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Jüdische Rundschau · 1924-05-13 · Heft 38 (13.5.1924) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 38 (13.5.1924)
Date
1924-05-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 232 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 38 \\0 \ •ר־-׳ ן j i! (!־^ t. c on o ־זי#\ 1 ךז״כ^ייזי ^"י׳/ ץ*־"־\ r *ץ,׳ t ר י i ן“ח I j ץ ' ן ן fr,t ׳ ,' •־!! '1 | . >׳ גבי־ מ \ f* \ " ^ht i•■« 1 r* ׳ ii f ץ*־ «f>.; ] r "\ 1 fzf ו•».,»«!! י׳׳,י־״<גב^׳3ייקיגב־^]« ך,.ק»יב', «jj ilt 4*4 (iiJL *■4fc •Lj* »4b mmm0 vf r\^ 'j ' «9 י״ M ׳*» 4% ״י* in* 4*4» osa uü'. L*d?naar 1924• Die Diskussion Dr. Wclzmnnn (Beifall): Herr Vorsitzender, meine Damen und Herren! lcli bin Dr. Lambiian sind dem Vorsitzenden dankbar für die Gelegenheit, eine Klärung in diesem wichtigen Stadium der Verhandlung zu geben. Ich möchte, daß über die Fragen, die bei vielen Anwesenden und noch viel mehr Abwesenden eine gewisse Rolle spielen, wenn man sic auch nicht klar ausspricht, nicht das geringste Mißverständnis und nicht die geringste Unklarheit bestellt. Vor allem möchte ich mich entschieden gegenüber den Worten aussprechen, die, wenn ich nicht irre, mein Freund Dr. Solis-Cohcti aus Philadelphia vor• gebracht hat. ich möchte mit allem mir zur Verfügung stehenden Nachdruck nicht mir für mich, sondern namens der Organen(iou, die ich vertrete, in einer die letzte Möglichkeit eines Mißverständnisses aitsscliließeiidcn Deutlichkeit bcstreiten, daß der Zionismus jemals gelehrt oder gepredigt oder der Ansicht zugestimmt hat, daß ein Zionist Kein guter Bürger des Landes ist, in dem er lebt. (Beifall.) Meine Damen und Herren I Wir Zionisten haben unser l eben dem Aufbau dessen. gewidmet, was, wie wir hoffen, eine jüdische S t a a t s zu g c h ö ri gk e i t Kein wird. Und diejenigen, die ihr Lelven opfern, um eine jüdische Zugehörigkeit zu schaffen, wissen die Zugehörigkeit zu den Landern, in denen sie leben, zu schätzen und zu lieben. Und ich glaube, daß kein Zionist jemals zugeben wird, daß er, weil er ein Zionist ist, kein guter Bürger von England oder brankrckii oder selbst von Rußland und Polen ist. Wir geilen noch weiter. Fs ist unglücklich und tragisch, daß die La ge der Juden in Pole« so ist, wie sie ist. A b c r n i c 111 s d c s t o w c n i g c r fordern wir, daß die polnischen Juden so gute Bürger sind wie die englischen Juden englische Bürger. Denn wir glauben, daß das Verhältnis eines Menschen oder eines Bürgers zu seinem Lande etwas ist, was organisch und dauernd und immanent ist. Und wenn das Land zufällig mit Bezug auf einige seiner Bürger unrecht tut, dann muß man eben das Land bessern, aber weiter nichts. (Beifall.) Soviel über diesen Gegenstand. Und ich möchte wirklich hoffen im Interesse von Zionisten, die auch Juden sind (Heiterkeit), daß diese Anschauungen nicht mit einer solchen (entschuldigen Sic den Ausdruck) Leichtfertigkeit verbreitet werden. Nun zu der Frage der politischen Ziele der Zionistischen Organisation: der Frage eines Judenstaates. Ich empfehle ihrer Aufmerksamkeit!las Mett ,,Offizielle Dokumente bctreffend das jüdische nationale Heim in Palästina", das für diese Konferenz vorbereitet wurde. Unter diesen Dokumenten ist ein von mir unterzcichnctcs, ein Dokument, das der britischen Regierung überreicht wurde, und