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Jüdische Rundschau · 1924-05-09 · Heft 37 (9.5.1924) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 37 (9.5.1924)
Date
1924-05-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 274 JUED’ISCHE RUNDSCHAU Nr. 37 Sch. Herr Präsident, wie schwer auch tlie Frage der Agency sein nuf;, daß sie doch von den Juden von Amerika sehr ernst erwogen werden soll, auch wenn sie sie heute nicht lösen können, Es scheint mir, daß der Antra״ von Mr. Lamport ohne weiteres angenommen werden, kann, auch wenn Meinungsverschiedenheiten bestehen, die andere Frage sollte, da verschiedene Ansichten vorgebracht wurden, weiterer Erörterung Vorbehalten bleiben und nicht in Einem ,erledigt werden. Ich glaube aber, dal! man beide ernst nehmen soll. (Beifall.; Mr. Marshall: Ich bitte James Decker aus Chicago das Wort zu ergreifen, Mr. Decker: Herr Vorsitzender, meine Damen und HerrenI Ich habe wirklich gar nichts mehr zu sagen. l:s scheint mir, daß wir so viel Reden gehört haben, und daß cs so spät wird, daß wir heute nichts zu Wege bringen worden, wenn wir nicht über einen konkreten Antrag Beschluß fassen. Ich für meine Person habe au kein ko״- kretes Programm gedacht. Ich glaube, cs ist ein Pogramm nufgrstcllt worden, wonach wir uns richten sollen. Und ich glaube, es wäre richtig, zuerst eine der beiden Fragen zu behandeln und so viel Praktisches zu leisten als möglich ist und statt eine Rede zu halten, wäre cs mir viel lieber, wenn zuerst der Antrag von Mr. Lamport behandelt und dann zur zweiten Frage übergegangen würde. Wenn dies nicht geleistet werden kann, so Rollte man wenigstens Schritte imiernchmcii, damit ein bestimmter Vorgang cingchaltcu ,wird und etwas Wirkliches zustandcgebraclit werden kann. (Beifall.) Mr. Marshall: Eine sehr kurze und praktische Rede. 1Aber mir scheint, dal! Sic natürlich sich darüber schon klar sind, daß uns kein ausgcarbcitctcs Pogramm vorlicgt, daß diese Versammlung, wenn das auch sonderbar scheinen mag, eben das ist, was sic sein sollte — eine Konteren/ zum freien und unbehinderten Austausch der Meinungen. Und ich habe versucht, alle Anwesenden, die etwas zur Frage beizutragen haben, zu veranlassen, ihre Meinung zu äußern. Ich bin nicht dafür, die Debatte zu schließen, Wir haben noch reichlich Zeit, zu hören und zu erwägen. Ich glaube, mau kann über jede der beiden Fragen einen Beschluß fassen, wenn auch keinen endgültigen. Ls wäre unpraktisch, hier den Entwurf für eine Oe-cllschaft vorzubringen, Das nuili studiert und nacli finanziellen mul geschäftlichen Gesichtspunkten durchgearbeitet werden. Es ist natürlich auch unmöglich, einen Plan für die Jewish Agency vormlcgen, da wir kein Mandat haben, das uns ermächtigt, darüber zu bestimmen, wie die Agency gebildet werden soll. Alles, was in unserer Macht ist, ist unsere Bereitwilligkeit zu erklären, die Frage ernsthaft in Erwägung zu ziehen, eine Kommission zu wählen, die die Frage studiert und die mit den Vertretern der Zionistischen Organisation und anderen Organisationen in den Vereinigten Staaten, die an der Frage interessiert sind, verhandelt. Es wird auch notwendig sein, mit Nichtzionisten in England und in anderen Ländern zu verhandeln, da cs sich ja nicht um eine Teilung der Macht zwischen der Zionistischen Orgnnisation und den amerikanischen Juden handelt. Die Frage geht alle an. Alles was wir heute tun können, ist, die nötigen