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Jüdische Rundschau · 1924-05-09 · Heft 37 (9.5.1924) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 37 (9.5.1924)
Date
1924-05-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 270 Nr. 37 Simon Bernfeid. ספר הדמעות Sefer hadmaolh Jhcbräisch). . .Verlag Eschkol, Berlin 5634. Seit Jahrzehnten kennt und schätzt man Simon Berntcld .118 einen fruchtbaren und geistvollen Forscher der jüdischen Wissenschaft, der für Reim,: nciicsle Schöpfung פשר הדמעות mit Recht auf die aufmerksamste Ifcniiiitmg aller für sein Stoffgebiet interessierten Kreise rechnen darf. Durch den hohen aesthctir.clien Genuß, den die Lektüre diese« in ki.issihdiem 111 hr,Üsdt;;eschrichciicn Werkes gewahrt, kommt die Umfassende 1 iierntuiknintms des Verfassers, sein tiefes Ein* dringen in die behandelten Probleme und sein gediegene:; Urteil über literarische und historische Tatsachen zu voller ^iikrnig. ,Wie der Name ries Werkes: 13,ח,! ^ספר הדמעות Buch der Tränen“ schon vermuten läßt, sieht cs ein Marlyrolo* gimn des jüdischen Volkes dar. Es schildert uns'die Leiden, .Qualen und die Verfolgungen, die unsere Vorfahren um ihres Glaubens willen seit den Zeiten des Antiochus Epiphanes bis Zur neue!.Im (icschidit.sprriodc erdulden mufften. Der erste jcti'.t vorliegende B.iml umfaßt du• Zeit bis zur Vertreibung der Juden au׳» England, also bi•; EHE Die lhr.tellun״ beginnt mit einer imgcimiit inleres.״nnt u,!d fesselnd geschriebenen 1-iiileitmig, tu der der gelehrte Verfasser die psychologischen, ökonomischen, politischen, und religiösen Momente in ein* {gehender Weise erörtert, die den Judeuhaß erzeugt und unterhalten haben. Sie beschränken sich manchmal nur auf einen kleinen Meid, etwa auf die Insassen eines Klosters, eines Internats usw., und erlöschen bald wieder. Aber iii.inclimal verbreiten sie sich dann epidemie,artig auf weitere ,Volk• kirn c und erstrecken sich auf Jahrzehnte. Be ruf cid ist bestrebt, bei seiner Erzählung der Er* eignisso möglichst objektiv zu bleiben, was um so mehr an* «!erkennen ist, als die Darstellung der fürchterlichen Ercig* nisse, die er zu berichten hat, überall bekundet, wie sehr das mitfühlende jüdische Merz hierbei mit erregt und er- :liffcn worden ist. Audi in diesem Sinne kamt sein Werk mit (echt als ein בסר הדמעות bezeichnet werden. Besonders interessant wird uns das Buch auch dadurch gemacht, daii der Verfasser uns hier zeigt, welchen Eindruck die schrecklichen Ereignisse auf die zeitgenössischen Dichter gemacht, und wie diese ihre Empfindungen poetisch zum!Ausdruck gebracht haben. Viele von diesen dichterischen Darstdhuigctj und Ergüssen sind uns ja allen aus unseren קינות u. פיוטים. פדיחות bekannt. Aber Bernfeid übermittelt uns liier auch in dankenswerter Weise die entsprechende Kenntnis uns anderen Riten, sowie auch solcher Diclumigeii, die ver* borgen in einzelnen Zeitschriften und Bibliotheken sclilum* inern. Selbstredend konnten nicht alle Dichtungen dieser Art hier Aufnahme finden. Es mußte eine Auswahl getroffen werden, zunächst nach ihrem literarischen Werte. Hier batte Verfasser meinem Geschmncke nach — de gustibus non *st disputandum — nicht immer eine glückliche Hand. So z. D. zeichnet sich die Kinait (Seite אלא בני ונהי ואומר אויה (צ״ט weniger durch ihre poetische Schönheit als durch die unbe* liolfcne, hebräische Ausdrucksweise aus. Ein wahrer Dichter;wird sich