in welchem wir die jetzige Palästinapoliiik anerkennen. Sie können noch ein Dokument dort finden, worin die britische Regierung sagt, daß wir die Zusage, die wir der britischen Regierung gegeben haben,!oval gehalten haben. Das ist unsere derzeitige Politik. Wir Zionisten haben heuie das Mandat als die Grundlage unserer Arbeit äugenommen. Dies ist das einzige Dokument, das gilt. Ob cs Zionisten gibt, die glauben, daß das Endresultat davon die eine oder die andere Art politischer Organisation in Palastjna mit einem Ueberwiegen oder ohne Ueberwiegen des jüdischen Elementes sein soll, das hat mit der Debatte nichts zu tun. Nehmen wir einmal des Beispiels halber (ich inuß diesen Punkt ein bißchen a 11 s f ü 11 r c n) an, es gibt zwei M i 11 i o - nen Juden in Palästina und nehmen wir an, die zwei Millionen Juden haben das Recht, ihr Leben cinzurichien wie zwei Millionen anderer Menschen, Und wenn sic sich auch ent* schlössen, Hie eine oder die andere Form eines solchen Lebens festznsclzcn, so!iahen sie tatsächlich gar nichts zu beschließen, sondern cs würde durch einen natürlichen Entwicklungsprozeß zustande kommen. Wer von Ihnen hier in diesem Saale kann sich das Recht herausnehmen, heute zu bestimmen, was sie tun oder nicht tun sollten und was sie als Gruppe von Menschen, die ein Land aufgebaut, die cs sozusagen neu geschaffen haben, zu tun berechtigt sind? (Beifall.! Daß ich cs wünsche, daß ich cs sehen möchte, ist naiürlicli wahr. Nicht nur mein Leben und das Leben meiner Kollegen, sondern, was viel mehr ist, das Lehen von Tausendenund Tausenden und Tausenden, der besten Männer und Frauen, wurde dem Aufbau des Landes zur Schaffung von Bedingungen geweiht, unter denen der Jude sieh ungehindert und frei in der Sprache misdriieken kann, die die seinige ist, und die Kultur entwickeln kann, für die er sich am besten eignet. Und das muß natürlich bestimmte Formen und Organisationen mit sich bringen — manche nennen sic politisch, manche nennen sie kulturell, manche nennen sie sozial. Ich nenne keinen Namen, und ich schere mich nicht um Terminologie, Ebenso können wir über die Sonne philosophieren, die scheint. Das ist der natürliche Lauf der Dinge, Wir können ihn nicht heilte voraiisbcstimmcn oder ihn nufhaltcn. Die Formen, die Palästina annchmen wird, werden aus der Stärke folgen, welche die Juden im Laude und in der Welt im aligemeinen in jener Zeit haben werden, wo sich diese Stärke iiinnifcstiert. Wer weiß (wie Richter Stern richtig gesagt hat), was für Formen die. Staaten in fünfzig Jahren aniieliriicn werden? Was wir wollen, ist, daß die Juden Palästina aufbauen, daß die Juden Palästina auf ihre besondere Art nufbauen, daß sie cs mit ihren besonderen Kräften, mit ihren Muskeln aufhaucn, daß sie Institutionen schaffen, die für die Jude 11 pa n se 11 und die so für sie n.r.-.eii, wie ein Ilaiulsdiiili für die 1!and paßt. Aus dieser Organisation wird die Schaffung von etwas folgen, wovon manche Leute glauben, daß es ein Staat, manche, daß cs ein Gemeinwesen sein wird; ■und andere Leute glauben, daß ca wieder etwas anderes sein wird. Aber es wird die natürliche Folge ans den Anstrengungen der Juden sein. Wir wollen keine privilegierte Stellung ln Palästina, wir wollen In Palästina mit dem stehen und fallen, w08׳ wir tun, und was wir nicht tun. (Bcifali.j Und noch