Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 37 (9.5.1924)
- Date
- 1924-05-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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.1 I Nr. 37 cn dem er angegangen worden wir, die Sache im Ministerrat vor, Fr wurde beauftragt, einen ait'-prochcudai Gesotzcntwnrf nus/uarbeiten. Bei der nächsten Sitzung hielt *ler U 111 e r r i c 111 s m i 11 i sl er, der angeblich den Rabbinern seine Unterstützung für den!־'all der Initiative des jüdischen Ministers zugesagt hatte, eine durchaus gegnerische Rede. Interessant ist, daß er das Material dazu offenbar den Infor* :national der Rabbiner entnommen hatte. Er führte aus, daß nur die Schüler von höheren, von Spezial- und von Hochschulen Anspruch auf die Vergünstigung Eitlen. Das kathojisehc Seminar sei eine Hochschule, hingegen seien die Jeschiwoth illegal, da sic dem gellenden russischen Gesetz über Rabbitierscluilen nicht entsprechen. Sic haben keine Schul- Organisation, keine Klasseneinteilung, jeder wird aufgenoimucu ohne irgendwelche Vorkenntnisse und bleibt dort solange, wie es ihm beliebt. Auch werden die leschiwoth/öglinge in der Reget keine Rabbiner. Die Katholiken, die <)() <yö der Bevölkerung ausniachen haben ein Seminar mit 150 Hörern, die Juden, die weniger als S <V« der Bevölkerung sTnd, haben viele Jcschiwoth mit ׳einigen tausend’ Schillern. Dies hätten die Rektoren der Jcschiwoth ihm damit erklärt, daß die litauischen Jescluwotli Rabbiner für die ganze Welt vorbcreiten. Er könne aber nicht cinschen, warum soviel Menschen vom Militärdienste befreit werden sollen, damit fremde Länder mit Rabbinern versorgt werden. Darauf führte Dr. Rose 11־ hau nt ungefähr folgendes aus: Es sei unpolitisch, die. von Juden nicht anerkannten Rabbinerseminare und offiziellen Rabbiner nach dem russischen Rezept entführen zu wollen, Die Jcschiwoth seien eine gegebene Tatsache, die im Laufe der jnltrhumierte entstanden sei. Dies letztere erkläre auch, warum sie keine modernen Schidorgaimalioiien besitzen. Die Jescluwotli seien iliiem Wesen nach Hochschulen. Der Glaube, der Talmud sei nur ein Religionsbuch, sei irrtümlich, da die tnlmmlisrhc t.iteralur aus der Reügionslehre auch das kodifizierte jüdische Reell! (über dessen besondere Bedeutung für die Gegenwart tisw, Dr. Rosenbatim sich ausführlich verbreitelc) die jüdische Philosophie und Ethik umfasse. Dr. Rosenbatim gab auch eine Erklärung für die große Anzahl der Schüler der Jcschiwoth lind wies auch auf die politische Bedeutung der Tatsache hin, daß litauische Rabbiner 7. D, in Amerika Anstellungen finden. Das Ergebnis der Beratungen war, daß sich das Kabinett für nicht kompetent erklärte und *len jüdischen und den Bikhiiigsministcr beauf* tragle, die Frage endgültig 711 regeln. Nach Verhandlungen mit dem Bikluiigsminister wurde beschlossen, dal! die Jeschi* wollt, wenn ׳ sic irgend etwas wie einen Orgaiiisationspl.m mit irgend einem Sduilprogramni für die jüdischen Fächer verlegen und die Schüler hei ihrer Aufnahme ein Mindest* maß weltlichen Wissens, das etwas mehr als dom eines Absolventen der Volksschule entspricht, besitzen, wenigstens als Spezialschulen anerkannt und ihre Schüler bis zum 2t. Lebensjahr vom Militärdienst befreit werden sollen. Nach Beibringung eines Ältestes, auf Grund dessen sic einen Rabbinorposten übernehmen