Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1924-05-02 · Heft 35 (2.5.1924) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 35 (2.5.1924)
Date
1924-05-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2651273-2652595-2652628--15720-2675040
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 35 JUEDISCHERUNDSCHAU Seite 253 y» #*>, •r \ ]!v\ Q 1: 1 «LJ* **4» •ך fik ץ*־" ■I 9«# Hotel a..g i;y?, ״» V.. sfc. 4» «fc T©1is# mm 'J7. FcI2>ra&r 1924 1Uiz£ Die Diskussion Air. Mrrshall t Meldet sich jetzt jemand zum Wort, ohne daß ich ihn auf rufe? Dr. i .n'. c'i: Herr Vorsitzender, meine Damen und Herren! Ich bin in einer gewissen Verlegenheit, weil es heute das erstemal ist, daß ich versuche, über fliese Frage zu sprechen. Aber wir sind aufgefordert worden, hier zu erscheinen und die Sache offen, frank und frei zu erörtern, als Leute, die eine unparteiische Stellung cinnctmicn und N i c h 17 i o 11 i s t e n sind. Es liegen uns zwei Fragen vor. Die eine ist das Problem einer lnvcstitionsgcscllschalt,' die andere ist das Problem einer Entwicklung in Palästina in der Art einer kulturellen und geistigen Organisation, und ich möchte hauptsächlich darauf Gewicht legen, obgleich man Palästina als eine Zufluchtsstätte für die Juden aus andern Ländern gerühmt hat. Ich glaube, cs wäre ganz unangebracht, wenn der Eindruck vorherrschte, daß Palästina jemals ein Heim für!ene unsere Glaubensgenossen werden wird, die in andern Ländern zu leiden haben. Ich brauche mich darüber nicht zu verbreiten. Es wurde heute vormittags ausführlich bcsprachen. Aber bloß, weil Palästina fruchtbar gemacht werden kann, bloß weil es entwickelt werden kann, besieht noch kein Grund, anzuneluuen, daß׳ cs der geeignete Zufluchtsort für alle Juden sein wird, die hingehen wollen. Man könnte ebensogut sagen, daß das Imperial Valley in Südkalifornicn, das auch urbar gemacht und aufgeschlossen wurde, eine Gegend ist. wohin icdcr wandern kann. Wenn Ihnen die Sache bekannt ist, so wissen S'e, daß dort eine Temperatur von 123 Grad he• steht, und daß nur ausgc wählte Gruppe 11 in der Lage sind, dort 7וו leben. Und dasselbe würde von Palästina gehen. Letzten Endes müssen Sie das Klima und die iibrig c n b c s t e 11 c 11 d e n Bedüngungen in Erwägung ziehen. Wenn ich für einen Augenblick die Frage der Jewish Agencv berede lasse (und ich bin mit Rabbi Simon einer Meinung, daß die beiden Fragen unlösbar verknüpft sind, unterstelle aber für den Augenblick, daß etwas wie die Jewish Agencv nicht bestellt), so zögere ich nicht, zu sagen, daß ich, der ich für Nichtzionisten spreche, von denen ich mich mit vielen beraten habe, zweifle, ob einer von ihnen auch nur für einen Augenblick die Behauptung in Frage ziehen oder verneinen wird, daß cs unmöglich ist, einen Pinn aufzustellen, der den Gedanken verwirklicht, aus Palästina ein großes kulturelles, geistiges und religiöses Zentrum zu machen. Ich glaube, über diesen Punkt würde fast Einstimmigkeit licrr• sehen, und wenn wir uns darüber klar sind, dann ist natürlich der Vorschlag, mit dem wir uns zu befassen haben, nur der einer geschäftlichen Gesellschaft, einer Finnn/institution, die rach Palästina gelten und die dort unternommenen Aktionen, wirtschaftliche, iudustric'lc und andere, finanzieren sali. Und wenn wir cs von diesem Standpunkt aus nnschen, dann möchte ich es durchaus als k ü h I d c n k c!1 d c r O c s