Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 46-47 (13.6.1924)
- Date
- 1924-06-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 46/47 Seife 337 JUEDISCHERUNDSCHAU Ingenieur Ru 111 c n bc rg trifft ln Half« die Vorbcrcituugcn für die elektrische Beleuchtung der Stadt. Auf dem Tn borberge wurde ein mit ungeheurem Kostenaufwand erbautes italienisches Kloster ciujjcwcihb Die Einweihung wurde durch Kardinal Giorgt der zu diesem Zwecke nach Palästina gekommen war, vorgeiionuncn. ln A m m an wurde am 25. Mai unter großen Festlichkeiten der Jahrestag der Unabliängigkcitscrkiärung des Ost jordan- Jandes gefeiert. Die Jüdische National- und Universitätsbibliothek ln Jerusalem ei hielt soeben von der französischen Regierung eine Kiste mit außerordentlich wertvollen Wissenschaftliehen Büchern, u. a. die ganze Serie der ״Revue Scm i t i q 1־ c“ und die ganze Serie der Zeitschrift ״Revue d ' A ss v riolog i e“ ferner den scchzeluibündigcn Bericht der archäologischen Mission in Persien und das grobe französische Wörterbuch von Litlu!. (So treiben die Franzosen im Orient Kulturpolitik. Deutschland aller, das doch noch viel mehr Interesse hätte, verlorene Positionen wieder- »«gewinnen? läcutachc Bücher werden, wie wir hören, in de« letzten Monaten infolge ihres außerordentlich hohen Preises fast gar nicht mehr gekauft. — Red. d. ״J. U,“.) Opposition gegen den palästinensisch-arabischen Kongreß Drei Kongresse statt einem Jerusalem. (J.T. A.) Der hier für den 15. Juni nach Jerusalem einberufene siebente palästinensischarabische Kongreß wurde auf den 20. Juli verschoben. Die Palästinensisch-Arabische Nationale (gemäßigte) Partei, die zuerst geneigt war, an dem Kongreß teilzu ne 11 me 11, hat jetzt beschlossen, den Kongreß, weil er von der palästinensisch-arabischen Exekutive ciiibcrufen wurde und deshalb ein P a r t c i - K o 11 g r c ß ist, nicht a 11 z u - erkenn cn. Die nationale Partei will zu gleicher Zeit ihren eigenen Kongreß nhhaltcn. Die pn last inensisch-ara bische Bauernpartei hat ebenfalls Dir Juli einen Kongreß cinbcrufcn, an welchem Delegierte aus Jerusalem, Nablus, Jenin, Tulkerem. Hebron und Ramleh teilnehmen werden. Die nationale Partei ist zu diesem Kongreß cirigeladcn worden. JabolInsRys Erfolge bei — den Arabern Wie der Pal. Tel.-Agentur von der palästinensischarabischen Exekutive mitgctcilt wird, nimmt die arahisch-nationalistiselie Bewegung in Palästina mehr und mdir einen tätigen Charakter an und befaßt sicli mit ähnliche n Methoden wie ״die kriegerischen Zionisten aus der Schule J a bot i n s l< y s“. Die palästinensischarabische Exekutive hat endgültige Vorschläge für den siebenten palästinensisch-arabischen Koiigrcll ausgearbeitet, unter weichen figurieren: Aufstellung einer arabischen Kampflegion, ähnlich der von Herrn Jabotinsky vo r g c s c 111 a g e ״ c n jüdischen Legion. Es soll ein ara bisch •palästinensisch er Fonds eiligerichtet werden, und die Araber der ganzen Welt sollen zu dessen Unterstützung atifgefordert werden, ebenso wie die Zionistische Organisation sicli an alle Juden d e r Welt wendet. Es soll auch ein Golde 11 cs li u c 11 nach dem Muster des Goldenen Buches des Jüdischen Nation,1!fomis eingerichtet werden. Außerhalb Palästinas wohnende