Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 46-47 (13.6.1924)
- Date
- 1924-06-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 338 JU ED IS CHE lUINDo er;;.ס Kr. 40 47׳ Die Wasserleitung kostet 6.952 £E Eivuiimig ltntl ähnliches 6.332 ״ Ziiiseudkiist f!1r Anleihen 5.000 ״ ['s!11111! in 1 U׳lrafht gezogen werden, dal! die Regierung g.ir nichts für die Städte tu(, sondern nur unbedeutende 7.11- «׳liiirse am dem 7. o 11 e 1׳t r.s 11 זן I s iri׳.(et. I )»gegen gibt die Zionistische Organis;ilion zirka 7. w an z i ß t n u 8 c ttd Pfund jährlich für die Tel-Awiwer Scluileit aus. Trotzdem gemigt dies nicht, und es gibt Kinder, die keine Aufnahme ineiir finden können. Bei den Einnahmen ״mit zunächst in Betracht gezogen werden, da II in P.d.'islina eine P. i 11 ko m nte 11 81 cti er nicht existiert, und eine gerechte LasienvcrieiliHig überhaupt nicht möglich ist. Oie H a ti s 7 in s s t cti c r war in de״ früheren Jahren von den I iausbvsil/erti fast ganz niti die Mieter abjrcwälzt worden, tuul cs kam vor, «lall ein Hatiseigenti'tmer, dein ein Haus fast 100 EE im Monat tniß, im Jahre 1923 .12 Piaster monatlich Steuer 7ahlte. Hie neue Stadlvei Irctung strebt eine _ nertwldere I.asten- Verteilung an. Zunächst sollen die zur Erhaltung der Stadt unbedingt iiöligen Ausgaben durch Steuern.und nicht durch XU fällige I: i n 11 a 11 111 e 11 gedockt werden. Dies wird fast erreicht, indem die 1: i n 11 all 111c« a u s d i r e k t c n und indirekteji Steuern auf 21.350 .CE. präliminicrt sind. Baube will i gu« gen usw. sollen 6.000 £E tragen. Die Wasserleitung 7.200 £E* ist also aktiv. Von der Regierung und der Stadt Jaffa erhält Tel-Aui-v 6.700 .di. Märkte, Konzessionen usw. sollen 2.650 £E ein• bringen. Zins cti ergeben 1.500׳ £E. Die wichtigste direkte Steuer ist die H aus 7. i n s s t c 11 e r, die progressiv nach dem Erträgnis «ier Häuser abgestuft ist. Diese Steuer wird fortan von *len 11 a t18 b es i t 7 c ru selb s t ß et ra ße 11 werden müssen. Die Woh n u n ß S - miete r müssen eine besondere Steuer zahlen, und zwar zahlen Junggesellen 0 <y<׳ von der Wohmmgsmiete, Ehe• leutc dagegen 1- (»׳! je nach der Anzahl der Zimmer, die 81c bewohnen. Es existiert also in Tel-Awiw via facti eine Jiiiißgcsellenstciier, was sich auch bei der Wasserstcucr zeigt, wo Junggesellen stets «len höchsten Satz zahlen müssen, während bei dt 11 Verheirateten Abstufungen existieren. Bei «!er Vifohuungsslrttcr sieht man auch, wie niedrig noch die Lebenshaltung dieser ״europäischen“ Stadt ist. Von 33SS iWoliniiugi-11, die es in Tel-Awiw gibt, bestehen 2004 aus einem Zimmer, 1194 enthalten zwei Zimmer, 401 haben drei Zimmer Und nur 9 haben sechs Zimmer. Die Erwcrbssteucr soll 3.000 .CE tragen, man sicht also, «lall sie minimal ist, tla es in Tel-Awiw 800 (le.schäfte und läitcntehmiiiigen gibt, von «lenen manche nicht so klein sind. Infolge «les Fehlen!