c 11 ä f t s m a n n prüfen und verlange genau dieselbe Art von Information über Palästina, die ich über jede andere Unternehmung verlangen würde, die zu mir kommt und Geld von mir verlangt und mich auffordert, mich zu beteiligen. leb verlange dieselbe kritische Analyse. Ich verlange die Anwendung derselben geschäftsmäßigen Beurteilung, die icli hei jeder anderen Unternchmung anwende, und ich verlange die Möglichkeit und Freiheit, außerdem mir meine eigene, unvoreingenommene und persönliche Information zu verschaffen. Und ich glaube, wenn diese Frage auch nur mit einem gewissen Tempo gefördert werden soll, so ist dies eine der ersten Voraussetzungen, die unsere Konferenz in Betracht ziehen soll. Ich bin durchaus nicht in der Lage, die über Palästina gegehenen Erklärungen anzunehmen. Ich zweifle nicht an ihrer Aufrichtigkeit. Ich glaube, daß die vormittags von Mr. B ro w n dargclcgtcn Tatsachen richtig sind. Aber andererseits muß ich, wenn ich mein eigenes kritisches Urlcil anwenden soll, auch die Möglichkeit haben, meine eigene kritische Untersuchung nnzustellcn. Jemand, der zu mir kommt, um mir etwas zu verkaufen, ist voreingenommen, er hat seine eigenen Vorurteile. Er ist nicht unparteiisch, und kein anständiger Geschäftsmann würde heute daran denken, in eine so große Unternehmung hincinzugchcn wie die vorgesehlagcnc, ohne sieh die Möglichkeit vorzubchnlien, seihst hinzugehen'oder seine eigenen Vertrauensleute hinzusenden, um jene! Untersuch 11 ng anznstellcn, die er braucht, um zu einem klaren und gesunden Urteil zu kommen. Und ich glaube, Herr Vorsitzender, daß wir das genau so machen müssen, wie die Standard Oil Company oder die United Cigar Company oder irgendeine große Gcschältsuntcruehmung, nämlich eine unnbhängige, unparteiische Prüfung. Diese Art von Prüfung müßte angcstcllt werden. Ich bin nicht in der Lage, die Art von Erklärungen anzunehmen, die ich vorhin von einem der bcdeutenden Juristen atu sprechen horte, der Ihnen telegraphierte und bedauerte, nicht kommen zu können. Er sagte mir nach seiner Rückkehr von Palästina, daß nirgends die Sonne so hell scheine wie in Palästina, und daß nirgends die Sterne so klar seien wie in Palästina, und daß nirgends die Luft so angenehm sei wie in Palästina. Nun, ich bewundere dieses Gefühl und ehre ihn für die Begeisterung, die er aufbringt. Nichtsdestoweniger überzeugt mich das nicht, da icii schon andere Länder gesehen habe. Und das bringt uns natürlich dazu, daß ich auch darüber meine Meinung aussprechen muß. Man fordert uns auf, nicht nur in Palästina zu arbeiten, um dieses kulturclle Zentrum, dieses geistige Zentrum, dieses religiöse Zentn!m zu entwickeln, sondern man fordert uns auf, cs in Zusammenarbeit mit der sogenannten Jewish Agency zu tim. Auf Grund der Bestimmungen des Mandates würde diese Jewish Agency ziemlich klar definiert. Dieser Teil des Mandates sagt, daß die Zionistische Organisation der Vermittler sein soll, durch den diese Agency geschaffen wird, und man erzählt uns heute, daß wir mit dieser zionistischen Agency zusammen arbeiten können. Ich glaube, ich kann für viele Nichtzionisten ln Amerika sprechen. In voller Würdigung dessen, daß eventuelle Gleichgültigkeit gegenüber der Ent- Wicklung Palästinas dem Judentum schaden kann, glaube ich nichtsdestoweniger, daß ich für viele von ihnen sprechen und sagen kann, daß es wenn wir nicht das künftige