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Jüdische Rundschau · 1924-05-28 · Heft 42-43 (28.5.1924) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 42-43 (28.5.1924)
Date
1924-05-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Ecilc 312 rtJEDISCflE Ruv;Tj3C.IAU Nr. 4243׳ *־«» Icr, der f3־'lscl!cn Welt Ocutnchlsnd In Berlin erschien am 16. Mai die erste Nummer der ״Jüdischen II111 s i r i c r t c n Zeitung" (jiddisch). Sic bringt zahlreiche lllustralioiicn, «lanuitcr zwei Bilder von Nathan Birnbaum, verschiedene Aufsätze und den Beg'mn der jüdischen l \ Ivr.-i i.'ii.i,; \on Kcliennaims Roman ״Schwenden• Klees Erlebnis“. Die Zeitung erscheint wo der nächsten Nimimer nl> wöchentlich. Bekanntlich wurden MH,Glieder des Vorr.!.indes des Reichs• bumlcs jüdischer Froiiinokiateii in dem Prozeß am 16. Ala! frci;:esprochen, Wählend des Prozesses war viel von dem a n 1 i s e 111 i t i s c h v n Ver 11 alle n d c r Sc hu t zpo I i zei .וזר dein kritischen Taffe die Rede. Nach Erklärung der Betroffen«’!! sind die 1 laüidRchuldigen bei der Schutzpolizei ein M n ן o r Strebe, ein 11 a 11 קt m a im Dubbe, cm Oher• Wachtmeister und fünf Polizisten der Alexanderkiserm־ in der Kaiscr-Wilhclm-Straße. Der Kommandeur der Schutzpolizei, Ohcrst Kaupisch, sagte eine strenge Unter• suchiing der Vorgänge zu. Ein Major der Schutzpolizei wurde beauftragt, die UiHersuclmng zu leiten, die bereits am 6. Noveuiber in der Alexauderkaserne begann. Bei den Konfronliermigeit leugneten fast alle!!elasteten Schupo-Offi/irrc und Alannsrliniten die ihnen zur Last gelegten Taten. Mittige Tage später wurden dann die Mannschaften vernommen. Die Front• kampier erkannten fünf Man n wieder, die sie als Juden beschimpft und mit Gummiknüppeln und Gewehrkolben geschlagen haben. Keiner der Mannschaften gestand, auch derjenige, der eine Uhr und Brieftasche gestohlen hatte, meldete sich nicht. Nur ein einziger Oherwaeliimcister er- Jil.ii t!׳, er habe gesehen, wie einige seiner Kameraden geschlagen hatten, und daß auch antisemitische Uetzreden in der Kaserne gehalten wurden. Wenige Tage nach den Vernehmungen trat ein Mittelsmann des Leiters der Alexniiderkascmc an den Leiter des Frontkämpfcrbundis mit der Bitte heran, der Froiitkämpferbund möge erklären, dali für ihn die Sache erledigt sei. Das lehnte der Leiter der Frontkämpfer rundweg ab und strengte den Prozeß gegen die beteiligten Schupo-Offiziere und Mannschaften, wegen lic.!etdigung, Verleumdung und tätlicher Mißliaiidluitg an. Soweit die Mitteilungen des Reicltsbundes. Wie mm die ״Vossischc Zeitung4‘ erfährt, sind in diesen Tagen vom preußischen Ministerium des Innern das gesamte ״Material und alle Protokolle über die damaligen Vernehmungen angefordert worden. Nach Meinung der Zeitungcu scheint cs, als ob man erst den Prozeß des Frontkämpferlumdes gegen die Schupo abwarten will, ehe man von Regiernugsseite ciiisdircitet. Die Zeitung verlangt, daß die Regierung nunmehr mit aller Energie die Beschuldigung des Kciclisbumles jtklisdier Frontsoldaten prüft. Nach einem Warschauer Telegramm der J. T. A. aus Genf beschäftigt sich der Völkerbund jetzt mit der Klage eines jüdischen Lektors ander Dan ziger Techni sehen Hochschule gegen den akademischen Senat dieser Hochschule. Der Kläger erhebt gegen den Senat den Vorwurf, dieser habe ihm den Titel Privatdozent nur deshalb Verweigert, weil die antisemitischen Studenten, der Hochschule für diesen Fall