einmal möchte ich etwas zu den Dokumenten hinzufügen, die ich bereits erwähnt habe. Wir glauben, daß Palästina Juden und Nicht Juden gleich heilig . ist, und wir wollen, daß Palästina eine Organisation bekommt, durch die weder die Nichtjuden über die Juden nochdiejudonübcrdic Nicht} 11 den he rr :■<■ h י׳ n, nondern 'unter der alle, die in Palästina feben, sich frei mtffaUen können, Und kh seihet habe wiederholt die Schweiz als Del spiel zilicrt. In der Schweiz haben wir drei Kulturen, die nebeneinander wohnen und für das gemeinsame Ziel einer schönen Schweiz arbeiten. Ich wünsche zu Gott, daß ein Palästina entsteht, worin drei große Religionen wnl Rassen nebeneinander leben und für das gemeinsnme Ziel eines schönen Palästina aibcitcn, das der Welt noch ein Wort u 11 <1 eine Botschaft schuldig ist. Und das ist sicher ein Ziel, das jedermanns würdig ist (Beifall). Und, Dr. Frankel, entschuldigen Sie, wenn ich Sie direkt .!!!spreche, Sie haben gesagt, daß manche Dinge oder Gedanken bei den Zionisten Ihren Anstoß erregen — recht und gut, Lassen Sic mich Ihnen in aller Beschckfeiihcit sagen, daß manche Gedanken und Dinge, <110 Sie und Ihre Freunde getan haben, bei mir heftigen Anstoß erregten, und nicht nur bei mir, sondern bei Millionen, die hinter mir stehen. Und doch sind wir zu Ihnen gekommen. Es ist nicht Ihre Schuld, so wie cs nicht meine Schuld ist, daß das Schicksal mul die große Tragödie des Judentums uns getrennt und 1ms in Bruchstücke zertrümmert hat. Hier linden wir eine gemeinsame Plattform, auf der wir einig sein können, imd wer weiß, vielleicht könnte durch dieses gemeinsame Wirken ein Tag kommen, wo wir einander besser verstehen können. Und darum sondieren Sic nicht mein Gewissen, wie ich das ihre!1 i c 111 sondiert habe. Ich stehe für etwas ein, wofür Millionen clnstehen, und wofür wir unsere Seelenruhe, unsere Gesundheit, unser Geld und unsere beste Kraft hlngcgcbcn haben. Ich habe Sic nicht nach Ihren Anschauungen gefragt. Es sind nichtdiemcinigcn, und es weiden niemals die mehligen sein. Ich habe versucht, den gemein9amc 11 Nenner zu finden. Den kIcin s ten geincinsamcn Nenner, der die Juden der Welt vercinigen kann, in der Hoffnung, daß dieser kleine gemeinsame Nenner schließlich ein großer werden wird. Man sagt, daß Palästina bestimmt ist, die Juden der Welt zw vereinigen. Der erste Anfang zum Versuch einer Einheit ist in dieser Resolutiou gemacht. Wer wird der Mann sein, der Hand auf 11 eben wird, um dem Fortschritt der Einigkeit Halt zu gebieten? (Bcifali.j Und nun eriauben Sie mir ein oder zwei Bemerkungen, unü darüber will ich nicht eine Minute Ihrer Zeit in Anspruch nehmen. Ich stimme durchaus mit Oberst Lehman darin tibcrcin, daß diese Bank oder Gesellschatt, bezüglich «Tercr wir einen bejahenden Beschluß gefaßt haben, durchaus und vollkommen von der Zionistischen Organisation getrennt sein soll. Wir waren die ersten, die vorschlugen, es sollte cjnc von Ihnen geleitete amerikanische Gesellschaft sein, Sic sind verantwortlich für das, was sie tut. Der einzige natürliche Wunsch den wir ausdrücken wollen, ist, daß in Palästina e i n Parallelismus der Aktion und eine har׳ m o n i s c h e Zusammenarbeit bestehen soll. Und das Beispiel, das ich ׳.anführen möchte, ist das Beispiel von Baron Rothschild, der hier erwähnt wurde. Kein lebender