Programm der Zionistischen Organisation kennen, »0 gut wie unmöglich sein wird, eine Verbindung mit dieser Gruppe in Erwägung zu ziehen. Wenn das künftige Programm der Zionistischen Organisation einen politischen Staat bedeutet, dann, glaube ich, handelt cs sich liier um Prinzipienfragen, und man muß sie entscheiden, Es sind Fragen, die Sie und ich als Börger dieses Landes auch früher schon zu überlegen hatten. Es sind Fragen, die schon vor unseren Großvätern standen. Man könnte mich ebensogut auf (ordern, mich mit einer Gruppe zu verbünden, die die Ab;Seht hat, in den Vereinigten Staaten eine Monarchie herbeizu fühl eil — eine Absicht, die meiner eigenen Ueberzeugung von einer republikanischen oder demokratischen Rcgicnmgsform vollkommen fremd ist. Und ich weiß, daß die große Frage, die heute eigentlich zur Erörterung steht, nicht die einfache Frage der Entwicklung Palästinas ist, sondern vielmehr die, unter wessen Oberlei־ 11111 ק sie geführt werden soll. Was ist die Zionistischc Organisation? Das ist die Frage, die 1ms heute nicht beantwortet wurde. Was hat die Zionistische Orgaiiisatiim für Absichten? Ist ihr nächstes Programm, ihr Programm für die Zukunft das Programm, das wahrscheinlich in der Vergangenheit aufgcstellt wurde, ein Programm der Entwicklung einer politischen Selbständigkeit in P a lä s t i 11 a unter Führung der Juden? Und das bringt mich zur anderen Frage zurück, womit ich schließen will. Das zweite, was ich wissen möchte, ist eine geschäftliche Frage. Mit wem habe ich zu konkurrieren? Wer sind meine Konkurrenten bei dieser Gcschäftsuntcrnchmung? Ich spreche nicht nur von den Arabern; wie steht es auch mit den übrigen n i e h t j ii d i s c 11 e n Nachbarn? Wie ist die Haltung unserer großen christlichen Organisation in dieser Weit, die ja auch einen Status in Palästina hat? Wie ist die Haltung der katholischen Kirche, die Haltung der protestantischen Kirche? Wie stellen sie zu dieser Frage? Werden wir zusammen arbeiten können? Werden wir mit ihnen arbeiten können? Aber um vom Standpunkt eines Niehtz.iuiiistcn grundsätzlich zu sprechen, so ist die 1 latipifragc, die besteht und noch nicht beantwortet wurde, die: welches ist das künftige Programm der Zionistischen Organisation? (Beifall.) Mr. Marshall: Damit kein Mißverständnis entsteht, glaube ich, daß es gut wäre, genau auf die Ausdrücke des Mandates zu achten, welches sozusagen die Verfassung Paläsiiuas darstellt und als Grundgesetz Palästinas dienen ’wird, solange das Mandat nicht aufgegeben oder aufgehoben wird. Und was Ist die Jewish Agency? Soll die Jewish Agency die regierende Körperschaft von Palästina sein oder nicht? Das Mandat wunde der britischen Regierung erteilt. Die britische Regierung ist eine Christliehe Regierung. Die britische Regierung führt die Verwaltung Palästinas. Sie hat einen HighCommissioncr bestellt, der heule zufällig ein Jude ist, morgen aber auch ein Nichtjude sein kann, Somit Ist cs Oroßbritnnnien, das auf Ortirni des Mandates die Regierung Palästinas i1niel1.it, wobei allerdings die Juden auf Grund der Balfour- Deklaration eine Möglichkeit erhalten sollen, dort eine Heimstälte zu errichten. Und diese Heimstätte sollte nicht eine ausschließliche Heimstätte sein und dieses Zugestiindnis sollte keineswegs andere Völker von anderen Religionen und anderen Rassen und anderen Nationalitäten, die dort etwa leben, beeinträchtige״. Das