Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 37 (9.5.1924)
- Date
- 1924-05-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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f Nr. מ JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 273 s ־־׳ יי*״5*?׳1;ו:נ• <־־׳?־' i^׳ w»k •I!!י •Li tl*J* יעי•• •ä•*•■—•*--,.י ע ל./. ty^ *jii *ך״ז x^J ץ־ך ׳ clvAüX.: liiVj»*# •f*\ •יו •i י 00 ה" . ««"ן \I j r t_x״ <u-4» י ■\\ י*,׳• ^■'**f*^ Xi •J. .*, ' *Li^ Die Diskussion Mr. Lnmport: Herr Vorsitzender, ich weiß nicht recht, als was icii mich bezeichnen soll. Ich habe hier so viele Definitionen gehört: Nichlzionisten t9ud nuancierte neutrale Zionisten und Zionisten. Ich erinnere mich an Dr. Scheckters Definition von Kasch ms, Dr, Schcchter sagte mir, cs Rehe drei Arten von Kasclirus, Er angle, cs gebe ein Nestau• raut, das sei koscher, und dann eines, das sei streng koscher, ,und dann eines, das sei streng trete. (Heiterkeit.) Ich hörte meinen Freund Oberst Lehman sagen, er sei ein Nichtzionist. Und im selben Atemzuge hörte ich Oberst Lehman das gesündeste, vernünftigste Argument für die Entwicklung Palästinas Vorbringen. Oberst Lehman hat in den letzten Jahren gezeigt, daß er eine Sache, die er unternimmt, mich wirklich durchführt und daß diese Sache als gemeinsame Leistung des ganzen amerikanischen Judentums durchgcfütut und so durchgcführt weiden kau 11v daß cs zur Ehre de« ganzen Judentums gereicht. Für mich ist heute ein großer historischer Tag in der Entwicklung Palästinas. Die Hilfsarmee für Palästina hat ihren Marschall gefunden und wir alle wissen, was das bedeutet. (Beifall.) Ich bin überzeugt, daß jeder von uns, der sich heute nt Gemeinplätzen über den Zionismus oder in akademischen Diskussionen über Palästina ergeht, bloß den Webstnhl hemmt, der das öcvvcbe jüdischer Selbstachtung und jüdischen Einflusses in der ganzen Welt wirkt. (Beifall.) Ich bin an Palästina interessiert und war immer an Palästina interessiert, weil ich denjenigen meines Volkes helfen will, die Hilfe brauchen, ob sie nun in Ruß- I a n d oder in S ü d a m e r i k a oder in Palästina leben — ganz besonders aber denen in Palästina, weil Palästina das das Land ist. das meine Religion, meine Wünsche., meine Hoffnungen und Träume genährt hat. Ja, ich bin an Palästina interessiert, weil ich nicht will, daß meine christlichen Freunde auf mich und meine Kinder mit Fingern zeigen und *agen, daß wir versagt haben, als eine große historische Gelegenheit kam. (Beifall.) Und das amerikanische Judentum wird durch Mr. Marshall für Palästina gewonnen werden mittels einer Konfercnz wie die, die wir heute haben. Diese Konferenz kann sehr viel Gutes wirken. Diese Konferenz kann all die Kräfte, die für den Aufbau Palästinas gearbeitet haben, verbinden und zusammenschweißen. Jeder dem die Sache Palästinas ernst und aufrichtig am Herzen liegt, kann jetzt hereinkommen und das seine tun, ohne sich Zwang anzutun. All dieses Gerede über nationale Bestrebungen und J ude 11 Staatcn und eine ganze Menge solcher Dinge (und ich will das ganz offen sagen) wurde von Leuten gebraucht und mißbraucht, d i e a 11 s k n e i f c n und sich dem entziehen wollen, was ihre Pflicht ist. Heute können wir alle jüdische Arbeit und alle jüdischen Interessen an Palästina vereinigen. Es gibt keinen Juden in Amerika, der das Recht hat, beiseite zu stehen, wo seine Pflicht so klar und deutlich