Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 48 (17.6.1924)
- Date
- 1924-06-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2651273-2652595-2652639--15826-2675157- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Riga 1× ep/1000826
OCR text
Seite 348 1UEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 48 icecii Alijah '׳ 1 Von Eugen Samson. ' ■'׳; < Die größere Eiiwandcrungszalil nach Palästina in den Irtzicn Monaten lenkt die Aiiimcrksamkcit der .rloimtisclien Oeffcntliclikdt wieder einmal auf «iie Frage der Alijnb. Die Urrache der vcir.lärklcn Einwanderung ist bekanntlich der Tabakbau, der in dieser Saison auf Grund der Ergebnisse der vorjährigen Versuche in weiten Kreisen der Kolonisten sowohl wie der Kwuzoth Eingang gefunden hat. Infolge _dieser!Arbeiten hnlx'ii in kurzer Zeit die Arbeitslosen fast sämtlich llnti'ikoimiH'n gefimden, Darüber hinaus haben in den Städten siele Rnuhamhverkcr diese Arbeiten veilasr.cn, um heim Tabak•! au itiii/uhelfi’ti und dadurch zu verhindern, daß arabische Arbeitskräfte hier wieder cindringcn, und daß damit die neue Möglichkeit, deren Wert für den Aufbau hier uncrörtert bleiben r-oll, für eine Verwirkung der Alijah nicht ausgcivutzt wird. Tatsächlich ist «uii eine seit langem nicht mehr gekannte Zahl von Zertifikaten seitens der palästinensischen Regierung der Zionistischen Organisation zur Verfügung gestellt w.’irii 1; «1ml cs ist nt erwarten, dal! weitere Zertifikate folgen, wenn wir in der I age sind, genügend geeignete Elemente zu stellen. Auf Deutschland entfielen bisher von diesen Zertifikaten nur 05, timt zwar 75 für Qwfuz.im und 20 für Chalnzoth. So erfrculich diese Zahlen sind, so hat doch die Einschränkung der Alijah besonders im vorigen Jahre bewirkt, daß eine weit größere Anzahl Chaluzim lieirte auf ihre Alijah warten. Hinzu kommen diejenigen, — und ihre Zahl ist nicht gering —, die infolge der geringen Aussichten für ihre endgültige Uebersiedhing der (jh.-duzbe wogung entfremdet wurden. Sie werden sich mit Freuden wieder in die Reihen ihrer Chawerim von gestern steilen und haben dies zum Teil schon auf die ersten Nachrichten von einer Verstärkung der Alijah getan. So äst die Situation heute die, daß, wie die Nachrichten am Palästina beweisen, drüben Menschen Arbeit finden können, während in Deutschland Chaluzim noch immer tür die Alijah bereit stehen. Das Palästina-Amt, Berlin, hat sich deswegen telegraphisch an die palästinensische Exekutive gewandt und 200 Zertifikate für Chaluzim aus Deutschland gefordert. Es bestellt die Hoffnung, daß die pnlüstinciisische Regierung einer dahingehenden Forderung der Exekutive xiaciikommcn wirr!. Außerordentlich groß ist die Aufgabe und Verantwortung, die hierdurch dem Palästina-Amt und «len Organisationen et wächst, die die Palastina-Aints-Koinniission bilden. Bisher bestand die Schwierigkeit der Zertifikatvertei- Jung darin, jeden Fall abzuwägen und Punkte herauszufinden, die den einen Anwärter dem anderen voranstetiten. Keineswegs darf mtu die höhere Zahl von Einreiseerlaubnissen dazu verleiten, ex« «len Fordenmgen, die bisher für die Erteilung eines Zertifikates gestellt wurden, auch nur einen Punkt nbnilnssm. U n b c «I in g t e C11 a 111 z g c s i 11 n 11 n g ist bei dieser