Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 42-43 (28.5.1924)
- Date
- 1924-05-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr, 42/43 IUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 300 W# eizmrnm noer מ hi .]f. ’ 41/ ־A n 4•?» 4M» iE'.•*'' *J> <■>'• 0 t Rede auf dem Londoner E111pf«jn^3-Ka111xii Auf dem am 20. Mai zu Ehren Dr. Wetzmanns veranstalteten Bankett rühmte Sir AU red Mond, der den Vorsitz führte, das grolle Werk, das Dr. Welzmann in Amerika vollbracht habe. Die ganze Juden* heit, sagte er, folgte den Etappen der Reise Dr. Weizmann» durch Amerika mit Aufmerksamkeit. Die Zionistische Or* ganisation gewinnt allmählich in der politischen Welt Anerkennung. Alle Besucher, die aus Palästina zurückkehren, sprechen mit großer Zufriedenheit über das Erlebte. Sir Alfred Mond hob nueh die Bemühungen Louis Marshnlls um das Zustandekommen der Jcwish-Agency• Konferenz in Amerika hervor. Wir gehen im folgenden den Wortlaut der Rede, die Weizmaun als Antwort auf die Begrüßungsworte Sir Monds hielt, wieder: ״Dies war mein dritter Besuch in Amerika und ich glaube, daß die Ergebnisse im großen Ganzen befriedigend sind. Ich glaube, ich kann die Hoffnung aussprechen, daß der Keren Hajessod in der dies* j ä h r i g c n K a m p a g nege n ü ge ndOcldau (bringen wird, um d ic Arbeit ruhig und ungestört in diesem Jahre fortz. uf iihrc n. Die wichtigere Tat- Sache aber ist, daß eine beträchtliche Menge von gutem Willen und Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit den Zionisten beim Aufbau Palästinas dort aufgcdapclt worden ist, und ich glaube, daß dies ein Kapital ist, das uns in Zukunft noch weit mehr geben wird, als die Summen, die Amerika bisher beigcstcucrt hat. ich bin überzeugt, daß das amerikanischc Judentum aufrichtig und ernstlich entschlossen ist, zusammen mit dem Judentum der übrigen Welt Palästina in unserer Zeit aufgebaut zu sehen. Viel Gründe sind es, die dieses Resultat hervorgebracht haben. An erster Stelle unter diesen Gründen muß eine Tatsache erwähnt werden, welche, wie ich glaube, den Zionisten eine gewisse Befriedigung gewähren wird: Das, was wir in Palästina tatsächlich erreicht haben, ist ein Faktor, welcher die öffentliche M c i * nung in Amerika, und zwar sowohl die jüdische als auch die nichtjüdischc, mehr als irgend etwas anderes bestimmt. Unser verehrter Vorsitzender hat schon darauf hingewiesen, daß jeder Besucher, der aus Palästina kommt, ob Zionist ©der Nichtzionist, ob Jude oder Nichtjude, den stärksten Eindruck mitbringt, von dem, was in Palästina in den letzten wenigen Jahren geschaffen wurde. Der Geist unserer Leute dort, der Mut, mit dem sic schwierigen Situntionen gcgcmibertrctcn, die wirklichen Ergebnisse der Arbeit wie z. B. die Zahl der bebauten Dunam Landes, die Zahl der gebauten Häuser, die Zahl der gepflanzten Bäume, die Zahl der angcsicdellcn Menschen, all dies spricht eine viel eindrucksvollere S|nracl1e als die besten Reden, Ich habe einige klassische Beispiele erlebt in jeder Gemeinde, wo ich gearbeitet und gesprochen habe. Ucbcrall trafen wir einen oder zwei Menschen, die aus Palästina zurückgekommen sind, und diese sagten uns, daß die Zionisten in Wirk- 1 ieh k c i t ihre cigcncSache unterschätzt haben. Dies ist eine ganz andere Lage, als womit wir cs bisher zu tun hatten, und zweifellos haben wir es in erster Reihe diesem Umstand zu verdanken, wenn unsere Mission einen Erfolg gehabt hat. Es gibt noch eine Reihe von anderen Faktoren von gewisscr Bedeutung, welche beim amerikanischen Juden• tum im Gegensatz, etwa zum englischen Judentum oder anderen jüdischen Gemeinschaften eine Rolle spielt. Das .