zeigt, was er zu tun hat. ,Ich danke Gott für diesen Tag, Mr. Marshat!, wo wir eine einheitliche Front schaffen, auf dem Wege einer ehrlichen, ernsten, aufrichtigen ßestrebung, für Palästina das Erforderliche zu tun. Angesichts dessen, was hier früher gesagt wurde, angesichts der klaren und verständnisvollen Ausführungen von Oberst Lehman, äugesichts des Berichtes, den Mr. Brown von Palästina bringt, angesichts dessen, was uns Dr. Rapp in so klar und dcut• lieh gesagt hat, beantrage ich die folgende Resolution: ״Die heutige Versammlung beschließt, daß ihr Präsident ein sicbcnglicdrigcs Komitee zu dem Zwecke einseizai soll, eine Invcstitionsgrseilscliaft mit angemessenem Kapital für den Zweck des Aufbaues und der Entwicklung «er wirt* schaftlichcn Möglichkeiten Palästinas auf wirtschaftlicher Grundlage zu organisieren, die womöglich die Mitarbeit aller bestellenden und arbeitenden Gesellschaften und Gruppen, die dasselbe Ziel haben, gewinnen soll.“ (Beifall.) Mr. Marshall: Wenn Maurice Wert heim hier ist, würde ich gern seine Meinung über die Frage hören. Mr. Wertheim: Mr. Marshall, meine Damen und Herren! Es scheint mir, daß wir eine hübsche Anzahl gut zionistischer Reden von einer hübschen Anzahl guter Nichtzionisten ge•- hört haben. (Heiterkeit.) Ich war vor zehn Jahren in Palästina. Ich kam zurück und nannte mich einen Zionisten, denn ich hatte aus meinem Besuch zwei fundamentale Schluß• folgcrungcn gezogen und sah keinen andern Weg, mich auslivlriirkcn. Diese beiden Schlußfolgerungen waren erstens, daß ich erkannte, daß nach Ablauf von nicht vielen Generationen keine Juden mehr sein würden, wenn nicht eine Heimstätte in Palästina bestünde, und zweitens, daß dies ein Unglück für die Weit wäre. Daher fühlte ich, daß ich Zionist werden müsse, da ich nichts anderes am Horizont sah. Als ich aber dann um mich sah und diese Art lind jene Art von Zionisten sah, einen Kultur- Zionisten und. Was der verstorbene Rabbi Krauskopf zu sein behauptete, einen Agrikuilurzionistcn (Heiterkeit), da entfernte ich mich von der Bewegung, da es zu viele Arten von Zionisten gab. Daher glaube ich, Herr Vorsitzender, daß die heutige Konferenz den Juden Amerikas stanlsnmnnischc Fragen vorlegt — zunächst die des Anschlusses niditzionislKclicr Gruppen an die Jewish Agency. Es .gibt sicher kein unschuldigeres Wort als ״Jewish Agency“. Und ich glaube, nach dem zu schließen, was ich verstehen konnte, als ich den heutigen Reden zuhörte, daß alle hier Anwesenden dafür sind, den Juden hei der Errichtung einer Heimstätte in Palästina zu helfen. Es scheint mir, daß die ganze Frage durch die FederfuchscreiderTcrminologic gehemmt wird, und daß die Bewegung keinen ernstlichen Fortschritt machen wird, ehe wir die Terminologie nicht abschüttcln. Daher glaube ich bezüglich des ersten Vorschlages des An- Schlusses niclitzionistischcr Gruppen an die Jewish Agency, daß seine Annahme für den Fortschritt und die Sicherheit find die Zukunft der Juden der ganzen Welt unentbehrlich ist. Ich möchte noch ein Wort oder ein paar Worte über die Invcsfitlonspcscilachaft vom technischen Standpunkt aus sagen. Zunächst glaube ich, daß es der großzügigste Vorschlag ist, der mir in Verbindung mit Palästina vorgekommen ist. Ich war immer der Ueberzeugung, daß keine Bewegung wertvoll, dauernd und wirkungsvoll sein könne, wenn 61« nicht auf eigenen Füßen steht. Ich meine nidit, daß