Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 40 (20.5.1924)
- Date
- 1924-05-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 40 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 295 vielleicht, daß aus dieser Pressung der Seele da!111 der Funke der ReUgiosität schlägt, die nicht alte Formen vergottet, sondern neue Worte von Gott weiß. Und sagen muß. Und Nachfolge findet, weil sic dazu innerlichst zwingt, durch das Beispiel. Im übrigen aber: soweit treiben wir die Galuthhejahtmg nicht, daß wir diese Entscheidung über das neue Judentum und die neuen Lebensformen der jüdischen Seele dem Cialufh überlassen sehen; davon kann keine Rede sein, liier hat Erez-Isracl «1.18 Wort, und seine formenden Kriiftc. Auch diese Frage jüdischer Zukunft entscheidet sich in der breiten Be• riilmmg mit den neuen Idealen des Juden, mit Arbeit, Boden, Gerechtigkeit, Verträglichkeit in Palästina. Die Vcrsüdlichung des Juden hat begonnen und seine urwüchsigste Venvcltliebung; Vcrwclllicimm;, ohne daß auch nur ein Jota des geistigen ErlH!s im Wesen des Juden preisgegeben würde. Aus ihr, nicht aus der Spiritualität des Ghetto tritt der Geist neu in die Erscheinung, und der ekstatische Zustand, dessen er steh bedient, wird ganz gewiß nicht durch Fasten, Tauchbad und Gemara erzeugt werden. Nur am windgcsclhitteiten Baum, der seine Wurzeln tief in die Erde gräbt und seine Krone dem wirklichem Lichte entgegenbreitet, wachsen die Früchte, die einen neuen Geruch und Geschmack haben, neues Wesen und wahre Dauer, Arnold Zwcig. London und Jerusalem Unter diesem Titel bringt «Jas New Yorker ״Jiddische Volk" am 2, Mai folgenden Leitartikel: Die Uebersicdlung des zionistischen Zentrums von London nach Jerusalcm zu fordern, ist eigentlich nicht der richtige Ausdruck. Es müßte riciitiger heißen: das Zentrum in Palästina zu schaffen. London war niemals ein Zentrum der Zionistisehen Organisation. London war unser diplomatischer Mauptort, wo Weizmann und Sokolow dank «len Bedingungen und ihrer persönlichen Fähigkeiten ihre historische Arbeit durch ge führt haben. Für die Organisation hat London *Is organisatorisches Zentrum stets einen mir zweifelhaften Wert besessen und war von diesem Standpunkt aus sicher eine negative Erscheinung, «lie man ertragen mußte, weit cs keinen anderen Ausweg gab. Die Tatsache allein, daß auf diesem Gebiete durch fünf bis sechs Jnlire so zahlreiche Experimente und alte mit negativem Erfolge gemacht worden sind, läßt keinen Zweifel übrig, daß das Londoner Experiment unter den bisherigen Bedingungen als entschieden und abgeschlossen betrachtet werden muß. Audi politisch ist London für uns in einem gewissen Sinn schon zweiten Ranges geworden. Das politische Zentrum Hegt jetzt in Jerusalem. Als diplomatischer Kanal bleibt London nodi lange für uns von großer Wichtigkeit, aber als organisatorisches Zentrum der Zionistischen Weltorganisation war London stets, und ganz besonders jetzt, eine ülierfliissige, unbewegliche Masse, eine unbewegliche Maschine, kostspielig an Geld und Arbeitskraft, technisch und geistig gar nicht imstande, ihren Aufgaben gerecht zu werden. Die Idee einer Zentrale wurde in London zu einem vollständigen