־., ja, «Ier Unmöglichkeit eines geordnieten und gerechten Steuersystems, solange es keime Einkommensieuer gibt, 'ist es schwer, in den Haushalt der Stadt Onfming zu bringen. Oiewisse Kreise beginnen bereits sehnsüchtig nach Jaffa, Ra 111 Ich, kurz in die arabischen Städte zu bücken, wo die Stadt den Bewohnern absolut nichts gibt, nicht einmal Wasser, die Steuern dafür aber kleiner sind. Es zeigt sich aber, *lall «las Budget des arabischen Jaffa auch nicht so klein ist, und zwar 30.000 CE beträgt, obwohl dort keime Wasserleitung ist und nichts für die Erziehung getan wird. Bei der Budgctsit/ung erklärt«' der Vertreter der Ycmenitcii: ״Wir brauchen keine städtischen Gärten.“ Aber die Majorität will auf Kultur, Schönheit und Hygiene nicht ver• zlchten, und ihr Ideal ist nicht die arabische Stadt, sondern eine j üd i s c h e und in 0*1 e r 11 c. Es Ist also .sehr wahrscheinlich, «lad «las Butlget an• genommen und auch vom Gouverneur bestätigt werden wir«!. Daun wir«( freilich «lic schwierigere Aufgabe beginnen, das Gleichgewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben nicht nur zu prälimiiiieren, sondern auch wirklich auf• rocht zucrhaltcn. Tel-Awiw, 5. Juni 1924, Dr. Victor örünwald. Eia Rekord des Keren Dajessod in Südafrika 1500 jüdische Familien in Capctown spenden 15.000 £. Am 20. Mai gelangte die von Dr. Alexander Gold st ein geleitete diesjährige K. I!.•Kampagne in CapeSown zum Ah• Schluß; das Ergebnis sind 15.000 £ gegenüber 7500 £, die bei der letzten Kampagne gesammelt wurden. Da Capctown 1500 jüdische Familien zählt, entfällt auf jede Familie «1er Betrag von 10 £. Die zionistischen Gclangcnen in Moskau Wie der I. T. A.•Vertreter erfährt, haben die Sowjetbchördeu die (intersmclumg über den vor kurzem in «1er B u t i r k a - F c s 11111 g zu Moskau vorgekommenen Auf• stnn<J der 5(KK) Gefangenen abgeschlossen und u. a. verfügt, daß die damals in «1er Festung gefangen gewesenen 38 Zionisten, die au dem Aufruhr tcilgcuommen haben sollen, in die Verbannung geschickt werden sollen. Sie sollten in drei geschlossenen Gruppen teils nach «lern Ural, teils nach dem Solowezki-Klostcr am Weißen Meer, teils nach «lern Narim •Distrikt verschickt worden. Unter ihnen befindet sich auvh der bekannte Zionist Dr. Isaac G old b erg. Wenn bis zum 10. Juni «lic Erlaubnis eiiigctroffcu ist, daß die Gefangenen nach Palästina gelassen werden, wird der Verbannungs• bc f c h 1 zurückgezogen und die Gefangenen erhalten die Erlaubnis, nach Palästina zu gehen. (Wie gemeldet, hat die palästinensisch-zionistische Exekutive bereits 38 Palästina-Visen für die Gefangenen nach Moskau gesandt.) Neue Zionisten - Verteilungen in der Ukraine Riga. (J.T.A.) In der letzten Zeit sind neue Massen- Verhaftungen unter den Zionisten in «ler Ukraine, haupt• sächlich unter den Zci're-Zion und Chaluzfm. vorgekommen,. Die meisten Verhaftungen geschahen in Cliar• kow. Kiew und Winitza. Auch in Petersburg wurden einige Zionisten verhaftet. Es ist dies «ler erste Fall, daß in Petersburg auf diese Weise gegen Zionisten vorgegangen wird, ־ IfciRcncw Aber die Krim-Kolonisation nnd die jüdisclie Auswanderung 