neuen Alijah wichtiger als je zuvor. Allzu leicht kann schon in verhältnismäßig kurzer Zeit ein Rückschlag in «ler günstigen Lage «lest Arbeitsmarktes in Palästina eintreten. Es muß die Gewähr vorhanden sein, daß die Chaluzim, die jetzt nach Palästina gehen, bei einer schlechteren Lage des Arbeitsmarktes sich als Chawerim der bereits im Lande befindlichen Arbeiterschaft bewähren unti Arbeit und Brot mit ihnen teilen, daß sie vor allem aber auf keinen Fall in solcher Zeit «ias Land wieder verlassen. Diese Gewähr kann von den Organisationen, die die Zertifikatanwärter stellen, nur dann übernommen werden, wenn die Opfcrbcreitschaft, die die palästinensische Arbeiterschaft tagtäglich beweisen muß, sich bei• den einzelnen hier sdion bewährt hat. Das bedeutet vor allem auch, daß eine manuelle Ausbildüng der Ucbcrsiedlung voranztigehen hat. Es ist vielleicht schwierig zu entscheiden, weiches spezielle Handwerk beute für .Palästina geeignet ist und welches nicht — mau sollte nach den Parolen ״nur Elektrotechniker“ «xlcr (a1ur Bauhandwerker nach Palästina“ mit derartigen Vorschriften etwas vorsichtig nein —, aber die Bcrufsumschichtung zum manuellen Bernte muß heute noch im Gatuth erfolgen. Hier ist sic u. a. auch ein Kennzeichen für Chaluzgcsiiumng. Doch vor allem im Interesse Palästinas ist die Betu f su ms eh ich tun g bereits hier zu fortfern, Man kann z. B. von keinem Tahnkarheiter bei einer Entlohnung von £ 3 pro Monat verlangen, daß er dieser besonders physisch schweren Arbeit gerecht wird, wenn er «lieht schon eine entsprechende Vorbereitung liier gehabt hat. So ■wichtig Spezialarbeiter in den verschiedenen Handwerken und auck in speziellen Zweigen der Landwirtschaft sind. Wird eine solche^ Spezialausbildung bei dieser größeren Alijah nicht überall zur Bedingung gemacht werden. Davon kann man auch schon deswegen Abstand nehmen, weil die Chaluzim vielfach Dieken auszufüllen Italien, die durch die Tabakarbeiten In einzelnen Gruppen entstanden sind. Doch dann ist die Bewährung als Arbeiter, und nicht nur eine kurzfristige vor- (übergehende, unbedingte Voraussctmng. Ebenso wie bisher kann im Interesse des Landes hierauf nicht verzichtet werden, und mehr noch als es bisher vielleicht der Fall war, sind Kenntn issc de r_ hebräischen Sprache von jedem Olch schon um seiner selbst willen zu verlangen, Möglieh sind liier vielleicht graduelle Bewertungen zwischen solchen, die bereits von klein auf Kenntnisse der Sprache empfangen haben, und denen, die sie sich erst erwarben, ßls sie sich in die Reihen des Hechaiuz stellten. In dieser Frage ist in fast allen Faßen wiederum ein Merkmal für die Bewertung als Clialuz gegeben. Keineswegs dürfen für «Iie Zertifikat-Erteilung Gesichtspunkte zur Gr!, tung kommen, die in irgendeiner Weise aus der persönliehen Notlage des einzelnen Bewerbers entspringen. So selbstverständlich dies erscheinen mag, ist cs doch immer wlcrlcr notwendig, darauf hi nzuw eisen, daß Palästina heute leider noch nicht «las Lmul sein kann, in dem alle irgendwie als Juden bedrängten Menschen ihr bisheriges Galutlidascin, nur in beschaulicherer Form, forLseiz.cn können. Nur wenn in dieser Weise die Verteilung einer Zahl vbn 200 Zertifikaten erfolgt, können wir durch die Bereitstellung dieser