Kommissionen zu wählen, die die allgemeinen Grundzüge ausarbeiten 1und suchen, zu einer Verständigung zu kommen, und das Resultat wird einer neuen Konferenz oder auf irgendeinem anderen Weg der Ocffcnilichkcit vorzulcgeu sein, damit wir dann in die Lage versetzt werden zu beschließen, was tatsächlich geschehen soll, ich würde mich also freuen, auch sonst noch irgendwelche Mitteilungen zu hören. Ich glaube, jeder der gesprochen hat, hat doch einen wertvollen Beitrag zur Frage geleistet. Niemand hat nur gesprochen, um zu sprechen. Und trotzdem, was das Sprichwort vom Schweigen sagt, glaube ich, diese Naclimittagsdiskussion war Gold, Nun möchte ich gern noch von amlcrii hören und wenn Dr, Solis- Cohen uns seine Ansicht darlcgen will, so werden wir das lebhaft begrüßen, (Beifall.) Dr. Solis-Colicm Herr Vorsitzender, ich hatte gehofft, Schweigen zu bewahren. Ais Israel vor dein Roten Meer stand und Berge rechts und Berge links und hinten Pharao, der sic verfolgte, betete Moses: Gott, rette uns. Und die Antwort war: Was rufst Du zu mir, spricli zu dem Volk, cs solle vorwärts ziehen! (Beifall.) Richter Roscnblatt: Herr Vorsitzender, teil wollte nicht sprechen oder das Wort ergreifen und glaube, daß ich als Zionist schweigen sollte. Aber cs wurde so viel von Nicht- Zionisten gesagt, daß ich mir die Freiheit nehmen möchte, eine kleine geographische Korrektur vorztibringen: Als I)r. Frankel von den 128 Grad Fahrenheit im Imperial Valley sprach, marhtc er mir für Palästina so heiß, daß ich mich nicht enthalten kann, ihn zu berichtigen, Es ist der übliche Irrtum, daß man einen Teil für das Ganze nimmt, Wenn man das Imperial Valley mit dem Jordan(,11 vergleicht -- schön. Aber Palästina kann mit S (id k n lifo r n i c n verglichen werden, und ich kann diesen Vergleich machen, d.1 ich dreimal dort war und mich in Kalifornien gewesen bin. In Jerusalem ist der Winter vielleicht strenger als in New York und das Klima von T c 1 - A w i w ist fast identisch (und ich spreche aus persönlicher Erfahrung) mit dem Klima von Los Angeles. Wenn Sic also an das Impcri.u Valley denken, so Hille denken Sic aueli nur an den schmalen Streifen längs iles Toten Meeres und des Jordans, der vielleicht ein großes Imperial Valley werden kann. Das übrige, die Hügel und das Gebirge und die Scckiistc und die Breite von Palästina ist fast identisch mit der Breite von Südkalifornlen. Der einzige richtige Vergleich Ist der mit Südkalifornien. Und ich sage nicht als Scherz, daß eine sorgfältige Prüfung der Gcsumllicitsverhältnir.se wahrscheinlich dieselbe Art von ycrsiclicrungsbcdingungcn in Tcl-Avviw zulassen dürfte wie in Los Angeles. (Heiterkeit und Beifall.) Mr. MarshaH: Meine Herren, sind Sic in der Lage, über d!e von Mr. Lamport cingebrächte Resolution abzustimmen? Ich will sie nicht zur Abstimmung bringen, solange Sic nicht dazu bereit sind (liest den Antrag nochmals vor). Sind Sie zur Abstimmung bereit? Mr. Simon: Herr Vorsitzender, ich bin noch nicht ganz bereit dazu. Wenn der Herr Antragsteller am Schlüsse sagt: ״die womöglich die Mitarbeit aller bestehenden Gesellschaften und Gruppen gewinnen soll“, zweifelt er etwa daran, daß seine Organisation, die er vertritt, und das P. D. C. sich anschließen werden? Ich glaube nicht, daß cs einen Sinn hat, daß diese Organisation gesell,dien wird, wenn nicht die anderen beiden aufgehoben oder mit ihr vereinigt werden. Mr. MarshaH: Und wenn