Araber sollen der palästinensisch-nationalistischen Bewegung naiiegebracht werden; besondere palästinensisch-arabische Orgnnisationen sollen in den verschiedensten Ländern gebildet werden. Pie palästinensisch-arabische Exekutive soll!unorganisiert werden und besondere Abteilungen für!1olitik, Wirtschaft, Er- Ziehung und Propaganda-Tätigkeit entrichten. Die Rulhenberg-Konzession vor dem Haager Gerichtshof Genf. (J.T. A.) Die griechische Regierung ernannte Herrn Kaloyannis, früher Mitglied des Berufungsgerichts des ägyptischen gemischten Tribunals, zu ihrem Vertreter in der am 16. Juni stat*findenden Sitzung des Internationalen Gerichtshofes. In dieser Sitzung soll die Entscheidung in der zwischen Großbritannien 11ml Griechenland schwellenden Angelegenheit bezüglich der im Jahre 1014 dem griechischen Untertanen M. Mavromatis gewährten Konzession für die Elektrifizierung Pa- IS st Inas (soll heißen: Jerusalems. — Red.) fallen. )er Bericht der firlllscliai Scglcruitg über die P&lSslfna• Veriv.illtmg an die Mandats Kommission des Völkerbundes G c n f. (J. T. A.) Die p e r m a n c 111 c M n n d a t 8 - K o m - miss io 11 tritt am 26. Juni In Genf zusammen. Sie wird die Berichte der M a n d a t 8 111 ächte über die Verwaltung der Länder, für die sie die Verantwortung übernommen haben, cntgcgeiiiiehmen. Die britische Regierung wird einen Berieht über die Verwaltung von Palästina und den Irak, die f r a 11 z ü s i s c 11 e Regierung einen solchen über die Vcrwaltu״g von Syrien und'das L i b a no 11 - Oe b I c t verlegen. Lord Milner über Palästina London. (J.T. A.) Der britische Vertreter tm Perniniicnz,1usschuß des Völkerbundes, Sir I rcderick Lugnrd, hielt am 2. Juni in London eine Vorlesung über das Mandatssvstcin im allgemeinen und die britischen Mandate im besonderen Ford M i 1' n e r , der den Vorsitz führte, sagte cmleitend, Paiä'stina biete die beste Illustration dafür, was trotz der viele״ Schwierigkeiten des Mandatssystems erreicht werden könne. Die Schwierigkeiten sind dort so ziemlich beseitigt worden. Palästina bat in den letzten Jahren Fortschritte zu verzeichnen in bezug auf die herrschende O r d 11 u 11 g , das Rechtswegen, die Verwaltung und den materiellen Be sitz, was ohne eine uneigennützige Hilfe von außen gar nicht möglich gewesen wäre. Im Hinblick auf die besondere Geschichte des Landes und auf die Tatsache, daß es für drei große religiöse Gemeinschaften ein geweihter Boden ist, brauchte dieses Land eine besondere Treuhänderform. Palästina könnte niemals der alleinige Besitz einer Nation sein. Alle Rassen haben dort ihre Rechte, aber die•-«■ Rechte konnten nur durch die Treuhänder- Schaft einer tmpartciischcn Macht ausgeglichen werden. Darauf sprach Sir Frederick Lugard ül>cr die britischen Mandate in Irak und Palästina und über die Tatsache, daß die Vereinigten Staaten, obwohl die Annahme der ursprüngliehen Fassung des Mandats dem Präsidenten Wilson zu verdanken ist, selber kein Mandat ausüben. Jedoch durch ihren Anspruch, über die einzelne״ Punkte mit befragt zu werden, tun sic kurnl. daß sic auch eine״ Teil der Verantwortung tragen. Er hofft, daß in nicht allzu langer Zeit die Vereinigten Staaten in der Mandatskommission vertreten sein werden, wo ihre Mitarbeit