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Jüdische Rundschau · 1924-06-13 · Heft 46-47 (13.6.1924) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 46-47 (13.6.1924)
Date
1924-06-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seile 340 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr, 40/47 |י"” Galal Von Fritz No a c k , Gotha Wir hringcn diesen Aufsatz als Bei trag zur Die Red, an/unchmcn, daß *1er Erfolg einer abhängig ist von der Wahrheit ihrer D i s lui r< s 1 o 11, Ls ist ein In!um, Bewegung niissdilielJlich Ideen, Wäre es so, dann wäre die Weltgeschichte zweifellos geradliniger, reibungsloser und angenehmer veHaufen. Die objektive Richtigkeit und Beweisbarkeit eines Gedankens vor* bürgt noch nicht seine allgemeine Anerkennung und Durch- Setzung; der Erfolg einer Idee ist vielmehr abhängig von der Stärke, Lebendigkeit und Aktivität der Klüfte, die sic tragen. So ist es mit allen Bewegungen gewesen, die tiic soziale Struktur eines Volkes imv/ugcstaUen sich vornehmen; so ist cs auch mit der zionistischen Bewegung. Die Wahrheit tuid Beweisbarkeit des zionistischen Gedanken« allein genügt nicht, um ihn durchzuseUcn und zum Erfolge zu führen. Er kann nur dinchgcsetzt werden durch die lebendigen Kräfte *!es jüdischen Volkes, die hinter ihm .stehen. Es ist klar, daß Palästina mir aufgebaut werden kann als nationale Angelegenheit des ganzen jüdischen Volkes. Weder humanitäre Erwägungen reicher Juden noch die fanatische Hingabe einer kleinen Sekte werden imstande sein, großzügig und erfolgreich den Aufbau zu gestalten. Nur wenn es gelingt, den grüßten Teil der Juden zu wirklichen Zionisten zu machen, ist die Aufgabe lösbar. Anerkennung der zionisliscltcn Idee genügt aber nicht. *Wir müssen die lebendige, aktive Teilnahme aller Zionisten verlangen und Wege suchen, ihren Kreis zu vergrößern. Das ist uns bisher nur in geringem Maße gelungen. Ist auch der Kreis der Zionisten nicht klein, so reicht doch ihre Aktivität bei weitem nicht aus. Die meisten Zionisten begnügen sich mit dem Bekenntnis zu ihrer Idee, mit der mäßigen Zahlung von Abgaben; in ihrem persönlichen Leben spielt aber der Zionismus nur eine geringe Rolle. Sic sind von ihm nicht abhängig. Wie ist das zu bessern? Der Zionismus ruht im Grunde auf zwei Erkenntnissen. Er erkennt die abnormale soziale Situation des jüdischen Volke«, Nicht mir, daß *las jüdische Volk überall in der Minderfreit ist und insofern politisch abhängig von der Mehrheitsnation, die durch Gesetzgebung oder gesellschaftliche Maßnahmen die freie Entfaltung des Juden jederzeit zu hindern imstande ist, ist er auch durch seine ungesunde Bertifsschichiung ökonomisch abhängig von dein Volke der Umgebung. Dies beides bedingt dauernde soziale Reibungen nach außen, die entweder zu wirtschaftlichem Ruin großer Volkstcilc führen (wie im Osten) oder die gesellschaftliche Deklassierung und Demoralisierung der Juden zur Folge haben (wie im Westen). Auf dieser ungesunden sozialen Schichtung beruht im wesentliehet! der Antisemitismus. Durch seine Abhängigkeit von der Umwelt ist der Jude zu dauernden Konzessionen in k u 1 - turcllcr Beziehung gezwungen. Die Entfaltung eigener Volkskulhtr ist durch die enge Verbindung mit der Mehrheitsnation stark behindert. Das führt entweder zu einer Ver- Stärkung der Gegenwirkung oder zu einem völligen Verzicht jüdischen Kulturlebens, und