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Jüdische Rundschau · 1924-05-09 · Heft 37 (9.5.1924) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 37 (9.5.1924)
Date
1924-05-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 203 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 37 kommen sind und überdies noch die fielen die frühere Reich st,־igswahl höhere Wahlbeteiligung in Befracht, 60 ergibt sich eine Stärk« 11 g der Reaktion durch tl n g e führ vier Millionen Stimmen auf Kosten der Links* mul M i 11 c I pn rtc i e n, Au Der den Demokraten, denen ihre ״belmiie Zunickhrrttiin״" in der Judcnfragc nichts nützte, hatte vor allem die Vereinigte sozi a Id emo* kritische Partei, die Partei des ,,jüdische 11 Marxismus“, die schwersten Verluste zu verzeichnen. Wenn dio fort* sdiritiliche und demokratische deutsche Tage sprosse zusniniiicn mit den Bliittcrn des Auslandes befriedig konstatiert, die neue Partei der Deutsch-Völkischen mit General Ludcndorlf, Graf Rcvcnllow, Wulle und v. Oraefe an der Spitze — Hitler konnte als österreichischer Staatsbürger nicht anlgcstcllt .werden — Italic die vorher von ihr ausposaunten »ibcrwälti* gcndeti Erfolge nicht aufzuweisen, so können wir diese Zu* friedenheit nicht teilen. Zunächst einmal ist ein AnwacJiscn von drei Mandaten auf 32 an sich ein auncrordcntlichcr Erfolg, auch wenn er mir den schon vor der Wahl .™gestellten Bercchmingcn enlsprach, Daz.1t kommt, daß dieser Sieg der Natkmal-Sozialistcu überraschender Weise nicht auf Kosten der Deutschnntionalcn, gegen die sich die deulschvölkischo Agitation auch richtete, sondern der sozialistischen Parteien errungen wurde, von deren Mitläufern diesmal zirka 1900000 Stimmen allein die Lwlcmlorff *Gruppe erhielt, während über 100׳ODO Stimmen dem Knüppel-Kunze und anderen völkischen Gruppen zutielcii, 'Außerdem alter miiß fcstgcstdlt werden, daß durch den Druck, den die äußerste Rechte, die Deutsch- Völkischen, auf die Deutschnntionalcn ausübten, eine Radi* kalisierung dieser von 71 auf 96 Mandate angcwachscncn Partei eingetreten ist, die insbesondere in ihrem Verhalten in der Jndciifragc in Erscheinung freien dürfte. Jedenfalls sind die nächsten Aussichten für das deutsche Judentum durchaus keine erfreulichen. Die antisemitische Agitation wird jetzt von der Tribüne des Reichstages in unvergleichlich größerer Lautheit erfolgen, und wo früher die drei Solisten »Wulle, Henning und V. Grade einsam ihr judentötendes Trio Miesen, wird sich jetzt mit Soli, Orchester und Chor eine Kakophonic erlichen, die zwar nicht den Zionisten, aber doch Vielen deutschen Juden dar. Herz im Leihe imidrehcn dürfte, I Dem Reichstag werden u. a. folgende Juden als Mitglieder ™gehören: hei den Sozialdemokraten: Eduard Bernstein, Dr. Rudolf Hilferding, Dr. Julius Moses, Dr. Paul Levi, Hugo Heimann, Dr, Rosenfeid, Lipinski, Dr. Hertz, Toni Sender; bei den Demokraten: Dr. Haas; bei den Kommunisten: Werner Scho lern, Katz, Ro* Bcnbaum, I>r. Hcrzfcld, Dr. Rosenberg. Audi die bekannte Führcrin der Kommunisten Ruth Fischer (Pseudonym für Fritzi Fricdiändcr*Eislcr) ist Jüdin, Der V/cIII10nnrcß jüdischer Studenten Die eigentlichen IVrnliutgni des Weltkongresses der jüdischen Sliirtenlcir.chafl in Antwerpen begannen am 30. April. Die Sitzungen finden in einem der