können, werden sie dann überliaupt vom Militärdienst befreit. Bis jetzt hat auch schon die Jcscliiwa von Tclschi einen Lehrplan eingcrcicht und Ihre Schiller sind infolgedessen auch vom Militärdienst befreit. Das ist die Wahrheit über die gehässige Verleumdung des jüdischen Ministers in Litauen, der nach agudistischen Blättern die Befreiung der Jcschiwothzöglingc vom Militär* dienst verhindert haben soll. rraucnorpnlsaHon ia Ercz-Israel Von unserer Jerusalemer Korrespondentin Am 23. März fand in Jerusalem eine Frauentag«ne statt, deren Wirkung auf die gesamte Frauenarbeit im Lande sich zweifellos noch fühlbar machen wird. Zum Verständnis dieser Tagung müssen wir folgende Aufklärungen geben: Vor drei Jahren wurde in Jerusalem eine Frauenvereiuigung 11״ i s t a d r 11111 11 a s c 11 i m i b r i o t h“ gegründet resp. eine schon bestehende Vereinigung dieses Namens unter der Leitung von Miß Szold aur.gcbaut. Im Hinblick auf die geradezu trostlosen Verhältnisse, unter denen die Frauen der sozialen Unterschicht Kinder gebaren• und unter denen diese Säuglinge ihre ersten Lebenslage verbrachten,!nachte sielt diese Frauengruppe. die Fürsorge für schwangere Frauen mul Säuglinge zu ihrer wichtigsten Aufgabe. Znni Grundprinzip wurde erhoben, daß nicht die übliche Wohl* tätigkellsnrheit mit Spciidcnvertcilungcn tisw״ sondern eine Erziehung der Mutier und Uebcrwachung ihrer Säuglingspflege geleistet werden müsse. Das wurde in der Weise bewerkstelligt, daß in jedem Stadtviertel einzelne Fraucnkomitccs gebildet wurden, die in ihrem Viertel die schwangeren Frauen besuchten, ihnen rechtzeitig Unterkunft im Hospital verschafften und sie später vernnlaßten, in rcgelmäßigen Abständen die Säuglinge zu den Säuglingsfürsorge- Stationen zu bringen und dort die notwendigen «ärztlichen Vorschriften enlgegeiizunebmen. Bald ergab sielt auch die Notwendigkeit, fiir verlassene Säuglinge, deren Mutter ge* sforben oder rettungslos krank war oder die nusgesetzt waren, 711 sorgen. So führte die Ilistadruth ein Adoptions׳ svst eni ein und brachte eine erhebliche Anzahl von Kindern bei Ziehmüttern unter. Aber auch Unterricht und Erzieitung der Mütter zum Verständnis ihrer Kinder fiel in den Aufgahenkreis der Organisation: in allen Stadtvierteln wurden hebräische Nachmittagskursc eingerichtet, die von jungen Müttern und Mädchen eifrig besucht werden. Letzthin hat die Organisation eine Stellenvermittlung eingerichtet, und nach Pellach wird eine Gruppe ihrer Mitarbeiterinnen die Basis zu einem Volks 11 eint im Bucharischen Viertel legen, dem dann andere Volksheimc in den übrigen Sladtvierteln folgen sollen. Das Beispiel dieser Frauenvereiuigung, die einen ganz neuen, wahrhaft sozialen Zug in die Frauenarbeit des Landes brachte, regte Fraucnkrcisc auch in anderen Orten an, und bald bildeten sich ähnliche Gruppen in Haifa, Tiberias, Safed, Rechoboth und e־dlk:lt auch T c l - A w i w. Nun erschien die Zeit fiir einen Zusammenschluß dieser verschiedenen Gruppen zu einem Landesverband ge-• kommen, und in einer Vcrtrctcrinnensitzimg (am 23. uml 24, März in Jerusalem), hei der Miß Szold den Vorsitz führte, wurde dieser Zusammenschluß zu einer ״Hista druth nasch im ikrioth be-Ercz J Israel“ vollzogen. Den einzelnen Gruppen bleibt vorläufig noch Autonomie. für die Auswahl der an ihrem Ort notwendigsten Arbeit. — Somit ist in