mit Streik gedroht haben. Grtt - I8ra«l Abr. GoIdbe r g besuchte dieser Tage den Czortkower. Rabbi Israel Friedmann in Wien und beriet mit ilun über die ■ Möglichkeit einer Zusammenarbeit zwischen Zionisten und Agudistcn beim Aufbau Palästinas. Der Rabbi versicherte, daß die Leitung der Agudali sich bemühe, ihre Extremisten zur Raison zu bringen, tun einen Frieden mit den Zionisten herzustellen. (Vorläufig ist nichts davon zu merken. — Red.) Zwischen den Leitungen beider Organisationen muß, so sagte der Rabbi, ein Abkommen über gemeinsame Aktionen in Palästina prsrlilrKscn werden. Auch in der Ageney-Fragc muß eine Verständigung erzielt werden. Der Rabbi ülvcrgah Herrn Goldberg ein Schreiben an seine Anliiinger, «lic Czortkower Cha ssidi 11t in Amerika, in welchem diese mifgefordert werden, gemeinsam mit den Zionisten zu arbeiten. Besonders mögen sie an dem Aufbau des gcplanten Sanatoriums auf dem Karmel in dem Sinne mitwirken, daß das Sanatorium jüdisch-rituell geführt wird. Der Rabbi würde sich selbst finanziell an dem Sanatorium beteiligen. polen Aus Warschau meldet J. T. A.: Nunmehr hat auch die zionistische Organisation in Jeodzrcjcw in einem offiziellen Sehrohren an dis Zentralkomitee der pol- «isehen Zionisten eine ausführliche Darstellung des Mordes gegeben. Darin beißt cs, daß die jugendlichen Raufbolde indem Alter zwischen 9 und 11 Jahren stehen. Sie gerielen mit L i p in aiio w i c 1 in Streit, weil er sie nicht in eins ״Sltibcl" liincinließ, und einer versetzte ihm einen Schlag auf den Kopf, der zunächst keine besondere Wirkung hatte. Jedoch infolge einer nach Feststellung der Aerztc anormalen Scliädelbüdung des Geschlagenen batte dieser Schlag zwei Stunden später den Tod des jungen Lipmanowicz zur Folge, ln dein Brief wird ferner mitgeteüt, daß die Zionisten ׳in Jendzrcjew eine stark besuchte Protcstversammluug abgchalten haben, in welcher gegen die Darstellung des Falles durch die A gud a hpress c protestiert wurde. Wie der Warschauer J. T. A.-Vcrtrcter erfährt, haben die Gerer Chassidim und verschiedene andere chassidischcGcmcin sc haften beschlossen, bei den kommenden KehiHah-Wahlcn nicht fürdie Kandidaten derAgudas Jisroel zu stimmen und ein unabhängiges Wahlkomiice zu bilden. Der Grund Hegt darin, daß d! c A gu d a 11 i n Krakau und im übrigen Wcstgalizien eine gemeinsame Liste mit den Assimilantcn aufgestellt habe. Am 15. Juni finden, wie die J.T. A. meldet, in Kongreßpolen Wahlen in die jüdischen Gemeinden statt. In Warschau gibt es 60 000 wahlberechtigte Personen. Zehn Parteien treten in den Wahlkampf ein, darunter besonders die Zionisten, die A gud as Jisroel, die jüdisch-soziaiistische Partei ״Der Bund", die linken Poale-Zion, die jüdische Volspartei (Folkistcn) und die Bauern- Partei (?). Als Folge der wirtschaftlichen Krise in Polen, die eine große Zahl von Insolvenzen unter den jüdischen Kauf- Insten und Fabrikanten im Gefolge hatte, kommen jetzt Selbstmorde in beunruhigender Zahl in den verschiedenslen Teilen des Landes vor. Abgesehen von Oroßkauflcuten und Fabrikanten begehen auch kleine Jüdische Ladeninhaber Selbstmorde, l.n Wilna wurde dieser Tage eine Plenarsitzung der jüdischen Gemeindeorganisationen von Wilna und Umgebung abgehalten. Es wurde über eine Konferenz beraten, auf der die jüdische Bevölkerung des ganzen Wilnacr Distrikts vertreten sein und sie über die Bildung einer jüdischen Oemcmdoorganisatiöü für diesen ganzen Distrikt beraten solle. Der Wilnacr Distrikt fällt nämlich nicht unter die Regierung«- Verfügung, durch welche die jüdischen Gemeindewählen in Polen auf den 15. Juni festgelcgt sind. 