der Fall eintritt, daß zwei von dreien sich anschlicßcn? Mr. Lamport: Wenn Dr. Simon imstande ist, im voraus zubestimmen, was irgend jemand in Zukunft tun wird, so wäre es mir sehr lieb, wenn er mir diese Methode bckanntgcben könnte. Ich sage, wir wollen alles, was in unseren Kraltcn ist, tun, um ihre Mitarbeit zu gewinnen. Mr. Simon: Bestellt heute noch keine solche Versländigung? Aff. Marsh,111: Nein. Ich kann sagen, daß meiner Meinung nach bei zweien dieser Organisationen kein Zweifel bestellt, und icli glaube, wir haben auch von der dritten eine sehr ermutigende Erklärung bekommen, die, glaube ich, ein Zeichen dafür ist, was geleistet werden wird und kann. Aber niem.ind hat das Recht für eine Organisation zu sprechen, außer daß wir sagen, daß dies eines der wichfigslen Momente bei der Bestimmung des Umfanges der Inveslitionsgeseilschaft und der Mittel ist, die ihr zur Verfügimg stellen werden und, was noch wichtiger ist, bei der Vereinigung der Arbeiten in der Richtung der F i 11,111 z i e r u 11 g einer Organisation, die «len wirtschaftlichen Aufbau Palästinas auf geschäftlicher Grundlage zum Ziele bat. Wollen Sie einen Abänderungs- Vorschlag midien, Dr. Simon? Dr. Simon: Durchaus nicht. Ich glaube nur, daß die Bedeutung dieser neuen Organisation für die Juden von Amerika in der Auflösung oder Verschmelzung der beiden anderen Organisationen liegt. Mr. Mnrslisill: Ich bin derselben Meinung. Ich glaube, das ist sehr wichtig, und wir haben hier eine sehr große Zahl von Männern und Frauen aus allen Teilen des Landes versammelt, die einen Einfluß haben, die vorurteilslos sind, die keine persönlichen Interessen besitzen und die die Wichtigkeit einer einheitlichen Aktion in dieser Richtung würdigen. Ich bin überzeugt, daß man auf tiirc Stimme hören wird. Ich Italic auch volles Vertrauen nach all den Aeußenmgen, die wir hier von Vertretern aller Organisationen gehört haben, und betrachte die Mitteilungen, die Mr. de H.ans vorlas, für sehr wichtig, da sic zeigen, was mit Bezug auf die Vereinheitlichung der Arbeit erwartet werden kann. Mr. Lamport: Darf Ich für Dr. Simon und diejenigen andern, die hierüber mehr zu wissen wünschen, hinzufügen, daß ich mit Ihnen, Dr. Simon, überzeugt bin, daß dies ein sehr wichtiger Passus in meiner Resolution ist, daß wir nicht weniger als 25 Besprechungen über diese Angelegenheit hatten, und daß jede der am Aufbau Palästinas Interessierten Gruppen den ernsten Wunsch gezeigt hat, an der gemeinsamen Arbeit tcilztmchmcn und den amerikanischen Juden In dieser Frage eine geeinigte Front Voranschlägen. Mr. MarshaH: Wünscht jemand noch eine Frage zu stellen oder einen Zusatz einzuliringen? Wenn nicht, so bitte idi diejenigen, die für den Antrag sind, Ja zu sagen; wer dagegen ist, Nein. Der Antrag ist einstimmig angenommen. (Beifall.) Ich werde mich jetzt sehr freuen, weitere Erklärungen über die' Frage der Agenev oder eine Resolution zu hören, die vielleicht jemand zu dieser Frage cinbringen will. Dr. Solls-Cohen: Herr Vorsitzender, wenn ich darf, möchte ich jetzt etwas sagen. Ich möchte In ein paar Minuten vorschlagen, daß ein Komitee eingesetzt wird usw. Aber ich möchte nicht als Mitglied dieses Komitees bestimmt werden, (Heiterkeit.) Wenn es nötig ist, daß teil mich nls Zionist oder Nirhtzionist vorsteile, so habe ich nur zwei Worte, um cs zu tun: Ivri anochl. Das Ist die Plattform, von der ich möchte, daß jeder den