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Jüdische Rundschau · 1924-06-17 · Heft 48 (17.6.1924) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 48 (17.6.1924)
Date
1924-06-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 348 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 48 dem damit gemeinten geistigen, Man hat die zionistische Arbeit häufig mit der Kricp;fülm!ng verglichen. Was mit der Verleitung des ot'gatit alomchea Zentrums nach Palästina jet/t geplant wird, wäre im Sinne dieses Vergleiches nichts anderes, als die Verlegung des Kriegsministeriiiins und aller kriegswirtschaftlichen Stellen in die Schützengräben der vordersten Front. Trotzdem ist cs auf organisatorischem Gebiete schwer zu entscheiden, ob diese Nachteile die Vorteile überwiegen. Aber angenommen, sie hielten einander die Wage, ko gehen u. F, sehr gewichtige Bedenken poiittscher Art den Ausschlag, Darüber im nächsten Aufsatz. S. K. Wand lcumi und Paläslina - Exekutive Der Präsident des Waad Lcumi, David Yctiin, hat sieh mn lf). Juni 11.ich London begehen, um der Zusammenkunft des Grollen Actioiis-GoiniU's, die am 21. Juni in London beginnt, bei/nwohmm. In einem Gespräch mit dem J.T.A.- Vertreter sagte Herr Yellia, er weide vor dem ürulien Aclioiis-Uomitö di!' W i e «I e r 11 c r s t e 111111 g <1 e s R e 1111 c s der W n n <1 Le 11111 i, nn <1 e r ין a I li s 1 i 11 e n s is ch •z i o - «ist is cheit Exekutive teilauelimen, vertreten. Er will (einer im Namen der Waad Lcumi eine Erklimm(׳ abgeben, «lall der Waad bereit sei, 11 ic Erzieh uugsarbeit zu übernehmen, vorausgesetzt (!), daß das Budget für l'r/ielmngswesen von der zionistischen Exckutivi־ garaniiert wird. Herr Yellin wird in London ferner heim Güoiüal Oiiicc die Forderung nach einer Autonomie der jüdischen Genie in de 11 in Pa 1 ii st i 11 a erheben, wobei er auf die Unterstützung Herbert Samuels rechnen kann. 9 Herr David Yellin wird aut eine Einladung des Prä-!;identen des Jüdischen Institutes in New York, Dr. Stepheu S. Wise, eine Reihe von Vorlesungen an diesem Institut halten. Herr Yellin wird sich im August nach den Vereinigten Staaten begeben. Eine JMiselie Gemeinde * Konlcrenz in Paläslina Jerusalem. (J.T.A.) Die palästinensische j üd i sch c Muaizipal-Koniere»z wurde am 10. Juni von Herrn Ben-Zwi eröffnet. Vierzig Delogierte aus allen Teilen des Landes sind anwesend. Das Ziel der Konferenz ist, die Muitizipnlfrngon im Einklang mit den Interessen «1er jiiilischon Bevölkerung zu erörtern. Eine neue arabische Partei , Jerusalem. (J.T.A.) Im Distrikt Hebron hat sich soeben eine neue arabische Bauernpartei gebildet, die «las folgende Programin hat: Anerkennung des ritlschcn Man «I a t e s über Palästina, Zusammenarbeit mit der Regierung, eine Politik des Friedens und der Freundschaft mit «ien Juden und allen anderen Rassen in Paläslina. Die Organisatoren der neuen Partei erklären, es sei ihr Hauptziel, solche Bedingungen des Friedens und der Ordnung in Palästina sichern zu helfen, damit das Volk befähigt werden solle, all seine Energie auf die Entfaltung der Wirtschaft und auf die allgemeine Wohlfahrt des Landes zu konzentrieren. Zur Erreichung dieser Zwecke will tlie Partei