sie sich ganz selbst erhalten, aber daß sie auf der Grundlage selbständiger Ideen beruhen muß. Es scheint mir nm, daß diese Investitionsgcsellechaft von den Juden Amerikas aus zwei Gründen warm begrüßt werden sollte. Zunächst, weil ich glaube, daß sie notwendig Ist, und zweitens, well Ich glaube, daß sie durchführbar Ist. Sie . ist notwendig zunächst, weil, wenn ich Kolonist in Palästina bin und Erfolg habe, zehn oder zwanzig Jahre gearlii'ilei und ein gesundes Geschäft oder eine gesunde Farm nufgebaiit habe, ich glaube, daß ich das Rcclit habe, anzimelunen, ich könne ein Hypothekendarlehen bekommen, wenn ich es brauche, und nidit eine Spende nehmen müsse; und ich Würde auch keine Spende nehmen. Sie ist notwendig für die Stimmung der Leute dort. Sie ist ferner notwendig, weil kein wirtschaftlicher Fortschritt ohne Ansammlung von Ersparnissen verwirklicht werden kann. 111 Palästina gibt cs aber noch keine angcaammcltcn Ersparnisse; man muß sie von außen bringen. Darum ist ein solcher Vorschlag für die Entwicklung jedes Landes unerläßlich. Daß er durchführbar ist, glaube ich fest. Alier zwei Dinge müssen gelingen: erstens Können wir die Investilioiisgesellschalt meiner Meinung nach nicht schaffen, wenn wir nicht die vollständige moralische und materielle Untersliilziing der ITihrcr des Judentums in Amerika haben, Ich habe sagen gehört, daß die Gesellschaft ein Birknpifai von fünf Millionen Do 11 a r s haben muß. Damit bin ich d 11 re 11 au s nicht cinvcrsta »den. Diejenigen von Ihnen, die die Frage von Investilionsorganisationcii studiert haben, wissen, daß es ganz, gut möglici» ist, Pfamlbricic imfünffachen Betrag des investierten Antcilkapitnis zu verkaufen. Das ist bescheiden und das ist sicher. Daher handelt cs sich meiner Meinung nach überhaupt nicht um die Frage d c r Aufbringung des Geldes. Die Sache ist die: der Vorschlag muß der jüdischen Bevölkerung nahe gebracht werden, und cs handelt sich dabei nicht um die Aufbringung einer großen Geldsumme, sondern um die Anwendung. ausreichender Ucbcrlcgung und Berechnung, Was hier notwendig ist, ist meiner Meinung nach nicht so sehr Kapital als vielmehr Organisation und zwar richtige Organisation. Und das Geld bedeutet zunächst die Unter- Stützung der Führer des Judentums, Bankiers, Juristen, Richter usw., die bereit sind, in das Direktorium dieser Gesellschaft ciiizutrelcii. Auf den Kredit des Direktoriums einer lnvcstitionsorganisation hin kaufen die Leute solche Papiere, wie die Erfahrung der englischen Finanzorganisationen reichlieh beweist. Natürlich ist diese Form von Investitionen in England in Schwung gekommen, weil England sein Geld in anderen Ländern investiert. Und das kann nur durch lnvcslitionsorganisationcn erfolgen, Und die Leute kaufen diese Papiere auf den Kredit jener Leute hin, die Im Vorstand sitzen. Und wenn wir jetzt daran gehen, eine lnvcstitionsorganisation zu schaffen, und man zu den Leuten im Vorstand kein Vertrauen hat, dann werden die Geldleute nicht kaufen. Daher brauchen wir uns um das Geld gar nicht zu kümmern. Eine h a I b e Million Dollars wird für den An• f a 11 g g c n i! g c n. Aber wir müssen die Führer des Judentums dafür gewinnen, Stellen im Direktorium anztmchmcn. Dann müssen wir unsere Verkaufskraft und unsere Kaufkraft in Palästina unter Leitung der Beamten, die vom Direktorium ernannt sind, organisieren. Und wenn fiir die Schaffung eines