Mandat traf Bestimmungen bc• züglich der Juden, die bis dahin keine Möglichkeit hatten, ihr Recht, dort zu leben, zu sichern, die bis dahin dort nur geduldet waren« Und so bestimmt das Mandat hierüber im einzelnen: ״Eine angemessene jüdische Vertretung (Jewish Agency) wird als öffentliche Körperschaft anerkannt, mit der Aufgabe, der Verwaltung Palästinas ln jenen wirtschaftlichen,’ sozialen und anderen Angelegenheiten, die die Schaffung des jüdischen nationalen Heimes und die Interessen der jüdischen Bevölkerung in Palästina betreffen, Rat und Mitarbeit zu gewähren und, immer voibeiialtlicb der Aufsicht durch die Verwaltung, an der Entwicklung des Landes zu helfen und tcilzunchmcn. — Die Zionistische Organisation! ward, solange ihre Organisation und Verfassung nach Mcinung des Mandatars angemessen Ist, als diese Vertretung anerkannt. Sie soll im Einvernehmen mit der Regierung Seiner britischen Majcstlt Schritte unternehmen, um die Mitarbeit aller Juden zu sichern, die gewillt sind, an der Errichtung des jüdischen nationalen Helms teilzunchmcn." Im Mandat und den Weißbüchern, auf weiche ich hingewiesen habe, werden <f*e Rechte der Araber entsprechend gesichert und geschützt. Sic haben dieselbe Möglichkcit, mit der Verwaltung zusammen zu arbeiten wie dm Jewish Agency. Hier sind auch Bestimmungen über den Schutz der heiligen Stätten getroffen. Es sind auch Bestimmungen zum Schutz derjenigen Fonds getroffen, die man als Wakof kennt und die im Interesse mohammedanischer religiöser Körperschaften errichtet sind. In diesem in Ihren Händen befindlichen Dokument Ist auch eine Erklärung enthalte״, die die Haltung der Zionistischen’Org .1 n i s a (i o n kennzeichnet, w e I c 11 e bereit Ist, mit allen Juden in bezug auf diese Agency zus am men׳ zu arbeite»!. Sic ist bereit, auf Ihre Vorzugsstellung zu verzichten. Sie ist bereit, in Übereinstimmung mit dem Wunsche der- )eiligen, die dieses Mandat schufen, Zugeständnisse mit Bezug auf die Ausübung der der Jüdischen Agency auf Grund des Mandates erteilten Rechte zu machen. Die Zionisten stimmten «auf ilirftn letzten Kongreß für die Er- Weiterung der Jewish Agency, damit bis zur Einbenifung eines Weltkongresses schon großen Teilen des jadischen Volkes eine Möglichkeit geboten werden könne, «am Wiedcratilbaii Palästinas milzuarbeiten. (Redner verliest die Resolution des XIII, Kongresses über die Jewish Agancy.) Das bedeutet also die Bereitschaft, die Hälfte der Vertretung in dieser Agency nie 11 tzionistisehen Personen zu überlassen, die auf Grund eines noch fest-?״־setzenden Planes in diese Agency gewählt werden. Wir können natürlich heule diesen Plan nicht fcstsetzcn. Es obliegt nicht uns, alle Einzelheiten zu bestimmen. Wir sind nur eine von verschiedenen Vcrtrctungskörperschaficn fn verschiedenen Lindern. Wir müßten uns natürlich mit Amerikanern berate,1. Es käme dann auch Großbritannien lind Frankreich und noch andere Länder Tn Betracht, in denen nicht« zionistische Körperschaften bestellen, welche bereit wären, an dieser Agciicy mitziiarbcitcn. Ich hielt cs für notwendig, Ihnen dies anscinandcrzuselzcn, damit kein Mißverständnis über das Wesen dieser Agency und über die zionistische Haltung ihr gegenüber au!kommen kann.