'Auf der Versammlung befürworteten die de mok r a tischen wl ziojüstisfiäeo jOcicgierteiv daß die Gcznciadoorganiauf einer weltlichen Grundlage aufgebaut werde. Die IVkgjViii'u des Misraclii und der Aginfas Jisroel betonten, »laß die Geineimleoignnis.ifion rd!giös-11atlonal nein nni:;-.c. Endlich einigte man sich auf eine K o tn p r o m i ß - R e so! h t i o n , in der festgelcgt wurde, daß die Basis der Organk'tiioi! Gne nationale sein roll, man mache cs aber der’ Organisation zur Pflicht, sowohl religiöse und nationale ah midi!-o/!;1lc und kulturelle Aufgaben in ihr Tätigkeitsfeld ciiizebezielicii. Dieser Tage erschienen drei polnische Studenten, Mitplieder der ,,patriotischen Korporation“, in der Redaktion der Wilnacr jüdischen Zeitung ״Die Zeit" und verlangten denjenigen Redakteur zu sprechen, der die Einzelheilen über die Hebe rf alle auf die jüdischen T e i I n c 11 m c r an dem Mai- Um z u g gebracht hat. Sie wollten ihm, wie sic sagten, ״die Knochen zer- Iirecheii“, Als man ihnen bedeutete, «laß inan Ihnen keine Rechen eh,1 ft schuldig sei, fielen sic über ein Rodaktionsmitglied her und begannen auf es loszuschlagen. Die übrigen Red,-1!;tions!<ojlegcn eilten herbei und warfen die Eindringlinge hinaus. Die Angelegenheit wirtl noch ein gcricht- Helios Nachspiel haben: Der Rektor der Wi 1 n a c r Universität kündigt an, daß alle Studenten, die an dem Angriff auf <1 i e R c <1 .1־ k t i o ti der jüdischen Zeitung, ״Die Zeil", ifilpetioinmen halsen, vor ein Disziplinargericht der Universität gestellt werden. Am 17. Mai wurde der neunzehnjährige Jude Samuel Engel im Lodzcr Gefängnis h I n g c r i c h t e t. Engel hatte vor kurzem den politischen Geheimagenten Luczak im Sladtpark nicdergeschossen. Als er verhaftet wurde, sagte er, er habe als polnischer Patriot dom Luczak, der als Poli/i t kom 111 u n i s t i s c h c Spitzcldienate leistete, eine Lektion geben wollen. Die Staatsanwaltschaft hingegen beschuldigt Engel, daß er im Aufträge einer kommunistischen Organisation den Geheimpolizisten getötet hat. Die Verbandhing, die am 15. Mai stattfand, hat keine Klarheit erbracht. Das Gericht verurteilte Engel trotzdem zum To <10. Das Gnadengesuch des Verteidigers lehnte der Staatspräsident Wojciechowski (der sich in seiner letzten Poscncr Rede als Gegner der nationalen Minderheiten bekannte — Real.) ab, woraufhin das Urteil am Sonnabend vollzogen wurde. Engel verlangte vor der Hinrichtung nach einem Rabbiner. Die Forderung wurde erfüllt. f>״r Delinquent sprach als letzte Bitte aus, daß man ihn auf einem jüdischen Friedhof zu Grabe bringen möchte. 111 der letzten Sitzung der juridischen Sejm-Kommission interpellierte der jüdische Sozialist Liebermann über die Hinrichtung des 10 jährigen Samuel Engel, der den Geheimagenten Luczak erschossen hat. Ltehcrmann sagte, die Gerichtsverhandlung habe ergeben, daß Engel eine Affekthandlung begangen habe. Er schoß auf Luczak, .als ihm bekannt geworden Ist, daß Luczak sowohl ihn, als auch die anderen Kameraden der Polizei vorraten hat. Er konnte gar nicht wissen, daß Luczak Polizeibe,ander sei, da er ihn In seinem Kreise als Kommunisten kennen lernte. Und dennoch hat das Gericht das Todesurteil gesprochen, weil er einen Beamten der öffentlichen Sicherheit