־uncriknnisclic Judentum besteht aus ungeheuren Massen von Juden, die in großen Zentren zusammengeb,111t sind, und es gibt ein Fluidum zwischen den Spitzen der Gemeinschaft und den breiten Massen. Für das amerikanische Judentum ist das jüdische Interesse kein rein akademisches Problem: cs ist eine lebendige Frage, zu der sic in der einen oder der anderen Weise Stellung zu nehmen haben. Das amerikanische Judentum hat sich seihst noch nicht gefanden, es ist gerade auf dem Wege, sicli selbst zu finden. Es ringt um seinen Ausdruck und in diesem Kampf beginnt Palästina eine sehr wichtige Rolle zu spielen. Die amerikanischen Juden begreifen heute, daß es für die Erhaltung des Judentums notwendig ist, Palästina aufzubaucn. Ich habe dies überall auf meiner Tour von den nichtzionistischen El emenfen gehört. Sic begreifen, daß auch die größten und erfolgreichsten Bemühungen in Amerika nur Palliativmittel sind. Die große Frage der Erhaltung des Judentums als einer lebendigen Macht in der Welt ist nur zu lösen durch den Aufbau eines großen, friedlichen, selbstsicheren Palästina, beginnend mit dem Dorf und endend mit der Universität. Dies sind die positiven Faktoren, welche heute im amerikanischen Judentum wirksam sind und für die Entwicklung eines guten Zionismus arbeiten. Dann gibt es noch einige negative Faktoren, Ich glaube, daß der Antisemitismus in Amerika im W a c h s e n ist. Ferner die neue Gesetzgebung über die Einwanderung, die praktisch einem Ausschluß der Juden glcichkcmmt, verbunden mit dein Bewußtsein, daß Palästina ein Ort werden kann, welcher ehe beträchtliche Zahl von Einwanderern aufnehmen kann, die dort ein produktives und aufrechtes Leben führen können. All dies hat das Paläslina-Prol.'lcm zu einer realen 1md praktischen Frage in Amerika gern,׳.eilt. Meine Damen und Herren, Sic solle״ verstehen, daß di? amerikanischen Juden diese Sache nicht mehr als eine St reit (rage oder als Experiment oder als eine Sache für künftige Generationen betrachten, ich glaube, r.ic sind sich dessen bewußt, wenn die Gesamtheit des amerikanischen Judentums «ich a 11 i den Aufbau Palästinas konzentriert, der Aufbau Palästinas in zwanzig Jahren d u re 11 g c f ö 11 rt werden kann. Ob dies richtig ist oder nicht, mücltt■: ich nicht sagen, aber in Amerika hat mir 11 solche begriffe. Ich bin sicher, daß der Wille zum Aufbau Palästina immer mehr sichtbar werden wird, und daß cs sehr wenige wichtige jüdische Faktoren in Amerika geben wird, die abseits stehen. 'Ich glaube, der Tag ist sehr nahe — weit näher, als viele von uns vor einem lind zwei Jahren glaubten —, da praktisch alles, was jüdisch iw*; in Amerika, seine Kraft auf das Haupt ziel des Auf Baus Paiäs t i n a s werfen wird. Ich glaube auch, daß der Weg zur Zusammenarbeit, zu einer ■freiuidschaitlichen, ehrlichen, geraden und vollständigen Zusammenarbeit zwischen Zionisten und N i c h t z i o 11 i 111 en gebahnt ist. Es ist Sache der Zionisten, die Arbeit fort zu setzen, aber ich bin überzeugt, sie werden eine Unterstützung bekommen in einer Weise, die bisher nicht vorhanden war. Ich kann ohne Uebertreibu 11g sagen, ich bin aus Amerika zurückgekehrt mit der Ueberzeugung, daß, wenn wir es wollen und wenn wir den anderen in einem Geiste des Vertranens und der Harmonie c n t g c g c 11 k o m in c n, wir imstande sein werden, auf der Plattform d c s Mandates alles, was a u i