nie dazu herbcilasscn, Worte, sogar Eigennamen, zu •verstümmeln, um sie in einen Reim zu zwängen. Wie anders wirkt z. B. die von R. Kalony mos b. Jizehak verfaßte klassisch vollendete und in ihrer ergreifenden Schönheit ge- ■radezu erschütternde Kinah מי יתן. ראש' מים (Seite ר״ג) oder die formvollendete Elegie von R. David, b. Meschullam אל, אל דמי לדמי Bei der Auswahl der historischen Berichte, die 3ms die Alten überliefert haben, fehlt im Werke manchmal die notwendige Unterscheidung zwischen Geschichte und Sage. Seite ק״צז z. B. bringt den Bericht aus üittin, daß cs in Reihar 400 Schulen gab. Jede sollte 400 Lehrer beherbergt und jeder Lehrer 400 Schüler unterrichtet haben. Das ist natürlieh eine märchenhafte, echt orientalische Ueberlrcilmng. Denn das kleine Nest Betliar, das kein Geograph des Altertums keimt, müßte dann 4(1 Millionen Schüler — also mehr als des Deutschen Reiches Einwohner -־ gehabt haben. Daß der Verfasser die schwierigen Stellen der von ihm reproduzierten Dichtungen wenigstens mit einigen Worten erläutert, ist sehr dankenswert Er setzt freilich bei seinen Lesern eine eingehende Kenntnis des תנ״ך voraus und folgt deshalb nicht dem Beispiele von Heiden hei in. Beer, Sülfeld 11. a, die hei allen 1'm Musivstii üblichen biblischen Zitaten stets aut die entsprechende Quelle hingewiesen haben. Ob aber jeder Leser auch in der Midraschliteratur so genau orientiert ist, dal! er z. B. weift, worauf R. David b. Mcschullam in der oben erwähnten קינה mit den Worten צדדי מנהות כמה עשרוני מוחים hindcutct, das möchte ich dem! doch bezweifeln. Bei der Besprechung der Agada von den עשרה היוני מלכות bezeichnet cs Verfasser als einen הידוש מפליא wenn er* zählt wird, daß ein römischer Kaiser sich in eine Diskussion mit einem jüdischen Gelehrten wegen der Auffassung einer Stelle in der Bibel eingelassen haben soll. Tatsächlich aber stehen solche Berichte im Talmud nicht ganz vereinzelt da. Bekannt sind ja die entsprechenden Kontroversen zwischen רני und Kaiser Antonius Pius (oder Marc Merel), die mit* i'jnamli'i• Intim heircimdet gewesen sein r.olh'ii. Da wild nurh berichtet, dal) sie einmal gestritten Indien über die richtige Auffassung eines Ausspruches des Propheten “עובדי Bel den nicht 7.U verkennenden großen SdiwierDkeiten der Arbeit hat der geschätzte Verfasser mit diesem ״Buche ein schönes und dankenswertes Werk geschaffen. Es verdient die weiteste Verbreitung und müßte ein jüdisches Volksbuch werden. Sem größter Vorzug, daß es nämlich hebräisch geschrieben ist, bildet dagegen leider bei uns ein Unüberwindliches Hindernis. Hoffentlich erscheint das Buch bald in deutschem Gewände. Freilich würde es von seiner .Ursprünglichkeit viel verlieren und mit Recht sagt Sirach: ״Das in hebräischer Sprache Geschriebene hat eine ganz andere Kraft, als wenn cs in eine fremde Sprache übersetzt ist.“ Hamburg. * Dr. Emanucl Fink. Dr. N. M. Gelber. Die Juden und der polnische Aufstand 1863. Verlag R. Löwit, 1923, S. 235. Dieses Buch enthält einen überaus wertvollen Beitrag Zur Geschichte der Beziehungen zwischen Polen und Juden’ eines Problems, das ja bis zum heutigen Tan׳ an Aktualität nichts ״״gebüßt hat. ־ Der polnische Aufstand von 1863 ist für den jüdischen Historiker wegen der ״jüdisch-polnischen ,Verbrüderung“, der Rcformvcrsuchc des Marquis Wielopolski Und der damit zusammenhängenden Ereignisse von besonderem Interesse, ' Dr Gelber, der sich durch Archivforschungen über die Geschichte der Juden in Polen bereits Verdienste erworben hat hat zum gleichen Teile auf Grund unbekannten Materials diesen wichtigen GcsciiiehLsabschnht dargestelit. Von besoliderem Werte sind die Beilagen und Dokumente, die über Viele Probleme und Persönlichkeiten neues Licht verbreiten J. M-. ‘ JÜEDISCHE RUNDSCHAU Aas ׳der jn5irclr.cn l’/clt Cir»£ -Tfi'i'.'