von größtem Nutzen wäre. Die palästinensischen Vertreter aef dem Infernalionafen Gewerkschaftskongreß Wien. (J.T. A.) Am zweiten Sitzungstagc.de«!11 Wien tagenden internationalen Oewerksebafts-Kongrosses erstattete der jüdische Delegierte aus Palästina Do v Mos einen Bericht über die Lage in Palästina und führte aus: Die Gewerkschaften in Palästina zählen gegenwiirtiif zwar nur 20000 Mitglieder, jedoch sind sie in einem rapiden Wachstum begriffen, da jetzt ein starker j ii d i s c 11 c r E i n w a 11 d c r u 11 g s s t ro in eingesetzt hat. Den jüdischen Gewerkschaften geboren auch arabische Mitglieder an, insbesondere Transportarbeiter und Eisenbahnangestellte. Wir benötigen dringend die Hilfe des Gewerkschafts-Kongresses, da in Palästina kein A r b c 11 e r s e 111117, existiert. Wir hoffen, daß die englische Arbeiterregiernng jetzt dafür Sorge tragen wird, daß mich in Palästina ein Minimum des Arhcitcrscluitzcs gesetzlich festgelcgt wird. Die jüdische Gewcikschaftsbcwcgung in Palästina ist eine Br ticke zu der G e w e r k s c 11 a f t s b c w e g 11 n g ganz Asiens. Die asiatischen Gewerkschaften werden sielt mit der Zeit vereinigen, schon heule bestellen zwischen den einzelnen dersclbut Pciiihninggiunkle. In der gleichen S'tzung 11'elt mich der zweite palästinensische Delegierte Stverdlow ein Referat in hebräischer Sprache, welches durch Herrn lX>v Hos ins Englische übertragen worden ist, Obwofil die wenigsien iJe'cgieit11״ I ft bi'äisch verstanden, hörten alle mit Interesse der ersten hebräischen Rede, die auf einem internationalen Ciewrrki-cliafts-KoiigrcIl gehalten worden ist, zu. Am 3. Juni abends batten die palästinensischen Dole gierten eine Zusammenkuiit't mit den Delegierten der englischen Trade Union. Das Trennungsnesach der Agudah vom Kolonialamt abgelehnl Wie die Pal. Tel.-Agentur erfährt, wurde das von der palästinensischen Agudas-Jisroc! unter der Führung des Rabbiners Cliaim Sonnenfeld cingcreichtc Gesuch, nicht der Rechtsprechung der jüdisch-religiösen Gerichtshöfe in Palästina unterstellt zu sein, weil diese unter dem zionistischen Oberrabbinat ständen, von dem Kolonialamt ab geleimt. Die neue Verordnung, laut der die Rechtsprechung der jüdischen Wakfs auf die jüdisch-religiösen Gerichtshöfe übertragen wird, soll nun sofort in Kraft treten. Zunächst dürfte vielen Lesern der Umstand auffallcn, daß ein großer Teil der neuen Übertragungen ganz matcrieilen Palästinafragen gewidmet ist: wirtschaftlichen, finanzielten, organisatorischen, politischen (״Vorrede zur neuen Auflage“, 1. Bd.; ״Die Wahrheit aus Palästina“, 1, Bd.; ״Die Kolonisation und ihre Bevormundung“, 2. B<1.; teilweise auch ״Politischer Zionismus“, 2. Ikl.). Die reine Geistigkeit des Ach,ad I laninschcn Zionsideals ist ein Märchen, das einmal die dümmsten zionistischen Kinder nicht mehr glauben werden. Abgesehen von den expressis verbis lies Autors in zahlreichen Aufsätzen des’Gesamtwerkes — kann ein Mann, der so eingehend, wie cs in den genannten Stücken geschieht, Fragen des Bodenkaufs, des Wein- und Getreidebaus, der Kolonien- Verwaltung, der Gcidvcrwcndting, der Bankstatuten, der Mandatspoiiiik usw, behandelt und oft genau begründete Einzclvorschläge macht, sich den Aufbau Ercz Israels wirklidi