Invcstitionsfonds echte Stimmung besteht, Herr Vorsitzender, dann bin ich überzeugt, daß in Palästina auch echte Sicherheit bestellt, auf Grund deren diese Papiere verkauft werden können, (Beifall.) Mr. Marshall: Dr. Adler, ich bitte Sic, das Wort zu ergreifen. Dr. Cyrus Adler: Herr Vorsitzender, meine Damen und Herren! Ich nehme an, daß mich Mr. Marshall nicht aufgcfordert hat, die Invcstitionsgcscllsehaft zu besprechen. Mr. Marshai!: Ich glaube, Sic wären ganz gut in der Lage, sogar diese Sache zu besprechen. (Heiterkeit.) Dr. Adler: Der Plan wurde von ausgezeichneten Bankiers und Geschäftsleuten vorgelegt, und sie erklären uns, daß Sicherheit besteh!, und dal! die sogenannten Pfandbriefe verkauft werden können, wenn Sie alle in den Vcrwaltungsrat cintrctciij und cs komme nicht darauf an, ob wir nur eine halbe Million oder zweieinhalb Millionen haben. Ich möchte mir sagen, daß meiner Meinung nach der Teil des Planes, der die zerrissenen Bruchstücke verschiedener Organisationen, die jetzt bestehen, zu wirtschaftlicher Hilfe für Palästina zusammeufiigen will, ebensosehr eine moralische Wirkung, wie eine finanzielle Wirkung haben würde, und wenn ich der vorgcschlagcncn Gesellschaft überhaupt etwas empfehlen kann, so wäre cs das, Sie sollten jemand von den bereits in Palästina wohnenden Leuten zu Ihrem Vertrauensmann nehmen, und Ihre Geschäfte in Palästina sollten von Leuten geführt werden, die das Land kennen und die cs schon längere Zeit kennen, Es ist nicht eine Sache für Vielbeschäftigte. Mir scheint, daß in dieser Gesellschaft keine Meinungsverschiedenheit über die Wünschbarkcit dieser Invcstitionsgcscllsehaft bestellt. Der Gedanke aber, in irgendeiner Form an der Agency tcilzuncluncn, scheint etwas lebhaftere Erörterungen hcrvorziirufen. Und das freut mich sehr, denn ich glaube nicht, daß irgend etwas so unangenehm gewesen wäre, als wenn diese Konferenz mit ein naar schönen Reden, denen ieder /!)stimmte und in denen jeder jeden anderen erbaut halte, auseinander gegangen wäre. Ich stimme Dr. Frankel darin 7.11, daß In der Frage der Erweiterung der Agency eine große Schwierigkeit liegt, una diese Schwierigkeit wird, glaube ich, zutage treten, wenn die Frage aktuell wird und von beiden Seiten verwirklicht werden soll. Dr. Frankel sagt, er vertrete die Ansicht von sehr vielen Leuten (und ich zweifle gar nicht daran), die nicht an der Agency teilnehmen wollen, weil sic nicht genau wissen, auf was die ganze Sache hlnausläuft; und wenn sie auf einen Staat hinnusgelit, so wollten sie draußen bleiben. Ich will mich nicht verstellen und nur sagen, daß ich kein Zionist bin (ich zahlte nie einen Schekel und trug nie eine Fessel) und wahrscheinlich auch keiner werden werde. Aber ich hätte viel mehr Interesse und Vertrauen zu der Sache, wenn ich nach genauer Prüfung überzeugt wäre, daß in Palästina ein wiederhclcbtcs jüdisches Gemeinwesen entstehen werde, und mein Grund dafür ist (und ich möchte ihn den Herren sagen, die ihr Geld investieren wollen), daß das Ihren Investitionen größere Sicherheit geben würde. (Heiterkeit und Beifall.) Denn, meine Damen und Herren, sehen Sie nicht, wenn cs sich nur um etwas handelt, was auf Grund des Mandates besteht, ■0 wird das dreißig Jahre gelten und nach diesen dreißig Jshren, wenn Sic Ihre fünf Millionen Dollars und Ihre fünfmal fünf Millionen Dollars investiert haben, wird irgend jemand in der