getötet habe. Es war Pflicht des Justizministers gewesen, den Staatspräsidenten aufmerksam zu machen, daß hier ein l Jebergriff der Justiz vorliegc und daß der 19 jährige junge Mann zu begnadigen sei. Liebermann führte an, daß vor kurzem bei Przemysl zwei junge polnische Bauern e i n jüdisches Mädchen, das sich mit dem einen derselben verlobt hatte, an die Weichsel gelockt, sie ermordet, niisgopliüidert und ins Wasser geworfen haben. Beide Mörder wurden vom Präsidenten begnadigt. Jiistizministcr Wygnnovski gab auf diese Interpellation keine Antwort. Die Stadt Pinsk, die während des Krieges und nach dem Kriege der Schauplatz mehrerer katastrophaler Briindc gewesen Ist, wurde am 16. Mai wiederum von einer grollen I e ti c r s b r u n s t helnigestieht, der zwei Straßen ganz zum Opfer gefallen sind. Aus «1er benachbarten Stadt B rest-L i! o wsk eilte die Feuerwehr herbei, der cs gehingen ist, das Feuer zu lokalisieren. Viele jüdische Familien sind 01kI,leblos geworden. Der Klub der jüdischen Deputierten in Polen hat eine Interpellation int Sejm cingebrneht, in welcher der Präsident des Sejm angefragt wird, warum der Vertrag über die M i n o r i t ü t c n r c c h t e bis jetzt nicht ln Kraft getreten Ist. Kununf«n In KI ausenbu rg hat die Tatsache große« Aufsehen hervorgernfen, daß der Innenminister das Weiterbestehen des ältesten und bekanntesten Sportvereins, des ״Klausenbürger Athletischen Klub8", verboten hat, angeb-!ich, weil er politische Ziele verfolge. Die Behörden der Stadt bemühten sieh, die Konzession für «len Verein wledcrzuerlangcn und untern,ihnicn Schritte für «He Aufhebung des Verbots. Darnui’lün •teilte man den Menten vertraulich mit, daß sie keine Juden in den Vorstand wählen sollten, da die Anwesenheit von Juden im Vorstand der eigentliche Orund des Vcrlxrts gewesen ist. Es wurde mm ein Vorstand ohne Juden gewählt und die Erlaubnis zum Weiterbestehen de« Vereins wurde erteilt. Vor dem Schwurgericht in Oafatz fand die Verhandlung in der Anklage des rumänischen Antisemitcnffihrers Professor Cu za gegen den Juden Carp (Kommissär des Jüd. Nationalfouds für Allrumänien) wegen Beleidigung durch die Presse statt. Das Gericht verurteilte Carp zu sechs Monaten Gefängnis (!) und 100000 Lei Geldstrafe. (Und die Pogromhcldcn von Klausenburg usw.? — Red.) In der rumänischen Armee wird eine rege antisemitische Tätigkeit entfaltet, Antijitdischc Flugblätter werden in Tausenden von Exemplaren unter den Soldaten verteilt und die Offiziere behaupten, daß das Krkgsministcrium mit der antisemitischen Agitation sympathisiere. In der bessarabischen Stadt Bolz haben die Schächter, nachdem ihnen «lic gebetene Gehaltserhöhung verweigert worden ist, beschlossen, in den Streik zu treten. Auf eine Intervention «los Gebü 11 rerqxäc.h ters hin, griff die Pollzei ein und verhaftete die Streikenden, die 21 Stunden im Arrest zubrachten (1). Trotzdem halten sie am Streik fest Während des Riesenbrandes Im Hafen von Kons t a ח z a, bei welchem mehrere große Lager ein Raub der Flammen wurden, verbrannte auch das Reisegepiiek zahlreicher Palästina-Immigranten aus Polen und Rumänien, die sich dieser Tage nach Palästina cinseliiflcn sollicn. Litauen Der Präsident des litauischen Nation alrata Df. S. Rosenbäum, der mit der Gründungssitamg der vom Joint und Jca zur Fortsetzung der Jolnt-Aufhautätigkdt gegründeten ״F<>undali011" in Paris teilgenommen hat. ist nach Kowno zurückgekclirt. Er