Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 36 (6.5.1924)
- Date
- 1924-05-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 264 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 30 Ißiaple xwl:x!;ca Zionisten und Agnilisica In Polen Ein Agudist getötet Warschau. (J, T.A.) In dem Städtchen Jen• drzejow, Distrikt Kiel co, hat im Verlauf der Pro paga 1111,1 aus Anlaß der bevorstchemlcn jüdischen Cicmcinde• wählen ein Kampf zwischen Zionisten und Agudisten .siattgctnuden, wobei ein Mitglied der Aguiiah, itzcliok Würdiger, getötet wurde. (Es ist tief rauriß, daß eine innerjiklisclie Anschauungsdifferenz in Tatlichkcitcn ausarten konnte und sogar nun Verlust eines Menschenlebens führte. Näheres über die Ursachen dieser Streitigkeiten ist noch nicht bekannt. Ohne ein etwaiges Verschulden von z.toiiidisclier Seite beschönigen zu wollen — die Zionisten hätten sich in einen körperlichen Kampf über• Jumpt nicht einlassen dürfen —, muii fcstgestellt werden, daß die intellektuelle Urheberschaft des Zwischenfalls ansschließlich der militanten Trennungsorthodoxic zufällt Das offizielle Agudah-Organ am Sitze der Zcntrallcitung dieser Organisation, die Wiener ״Jüdische Presse“, hat bekanntlich die Demolierung der Warschauer jüdischen Gcmcuulcsluhe und schwere Mißhandlung des Gemeindepräsidenten aiisdriicklieh gebilligt Agudistcn haben später in einem polnischen Städtchen die zionistische Uiblioliiek vernichtet, ohne «laß ein agndistischcs Blatt auch mir ein Wort der Verurteilung gefunden hätte. In Jerusalem sind orthodoxe Fanatiker lianu- .greiflich gegen jüdische Arbeiter, die bei den Ausgrabungen beschäftigt sind, vorgegangen und mußten durch die Polizei daran erinnert werden, daß Anwendung von Brachialgewalt auch durch die bürgerlichen Gesetze verboten ist. Seit Jahren lebt die agmlistische Presse von der Hetze gegen die Zionisten, wendet die Agudali gegen sie die verwerflichsten Mittel an, wie Verhängung des liannes (״Issur“), gesellschaftlichen Boykott, Demmzierung hei politischen und staatlichen Stellen. Systematisch und mit Vorbedacht haben agudistische Kreise den Haß gegen den Zionismus geschürt und sich selbst mit offenen Antisemiten zu diesem Zwecke verbündet: kein Blatt der Agudah hat bisher die von uns bereits unzähligem,־!! erwähnte Tatsache auch nur zu mißbilligen gewagt, daß einer ihrer Hauptwortführcr, J. de Haan in Jerusalem, die Zionisten- (und Juden-) Hetze des antisemitischen ״Daily Express“ aktiv Unterstützt So wurde die Atmosphäre geschaffen, durch die ein solch schrecklicher Streit erst überhaupt verständlich wird. — Red.) Der Danziger Senat gegen die geplante jüdische Universität Die ״Wiener Morgcnzcitung“ teilt mit: Im Zusammenhange mir der Meldung, daß die Völkcrbundkominis- 8 i o n f ü r g e i s t i g c Z u s a m m e n a r b e i t bei Ihrer letzten Genfer Beratung das Projekt des Warschauer Finanzinanncs Doktorowicz über die Errichtung einer jüdischen Universität in Europa angenommen und als deren Sitz Danzig in Vorschlag gebracht habe, äußerte sieh das Mitglied des Danziger Senats, Dr. Strunk, welcher das Ressort für Kunstwissenschaft mul Volksbildung hmehat, gegenüber einem Vertreter des ״Lodz.er Tagbtattes“ wie folgt: Das Gcncralsckrctariat des Völkerbundes ließ durch den Oberkommissär die Ansicht des Danziger Senats über dieses Projekt einholen. Der Senat erklärte, daß er egen den Plan der Eröffnung