Mensch hat mehr für Palästina getan als er. Er gehört nicht der Zionistischen Organisation an, und vielleicht, wenn er auf dieser״ Tribüne stunde, würde auch er. sagen müssen: Ich bin kein Zionist, Aber er hat in l'alästina seit fiinf/ig Jahren gearbeitet, und Wir haben Immer harmonisch mit ilun zusammen gearbeitet. Und. vielleicht kann man ein Nichtzionist sein und fünfzig Jahre für Palästina arbeiten, gerade wie Dr, Adler ein Nichtzionist ist und ein Gemeinwesen zuni Zweckder ״Sicherheit" haben will. (Heiterkeit und Beifall.) Dr, Adler, der sagt, er sei kein Fiiianzmann (und ich glaube ihm), wünscht Oberst Leb,maus fnvcstifioneii durch ein Gemeinwesen in Palästina zu sichern. Ganz ausgezeichnet, Also ich stimme durchaus mit Oberst Le h m a 11 darin überein, daß sic von der Zionistischen Organisation getrennt sein soll. Wir wünschen sie nicht zu kontrolliercn. Wir haben keine Sehnsucht danach. Wir wollen, daß sie unter Ihrer Verantwortung steht, und wir werden glücklich und zufrieden sein, wenn wir sehen, daß Sie Erfolg naben, und daß ihre Arbeit iii Palästina immer stärker und stärker wird. Wir haben kein Monopol in Pa lästina at n st wünschen kein Monopol. Aber gleichzeitig stimme ich auch mit Richter S tc r n überein. Ich möchte in diesem letzten Stadium dieser Beratung betonen, daß cs ja ganz gut Ist, daß wir diese Gesellschaft haben, daß es aber ebenso notwendig ist, daran zu denken, daß Palästina noch immer Einwanderung, sanitäre Arbeit, Er■ Ziehung und eine Menge von anderen Dingen braucht, und daß auch für die lnvcstitionsgcsdlschaft ohne Einwanderung und ohne sanitäre Arbeit und ohne Erziehung keine Existenzbercchligung besieht, daß keine Existenzberechtigung für Siehemögen bestellt, weil cs keine Sicherungen sind, wenn nicht Juden nach Palästina gehen. Damm müssen Sie parallel damit sieh bewußt sein,, meine Damen und Herren, daß man noch, so wie Richter -Stern gesagt hat, Geld für Dinge ausgeben muß, die Palästina erst ln Stand setzen, «laß dort Gesellschaften arbeiten können. Um! dämm will ich nicht Geld von Linen, sondern Verständnis dafür. \lall gleichzeitig noch eine grolle Last auf der Jewish Agency ruhen wird, wenn hihi sobald sie durch eine ehrliehe Vereinbarung zwischen Nichtzionistcn und Zionisten zustände kommt. Niemand wünscht mehr als ich, daß diese Verständigung klar und ehrlich ist, ich möchte Sie nicht durch eine Hintertür In den Zionismus hinelnlotscn. Dazu Ist mir der Zionismus zu teuer. Aber ich will eine klare, saubere Verständigung aur der praktischen Grundlage des Manda(s für «len Aufbau Palästinas, Ich will, daß die Nichtzionistcn einen Teil dcr Vcra!11wortung, aber auch einen Teil •Jer Last für den Aufbau Palästinas übernehmen. Wie Ihr Sprichwort lautet: Keine Vertretung ohne Besteuerung. (Heiterkeit.) Meine Damen und Herren, ein Wort über die Zionistische Orpnisaüon; mit. all unseren Mängeln und mit all unseren Fehlern — und wir haben viele Mängel und viele Fehler (in Palästina haben wir viel mehr Fehler und Mängel als die Nicht- Zionisten, sic k o n n t c 11 keine Felder begehen — Heiterkeit) — mit all unseren Mängeln haben wir eine schwere Last getragen. Wir wollen diese Last und diese Verantwortung offen ehrlich, öffentlich, angesichts der ganzen Welt mit den nichtz.ionismchen Juden teilen — da wir denken, fühlen und