.el Einer (urtdi nicht bestätigten) Meldung .*1113 Jaffa zufolge, soll dort Mendel Belli», nach dem der Kiewer RitualiiioriljHo/cil im Jahre 1913 seinen Namen erhielt, gestorben :,,•ui. Nach :,emer Freisprechung übcrsicdclto Deilit mit seiner Familie nach Palästina. Der Mutti von Jerusalem, H aj A m i n et Hu Meinl, .ist nun Vertreter Palästinas zu rftnn Council des Kalifat«, «las von K״ni״ Hussein eingesetzt wurde, ernannt worden, Heber die’am 21. April auf dem Makknbi-Platz in Bet. 11.11,־cich eri!Hilfteu jüdischen Sport5p»leie ist zu belichten: Auf drn den Platz umgebenden Hügeln hatte »Ich eine etwa rfotlo Köpfe zählende Zur.chaticrmenge versammelt, 1 leihen Samuel liehst Gemahlin, sowie Mr, und Mrs. Edwin Samud und Mr.!!entwich waren zugegen. Unter den Anverenden bemerkte man auch Uf>sischkin, Bialik, David Y eil in und Col. Kisch, Sir Herbert Samuel hielt die Eröffnungsrede in Hebräisch. Der po!!mdm Abg. Dr. Simon Fed t. fbu s eh!st ln Icrumlem eingrtroffen, um ein Gebiet von 10000 Dunam idr eine mI *rachUti6ehe Kolonie tu erwerben. Am 3. Mai starb in Jerusalem der Znddik von Droh« bi er, Rabbi Chaim Schaplro, der seit einiger Zeit seinen Wohnsitz in Palästina genommen hat, Er war ein tjiiliusiaatir.clicr Anhänger der zionistischen Be wegu 1! g und genoß in allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung Palästinas große Verehrung, ln Galizien und Polen war’der Verstorbene als ״Rabbi C11 e i m e I“ eine r.;hr populäre und fast schon legendäre Figur. Er betrachtete es als die Hauptaufgabe seines Lebens, Frieden zwischen den jüdischen zionsfrcundlichen Gruppen zu stiften, Deutschland 11! dem ßl.'idtrhen Dränsmold In der Nähe Dötlingen* hat die völkische Jugend in den letzten Tagen wiederholt J title nk r a wn l!c inszeniert. Vor den Häusern der jütliscltcu Einwohner fanden bedrohliche Zusammen* rotti! ngen statt. Mehrere dieser Häuser wurden beschäciigt, die Einwohner schwer belästigt, ln einer der letzten Nächte drang ein Trupp in den jüdischen Friedhof rin und beschädigte zahlreiche Gräber. Dreizehn jüclisehe Gräber wurden vollkommen zerstört, die Grabsteine In Stücke zerschlagen. Die jüdische Gemeinde hat auf die Ermittlung׳ der Täter eine hohe Belohnung ausgesetzt. Sie glauben jetzt machen zu dürfen, was ihnen behagf, die ״blonden Bestien“, die völkische Herrenrasse der Weltgenestmg. Feig, wie immer, tobt das seinen Mut an verängstigten Juden und Grabsteinen aus. Tote Juden sind nämlich für dieses Gesindel die geeigneten Gegner. ׳Jtaücn Der Ilf. Internationale Soziologenkongreß unter dem Vorsitz des früheren Ministerpräsidenten Luigi Luzatti (der bekanntlich Jude ist) hat au seinem letzten Sitzungstag ein* stimmig die folgende Resolution angenommen: ״ יDer Kongreß, der eine geziemende Aufmerksamkeit denjenigrn nationalen Minderheiten zuwendet, die keine staatliche Organisation hinter sich haben und darum ganz besonders den durch alte Rassen- und Rellgionsvorurtcile hervorgerufeneii Willkürlichkciten nusgesefzt sind, verlangt