einer solchen nivcrsität auf dem Gebiete der freien Stadt Danzig sei, da in Danzig eine technische Hochschule bestehe, welche durch die Gründung einer zweiten Hochschule moralisch und praktisch leiden würde: dabei verwies der Senat auch darauf, daß die technische Hochschule in Langfuhr keinerlei Beschränkungen bei der Aufnahme von jüdischen Hörern kenne und ersuchte schließlich, daß bei der Behandlung des Doktorowiczschcn Antrages in Oenf ein Vertreterder Freistadt Danzig beigezogen werden möge. Dies ist jedoch zur Verwunderung des Senats nicht geschehen. (Diese Ablehnung war nach der dilettantischen Art, in der die Angelegenheit hehandelt wurde, zu erwarten. Man kann ein guter Finanzmann und der beste Jude sein, ohne etwas von Politik zu verstehen. Die jüdische Europa-Universität aber ist ein Politikum. Wenn bereits Einzelne, nicht bloß jede kleine jüdische Organisation auf eigene Faust Politik macht, wird ein noch größerer Schaden entstehen als die Kompromittierung eines an sich richtigen Gedankens wie im vorliegenden Falle.!Wozu besteht denn das Komitee der jüdischen Delegationen, in dessen Aufgabenbereich auch diese Frage fällt, wenn man es nicht mit solchen politischen Aktionen betrauen will? — Red. d, ״J. R“) * Warschau. (J.T.A.) Das Zentralkomitee des Verbandes der jüdischen akademischen Selbsthilfc-lnstitutionen in Polen erläßt eine Erklärung, daß Herr Doktorowicz, der angeblich Im Namen der jüdischen akademischen Jugend Unterhandlungen über die Errichtung einer jüdischen Universität in Danz i g führt, durch keine Organisation jüdischer Akademiker in Polen zu einer solchen Aktion bevollmächtigt worden ist und überhaupt in keinerlei Kontakt mit den jüdischen akademischen Gesellschaften steht. Der Weltkongreß der jüdischen Studenten Antwerpen. (J.T.A.) Der Vorsitzende der proviso rischen Exekutive, Herr Dr. Lauterpacht, cröffnctc den Kongreß in hebräischer Sprache und fuhr in jiddischer und französischer Sprache fort. Darauf sprach der Oberrabbiner von Belgien Dr. Ginzburger: Unsere Sache ist eine heilige Sache, unser Ruf findet ein lebhaftes Echo in der gesamten Kulturwclt. Alle, denen cs um die Freiheit des Wissens geht, sind auf unserer Seite, Herr Camille Huysmans, Abgeordneter des belgischen Parlaments, erklärte, daß er der jüdischen Ideologie nicht fern stehe, da er während seiner politischen Tätigkeit viel Gelegenheit hafte, mit jüdischen Parteien zusammenzunrbeiten. Auch wenn die Juden kein Territorium besitzen, haben sic Anspruch auf die Rechte einer Nation. Im Namen der jüdischen Gemeinde in Antwerpen begrüßt L. Sowin, Vorsitzender der Gemcinde, den Kongreß, Es folgte dann die Ansprache des Vorsitzenden der Zionistischen Vereinigung Belgiens, Jean Flacher, General Gabra, der Militärgouverneur von Antwerpen, sagte ir, seiner Begrüßungsrede, er kenne die Juden vom Kriege her: sic haben »ich genau 80 wie die anderen Völker tapfer gezeigt. Begrü Bungen sandten u. a. S. Dubnow, Zangwill, Prof, öünzburper, Oenf, tisw. Es waren 80 Delegierte aus folgenden Ländern anwesend: Oesterreich, Deutschland, Polen, Rumänien, Tschechoslowakei, Jugoslawien, Italien, Litauen, Lettland, Estland, Danzig, England, Frankreich, Belgien und Ungarn, * Dia provisorische Exekutive dea Waltverbandes jüdischer Studenten veröffentlicht eine Erklärung über die Ziele des Kongresses, in welcher ausgefuhrt wird, daß da« eigentliche Ziel nicht