b a u c n <1 und j ü - di sc 11 ist im amerikanischen Judentum, zu vereinigen. Und ich bin sicher, daß die anderen jüdischen Gemeinschaften sehr bald folgen werden. Ich glaube, ich kann sagen, wir stehen auf der Schwelle einer neuen Periode, in welcher wir entgc'genschcn einer verstärkten Tätigkeit in Palästina und einer großen Einigkeit in Israel um Palästinas willen. Wenn ich zu der Erreichung dieses Ziels etwas beitragen konnte, dann glaube ich, war dies der Mühe und Plage dieser sechs Monate wert. Es war eine anstrengende Arbeit, aber ich freue mich, sagen;01 können, daß alle Wünsche und Bestrebungen, die ich namens der Organisation, die mich geschickt hat, auscinandcrsctz.cn durfte, mit Freundlichkeit und Vertrauen aufgenoinmen wurden. Ich bin von dem amerikanischen Judentum außerordentlieh freundlich behandelt worden und ich muß auch bei dieser Gelegenheit meine Etarkbarkeit hierfür zum Ausdruck •bringen. Noch ein Wort. Das amerikanische Judentum blickt mit Staunen auf das englische Judentum. Es erwartet vorn englischen Judentum ein tiefere» Interesse für den Aufbau Palästinas und ist etwas betroffen von den Zeichen ,der Gleichgültigkeit im englischen Judentum. Mao hoiit, daß, wenn diese Einigkeit in Amerika zustande gebracht ist,!las englische Judentum gleichfalls seinen Anteil an der Bürde tragen wird. Dies ist besonders notwendig mit 'Rücksicht auf die Wichtigkeit und strategische Position, die das englische Judentum gegenüber Palls t i n a i n n c h a t. Meine Damen und Herren, ich danke Ihnen allen herzlich für Ihre freundliche Aufnahme.“ Der Vorsitzende Sir Alfred Mond erteilt sodann das Wort Herrn Sokolow nun Toast auf den Keren Hajessod. Herr Naiditsch begrüßt Dr. Weizmann in hebräischer Sprache. Herr Joseph Co wen hält den Toast auf den Vorsitzenden Sir Alfred Mond und spricht die Hoffnung aus, daß er sich auch in Zukunft in höherem Maße der Arbeit für den Aufbau Palästinas widmen wird. Sir Alfred Mond schließt mit der Versicherung, daß er sich freuen werde, seine Zeit und Kraft in den Dienat der Sache steilen zu können. * ' Dr. Weizmann erklärte nach seinem FJntrcffen auf dem Londoner Bahnhof Zeitungsreportern, daß er mit den Ergebnissen seiner Reise nach Amerika sehr zufrieden sei, sowohl mit dem, was dort für den Keren Hajessod geschieht, als auch mit der Schaffung der Komitees für die J e w i s h Agency und die Investment Company. Er habe die besten Gründe, ülzcrzcugt zu sein, daß die amerikanischen Juden sowohl politisch wie auch moralisch lind ökonomisch ihren vollen Anteil an der Arbeit für den Aufbau des jiklischiiationalcn Heims zu nehmen gewillt sind. Nach einer kurzen Ruhepause will Dr. Weizmann an der für den 1. und 2. Juni cinberufeneii Konferenz■ der englischcn zionistischen Federation tcilnchincn und dort über seine. Reise und die Fortschritte der Arbeit in Palästina berichten. Die Convention der amerikanischen Zior' "tu New York. (J. T. A.) Die 27. Jahreskonferenz der Zionistischen Organisation Amerikas wird am 29. Juni in Pitts bürg eröffnet und wird bis zum 1. Juli dauern. Die Konferenz wird sich unter den vielen anderen Fragen »uch mit dem Vorschlag befassen, die Zentrale des Keren Hajessod na eh Palästina zu übertragen. Neue Vertultsnaen von Zionisten I« Sowie! * Rußland Riga. (J.T.A.) Es sind hier Nachrichten über neue Verhaftungen von Zionisten in dem Städten Witebsk und Nevcl (Provinz Witebsk) und in Shits k und Lusk (Provinz Minsk) eingetroifen. Kleine Palästina •Nachrichten Für die Internationale