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Jüdische Rundschau · 1924-06-06 · Heft 45 (6.6.1924) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 45 (6.6.1924)
Date
1924-06-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seife 523 IUEDISCHE RUNDSCHAU finanzielle Sclmicrij,LeiIcu drr palästinensisch arabischen Exekutive Wie die Pal.Tcl.-Ag. erfährt, ist die finanzielle Ln ge il e r palästi ne 11* *iscltarabischen Exekutive «ine kritische. M 11 z a Kazim 1» a 8 c h a begab sich zu f.mir Abdill Iah in Traiisjordaiiien, um ihn zu ersuchen, seinen Vater, König Hussein von Hedjas, zu veranlassen, ■die palrislinensiseli-iirabisclic Exekutive zu unterstütze«. Die nalästineiisLsdi-arabisdic Exekutive gellt mm daran, eine mit drr pal.G1i!1€11:.i;;f|1-nrabisclH11׳ Exekutive vcrbumlenc ara. bische Arbeiter-Organisation zu gründen. Wieder einmal die Apda Ein Telegramm an das englische K o I 0 n i a I a ni t Wie die Pal. Tel.-Agentur erfährt, hat die paliistinensiselie Agudas Jisroel, deren Vorsitzender Rabbiner So nn c n - fclcl ist, dem Ko 1 11״ i n i a m t in London ein Telegramm gesandt des Inhalts, daII die Agudah gegen die neue V e r o r d 11 וו n g betreffend die R c c h t s p r e c 11 u n g *1 c r z i ץ i I c n und r e I i g i <"> s c 11 G c r i c 111 s 11 >> I c in Palästina, durch die die Rechtsprechung der jüdischen iWnkfs dem palästinensischen Oberes b bin nt ׳übertragen wird, protestiert. In dieser Mitteilung werden 'Sir Herbert Samuel, sowie der palästinensische Justiz- Sekretär Norman!!entwich scharf aitgegriüc'n; man macht 1sie dafür verantwortlich, daß sie die orthodoxen Juden der Rechtsprechung des zionistischen Oberrabbiners unterstellt hätten. Das Kolonial,111 וt wird ersucht, zu erlauben, daß die orthodoxen Juden Palästinas der Rechtsprechung der m o h a ni «1 c d a n i s c 11 e n religiösen Gerichtshöfe unterstellt würden, was ihnen jedenfalls lieber sei, als der des zionistischen O b c r r a b b i 11 a t s unterworfen zu sein. (Angesichts der Anstrengungen der ״Agtidali“, die jüdische Weit einigemal in der Woche mit ihren ״cchtjüdisehcn" und höchst positiven Taten zu beschäftigen, wird uns nichts anderes übrig bleiben, als ihr in unserem Blatte ständig eine eigene Rubrik cinzuräumen. Ihre Lindigkeit, auf stets neue Kampfmittel gegen die verhaßten Zionisten ni verfallen, ist bewunderungswürdig. Die Treue gegen die Spruche (und den Geist) der Väter, mit der sich, die ״Agitdah“ jetzt selbst aus der Gemeinschaft ausschließt, zu *len judenlcindlichen Mohammedanern und in ihre Rc1i״ionsimdit11tc iibcrläuft, ist ebenso unübertrefflich. Welche Üeberrasehiing wol-l für die nächste Woche vorbereitet wird? — Red.) Der Vatikan und Paliislina Rom, (J. T. A.) Der Vatikan hat am 20. Mai eine päpstliche Bulle veröffentlicht, in welcher das Jahr 10׳י> als ein Jubeljahr angektiudigt wird. In der Bulle wird der Wunsch des Papstes zum Ausdruck gebracht,!laß das heilige Jahr ein friedvolles fiir alle Völker der Erde werden, die Vereinigung der christlichen Küchen bringen und die Lösung der palästinensischen Frage in U c b c r c i n s t i in mu n g mit den Hoffnungen des Christentums Dringen tu ö g e. Jerusalem. (J.T. A.) Noch vor Ktattfmdcn des Zionisten ko n grosses soll hier eine P r o - P a 1 ä s ti!1 ה - W e 11 k o 11 f c 1 e n z. 11 e r sep bardischen