von allen Regierungen die absolute Achtung der den Schutz der nationalen und religiösen Minder* lieitcn betreffenden Klauseln in den internationalen Ver* trägen; wende( sich auf Grund.der Prinzipien der menschlichen Pflicht gegen jedes Regime, das a!1 d e r s r a s s i g e Bürger in eine untergeordnete Stellung zwingen oder ihnen die den anderen Bürgern zustehenden Reciite versagen will; betont mit besonderem Nachdruck, daß die Einführung des ״Nu* merus clausus“ an den Universitäten (ganz gleich von welcher Autorität dies ausgeht und in welcher Form das geschieht) ein Attentat auf das primärste und unverletzlichste Recht jedes Menschen dar* stellt, auf das Recht nämlich, Wissen zu erwerben, den Geist zu kultivieren und am Fortschritt der ganzen Menschheit niilzuwirken, indem er an der Arbeit der modernen Kultur teilnimmt.“ Das Komitee der jüdischen Delegationen ln Paris war durch Professor Bo 11a Ventura von der obersten Studienansfalt in Florenz vertreten, der ein Memorandum über die Rechte der jüdischen Minderheiten und das Problem des Numerus clausus vorgelegt hatte. Am 15. Mai findet in Rom eine internationale Konferenz für Emigration um] Immigration statt. Die Jüdische Weithin*• kuiifeicnz, und das Vereinigte Komitee für jüdische Aus- Wanderung JEmigrations Ii.rektoritmi) werden durch ihre Delegierten 7״ Aberson und S. Temkln vertreten sein. . Die Zeitung .,Mezzogiorno“ in Neapel veröffentlicht cm Interview mit Maxim Gorki, der sich zurzeit In Sorrent aufliält. Der russische Schriftsteller äußerte sich, die in Europa verbreitete Meinung, daß die russische Revolution von Juden vorbereitet und d u r c h g e f ü h r t wor* den sei, beruhe auf Unwissenheit, Ule Revolution Ist von eiliten Ru׳.:,ou wie Bakunln, Krapotkin und Desto* i e \v s 1; i vorbereitet worden, Die ״Protokolle der weisen von Zion“, sagte er, ״seien idiotische Phantasien. Der Prozentsatz der Juden In den hohen Staatsämtern und im Staatsdienst stimmt nicht mit dem überein, was darüber in Europa gesagt wird. Unter den 14 Volkskommissaren sind 11 Russen, 1 Georgier und 2 Juden. (Der ״Mezzogiorno“ wird von dem «nlisrmitischen Publizisten Don Prezioso geleitet, der die heiürhligten ״Protokolle“ in Italic« verbreitet hat und dafür mit Gefängnis Bestraft wurde.) Ruantand Wie dem J. T. A.-Vertreter milgeteilt wird, habe« Joint Distribution Committee und J. C, A. bereits ilire Bereitwilligkeit erklärt, das Projekt der Kolonisierung der brachliegenden Gebiete der Krim durch j ü - disc 11 c Siedler materiell zu unterstützen. Einer der I iaiiptinitiaioren des Krim-Projektes, der frühere Leiter der Joint-Arbeit in R-ußlaml, Dr. Rosen, ist bereits von Moskau nach Paris abgereist. In Paris wird nämlich Anfang Mai eine gemeinsame Beratung!.wischen leitenden Persönlichkriten des Joint und der len, sowie Vertretern anderer an der Krim-Kolonisation interessierten Körperschaften statt, finden. Eier Direktor des Joint Distribution Committee in Ruß- Dr. Joseph Rosen und der Direktor der Ica Lev .Zack sind am 3, Mai nach Paris abgereist, wo sie an der dort stattfindenden Konferenz über das K r i in - K o 10 n i sations-Projekt tcilnehmen werden. Herr Julius Goldniann aus New York wird das New Yorker Fuuptbüro dea Joint Distribution Committee vertreten. Die jüdische Sektion der kommunistischen Partei in Minsk hat die Bibliothek der berühmten Jesehlwa von Völ oszin für die Stadtuniversltat