errötet nicht I“ An den Wahlen in das Berliner Studentenparlament beteiligt sich auch die Vereinigte jüdische Gruppe, die sämtliche jikfisehen Studentenorganisationen, mit Ausnahme des K. C., umfaßt, Zwischen der Vereinigten jüdischen Gnippe und den übrigen oppositionellen Gruppen besteht eine Listenverbindung, um angesichts der völkischen Zweidrittämajorität jede Zersplittcrung zu vermeiden, **׳ י •״ Während in Leipzig gegen die Synagogen,attentäter Bäu, Nullmann, Metzger und Midie wegen ihres Anschlages» aut die Frankfurter Synagoge im März 1923 verhandelt wurde, fand in Berlin ein Ucbcrlall auf ein Bet haus ln der Linienstraßc statt. Wenn man der Richtigstellung der Berliner Polizei foDen will, handelte es sich um die Fortsetzung einer auf der Straße von Hakeukrcuzlcrn provozierten Prügelei in einem Bethause, wobei die überfallenen Juden geflüchtet waren. Kirchen-, Fricdhofscliäiidungcn und Störungen religiöser Veranstaltungen gehören zu den schwersten Delikten und man muß staunen, woher die sonst nicht allzu mutigen Hakenkrcuzjer die Courage hcrnchmcn, sich in die schwere Gefahr einer derartigen Slra’fhandlitng zu hegeben. Des Rätsels Lösung liegt darin, daß diese Delikte bloß vom Strafgesetz, nicht aber von der richterlichen Praxis mit schweren Strafen geahndet werden. Solange derartige Exzesse in Deutschland eine milde Be- und keine strenge Verurteilung finden, werden sich ähnliche Fälle wiederhole». Judenhetze und Anschläge auf jüdische Institutionen gehören nachgerade zu den nm wenigsten riskanten Kampfhandlungen der hakcnkrcuzlcrischcr* Junjgiuanncn, Die ״Welt am Montag“ berichtet: Anfangs voriger Woche kam cs eines Abends zu Gewalttätigkeiten gegen die Besucher eines jüdische n Bet 11 auscsindcrLi 11 icn- Straße. Einige Berliner Blätter haben darüber berichtet, — aber nicht alles. Der Krawall nahm seinen Anfang, als einige radnuhistigc Burschen einen alten jüdisch en M an 11 mit langem Barte am Eingang des Hauses stehen sahen, auf dessen Hof sich der Bcfsnal befindet. Sic griffen ihn an, zerrten ihn am Barte in den Hausflur und sr hingen ihn blutig. Der Oesclilngcne konnte sich schließlich losreißen und in den Bctsanl flüchten. Dabei hatte sich eine Menschenmenge angcsauimelt (in der die meisten offenbar gar nicht wußten, wps vorgegangen), die nun gegen den Betsaal nnstürmte, dessen Insassen jedoch durch einen hinteren Ausgang flüchten konnten. Inzwischen hatte der Sohn des geschlagenen alten Mannes draußen von dem Ucbcrfall auf seinen Vater gehört und drängte sieh durch die Menge, ihm beizustehen. Nun wurde auch er angefallen und geschlagen. Als aber im selben Augenblick eine zwei Mann starke Streife der Sipo erschien und nun die Menge flüchtete, konnte er denjenigen, der ihn überfallen, sofort den Sipo-Beamten zeigen und sie um die Festste!. In 11 g des Täters ersuchen. Das hatte keinen Erfolg, Und nur dadurch, daß Zivilisten den Täter verfolgten 11ml ihn mit zwei anderen nm Krawall Betel• ligten dem Inzwischen benachrichtigten und hcrhcigekoinmencii Ucberf.dl-Kominando übergaben, gelang die Feststellung. Seht merkwürdig ist, wie die Feststellung dann vor sich ging. Die drei Ergriffenen wurden zur Polizeiwache in der Alten Schönhauser Straße gehracht. Aber als der Ucbcrfallcnc sich sogleich mit auf die Wache begab, um die Personalien des Mannes, der ihn mißhandelte, 7u erfahren, wies man ihn schroff ab. Schließlich sagte man ihm, er solle in einer halben Stunde wiederkommen. Als er dann kam, waren die Arretierten schon wieder entlassen. So war es ihm nicht möglich, die Personalien desjenigen, der ihn mißhandelt, und gegen den allein er gerichtlich