Absurdum. Manche unserer Gesinnungsgenossen i.n Europa, halten noch fest an den überlebten nutz- und hilfsloscn Formen einer Organisation, wie 'sic vor 25 Jahren entstanden sind, und wie sie den damaligen geographischen und politischen Bedingungen angepaßt waren. Audi heute können sie die Probleme der Zentralisation und Dezentralisation nur mit den veralteten Begriffen verstehen. Man muß ein starkes Zentrum haben, also schickt man nach London stets neue Beamte, eröffnet stets neue Departements, und treibt man den organisatorischen Apparat zu einer finanziellen Anstrengung, die zu allem unvermeidlichen finanziellen Zusammenbruch führen muß. Statt die Arbeit in den Ländern auf zun c h m c n , statt bei den Landsmannschaften das Gcfühldcr Verantwortung und Sclbstinitiative zu wecken und sic zu zwingen, sich als verantwortlichen Teil der aktiven Zionistischen Weltorganisation zu fühlen und so zu handeln, statt Leben und Bewegung zu schatten, Energie und Arbeit für den Aufbau des jüdischen Heimlandes — denkt man stets nur an die unbewegliche Maschine, an das leblose Zentrum, das doch schon so klar bewiesen hat, «laß 08 Leben und Bewegung weder schaffen noch führen kan n. Wenn auch nur «lie li.ilflc der Gehler und Arbeitskräfte, die mit solch ärmlichen Resultaten für London verwandt worden waren, für das Auf leben der Arbeit in Deutschland, Oesterreich, Rumänien, Polen, Litauen — kurz in all den Landern, aus denen wir den grüßten Teil unseres geistigen Materials schöpfen — verwandt worden wäre, dann würde die Frage eines Zent rum 11 gar nicht existieren, dann würde die Bewegung leben, weil es ein lebendiges Volk gäbe. Man hat sich «!inen Abgott geschaffen ln Gestalt dessogenannten O rgan i sat Ions• Depa rtc nie n t6, und man will nicht einsehen, daß der Charakter und die Aufgabe eines nolchcn Departements heute ganz anders Ist als vor dem Weltkriege. Die Pal ä st i n n ii m tc r, die die Ansiedhmg von Chnluziin und Einwanderern in Palästina ermöglichen, diese Bind Berliner Zionistische Vereinigung Gropp• Nord Donoaritag. d«n 22. Mal 1924, abrnd« ß Uhr. im HocbztHtiaal d#r ( Sophien•!!•, Sophlcntlr. PROGRAMM HtimorUfUch« VortrÄ^e! Dr. Schal•!» l!il<Jf״»lteSn10r / RuHlall•?! atia Percat ״Din golden• Kalt«'*, Harr Gad Sehr!**• / Gei*n£itorlrljJ01 l'rl. Kl ly Kur* ✓ Am Kiavlari Dr. Schalem HlUlaahcmäcr. TOMBOLA TANZ Kintritli Mk. \,Vi inkl. Slcuff, 80gocooocxxxxxxxxxxxxxxxxxxxdocxxxx> heute das Organisations-Departement Der heutige Begriff eines Zentrums Ist die treibende Idee, der Unternehmungsgeist, das Leben und die Aktivität, und zu aß diesen Fragen hat und kann das Londoner Zentrum keine Beziehung 11.11)011. L>ic Idee, das Leben um! die Aktivität, ist für uns Erez-Isracl. Wir »dien dies tagtäglich. Nur das, was uns mit unserem Hcimlandc direkt verbindet, schafft bei uns Energie, Glaul«, Mut und — Geld. Die merkwürdige Tatsache, daß der Nationalfon<18 (*eine Einnahmen im ersten Jahr sdner Uebersicdlung nach Jerusalcm verdoppeln kannte, Lst sehr belehrend. I>ic Nationalfonds-Arbeiter in den einzelnen Ländern wurden ilirckt verbunden mit Palästina — und das war für sic eine Quelle neuer Energie und Arbeitsfreude. Sic spürten, daß sie ein Zentrum haben uml verspürten ihre Verantwortung. Dasselbe wird der Fall sein mit der Zionistischen Organisation und mit dem Keren Hajessod und, sagen wir es klar und deutlich, mit all unseren geistigen Problemen und Aufgaben in den Gahtih-IJUutcrii. Erc/.