Palästina ein Frauenverband ent* standen, dem ein ungeheures Arbeitsgebiet offensteht und der die ז verschiedenartigsten Fraucnkrcisc an sich ziehen kann, wie jetzt schon In Jerusalem z. B. Lady Samuel und eine ganze Schar von weiblichen Intellektuellen, daneben JUEDISCtlE RUNDSCHAU Seilt 209 •aber auch nsclikennsische, scphardh-clie, biidiarische Frauen les Volkes zu ihren Mitgliedern gehören, Unmittelbar nach der Konstituierung der Grün peil zu --ineiii Landesverband kam die wichtige Frage der Verhütdtut״ der palästinensischen Frauen mit den Frauen und •mistigen Krei.eii des Auslandes zur Sprache, In einem ausführlichen Referat entwickelte Frau Helene Hanna T It o 1t den Gedanken, wcl her der Gründung der Weltorganisation •iüiiislischer iT.iucn zugrunde liegt und gab einen Ueberbück über die l'raucntagtmg in Karlsbad im letzten Sommer. Sic wies auf das Manko’ dieser Tagung bin, bei der die zionistischen Frnuenorgauisationen der verschiedensten Länder vertreten waren, während allein die Frauen, die in Palästiua selbst am Aufbau *les Landes mitwirken, ttnvcrtreldii blieben, da cs hier keine repräsentative Organisation gibt, die ihre Vertreterin zu einer derartigen Tagung entsenden kann. Daher wur*!e in die Statuten der Frauen- Weltorganisation die Forderung niifgenomnirn, die Ver-, (rdcrbmeii der vier wichtigsten Frauen-Landesorgnnisntioneii als Mitglieder in die Palästina-Exekutive des Verbandes ־zu wiihlon. in Vollzug d'rscr Forderung pel^ ititnnichr die W. J. Z.O, an die vier palästinensischen Frniion-La mlcsorgan 1•;alioneu (Moagat Haponlot, Mhrnchi, Verein fiir Gleichbcrccliligimg der Frau und —• in Erwartung ihrer endgültigen Konstituierung — Histndrulh naschim ibrioth) mit der Einladiing zur Entsendung ihrer Vertreterinnen in die Exekutive hemiigetrcten. Auf diese Weise könne die Palästina-Exekutive der W. J. Z. O. zu einer wirklichen Vertretung der palästiuensisehen Frauen werden, die in Zukunft die organisierte Meinung der Frauen Palästinas zum Ausdruck bringen und verhüten werde, daß *Irr bisherige unorganisierte uml schädliche Wettstreit der Interessen dem Auslände gegenüber bestellen bleibt. Frau Thon schlug schließlich eine Resolution vor, in der die HiMadnßh naschim ibrioth ihre Bereitschaft zur Entseiultmg ihrer Verlrclerin in die Exekutive der W. J, Z. O. erklärt. Nach eingehender Diskussion wurde diese Resolution von der Vertreierinnensitzung angenommen und einer am gleichen Tage cinberufenen öffentlichen Mitglicdcrvcrsammhing des Jerusalemer Zweiges der Histadrutli zur Ahntim• mung vorgclcgt. Nach einer lebhaften Diskussion wurde die vorgesclilagcitc Resolution in einer abgcämlcrtcn, von Frau Asarjalut vorgesclilageneit Form auch hier angenommen, Da auch Moagat 1 lapoaiot und Gesellschaft für Gleichberechtigung der Frau bereits beschlossen haben sollen, Vertrclcrinnen in die Exekutive der W. J, Z. O. zu entsenden, dürfte bald die Komplettierung der Exekutive erreicht sein, so *laß auf einem künftigen ITnuenkongreß die palästinensische Frauenwelt in wirklich autoritativer Weise vertreten sein dürfte. Die 1 V.cgicrlcnversammhmg der liistadnith naschim ibrioth setzte ein provisorisches Komitee ein, bestehend aus den Damen Berlin und Thon, das bis zur Wahl eines regulären Präsidiums die Leitung des Landesverbandes übernehmen soll. Das Frauenstimmrecht Im Waad Lcaml Wir erhalten folgende Zuschrift: Zur Frage des Fraucnsliinmroclils bef den Wahlen Wand Lenini brachte die ״Jini. Rundschau“ in Nr. 24 Korrespondenz von H. H. C״ die eine nicht objektive zum eine Dar- Stellung gibt. Das Frauenstimmrecht, auch in Europa nicht über.