teilte mit, daß die Foundation für die Fortsetzung des Wiederaufbaus in Litauen emcri Kredit von 62000 Dollar bewilligt hat. Die Teilnehmer an der von der Tageszeitung ״Jüdische Stimme" veranstalteten Palästina - Exkursion sind nach Litauen zurückgekehrt. Alle äußern sich enthusiastisch über die neue Entwicklung Palästinas* Eine größere Anzahl vermögender litauischer Juden hat beschlossen, ihre Geschäfte in Li tauen zu liquidieren und sich in Palästina niederzulassen. Lettland Die leltländisctie Keren Hnjcssod-Konfcrenz nahm eine Protestresolution dagegen an, daß die Vorsteher verschiedener Bethäuser ln Lettland unter dem Einfluß der Rigaer Agudali cs vcrlrotcn haben, daß In «len Bcthäusem Ansprachen zugunsten des Keren H ajessod gchalten werden. Ruasland Wie der Rigaer J. T. A.-Vertreter erfährt, kam es vor kurzem in dem bemhmten Moskauer Gefängnis Dutirka zu einem Aufruhr unter den Ocfangeuen, die sich über die ungeheuere Enge und die schlechte Beha n«Illing im Gefängnis beklagten. Als Urlulier de» Aufruhrs wurden meinen• Gefangene an Ort und Stelle bestraft, andere sollen sich demnächst vor Gcricht verantworten. Unter den Bestraften Izcfindcii sieh u. a. auch einige der in den letzten Monaten verhafteten Zionisten, so 11. a. Lcclitmaiin von der Partei ״Zjoimten-So/iaiistcn“, Debkln, der «h-m ״Clialuz" angcliönt, und Dr. Torkln von der ״I litaclululii". DelWn wird sich unter der Deschukligiing, einer der Initiatoren des Aufstandes gewesen zu sein, zu verantworten Itaben. Der russische Dampfer ״Tlicodosia", der in Konstantinopel am 1. Mai mit 113 Passagieren einlraf, war gezwungen, mit sämtlichen Passagieren wieder nach Odessa zurückzu kehren. Alle IVniülitingen, für die Passagiere die Lan- «luiigscrlaubnis zu erhalten, waren fnichtlos. 81 jüdische Emigranten hatten als Ziel die Vereinigten Staaten, 17 Palästina und der Rest verschiedene andere Länder angegeben. Die türkische Presse urteilt abfällig über die Haitun״ der Regierung u11«l setzt auseinander, daß der vorübergehende Aufenthalt der Emigranten dem Lande nur Vorteil bringen könnte. Die in Kiew tagende all ukrainische Kommt!• nistcn-Konfcrenz hat die sofortige Ukrainisierung der Schuten, Heeres- und Staats-Institutionen des Landes beschlossen. Der Beschluß hat unter den jüdischen und den übrigen nationalen Minderheiten Bestürzung hervorgerufen. Er bedeutet nämlich, daß Tausende von Juden aus den Reijicrungsämtcrn atisscheidcn müssen, da sic «lic ukrainische Sprache nicht beherrschen. Die in Kiew vor einigen Tagen gebildete Staatskommission der nationalen Minderheiten hat Ihr den Monat Juli eine allukrainische Konferenz der nationalen Minderheiten einberufen. Man rechnet, daß in der Ukraine etwa sechs Millionen Bürger den nationalen Minderheiten angchörot. Diese bestellen aus siebzehn (?) verschiedenen Nationalitäten, von denen die bedeutendsten die Juden, Polen, Deutsehen, Russen und Moldauer sind. Je 2500 nach der Sowjet-Verfassung wahllrcrcchtigtc Bürger haben das Recht, einen Delegierten zu der Konferenz zu entsenden. Die Konferenz wird einen Permanenz-Ausschuß wählen, der für die materielle und kulturelle Entwicklung der nationalen Minderheilen zu wirken haben wird. Alle die Interessen der nationalcn Minderheiten berührenden Gesetze werden vor ihrem Inkrafttreten der Jixckutive der nationalen Minderheiten vorgelegt werden. Der Verband für jüdische Landwirtschaft und jüdische« Handwerk ״Ort" erhielt soeben aus Rußland Nachrichten, die besagen, daß sich in diesem Frühjahr unter der jüdischcn Bevölkerung Rußlands der Zustrom zur landwirtschaftlichen Arbeit verstärkt hat An. das KI e w e r Komitee der ״Ort" hatte sich noch in der ersten Hälfte des Mona!