-Israel beginnt, das Heimkind zu werden, nicht mir für die Chalmim und die Eihattcr des Landes, sondern für das ganze zerstreute jüdische Volk. Und die Zeit ist gekommen, wo wir unsere Blicke aut dieses unser Zentrum richten müssen. Zu unserer Freude sind die Träger dieses Gedankens nicht nur dH! ״Amerikanerf'; auch ln Europa teilen die meisten Zionisten diese Idee, und es ist unsere Hoffnung, daß dieser Plan so schnell als möglich zur Verwirklichung ge- Langen wird. Der Islam In Berlin nnd die zionisiisctic Bewepng Man weiß, daß alldeutsche Kreise, die man jetzt am Hakenkreuz leichter erkennen kann als früher, Immer mit dem Beispiel der Angora-Regierung und Kcmal Paschas geliebäugelt haben, ln «len schwächeren Köpfen der Partei schien die Zerreißung des Vertrags von Sfcvrcs durch die damals mit Frankreich befreundeten Angora-Türken Möglichkeiten des •Vergleichs und der Ermunterung zu haben liir eine Befreimig Deutschlands unter «ler I lakcnkrcuzfahnc vom Vtrtrag von Versailles, und großzügig wie man nun einmal ist, übersah man einige jener kleinen Unterschiede, die ein militärisches Unternehmen im dichtbesiedelten Deutschen Reich unter den Kanonen der Franzosen, Tschechen und Polen von jener anaiolischcn Expedition trennten. Jedenfalls hörte man lange Zeit aus völkischen Organen Hinweise auf das Beispiel «ler Angoratürken; jetzt zum erstenmal revanchieren sich Mohammedaner, indem sie «Icutschvölkischc Methoden und Betrachtungsarteii nnwenden. Es wird aus den Kreisen der iu Berlin wohnhaft gebliebenen Moluimmedaner eine deutsch geschriebene Broschüre über die Bedeutung des Kalifats verbreitet. Jetzt, nachdem die Kemalistei! mit großer Energie daran gegangen sind, das jungtürkische Erbe einer Modernisierung der Türkei anzu treten und sich resolut darauf entrichten,’ lieber in einem kleiner gewordenen Reich gründliche kulturelle Arbeit zu leisten, als nach jenen alten Grenzen zu spähen, deren AufrcchtcrhaUung die Türkei so teuer bezahlt hat, — jetzt also, nachdem Kemnl Pascha bewiesen hat, er sei alles andere als reaktionär, erscheint diese Broschüre, in der seine Anhänger als die Zerstörer der heiligen Einrichtungen des Islam angeprangert werden. Das, was für uns nun dabei interessant ist, ist die Methode. Mau 11.1t zu dem deutschen Mittel gegriffen, unliebsame Volksbewegungen und Einrichtungen sturmreif zu machen dadurch, daß man sie mit antisemitischem Schmutz, beschießt, und zwar mit dem bei den ״Weisen von Zion" erprobten Kaliber. In dieser Broschüre stellt zu lesen, «laß unter Leitung zionistischer Ju«lcn in Geheim- Ritzungen der Freimaurerlogen uml zwar in Saloniki, wo es tatsächlich viele Jmlcii gibt (hört, hört!), beschlossen worden sei, die Macht und den Einfluß der Religion in der Türkei zu brechen, «iic finanziellen und wirtschaitlichcn UilSsipiellen der Türkei zu verteilen — als ob das nicht schon hinreichend von den Großmächten vor dem