Menschen dem Lande den Dienst erweisen, der heute der wertvollste und wichtigste Ist. In diesem Zusammenhang muß auch besonders auf «Iie gesundheitliche Eignung de r Ch a 111 z I m hingewiesen werden. Immer wieder kommen Klagen über Krankheiten ins Land kommender Olim. Wir werden hi Kürze Richtlinien veröffentlichen, die von der palästinensischen Regierung im Zusammenhang mit der zionistischen Exekutive in dieser Hinsicht aufgestcllt sind. Einen besonders wichtigen Punkt bildet die FI n a n - zlcrung der Alijah. Steht nämlich auf «ler einen Seite die Forderung der manuellen Ausbildung, so kann andererseits ™r 1m beschränkten Maße die Aufbringung des Aliiah-Geldcs von dem einzelnen Chaluz verlangt werden. Es ist selbstverständlich, daß prinzipiell auch diese Kosten von jedem Olch selbst getragen werden müssen, ja, daß selbst die Ausrüstung erst hinter den Kosten für die Ueberfa irt zu rangieren hat. Doch wird die Aufbringung dieser Kosten bei den derzeitigen Lohnvcrhäitnisscu in Deutschland für viele alleinstehende Chaluzim, wenn sie bis jetzt in der Ausbildung standen, zur Unmöglichkeit. Unter diesen Umständen ist es notwendig, darauf hmruweisen, daß trotz aller finanzieller Belastung der Ortsgruppen und einzclnen Zionisten die Aufbringung der Alijah- Kosten für die Chaluzim des Bezirks, der Gruppe oder des Verbandes zu den dringliebsten Pflichten gehört Nur auf diese Weise, <1. h. wenn jede Gruppe, jeder Bezirk und jeder Vtrbaml die Alijah «ler m ihnen gehörigen Chaluzim übernimmt, soweit sic darauf angewiesen r.iiid, ist c3 möglich, eine Alijah von 200 Chain,1111 «Imvli/uffihren. Virileicht wird cs auf «!1( :;er sehr maleriellen Grundlage möglich sein, einen Konnex «ler einzelnen Groppen mit Palästina zu schaffen, der heute so dringlich für «iie Bewegung erforderlich ist und der überall auch gefordert wird. Doch «iie momentane Verstärkung der Alijah nach Palästina wäre nur eine episodenhafte Ercchlnung, wollte man nicht Perspektiv«!״ für die Zukunft daraus gevrimicn. Man hatte sich 111 der zionistischen Bewegung schon zu sehr damit nbgcfmideti, daß monatlich höchstens tiOO bis 1000 Einwanderer ‘nach Palästina kommen und daß in krisenhafkin Zeiten dieser Einwanderung noch eine nicht unerhebliche Auswanderung gegenüber«tniid. Es wurde zwar allenthalben die Forderung n.icii unbegrenzter IZinwmidctung oder wenigr,tmis nach einer Einwanderung, die dem Willen und den Möglichkeiten der Zionistischen Organisation entsprach, erhoben. Tatsächlich aber — und dafür spricht nicht nun IlAPOiX-OASAia Ojruppo Berlin י **«*-.״) | gl! w,*«, f.l ui lätritlu läildj Wwי—jL&äi§J kiti w«ül Ü*i Ci Es werden sprechen: M. Bader (Jaffa), 3. Hcllraann (Riga), D. Swcrdlotf (Jerusalem) Im großen Saal des ZIORicttechcn Helms, Lendsberger Sfr. S9 ✓ Zeit: 81/3 Uhr abends wenigsten die Summe des Budgets für Alijah — hat man sich den Tatsachen gebeugt, wenn man nicht gar das ״stop immigration“ zum Progr.ammpiinktc erhöh. So konnte cs gescheheii, «laß unter dem deprimircndcii Eindruck der geringe״ Aiijah der Chnluzhcwcgung nicht nur wertvolle Krähe verloren gingen, sondern dal! diese vor ollem auch ihrer stärksten Propagandamöglichkclt beraubt war, die allein durch die Tatsache der nach Palästina gellenden Chaluzim geschaffen