Welt vielleicht wieder in der Lage sein zu sagen: Weg von hier, und Sic werden Ihr Geld verloren haben. Das ist nicht nur ein Scherz, sondern hier besteht eine Schwierigkeit, die ich vorltersdu•, wenn ich diese Dokumente lese, die dankenswerterweise für uns gedruckt wurden. Und wir müssen hier fliese Schwierigkeit ebensogut erfassen, wie die Herren, die hier sind und der Zionistischen Organisation angehören (wir haben begreiflicherweise eine große Anzahl von ihnen hier), räch sic auch klar madien!missen. Gegen Ende dieses Weißbuches steht ein Abschnitt, der die vom 13. Zionistenfcougreß beschlossenen Resolutionen über die Je• wisli Agency enthält. Und dort heißt cs, daß die Zio* iiistischc Exekutive zusammen mit dem «fort erwähnten Council eine Konferenz der Vertreter der jüdischen Organisationen und repräsentativen Körperschaften der jüdischen Bevölkerung der verschiedenen Länder einberufen wird, um über die Form ihrer Teilnahme an der bis zur Einberufung des Weltkongresses bestehenden Jewish Agency Beschlüsse zu fassen. Nun möchte ich ganz klipp und klar sagen, daß ich für meine Person gegen die Einberufung eines jüdischen Welt• Kongresses bin und daran als Amerikaner niemals teilnehmen werde, selbst wenn ich In Amerika der einzige wäre. Und das ist etwas, was die Zionistische Organisation ver• stehen muß. Ich spreche im Augenblick mir für mich selbst, aber ich glaube, daß es wahrscheinlich recht viele Leute gibt, die in diesem Punkt mit mir einig sind. Aber Ich glaube, dio Jewish Agency muß auf die eine oder die andere Weise erweitert und repräsentativ gemacht werden. Und ich glaube, es ist notwendig, selbst notwendig vom Standpunkt dieser Investitionsgesclischaft. Diese Investitionsp.e■■ellschaft kann ja jetzt im Anfang gewiß eine rein amerikanische Angelegenheit sein. Wir können sogar sagen, daß wir nichts mit dem Economic Council in England zu tun haben wollen, oder wir können sagen, daß wir nichts mit dem Baron Edmund Rothschild zu tun haben wollen — obgleich es keinen Menschen gibt, der soviel für Palästina getan hat wie Baron Edmund Rothschild, Und wir können ein sehr nützliches Stück Arbeit verrichten. Aber sehen Sic nicht, daß ein großer Teil des Nutzens Ihrer Arbeit davon abhängig sein wird, ob die Dinge in Palästina richtig vor sicli gehen? Nun besitzt die Zionistische Organisaiion zweifellos in ihren Reihen sehr viel Beredsamkeit. Schönheit, Tüchtigkeit und Geschicklichkeit. Aber doch wird die Arbeit in Palästina besser geleistet werden, wenn sie ihrer Zahl in der Jewish Agency noch andere Leute mit anderen Arten von Erfahrungen und mit anderen Arten von Geschicklichkeiten anschlicßt. ich bin vollkommen überzeugt, daß wir Juden in dieser Angelegenheit eine Prüfung durdimachen. Ich habe in einem Kleineren Kreis gesagt, was ich Ihnen sagen möchte, denjenigen von Ihnen, die sielt mit der heutigen Lage schwer abfimien können. Wenn Sic an Ihrer ■ Tür ein Kind finden (ich meine nicht das Kind, wovon Richter Stern sprach), also wenn Sie an Ihrer Tür ein Kind finden, so ist cs nicht Ihre Aufgabe, zu untersuchen, wie cs dorthin gekommen ist, sondern cs wäre Ihre Aufgabe, dafür zu sorgen, daß es lebt, nicht, indem Sie ihm eine Medizin, sondern indem Sie ihm Nahrung geben. Das ist mm genau die Lage, in der sich die ganze jüdische Weit mit Bezug auf Palästina befindet. Die meisten von uns haben mit der Schaffung dieser heutigen