Kriege besorgt worden wäre! — Kalifat und Sultanat zu trennen, die Osmam־n-Dvn.1stic durch eine Republik zu ersetzen und dergleichen Prophezeiungen mehr, die cigcnti'tmlidicrwcise erst nach dem Eintritt der prophezeiten Ereignisxe ausgesprochen werden, was sie nach der Wissenschaft mit vielen anderen Prophezeiungen teilen, Daß für den Broschürcnvcrfasscr die Nationalität im modernen Sinne eine von ״j üd isc h-k a pit ali s t i sch e n Hirnen" erfundenc Fiktion sei, sei als anmutige Arabeske liier• verzeichnet. Wir haben cs noch nicht gewußt; wir glaubten, die Nation im modernen Sinne verdanke vielmehr den Unabhängigkeitskämpfem gegen das napoleoniscbc Weltreich ihre letzte Prägung, aber wir sind jeder Belehrung zugänglich. Und da sich viele Zitate aus einer sonst recht unbekannten Schrift von Mcvlana Zada Refaat ״Das osmanischc Reich und die Zionisten" finden, die iu Konstanza 1021 erschienen ist, womit wir nicht nur ihren Ursprung, sondern auch ihren rumänischen Geist charakterisiert haben möchten, wird man wohl wissen, was diese Schrift bezweckt: sie will mit den schwachen Mitteln hiesiger Mohammedaner eine Beeinflussung jener Politik versuchen, «iie heute unter Ausschluß Deutschlands zur Errichtung eines englisch beeinflußten Kalifats führen soll. Leider aber gehen «iie Verfasser nicht mit der nötigen Vorsicht vor. Sie benutzen ans der deutschen Presse Zitate über die mohammedanische Aktion gegen das neue Kalifat, und zwar ausschließlich rechtsstehende, zum Teil völkische Blätter. Das stellt min ganz in ihrem Belieben.^ Aber cs erlaubt Schlüsse, auf den eigentlichen Gegner, gegen den man kämpft, indem man KcmaUslcn und Juden attackiert: England. Es sieht so aus, als ob sich hier deutsch-reaktionäre Kreise, die man jetzt ja bald in der Regierung des Deutschen Reiches von noch größerem Einfluß sehen wird als bisher, der hiesigen relativ arglo« cn Mohammedaner bedienen, um ihre* reaktionären Knchclcülcusclinflcn in den Grient hinein• wirken zu lassen: sie bekämpfen das Judentum, welches erstens direkt mit England verbunden sei, andererseits aber zweitens, indirekt, auch die Angoratürken bolschewistisch ver• seiu'ht und hinten herum unter seinen bolschewistisch - i üd i. sehen Geist mit pl;involler List gebeugt habe, so daß man auch für «len Orient zu jenem Universal-Heilmittel 1m«i seiner berühmten Patentlösung aller politischen Schwierigkeilen kommt: zur Proklamierung des Antisemitismus. Der Antisemit ist ein glücklicher Mann. Er allein ist der Weise, der den Schlüssel zu allen Schwierigkeiten der Welt gefunden hat und großherzig genug ist, ilm nicht für sich zu behalten, sondern ihn aller Weit anzupreisen, die nur zu begrilfsstutzig Ist, um davon noch mehr Gebrauch zu machen als ohnehin schon geschieht. Gleichzeitig mit diesem Mißbrauche mohammedanischer Autoren zu hnKcnkrcii/lcrtechrn Zwecken macht eine andere, bei weitem angenehmere Publikation auf die hiesigen Moham* medaner aufmerksam, Fs ist «las erste Heft der Moslemischen Revue, die im April, im Selbstverlag, Charlottcnburg, Giesebrechtstr. 