־!!! durchgcfiihrt, existiert im Orient wohl nirgends. Als der Waad Leumi cs hei seinen ersten Wahlen in das Reglement .aufnaiim, fand er Zustimmung auch auf Selten des Misrachi. ״Religiöse Bedenken“ Ingen für ihn nicht vor. (Auch auf der ersten nach dem Kriege abgchaltcncn Misrachi- Konferenz in Antwerpen wurde dies ausgesprochen, doch wurden dort andere Bedenken dagegen geltend gemacht.) Dali diese nicht unbegründet waren, zeigte sich nach den Wahlen. Die Autorität des Waad Leumi wurde immer wieder mit dem Argument bekämpft, *laß er keine Vertretung des jüdischen Ercz-Israc! sei, weil die weiten Kreise, die Gegner des Frauenstimmrechts seien, das ihnen aufoktroyierte Wahlregle ment nicht amiiihmen, sich an den Wahlen nicht beteiligt hätten um! im Waad deshalb nicht vertreten seien. Der palästinensische Misrachi hat infolgedessen den Antrag gestellt, die F ra g c *1 e s F r n 11 c ns t i nt in rec 11 ts du rch ein Plebiszit entscheiden zu lassen, Eigentum» lieherwcise wurde dieser Vorschlag, durch den allein die Stellung der palästinensischen Juden zum Ansdnidk kommen kann, vom Waad Leumi, insbesondere von der Linken, nicht angenommen, sondern man berief Prolestvcrsnmnilungcti und Volksversammlungen ein, deren Resolutionen auch dann nicht entscheidend gewesen wären, wenn sie so Imposant gewesen wären, wie H. H.C. cs glauben machen will. Es zeigte sich auch hierbei der Parteidoktrin,irisimis, der diesmal, tim jedenfalls das Frauenstimmrecht zu dekretieren, das Pariament selbst in Frage stellt Wenn man nicht die den besten demokratischen Grundsätzen 'entsprechende Lösung akzeptiert, wie sie der Misrachi vorgrschlngcn hat, das Vo>k über sein Wahlrecht entscheiden zu lassen, so wird man weiter die Position derer stärken, die nur darauf bedacht sind, die Autorität des jüdischen Parlaments Im Lande zu schwächen. L. D. (Wir brauchen wohl nicht erst darauf aufmerksam zu machen, daß wir die Auffassung des geschätzten Einsenders nicht teilen. Gegen ein Plebiszit, an dem mich die Frauen teil• nehmen, Ist allerdings unseres Erachtens nichts clnztiwendcn. - Red.) Bücberscbau Geschichten von Tieren Charles G. D. Roberts: ״Gestalten der Wildnis", ״Jager und Gejagte", ״Augen 111t Busch“ Illustriert von Paul liaasc. Im Gyldcndalschen Verlag, Berlin. Dem Blutarmen gibt man Elsen, den Juden verordnen wir, weil sie ihr Immer noch nahe genug sind, um Brücken zu ihr hin betreten zu können, Natur, Ja, wir sollten auch als Lesende die Geistigkeit einer Jugend Avk die unsere mit den! größtmöglichen Quantum Natur ergänzen, tun jenes wohltuende Gleichgewicht zu erhalten, ans' dem allein die nach allen Seilen freie Person, der Mensch in vollem Gebrauch seiner Kräfte, entsteht. Und da wir an einem Uehermaß der worttragenden und bewußten Intellektmächte leiden, de 111 der aus _ Tiefen cmjtorsfoßaule Instinkt, eigentlich schöpferische Energie des Lebens, durchaus nicht gleichgewichtig entsprich!, mii׳ ׳.cn wir unseren Jungen* und Madeln cbeneo wie den Lnvacliscnen, die noch nicht versteift und vo« der allein formbaren Frische verlassen sind, Bücher