Vorschlag der Agenev betrachtet. Die Agency besteht, das britische Mandat bestellt, «ins Ist wieder und wieder gesagt worden, es Besteht, ohne daß wir clwas tun, ohne daß wir eine Wald haben: es ist da. Nun Ist die ganze Frage, ob die Verwailtuig Palästinas als einer hriiischcn Kolonie auf Grumt des Mandates auf die Verwirklichung d״r auf Grund der BaUour-Deklnmtion gemachten Zusagen zielen soll, ln Palästina eine Heinisfälte für die luden nt schaffen, die dort!dien wollen, die dort iltr Leben und Ihre Kultur und ihre Reti״io1! entwickeln wollen. Wenn keine Jewish Agenev׳ mit der hriiischcn‘ Verwaltung zusamnienirheltet, können die Engländer |ede Verantwortung für die Wohlfahrt der jüdischen B e vö lk e rttn g, für die Zulassung jüdischer Einwanderer und für die Entwicklung jener. Kultur Im Palästina, die nileln die Juden der Welt mit Ihren Brüdern in Palästina vereinigen kann, ahlehnen. Die Frage, oh die Zukunft eine verschiedene politische Destallung mit. sieh bringen wird oder nicht, hat damit nichts zu tun. Wir haben mit der Gegenwart, mit «lern Heilt« zu schaffen; nicht mit dem Gestern und nicht mit der fernen Zukunft, Wenn also die Agenev bestellt, und wenn die Armnev. mit der britischen Verwaltung Zusammenarbeiten muß, geht die ganze Angelegenheit auf die sehr einfache Frage hinaus, ob die Agency jetzt einen Teil des jü- «Ilse 11 cu Volkes oderoh sie das ganze Jüdische Vo 1 k. ve rt ret e!1 soll. Der Teil des }{Mischen Volkes, der die Agenrv beule!11 der Hand bat, kommt m dem Rest und sagt: ״Kommt zu uns, kommt nt uns auf der Grundlage der Glelrtiliererlillgiing ln Beratung und Voll* macht. Gebt 1ms euren Rat tmd eure Hilfe,'' Können wir .1 fs 1 in!e 11 diesem Appell unsere Ohren verschließen? Und ich spreche Jetzt vom Standpunkt eines Mannes, der, wie Immer seine frühere Zugehörigkeit gewesen sein mag, heute außerhalb der Zionistischen Organis.ation steht, der. auf Grund der politischen Frage ans der Zionistischen Organisation austrat, weil er glaubt, daß die luden In Amerika amerikanischer Zugehörigkeit und die luden in England englischer Zugehörigkeit und die Juden überall loyale Bürger der Staaten sein sollen, wo sie wohnen, (Zwischenruf Dr. Weizmann»! Das wollen auch die Zionisten.) Dr. Solls-Cohen (fortfahrend): Da Ich aber auf diesem Standpunkt stehe, snrcchc Ich als einer, der außerhalb der Zionistischen Organisation steht und sage: Ich glaube, daß die Nichtzionkten ihr Ohr der Stimme nicht verschließen dürfen, die sagt: kommt und helft uns, das HeiliVc Land nufbnucn, kommt und helft 1ms, daraus ein Land der Sicherheit für unsere Brüder zu machen, * kommt und helft uns, es zu einem strahlenden Lieht für die ganze Welt, zu einem strahlenden Licht der Kultur, der Wahrheit, des Glaubens, der Menschlichkeit zu machen. Das!st der Appell und das Ist die einzige Frage, die vor uns stellt. Iin scpiiardisrhcn Ritual für Rosch haschnnah fst ein schönes und rührendes Gedicht von Ahraham Kaznr, das das Elend des jüdischen Volkes in der Welt darstclit und davon spricht, daß die Jahre des Kummers Ihrem Ende nahen. Die letzte triumphierende Strophe möchte ich auf die heutige Versammlung an wenden: ״Sekt stark und gläubig, harret mit Geduld, Das Uchel endet, trauet auf den Fels, Sein Binid Ist sicher. Frieden Ist sein Teil, Er führt euch zlonwärts und spricht zu euch: ,Auf, auf, macht für den Menschen frei den Weg*. Begönne heute doch ־dies selige Jahr.