׳ Ich hin über die internen Beschlüsse der Zionistischen Organisation nicht unterrichtet. Ich bin kein Mitglied derselben. Ich habe niemals den Schekel bezahlt und niemals eine Fessel '(* ha ekle) auf mich! genommen. (Heiterkeit.) Aber ich g'auhe doch, daß die Zeit nunmehr gekommen ist (und ich habe cs sehr oft gesagt und Italic ■ versucht, allen Nachdruck darauf zu legen), wo wir diese Frage ernstlich erwägen müssen, ohne Küns.iichc Schwierigkeiten In den Weg zu legen; wo wir sie unter ihren weiten Gesichtspunkten behandeln müssen, unter den Gesichtspunkten, nach denen Riditcr Stern und andere sic behandelt haben und unseren Teil an der Verantwortung übernehmen müssen, wenn dadurch dem Judentum genützt werden kann. (Beifall.) Was nun die wirt* sch ältliche Seite der Frage anlangt, so würde ich' cs sehr begrüßen, wenn Oberst Lehman uns seine Meinung sagen wollte,_ da er die Frage in verschiedenen Zusammen-!längen und insbesondere im Zusammenhang mit dem Joint Distribution Committee studiert hat, und ich weiß, daß wir alle von ihm, was geschäftliche Fragen anlangt, lernen können, Colonel Lehman: Herr Vorsitzender, meine Damen und Herren! Ich habe mit Bezug auf die Frage der Teilnahme an der Agency absolut keine Ansicht. Es ist das eine Angelegenheit, über die ich so wenig Information besitze, daß ich,’ soweit es auf mich ankommt, vollkommen bereit bin, mich dem Urteil derjenigen zu lügen, die die Frage tiefer studiert haben oder studieren wollen, als es mir möglich gewesen ist Mit Bezug auf die Bildung der Gesellschaft, an die man denkt, zögere ich etwas, mich so entschieden auszudrücken, wie ich sonst gern möchte, denn es scheint mir, daß, wenn jemand eine frage oder einen Plan stark unterstützt, man von ihm erwartet, daß er auch in der Durchführung der Sache einen klaren und energischen Anteil nehmen wird. Und dies ist für mich, wenigstens derzeit, unmöglich. Aber ich zögere nicht, zu sagen, daß ich persönlicli für die Bildung einer solchen Organisation bin, und ich glaube, daß, wenn wir nicht von Anfang an allzu hoch zielen, die Sache ganz durchführbar ist. Wie Richter׳ Stern, bin ich mir vollkommen klar darüber, daß ich eilt Nichtzionist bin. Ich habe keine besondere Sympathie für die politischen Bestrebungen der Zionistischen Organisation, wenn man sic so nennen will. Aber ich habe eine große und dauernde Sympathie für die Bestrebungen einer großen Anzahl von Leuten in Osteuropa, nach Palästina zurückz 11 kehren und wenigstens die Möglichkeit zu haben, daß jedermann, ohne Rücksicht auf unsere politischen Ansichten über den Zionismus, diesen Vor* schlag unterstützen kann, und in dieser Weise bin auch ich an der Frage interessiert. Meine Erfahrung bei der Aufbauarbeit des Joint Distribution Committee und vorher an def Hilfsarbeit derselben Organisation überzeugte mich, daß finanzükonomlscbe Gesundheit in Palästina möglich und notwendig ist und sehr dazu beitragen wird, dieses Land aufzubaucn. Wir haben im Joint Distribution Committee bereits in vergleichsweise kleinem Maßstah einiges auf dem Weg ökonomischer Hilfe für Palästina geleistet. Unsere Fonds sind für diesen Zweck zu klein, die Anforderungen an unsere Arbeit zu groß, um wirtschaftlichen Aufbau in großem Maßstab und für die Dauer׳ zu ermöglichen. Aber ich bin auf Grund dieser Erfahrung überzeugt, daß es absolut notwendig und vollkommen durchfahrbar ist. Ich persönlich glaube, Herr Vorsitzender, daß Dr. Ruppin, wenn er die Zahl von fünf Millionen Dollars nennt, die׳ jetzt aufgebracht werden sollen, uns vielleicht