« März eine Reihe jüdischer Gruppen mit der Bitte gewendet, ihnen die Möglichkeit zu geben, sieh auf dem Lande »nrtrlcdeln. Die Rcglcrungckreise beobachten, wie J. T. A. weiter meldet, das Streben der jüdischen Massen zur Landwirtschaft mit Interesse und ergreifen Mittel, um der städtischen jüdischen Be- Völkerung den Ucbcrgang zur Landwirtschaft zu erleichtern. Die Regierung beschloß, für neue jü• dischc Siedler 100000 Desjatin Boden hauptsächlich in den alten jüdischen Kolonien und In deren Nachbarschaft zur Verfügung zu stellen. Die Siedler setzen sich aus gesunden arbeitsfähigen , Elementen zusammen, von denen eine Uebcrwindung der Uebcrgangsschwicrigkeitcn sicher zu erwarten ist Zu ihrer Unterstützung benötigt man aber gesellschaftliche Hilfe, z. B, Kredit auf Inventar, Saalgut und Gebäude. Der Vorsitzende des allrussischen Exckutiv-Komitces, Ka* 1 i n i n, sprach vor kurzem in Minsk in einer Volksvcr* Sammlung, Als ihm einer der Zuhörer die Frage stellte, wie cs komme, daß die Juden 1m National!täten rat nicht vertreten sind, berief sich Kalinin auf das territorialc Prinzip, auf welches der Nationalitätcnrat aufgebaut ist und das nicht zulassc, daß die Juden vertreten seten, da sie kein Territorium besitzen. Im übrigen, sagte Kalinin, sind die Juden in «len allgemeinen Rätcorganen so vertreten, daß die jüdischen Interessen genügend gesichert sind. Nach der letzten Statistik gibt es im Kiewer Oouvernement sieben Städte mit einer Mehrheit der jüdischen Bevölkerung. Es sind dies: Berdltschew mit 43574 Einwohnern, darunter 31 372 Juden, d. s. 72 0/0; in Lipowctz wohnen 4607 Juden, die 51 °/0; der Bevölkerung ausmachen; in Mol in 4753 Juden (64 ״/«); in Radomysl 6507 Juden (53 »/״); in Uman 28717 Juden (58"/״); in Bohusiaw 7799 Juden (6-1*/״); in Bielozerkow 27 643 Juden bei einer allgemeinen Bevölkerung von 37 868 Seelen, «L 8. 73 «/o Juden. jftaUcn Dem Vereinigten Komitee für jüdische Aus* Wanderung (Emigrntionsdircktorlum) wird ans Rom mitgeteilt: Die Delegierten der Vereinigten Komitees für jüdischc Auswanderung auf «ler internationalen Emigration«- konferenz in Rom, die Herren f>r. Sinovy Tiomkin, Zwi Abcrson und Dr. Alter, haben Schritte unternommen, um die Lage jener Emigranten, die sich in den europäischcn Hafenstädten befinden und auf Eröffnung der neuen Quote warten, möglichst zu erleichtern. Es wurde zu diesem Zwecke eine spezielle Sitzung der Vertreter aller Organis.Ttionen unter dem Vorsitz «!es Professors War Io einberufen, die bestimmte Vorschläge zu dieser Frage ausarbeiten wird. Das ausführliche Memorandum des Emigrations-Direktorlums, das zu allen Punkten der Tagesordnung des Kongrosses Stellung nimmt, wurde dem Präsidium überreicht und allen Teilnehmern unterbreitet Die Konferenz wird bis zum 31. Mai dauern. England Der König und die Königin von England beabsichtigen^ zusammen mit dem König und der Königin von Italien, die vor kurzem ln London cingctroffen sind, am Mittwoch, den 28. Mai, die britische Reichsausstcllung wieder zu besichtigen. Bei dieser Gelegenheit werden sie auch dem Palästina- und Cypern-Pavllloa einen Besuch abstatten. f r

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