“ Mr. MarshaH: Ich freue mich sehr, daß wir heute hier einen Vertreter von Cincinnati, Herrn Oskar Ber* man, haben. Ich bitte ihn, das Wort aai eigrcticn. Mr. Berman: Ich habe all dem, was gesagt wurde, nichts hinzu/ufügen und ich weiß wirklich nicht, warum ich aufgemfen werde. Mr. Mnrshnll: Wir möchten, daß die Versammlung Sie sieht (Heiterkeit.) Mr. Berman: loh will nicht sagen, ob Ich Zionist oder Nichtzionist bin, sondern ich möchte nur ein paar Worte sagen, und urteilen Sie dann selbst. Ich bin in Cincinnati, ich bin oder ich war in Cincinnati Obmann des Keren Hajessod und bin auch Obmann der Palcstiiie Development Leaguc. (Heiterkeiit.) Ich bin Mitglied des Ausschusses des Hehrew Union College und auch ein Mitglied der orthodoxen Talmud Thora. Sic können sich vorstellen, ob ich ein reformierter Jude oder ein orthodoxer Jude hin. Ich bin Schatzmeister des American Jewish Relief und Schatzmeister des Central Relief, (Heiterkclt.) Ich überlasse cs jetzt Ihnen, zu sagen, was ich bin. Aber ich will sagen, daß ich Jude bin und Zionismus und Judentum gehören zusammen, ob' wir wollen oder nicht (Beifall). Was die Jewish Agency betrifft, so möchte ich sagen, was ich in Cincinnati bei einer Versammlung gesagt habe, wo Dr. Weiztnann anwesend war. Solange sie Jewish Agency heißt und wir luden sind, ist es unsere Agency, ob wir wollen oder nicht. Und da cs unsere Agency ist, müssen wir dafür sorgen und das unsere dazu tun, daß sic In Ordnung ist; sonst fällt es auf uns zurück. Heute ist hier vieles gesagt worden, was richtig ist, und einiges, was unrichtig ist. Einige haben die Frage gestellt, ob Zionismus einen Juden Staat bedeutet oder nicht. Ich glaube nicht, daß wir heute darüber sprechen können. Niern.uid erwartet in der nächsten Zukunft einen Judenstaat Und wenn von heute ln fünfzig Jahren einer da sein wird, wenn zwei oder drei Millionen Juden in Palästina angcsicdclt sind, wird jeder, der sagt, er aolltc nicht bestehen, die Juden ebenso gröblich beschimpfen, wie irgendein antisemitisches Hetzblatt cs tut. Niemand kann sagen, daß zw׳ci oder drei Millionen Menschen, die in 25 Jahren in Palästina leben werden, nicht fähig sein werden, sich selbst zu regieren, und das ist auch nicht die Frage, die heute zur Entscheidung steht. (Beifall,) Mr. Marahall: Ich will die Resolution vorlcsen. Die Jewish Agency ist eine Agency der Juden und nicht der amerikanischen Juden. Der Gedanke Ist doch, daß die Juden anderer Länder ebensogut wie die Juden von Amerika etwas hincinzuredcn haben. Darum ist die Frage natürlich so weitreichend und umfassend. Wir sprechen von unseren eigenen Ansichten über die Wünschbarkcit einer Zu* sammenarbeit der Juden in den Vereinigten Staaten mit anderen in dieser Agency. Daher soll cs heißen: ״in Anbetracht dessen, daß das Palästinamandat des Völkerbundes in Artikel 4 Vorsicht, daß die Zionistische Organisation die Mitarbeit aller Juden bei der Durchführung der Bestimmungen des Mandates sichern soll, und in Anbetracht dessen, daß die Zionistische Organisation.vorgescliiagen hat, daß Nichtzionisten Mitglieder der Jewish Agency werden sollen, wird beschlossen, daß die Annahme dieses Vorschlages in dem Sinne empfohlen wird, daß die Agency repräsentativ für das ganze jüdische Volk wird, und wird weiter beschlossen, daß der Vor- , sitzende ein siebcnglicdriges Komitee mit dem Rechte, weitere zu kooptieren, cinsctzcn soll, um mit der Zionistischen Organisation und anderen Körperschaften zur Ausarbeitung eines geeigneten Planes für die Durchführung dieser Aufgabe zu beraten.