der Kampf gegen den Numerus clausus und die antisemitische Be- »cguag w «iaigen d@c europäischen .Universitäten ist, sondern dies; die jüdischen Studenten für natio• nale und kulturelle Zusammenarbeit zu org a 11 i sie re 11. Der Verband wird natürlich sein Möglichstes im Kninpfe ::egen den Numerus clausu3 tun und versuchen, eine Lösung herbeizuführen. Das jüdische Volk, erklärt die Fxekiilive, ist während und nach dem Kriege als eine Nation anerkannt worden: seine Rechte sind durch iiilemalkmale Verträge, sowohl in Bezug auf Palästina, als auch in Bezug auf jene Länder, in denen Juden in geschlossenen Gemeinschaften leben, fcstgekgt worden. Es ist (ialicr erwünscht, daß die jüdischen Studenten in einer Körperschaft zwecks gemeinsamer Aktion zuaammcngcschlosscn werden. Ek'r Weltvcrband jüdischer Studenten, so wind weiter gesagt, soll die Meinung der jüdischen Studenten über den Plan des Völkerbundes zur Schaffung einer jüdischen Universität in Danzig oder in Spanien znm Ausdruck bringen und soll beim Aufbau der jüdischen Universität und der Bibliothek in Jerusalem mitarbeiten. Bezüglich des Numerus clausus erklärt die Exekutive, sie sehe ihn nicht nur als den Gedanken der Gerechtigkeit und der Kultur widersprechend an, sondern auch als einen Vertragsbruch gegen die von denselben Lindern, in denen jetzt die Beschränkungen eingeführt werden, angenommenen Verträge zum Schutze der nationalen Minoritäten. Die Exekutive erwartet, daß diese Kulturschande bald aufhören wird. Inzwischen will der Weltvcrband den durch diese Beschränkungen betroffenen jüdischen Studenten zur Fortsetzung ihrer Studien in anderen Ländern verhelfen. Der Weltvcrband hat sich bereits an die italienische und die t«checho8Iow .11; I s c 11 e Regierung gewandt. Ferner hat der Weltvefbnnd ein finanzielles i iilfswerk’ in Verbindung mit der Europäischen SUulcntenhüfe und der Jüdischen Weltliilfskonferenz 1n Paria in die Wege geleitet. Aas der jüdischen Well Gm-Taratl Die dritte Tagung der Assefath Hanlwcharlm ist nunmehr für den 19. Mai einberufen worden, (Siche Nr. 34 d. ,J. R.") Nach dem vom Magistrat der Stadt Tel-Awlw letzthin veröffentlichten Bericht umfaßt die Stadt bereits ein Gebiet von 1000׳ Dtmnm und ist so in ihrer räumlichen Ausdehnung bereits größer als Jaffa. Die Bevölkcrungsziffcr beträgt gegenwärtig 17600 Personen. Am 20. April fand hier die Hinrichtung von zwei Arabern, Khnlil Hassan und Mohnmed Nacura Hassan, statt, die am 14. September 1923 einen Steuereinnehmer der Regierung, der sich auf dem Wege von Hebron nach Jerusalem hetand, ermordeten und ausraubten. Seit dem Jahre 1919 hatte Mohnmed Nacura Hassan vier Morde begangen. Die vierte Konferenz der Achduth Haawodah wurde auf den 9. Mni verschoben. Aus Jerusalem wird der ״Voss. Ztg." berichtet: Die weltberühmte Omarmoschee, die an der Steile des Tempels steht, ist seit einiger Zeit baufällig. Die palästinensischen Araber schickten Delegationen nach Bagdad und Indien, um dort Gelder für die Reparatur der Moschee zu sammeln. Man erwartet, daß die indischen Mohammedaner 50000 Pfund spenden. Unterdessen haben sich einige neue Sprünge im Gemäuer der Moschee gezeigt. Der Berichterstatter der ״Voss. Ztg.