Gemeinschäften stattfinden, auf welcher über den Zusammen- Schluß der Arbeit der scphardischcn Juucnschaft für das Aufbauwerk in Palästina Beschlüsse gefaßt werden sollen. Herr M. K, Wssischkin, der sieh zurzeit in Europa befindet, wurde gebeten, in Griechenland, Jugoslawien umi den benachbarten Lämlern, die eine scphnrdischc Bevölkerung haben, Propaganda zu machen, damit dort Vorkonferenzen jtustandc kommen. (Siehe auch unter ״Palästina-Nachrichten“.) Nach Sibirien verkannte russische Zionisten dürlcn aacit Palästina ' ־ . י Jerusalem. (J.T. A.) Die palästinensische zionistische Exekutive hat für die kürzlich wegen ihrer zionistisehen Tätigkeit von den Sowjet -Behörden in die Strafkolonien nach Sibirien verbannten 38 Zionisten Visa fiir Palästina angchotcn. Die So w j c t B c h ö rd c 11 haben jetzt die Erlaubnis gegeben, daß die Verbannten nach Palästina gehen und diesen Beschluß sofort nach Palästinn initgctcilt. Daraufhin hat die zionistische Exekutive Schlitte unternommen, um die nötigen Visa nach Moskau zu senden. 6300 Hund iür den K. I. In!Mzclin KlmiSea flc.saratnc!l Aus Südafrika erhalten wir die Nachricht, daß auf einem Bankett in Capetown am Iß. Mai zu Ehren Dr. Alexander (ioldstcins innerhalb von fünfzehn Minuten der Betrag von (GOß Pfund gesninnudt wurde. An dem Bankett nahmen sechzig führende Personen der jüdischen Gemeinde in Capetown teil. Der Fühl er der söelafrikanisclien Zionisttu, Morris Alexander, führte den Vorsitz, Dr. Gokktciii hielt auf »lern Bankett und aiu folgt'nden Abend in einer Massenversammlung zündende Ansprachen. Die Sammlung ist nur der Auftakt fiir eine größere Kampagne in der Stadt. nationale Aufgaben auf dem <leidet der sozialen Hilfe gesch vifen werden. Die voriiebim-ir Aufgabe der zweiten Jtidischeu Wcltliillskonferonz wild die Schaffung eines nolrlien infcrteriitoiialcn Vcilirmde!»;,ein, der idle judi* > heil Gemeimle und < lemeiudcveibiimle, sowie alle jüdischen philanthropischen Ge:.( II -e 11:1 fteil Vereinigen soll. Der Verband wird ilen Volksr c 11 u ח g s f oinlt verwalten, einen gewissen Prozentsatz seiner linnahmcn für fortlaufende Hilfe verwemim, in der 1 lauptsnche aber wird er die Aufgabe lmbcn, Im Falle von Kat.v.lroplivn sofort mit den größten Mitteln einztigreifen. Fier Vcibaud wird mu 11 im sl.imligrii Kontakt mit den internationalen humanitären Organisationen, wie ktilr« Kreuz, Internationale Vereinig u 11 g für K i n d e r h i I f c usw. stehen. Er soll de facto als die jüdische Abteilung des Roten Kreuzes anerkannt werden, um in Zeiten von Verfolgungen und Unglückifällcii autoritativ auftreten zu können. Der NltHElrdicnsl der In Miauen Die offizielle I i i au i <1 e I1 c T e l c g r n pli c ft - A ge 1! 111 r (1 Ha) veröifeniiielit ein Kommunique ober die Jcschiwoth in Litauen, in wclebcm sie fcs(stellt, daß mau zwar anfänglich allen Schülern der Jcschiwoth zeitweilig das Recht auf Vers chicbillig des Militärdienstes gewährt batte, daß nur die Zöglinge derjenigen Jcschiwoth, die ein gewisses P r o g r a m m n 11 g e m e 111 c r Lehrgegenstände ein ge führt hatten, ein Recht auf Prolongation haben. Das wird auch von allen anderen geistlichen Lehranstalten gefordert. Gegenwärtig hat nur die Jcscldwali in T e I s c 11 i für. ihre Schiller das Recht auf Prolongation vom Militärdienst, weil sie das erforderliche Minimum allgemeinen Wissens eingeführt hat. (Diese Mitteilung des litauischen Nachrichten- Büros bestätigt genau die von uns anläßlich der Beschuh!!