schönsten Säle Antwerpens, im sogenannten Gerde Artistioue, statt. Dr. Lmiiernacht, Vorsitzender der provisorischen Exekutive, cröffnctc die Sitzung. Es folgte die Vorlesung zahlreicher brieflicher und telegraphischer Begrüßungen, 11. a. von Prof. iWcizmanii, Nalmm So ko low, Dr. Chajes, Universität Jerusalem und Jüdische Naiionnlbibliothek, Jerusalem, Minister ftir Kim:,t und Wiv.eiiseliaft in lVlgieu Nolf Vize-Vrtrsilzemler des llelgischci» Senats Lafontaine usw. Hierauf folgten .die Berichte aus den einzelnen Ländern. Dr. Hirschhorn ,gab einen Bericht aus Wien, Dr. Kohut aus der Tscheche- •Slowakei, Paul Keesmeket aus Ungarn, Elclianan Lewin aus Polen. Der letztere stellte fest, daß die polnische Regiertuw den Delegierten, selbst den in militärpflichtigem Alter stehenden, Pässe gegeben und auf die Gebühren (100 Dollar für jede Ausreise) verzichtet hat. Am 1. Mai versammelten sich die Teilnehmer des Kon- .gresKes, um auf den von der Stadt Antwerpen zur Verfügung gestellten Autobussen eine Rundfahrt durch die Stadt zu machen, Am Nachmittag sprach der Vorsitzende des Comitees der Universitäten im Völkerbunde, Herrn J)r. Otelct. Der Redner teilt mit, daß mehr als 20 Universitäten aus vciscliicdeiicn Ländern dieser Internationalen Institiitipn angehören. Er begrüßt den Kongreß eines Volkes, welches eine neue Kultur in einem eigenen Lande schaffen will. hofft, daß auch die jüdische Studen* t e n Schaft einen Vertreter in «las Comjtcc der Internationalen .Universität delegieren wird. Conrad Ho ff mann, Vertreter der European Slndeut Relief in Genf, teilt mit, daß er jetzt Chen aus Rußland gekommen sei, wo er sich vom großen Elend der Juden überzeugen konnte. Zu Beginn der Sitzung am 2. Mai verliest ein Vertreter c e r u n g a r i s c h e ״ S111 d e n t c n s c h a i t eine Erklärung, daß die ungarische Delegation den Antisemitismus in Ungarn als yorübergehende Erscheinung betrachtet, welche dem gesunden Verstand und dein liberalen Sinn «1er ungarischen Bevölkerung weichen werde. De ungarischen Delegierten fühlten sich nicht als Zionisten und könnten deshalb nicht an einem Kongreß teil* nehmen, dessen überwiegende Mehrheit zionistisch gesinnt sei. Darauf verläßt die ungarische Delegation den Kongreß, Darauf ergriff der Vorsitzende der jtidisclien Weltliilfskonfercnz Leo Motzkin das Wort zu einer Begrüßungs-Ansprache an den Kongreß, * Auf dem Kongreß sind Vertreten: Zionisten, sozialistische Zionisten, Dundisten und orthodoxe Gruppen. * . . April, ft Uhr abends, fand im Stadthaus ein /eierhclier L.inplang der Kongrcßdelegiertrn durch den Stadtrat von Antwerpen statt. Herr Professor Niko Gins* bürg von der Universität Brüssel dankte in flämischer *Sprache ״ur den ireuiKHiclicn Lmptang, den die Stadt Antwerpen den Kongreßteilnehmern bereitet habe. Herr Dr. Lauterpacht,!Vorsitzender des Kongresses, dankte zuerst hebräisch, dann eii,׳;lisch, für das den Delegierten und Garden erwiesene Entgegenkonnnen. Der Bürgermeister von Antwerpen hie t eine fingere Rede zuerst flämisch, dann französisch lind hieß <hc jtUikchfrt Studenten ״willkommen. E* folgte "ann eme Fiihrti״״ durch das Stadthaus. Am 1. Mai find eine Gala-Vorstdlung in der Oper statt. Es wurde ״Der RoWne Hahn“ von Rimddj-Korssfcoff gegeben. Vor der Vor- Stellung spielte die Musik