wird. So konnte es ferner geschehen, daß plötzlich über Nacht iri Palästina, wo man gewöhnt war, über «üe Arbeitslosigkeit zu klagen, ein Arbeite rmangcl ent- *tarnt, den man vom Gatuth aus nicht sofort beheben konnte. So konnten leicht wichtige Positionen Im Lande verloren gehen und sind vielleicht auch verloren gegangen. Dies zwingt dazu, eine derartige Situation für alle Zukunft zu vermeiden und eine kontinuierliche Alijah in stärkerem Umfange als im vorigen Jahr auch dann zu fordern, wenn der Arbeiismarkt vorübergehend sich nicht so aufnahmefähig zeigt wie im Augenblick. Besonders belebend wird die neue Alijah, die man vielleicht allzu schnell bereits die vierte Alijah genannt hat, auf «üe Chalu/bewegimg im allgemeinen und die zionistischen Jugendorganisationen im besonderen wirken. Nicht allein, daß ihnen hierdurch wieder neue Freude und Lust zu ihrer Erziehungsarbeit erwächst, wird ihnen vor allem Gelegenheit gegeben, in ihren eigenen Reihen und außerhalb ihrer Reihen für den Gedanken der Chaluziuth zu werben und somit dem Zionismus neue wertvolle Kräfte zuzuführen. Laut soeben aus Jerusalem cingctroffenem Telegramm sind «fern Palästina-Amt nur 50 Zertifikate überwiesen wor. den.!'.׳! Lt zu hoffen, daß dien nur eine vorläufige Sendüng bedeutet, und daß die angeforderten weiteren 150 Zertifikate dem Palästina-Amt, Berlin, in kürzester Zeit von der Palästina-Exekutive zur Verfügung gestellt werden. Auf jeden Fall ist die Folge dieser Tatsache, daß wiederum mir der kleinste Teil der zur .Verfügung stehenden Chaluzimi Zertifikate erhalten kann. * Ueiwr die neue Immlgnvifonsbewegtmg nach Palästina geben Berichte Auskunft, die die palästinensische zionistische Exekutive aus verschiedenen Teilen Europas erhalten hat. Ein Telegramm de9 Palästina-Amtes in Warschau besagt, daß über 3000 Gesuche qualifizierter Arbeiter vorliegen. Wenigstens 500 Einreisegenehmigungen werden für Männer und 100 für Frauen für unmittelbaren Gebrauch ausgegeben. Aehnlieh groß ist die Nachfrage nach Visa» in fast allen anderen Ländern. Der zionistische Vertreter in Alexandria benachrichtigte «tie Exekutive von der Abreise von 100 Chnluxim am 27. Mai. Das Pnl.äsiina-Amt ln Wien forderte dringen«(. 120 Einreise-Genehmigungen. Aus Triest, das vom dein größten Teil der Chaluzim ,119 Ausreisehafen benutzt wird, traf die Nachricht ein, daß drei Gruppen von 90, 70 im«! 112 Immigranten sich (u einer;Woche nach Palästina cingc״ edüfft haben. /* Dreißig Familien sind am 11. Juni aus Warschau nach Palästina abgerclst. Weitere »)0 Personen rehfeii am 12. Juni ab. Infolge der zunehmenden Immigration polnischer Bürger nach Palästina ist eia Vertreter der Palästina■ Regierung in Warschau clngctroffen, um die .Wanderung zu beaufsichtigen. Im Lemberger Pafüstlna-Amt wurden in d״ Id/len Zeit wöchentlich einige hundert Arbeiter für die Reise nach Palästina registriert, unter den Registrierten befinden sich auch mehrere Mitglieder der Lemberger bandisti• sehen Tischler-Kooperative. Herr H. Gfonsky, der Leiter der Emigration». .ibtefiung der polnischen Regierung, der eben m I .11;ir,1ina nevveiH hat, 11m die I״agc der jüdischen Itnml^rim• len aus Ifoleii zu erforschen, hat dem Koiwtantütopcler J.f.A,- Vertreter gegenüber erklärt, er