- gungcit gegen den jüdischen Minister Dr. Roscnbautn gegebene Darstellung. — Red.) Die r,;veile lüdlsche Wdihlllskottlerenx Ein Jüdischer Welt verband für soziale Hilfe Der Generalsekretär der Jüdischen Wclthillskonfcrcnz׳., J. Efroikin, Paris, sprach am 2. Juni in Berlin über den Plan eines .,Jüdischen Wcltvrrb .indes für soziale Hilfe“, dessen Gründung von der Jüdischen Wcltliilfshonfcrcnz. vorbereitet wird. Am 21. August wird die zweite jüdische Welthilfskonferenz in Karlsbad zusaminentrcten. Die Leitung der WchliilHkonferenz heabsich• Egt, den Delegierten vorzuschlagen, daß eine auf eine breitere Grundlage gestellte, möglichst das ganze Judentum umfassende Hilfsorganisatiou, der von der Konferenz zu gründende Wcltverband für soziale Hilfe, geschaffen wird. Die 1 lilfstiitigkcit soll so organisiert werden, daß Katastrophen möglichst vermieden, oder wenn sic eingetreten, durch sofort einsetzende Hilfe möglichst paralysiert werden. Es soll ein jüdischer R c 11 u n g s 1 o rt d s geschaffen werden, der nicht durch zufällige müde Gaben und Sammlungen, sondern durch eine ständige Stcucrtcistung seitens dev indischen Institutionen, der Kehilloth tmv. erhalten wird, Die Summe der jüdischen Wohlfahrtsaktioncn in den verschiedcnrii Ländern übersteigt zuweilen da« Budget manches kleinen Staates, Der ״Joint“ allein hat bisher <10 Millionen Dollar ausgegeben. In allen Ländern werden u 11 - g e f ä h r 200 Millionen Dollar jährlich f i i r j ü - dlschcWohltätigkcitszwecke verwendet. Wenn sich aber die jüdischen Kehilloth lind philanthropischen Vercinigungcn in einen interterritorialen jüdischen verband für soziale Hilfe vereinigen und demselben auch nur 1-—'2 ״/» ihrer Einnahmen zuwenden, könnte ein großer Fond» Ihr allgemeine Nr. 45 Franz Kalla Zti lei n1f11!l1ilsä!cn Pogroacn Das offizielle Organ des rumänischen Auswärtigen Amtes ״L ’ 111 d e p c n <1 a n c e R 011־ main c“ bedauert in ihrer Nummer.vom 26. Mai die durch den Wiener Vertreter einer amerikanischen Agentur (gemeint ist die LT, A.) in der amerikanisch-jüdischen Presse verbreiteten Nachrichten über in Rumänien staltgcfundene Judenpogrome. Das Organ behauptet, alles sei meist Phantasie des Wiener Erfinders gewesen, da sich in der Wirklichkeit alle Geschehnisse in Transsylvanien auf Bübereien einzelner Studenten in Wasdarf (ülaj) beschränkt, welche mit einigen jüdischen Reisenden ihren Scherz (!) getrieben haben. Das Blatt behauptet, daß, als die Situation gefährlich geworden war, die Polizei sofort ei 11 gegriffen habe. Das amtliche Organ schließt mit dem Wunsch, daß die amerikanischen Leser künftig gegenüber ähnlichen Nachrichten über Rumänien skeptisch gcgeiiüberstchcn mögen. Auf diese Feststellungen antwortet das rumänische Oppositionshlatt ״Adcverul“ in seiner Nummer vom 27. Mai in folgender Weise; ״ln der Tat ■waren die im Ausland über die Pogrome verbreiteten Nachrichten einigermaßen übertrieben; dennoch aber wurde alles geglaubt, was daraus zu ersehen ist, daß die rumänischen Diplomaten im Auslände von der Bukarester Regierung Informationen und Instruktionen erbeten hatten. Die Regierung reagierte darauf durch ein amtliches Kommunique, welches schon