Vorgehen kann, zu erfahren. Mit drei Adressen in der Hand kann er nun eine Art Glücksspiel beginnen und versuchen, den Richtigen vor den Riditcr zu zitieren. Wir halten ein solches Verfahren seitens der Polizei — milde gesagt — für wenig zweckmäßig. Und wir hoffen, daß sie Anweisungen erhält, die so etwas unmöglich machen. (Unsere eigenen Bemerkungen zu der Praxis der deutschen Behörden bc! solclvcn Anlässen erfahren durch die Ausführungen der j.Welt am Montag“ eine bezeichnende Bestätigung. Das Urteil im Prozeß gegen den Frankfurter Syuagogen-Attentater kann nicht als Gegenbeweis heraiigczogen werden. Denn wo cs sich um wirklichen (wie in diesem Falle) oder vermeintlichen (wie Im Falle Fcchcnhach) Landesverrat handelt, waren und sind die Strafen Immer äußerst streng. — Red,). fßr den Cesnailidlssetalz des ostenropSischen JuSeahms Von ״Ose“, Gesellschaft für Gesundheitsschutz der Juden Berlin w 57, erhalten wir folgende Zuschrift: Tuberkulose und andere soziale Krankheiten haben unter den Juden Ostcuropas eine bedrohliche Verbreitung gefunden. Untcrsuchungen unter der jüdischen Schuljugend in der Ukraine, Litauen, Lettland, Polen, Rumänien usw. haben ergeben, daß zirka 15 0/0 der Kinder an verschiedenen Formen der Tuberkulose krank sind; d—6 «ס/י (in einzelnen Gegenden noch mehr) an Trachom, namentlich in den;inneren Schichten der Bevölkerung; 8—16 0/0 haben verschiedene parasitäre Hautkrank• heiten; blutarm und anämisch sind 0׳,״ 60—10־ der untersuchten Kinder. Die Sterblichkeit unter der jüdischen Bevölkerung war noch bis zur letzten Zeit erschreckend groß, sic sinkt zwar nilmählich mit der Stabilisierung der Verhältnisse, über• steigt noch aber in vielen Gegenden die frühere Norm. Dieser Zerstömngsprozeß bildet eine offensichtliche Gefahr für die Zukunft ■der jüdischen Gemeinschaft. Besonders schwer Ist die Lage der jüdischen Bevölkerung in Rußland und ln der Ukraine. Ohne Hilfe von außen ist die dortige Judenheit nicht imstande, nicht nur wiederaufbauende Arbeit zu leisten, sondern auch die lebensnotwendigsten Bedürfnisse auf dem Gebiete des Gesundheitsschutzes zu erfüllen, Die Erkrankungen in den jüdischen Zentren der Ukraine haben ungeheuerliche Dimensionen angenommen. Es genügt »laraul hinzmveisen, daß unter der vlcrzlgtausendköpfigcn jüdischen Bevölkerung der lnnd• wirtschaftlichen Kolonien itn Laufe der zwellen IHüfte des Jahres 1923 16275 Kranke registriert wurden, hi Cherson, wo die jüdische Bevölkerung 30000 Köpfe zählt, hat die Poliklinik der ״Ose“ 11416 Kranke aufgeiiommen. In der letzten Zeit hat die Malaria einen grollen Umfang_ angenommen. Die Mnlarincpidemic hat Im Jahre 1923 allein im Gouvernement Odessa 82 WO Personen betroffen, 111 den jüdischen landwirtschaftlichen Kolonien ist fast die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung an Malaria krank. Diese bedrohliche Zunahme der Erkrankungen erfordert die Schaffung eines Netzes von Anstalten, die den Kampf für den Gesundheitsschutz, des jüdischen Volkes aufnehmen könnten. Die Gesellschaft für Gesundheitsschutz der Juden ״Ose“ vereinigt in dieser Arbeit eine Reihe von Organlsatloncn in verschiedenen Ländern. Auf einer Wcltkonfcrcnz Im August 1923 wurden die Resultate einer mehr als zehnjährigen Arbeit der ,,Ose“ festgcstellt und ein Wcltvcrband der Gesellschaften fiir Gesundheitsschutz, der Juden wurde geschaffen. Das Ehrenpräsidium des Wdtverbandes ״Ose“ besteht aus den Herren Prof. Albert Einstein und Oehebnrat Prof. v. Wassermann (Deutschland), Prof, Besredka (Frankreich), Dr. Rcdclilfc N. Salaman (England). Die ״Ose“ unterhält eine Reihe von Anstalten für den Oesmidhciisscliutz. In