glauben, daß die nichtzionistischen Juden und die Zionisten sich Itbcr die große und gewaltige Erage des Aufbau« Palästinas einigen werdet! m denn die« ist eine gemeinsame Aufgabe ו und nicht nur so ein vor der Tür gefundenes Kind. Es ist eine gemeinsame Aufgaoe rar «las Judentum, denn so werden wir einen jüdischen Körper und eine jüdische Seele und eine jüdische Gesellschaft aus den rohen Elementen von Grund auf neu schaffen eine Möglichkeit, die wir nirgends in der Welt gehabt Italien. Und lassen Sic mich zum Schlüsse fragen, meine Damen und Herren: Haben Sie jemals darüber nacligcdacht. Ist cs Ihnen jemals eingefallen, zu fragen, warum dieses kleine Palästina mit 100000 Juden heute an erster Stelle des menschlichen Interesses steht?, Es gibt eine Menge Literatur über Palästina. Ja, man könnte last ganz Palästina mit den Artikeln zudcckcn, die daiübcr geschrieben worden sind. Warum hat man nicht soviel über die große Gemeinde New York mit eineinhalb Millionen Juden geschrieben? Was ist der Unterschied zwischen dem kleinen Palästina mit 100 000 Juden und eineinhalb Millionen, die schon fpst die Grenze dessen sind, wovon wir träumen, daß es Palästina in fünfzig Jahren haben könnte? Der U n tersc h icd zwischen Palästina und der übrigen Welt — und Oott weiß, daß ich keine gering«Tl1üt/i!>c11 Bemerkungen über die Gemeinden In der übrigen Welt inaclica will — der fundamentale Unterschied ist, daß wir in Palästina zum erstenmal seit derZcrstrcuungcincMöglichkeithaben,alles nufzubauen — unsere Sprache, unser Land, unsere Einrichtungen, unsere Schulen, die Landwirtschaft, «len Boden selbst, die Seele der Juden von Grund auf. Hier haben Sie nur die Möglichkeit, sich einer Kultur anzupassen, die andere Leute geschaffen haben, die andere Leute gebildet haben. Darum ist Palästina etwas Originales, und «lamm denkt man soviel daran, streitet, debattiert, erhitzt sich so sehr darüber. Und cs ist wichtig für die Juden, wenn die Welt nach einer durch das Martyrium von achtzig Generationen geheiligten Geschichte fragen wird, was ein Jude tun kann, wenn er frei und ungehindert ist, daß wir imstande sind, auf ein s c h ö n c s P a 1 ä s t i 11 a zu zeigen, wo ein Psalmenlied von Dan bis Börse ha klingt, ein Lied, das auch durch das schmutzige und winklige Ghetto von New York klingen kann. Das, meine Herren, ist die Bedeutung von Palästina für uns. Und das Ist etwas 80 Heiliges, daß wir es nfcht für all die Millionen Dollars hergeben werden, die Sie un» vielleicht anbictcn können. Verstehen Sie uns doch bitte. Wir haben seit zwei Generationen gearbeitet. Wir stehen jetzt an der Sch «veile großer Ereignisse. Wir glauben, daß diese Konferenz ein Wendepunkt in unserer Bewegung sein kann. Wir sind bereit, Ihnen mehr als den halben Weg entgegenzukommen. Wir verlangen nicht von Ihnen, daß Sie Ihre Staatsbürgerschaft oder Ihre politische Zugehörigkeit oder Ihr Verhältnis zu dem Lande, in 'dem Sie leben, ändern. Wir wissen auch, daß für lange und vielleicht für immer die Juden in größerer Zahl außerhalb Palästinas leben werden als in Palästina, Wir haben genug Sympathie und Verständnis für tlie Judenfrage, um das zu «vissen. Und wir tun nichts, um Ihre Position zubecinträchtigen, aber wir tun etwas, was «len Juden in ihrer Gesamtheit Ehre und Ansehen bringen wird. In diesem Sinne laden wir