die jüdische Nationalh׳ymnc, Le;die stehend anhörten. Die Bühne war mit einem hcliciirilü'u'äeii Mogen-Dovid geschmückt. Die Programmc waren hi der jüdischen und flämischen Sprache gedruckt,.. י ■ . . , An «.uriero Lener! In der heutigen J'fmaiacr bringen wir sutn traten Mal eia eigenes וי ei er Y ** H IiiciiJ□« .,יו wJ k* y״r j׳ »■ Rundbdtau*'• Wir werden darin alle V/irtschaftsfragen des wer* denden jüdisdien Palästina behandeln und angesichts des erhöhten Interesses, das audi in Deutschland wirtschaftlichen Nachrichten aus Palästina entgogcmgcbrncht wird, lilr eine mügiiehat lückenlose, zuvcrlässigo und rasche Berichtcrstatlung nucii auf diesem Gebiete Sorge tragen. Das Wirlßchaflsblatt doT ״Jüdischen Rundschau" wird rogclmilßig einmal in der Woclio ©rscbolnea.' Wir hoffen, uns mit dieser Neuoinführung den Dank unserer Leser zu erwerben, die auch ihrerseits hoffentlich dadurch veranlaßt worden, alles In ihren Kräften Stehende für dio Verbreitung des Blattes und damit für seine größere Resonanz und Wirkungsweite zu tun. Redaktion und Vcrlnjj ״Jüdische Ramlachaa". In einem Referate über die rechtliche Lage der jüdischen Studenten führte Herr Lewin, Warschau, aus, daß es ln Polen keine gesetzlichen Beschränkungen gegen die jüdischen Studenten gebe. Unter den polnischen Studenten bestehe jedoch eine starke Gegnerschaft gegen die jüdischen Studenten. Dann ging er noeil auf das von dem früheren Untrrrichtsniinlater Professor Glombinski an die polnischen Universitäten verschickte 7-irkular ein, in welchem empfohlen wird, eien Numerus clausus in der Praxis aiiszuiTihrcii. Ungarn ist das einzige Land, in welchem der Numerus clausus von Gesetzes wegen besteht. 111 Oesterreich ist der Numerus clausus ebenfalls gesetzlich, aber mir gegen ausländische Juden, In Deutschland hat das Studentenparlament eine Resolution für die Einführung des Numerus clausus angenommen. 111 Rumänien liegt die Lage ähnlich wie in Polen. Es bestehen keine gesetzlichen Beschränkungen, aber die rumäulsehen Studenten .sind den Juden feindlich gesinnt, und es finden sehr oft Kämpfe in den Universitäten statt. Herr Lewin wendete sich gegen eine jüdische Universi tät in Europa, mit der Begründung, daß dies das Inkrafttreten des Numerus clausus in ver schiede neu Ländern beschleunigen könnte. Man würde dann den jüdischen Studenten sagen, sie sollten auf die jüdische Universität gehen. s• Nachdem in der Sitzung vom 3. M*i die Referate über ״Die Aufgaben des Wcltverbandes" über die ״Rechtliche Lage" und über die ״Wirtschaftliche Tätigkeit des Weltverbindes“ erstattet worden waren, begann der Kongreß die Generaldebatte über «liese drei Punkte. Es entstand schon zu Beginn eine starke Kontroverse, da einige Redner darauf hinwiesen, «laß Herr Lew in (Warschau) in seinem Referate über die rechtliche läge dem Kongresse nicht alle wichtigen Tat- Sachen über «lie recht![;heu Deschtüiikunfwu vorgebracht habe, und «laß er allzusehr darauf bedacht sei, die Empfindlichkeit der einzelnen Staaten nicht zu veiletzen. Herr Leo Motzkin vom Gönnte* des Delegation» Juives wies darauf hin, daß die Loyalität den betreffenden Staaten gegenüber nicht zu weit zu treiben sei. Er führte die Ziffern an, au* denen hervor■ geht, «laß an einzelnen polnischen Universitäten der Numerus clausus mit