1 tue Do 1 egat io 11 der jü«Ii sche 11 O c 111 c i«<1 c in Moskau besuchte den keminimistischcn Füll rer Karne new׳ und besprach mit ihm die Frage der jüdischen Krim- Kolonisation, sowie «Ier behinderten jüdischen Auswanderung aus Rußland. Kameucw gab die Ver• Sicherung ah, daß das. Projekt der An s icd l’un ß von Juden auf der Krim in ru׳ ■!;.eiten Regicrungskreiscn ernstlich diskutiert wird. In bezug auf die jüdische Answanderang aus Rußlawf hat Kameucw seine Verwimtlcnuig ausgedrückt, «laß man Juden au der Auswanderung hindert. Er versprach der Delegation, daß er diese Frage in dem politischen «MO da Sowjet-Regierung sofort zur Sprache bringen weide. ״,..די׳.״ *•'..יז ,.^.קן, p.״,,*״,« bd 11 k M Von Dr. Robert Weiß, Wien. Die Nachbemerkung Arnold Zweig# zu meinen» Bimbaiim-Ariikcl ״I >ieWepsclieitle“ hat ausführlich Angelegenheiten bespi oclicu, die in meinem kurzen Aufsatz nur in der knappes teil Andeutung gestreift worden f.intl. Ein Mülventtäiulms in der Iiiierprel.atiiin memrr Ausführungen war daher nicht unniöglieh, und tleswegen sei es mir gestattet, auf die Bemerkungen Arnold Zweigs l inzu/eheii. ich hin mit Zwei־״ einer Meinung, daß Nathan Birnbäum ein Führer unserer Generation, nicht aber der einzige ist. Dali Birnbaum in vielen wesentlichen Fragen der zionistischen allgemeinen Meinung imi Jahre voraus war, bestreitet wohl me.maml. daraus aber eine alleinige Führung unserer Zeit durch Birnbaum nlmileilen, wird wohl selbst «ler fauniiseliste Birnbaum-Verehrer nicht wagen. Das Einzige, was ich behaupte, und worin sogar Herr Zweig mit mir einig gibt, ist, daß ,,Birnbaums Wirken bei una tiefe ttml notwendige Spuren hinlerlasscii hat.“ Berliner Zionistische Vereinigung Gruppa Nord DoiinrtrßUjv, tlon XÜ. «Tunl 10121, »bond■ 83׳׳! Vht ln ilon Sopbi«uflIVlttU (HaobauU■»»»!) Gopblonslr. Herr Prof, Dr. Notariell Loöw«: י ״Dia Jüdca In nmoriüia“, Rclsccrinncrungcn (AmiohUoDond W»hl) Als eine dieser notwendigen Sjvurcti erscheint wohl die Aiiiwiikiiiijg Birnbaums auf «len Teil der wcsljüdischen Jugend, der in der umitäten Zeit «ier Kriegs- und Nachkricgsjahrc heran,gewachsen ist, sieh verslämllicltcnvcisc in der nichtindischen Umgebung nicht zurecht fand lind mit schmerzhafter Verwunderung fcststellcn mußte, «lall «lic Denkungsart der jxditisclien Führer des Zionismus keine Abkehr von «ler kulturollen Haltung der europäischen Umwelt bedeutete, sondern lediglich die Anwendung allgemein-europäischer Methoden auf «las jüdische Problem, Trotz,;.einer polittech-wirtsdiaUlidicii Veranlassungen ist der Zionismus eine rein geistige Renktiousbewcgtiiiß: es geht im wesentlichen um die geistige Behauptung des Judentums. Die kann aber nicht erreicht werden durch eine allgemeine hebräische Sprachfertigkeit, auch nicht durch ein fatalistisches, passives Abwarten auf das Ergchnis der Sonnenden Kräfte in Ercz-lsracl. Sondern es erscheint für jeden, *ler Kenntnis vom kulturgeschichtlichen Werden hat, als oberste Notwendigkeit, die kulturelle Konti- 