als den eines Wölkenkuckucksheims denken? Mir scheint, daß in diesem Punkte die ״Amerikaner“, die auf der Marshall- Konferenz immer vom geistigen und kulturellen Zeutnim sprechen, den Achadhaainismus besser verstellen, als die meieten europäischen Zionisten. Zum zweiten möchte ich auf den erstaunlichen Tieflind Scharfblick Hinweisen, der Arhad Haam auszcidinct und ihn befähigt, häufig ״Das Kommende zu selten“. Da ist z, B, der Aufsatz. ״Eine Seclciianalysc“ (I. Bd), worin schon viel Wesentliches der Psychoanalyse vorwcggciioninicn wird, wie kürzlich ein Arzt mit Recht bemerkte (J, Prager im ״Juden"). — Aus dem Gebiete der Psychologie will ich ein sonst unbekanntes Beispiel bringen. in einer Arbeit über den ״Begriff des Ideals“ (II. Teil) behandelte ich auch den ״Glauben an die Realisierbarkeit des Ideals“ unter Zugrunde- Icgung der jetzt im 2, Ikle. S. 21 f. deutsch nachlcsbarcn bezüglichen Ausführungen Achad Haams, die aus dem Jahre 18)7 stammen. Dazu schrieb mir mein Lehrer K ü 1 p c, der bckannte Psychologe, am 9. Februar 1909: ״Sehr interessant waren mir die Ausführungen über den Glauben an die Realisierbarkeit. Es eröffnet sich damit ein Zusammenhang mit der Psychologie der Aufgabe oder determinierenden Tendenz, Diese braucht , , . nicht immer bewußt zu sein, aber kann in gewissen Fällen bewußt werden <-י ganz wie das ״Endidcal“ (Achad llaam.-).“ 1,11,0 10»c1.,;.;ciaoe zu jener Zeit die erwähnte Psychologie der Aufgabe von der ״Würzburger Schule“ unter Külpe sozusagen entdeckt worden war und betrieben wurde. Also auch liier halte Adiad Haam schon Dinge erkannt und klar ausgesprochen, die erst nach Jahren ihre wissenschaftliche Erforschung und Bestätigung fanden. — Oder wenden wir uns jüdischen Gegenständen zu. Zu einer Zeit, wo noch niemand an dergleichen dachte, wußte und verkündete Achad Haam.. daß lrciin Aufbau Israels der ״Araherfrage“ einmal eine ernste Bedeutung zukomnien müsse (״Wahrheit aus Palästina“, 1, Ikl.), Hätte man diese Andeutungen mehr beachtet, so wäre vielleicht manches heute: besser. — Ein weiteres Beispiel. Aus dem 1, Ikle. der neue» Uebersetzung (S. 393 ff.) ersieht man. wie »ich einst Achad Haam bemühte, eine großzügige hebräische Emy• klopädic des Judentums zu schaffen — ohne Erfolg. Erst als mehrere Jahre später christliche Gelehrte ein iilinliebes Werk, natürlich mit anderer Tendenz, in englischer Sprache zur Ausführung brachten, fand dieses den Beifall der jüdischen Kreise. Uebrigens sollen gegenwärtig von Männern, die zum Teil Achad Haam sehr nahe stehen, Vorbercilimgen getroffen werden, den Plan eurer hebräischen Enzyklopädie endlich doch zu verwirklichen, ״Was der Versiaml nicht tut, tut die Zeit“, sagt einmal Achad Haam, Als letztes Beispiel diene das Schulwerk in Palästina, Bekanntlich ist jetzt die Schulfrnge durch eine Vereinbarung zwischen Zionistischer Organisation und Misraclil dahin geregelt, daß trotz einheitlicher Verwaltung die traditionell-religiösen Scliulen innere Autonomie besitzen. Weniger bekannt dürfte aber sein, daß Achad Haam cs war, der scltpn lange vorher ein solches sehicdlich-friedlidics Nebeneinander gefordert hatte (,,Auferstehung des Geistes“, 2. Bd.). Endlich ein paar Worte zu dem Thema, das mit dem Namen Achad Haam