5, herausgegeben von Maulvi Sadr-ud-Din, zu erscheinen begonnen hat. Der Verfasser (denn der Herausgelier Ist zu gleicher Zeit auch n<xh der Verfasser der meisten Artikel) beabsichtigt mit dieser Zeitschritt ״die Deutschen über die Lehren des Islam, sowie über die moralische und soziale Kultur aufzuklärcn, die dieser Glauben der Mensch* heit gebracht hat"; und das erste Heft führt in der Tat auf recht dankenswerte Weise in den Geist des Islam ein. Von den vierzehn Aufsätzen «les Heftes legen allein acht die religiöse Mission des Propheten, seine Person, seine Haltung zu anderen Religionen und den religiös geistigen Gehalt des Islam dar. Andere, von zum Islam übergetretenen Engländern geschrieben, plädieren für ilircn neuen Olauben, *r In Adiad-Hanm }«loch erkannte er eine andere Kraft, eine junge, zum Leben erwachende, die die Hindernisse mit zäher Ausdatier überwand; er glaubte zu hören, wie ihre Fesseln brachen. Diesem Ringen auf dem Grunde der Seele eines ganzen Volkes schaut unser Dichter zu; doch nicht unbeteiligt, lcidcnschaftlos von hoher Warte aus, sondern mitten darin, aufs stärkste davon ergriffen erlebt er diesen Kampf der Kräfte. Di hat er nicht Zeit noch Ruhe, seine Worte zu wählen und zu wägen, sic drängen sich ihm auf, zehn Ausdrücke für ein Gefühl, zehn Gefühle in einem Ausdruck. So wirkt es fast wie ein Stammeln, wir fühlen das Suchen einer erfüllten Seele, Sturm und Drang des Künstlers, der von der Gewalt des Geschauten erfaßt wird. Goethe konnte mit einer gewissen Beschaulichkeit seine Dichtungen formen, konnte im reinen Schauen die Inhalte gestallen un«l an ihrer Form mit mhiger Hand feilen. Anders Bialik. 111m läßt die Seclcnnot seines Volkes keine innere Ruhe; Kampfrufe sind seine Gedichte im Gedränge der Schlacht der Geister. Es geht um vieles, um alles in «liescrn Kampf. Da ist nicht die Zeit, an Einzelheiten und Formschönhelfen zu denken. Wie die Kinder Israels aus Aegypten zogen, um ihre Freiheit wieder zu gewinnen, und nicht die Muße hatten, ihr Brot zu säuern, so findet auch der erschütterte Dichter nicht die Muße, den Edelsteinen seines Geistes den Schliff zu geben, da cs gilt, ein Volk, sein Volk, vom Untergang zu retten und cs zu Selbstbesinnung aufzurütteln. BLalik Ist Lyriker, doch nicht iin landläufigen Sinne, als ob seine Gefühle und Erlebnisse, sein Lieben und Leiden, sein Hoffen und Sehnen der Gegenstand seiner Dichtung wäre. Immer ist cs «las Volk, dem sein Lied gehört, des Volkes Schicksal ist es, das ihn ergreift. Wenn er einmal die Armut seiner Jugend schildert, so ist diese Schilderung eigentlich nicht an sein Individuum gebunden, sondern gewissermaßen ein Musterbeispiel für die Not des Ghettojuden, Seine Art zu schauen und zu gestalten, hat nicht die natürliche Sinn* fälligkeit, wie etwa Ooetlies Lyrik. Bei Bialik geht der Eindruck durch Kopf und Herz und gewinnt in ihnen •chöpkrisdw Gestalt, Welche Gedanken und Probleme sind cs nun, die diesen Dichter bewegen? Wir sahen schon, «ler Daseinskampf, die Zukunft des jüdischen Volkes, Doch tiiiisscn wir näher betrachten, wie sich ihm dieses Problem darstdlt, wie er dies« Aufgabe anffaßt. Gleich dem biblischen Propheten criu'bt er Anklage und mißt «lie Schuld dem Schuldigen bei. Einmal ist es — ganz, wie bei den Ncwiin des Alten Testaments — dar, eigene Volk, das gefehlt und vcrschuklct, unterlassen und verabsäumt hat (״Das letzte Wort“;• ."