Genossenschaft»• Ausstellung, die am ]5. Juni in Gent eröffnet werden wird, bereitet der palästinensische jüdische Arbeilcrvcrbnnd einen Palästina •'Pavillon vor. Im Pavillon werden der Solcl-Bonch, der Hamaschbir, das Agrikultur-Zentrum, die Kupat-Cholim und die Kultur-Kommission vertreten sein. F'rl. Gusta Strumpf und die Herren Dov lies, A, Ooloinb und D. Sverdlov werden den palästinensischjüdischen Arbeiterverband auf dem Kongreß der Ge• w e r k s c h a f t s -1 n t e r n a t io n a 1 c, der im Juni In Wien statt findet, vertreten. Frl. Strumpf ist auch für die allweltliche Franc ח *Gewerkschafts-Konferenz, die dem internationalen Gewerkschaftskongreß vorausgehen wird, delegiert. Der Präsident der arabischen Akademie in Damaskus verständigte den Budapester jüdischen Orientalisten und Universitätsprofcfsor Dr. Eduard Mahler, daß die Akademie ihn zu ihrem Ehrenmitglied ernannt habe, ln dem Schreiben wird erwähnt, daß auch der inzwischen verstorbene grolle jüdische Gelehrte Ignaz Goldzieh er Ehrenmitglied <icr arabischen Akademie war. Fortdauer der Pogrome In Siebenbürgen Wien. (J.T,A.) Seit dem Tage des rumünBeheti Natio* nntfestes ln B a 1 a 8 f a I v a, wo in den Fiscnb;1htuügcn zahlreiche jüdische Passagiere schwer mißhandelt und hinaus• geworfen wurden, geht eine starke Welle von a n t i jüdischen Exzessen durch große Teile Siebenbürgens. Es macht den Eindruck einer planvoll organisierten Verfolgung, zu der das Fest in Balasfniva das Signal gegeben hat. Die rumänischen Zeitungen deuten an, daß während der Exzesse in verschiedenen Orten haarsträu* 1) ende Dinge vorgekommen sind, doch ist cs ihnen wegen des Bestehen* des Belagerungszustandes verboten, Einzelheiten miizutdlen. Es wird berichtet, daß auch in den Dörfern die Bauern Judeneyzesse veranstalten. Auch aus Bukarest treffen Meldungen ein, daß dort .anlijüdische Exzesse schwerer Art stattgefunden haten. Mau zählt bis jetzt 12 Tote. lin Städtchen T e j 11 j wurden die jüdischen Geschäfte ausgeplündert und einige jüdische Häuser an gezü nd et. Von Studenten geführte, aufgehetzte Horden drangen in die Wohnungen ein und demolierten dieselben. Jüdische Frauen wurden nacktaufden Markt getrieben. In Szatmar wurde der jüdische Student Heinrich Kugler an einem I.atcrnenpfnhl auf gehn ngt, seine Mutter mit Petroleum üb er gossen und lebendig ver* bräunt. Es steht fest, daß sich in Klausen bürg sowohl Offi* ziere als auch Agenten der politischen Polizei (Sigurnnza) an den Pogromen beteiligt haben. Die Horden, die sich in den Exzessen hervorgetan haben, hui• digten einen Tag später dem in Klnusenburg eingetroffenen Kronprinzen Carol. Ein einigermaßen energisches Ein* greifen der Behörden wird nicht bemerkt. * Der rumänische Innenminister empfing eine Deputation der Union rumänischer Juden, die in schärfster Form gegen die Pogrome in Siebenbürgen pro• testierte und an den Minister die Frage stellte, wieso cs komme, daß solche Scheußlichkeiten unter dem Belagerungszustand geschehen können und die Behörden nichts zur Verhütung der Uns ruhen unternehmen. s Die antisemitischen Unruhen in Siebenbürgen dauerten noch am 21. Mai an. Die Attackierung der jü* dischcn Reisenden wurde aut allen Bahnlinien Sieben• bürgens gleichzeitig und planmäßig durchgeführt. In Temes* var kam cs anläßlich des Fußbalhnatchcs zwischen dem rumänischen Klub Poütcchnikum und dem jüdischen Fußball* verein Kadiinah zu blutigen Ausschreitungen. Das Publikum stürmte auf den Spielplatz und verprügelte die Spie* ier der Kadi nt