au die Regierung mit der Fürderuug hcrantrclcu, M a 1111 n h 111 e 11 zum Schutze der palästinensischen Produktion, zur Verminaerung der Besteuerung und zur lsndwirtschaf tlichen Erziehung zu ergreifen. Die Partei wünscht, dal! ein neuer gesetzgebender Rat hegründet werden soll, in dem arabische Vertreter sitzen sollen. NcuorganisEcrun{! des palästinensischen Immloritions• und Arbeils-Deparlcmenls Jerusalem. (J.T.A,) Eine hier veröffentlichte Bekanntmaclvung besagt, daß unter der Leit«mg eines K o 111 r o 11• beamten eine neue Sektion des Sekretariats unter «lern Namen Pcrinits-Scction errichtet ist, um die bisher von «lern Departement für I m m lg r a t i o 11 und Reisen und von dem Untcrdepartnmcnt für Arbeit erledigten Agenden zu übernehmen. Alle Mitteilungen und Anfragen betreffend Immigration, Reise und Arbeit müssen an die Pcrmits-Section gerichtet werden. Die amerikanischen Bnei IlrltMopn and die PaläsiinaarbeU Chicago. (J.T.A.) Die Frage <ler Kolonisationsarbeit in Palästina wurde auf der letzten Chicngocr Zusammenkunft des Exekutivkomitees des U 11 a 1111 ä n g i g c n O r d e n s 1511 c i Britli erörtert. Die Exekutive beschloß, eine Acndcrung Ihrer Kolonisationsplänc vorzuneliineii und an Stelle der Errlfivinitg euer Gartenstadt bet Jerusalem, wie sie b1!׳׳׳ er in i , ]rächt gezogen war, ln «!er Nachbarschaf; hmlwirt•!״־iiafiiielit' Sii'illiing’eu zu gründen. Dies werden selbständige Gemeinden sein. Die Exekutive beschloß ferner, ein Stipendium an der 11 ch r.'i Ischen U111 v c r s 11 ii t in Jerusalem zu stiften. I'ine Summe von 5000 Dollar ist zu diesem Zwecke gesammelt worden. Dieser Beschluß ist das Resultat eines Appells, den Dr. Wei/mnmt, als er In Chicago wellte, au die < Ihorlcilinig der Und Brill! richtete. Die Exekutive hat mich die Einrichtung einer Briet B r i 111 -{! ro II -1.0 g e für Palästina beschlossen. Pa- Estin,» war bis jetzt in «He Region von Aegypten und Serien ciugosclikisscn. Die neue Pai.'istln.vlxigc wird die Bezeichnung Groll-Loge Nr. 14 tragen. Ein Kongreß der Vertreter aller Bnei Brith-Logen in der Türkei, Aegypt 0 n , S y r i e 11, P a 1 ii s t i 11 a, B 111 g a r I e 11 und G r I e eben!and soll 1111 Juni 111 K o n s t n n t i no pc i nbgrhalten werden. f)|e letzte ’Zusammenkunft der Bnei liritu-Logcn in diesem Gebiet fand im Jahre löt4 statt. Die Palistiiia-Iktkm der Jihllsclien Gewerkschaften Amerikas Bisheriges Ergebnis 60 000 Dollar Wie «1er Leiter der Kampagne, Max Pinc, mitteilt, haben die Vereinigten jüdischen Arbeiter-Gewerkschaften in Amerika in ihrer ’Palästina-Kampagne bisher schon 60000 Dollar aufgebracht, davon 43000 in har und 17000 in Verpflichtungen. Fs wurde einstimmig beschlossen, Ende Mai die ersten’ 25 000 Dollar au tlie jüdischen Arbeiter in Palästina zu überweisen. Ein gleich hoher Betrag soll jewcils am Ende eines jeden Monats überwiesen werden. Wiener Brie! (Von unserem Korrespondenten.) Zionismus Die jfmgstc österreichische Keren Hajcssod•Woche (eigentlich Wochen) hatten ein Ergebnis von 500 Millionen Kronen (zirka 30006 Goklmark), von denen aher hts zum Tage des •Abschlusses der Aktion erst ein Drittel har cingcznhlt war: dieses Ergebnis konnte keinesfalls befriedigen, was besonders augenfällig wird, wenn man hört, daß der Jüdi sehe K a t io 11 n I f o nd s in Oesterreich im letzte« Monat fast ebensoviel aufbraclite (133 Mil!. Kronen), als beim Keren Hajes*««! zurzeit des Aklionsabsriilusses eliigel.iufen war. Hierbei ist noch zu berücksichtigen, daß der J, N.