Sie ein, mit uns die große Verantwortung zu teilen. (Lebhafter Beifall.) Dr. Frankel: Herr Vorsitzender, ich wurde von Dr, Welzmann persönlich angesprochen und bitte daher, ihm erwidern zu dürfen. Ich habe nicht gesagt, daß irgend etwas, was die Zionisten getan, bei mir Anstoß erregt hätte, Ich mache nicht viel Wesens daraus, wenn etwas Anstoß bei mir erregt. Wäre cs der Fall gewesen, so hätte ich vielleicht heute gar nicht gesprochen. Ich würdige die Opfer, die die Zionisten gebracht haben und Melle nicht einen Augenblick die AufrichtigkeitderB c w c g u n ץ in Frage, Ich glaube nicht, daß ich jetzt so spät eine Rede halten unil midi verteidigen soll. Auch ich habe versucht, mein Scherflein für die jüdische Sache beizutragen. Ich kam heute hierher auf Gruncl einer Aufforderung, einen geschäftlichen Vorschlag zu erörtern, und dabei habe ich mich bemüht, meine eigenen Gefühle und Empfindungen durchaus im Hintergrund zu halten. Ich hätte mich gescheut, die Frage zu behandeln, wenn ich mir gestattet hätte, daß meine Gefühle mich beherrschen, obgleich ich glaube, daß ich letzten Endes 8 0 jüdisch bin «vic Dr. Weiz.mann, ob ich nun cm Zionist oflfer Nichtzionist bin, daß Ich genau 'dieselben Auffnssnngeu von den Traditionen Israels habe wfe er, daß ich in meinem Blut dasselbe habe wie er — att diese großen religiösen Ideen, die wir durch die Jahrhunderte aufgcspcichcrt haben, die ich heute für den größten Segen und den größten Schatz halte, den 1'ch besitze. Ich habe die Angelegenheit nicht von diesem Standpunkt aus besprochen. Ich habe versucht, sie, von der geschäftlichen Seite anzufassen, und Sie werden sich gleichzeitig erinnern, daß ich in meiner Rede hauptsächlich nicht bei der geschäftlichen und industriellen Entwicklung ■Palästinas, sondern bei tler kulturellen und geistigen Entwicklung Palästinas verweilte. Ich sage es in aller Bescheidenheit und ohne einen Schimmer von Lästerung und Blasphemie, daß meiner Ueberzeugung nach die Diaspora ebensosehr eine göttliche Emanation war wie die ursprüngliche Siedfungder Juden in Palästina, Und mir scheint unsere heutige Lage und mein Interesse an Palästina ln einem kulturellen, geistigen, religiösen Sinne begründet aur meinen Glauben an die alten Aussprüche der Väter, wonach tlie Mission Israels, Frieden unter den Völkern der Welt zu predigen erfüllt werden kann durch ein großes kulturelles, geistiges Zentrum in Palästina, das auf alle übrigen Völker der!Veit mittels der Juden» die unter ihnen wohnen, ausstrahlt. Und schließlich, Herr Vorsitzender, möchte ich als Ausdruck meiner cig'cnc» Ueberzeugung fn dieser Frage Dr. Welz• m a n n sagen, daß, wenn der Tag kommt (wenn ich am Leben bin, und wenn icli nicht lebe, hoffe ich, daß meine Kinder oder meine Enkel es sagen können), wo in Palästina aus innen heraus, wie sich vor Jahrhunderten in diesem großen Lande aus dem Wunsche der Bevölkerung der dreizehn Kolonien unser amerikanisches Gemeinwesen entwickelt hat, ein so entwickeltes jüdisches Gemeinwesen besteht, das die Empfindungen des Volkes verwirklicht, dann hoffe ich, daß an diesem Tage ich oder meine Kindeskinder sagen werden: Der Name Gottes sei gepriesen. Das ist meine Empfindung (Beifall). Darf ich von diesem Gesichtspunkt aus eine Resolution beantragen!

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