damit zu einer Auflösung des jüdischen Volkes überhaupt. Der Zionismus will durch die Ansiedlung der Juden im eigenen Lande die soziale Struktur des jüdischen Volkes normalisieren und dadurch die freie, unbehinderte Entfaltung jüdischen Kulturlebens ermöglichen. Zionist sein heißt also, die ungesunde soziale Situation des jüdischen Volkes empfinden, heißt weiter: ein Bedürfnis nach jüdisch-kulturellem Eigenleben haben und als Folgerung davon den Aufbau einer eigenen jüdischen nationalen Wirtschaft als Vorbedingung für ein freies, unbehindertes jüdisches Kulturlehen als notwendig erkennen und daran miiarbeiteu. Der Nichtzionist erkennt heute die Abnormalität der sozialen Situation im allgemeinen an. Die Zeilen, in denen der Nichtzionist vom Antisemitismus ,,nichts merkte“, sind wohl vorüber. Die dauernden sozialen Reibungen mit der Außenwelt führen ihn aber dazu, ihr ständig in kultureller Beziehung Kon- Zessionen zu machen, sein jüdisches Kulturleben mehr und mehr ahzubaucn, sich der Umwelt anzugleichen, um nicht von ihr als Jude bemerkt zu werden. Hätte er ein starkes Bedürfnis nach jüdischem Eigenleben, dann wäre diese Tendenz nicht möglich, dann müßte er im Gegenteil versuchen, die Reibungen mit der Umwelt durch immer stärkeres Zurückziehen in das jüdische Volk zu mindern, aus welchem als letzte Konsequenz der Aufbau eigenen jüdischen Volkslebens auf der Basis eigener nationaler Wirtschaft folgt. Die« sind die beiden Möglichkeiten jüdischer Reaktion •auf die negative Einwirkung der Außenwelt (d. h. auf den Antisemitismus); entweder der Abbau jüdischen Eigenlebens über- Haupt und Anglciclumg an die Umwelt oder verstärkter An- Schluß an das jüdische Volk und kulturelle Betätigung in ihm. Dies sind also die beiden möglichen Pole jüdischer Galuthpolilik überhaupt: entweder radikale Assimilation oder Zionismus. Ein diittes gibt es prinzipiell nicht; und was dazwischen liegt, sind entweder Kompromisse oder Amalgamiertmgcii beider Komponenten, die das Problem nicht grundsätzlich lösen. Daraus folgt eines mit eindeutiger Klarheit: Die gesellschaftliciic Haltung des Zionisten ist der des Nichtzionisten (Assimilantcn) grundsätzlich entgegengesetzt. Es sind nicht andere von mehreren Möglichkeiten, zwischen denen vielleicht eine Synthese möglich ist, sondern sie sind durch ihre Gegen sätzlichkeit eindeutig bestimmt. Man kann nicht Zionist sein, soweit eine eigene jüdische Siedlung in Palästina in Frage kommt, aber Assimilant im Galuth. Diese Haltung, die sehr häufig ist, ist eine nichtzionistischc. Sie ist die Haltung des Nicltizionislcn, der versiandesmäßig und wesentlich aus humanitären Gründen den Aufbau Palästinas als gut an erkenn! und unterstützt, der aber persönlich auf die Umwelt reagiert als Assimilant. Er wird zwar — wenn Zionisten an ihn herantreten — immer bereit sein, ihr Werk zu unterstützen; er wird aber niemals im Sinne einer wesentlichen Aufgabe von sich aus freiwillig für die Sache arbeiten; d. h. er wird nicht aktiv sein, weil seine innere Haltung im Grunde assimilantisch ist, weil er selbst nicht das Bedürfnis nach einem Leben in jüdischer Kultur hat, sondern dem Antisemitismus mit Abbau seines Judentums begegnet. Diese Erkenntnis, daß die gesellschaftliche Haltung des Zionisten der des Nichtzionisten polar entgegengesetzt ist, daß beides unvereinbar ist und es ein Drittes nicht gibt, ist die Grundlage jeder zionistischen Galuthpolitik, D.t aber das Gesicht der jüdischen Gesellschaft in Deutsch* and durchaus von den Nicht/ionistcn bestimmt wird, muß die Haltung des Zionisten der jüdischen Gesellschaft gegenüber revolutionär sein, Er steht ja zu der maßgebenden so/hlen Einstellung in, polarem Gegensatz, er muß deshalb zur jüdischen Gesellschaft, soweit sie von der Assimilation!'