beschlagnahmt. Die Voloszincr Jeschiwa wurde im Jahre 1803 von Ch’ajtn ben Solomon, einem Schüler des Oaon von Wilna, gegründet. Die Zensur hat den Druck der russischen Uebersetzung der Werke des hebräischen Dichters Salman Schneur verboten. Der Tempel über dem Grabe das Rabbi Eisei Epstein in Home!, Schülers des berühmten ״Zcniach Zedck“, wurde in einen Stall für die Pferde des in Hömel stationierten Kavallerie-Regiments tiingcwamfcjf. Die jüdische Gemeinde hat ein ProtcTtelegrimm an die Sowjet-Behörden in Moskau gesandt. Das Kiewer Departemenisgeridit verurteilte den früheren Agenten der Odessaer Tsclicka, Privalow, zum Tode, weil er als Offizier der Demkin-Armee an dem Pogrom ln T sche rk a ss1 hervorragend beteiligt war. Aus Leningrad kommt die Meldung, daß cs dem jildisehen Gelehrten Dr. Manilow gelungen sei, eine Blut* probemethode auszüarbeilen, mit welcher, wie er behauptet, nicht nur vorgeburtlich das Geschlecht dea Kindes, sondern auch die. Rassenzugehörigkeit eines Menschen bestimmt werden kann. Die Lenlnprader Wochenschrift ״Nauka l technika“ (2. Julirg. Nr. 13, 1921) meldet darüber folgendes: ,+ ,, Durch die allerletzten Versuche, die in gleicher Richtung mit menschlichem Blute angestellt wurden, ist es Dr. Mani* low gelungen, feslzuslellen, daß die R a * s e n u n t e r - »chlede im Blut der Menachen anschaulich bestimmt werden können mit Hilfe chemischer Fatbenresktionen mit dem Blut. t So erfolgt bei Einwirkung hestlmmler Farben eine verschiedene Färbung des Blutes von Negern, vo« Europäern, von Russen, von Juden (Hebräern) usw. . . Die genannte Wochenschrift schließt: ״Diese überaus interessante Entdeckung, die von Dr. Manilow zurzeit sorg* fähig durchgearbeitet und verifiziert wird, hat neben dem rein theoretischen Interesse, eine große gerichtsmedi* zinisehe Bedeutung.“ (Z. B. zur Feststeilung, von welchem Menschen Bhitspuren stammen u. dg!.) Die Berliner ״Rote Fahne“, die diese Meldung wiederholt, knüpft hieran die Bemerkung, daß nun den Völkischen eine Hand* habe gegeben ist, durch Blutprobe die rein »rische Abstammung festzustellen. Dieses Glück, meint die kommunistische Zeitung, dürfte aber den Völkischen da* durch vergällt sein, daß diese Erfindung der Rassenprobe gerade vo» einem Juden stammt. Battlnthe Edlndcr Auf Grund der letrlen Volkszählung beträgt die Bevölke* rung Esthlands 1101377 Seelen. Unter ihnen sind 4566 Juden, d, s. 0,4׳• der Gesamtbevölkerung. Professor Dr. Carl Ballod der früher eine große Rolle innerhalb der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands spielte, hat, seitdem er Professor in Riga geworden ist und seinen Namen in Baiiodis abgeändert Hat, wie J. T. A. meldet, eine eigenartige Wandlung durchgemacht. Er ist (ftzt einer der ׳Führer der rechten nationalen Jugend. Am 1. Mai hielt Professor Baiiodis im Rahmen einer von den rechtsstehenden lettischen Parteien veranstalteten Diskussion über ״Nationalismus“ eine antisemitische Rede. Er vvarl den Juden in Lettland vor, sie hätten 90 «;0 von Handel und Industrie in Lettland in ihre Hände gebracht. Er forderte die lettiändkchcn Unternehmer zu einem Zusammenschluß gegen die ״jüdische Vergewaltigung“ auf. Ballod war bekanntlich auch Vorsitzender des früheren ״Pro-Palästina-Komitccs“. Das Mitglied des lettischen nationalen Klubs, Krews, der vor kurzem den jüdischen Deputierten des lettlämiischen Sejms Professor Lasersohn in der