1111it.it, de» inneren Zusammenhang mit «ler Vergangenheit aufrecht zu erhalten. Nicht die bequeme ,Flucht“ ln «lic alte jüdische Lebensform, nicht die feige Kapitulation vor der geruhigen Sicherheit der traditionellen Lebensführung untl vor allem nicht die Konservierung, Erhaltung, Verstaubung des überlieferten Judentums ist «larimtcr gemeint, sondern wie ich schrieb, das organische Wciterbaucn. Die Vorausselzung hierzu ist aber eine innerliche Kenntnis des bishörigen t’.anumi.ings und der bisherigen Bmihöhc. Darum und nur darum halte ich «las historisch vielleicht notwendige Zusammentretfou von offiziellem Zionismus und Ilaskalabewcgiing für ein Unglück. Es war vielfach kein organisches Weiterhauen, sondern das Verneinen und Zerstören «ler Unwissenden. Ich gehe mit Arnold Zweig vollkommen einig, wenn er betont: ״Mai! kann religiöse LebenssUten, «lenen einmal in ganzen breiten Volk׳,teilen «lic iniieic larfitllth«5t abhanden gekommen i t, einer Jugend dieser Volkstcilc nicht mehr als I <)1111־ um ihrer selbst willen, als Wunschbild hiustcllen.“ Niehls Fegt der Jugend, «lic wieder die jüdische t.ebenr>for»n willig׳ auf *ich genommen hat ferner, als eine bloß äußerliche Annahme aus nationalen «nler gar individualistischen Bcruliißimgsmotiven. Ich darf wohl behaupten, daß uns der Jude, der mit drin Tefälin auf dem Kopfe Geschälte nbschlicßt als gefäluliehe■rer Zerstörer der jüd sehen Tra«lition erscheint ah der ehrliche Verneiner des Ueberlieterten. Denn eine bloß äußerliche Liebling der traditionellen Lebensform aus lierkemmen und aus Pietät richtet 1ki der Umgebung und insbesondere bei der Jugend einen größeren Schaden an, ah die aus der Philosophie von Vorgestern hcrausgeholten atheistischen oder frcigciidigen Lehren, (fegen die letzteren gibt e; Argumentationen, die Tatsache geistloser Frömmelei «!»gegen laßt sich zwar verurteilen, aber nicht aus der Welt schaifen. Es kommt ausschließlich (um das schöne Zweig'-eho. Wort zu gebrauchen) auf die innere Erfülltheit an. Nur. «lie echte, aus dem Vollen überstrOmemlc ,,Simchoh sdtei Mizwuh“, «las freudige Wissen um das Gottesgebot gilt. Alles andere noch so korrekte Frömmlertinn ist gottferne, untergräbt die Herrschaft und die Verbreitung der Lehre. Hamm ist die oberste, uneiifrintibnro Voraussetzung einer [ Wiederaufnahme «ler jüdischen Lebenshaltung ein deutliches, klares Verspüren, daß diese Formen wieder ״Gefäße eines lebendigen Glauben:,“ geworden sind, «laß, um wieder eine treffende Formulierung aus der Zwcigsclicn Polemik zu gebrauchen, ״von innen her die Glut einer wahrhaften Religiosität in «Fe alten Riten strömt.