יי -Ümml ist, Im t'icgcu'.aiz i.lelieil, Da mm «(er Zionist seine gesellschaftliche Haltung für die richtige hält, da er ferner weiß, daß sein Ideal, die Schaffung eines nationalen Kulturlebens in eigenem Lande, nur *huch die Ziouisieruug des jüdischen Volkes erreichbar ist, ist er gezwungen, die gesellschaftliche Haltung der Galuthjtnicnlicit in zionistischem Sinne unuukclircn. Er muß erreichen, *laß der bisherige Assimilant clusldit, daß die beste Möglichkeit, auf die Außenwelt zu reagieren, nicht in einer immer weiteren Auflösung des Judentums liegt, sondern in einem immer stärkeren Anschluß au das jüdische Volk. Das setzt voraus, daß cs ihm gelingt, in dem Assimilaiiten das Bedürfnis nach Einstellung in ein jüdisches Kulturleben zu werken. In diesem Augenblick ist seine nichtzionistischc Haitung in eine zionistische uingewandclt. Die Umwandlung der assiinilantischen Gesellschaft in eine zionisti ,ehe ist die Grundaufgabe des Galuthzionismus. Wie ist das zu erreichen? Nur dadurch, daß der Zionist sich in klaren Gegensatz zur gegenwärtigen jüdischen Gesellschntt stellt. Das ist nun nicht so zu verstehen, daß er in die jüdische Gesellschaft hincingcht und mit ihr über ihre Umgestaltung debattiert, sondern er muß aus ihr herausgehen, um seine gegensätzliche gesellschaftliche Haltung ihr gegenühcr/uslellen. Er muß eine zionistische Gesellschaft aufbauen, die sich wesentlich, und zwar gegensätzlich, von der nichtzionistischen unterscheidet, deren Aktivität eine andere Riehtung hat, deren Vitalität eine jüdische ist. Wodurch ist nun die zionistische Gesellschaft charaktcrisiert? Das ist leicht aus der zionistischen Grundhaltung abzuleiten. Diese Grundhaltung besagt: Anschluß an das jüdische Volk, an sein politisches und kulturelles Lehen, Teilnahme an seinen Aufgaben. Daraus ergibt sich als erste Forderung einer zionistischen Gesellschaft die Durchsetzung der hebräisehen Sprache auch im Galuth. Denn cs ist grundsätzlich klar, *laß eine wirkliche Teilnahme am jüdischen Kulturleben nur mit Hilfe der hebräischen Sprache möglich ist. Das Zentrum des jüdischen Volkes, der jischuw in Palästina, ist hebräisch, die nationale Literatur ist hebräisch. Gelingt cs, die hebräische Sprache im Galuth insoweit durchziisctzen, daß jeder Jude — neben seiner Landessprache — hebräisch wenigstens lesen und verstehen kann, dann ist das jüdische Volk in seiner potentiellcn Energie außerordentlich gestärkt. Dies ist ein Ziel. Es ist klar, daß die Durchsetzung dieser Forderung Jahrzehnte braucht, daß das hebräische Sprachgebiet nur nllmählich wachsen kann. Aber die zionistische Gesellschaft kann sich schon jetzt dadurch kennzeichnen, daß sic hebräisch lernt, und damit die Richtung ihres Willens klar legt. Das Hebräische hat in diesem Sinne zum mindesten eine symbolhafte, konstitutive Bedeutung, Aber ob mit oder ohne Durchsetzung des Hebräischen im vollen Umfange: die zionistische Gesellschaft muß von ihrer aktiven Teilnahme am jüdischen