ah. Dann zog die Menge In die Stadt, insultierte die jüdischen Passanten und schlug die Fenster der von Juden bewohnten Häuser ein. Die agudislisclie Emigration und der zloiisllsche Mord Zu der von uns mitgctcilten Ablehnung des Gesuches der Warschauer Agudah auf getrennte Einwamlcmngslistcn schreibt ein der Zionistcnfrcundlichkcit 80 unverdächtiges Blatt wie das ״Hamburger Israel. Famtlienbtatt“ unter dem Titel ״Eine verdiente Abfuhr": ״Wenn dieses Warschauer Gesuch nur von Weltfremdheit diktiert wäre, könnte man darüber mit Achselzucken zur Tagesordnung übergehen. Wahrscheinlich' liegt hier aiicr. wenn inan die agudistisch - zionistische Feindschaft in Idolen in Betracht z.ielit, eine von Konkurrenzneid und Illoyalität diktierte Aktion vor, die auch der unbefangene und rechtlich denkende Nichtzionist als unjüdisch bezeichnen müßte. Wer nach Ercz Jisracl will, dem muß cs die elementarste jüdische Solidarität sagen, daß es da nur eine jüdische Behörde, Autorität, Verwaltung —< oder wie man cs sonst nennen will — geben kann, die vondcrzionistischcnlicwcgunggcschaffcne Jewish Agency. Nach Palästina ziehen nicht Zkv nisten oder Agwlistcn oder ״Assimilantcn“, sondern ganz einfach: Juden.“ Hingegen glaubt der ״Israelit" den Schritt seine« Warschauer Gesinnungsgenossen mit der folgenden Argumentalion decken zu sollen: ״Die Possensprünge, die sich die Herren leisten, werden keinen ernsthaften Politiker darüber hinwegtäuschen, daß ״Amidas Jisroel“ auch in diesem Punkte einen schweren, bisher erfolglosen, dämm aber nicht minder ehrenvollen Kampf um die Befreiung von Volk und Land von zionistischer Alleinherrschaft leistet« Die Regelung der Einwanderung ist eine eminent reii• giöse Angelegenheit, denn (!) wie sollte es den religiösen Elementen möglich sein, die ohnedies vorhandenen Schwierigkeiten jeder Aus- und Einwanderung zu überwinden, wenn sie von Gnade und Ungnade einer ihnen feindlich gcgcnüberstchenden fremden Or• ganisation abhängen?“ Nach dieser köstlichen Logik gibt cs überhaupt keine nichtreligiöse׳ Angelegenheit und wäre es sehr merkwürdig, daß z, B. die deutschen Katholiken, Protestanten und Juden nicht schon längst besondere Abteilungen im Deutschen Reichsamt für Auswanderung ©der im Rcichswehrministerium verlangt hätten, [Doch die Herren sind ernstlich beleidigt, wenn man sie nach solchen Proben nicht mehr ernstnehmen will. Im Uebrigen lehnen wir cs ab, uns von Leuten über ״zionistischcn Anstand“ belehren zu lassen, die bis heute die von uns an sie gestellten peinlichen Fragen nur mit Schweigen zru beantworten wissen, deren Sprachrohr in England ein antisemitisches Hetzblatt ist und die auch nicht soviel Anstand besitzen, ehe von Urnen erfundene ungeheuerliche Mordlegcnda ia Polen endlich zu dementieren. Sogar der ״Israelit“, der anfänglich den Mut autbrnchfc, die Unhnltbarkcit des wahnwitzigen Vorwurfs anzticrkcnneti, tritt wieder in seiner letzten Nummer den Rückzug an. Er schreibt: ,,Gleich nachdem der von der Darstellung des ״jud“ wesentlich abweichende Bericht des Lodzer Tageblattes über die Mordtat in Jcrulrzcjcw zu unserer Kenntnis gelangt war, haben wir uns an eine durch Wahrheitsliebe: und vornehme Gesinnung ausgezeichnete Persönlichkcit in Polen gewandt, um authentisdte Aufklärung über die wirklichen Vorgänge zpi erlangen. Unterm 14. Mal berichtet uns dieser Vertrauensmann, daß die Darstellung des Lodzer Tageblattes im höchsten Orada anfechtbar, diejenige des ״Jud“ dagegen im ent« *cbeidcoden Runkte absolut xutret tead •d*