“ vernimmt, daß sich die Araber an den jüdischen Ingenieur Pacovsky (aus Prag) um ein Gutachten gewendet haben. Die Weinproduktion In Palästina betrug im fahre 1920: 2 579 478 Liter; im Jahre 1921: 3163061 Liter: im Jahre 1922: 2779731 Liter und im lahre 1923: 2 516 455 Liter. In dem am 31. März 1920 endenden Geschäftsjahr wurden 1 374 033 Uter im Werte von 65017 Pfund ausgcfiihrt; in dem am 31. März 1921 endenden Geschäftsjahr 1 265 577 Liter im Werte von 50 400 Pfund; in den neun Monaten bis zum 31. Dezember 1921: 886186 Liter (29725 Pfund); in dem am 31. Dezember 1922 endenden Geschäftsjahr 2 704 651 Liter (58 828 Pfund) und In dem am 31. Dezember 1023 endenden Geschäftsjahr 1 836 363 Liter (Wert 43 036 Pfund). Zu Ehren der Gründerin und Ehrenpräsidentin der Hadassah-Organisation und früheren Vorsitzenden der mcdizlnisehen Organisation Hadassah in Palästina, Miß Henrietta Szold, wurde in Jerusalem ein Abschiedstee gegeben, Vertreter der Zionistischen Exekutive, des Waad Lcuml, der Jerusalemer Jüdischen Gemeinde, der palästinensischen Presse und der Frauen Palästinas würdigten in Ansprachen die Verdienste der Scheidenden. Miß Szold hat am 28. April ihre Rückreise nach Amerika nngetreten. Professor Macalister veröffentlicht soeben seinen Bericht, der von einer neuen Entdeckung von großer topographischer und historischer Bedeutung erzählt: Die Ausgrabungcti, schreibt er, haben jetzt einen Teil eines großen Laufgrabens von 8 Fuß Tiefe und etwa 11 Fuß Breite zutage gefördert. Jerusalem war früher mir an der nördliehen Seite den Angriffen primitiver Kriegführung offen; die steilen Felsen im Osten und Westen boten einen natürliehen Schutz. Es scheint nun, daß die Bewohner durch da* Anlegen eines künstlichen Grabens Im Norden sich auch an dieser Seite eine Verteidigung schaffen wollten. Dieser Graben ist älter als die von uns entdeckte Jebusiter- Mauer. Als der Graben nicht mehr zum Schutze der Stadt diente, wurde den Bewohnern gestattet, den Schutt dort abzulagern. Daraus erklärt sich auch die Menge der dort nufgefiindciien verschiedenerlei Topfscherben. Sie alle ge« hören der mittleren Bronzezeit au, also etwa um 1500 v. Chr. Dies ist also der Zeitpunkt, an welchem der Graben aufhörte, seinen Verteidirjungszweck zu erfüllen. Aller Wahrscheinlichkeit nach fällt die Entsichungszclt des Grabens in eine viel ältere Periode; Ich persönlich würde sie etwa um das Jahr 3000 v. Chr. datieren. Dies erscheint phantastisch, es ist jedoch ernsteste Wahrheit. Die zerbrochenen Stufen werden jetzt von dem Erdstaub befreit, der sic noch vor A b r a h n 111 s Zeiten bedeckt hat, Die Ergebnisse der Grabungen brachten die Gewißheit, daß wir ln die Stadt der Mclchizedek, Abdi-Khlna und Adon Izedek clnrjctrctcn sind. An der anderen Seite unseres Ausgrabungsgebiete*, die über dem Kidron-Tal liegt, wurde eine andere wichtige Entdeckung gemacht, Es wurde eine gigantische Bastei mit etwa 16 Gängen zutage gefördert. Das Bauwerk reicht sehr tief hinab und scheint sehr umfangreich zu sein. Fraglos handelt cs sich hier um einen Teil einer großen, bisher unentdecktcn Stadtmauer. Ich zweifle nicht daran, dal] cs sich um die J c b u י i t c r * A u ß e n m auer handelt, und die Bastei, die jetzt ausgegraben wurde, ist diejenige Stelle, von welcher aus die Jebusiter David verspotteten, indem sie ihm zuriefen, daß er nicht Imstande sei, die Stadt cinzunehmen, und daß selbst Blinde und Lahme ihn von hier aus Zurückschlagen könnten. Ein christlicher Araber, Mitn Alshama, wurde am 30. April zu einer Woche Gefängnis verurteilt, well er den Rabbiner Pcsach Frank, der