Kulturleben getragen sein. Dies ist in erheblichem Umfange auch jetzt schon möglich; und die Tatsache beispielsweise einer Zeitschrift wie ״Der Jude" in Deutschland beweist die Möglichkcit, die Gesellschaft aus’Jüdischem zu speisen. Die zionistischc Gesellschaft in Deutschland muß sich von der nichtzionistischen dadurch unterscheiden, daß sic nicht durchaus in ihrem inneren Leben der deutschen Kultur verfallen Ist, sondern daß sic mehr und mehr von der deutschen Kultur unabhängig wird, ohne dadurch an Reichtum zu verlieren, weil sie nämlich mehr und mehr vom jüdischen Kulturleben abhängig wird. Wir können selbstverständlich auch in dieser Beziehung nicht sofort am Ziele sein, aber wir können doch auch hier unsere grundsätzliche Umstellung dadurch zum Ausdruck bringen, daß wir anfangen, uns ernsthaft um jO- *tische Kultur zu kümmern. Dem Einwand, daß cs uns hier an Möglichkeiten fehle, daß wir dem Judentum zu fremd geworden sind, ist leicht zu begegnen durch die Forderung, sich lernend zu bemühen. Auch persönliche Anteilnahme an dem, was im jüdischen Volke geschieht und geschehen ist, an der gegenwärtigen und vergangenen Geschichte des jüdischen Volke«, ist grundlegend für die Haltung der zionistischen Gesellschaft, Insofern ist natürlich das Werden Palästinas unsere zentrale Angelegenheit, deren Probleme durch uns, die zionistische Gesellschaft, mitgclöst werden müssen. Je mehr wir uns somit dem Judentum zukehren, um so mehr finiten wir uns von der ilichtjüdischcn Welt zurück. Das Ist ja die entscheidende Richiungsändcrong, die wir vornehmen: nicht hinein in die Umwelt unter Aufgabe des Judentums, sondern hinein in das Judentum unter Verzicht auf Ein- Wirkung auf die Umwelt. Bei der Wahl zwischen Judentum und Deutschtum, die alternativ im Grundsatz Ist, wählen wir Judentum. Darum ist auch unsere Haltung dem Antisemitismus gegenüber eine grundsätzlich andere. Wir wissen, daß der Antisemitismus in der ungesunden sozialen Situation des Judentums seine Ursachen hat, darum wissen wir auch, daß wir ihn nicht durch eine immer stärkere Verstrickung mit der antisemitischen Umwelt bekämpfen können, sondern im Gegenteil ihn nur mildern, indem wir diese Verstrickung auf ein Mindestmaß beschränken. Wir können das um so leichter, je weniger wir von der Umwelt ahhäugig sind. Am einfachsten ist cs, zuiiächr.t in unserem geistigen Leben von ihr unabhängig zu werden. In unserem gesellschaftlichen Leben können wir das ebenfalls in einem erheblichen Grade. In ökonomischer Beziehung ist das im Galulh solange nicht möglich, als wir hier nicht konzentriert und tcrritorialisicrt sind, tmd da gegenwäriig diese Möglichkeit nur durch den Aufbau Palästinas gegeben ist, müssen wir Zionisten sein. Das Ist es auch, was den zionistischen Menschen im Galuth Immer wieder zu Palästina drängt; und cs ist somit auch klar, daß durch eine derartige Umstellung die spezifisch zionistischen, palästinozentrischen Energien nicht schwächer, sondern starker werden. Je mehr wir auf dem Wege der Unabhängigkeit von unserer Umwelt fortschrciten, um so radikaler wird unser Wunsch nach völliger Befreiung sein, um so stärker werden wir am Aufbau Palästinas interessiert sein. Die zionistische Gesellschaft ändert demnach die Richtung des Willens der gegenwärtlgcn jüdischen Gesellschaft; ihre Tendenz geht nach dem jüdischen Volke. Da die Tendenz der zionistischen