Strenge durcligeführt wird, obwohl er keine ge■ :;et׳liehe Kraft besitzt. Der Kongreß beschloß, die Einzelheiten dieser Fra;׳«• in der rechtlichen Kommksion zu erörtern. Was «len .Charakter des Weltverbandes betrifft, förderte die Diskur.Mon zwei scharf voneinander getrennte Meinungen zu■ tage. Die eine sieht in dem zil schaffenden Weltverhande ein. Mittel zu kultureller und nationaler Zusammenarbeit der jüdischen Studenten und den Ausdruck eines Bestrebens zur Förderung der in te rritor ia 1 en Einheit des jü* disclien Volkes. Die andere sieht In ihm Mittel zur Koordinierung der wirtschaftlichen Tätigkeit und Organlsie■ rung der Scibsthilfslimtiiutionen, sowie auch zum rechtlichen Schutze der jüdischen Studenten. Es ist auch eine kleine b und i s t i s eh e Gruppe vorhanden, die dem Weltverbande gegenüber eine negative Stellung cinnimmt und ^gestandener* maßen zum Kongresse gekommen ist, um diesem ״nationalistlsehen“ Unternehmen öffentlich ihre Mißbilligungauszusprechen. Sie protestierten gegen den Gebrauch der hebräischen Sprache, gegen das fiilonieren der ״Ilalikwah“ In der königlichen Oper usw. In der Ahembltzung wählte der Kongreß die Wirt■ schaftliclie, die kulturelle, die rechtliche und die Verfassungs■ kommission, auf welchen die Hauptlast der Arbeit des Kein׳ gresses ruhte. Es scheint feslznstehen, daß der Kongreß wegen Mangel an genauen Informationen keine definitive Stellung in der Frage der Errichtung einer jüdischen Universität ln Europa cInnehmen wird. Er wird sich mit einer formellen Feststellung begnügen, daß kein Vorschlag, welcher den Plan einer solchen Universität betrifft, ohne Anhörung der jüdischen Studentenschaft erledigt werden darf. Die südafrikanischen Studenten, denen es nicht möglich war, am Kongresse persönlich teilzunehmen, meldeten telegraphisch ihren Beitritt zum Weltverbande an, In der Generaldebatte erregten die Ausfiihnmgea der Vertreier des ״Bund“ (der jetzt bekanntlich kommunistisch Ist — Red.), Rathncr (Warschau) und Sc ho re (Krakau), Aufsehen. Sic leugneten die Existenz eine« jüdischen Volkes, da ein Volk 41t territorialen und kuuurellen Verhaltnissen sich bildet. Es gibt, so führten sie aus, in Ökonomisdirr und politischer Beziehung 80 viele jüdische Nationen, als es Staaten gibt, in denen Juden in Massen leben (I). Sie verwerfen deshalb den Weltverband, weil er eben aus dem Verlangen nach derjenigen Einheit, die sie leugnen, entstanden ist, Sie würden dem Ver- Mmde nicht angeboren, und sie seien einzig undallein deshalb zu m Kongreß gekommen, 11m den Eindruck zu zerstören, als ob der Kongreß alle jüdischen Studenten rusammennehlleßt. Peters eil (Warschau) legte die Stellungnahme der sozialdemokra tischen Studenten dar. Diese wollen In dem Weltverhand nichts anderes als den Zusammenschluß der wlrtschaftliehen Selbsthilfe-Or ganisationen sehen, und sie wünschen daher, daß jede andere Arbeit vom Weltverband fcrngehalten wird, im Namern der zionistischen Gruppen sprach Herr Zeitlin. Er betonte, daß die Mehrheit der Delegierten keineswegs wünsche, der Weltorganisation den Stempel der Parteilichkeit aufrudrücken. Der Verband will nur solche Ziele verfolgen, die von allen Gruppen angenommen werden können; alle rein politischen Tendenzen sollen sorgfältig vermieden werden. In der Kulturdebafle