Nacht auf offener Straße überfallen und mißhandelt hat, wurde zu drei Monaten Gefängnis verurteilt, Rumanfen In der Bukowina existieren gegenwärtig 27 jüdische Volksschulen, in Beüarabicn 33. Interessant ist, daß in Czernowltz auf je eine jüdische Schule 410 jü* dische Kinder und auf je eine rumänische Schule 115 rumänische Kinder gezählt werden können. In Beliarabien kommen auf je eine jüdische Schule 5600 jüdische Einwohner, auf je eine rumänische Schule 1600 rumänische Einwohner. Frankreich Am 16. März fand *in Paris Im Großen Saal des Hotels Byron eine Konferenz der in Paris wohnenden Angehörigen der jüdischen Sekte der Karäer statt. Hfrflm d«e der emigrie* Nach einer vom New Yorker Arbeits-Departement herausgegebenen Statistik über die Einwanderung in der zweiten HäÜte 1923 kamen in dieser Zeit in Amerika 30 858 Emi* granten aus Polen an, darunter waren 58 Polen, S ״ö Ukrainer, 37 <y# Juden, der Rest Deutsche und Weißrussen, Daraus ist zu ersehen, daß sich im Vergleich zu früher die Zahl der emigrierenden Polen vergrößert, renden Juden aber verkleinert hat. Die neue Johnson-Bill bevorzugt die westeuropäischen Länder und benachteiligt gerade die Länder der jüdischen Emigration: So durften aus England nach dem bisherigen Gesetz jährlich 77 432 Personen einwandern, jetzt 62 558, Aus Deutschland bisher 67 697, jetzt 50 159, Dagegen dürfen fetzt «us Polen nur!!:72 Personen entwanden!, während nislier die Quotenzilfer 31)979 betrug. Aus Rußland bisher 24 403, Jetzt nur 1792 Pfisonen. Aus der Tschechoslowakei bisher 14457, jetzt 1573. Aus Rumänien bisher 7419, jetzt nur 631. Aus Jugoslawien bisher 6126, jetzt nur 735. Aus Ungarn früher 5747, jetzt nur 4SS. Aus Lit«uen früher 2622. jetzt 303. U einer der letrte« New Yorker K«*grefisitzu»ge« wurde über das Offert Hearv F• rd s wegen Ueherlassiing der Wasserkräfte von Mtuele Shonls verbandest. Im Laufe der Debatte sprach lieh der Vertreter von New York, La Guardia, »ege« de» Plan aus und erklärte, daß, abgesehen von de« unannehmbaren Cinzelbrdingungen, die Ford stellt, dieser Mann auch politisch und moralisch ungeeignet sei, auf ein so gigantisches Unternehmen, wie das in Frage stehende ist, den «!!einigen Einfluß zu besitzen. Würde man das Angebot Fords genehmigen, so würde der Kongreß den größten und skrupelloseste» Antisemiten zum Industriekönij״ Amerikas erheben. Dss wäre die größte (jefahr für die Demokmlie, Auf eine« Zwischenruf eines Anhängers von Ford, daß aus dem Redner der Haß gegen Ford spreche, er* widerte La Guardia, daß Henry Ford der Großzüchter des Masse* unter den Nationen und Rassen sei. Wen« jemand es sieh zum Lebensziel gemacht habe, Haß zu säen, so ist es Henrv Ford. Das Beklagenswerteste dabei ist je* doch, daß der Haß Henry Ford* gegen die Juden auf seine unglaubliche Unwissenheit und seine Unkenntnis der Geschichte und der Bedeutung des Judentums zurückzuführen sei. Seine Unwissenheit, die so groß ist wie seilt Reichtum, ist schuld daran, daß mit «einen finanziellen Mitteln nicht nur in Amerika, sondern auch in Europa ein schändlicher Kampf gegen das Judentum geführt wird. Di» U»wi3senheit und der grenzenlose Judenhaß Henry Fords sind die Uiaaehe mancher Pogrome und Ausschreitungen gegen unschuldige und hilflose Juden. Der Kongreß habe die Pflicht, bei seinen Be- Schlüssen auch moralische Rücksichten zu üben. \

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