Gesellschaft also der der nichtzionistischen entgegengesetzt ist, ist eine Synthese nicht möglich. Wir können uns nicht auf einer mittleren Linie einigen. Einigen ist nur möglich durch Nachgeben und Verzieht auf einer Seite, Die Frage der hebräischen Sprache als Kernfrage kann nur durch ״ja" oder ״nein" beantwortet werden, und ebenso ist es mit den anderen Problemen. Entweder gibt uns also die jüdische Gesellschaft die Führung in die Hand und geht unseren Weg, unserer Richtung nach, oder wir müssen allein vorwärts gehen; d. h. wir müssen mm von *len anderen trennen. Wenn wir also mm Nicht. /i<1ul!den Zioni'.leu maelien wollen, 80 kann uns nichts daran gelegen sein, sie zu einem platonischen Bekenntnis zum Auf. bau Palästinas zu bringen. Das ist gewiß sehr gut und für neutrale Institutionen, wie Keren 1 lajcssod und Keren Kajemeth von Bedeutung, Zionisten werden sic aber erst dadurch, daß sie ihre Grundhaltung radikal umstellen, Und das ist nur denkbar, wenn wir die Lebensfähigkeit einer zioiilstisehcn Gesellschaft beweisen, d. h. wenn wir beweisen können, daß eine jüdische Gesellschaft mit zionistischer — der gegenwärtigen assimilantischen entgegengesetzter -~ Grundhaltung nicht nur möglich ist, sondern daß sic ge. schlosscner, aktiver, schöpferischer ist, daß das Leben in ihr für einen Juden mehr innere Befriedigung gibt als sic ihm in der nicht/ionistischcn gewährt wird. Wenn wir nämlich *len Zionismus beweisen wollen, dann stellen wir stets einige Momente ein, die nicht theoretisch beweisbar sind. Der Aufbau Palästinas hat natürlich nur Sinn, wenn das jüdische Volk noch zu eigenem, schöpferischem Kulturleben fähig ist. Uns ist das selbstverständlich, aber der Nichfzionist, dem jüdisches Kulturleben gar kein Bedürfnis ist, bezweifelt *las. Der Beweis kann nur geführt werden durch die Tatsache jüdischen Lebens an sielt. Wenn cs gelingt, lebendige zionistische Kreise als Inseln des jüdischen Lebens überall ziisammenzusdiließen und abzusprengen, wird die Tat- Sache ihres Lebens der stärkste Beweis für sic sein, und sic werden eine außerordentliche Anziehungskraft auf die nichtzionistische Gesellschaft ausüben. Worin bestellt denn die ungeheure Werbekraft des jfidisehen Palästina? Warum kommen Assimilantcn (amerikanische Bankiers, deutsche Kommunisten) als begeisterte Vorkämpfer zurück? Weil dort in Palästina tatsächlich schon sichtbar eine derartige Gesellschaft lebt, deren Lebendigkeit und schöpferische Kraft allein der Beweis für sic ist. Ich koliimc somit auf den Ausgangspunkt der Auseinander- Setzung zurück. Der Zionismus kann nicht durchgesetzt werden allein durch die Richtigkeit seiner Idee, sondern vielmehr durch die lebendigen Kräfte des jüdischen Volkes, die ihn tragen. Nicht durch Worte, sondern durch Leben allein können wir den Zionismus beweisen. Das Hauptziel zionistischer Galutharbeit ist also die Bildung einer zionistischen Gesellschaft im Galuth, deren Grundtendenz der nichtzionistischen absolut entgegengesetzt ist dadurch, daß sie eine restlose Einordnung in das jüdische Volk, in seine Kultur, seine Politik, sein soziales Leben erstrebt. Daraus ergeben sich nunmehr zwei Forderungen für die Galuthpolitik als solche. Unsere Stellung zur nichtzionistischen Gesellschaft muß eine strenge Abgrenzung sein. Es muß ausgeschlossen sein, daß Zionisten in die nichtzionistische Gesellschaft