■׳׳־V, l-.lty Dann wieder sucht er die Quelle des Unglücks in der Umwelt und wirft ihr das Unrecht, dl« Schuld an aller Not vor. אין:?אב $ע?יי{ט. »יו;ע;ט הא 'קלא;י.;ץ Schließlich klagt er auch die Führer des Volkes an, beschuldigt irle, daß sie nicht besser den Kampf geführt haben. מגא א:יך* 0:0 אייך יי^ער׳ ״קייגער• >?., Da er keinen Ausweg aus der Not dieser Welt findet, wendet sich sein Herz flehend zu den himmlischcn Mächten. (...7,2-‘י .עלי l-'.'CV'1 Von ihnen verlangt er Gerechtigkeit und Wandlung des falschen Laufs der Welt. Doch dann überkotnint ihn wilde Verzweiflung; er fragt, wie der Himmel noch leuchten, die Sonne noch scheinen könne, da sie nur auf Unrecht und Leid, auf Not und T«3d schauen. Ihn erfaßt der Wunsch, alles zerstören zu können, «lie Erde, «iie Luft den Himmel. Seinen Schmerz aber will er in sich verschließen. Verzweiflung und Verzicht *oll niemand ihm anschcn können. "ק1ם {!לוז ס0ך$ךה עי1ך ׳*•"ד, את בוס ס;ג1.ים..." "ןך$יחך ס^זז היוד. 2$ על יקךקו* ס^עים...* Wenn Laokoon in der Todesnot das Ocaidit zu *chmerzhaftcr Gebärde verzieht — unser Dichter will auch nicht einmal durch die Miene zeigen, daß er leidet, wiu er leidet. Wie Goethe im Gedreht ״Trott und Träne“ den!Weinenden saflen läßt; ״Und hab' Ich einsam auch geweint, So Ist es mein eigener Schmerz, . , , Verweinen Laßt «lie Nächte mich, Solange ich weinen mag" . . , — so schließt auch Bkihk seine Dichtung ״Die FUmmtiw rolle“: G/JP Trauer de* Einsamen. (??ריש עם יל?עולם הינזג!?{דול. יגון מיסיד. Man hat gegen Bialik cingewandt, daß ihm die eigentliche Harmonie, die höhere Aesthetik des Ausdrucks fehle. Wir haben erkannt, inwieweit das. zutrifft und welche Ursachen zu seinem individuellen Stil geführt laben. Es wird Immer Menschen geben, die klingende Verse und glatte Worte dem stammelnden Suchen einer ringenden Seele vorziehen. Unsere Zeit aber fragt wieder stärker nach Innerlichkeit, nach wirkliehen Werten. Sie wird auch zu Bialik und seinem Schaffen den Weg finden. Zwiespalt und Sehnsucht des Judentums, Suchen und Hoffen der Gegenwart klingt durch sein Werk. Und darauf wollen wir lauschen . . . Hugo Bettauer« ״Die Stadt ohne Juden“. Erschienen im im G10 ri c 110 - Verlag, Wien wid Leipzig. Der Verfasser hat mit dieser kitschigen, .11« geringen Mitteln zusainmengdragrnen Geschichte sich scltwt und der Judcnhclt einen schlechten Dienst erwiesen. Er schlittert auf 218 Seiten die Zustände, wie sie *irh der Verfasser als Folge einer Judenanstreibung, z. Ii. ans Wien und Oesterreich, «lenkt und charakterisiert dabei weniger Wien als sich, ein Problem, das (wenigstens in der Wirkung) schon früher im ״Judenstreik" und auch nicht sehr glücklich behandelt worden ist. Die Tendenz des Buches, die Unentbehrlichkeit der Juden für das Europa von heute darzutun, mag lobenswert sein, das Buch aber macht die Medizin zum Gifte. Abgesehen davon, daß für den Autor fast nur Mischehen zu existieren scheinen, ist ihm kein Mittel schlecht genug, sein Ziel, eine lebhafte Handlung zu erreichen. Nur einige Kostproben: Einige Juden überlegen steh, .wohin *ie auswanaem kanrvau ,1H«