“ Ich glaube, es wäre vielleicht gut hinzuzulügen, daß dieser Pinn, bevor man Schritte unternimmt, einer neuen Zusammenkunft dieser Konferenz vorgelegt werden »oll, damit die ganze Sache sorgfältig geprüft wird, wenn der Plan ausgearbeitet ist. Dr. Landmnnt Herr Vorsitzender! Angesichts der Tatsaclic, daß eine Anzahl von Herren besonders aus dem Mittleren Westen, die zu dieser Konferenz cingcladcn wurden, die Einladung des Komitees nicht annchmen konnten, weil sie mit Bezug auf die Jewish Agency und mit Bezug auf das künftige zionistische Pogramm der Ansicht waren, die Dr, Frankel ausdrückte, würde ich Vorschlägen, daß Dr. Wclzmann, da er hier ist, den von Dr. Frankel berührten Punkt aufninunt und ihn für uns und alle andern aufklärt. Mr. Marshall 1 Ja, Ich würde cs für sehr erwünscht halten, Dr. Weizmann zu einer Erklärung das Wort zu geben. Dr, Weizmann, kommen Sic bitte herauf, und geben Sie die Ihnen zweckmäßig scheinende Erklärung auf die Frage von Dr. Landmaii. Ich nehme an, daß jeder, der Dr, Weizmann etwas fragen möchte, das Recht hat, es zu tun, um di« ganze Angelegenheit vollkommen klarzustclien. (Fortsetzung folgt,) Busseln und Abdallah x Der Korrespondent der ״Voss. Ztg.“, Dr. Wels!, interviewte in Jerusalem Gunnar Sommerfeld, den Chef der dänischen P a I ä s t i n a E x p c d i t i o n, nach seiner Rückkehr von der Sinai-Halbinsel. ,,Das ganze Oeblct des Ostjordanlandes, das ich durchquerte, Ist heute vollständig vernachliissigt und fast menschenleer. Bel den ,heißen Quellen' z. B., die mit einem Dampfboot in kürzesier Zeit von Jericho aus zu erreichen wären und die einst das Zentrum des ganzen Landes waren, hausen nur ein paar Nomaden in ihren Zelten. Und das prachtvolle Ackerland, das in biblischen Zeiten Palästinas Millionenbcvölkerung verproviantiert hat, liegt heule brach. Wenn moderne Menschen und Geld nach Transjordmien kämen, dann müßte dieses Lind trotz seiner relativ geringen Regenmenge landwirtschaftlich mit meiner Heimat Dänemark konkurrieren können, so fruchtbar ist der Boden, der heute kaum eine viertel Million Mensehen kümmerlich ernährt. Leider hält Emir Abdulta, der Regent von Transjordnnien, nicht viel davon, den Beduinen moderne Laridwirtschaftsmelhodcn zu lehren; ,sie sollen bleiben wie sie sind‘, meint er. Und so wird Trans- Jordanien wohl noch einige Zeit auf seine Auferstehung warten müssen. Ist Emir Alxlulla durchaus konservativ, so ist sein Vater, König Hussein, durchaus modern; ein ganz großer, edier Mensch, von seltener Klugheit und hervorragendem politischen Verständnis, ein Mann, wie ich ihn noch selten gefunden habe. Seine Proklamierung zum Kalifen, bei der ich und mein Assistent als die einzigen Europäer anwesend waren, war ein außerordentlich feiner Schachzug, denn dadurch wurde König Hussein politisch von Eng*!and völlig unabhängig (? — Red. d. ״J. R.). Als Oberhaupt von 300 Millionen Mohammedanern kann er ganz anders auftreten, als es der König der Hedschas vermochte. König Hussein ist geistig unstreitig der wettaus bedeutendste unter allen Männern seiner Umgebung; er ist großzügig und möchte am liebsten Arabien• Tore den Europäern weit öffnen, wenn er nicht den Widerstand »einer Umgebung furchten müßte,“ 1,

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