“ Daß derjenige, der ans diesem ticfslen, ehrlichsten Erleben heraus die Konsequenzen der Heimkehr zum I listorisch-Gewordenen zieht, nicht als Feigling sich zur rückläufigen Bcwegung entschließt. ist eine Selbstverständlichkeit. Daß es im < ieg*!Heil nu llt uubesdiweiiielt ist, hcrtillicli strenge tlcn Schabbos viii/iiiiallcii, ziemlich urplötzlich die Spelsegemclnsdiaft mit;:einer nächsten Umgebung, selbst mit «Jen Eltern nufzuheben, aueli rein äußerlich in den Omer- und Tisclto b’aw- Wrxhcu «Inreis «len Trauerbart sich abztis-ondcrn, ist doch 7\\ naheliegend, als daß darüber viel gesprochen werden sollte. Aber was bedeuten tliese verhältnismäßig geringen 1 Beschweilidikeiien gegen das Wissen, daß jede B’rociio über «las Breit, über dies .stille Wunder der Erde, von meinen Vätern vor lausend Jahren ebenso gesagt wurde und daß sie «111 reh eln-ii «liese Spruchform die Nahrungsaufnahme der ״cdankenlos'cii, sclbstverstäudliehcn Alltäglichkeit entrissen? 1 Wozu neue Fobs.״)׳!Ingen Gottes stammeln wenn es Vätergctlankeii und Sitten übervoll an Köstlichkeit gibt, deren nur scheinbare I rcimlarligkeit für unsere 'Generation durch innerliehe Er:־.rhlie|hmg wicd<׳r aufgehoben werden kannI Freilich i־.;t: die Voraussetzung hierzu «lie vielleicht, nicht weniger tapfere Selbstbefreiung von der atheistischen Uebcrheblidieit einer rein ״liniurwisseiischaftlidien“ Weltanschauung. Verspürt inan aber wieder in einer gesegneten Minute das Dasein Gottes, dann ist der Weg frei zur Wiederaufnahme der überlieferten jüdischen Lebenshaltung, zur Erneuerung alter Formen «lurcli da« Sinnen tk׳r heute Lebenden. Daraus aber ״das A11.swahlprinz.ip einer Elite“ zu mache«, das wäre eine Verzerrung, emo sc! bst zerstörende Note in dem natürlichen Vorgang der rückläufigen Bewegung, der Abkehr von der kulturellen Assimilation, Wird auch dein Baal tesclimvoli seine Heimkehr hoch angcrcchnet, 80 hat er doch die schwei'c Verpflichtung des Lernens und die noch schwerere der Bescheidenheit auf aldi zu nehmen. Lernen soll er als Aclicraini ha tnlmidim, als letzter der Schüler, nicht aber ,׳unteren seine Erkenntnisse, und seien 811noch so richtig, nufilriingeu. Wird er. jedoch gefragt, dann hat er die Verpflichtung ztim Bekenntnis des Anfängers, nicht aber zur Anmaßung des Richters. ״Außcrwähltc, die 8td» selbst erneunen?“ .Welche Karikatur «ler religiösen Heimkehr wäre; «liesl Sollte dien wirklich im Werke sein, so gäbe es k< ine Verurteilung solcher Uebcrliebliclikcit, die ediarf genug \vä re. Was aber den Vorwurf Zweigs nnlangt, daß ich nicht Wüßte, ״was e« für eine llcwamltiiis mit Theodor Hcr/.l habe“, m weiß ich hierauf keine bessere Antwort ,11« *lie Anführung einiger Sätze an« meiner Besprechung «kr I ier/lschen Tagebüclicr in der ,^Frankfurter Zeituiqr“: ״Mag in?einen BFiitent noch so viel Zeitliches und Kh'inlich-Meiisdiliclies enthalten sein, «las, was uiigocchricbeii, aber sehr deutlich hörbar aus ihnen spricht, bcstätigt in alter Eindeutigkeit, daß hier ein Volk nach jahrhimterlelangcT äußerer Pas>,ivit.5t einen Sprecher gefunden hat, der entschlossen war, ein Kapitel der selbstbewußten Aktivität in der Geschichte seines Volkes zu beginnen.... Er wollte das jüdische Volk in seiner phy- Rischen und psychischen Eigenart vor dem Untergänge retten, und mehr als das; er wußte auch tim die religiöse Bedcutmig einer Heimkehr dic'-es Volkes nach Palästina, wußte, daß ׳;eine Sammlung im heiligen l.amle ihren Sinn nur dann empfängt, wenn sic Vorbereitung ist für die Wiederaufnahme des ständigen Gottesdienstes in allen Lcbensäullerungcn des jüdischen Volk «mauzen und des jüdischen Einzelnen. Herzt schreibt: .. So daß wir durch unseren Staat unser Volk erziehen können für Aufgaben, die jetzt noch hinter unserem Gesichtskreise liegen. Denn Gott hätte unser Volk nicht 80 lange erhalten, wenn wir nicht noch eine Bestimmung kl der Geschichte «kr Menschheit hätten.“ * Ich hoffe nachgewiesen zu haben, daß Arnold Zweigs Nachbemerkungen mit Unrecht zu meinem Aufsatz gelügt worden sind. Ich gehe mit ihm in so manchem Punkte einig, wenn er seine Ausführungen als Kritik ain Frömmlertum, an der gedankenlosen Uebtmg der altjüdischcn Lebensform an [fassen sollte. Wenn auch er (wie ich trotz mancher Bemerkung hoffe) «fas allmähliche, organische, engkontinuierliche Weiter bauen und nicht das sinnlose, prlnzrpiclle. unwissende Verneinen für richtig hält. Ke Weltaiisclmmng kommender jüdischer Generationen, insbesondere Ercz-Isracis wird gewiß die gigantische, vererbte Geisteslinie weiterführen. Aber der sinnlose Bruch mit der Vergangenheit untergräbt «las Wcrelon des Neuen. Dies ist meine KO'iln.mle pcseliiciitspliilonopliLsdic Likenntnis und darum war vtellcirlit die Ifolcinik Zweigs gegen meinen Aufsatz denmach am Platze. Denn seiner Zielsetzung einer ״Verweit* Hebung“ ehe möglich wäre, ״ohne daß auch nur ein Jota des geistigen Erbes un Wesen des Juden prcisgcgcbcn würde“ stelle ich die Weisheit des alten Gemorobsatzes entgegen { אין לו בן חוריו אלא מי שעוסק בחורה Nur derjenige erkennt die fruchtbare Freiheit, der sich den» Gesetze hingibt. Die zweite indische Emigrationskonlerenz Berlin. (J. T. A.) In diesen Tagen fand die Plcnar Sitzung des Vereinigten Komitees für jüdische Auswanderung (Emlgrationsdircktorimn) in Berlin statt. Auf der Sitzung wurde hauptsächlich die Frage der Einberufung der zweiten allweltlichen jüdischen Emigrationskonferenz erörtert. Es wyirdc einmütig der Meinung Ausdruck gegeben, «laß die endgültige Annahme des neuen amerikanischen Fmigrationsgcsetzcs eine ungeheure Krisis in der jüdischen Answander 11 n gs b c wc gun g heranfbcschworen hat. Uni die neucntstanilcnen Emlgrationsprohlemc zu lösen, ist ein tatkräftiges ZiisnmnicnarIHteii aller jüdi;dien 1 jiiigiatioiisgrsellsrhaftcn ki «ler g.in/cn Weit dringend notwendig. Es wurde «lamm bcschlo sen, die zweite jüdische Emigiationskonferciiz für den 12. August nach Berlin einnibenifen. Zu dieser Konferenz wurden sämtliche jüdischen Emigraüons- und lmmigrationsgcscllschaften Europas und Amerikas eingcladen. Die ״I lias“ in Amerika, der Immigranten־! iilfsvcrein in Kanada und das Zcntral-I lilfskomitee in Argentinien haben dem lmmigrationsiliriktorium bereits niitgctcilt, «laß sic Delegierte zu dieser Konferenz nominiert haben. Poinlsclic Justiz Lemberg. (J. T. A.) Vordem Lcmbcrgcr militärischen Kreisgericht fand soeben der Prozeß gegen den Offizier Wazlnw