fast assoziativ verbunden ist: die jildische Kultur, Heute scheint innerhalb dieses weiten Feldes die religiöse Frage von besonderer Aktualität, und sic wird mit dem fortschreitenden Aufbau Ercz Israels immer brennender werden. Ich beabsichtige später den ganzen Gegenstand ausführlicher zu behandeln und will daller einstweilen nur , einen .wichtigen Punkt erwähnen״ Das Budget der Stadt Tel-Awlw (Erste Lesung.) Der Jerusalemer Korrespondent des anltscmliischen ״D a i I y E x p r e s r,“ in London telegraphierte am l. Juni seinem Blatt wörtlich folgendes: ״Die Stadt Tei-Awiw bet Jaffa, die erste rein zionistische Stadt, Kt in einer finanziellen K1 e m m e. Die Majorität der Stadtverordneten sind extreme Sozialisten und eine Anzahl der gemäßigten Einwohner hat den Gonvernctir des Jaffa-Di trikts gebeten, dem neuen Budget, das Ausgaben für vciseliiedene sozialistische Pläne vorsieht, seine Zustimmung nicht zu erteilen." — Wüßte man cs nicht ohnedies, so könnte inan schon ans der Fassung des Telegramms mit Sicherheit darauf schließen, daß cs sich hier wieder einmal um einen Vorstoß der Agudah, gemeinsam mit den englischen Antisemiten, gegen den Zionismus handelt. Der Jerusalemer Korrespondent des ״Daily Express" ist nämlich Professor de Haan. Wir hätten die Nachricht in die für die Agudah in unserem Blatt vorgesehene Rubrik, die die Ucbcrschrift ״Antisemitismus“ erhalten müßte, verwiesen. Da wir aber rechtzeitig die folgende eingeilende Informailon über das Budget von Tcl-Awiw (vom 5. Juni datiert) erhalten, mag «las ״Daily Express“• Telegramm hier seinen Pranger finden. Nocti bemerkt sei, «laß de Haan offenbar mit der tendenziösen Falsch• incldimg den Kredit der palästinensischen jüdischen Städte ln Amerika untergraben will. Tei-Awiw hat bekanntlich im Vorjahr dank den Bemühungen von Judge B. A, Roscubiatt in Amerika eine Anleihe erhalten. Red. der ״J. R.“ Es bestellt Immerhin ein Unterschied zwischen der Verhandlungswcisc im englischen Parlament und der Tel-Awiwcr Stadtvertretung. Als T w er s k y das ״Budget-baby“ vorlcgte, wurde er nicht mit Jubel empfangen wie Snowden, im Gegenteil. Die Majorität der Linken ist vielen un* erträglich. Bereits vor einiger Zeit haben die Vertreter des Grundbesitzes die Gelegenheit benützt, zu resig• nieren. Lange bevor das Budget fertig war, wurden Unter״ Schriften gesammelt, 11m dagegen zu protestieren. Die tm* sinnigsten Gerüchte wurden verbreitet. Bei Beginn der Sitzung erklärten einige Vertreterder ״frommen“ Vorstädte, sic würden den Saal verlassen, wenn es zur Lesung des Budgets käme, und als die Majorität fest blieb, führten sic ihre Drohung aus. Es ist dies natürlich nur in der Absicht geschehen, die Ver• antwortung für unpopuläre Steuern von sieh abzuwälzen. Die Ziffern des Budgets sind allerdings zunächst er• schreckend groß: Einnahmen 48.400 £E, Ausgaben 48,168 £E, so daß jeder Bewohner von Tei-Awiw fast 2'/2 £E zu tragen hat. Betrachtet man aber die Entwicklung der Voranschläge, so kommt einem diese Summe weniger hoch vor: Einnahmen Ausgaben Im Jahre 5679 3.203 £E 3.651 £E M 5690 10.250 |> 11.170 9t tf ff 5691 15.000 ff 12.930 ft ff 5682 31.660 ff 2S.9 O 9t st M 5683? 51.219 ft Voranschlag für 5684 . 