am 5. Mal hielt Dr. Ru bin stein <׳In Re leist über ״Die Probleme der jüdischen Universität“. Er sgte u. a.: Die jüdischen Studenten haben die Verpflichtung, an dem Aufbau der hebräischen Universität In Jerusalem mitzuarbeiten. Der bundisUsche Delegierte Scherer sagte, es gäbe keine gemeinsamen jüdisehen kulturellen Interessen. Es bestünde eine Kluft rwlschen der weltlichen Kultur der breiten Massen des jüdischen Volkes, deren Sprache jiddisch sei, und der reaktionären, hebräischen, antijiddischen Kultur der jüdischen Bourgeoisie. Er verwirft darum jede Mitarbeit für die hebräische Universität Der Kongreß Ist am 6. Mai nach feierlichem Protest gegen die reaktionären Bestrebungen und Gesetze zur Einschränkung des Studiums von Juden an den Universitäten geschlossen worden. Der Wcltverband wird ein eigenes Organ herausgeben und am Aufbau der jüdischen Universität in Jerusalem aktiv teilnehmen. Der Sitz der Exekutive des Wcltvcrbancles wird *ich in London, das kontinentale Sekretariat in Wien beiinden. ז- ״Der von icn Zionisten crmortleie Agudisl" Die Wahrheit über die Affäre Jendrzew Unter der Uebersehrift DieniederträchtigenVer* feumdungendes ״Jud“ berichtet das ״LodzerTageblatt“ vom 5. Mai: In der vorigen Woche hat das Organ der ״Schkmie Emnne Jisroei“ (polnische Agudali), ״Der Jud“, eine Korrespondenz aus Jendrzew veröffentlicht, laut welcher dort auf einer Versammlung zu den Gemeindewnlilcn ein Mitglied der ״Zeire Emune Jisroei“ getötet worden ist. Dabei hat ״Der Jud“ ganz offen die Zionisten in Jendrzew dieses Mordes beschuldigt und im Zusammenhang damit eine ganze Reihe von Artikeln geschrieben, um den Agudah-Agitaiorcn eine Waffe gegen die ״mörderischen“ Zionisten bei den jetzigen Genarindcwahlen zu liefe!n. Wie verhält es sich aber mit dieser Altäre in Wahrheit? Wir bringen nachstehend einen Bericht eines orthodoxen Juden aus Jendrzew, eines Gcrer Chnsslden, den man gewiß nicht zionistischer Sympathien verdiichligen kann: ״Am Nachmittag des letzten Peßach- Tages begab sich der Textilkaufmann Lipmanowitsch, ein Gcrer Chassid, mit seinem 15jährigen Sohn in das Bcth Hamidrasch zum Mlnchagcbet. Nach dem Gebet begab sich Lipmanowitsch mit reinem Sohn zu seinem Vater. Nach kurzem Aufenthalt erklärte der Bursche dem Vater, daß er ln das Gcrer ״Stübel“ gehe, wo chasskiische Jünglinge aus der *Stadt versammelt seien, um den letzten Feiertag fiühiich zu feiern, Bei der Türe des ״Stiibel“ hatte sich eine Gruppe von Buben von der Straße angesammelt, darunter der 13jährige Sohn des Pferdehändlers Bukowski, der gegenüber dem ״Stübel" wohnt, und der 13jährige Sohn des Fleischers Glomb. Die Burschen wollten mit Gewalt in das ״Stübei“ eindringen, aber die ciiaasidischen Jünglinge ließen sie nicht ein. Die Burschen hämmerten an die Türe, aber vergeblich. Zu dieser Zeit ging der junge Lipmanowitsch aus dem ״Stübel“ auf den Hof sind wollte kurz darauf zurückkehren. Zu gleicher Zeit trat der Pferdehändler Bukowski, den der Lärm Im Schlafe gestört hatte, an das Fenster seiner Wohnung und rief seinem Sohn, der sich bei ihm beklagte, daß die cliassidischen Jünglinge ihn nicht in das ״Stübcl" hineinließen, vom Fenster lirrab zu: ״Du Wirst doch mit einem der Ochsen fertig werden! Sie lassen mich nicht schirrten!