nahe* bringen, die voller Natur sind, ganz Instinkt, ganz hinreißendes junges Leben. Ich spreche von 1 icrinkhcrn, heute von denen des prachtvollen Charles G. D. Roberts, Sic sind in den großen Städten ein Armvoll wilden Grases, das Gesicht hinein* zudiückeit. Dieser Mann vollzieht seine Identifizierung mit Tieren, ohne daß er sie als Gegenstand, Individuum, abgeschlossenes Wesen zu selten aufhört. Er schildert nicht, er gibt sie selbst. Aufgeschlossen wie nur noch bei dem schon klassischen Kipling leben sic vor uns ihr rauhes, bezauberndes und einfaches Darein. Ihre wenigen Instinkte und die [V*. tHngiingcn ihres Lebens, die in der Natur von Wald, Gcbir'jj uml Meer vielfältig genug sirul, geben mit den Funktionen ihrer Intelligenz und dem imlividudteu Charakter von Tier* gattmigen und Einzelwesen, die *las Leben in der Wildnis gegeneinander führt, einen Reichtum an Kombinationen, ticr schlechthin unerschöpflich ist. Und so stehen in den drei Bänden, die bisher voriiegen, die Vertreter der großen un<j kleinen Tierwelt erregend, spannend, begeisternd gegetnein« ander: Dir und Wolf, Wolf und Vielfraß, Elch und Bär, Marder und Habicht, Maus und Schlange, Schlange und Hirsch, und die Kaninchen, die Lüclise, die Eulen, die Himdo und Füchse, die Schwäne und Reiher, Polypen und Walrosse, Lachse und Adler, Fiedermäuse, Ratten — alle vollziehen selbstgegebrn und unmittelbar anwesend ihr gesetzmäßige* Da rin, beherrscht vom Menschen. ן Und wir leben es mit; *leim hier sind die eindringlichste,« Beobachtungen und das intimste Finfühleii gezügelt und vcm wendet von einem prachtvollen Fr/ähiertaient. Talent habe« heißt, Einfälle so zentral empfangen, daß von ihnen aug jeweilig eine ganze Welt sielt freiwillig ergibt, erschließt, anschaubar wird; freiwillig, ohne Zwang, Arrangement, natiirx lieh und so klug abwickelbar, daß nie der zweite Schritt vof dem ersten geschieht. Solch ein Talent ist CU. G. D. Roberts} eine Bereicherung unserer Eriebniszone ward mit ihm er* obert. Der Geist einer neuen Humanität durchwaltct ihn; ohne Gewaitaiibetung, ohne den Mythos der rohen Kraft uml tierischer“ Brutalität betrachtet er das Leben, wie cs sich! 11! Gestalt reiner Individuationen aus sich seihst ernährt, mit sich selbst kämpft, aus sicli selbst heraus entfaltet. Ei« nachdenklicher und klar,äugiger, ein männlicher Geist, dent das Kiwi im Manne lebendig blieb und der seine einfache! Philosophie schrankenloser Lebensverüebtheit wundervoll hinten) seinen Gestalten imfleuchfen läßt. ( Lebens,Verliebtheit — das sagt noch wenig. Wahrheit ist,1 daß dieser Mann nur deshalb so wundervolle Tiergeschichten schreiben kann, weil er die Tiere liebt, sie; Gottes rührend(} Kinder der trüben Sehöpfungstage, ihre Tapferkeit, Klugheit, heroische Einfalt und kindliche Geschmeidigkeit, Er licht sie, und Liebe macht hellsichtig. Ihre Gnmdtriebe stehen da wig ihre kleinste Gebärde. Sie überzeugen stets und sofort von der Richtigkeit des Blickes, der sie sah, und dort, jvo wir nachpriifen können, was Roberts sah, hei der Geschichte des llumles (Band 2) oder des Halms (Band 3), macht er durch' seine Gestaltung innere Erfahrung mit Hunden oder Hähnen erst recht lebendig. Natürlich werden die Tierpsychologen der Universitäten und alles, was von ihnen erzogen ward, mit vornehmer Nase einwerfen, Roberts vermenschliche die