-F, seine Arbeit mit den bescheidenen Mitteln, tlie ihm zur Verfügung steilen, ausfiihrte, während der IC. H. eine *ehr große Anzahl Werber, Versammiungsredncr, PnliistinafUm-Vor. führnngen 11. n. m, in seine Dienste gestellt hatte. Aus der Botschaft, die Weizmann nach Abschluß der K. H.•Aktion an die österreichischen Zionisten richtete, spricht deutlich die Unzufriedenheit mit «lern Ergebnis der K. H.•Arbeit. — Die K. I!.-Kommission beschloß, ihreWcrbettitigkeitfort. Z u s e t z 0 a. Die vor einigen Monaten gegründete Jüdische Vö! ke r bn 11 d I i ga י in Wien veranstaltete kürzlich eine große W er he v c r s a m m In 11 g, bei welcher der ehemalige Botschafter Österreich-Ungarns in Washington, Dr. Dumba, derzeit Präsident der österreichischen VötkerhuudUga, die Festrede hielt, bei welcher Gelegenheit er die Notwendigkeit des M i nor it ä ten s chutzes liervorhoh: In diesem Zusamnienliange berührte er mich die Juden frage. Audi Oberrabbincr Dr. Chales uiid Ing. Stricker ergriffen da« Wort. W. Jabotinsky hielt im großen Konzerthaussnnl zwei Vorträge (״Islam, Europa und Juden" und ״Die Krisis im Zionismus“). Beide Vorträge waren sehr gut besucht und fanden )•,rollen Anklnng. Allerdings bilden meist Studenten und Jugendliche seinen begeisterten Anhang. Jabotinsky war anläßlich seines Wiener Aufenthalts Anlaß vielfacher Ehrungen, vornchm'lch der Studentenschaft; mich wurde eine Gruppe «1er ״Aktivisten“ gegründet, die sein Programm Innerhalb der Zionistischen Organiatfou zu realisieren bestrebt ist. In dieser Wodic wird Usaischkin ans lemsafent erwartet. Viele selten in ihm den (nicht nur rhetorischwirksamen) ״Kontra-Redner“ für Jabotinsky, der zweifellos die in den letzten Jahren wenig agilen Gemüter der Wiener Zionisten aufgcriUlcIt hatte . , . Der Berliner Pastor Bcrcndt sprach hier vor einigen Tagen über den ״Zionismus in christlicher Beleuchtung“. Er suchte die Berechtigung unserer Bewegung zu erweisen. Antisemitismus Die Antisemiten suchen das Attentat auf den Bundeskanzler D r. Seipel als eine jüdische 1 Mache hinzusfelicn. Es ist natürlich zwecklos, diesem Un- 1 sinn cutgegmzutrctcn, da er ja nur von den Ganz-Dummen geglaubt wird. Ucbrigens verstummen die hakenkrcuzlerisclten Demagogen immer mehr, seit sich iicrausgcstcllt hat, «laß der Aticni.itcr weder Sozialdemokrat noch kommunistisch, sott- «lern —■ eher cliiistlielifo/ial gesinnt ist . . . Bis »mn halten die Antisemiten — wegen des Attentats auf Dr. Seipel — einige Kaffeehäuser gestürmt und Juden verprügelt; einen Invaliden verletzten die ״Helden“ schwer.,. In Piaknien und Flug/etteln mit «fern Titel ״Wer sind die Mörder“ wird auf die ״jüdisdi-nmodstwehen Demagogen" verwiesen. Der Schluß dieses Pamphlets Dt eine Aulloide• rung zum Massenmord... Wie niederträchtig diese i11׳ rase Dt. kamt nur der ermessen, der täglich die unzälilipcn Plakate — eben dieser jetzt den Spieß