“ In diesem Augenblick trat der Jüngling Lipmanowitsch auf die Stufen zum ״Stübel“. Die Burschen überfielen ihn, und der 13iährlge Sohn des Pferdehändlers vernetzte ihm unter Mithilfe de’s Fleischcrsohncs mit einem Hufeisen solche Schläge *uf den Kopf, daß er bald sein Bewußtsein verlor und nach zehn Minuten verschied. Die beiden jugendlichen Verbrecher wurden ba'd verhaftet. Zur Charakteristik des Pferdehändlers, des eigentlich Schuldigen an diesem schauerlichen Mord, sei beigefügt, daß das ganze Städtchen vor ihm Todesängste Aiisrrtand. Der Sohn war nicht besser als der Vater. Die Kinder der Nachbarn hatten von ihm die ärgsten Drangsalierungen auszustellen; eine halbe Stunde vor der Ermordung des Lipmanowitsch drohte er der I2jahrigcn Tochter eines Schusters, daß er sie töten werde." Das Lodzcr Blatt fügt diesem Bericht hinzu: So sicht in Wahrheit die Affäre Jendrzew aus. Wie unverschämt und wie tief gesunken müssen die Führer der Agudah sein, wenn sie diesen schrecklichen Mord aus nutzen, um daraus für ihre Partei Kapital zu schlagen und die Zionisten zu bekämpfen. Unser Informator erzählt uns, daß, als man in Jendrzew erfuhr, wie der ״Jud“ diese Sache beleuchtet hat, dort eine ungeheure Aufregung herrschte. Wir haben dieser Charakteristik des ״Lodzer Tageblatts“ nichts hlnzunifügcn. Unverständlich bleibt aber noch, daß die J. T. A. eine solche Uigcnnachricht, ohne eine Bestätigung abzuwarien, verbreiten konnte. Eine agndisllsdie Verleumdung Von Herrn Dr. S. Rosen bäum, Minister für jüdische Angelegenheiten ln Kowno, an den wir uns um Aufklärung über die Behauptung der Wiener ״Jüdischen Presse“, er ßpi an der Nichtbefreiung der Jcschiwah - Zöglinge vom Militärdienst In Litauen schuld, gewandt hatten, erhallen wu folgende Zuschrift: Geehrte Redaktion! Ich bitte folgende Zeilen veröffentlichen zu wollen: 11* Nr. 13 der Jüdischen Presse“ ist ein verleumderlseher Artikel gegen mich unter dem Titel ״Der jüdische Minister" eraeliienen, Ich erkläre, daß an diesem Aufsatz kein wahres Wort ist. D* ich *her mit den Herren von der ״Jüdischen Franse" nicht debattieren will, so beauftragte len meinen Anwalt in Wien, gegen den Redakteur eine Klage wegen grober Verleumdung ein׳ zurekhen. Mit Zionsgruß S. Rosenbaum. * Ueber den Saehverhalt erfahren wfr noch folgendes: In Litauen existiert ein Gesetz, nach dem die Hörer der Hochschulen und des katholischen Rcligionsseminars Ws zu ihrem 26. Lebensjahr nicht zum Militärdienst eingezogen werden. Der frühere Minister Df. S0lo w e its chIk forderte die Anwendung dieses Gesetzes unter Berufung auf die verfar.sung.sgemäß gewährleistete Gleichberechtigung auch für die Jesehlwoth. Die litauische Regierung beschloß auch die zeitweilige Anwendung des Gesetzes für die Jesehlwoth- Zöglinge. Später sollte das ganze Gesetz entsprechend ge* ändert werden. Damit gaben rieh die Orthodoxen zufrieden, In diesem Jahre verlangte nun die oberste Militärkommission unter Hinweis darauf, daß genug Zeit für eine Abandefung des Gesetzes verstrichen sei, die Einziehung der Rabbinatskandidaten. Die agndistischen Rabbiner intervenierten darauf nicht bei dem mdisclicn Minister, sondern bei den christlichen, die *10 natürlich an Dr. Rosenbaum ver- ,wiesen, Dieser brachte noch am selben Abend des Tage**

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