während der Anwesenheit Obcrrabbhiers Kook diensttuender• Rabbiner der aschkenasisehen Gemeinde 111 Palästina ist, beleidigt hat. In betrunkenem Zustande hatte Mitri Alshama den Rabbiner angerempelt, als dieser eine Straße der Altstadt von Jerusalem passierte, DsiitscbLnd Die von dem früheren preußischen Ministerpräsidenten Stegerwald, der bekanntlich dem rechten Flügel des Zentrums angchört, in Beriin herausgegebene Tageszeitung ״Der Deutsche“ veröffentlicht einen Artikel ״zur Juden- , frage“, tu welchem versucht wind, auf die rechtsstehenden Kreise hinsichtlich ihrer antijmüschcn Politik mäßigend einzuwirken. Zum Schluß wird auf die außenpolitische Bedeutung der Judenhetze hingewiesen una gesagt: ״Wir haben ein dringendes Interesse daran, daß in jedem Staate die Gastvölker Staatsbürgerrechte haben, wenn wir u nsere Volksgenossen in fremden Staa ten nicht rechtlos machen wollen. Besonders das schwache Deutschland kann durch Vcrgelt11>1gs|>olitik nichts erreichen, sondern nur durch Beispielpolitik . . . Die besondere Schwierigkeit der Juden frage als Teil der völkischen Frage liegt darin, daß kein vom jüdischen Volkstum auf eigenem Boden geführter Staat besteht, so daß hier die weltpolitische Gegen* seltigkeit nicht gegeben ist Es liegt im Interesse aller Völker und Staaten, daß ä u c h das jüdische Volk «einen Staat erhalte, damit auch dies Volk In die Lage komme, die vftlkische Frage von *ich aus sozial und außen* politisch zu behandcln.“ In einer Rede, die General Ludendorff in Bamberg hielt, war ein Angriff auf Walther Rathenau enthalten, den Ludendorff einen ״Oroßjuden“ nannte. Der General erzählte weiter, Rathenau habe nach dem deutschen Zusammenbruch erklärt: ״Es Ist uns noch im letzten Augenblick gelungen, alle Schuld auf Ludendorff abzuwälzen (!)“. Der Beschluß der Ica, das Flüchtlingslager in Danzig auf zu lösen, und die Emigranten nicht mehr zu unterstützen, hat die in Danzig lebenden aus Polen ausgewiesenen Emigranten in eine schwere Lage gebracht. Nur Ä «0׳ der jetzt noch in Danzig weilenden Emigranten werden auf Grund der neuen Quote das Visum nach Amerika erhalten. Die Ica hat mehreren Emigranten vorgcschlagcn, nach Rußland zurückzukehren, andere werden nach Brasilien auswandern, Otstrmfeh Max Reinhardt bereitet in Wien die Aufführung von Anskys jiddischem Theaterstück ״Der Dy buk“ indeutscher Sprache vor. Da« Stück wird im Reinhardt-Theater zu Wien (dem früheren Theater an der Josefstadt) zur Aufführung gelangen. Der Schöpfer des Moskauer Künstler- Theaters, Stanislawsky, wird Reinhardt bei der Regie zur Seite stehen. Rumänfen An der Crernowitzer Universität hat ein Zusammenstoß zwischen den jüdischen und den deutschen Hörern der Universität stattgefunden. Die deutschen Studenten provozierten die jüdischen Studenten durch beleidigende Zurufe. Als die Juden die Zurücknahme dieser Beleidigungen forderten, fielen die deutschen Studenten, unterstützt von einer Gruppe rumänischer Studenten, über sie her. Mehrere jüdische Studenten wurden verwundet. Später landen antisemitische Exzesse der Studenten auch in anderen Teilen der Stadt statt. Sie drangen in verschiedene jüdische Lokale ein und beschädigten sie, u. a. wurde auch die jüdische Arbeiter-Küche demoliert. (Diese ״Intelligenz“ der deutschen Minorität in der Bukowina hat alle Ursache, über eine andere Minorität herzufallen! Wo es gegen die Juden cht, ist die Einigkeit