48.100 ff 48.168 ff Man sieht also, daß sich von 5679 bis 56S0 das Budget um 220 0/0 vergrößerte 11ml auch in den übrigen Jahren stets ein bedeutendes Anwachsen zu bemerken ist, während gerade zwischen dem letzten Jahr und heuer wenigstens auf der Aur.gabenseile eine Abnahme von 6״« vorliegt. Die Bilanz für 5633 liegt noch nicht vor, und es sind nur die Ausgaben bekannt, doch sieht bereits fest, «laß ein ziemliches Defizit vorhanden ixt. Zum besseren Verständnis bemerke ich, daß das Finanzjahr vom 1. April bis 31. März läuft. Die Abnahme der Ausgaben gegenüber dem Vorjahre ist um so bemerkenswerter, als Tei-Awiw sich bedeutend vergrößert hat und um einige Vorstädte vergrößert wurde, so daß cs überhaupt zweifelhaft Ist, ob sich das Budget wir«! cinhahen lassen. Jedenfalls zeigt sicli der feste Wille gerade auf Seite der Arbeitervertreter, zu sparen und die Ausgaben möglichst hcrabzud rücken. Die wichtigsten Posten auf der Ausgabenseite sind: Verwaltung 3.890 £E Saciläre Vorkehrungen 5.900 ״ Beleuchtung 1.334 ״ Polizei 4.818 ״ Strallcnpflastcrung usw. 2.600 ״ Die zur Erhaltung der Stadt unbedingt nötigen Ausgaben machen 23,012 £E aus. Für die Entwicklung der Stadt (neue Straßen usw׳.) sind 6.842 £E vorgesehen. Was gehört zum echten Nationnljudcnhim? Oenügt es, Schekel zu kaufen, Geld für den Palästinaaufbau zu geben und zu sammeln, in — ach, so seltenen I — freien Stunden etwas jüdische Geschichte und hebräische Sprache zu treiben und au Gemeindep׳ litik tcilzunchmcn, während man im übrigen ״wie ein Goj“ lebt? Ist cs schon echtes, vollständiges Chaiuziiith, wenn mail in Palästina als Bauer oder Maurer arbeitet und Hebräisch spricht — aber die schriftliche mitsamt der mündlichen Lehre beiseite wirft, den Sabbath mehr oder weniger zum Werktag macht usw.? Andererseits: darf man von nichtrcligiöscn Nntionaljndcn, die in ihrer Art Großes für die Wiedergeburt des jüdischen Volkes leisten, eine Verleugnung ihrer religiösen bzw. antireligiösen Gesinnung fordern, sie zur Heuchelei veranlassen? Achad Haam erörtert die Frage oft. Aus der vorliegenden Uebersetzung seien hauptsächlich die beiden neuaufgenommenen Stücke genannt ״Nationale Ethik“ (2. Bd.) und ״R, Mordcchaj Eliasberg“ (1, Bd). Der hier erwähnte Rabbi ״unternimmt es nicht . . . gewaltsam Gläubigkeit zu verlangen, sondern ... verteidigt ... die Religion im Namen des Nationalismus und verlangt m 1t Recht von den ״Natürlich-Nationalen“, daß auch sic die Thora und deren Gebote im Namen des Nationalis• m u 8 liochhaltcn".*) Der Salz enthält, wie mir scheint, ln nucc alles, was Achad Haam an verschiedenen Stellen Uber die Frage ausführt. Man lese nicht, man studiere ״Am Scheidewege". Wende das Werk hin und her, denn wenn auch nicht alle« in ihm enthalten ist, so doch außerordentlich viel, viel mehr als bei flüchtigem Lesen merklich wird. Und seinen besonderen Vorzug macht der Umstand, daß Achad Haam selbst treulich erfüllt hat, was er vom Schriftsteller überhaupt fordert: ״Für den Schriftsteller besteht das Wesen seiner Aufgabe in seinem Volke darin: da» Licht der Wahrheit über die Erscheinungen des Lebens zu verbreiten und dem Volke die Augen zu öffnen, auf daß es jedes Ding 90 »ehe, wlo cs wahrhaft Ist,“ Abraham Schlesinger. *) Die Sperrungen stammen aus dem Original 1