utiHlrehcndcn Nationalsozialisten las, in denen in einem wüsten Ton zum ״Kamp(, gegen die Seipelschc Sanicrerci“ autgerufen wurde. Dr. Gustav Groß, ehedem «Icutsehnalionaler Abgeordneter, der Inngjäliilge Obmann des Deutschen Schulvereins, Präsident der nur ״nach streng arischen Grundsätzen gdülirten“, verkrachten Deutschen Bodenbank, hat um Ein- Icitung des gerichtlichen Ausgleichsverfahrens ersucht . , . Ein echter deutscher Mann mag keinen Franken leiden. Doch mit den Franken spekuliert er gern.“ Trotz «Iciitsdi-a!Delicr Grundsätze ... ' Au der Wiener T e c.11 n i s c 11 e 11 Hochschule gibt es, unter etwa 30 ordentlichen Professoren, nur einen, der fnde ist. (Wo bleibt da der Numerus clausus?) Einer — Hof rat Reithoff er — ist ״irgendwie mit Judentum verwandt“ (seine Frau dürfte jüdischer Abstammung sein). Grund genug, daß er im Vorjahre anläßlich der Rektorswahl — übergangen wurde. Heuer wird nun amtlich gemeldet, daß Prof. Rcitlioffer zum Rektor gewählt wurde, aber ״infolge beruflicher Urberlastwig" die Wald nhlehncn mußte . . . Nicht uninteressant Dt auch folgende (,.vertraulich" mit• geteilte) Tatsache: Der einzige jüdische (ordentliche) Pro• fessor — wurde mit 16:14 Stimmen zur Ernennung vorgeschlagen, während sonst diese Vorschläge, selbst bei sehr wenig bedeutenden Persönlichkeiten — einstimmig erfolgen. Sport Die Klublcitung der ״Ha ko ah“ sjrendcte ihrem Prä- *identen Dr. I. H. Körner 100 Dnnam tkxlcn in Erez-JsracL In den letzten Wochen führten jüdische Zeitungen in Wien einen erfolgreichen Kampf gegen das ״uniüdische und unzionistische Verhalten der I lakoali“. Ursache war einerseits das Kdncr/citigc Sahbathspiel in Berlin, andererseits die Nichterfüllung der materiellen Verpflichtungen rgenüber dem Jüdischen N a t i o n a I f o n «I s und Keren iajcssod, Die Vereinskinmg versprach Besserung. Man wird abwarten müssen, ob die llakoah nun endlich ihre Versprechungen auch einlösen wird. R, S. Zu den Gemflndcvvaliten In Polen Warschau. (J.T. Ä.) Bel den am 15. Juni ln Warschau *tattfiiulendcn jüdischen Gemeinde wählen sind 56 585 Personen wahlberechtigt; ungefähr 4000 sind disqualif»ziert worden. Die Zahl der zu wählenden Kandidaten für den Ocmcindcaussclutß beträgt f ü 11 f z i g. Die z i o n i s t i« sehe Liste hat als Spitzenkandidaten die Herren Dr. Buchowski, Dr. Mavcr Klumcl, Gcrshon Levin und Leon Lcwitc. Die Folk is ten stellen an die Spitze den Abg. Noah Prilutzki und den früheren Abg, Cnaint R a s n c r. Die jüdische sozialistische Partei ״Bund“ stellte an die Spitze ihrer Liste «len Stadtrat Ehrlich und Portnoi; die Poale-Zio nisten kandidieren an erster Stelle die Herren Zcrubabe I und Rafalkes. Der geplante Block zwischen den Zionisten und Folkistcn ist nicht zu• st a nd c g cko m m e n. Es besteht ein Wahlblock zwischen der folkistischen Partei und der jüdischen Handwcrkcrorganisatlon. Die Wahl• Versammlungen haben lebhaften Charakter. Es kommen Zusammenstöße vor und mehrere Versammlungen sind abge* brachen worden. Meist sind es die ßundisten, die die zionistischen Versammlungen stören, Das Städtchen K r i w i c 7. im Distrikt von Wilna wurde dieser Tage durch eine 00kopfige Banditenbande über• fallen, wobei