zwischen Unterdrücker und Unterrückten rasch hergcstcllt. — Red.) Am 22. April in der Nacht ist die Jassy er Haupt- Synagoge ein Raub der Flammen geworden. E« gelang noch im letzten Augenblick, die Thorarollcn zu retten. Die abgebrannte Synagoge war mehr als 300 Jahre alt. In der letzten Zeit bemerkt man wieder einen Zuzugvon FlüchtlingenausderUkrainenachBeßarabieii. Kleine Fliichtiingsgruppen passieren die Grenze und oft kommt cs vor, daß einzelne Flüchtlinge, des Weges unkundig, tödlichverunglücken. Bei Otoki sind sieben Flüchtlinge, die den Dnjestr auf dem Eise überschreiten wollten, im Treibeisumgekommen. Sie sollen alle aus Kamenez Podolsk stammen. Der gewesene rumänische Premierminister General Avcrescu sprach sich gegenüber Pressevertretern in sehr scharfem Ton gegen die antisemitisch - f as zls t i - sehe Auf ruh rbewegun g aus. Er sagte, der schlechte Ruf Rumäniens im Auslände sei den antisemitischen Unruhestiftern zu verdanken ebenso dem allzu wilden Vorgehen der Regierung gegen die Faszisten. pottn Der Klub der jüdischen Deputierten und Senatoren beim Jüdischen Nationalrat in Polen erläßt ein Kommunique, in welchem bekannt gegeben wird, daß das oberste polnische Gericht in einer Entscheidung vom 16. Februar 1924 ausgedrückt hat, daß die aus der Zarcnzcit bestehenden antijüdischen Beschränkungen durch die polnische Konstitution faktisch aufgehoben sind. Cegen Entscheidungen der Gerichte auf Grund dieser Beschränkungen soll jedesmal an die höhere Instanz appelliert werden. Auf einer der letzten Sitzungen der Handelskommksion des Sejm stand der Handelsvertrag zwischen Polen und England zur Diskussion. Der jüdische Deputierte Dr. Eisenstein nab seiner Verwunderung Ausdruck, daß beltn Ab- Schluß acs Uebercinkommons nicht darauf geachtet worden Ist, daß auch die Mandatsländer, besonders Palästina, einbezogen würden. In Palästina wohnen bereits einige tausend polnischer Bürger, der Export von Textilwaren und Holz nach Palästina nimmt immer mehr zu. Rusotiynd In der Moskauer kommunistischen Zeitung ״Emes" klagt der Führer der jüdischen Sektion Me reschin darüber,, daß die Zahl der jüdischen Kommunisten in den jüdischen Ocgmdcu geringer ist. als die der nichtjüdischen. Zur Illustration bringt er aie folgenden Interessanien Ziffern: Laut der Parteizählune vom Jahre 1922 ab es in den Vereinigten Sowjet-Republiken 19 504 jüdische artcimitglieder, d. h. 7,2 Kommunisten auf je 1000 jüdische Seelen. Unter den Oroßrussen zählt man zwar bloß 3,8 Kommunisten auf 1000 Seelen, dennoch bedeutet das nicht, daß die Juden die erste Stelle cinnchmcn, da die Polen mit 10,8, die Letten mit 78, Litauer mit 32,8, Esthen mit 16,3 aut 1000 die Verhältniszahl der Juden übertreffen. Die Zahl der jüdischen Kommunisten ist jetzt sogar kleiner als die Mitgllcdcrzahl des ״Bund“ zur Zeit des Zarismus. Laut der Parteizählung von 1922 zählte man in den früheren) Ansiedlungsrayons der Ukraine (d. h. außer■ den Oouvenu Charkow und Doncz) 5210 jüdische Kommunisten, in Weiß-1 rußland 1114. In Hornel und Wltebsk, wo keine offizielle Ziffer vorüegt, schätzt man eine Höchstzahl von 2000; also in Orten, wo die jüdischen Massen schaffen, wo zweielnhalh Millionen luden leben, zählt man nicht mehr alt 8!/j Tausend jüdische Kommunisten, während außerhalb de» gewesenen Ansiedlungsrayon» auch nicht mehr als 11000 iüUleche Kommunisten send, (Die größte Zahl jüdischer