deswegen zur Erfolglosigkeit verurteilt war, weil das Kommunique, iin Gegensätze zu den Wiener und Budapestcr Berichten, die etwas nach oben übertrieben hatten, d i c ganze Angelegenheit auf Null zu bringen versuchte, obwohl doch wahrheitsgemäß 60 Juden, die aus den fahrenden Zugen himiusgeworJcn wurden, verw u ti d c t worden sind und obwohl die Züge auf nllen Stationen längeren Aufenthalt genommen haben, damit die besoffenen Antisemiten Zeit zum Austoben gewinnen. Bei all diesen Zwischenfällen haben die rumänischen Behörden kein einziges Mai zugunsten der maltraitierten mul attackierten Juden c i n g c g r i f f e n. . . Der Protest d e r O p f e ז ist, wenn auch übertrieben, sehrbcrcchtigt. Wir warnen und protestieren bei dieser Gelegenheit nochm.als gegen die Judenverfolgungen, die an den Universitäten unter der Beteiligung der Professoren vor sich gehen. Gegen derartige Ruhestörer sind entsprechende Druckmittel dringend geboten, sonst werden die endlichen Konsequenzen dieser nachsichtigen Politik Katastrophen für das Land bringen. Die Regierung verhält sich noch immer passiv, ,•im 11 jrl/t noch, wo iri K1 n ti א e 11 b u 1׳ g und 111 il Insdorf Dinge passieren konnten, die eine Störung der Ordnung, wie sic letzt in der Wett ohne Beispiel dastcht, bedeuten. Man kann sich nicht darauf liiimusreden, daß es sich um Zufälligkeiten handelt, denn alles geschah bewußt und wurde von langer Hand organisiert. Wie die Londoner J. T, A. von maßgebender Seite erfährt, haben Kreise in London, die der jetzt dort weilenden Königin Marie von Rumänien nahestehen, Telegramme aus Bukarest erhalten, nach welchen mn Mittwoch und Donnerstag nach der Explosion gegen die jüdische Bevölkerung gerichtete A118 s c h r c i Hingen vorgekommen sind. Ueber die Ausdehnung der Störungen hat man bisher noch keine Nachrichten erhalten. Der ״Adeverul“ berlehtet, daß an der Universität Jassy erneut antijüdlschc Exzesse staHgefunden haben. Professor Constantincscu vom Lyzeum in Bar lad wurde mißhandelt und schwer verwundet, als er die jüdischen Studenten zu schützen versuchte. Während eines jüdischen Leichenbegängnisses am 30. Mai in Klausenburg bombardierte eine Anzahl Studenten die Leidtragenden mit Steinen. Mehrere Leidtragende wurden verletzt. Die jüdische Geinciudeorgnnisation deswegen beim Polizeikommaudanten Popp protestiert, der eine Untersuchung der Angelegenheit versprach. UsslsdtMn in ReßaraMcu Kischincw. {J.T. A.) Die Reise Ussisdikins durch Beßarabicti gestaltete sieh zu einem Trruniphzug. Aut der bcliarabisehcn. Grenzstation Unglieni wurde Ussischkin durch eine Kisthinewer Deputation mit Dr. Bernstein- Ko ha n au der Spitze, empfangen. Von da ab erschienen an jeder Station jüdische Abordnungen und eine zahlreiche Menge, um den Ciast zu begrüßen. In Kischincw versammelten sich etwa 10 000 Juden am Bahnhof und bereiteten Ussischkin große Ovalkuum. Die sehr eindrucksvolle Kundgebung wurde durch einige Cuzaisten gestört, die mit faulen Eiern nach Ussischkin warfen. Einer wurde als «!er Redaktcur des lokalen PogromWattes ״Slailul national“, Niogni, fcstgestcllt und ,verhafte f. Die Attacke auf Ussischkin hat ungeheuere Erregung hervorgerufen. Der Prii• fehl von Kischincw hat sich bei dem Vorsitzenden des Ehrenkomifees, Dr. Bernstein-Kob an, wegen des Zwischenfalle*- entschuldigt. Der ln