zahlreiche jüdische Familien ausgeraubt und mehrere Juden verletzt worden sind. Die Bande «lurchsclinitt die Telephon- und Tclcgrapbcn-Lcitimgen, stellte Wachen auf und durchsuchte dann mehrere Häuser nach Wertgegenständen. Mehr als 10 jüdische Häuser wurden ausgeraubt und sieben jüdischen Fuhrleuten wurden Pferde gestohlen. '* Die militärische Subkommission des polnischen Sejm befaßte steh mit dem Vorschlag der jüdischen Deputierten, den jüdischen Soldaten rituelle Speisung zu ermöglichet». Die Subkommission setzte ein Komitee ein, welches Mittel und Wege zur Erfüllung dieses Wunsches finden soll Das Paläslina ■Tlieatcr: Belsazar Starker Beifall eines voll besetzten Hauses, und ein viele Menschen des jüdischen Berlin erregendes Erlebnis: das war der Emlakkord «k's Abends, um damit zu beginnen; eine Anaiysc zu beginnen allerdings, die danach fragt, was Kritik zu diesem Erlebnis anzumerken hat. Eine Pliantasmagoric von bizarrem Geschmack in den Lincamcntcn des letzten Stils —- Wulst, Zickzack, Kurve — und mit Farben, die vom glühenden Rot bis zum bleichen Eisblau das verwohnte und empfindliche Auge eines orietitnlischcn Kunststickers abgestnft und angeordnet hat — so präsentiert sich, geschickt ansgebnut und in vier Spielorte gegliedert — die kleine Bühne der Comedia V.'üciii. ln diesen prächtigen Rahmen fügen sich die Kostüme der Darsteller und ihre bemalten Gesichter, ihre Gesten, Haltungen, Gruppicriuigcn. Zuletzt auch die Sprache: dies machtvoll rhythmische, wunderschön gesprochene Hebräisch mit seinem männlichen Klang und seiner sonoren Geschmeidigkeit. Zu allerletzt: die Seelen der Schauspieler, Nicht vorhanden ist nur: das Drama. Diese falsche Reihenfolge ist eine sehr moderne Reihenfolge, und nicht so kann, will «1 Zukunft haben, das Hehrüische Theater aufgebaut werden. Am Anfang eines blühenden Theaters stand immer und steht heute wie stets die nach dramatischer Veranschaulichung verlangende Zuschauermasse. Sie gebiert aus sich den Dichter, der das Drama bringt, und den Mimen (Regisseur dabei), der es vcrleibiicht. Was aber ging die Schauspieler diese übersetzte Angetegenhoit, dieser Vorwand von Stück an, dies nichtcxisfenlc? Wie sollten sic hier in Glut geraten? Und, einen Augenblick dabei zu verweilen: selbst aus ihm ließ sich etwas Besseres machen als dieses rkiikiile Belsazar-Babylon, dies Opern-BabyVon. Was für einen Triumpf des Gottes der Juden soll aus der Vernichtung so ärmlicher Geistig- Iccit und so offenkundiger Ohnmacht her vergehen? Um den Sieg Elohims wert- und wundervoll zu machen, mußte ein Babel «lastchen, anfwuclitcud wie eine Mauer aus Quadern. Es mußte Kühnheit bedeuten, sich diesem Großkciiilg, «licsen Göttern, dieser Maclitnrganisation zu widersetzen wie die kriegsgefangene Jüdin Rnlicl, oder wie Daniel der Prophet diesem unerschütterlichen Turme Untergang zuznheulen. So, wie man Babel und Belsazar bot, halb ״Atrikaneriü“ und halb Groteske, gehörte zn solcher Haltung der Juden gar nichts als ein bißchen Vernunft; und das macht Hehl und Heldin weder sympathisch noch interessant — weil man von ihnen mehr als das platt Selbstverständliche verlangen darf. Für diesen Mißgriff, der dem ausgezeichnet