für den Augenblick eine unmöglich(» Aufgabe stellt. Meine Meinung ist, daß der wichtigste Teil der Arbeit ist, sic in Gang zu bringen. Ich bin ganz sicher, daß cs von weit höherem Wert sein wird, mit einer Million Dollars, oder zwei Millionen Dollars, oder, wenn möglich, mit drei Millionen Dollars zu beginnen, und zwar jetzt oder iit nicht ferner Zeit, als auf eine spätere Möglichkeit, fünf Millionen Dollars aufzubringen, zu warten. Wir haben das ganz deutlich bei der Arbeit des Joint Distribution Committee gesehen. Ich glaube, wenn eine Gesellschaft mit einem Kapital von mindestens zwei Millionen Dollars begründet wird, und wenn diese Gesellschaft die Mitarbeit der bestehenden Organisationen gewinnt wie des Joint^ Distri* bution Commiittcc (ich spreche jetzt nicht so sehr über die Arbeit selbst als über die Arbcitsmöglichkcitcn), des Falestine Development Council und der American Palcstine Company, die alle Aktiva von einem gewissen Wert und Erfahrungen von großem Wert besitzen, dann könnten wir einen Anfang machen und ein Kapital über die zwei Millionen Dollars hinaus bekommen, um damit die Arbeit zu beginnen. Das Geld könnte in gesunden Unternehmungen «angelegt werden wie die von Dr. Weizmann, Dr. Ruppin und anderen erwähnten. Wenn wir dieses Geld investiert haben und diese Investitionen mehr oder weniger als Hintergrund für größere Unternehmungen besitzen, dann wäre es, glaube ich, mög» lieh und auch sicher, Schuldscheine oder andere Anweisungen dieser Gesellschaft auszugehen, die sich auf die Aktiva stützen, welche durch die Investition der ersten zwei oder zweieinhalb Millionen Dollars erworben wurden, zuzüglich der Investitionen, die sie aus dem Erträgnis vom Verkauf der weiteren Schuldscheine erworben hat. Jeu glaube, daß wir von Zeit zu Zeit gemäß der Entwicklung weitere Serien von Schuldscheinen herausgeben könnten, die Absatz finden würden. Ich glaube, daß wir auf diesem Weg die nötigen Gelder schaffen können, um die Arbeit durchzuführen. Ich möchte aber doch noch ein Wort zum Schluß sagen, das sich nicht unmittelbar auf die wirtschaftliche Seite der Frage bezieht, abgesehen davon, daß ihre Annahme oder Ablclmung die Durchiiihruns; des großen Plaues beeinflussen kann. Ich stimme nicht damit überein, was Richter Stern darüber gesagt hat, daß man auch die größeren Phasen dieser Angclegenheit in einem umfassenden Plan cinbczichcn soll, Und ich stimme auch in weitem Maß nicht mit dem überein, was Dr. Frankel über die Frage gesagt hat. Ich glaube, daß dieses Komitee, wenn wir es bilden, sich einfach und gerade nur an die Bildung einer solchen Gesellschaft aut Grund vernünftiger, anständiger und einladender Bedingungen machen sollte. Ich glaube, daß die Vermengung der Aufgaben der durch den Keren Hajessod oder Irgendwelche anderen Organisationen anfzubrlngcndcn Gelder mit denen des Geldes, das unsere Organisation schaffen und nusgeben soll, große Gefahren mit sich brächte und die Aufgabe selbst, die wir uns versetzen, in hohem Maß scliädigen könnte. Ich glaube, und ich zögere nicht, meine Meinung ganz offen gegenüber Dr. Weizmann und Dr. Ruppin und rinderen an der Sache Interessierten auszudrücken, daß es unbedingt notwendig ist, daß diese Unternehmung jetzt und weiterhin vollständig und durchaus von der Tätigkeit der Zionistischen Organisation gesondert ge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.