Ki*chtuew'abgel1 alterten beßarabischen Nationalfonds-Konfercnz wohnten 150 Delegierte bei. Es wurde beschlossen, währe.nd der kommenden 15 Monate mindesten» 12.000 Pfund für <1011 Nalionalfaml» zu sammeln. Am Dienstag, den '1. Juni, ist der Prager Dichter Franz Kafka, ein edler, reiner Mensch, ein großer Künstler, ein guter Jude und Zionist, in einem Sanaloriitm bei Wien nach jahrelanger Krankheit gestorben. ’Fr wohnte im letzten Winter in Berlin. Soweit es ihm seine Krankheit gestattete, hat er sich hier mit dem Studium der hebräischen Sprache und des hebräischen Schrifttums befallt. Mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgte er die zionistische Bewegung und alle Vorgänge in Palästina. Wie erfreut und dankhar war er, wenn ich ihm die ״Jüdische Rundschau“ brachte! Die folgende Würdigung de* Menschen, de* Dichters und des Zionisten, von Freundeshand geschrieben, bringt die dicswöclientliche Prager ״Selbstw e 11 r“. S. K. Im 4L l.clKuisjalirc ist Franz Kafka gestorben, cki Mensch von überiidischcr Feinheit der Seele und kristallner Klarheit des <feist( r, ein Dichter, dessen Ruhm erst die Nachwelt erleben wird, ein Jude von tiefster Verbundenheit mit dem Judentum, ein glühender Zionist. Nicht zahlreich sind die Werke, die er geschaffen hat. Sechs nicht sehr umfangreiche Bücher sind erschienen; Betrachtung, Das Urteil, Der 1 hizer, Verwandlung, In der Strafkolonie, Der Landarzt. Ein siebentes Buch ist im Erscheinen begriffen. Einige wenige Novellen sind noch in Zeitschriften und Zeitungen verstreut. Es ist -״ 'der Mas;c nach —- wenig; der Qualität nach unendlieh viel; denn, was Kafka geschrieben hat, isf vollendet, unanlasthar, geradem absolut. Kafka ist als Dichter von jedem, der ein Urteil hat, überaus geschätzt; ala Mensch war er von jedem, der ihn kannte, geliebt. Soviel Tadel und Neid es in der Literatur auch gibt, Kafka blieb verschont davon; soviel Haß es auch unter Mcnachen gibt, an Franz Kafka kam er nicht heran. Aber auch er haßte nicht und verwarf nicht. Er hatte ein strenge« Urteil und fand doch an jedem sei« besonderes Gutes. Nur gegen sich war er uncrhittlich; beinahe alle«, was von ihm publiziert ist, mußte ihm von seinen Freunden, vor allem von Max ßrod, entrissen werden. Genial wie sein Werk war sein Schaffen. Er schrieb — obwohl ihm solche Rede wohl fremd war — unter dem Diktat einer Inspiration. Seine Novelle ״Das Urteil“ ist das Werk einer Nacht, in der er «Ins Ganze ohne Vornotiz.cn und ohne Korrektur in einem Zuge niederschrieb. Darum produzierte er so selten, darum pausierte er oft jahrelang. Nur das Vollendete trat in Erscheinung, Eine neue Wirklichkeit schuf Kafka in seinen Werken, eine neue eigene Atmosphäre, reiner, kälter, strenger als unsere und doch nur Abbild und Ausdruck unserer Wirklichkeit, nur unerhört neu gefaßt von einem Genie der ״Betrachtung“. Nicht jedem und nicht hiebt ist diese neue Welt zugänglich. Sic inacht «lern Außenstehenden oft den Eindruck des Seit- Samen, jn de« Sinnlosen. Und doch gibt es eine Brücke, einen Zugang, der jeden! offcustc-ht; es ist die Form, genauer der Rhythmus und die Musik seiner Sprache, der unsagbar schöne Wunderhau seiner Perioden, der den Leser, vielmehr noch den Hörer mit festem Zwang in seinen Bann zieht — und mit überwältigender Kraft, wenn Franz Kafka selbst uns vorlas ... Seine