sei nach Palästina in einer skeptischen Stimmung gegangen, aber während eines vierzehn- Tägigen Aufenthaltes in dem Lande habe cf einen tiefen Eindruck von der Arbeit der Chaluzim bc* kommen. Ls Sei ihm schwer gefallen, zu glauben, «laß diese Bauer״, die die Felder bebauten, polnische Juden wären. Herr Gfonsky ragte, er werefe in seinem Jkrieht an die polnische Regierung befürworten, daß Eretchtenmgen für die Emigration «ach Pafast» 119 gegeben werden »olle«. Er fügte noch hinzu, daß er tn Palästina nichts von Kommunismus gemerkt hatte, der, wie so viel erzählt wird, unter den jüdischen Arbeitern in Palästina verbreitet seit» 6©lle, 9ÖC Palästina-Immigranten Im Mai -v °2(\ Immigranten kamen im Monat Mal nach Palästina. Die Zalü der Immigranten im Monat Aflril betrug 933. Der amtliche Bericht der Palilstisa*Verwaltung 1111 Jalire 1923 London. ’(J.T.A.) Dar. Londoner Kolonialamt hat am 12. Juni den Bericht über die Palästina-Verwaltung für da» Jahr 1923 veröffentlicht. , Die politische Lage Ei wird einleitend fcstgcstellt, daß die politischen Streitfragen im Lande durch konstitutionelle Met 11 öden nusgi'foclitcn worden sind. Es sind keine ernsten Störungen der öffentlichen Ordnung während des Berichtsjahres vorgekommen. Die Garnison konnte weiter reduziert werden. Die Zuschüsse des britiselten Schatzamtes für «ias Sicherheitswesen betrugen in runden Zahlen: 4 MX)000 Pfund im Jahre 1921/22 und 2000 000 Pfund im Jahre 1922/23. Man schätzt die Ausgaben für das Jahr 1923/24 auf 1 500000 Pfund, wobei die Voranr. chtägc für das folgende Finanzjahr eine weitere Reduzlcrung vorsehen. Von Anfang an sind von der britischen Regierung keine Subventionen für die Ausgaben der Zollverwaltung in Palästina gewährt worden. Die Depression im Ilsndel und ihre Uebenvindneg Die ,Depression im Handel, die im Jahre 1922 so akut eingesetzt hatte, dauerte zwar während des ganzen Jahres 1923 an, machte aber, im Gegensatz 711 den anderen Ländern des Ostens, wenig oder gar keine Fortschritte. Für die Depression waren die gleichen Gründe wie anfangs, nur in verschiedenen Graden, wirksam: eine reduzierte Zirkulation de» Kapitals, Immobilisierung des Kapitals in Haus- und Landbesitz, hohe Zinsen und eingeschränkter Kredit. Mehrere kleinere Geschäfte waren gezwungen, zu li«|11idicren, aber meistens nur solche, die auf ungesunder finanzieller Basis standen: ihr Vcrschwinden darf deshalb nicht als eine Einbuße für die Industrie gebucht werden. Das Ende des Jahres 1923 findet das Land ökonomisch g c k rii f t i g t c r; die Tendenz nach unten scheint völlig zum Stillstand gekommen zu sein. Auf dem ökonomischen Gebiete kann das Jahr mehr als eines der Vorbereitung als der Ausführung angesehen werden.. Sowohl der Staat, als auch die privaten Unternehmungen sind dabei, Pläne zur zukünftigen Ausführung vorzubereiten, — Der Orangcn-Handcl leidet noch sehr unter der Uncinigkcit der Exporteure; viele Tausende Pfund gehen jedes Jahr durch falsch kalkulierte Verladung ver* loren. — In der Weinin«lustrie gab cs keinen Fortschritt; cs wurde gegen früher weniger Wein produziert und auch weniger exportiert. Der Handel war bcsonders durch billigere französische und italienische Weine, durch das Alkohol verlxit in Amerika und durch verstärkte