den Mittelpunkt ihrer Wirksamkeit stellt die ״Ose“ die Versorgung von Kindern und Tiber- Haupt von schwächeren und schutzlosen Elementen der jüdlsehen Bevölkerung (Waisen, Kranken usw.),. Die ״Ose“ entwickelt ihre Tätigkeit in allen Ländern Osteuropas, ln erster Linie aber in der Ukraine, wo sic bereits eine große Arbeit geleistet hat, Vom 1. April bis 31. Dezember 1923 haben 13 Ambulatorien und Polikliniken der ״Ose“ 210 000 Kranke : nufgettommen. Ferner hat die ״Ose“ 6 Sanatorien für 1 575 Kinder (die Kinder haben 5—6 Pfund durclisrluiittlirii zugenommen), 9 Krankenhäuser mit 120 Belten für 2330 Kranke, 15 Krippen für 588 Kinder in den jüdischen landwirt- : sdialtlichen Kolonien usw. geschaffen. Die gesamte I Iilfsnrbeit der ״Ose“ ist ober jetzt von der Gefahr des finanziellen Zusammenbruches bedroht. Die zentralen jüdischen Hilfsorganisationen, welche bis jetzt die Arbeit der ״Ose“ unterstützten, haben ihre Tätigkeit teils aufgegehen, teils bedeutend eingeschränkt. Ohne rechtzeitige 1 lillclcistuiig seitens der breiten Schichten der jüdischen Gesellschaft müßte, die gesamte Arbeit stillgclcgt werden und das schwererprobte ukrainische Judentum würde dieses Versäumnis mit dem Leben von Tausenden bezahlen müssen. Die ״Ose“ nicht sich daher veranlaßt, sich an die jüdische Oeffcntliclikcit : mit dem Ersuchen zu ,wenden, ihre Mitwirkung für die Erhaltung und den ,Aushau des für die russischen und nainentlieh ukrainischen Juden lebenswichtig!) Werkes zu gewähren. Wir hegen dabei die Ueberzeugung, daß die deutsche ן udenheit, die stets eine führende Rolle itn Hilfswerk , fir das russische Judentum hatte, auch in der gegenwärtigen f Krisis, trotz, der eigenen schweren Sorgen, die schwerbetroffenen Brüder und Schwestern in Rußland nicht im Stich lassen wird. Gilt cs doch die Rettung von Leben und Gesundheit luindcrttnusciuler Juden! Gilt es doch, die schlimmsten Gefahren abzuweiidcn von llartgeprüften, die bereits Unsägliches erlitten haben 1 Fra« Regina Sokolow gestorben Wie' uns ein Telegramm aus London meldet, Ist dort die Gattin Nahuni Sokolows, des Prä i- ' deuten der Zionistischen Exekutive, im Alter von 65 Jahren nach langem schweren Leiden gestorben. Mit ihrem Manne, dem wir unser herzlichstes Beileid aus• sprechen, trauern sieben Kinder. Mit tiefem Schmerz werden alle Freunde Nahum Soko* / lows, alle Freunde des Hauses Sokolow die Nachricht vom Tode von Frau Sokolow erfahren. Wer je einmal im Kreise;ן der Familie Sokolow geweilt hat, wird die Bedeutung und : den Charme dieser Frau erlebt haben, die eine ungewöhnliche ü und unvergeßliche Erscheinung war. Von jener wundervollen; Weichheit, die aus den Tiefen einer instmktsichercn und wurzclstarken Persönlichkeit floß, und gesteigert und vertieft war durch ein Leben reichster Erfahrung und stärkster Schicksale, gütig und verzeihend wie c9 nur wahrhaft Weise sind, war Frau Sokolow die wirkliche Königin dieses Hauses, in dem 6ic 5 mit derUrnsidit und Tüchtigkeit, mit der unspürbaren und doch alles überschauenden Blickweite und Voraussicht einer Herr- , Seherin regierte. Wer weiß, was das Haus Sokolow in den I verschiedenen Dezennien der führenden Wirksamkeit Nahum Sokoktws im jüdischen Leben bedeutet hat, in den vielen i' den Händen "von Frau Sokolow lag), in den Jahren in I, Berlin und zuletzt in London; wer weiß, wie sehr dieses; Haus wirklich jüdisches Zentrum war, ln dem die bedeutendsten | Juden aus allen Lagern und Ländern ein und aus gingen, der;> wird auch begreifen, daß die Wirksamkeit von Frau Sokolow 1 über den Rahmen ihres Hauses und ihrer Familie hinaus weite j Kreise zog und diese gütige, stille, weise