hincingchcn. Das ist nur möglich, wenn diese Zionisten imstande sind, den Charakter der nichtzionistischen Gesellschaft in einen zionistischen umzukehren, und das können sie nur, wenn sie selbst eine zionistische Gesellschaft hinter sich haben. Das zweite ist unsere Stellung zur nichtjüdischen Welt. Und es ergibt sich die Forderung, daß wir unsere Beziehungen zur nichtjüdischen Welt auf das äußerste einzur.chriinkcn haben, daß wir beispielsweise in der Landes- Politik größte Zurückhaltung zu bewahren haben, daß die Galuthpolitik, wie sic von unseren Gesinnungsgenossen in Polen getrieben wird, grundsätzlich falsch Ist. Die Erörterung dieser Fragen scheint mir aber bereit! über den Rahmen dieses Aufsatzes hinauszugehen. Die bisherigen Ergebnisse der Gemelndewahlen In Polen Die Zionisten und Misrachisteo an der Spitze. Nach den bereits cingelaufenen Wahlergebnissen aus den Provinzstädten sind bisher 181 Agudisten, 179 Zionisten, 74 Mlsrachistcn, 11 B midisten, 6 Fol• kisten, 1 Poalc-Zioriist und .1 Zeirc-Zionist gewählt worden. Wie die j. T. A. erfährt, hahen die Zionisten und Folklstcn in Warschau und Lodz einen Block gebildet, tun bei den jüdischen Gcmcindcwahlcn am 15. Juni gemeinsam gegen die Agudas Jisroel vorzugehen, Exekutive ״P e AI k i a I i, der Exzessen in Kleine Palästina ־ Nachrichten Herbert Samuel hat vom Kolonialamt die Kopfe eines von dem britischen Gesandten ln Washing• ton, Sir Es me Howard, cingcgangcncn Memorandums über Palästina zugcschlckt errh;alten. Der Botschafter äußert sich in seinem Memorandum günstig über die zio• nistischc Politik 1m*l knüpft an die Unterhaltung an, die er mit dein jetzt in den Vereinigten Staaten weilenden palästinensischen Oberrabbiner Kook gehabt hat. Das Organ der paliistinenslsch-arablsdien lestin" berichtet, daß der Polizist Adal wegen Teilnahme an den antijüdischen Jaffa im Mai 1921 zu zehn Jahren Ocfängnls verurteilt worden war, wegen guter Rührung im Gefängnis freigelassen worden Ist. In Palästina wurde soeben ein Verband auslUndischör Pressevertreter gebildet. Der palästinensische Vertreter der ״Times", Mr. Janby, wurde zum Vorsitzenden und Mr. Agronsky, der früher im J. T. A.-Büro in New York tätig war, zum Sekretär gewählt. Am 2. Juni wurde in Jerusalem eine Rcgicrungsverord• nung veröffentlicht, wonach den Bewohnern erlaubt wird, Apparate für drahtlose Telegraphie und Radio einzurichten. Es sind bereits soviel Gesuche bei der Regierung cingcrcicht, daß mit einem Beginn der Radioeinrichtungen demnächst gerechnet werden kann, Dr. N a j 1 e I A s s i I, *1er im Aufträge König Hussein* mit der britischen Regierung über den Anglo-Hedjas• Vertrag verhandelt hat, kehrt mm nach Mekka zwecks Berichterstattung an König Hussein zurück. Der von England mit König Faisul von Mesopotamien Im Jahre 1922 geschlossene Anglo-lrak-Vertrag ist von der nun schon fast sechs Wochen in Bagdad versammelten Notabelnvcrsammlung nicht ratifiziert worden. Bisher ist die Entscheidung immer vertagt worden. Der Vertrag sah die Zurückziehung der englischen Garnison fünf Jahre nach Auf• nähme Mesopotamiens in den Völkerbund vor. Frau Turcl, eine reiche jüdische Witwe in Wilna, die dort vor kurzem starb, hat ihr ganzes Vermögen verschiedenen dortigen jüdischen Institutionen vermacht, darunter 8000 QoId• rubei für den Keren Hajessod.

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