Einfuhrzölle in den Importländern schwer geschädigt. — Der Tabak- und Zigarcttcnhandcl gedeiht gut. im Jahre 1022 betrug der Zigaretten- und Tabakimport 416 Tonnen im Werte von 249.000 £E, im Jahre 1923 nur noch 231 Tonnen im •Werte von 120.000 £E. Die Tabakanbaufläche wird dauernd vergrößert; die hochgradige Mannigfaltigkeit des türkischen Tabaks ist kultiviert worden. Der Ertrag an türkischem Tabak hat um 276 <>/a zugenommen. Die Touristensaison war gut; der unsichere Zustand des Nahen Ostens seit reckte aber viele vorsichtige Besuche* ab, und mehrere Vergnügungsreisen sind unterblieben. Bodenschätze Ea wurde eine detaillierte Messung der Potaschequellen des Toten Meeres vorgenommen. fm Süden haben Gruppen, die Vorkriegs-Konzessionen haben, Oclspu ren erforscht. Eine vorläufige Untersuchung von Phosphatlagern und bituminösem Kalkstein ist durchgeführt worden; Experimente haben die Möglichkeit ergeben, aus dem Kalkstein gelöschten Kalk zu ziehen und des ׳ Ueberrest als Brennmaterial zu verwerten. Die OanddsgcscIIschallca Von zwanzig eingetragenen palästinensischen gcscllschaften mit einem Gesamtkapital von 1.215.000 £E waren die beiden wichtigsten die Palästina-Elcktrizitltsgcsellschaft Ltd. (autorisiertes Kapital 1.000.000 £E) und die Jaffa-Elcktrizltätsgcsellschaft Ltd. (autorisiertes Kapital 100.000 £E), die gebildet wurden, um die Ruthenberg-Konzessionen für die Erzeugung und Verwertung von elektrischer Kraft und elektrischem Lieht zu verwirklichen. — Wie 1922 ist auch in diesem Berichtsjahr keine Zwangsliquidation vorgekommen. Sechs Bankrotte sind erklärt worden. Siebzehn koopc* ratlve Gesellschaften wurden gebildet; meist land« wirtschaftliche und ״Gartcnstndt“-Kooperationen, aber auch eine Bankgcsellschaft mit einem Kapital von 20.000 £E. Die kooperative Bewegung ist noch gänzlich auf die jtt» dischc Bevölkerung beschränkt. Landbesitz tmd Elsenbatae« Der Einfluß der ungünstigen ökonomischen Bedingungen zeigte sich in einer Verminderung der Orundeigentu ms-T ra 11 s a k t Io 11 eu , ebenso in einer Verminderung des Wertes und einer Vermehrung der Hypotheken; andererseits vermindern sich die Zinsen ein wenig Infolge von neugegründeien Krodiibanken und Darlchnsgcscllschaftcn. Bel «len Eisenbahnen ist die Arbeit des Jahres durch starke Einschränkung gekennzeichnet. Im November war der Aufwand der niedrigste, der je ■erreicht war; die vorherrschende ökonomische Stagnation hat eine Reduzierung der Einnahmen zur Folge gehabt. Eine Ermäßigung des Fahrpreises, die im April Platz gegriffen hat, brachte eine merkliche Zunahme des Personenverkehrs. Gleichzeitig waren die Oüterpreise beträchtlich herabgesetzt worden. Arbeitslosigkeit, Immigrallo■ und Emigration Die Arbeitslosigkeit unter den Juden hatte im Vergleich zu früher zugenommen; die Zahl der Arbeitstosen wuchs von Monat zu Monat, bis sic im Hochsommer 1923 das Vierfache der entsprechenden Periode von 1922 erreichte. Für den übrigen Teil des Jahres blieb sie relativ beständig mit einer Du re h»c h n 111 s z* h I von 2000. Die palästinensische zionistische Exekutive bestrebte sich, Notstandsarbeiten ln Gang zu bringen und widmete der landwirtschaftlichen Ansiedlung Ihre beson* dere Aufmerksamkeit. Bis!um Juni war die Arbeitslosigkeit