Frau mit ihrem 1 wundervollen Takt und der imposanten Sicherheit ihres Auf- | tretens und ihrer Haltung, in der Tat ein Stück jüdische I Geschichte an der Seite Nahum Sokolows nicht nur nutgelebt, , sondert! in ihrer Weise auch mitgemacht hat. Um sie darr j mit Nahum SokolöW Und seinen Kindern, mit all den vielen t Freunden des Hauses wirklich der ganze Zionismus, das ganze . jüdische Volk trauern. J Ihr Lebensweg vom kleinen Städtchen in Polen durch I alle europäischen Metropolen bis nach London, von der Enge ihres heimatlichen Milieus in die Weite großer publizistischer Wirksamkeit von historischem Rang, war ,reich an Schwerem und Leid vollem, war aber durch die siegende Macht ihrer Per- ן sönlichkeit im ganzen der Triumph einer wahrhaft großen ] Frau und einer vorbildlichen Jüdin, deren Bikl den Tausenden, die ihren Zauber verspürt haben, unvergeßlich blei« ben wird. Nahum Gold mann,! Aus der Jüdischen Welt 6m •Imcl ״ Am 24. Juni hat der Oberkommissar für Palästina, Sir : Herbert Samuel, seinen Urlaub angetreten. Er gedenkt, im Sep- I temher wieder nach Palästina ׳zurückzukehren. Wie die Pal,; Tel.-Agentur erfährt, beabsichtigt Sir Herbert Samuel, un- | geachtet der Proteste der Agudisten, auf die Annahme des Gesetzentwurfes betreffend die Regelung der jüdischen Gemeinden in Palästina, der sich jetzt zur Prüfung im Golonial-Offiec befindet, hinzuarbeiten.!•; Im Jahre 1923 wurden von der palästinensischen Regie- י rung 5108 provisorische Zertifikate iiDcr die palästinensische Staatszugehörigkeit ausgegeben gegenüber 5611 im Jahre 1922. Die Frage der palästinensischen Staatsbürgerschaft steht in engem Zusammenhang mit der Ratifizicrung des Lausanncr Friedensvertrags, den die Türkei schloß. Durch die Ratifizierung■ des Lausanncr Vertrages durch Japan erscheint dieser nunmehr von drei Großmachten bestäligt und ist somit rechtskräftig. Da* durch ist cs möglich, einzelne Bestimmungen des Mandats- Vertrages, der im Juni 1923 vom Völkerbund angenommen wurde, hinsichtlich dieser Bestimmungen jedoch auf den Lausanncr Friedensvertrag Bezug nahm, nunmehr durchzuführen. Mr. Stead hat Mr. Barron als ,Direktor der Zölle und des Handelsamtes in Palästina ersetzt. Die staatliche Rechts wissen sehafts - Hochschule in Jerusalem erteilte am 10. Juni Abgangszeugnisse an die ersten Studenten, die den Kursus mit Erfolg beendet haben. Fünfundvierzifj Studenten haben promoviert, unter ihnen aehtu 11 dd r c 1 ß i g Juden. Die Promovierten wurden von dem Justizsckrcl.'ir von Palästina, Herrn Norman B entwich, beglückwünscht. Ansprachen hielten: ein arabischer und ein jüdischer Promovcml, sowie ein arabischer und ein jüdischer 1.einer, Der jüdische Lehrer betonte in seiner Rede, daß die Hochschule für Rechtswissenschaft in Jerusalem der einzige Ort der Welt sei, wo moderne Gericlitsharkeit in hebräischer Sprache gelehrt wird. Am 11, Juli leiert der hebräische Schriftsteller Mordeeftai Ben-Hille« Hakohon sein 50jäl1rigcs SchriftstclIer-Jubiläum, Fs werden Vorbereitungen zur Ueberfühmng der berühmten Jcschlwah von SIo bodka bei Kowtto nach Jerusalem getroffen. Der Vorsteher der Jcschlwah! ist in Palästina altgekommen, um für die Zöglinge der j Jeschi wah das Aufentlialfsrccht zu erlangen, > Der mohammedanische Führer aus Tunis, Abdu-il- Aziz II Salcbi, der vor etwa einem Monat in Palästina anknm, bemüht sich, die vier arabischen Parteien 111 Pal.fi8tinn: Palästinensische arabische Exekutive, Gemäßigte Arabische Nationnlpartci, Bauernpartei und die neue Hebron-Partei, zu vereinigen. Es sollen alle vier Parteien einen vereinigten Kongreß abhaltcn und ein gemeinsames Programm aufstclicn, '