Sprache ist rein und konsequent; *ein Stil Rhytlimus und Melodie. Und diese wunderbare Vermählung von Logik und Musik bildet den Zauber seiner Sprache. Franz. Kafka i-t einer der anerkanntesten Beherrscher der deutschen Sprache*). Die Seele aber, die in dieser Sprache sduieb, ist jüdisch durch und durch. Seine Not ist jüdisdi, ebenso seine Problematik und seine Konsequenz. ... Es zog Kafka nttdi bewußt immer fester zum ludcntum hin, Er war seit Jahren Zionist, voll von Interesse (ür alles, was Palästina und dem Aufhau de« Landes betraf; er lernte seit Jahren hebräisch, viele Mona'e war dies *eine ausschließliche Beschäftigung, und er dachte in den letzten Jahren immer konkreter nn seine Ucbersiedlung nach Palästina . . . Felix W.cltsch. iildne PalSstlna •Naehrieliten Der Gouverneur des Jerusalemer und Jaffaer Distrikts, Sir Ronald Sterrs, ist am 21. Mai nach England abgereist, wo er sich einige Monate aufhaltcn wird. Der stellvertretende Distriktsgouvcrncur in Jaffa, Mr. Campbell, wild während seiner Abwesenheit die Geschäfte führen. Die jetzt in Pal.istiiia wohnenden ehemaligen j״<li»chen Legionäre haben eine Beschwerde an Sir Herbert Samuel ergehen lassen, weit er in seinem Vorwort zum Handbuch für den Pnliistiiia-Pavülon in Wembley der jü. di sehen Legionäre, die an der Eroberung Palästina* teilgcnotntmn haben, nicht Erwähnung getan hat. Sir Herbert Samuel sagt in dem Handbuch: Die Gräber von zehn tau- «Cnd Soldaten auf den Kriegsfriedhöfen von Palästina sind ein Maßstab für das, was Palästina gekostet hat. Im März landeten in Haifa 1340 Touristen. Der Vorsitzende des amerikanischen Keren Hajessod, Morris Rothenberg, der Sekretär Emanucl Neu man und H. L. Simon* wurden als amerikanische Vertreter ln da* Londoner Direktorium desKeren Hajessod gewählt. Miltdlunflen der Z. V. L D. Die Z. V, f. D. und der Keren Kajemeth haben in diesem Sommer die Absicht, eine intensive Bidcr-Propaganda zu entfalten. Geplant werden insbesondere Vorführungen des Palästinafilms, öffentliche und interne Vorträge von bekannten Rednern. An jedem Badeort sollen nach Möglichkeit drei Veranstaltungen während der Kursai-son siaitfinden. Ein genaue* Programm der geplanten Aktion wird in der nächsten Nummer der ״Informationen“ bekanntgegeben. Wir richten auch an dieser Stelle die dringende Bitte an alle diejenigen Gesinnungsgenossen, die in den nächsten Monaten ihren Aufenthalt in Kurorten und Bädern nehmen werden, uns von ihrem Reiseziel zu verstandigen. Wir wollen ihre Hilfe mit Rücksicht auf die von ihnen gesuchte Erholung nur in geringem Maße in Anspruch nehmen. Wir machen auch gleichzeitig darauf aufmerksam, daß wir die ״Jüdische R u u d s e 11 a 11“ allen Kurdirektionen 711411 Aiislcget! in den Lesehallen zuschicken und bitten unsere Freunde, überall 11׳ rt, wo die Rundschau nicht ausliegt, un* sofort zu verständigen. Wir schicken ferner die ״Jüdische Rundschau“ an alle un* bekannten jüdischen Hotel* in Kur- und Badeorten und bitten auch hier unsere Gesinnung*- genossen uns sofort zu benachrichtigen, wenn sie das Blatt irgendwo vermissen. - —- *) Erst vor wenigen Monaten rechnete Herrn am Hesse in einem Feuilleton der ״Voss. Ztg.“ Kafkas Dichtung zu weitaus dem Bedeutendsten in der deutschen Literatur der letzten Jahre. — Red.

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