Lage nichts zu tun gehabt, aber sic ist vorhanden. Ich glaube nicht, daß sie das wäre ohne den grollen Krieg, Aber sie ist etwas von dem, was vor uns da steht. Und ich sage jedem Juden, wenn er nicht etwas dazu tut, um dahei zu helfen, so wird das letzten Endes ihm selbst schaden. Es ist eine Investition, die er im Interesse des jüdischen Namens In der ganzen Welt machen muß. (Beifall.) Es wird nicht die Judenfrage lösen. Ich widerspreche neun Zehnteln von den schönen Dingen, die hier gesagt worden sind. Schalten Sic aus Ihren Gedanken ganz und gar die Ansicht an, daß das etwas mit der Lösung der Judenfrage zu tun hat. Es hat nichts damit zu tun. Es werden ebensoviel Juden außerhalb Palästinas sein, wenn wir dort unser größtes Einwaitdcrungsprogramm durchführen, wie heute. Ich glaube auch nicht mit meinem Freunde, der vorhin sprach, daß, wenn wir nicht dieses jüdische Zentrum in Palästina haben, keine Juden mehr i n d cr We 11 s c i 11 wcrdcn. Es wird welche gehen. Wir haben die Absicht, in der Welt zu leben — viele von uns haben diese Absicht (Beifall) und wir haben die Absicht, auch als Juden zu leben. Heute halten wir in Amerika Palästina mehr religiöse und kulturelle Hilfe za geizen als wir Geld haben, und wir sollten sic leisten. Ich war vor 32 Jahren in Palästina, noch bevor diese Pcßachausflügc in die Mode kamen. (Heiterkeit.) Damals war Ich jung und unab• hängig, und ich scheue mich nicht, in diesem Kreise zu sagen, daß in mir Gefühle erweckt wurden, die ich niemals früher empfunden hatte, und daß ich, wenn ich meiner Art nach Palästina hätte einen Nutzen bringen könnenj mit Vergnügen dort geblieben wäre. Aber es war nicht der Fall. Palästina brauchte mich nicht. Es brauchte nidit einen Menschen, der Interesse für hebräische Inschriften und dergleichen hatte, cs brauchte Ingenieure, Bauern, selbst Schmiede, und cs braucht sie nocli. Ich hörte die Ziffern, die Dr. Ru pp in heute früh gab. ich glaube, sic waren ein bißchen ungenau, denn es waren immer runde zehntausend, ^ber selbst dann war die Zahl der Intelligenz viel zu hoch im Vergleich zur Bevölkerung. Es gibt dort zu viel Lehrer und zu viel Schriftsteller, zu viel Denker und zu wenig Macher, Und jeder Professor, Jurist und vielleicht selbst ein Arzt oder ein Dichter oder sonst etwas derartiges, wird meiner Meinung nach, wenn er heute nach Palästina gellt, dort bloß im Wege stehen. Aber noch in einer Beziehung habe ich eine große Meinung von den Möglichkeiten Palästinas, und da ist wieder die Jewish Agency von Wichtigkeit, Herr Vorsitzender. Ich weiß, daß Rabbi Simon und Rabbi Land man, der neben ihm sitzt, nidit ganz einverstanden sind, und doch könnten sie cs sein. Ich glaube, cs ist nicht unmöglich, daß von Palästina wiederum ein Strom religiöser Entwicklung kommen kann, daß, wenn all der gute Wille und der Geist hineingesteckt wird, etwas wie eine Körperschaft entstehen kann, die Vertreter der jüdischen religiösen Ideen aus der ganzen übrigen Weit umfaßt, die von neuem die zerstreuten und zerrissenen Glieder unseres religiösen Körpers vereinigen kann. Und meine/ Mei• nutig nach wäre der Aufbau Palästinas geiechtfciögi, wenn nur dies geschieht. (Beifall.) Und ich bin nicht überzeugt, daß die Zionistische Organisation und die Jewish Agency bei ihrer etwas überhasteten Tätigkeit heute auch nur die Zeit haben, über diese Dinge nachzudenken. Und darum glaube I! j,