Fl a n i k a wegen Erschießung des Zloczowcr jüdischen Fabrikanten Adolf Linskcr statt. Die Tat erregte seinerzeit ungeheueres Aufsehen, f er Offizier hatte in dem Kupee des Schnellzugs ZIoczow—■Lemberg «lern vorbeigehenden LinsWr eine Beleidigung zngeritfcn. Als dieser sieh die Beleidigung energisch vcibat, versetzte ihm Hanika eine Ohrfeige. Der empörte Linskcr gab die Ohrteige zurück, worauf Hanika Linskcr in den Unterleib schoß. Linskcr, der Vater von fünf unmündigen Kindern war, starb nach dreitägigem quälvollen Leiden im Lcmix-rgcr Hospital. Den Vorsitz in der Gerichtsverhandlung führte Oberst Lttkowsky, als Staatsanwalt fungierte Oberst Dr. I kehl. Seitens der Familie Linskcr war kein Rechtsvertreter erschienen, IX-r Angeklagte Hanika verteidigte sieh dahin, er habe Linskcr nicht geohrfeigt, son- «lern nur gestoßen. Nachdem er sich in Widersprüche verwickelt hatte, redete er sieh darauf hinaus, er könne sich nicht art alles erinnern, da er damals in der Aufregung die Herrsehaft über sich selbst verloren habe. Nach IVurchführung der Verhandlung sprach «las militärische Kreisge rieht Hanika von jeder Schuld frei. Eine starke Gruppe nationaldemokratischcrStiulentcn, die der Verhandlung beiwohnte, iinlm! das Urteil mit Bravorufen auf, Auf «lern Nachhausewege überfielen und mißhandelten sic jüdische Passanten. Das Ilrklsclic Obcr-Rabblnal Ko n s t n n t i nop e 1. (J. T. A.) Die Vorsteher der jüdischeu Gemeinden in der Türkei sind liier zusamiucngclrctcn und haben in mehreren Sitzungen beschlossen, das Oberrahhiuat nach moderneren Grundsätzen zu reorganisieren. Eine Kommission aus fünf Personen wurde bestimmt,'die Angelegenheit des Obcrrabbinats solange zu verwalten, bis die Re- Vision «ler Verfassung des Obcrrabbinats durchgeführt sein wird. Der Oberrabbiner Cltaim Bcdjarano Effcndi wirel nach wie vor von der zivilen Behörde als «ler legale Repräsentant «ler Juden in «ler Tüikei angesehen. Fr versieht wie bisher sein Amt gemäß den offiziehen Statuten des Uabbinats. Während der Sitzungen ergaben sich Meiiningsvcrschiedenlicitcn hilietrcff der Acnocning der Statuten des Rabbinats. Einige Mitglieder waren dafür, daß eine solche Aemierun^ nicht statt/uflnden habe, bis nicht «lie Rrpicning das neue Gesetz, das die Lage «ler religiösen 111*51 itutioiicn im IjuhIc regelt, erlassen hat. Andere vertraten demgegenüber den Standpunkt, daß die Minderheitsklau fiel 11 des Vertrags von Lausanne ausreichten, die jüdische Bevölkerung zu schützen. Endlich wurde beschlossen, (laß eine nette Verfassung, die das 01>crrnbbinat regelt, entworfen und der Regierung zur Begutachtung vorgelegt werden soll. Man stimmte darin überein, daß es besser sei, sehist die Initiative zu ergreifen, als zu warten, bis die Rcgientnt׳ Ihrerseits den lüdäschen Gemeinden ihre Vorschläge macht. Ls wurde eine Kommission mm zehn Personen gewählt, die die Verfassung des Obcrrabbinats zu redigieren haben wird. H. B, Rcisncr ist das einzige aschkcnasisch« Mitglied in den beiden Kommissionen.