Tiere und dag sei altes. Darauf zu antworten, werden wir uns hüten. Wiq kämen wir dazu, den Jäger Kanadas vor der Kritik unserer. Hörsaathetden zu schützen, sobald Erfahrung mit dem Ticr in Betracht kommt. Nur nachdenklich ansthaucn müssen wir sie uns, die Werfer solchen Einwurfs, weil wir, Neugierige und Rätsclratcr des Menschen, uns bemühen, zu erraten, woher es dicre da nötig haben, zwischen sich und dem Ticr einen so radikalen Schnitt zu machen, Abgründe aufzureißen, das Tier cntscclcnd zum assoziierenden Automaten zu 'degradieren —t wovor sic wohl flüchten mögen, wenn sie das tun. * , Liebe, _ die fern davon ist, pädagogische Absichten ztl haben, wirkt pädagogisch. Diese Erzählungen, in denen oft genug der Mensch dem wilden Tier schwach bewaffnet oder (Bd. 2, ״Der Körnig der Tiere“ z. B.) waffenlos gegen•* Übertritt, sind sehr geeignet, dem modernen Kinde, dem Kinds *!er Sladt, dem jüdischen Kinde vor allen Dingen jene ncr* vftse Angst vor dem Unbekannten und Wilden im Tiere zu nehmen. Jene teils albernen, teils wüsten Jagdgcscliichtcu und Abenteuer, in denen ein Jäger mit gefülltem Magazin Heldentaten an ״Raubzeug“ und ״wilden Bestien“ verrichtet, die zur Tränke eilend von dem Raubtier ״Jäger“ zusammen* geschossen werden — diese bösartige Jugcndlcktüre und ein schlechter Zoologie-Unterricht sind schuld, wenn die grund* sützliche Angstcinstelhing der Kinder gegen die Tiere, denen sie auf der Straße oder sonstwo begegnen, sich immer weiter bestärkt sieht — Angst, über deren Entstehen wir heute und hier nicht reden können, Roberts min gibt dem Ticr, auch' dem wilden, seine Scheu wieder und seinen Mangel an An* griffslust, ntt Mordlust, und damit lieht er im jungen Menschen das Gefühl der Sicherheit in der Natur, die unbefangene Freiheit des Kindes dem Tier gegenüber wird wiedergeboren, der Nervenchoc vor dem Tier fimiet heilsame Gegen* wirkmigen im Kinde selbst —■ für Juden vor allem ein ent* scheidendes Gut: man sollte Roberts und seine Kameraden! Kipling, Fahre, Thompson, Fleuron auswahlweise ins Hebräische und ins Jiddische übersetzen und würde Gutes am Juden tun und Dank von ihm haben, > Wahrscheinlich schreibt Roberts ein handliches, helläugiges Englisch, das von den Ueberseizem in erträgliches Deutsch umgesetzt wurde. Natürlich mit den notwendigen Ueber* setzungsfehlern. Ein Tintenfisch oder ein Polyp hat nun einmal keine Fühlhörner (I, 34 11. 37), sondern Fanganne bes kommen, noch auch ist ein Alb gleichbedeutend mit einem ,Alp (t, 63), und wenn nach Sonnenuntergang die Dämmerung; mit Veilchenblau und Goldbraun hcraufzieht, kann man nicht ״die ersten schwachen Wellen von Lilak und Amber“ die Leite ne üherspüleu lassen. (111. 150.) Aber da von dem Kauder* wciscit der Jägersprache — das z. D. die Tiergeschichten von H. Löns zu einer absurden Privatangelegenheit (iir Jäger macht — nur sehr wenig in diese Prosa cingedrungen ist, uikI da vielmehr die Uebcrsctz.cr das erste Gesetz einer erzählenden Sprache anerkennen, ,!]!gemeingültig zu sein und nicht von technischen Ausdrücken zu strotzen —< seien sie nun der Jägerei, Elektrotechnik oder Medizin entnommen — bleibt (Link ihrer Arbeit die Lektüre der Bücher von du G. D. Roberts ein Genuß, und die Begegnung mit ihm selbst ein Glück, wie jeder große und vielfältige Natureindruck« Arnold Zweig/ E 1• | f i I! i j •i I! 1' l a