grotesken Herrn Gor die Grundlinien des Belsazar vorschrkh, zeichnet verantwortlich der Verfasser und Herr G ncss i 11, «1er Regisseur. Gellt man aber von ihm als einer Voraussetzung aus, so zeichnet Cf fluch für das meiste, was den Abend zum Erfolg führte: die ged11״!i;,׳e und eindringliche Arbeit, die jeden Augenblick aus der gesamten Biilmc einen ausdrucksvollen, sprechenden, klar verständlichen Anblick machte. Schauspielkunst war 111er stark ah Körpcvnusdniek: Menschenleiber als kontrapunktisch geordnete PJemeiite zu einem Ansichts-Kunstwerk, Ausdrucks- Kunstwerk zusainmengczwungon; Schauspielkunst ward hier, vom Regisseur fanatisch beherrscht, In «He Nachbarschaft von rhythmischer Gymnastik und des Tanzes gerissen. Was ganz und gar fehlte: Verinnerlichung. Merkwürdig, daß man das Juden sagen muß. Auf dieser optisch gehaltenen Bühne gab mir die Rahel der Frau Bcrngteln-Kahan und der Narr des Herrn Kutai Art etwas, das an unsere Begriffe des beseelten Schauspielers grenzte, Wo des Narre״ Bemalung und Kleidung, di«; an den Zauber großer Nachtfalter erinnerte, ihn in den allgemeinen Stil hineinzwang, büch er auf der Ebene der anderen. In manchen Momenten mit Rahel, glitt er •in ihre Ebene des Ocfühls hinein, die Ihr bei weitem einfacher und empfundener jeu spielen, zu sprechen, zu sein erlaubte. Aber auch sic 18t noch gar sehr der Steigerung nach innen hinein bedürftig — allerdings, dafür scheint diese Künstlerin Bürge — auch fähig. So gab cs also an diesem schönen, fesselnden, reizvollen Abend: Augenfreuden aus dem Können des Herrn Mint• sch in un«l Verch; eine Fülle eindrucksvoller• Mo• mente — das Erscheinen Daniels und, sein Aussehen gehörte dam, weniger das des ״Mene Tekel", das doch gar zu frans• pnrenthaft dahing — eine sehr geschmeidige und cindring* liehe Bühnenmusik (des *dir begabten Herrn Achron), die das Orchester «Ics Dr. Hildesheimer anständig exekutierte — und ein Beispiel des letzten europäisch-russischen Theater• stils in prachtvollem Hebräisch — wozu die Vorreden von Herrn Dr. Simon Bernte Id und Herrn Oncssln die Ouvertiire gaben. Ein Palästina-Theater nfScr gibt cs noch nicht. Palästina nicht: denn wir erwarten von dorther etwas Rauh• ursprüngliches, einen Stil ans den F'.irben des Landes und dem Lebensstil der Kwuzotli. Und ein Theater auch nicht, noch nicht. Denn das Theater, noch einmal, begann immer und beginnt mich in dieser köstlichen Nachkriegs- und Expressionistenzeit seinen Aufstieg beim Drama. Ohne die ge• dichtete Gestalt und «Ile Rede «Ics Dichters aus Ihrem Munde bleibt die Bühne ein Turnplatz für rhythmische Gymnastik und ein Rahmen für farbige Schneider- und Malerei. Wozu sie offenbar geschaffen wurde, nicht wahr? Was gestern dastand, ist sehr sehenswert. Aber:!0 se haderech, um es Hebräisch zu sagen. Vom Drama aus, von der erregten und zuinnerst gepackten Menge aus, von der zucken* den nackten Seele des Schauspielers her und unter der Zucht anspruchsvoller, ernster Kritik macht man den Weg zum Theater. Von innen nach außen. Von der Seele zum Körper. Vom Geist zum Kostüm und Dekorateur. Nicht anders] vor »Hera nicht umgekehrt. Arnold Zweig,

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