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Jüdische Rundschau · 1924-05-02 · Heft 35 (2.5.1924) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 35 (2.5.1924)
Date
1924-05-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seile 254 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr, 35 hallen wen len 111110. Hs darf nicht der geringste Verdacht bei de״ Leuten bestehen, daß unsere Organisation unter die Leitung oder midi nur unter einen entscheidenden Finthiß der y.ionlhtisdicii Organisation geraten könnte. Dies« Or* gamsaUun midi ebenso wie ilire Geschäftsführung außerhalb Amerikas vollkommen unabhängig sein, obgleich es natürlich notwendig ist, ein sympathisches Interesse an der Tätigkeit der Zionistischen Organisation zu nehmen. Der Mann, den unsere Organisation hinübersrldckt, und die Leiinng, die liier arbeitet mul die Dinge beaufsichtigt, muH jede Sache vom rein sachlichen Gesichtspunkt prüfen•, nicht im Iii.eic ׳.<: der Zionistischen Organisation, nicht im Interesse etwaiger politischer Bestrebungen der Zionistischen Organ!- sati1״t, sondern einfach und ausschließlich aut Grundlage des Umstandes, ob das Projekt, das geprüft wird, geschäftlich gesund ist oder nicht, Und ich glaube, daß wir, wenn wir nicht bei den heulen in Amerika die Ueberzengung und das Vertrauen schaffe״, daß diese Organisation vollkommen gesondert und selbständig sein muß (und ich weiß, «laß Or, VVei/mami nuf demselben Standpunkt stellt), die Mü.iriioit und Aiihüngci.schalt einer sehr großen Zahl von Leuten veilicron werden, deren Unterstützung wir unbedingt haben müssen. Andererseits glaube ich, «laß der Plan durchfülirhar und möglich ist, wenn die Linie scharf gezogen werden kann, und schließlich zu sehr großen und befriedigenden Erfolgen führen wird. (Beifall,) Air. Alnrslinll! Ich glaube, daß kein Zweifel bestehen kann, soweit cs .sielt um die bilanzielle Richtigkeit der Erklärung von Oberst Lehman handelt. Ich freue mich sehr, daß er die Sache vorgchracht hat, die bis dahin nicht erwähnt worden war, «laß einer der Bestandteile dieses für die Bildung einer Fiuan/ienmgs- und Investitions-Gesellschaft darin besteht, die vorhandenen und zur Mitwirkung nn der wirtschaftlichen Entwicklung Palästinas bestiiiiiptcn Körperschaften zusammen־ zu fassen. 111 den Vereinigten Staaten gibt cs heute drei solche Körper■ schatten, Sic wurden bereits alle von Oberst Lehman erwähnt. Die eine ist das Joint Distribution G o tu * mittce, welches fcwisse Ponds besitzt, die für diesen Zweck verfügbar wären. D.e zweite ist das P a 1 c s t i n e 1) e v c 1 o p - ment Council. Wir haben heute zu unserem großen Vergnügen von Justicc Brand eis und Richter Mack gehört, «he an dieser Organisation in hohem Maße interessiert sind, was ihre Ansicht über den wirtschaftlichen Aufbau Palästinas ist. Die «f ritte ist «Ile American Palest ine Company, die ebenfalls Aktiva hat, die verfügbar wären. Wenn cs_ uns gelingen könnte, diese drei Körperschaften in unsere Fiiianzienmgs- oder Investitionsgesdlscliaft hincinzuverschmelzen und dann einen nennenswerten Be!rag zu schaffen, der <liccc1n Kern hinziigcfiigt würde, dann kamt man amtdtmen, daß diese Organisation an der Entwicklung Palästinas einen sehr nützlichen Anteil nehmen könnte. Oberst Lehman hat auch vorgebracht, was bisher noch nicht klar genug gesagt war, nämlich die Art des Vorgehens. Es wird nicht nötig sein, eine Gesellschaft mit einem gewaltigen Kapital zu schaffen, die eine gewaltige Geldsumme 1iir den Zweck der Durchführung dieser Gesellschaft sammelt, Ein bescheidener Betrag, einige Millionen Dollars (vielleicht könnten es fünf Miüoncn Dollars sein, die «fas endgültige Kapital dieser Gesellschaft bilden), könnte jeder denkbaren Aufgabe genügen,• da cs «loch eine •gewisse Zeit dauern wird, um Anleihen dnrchzufiihren, die diese fünf Millionen Dollarn, oder wieviel cs sein werden, in Auspruch nehmen. Wenn eine genügende Anzahl guter Investitionen gesichert ist, könnten sic die Grundlage einer Reihe von Schuldscheinen bilden. Sie könnten an Leute verkauft werden, die Geld an legen wollen, wenn sie gleichzeitig etwas für den ׳ Aufbau Palästinas tun. Mit den aus «liesen Papieren erlösten Geldern würde das von der Fiiianzicrmigsgescllsciinft liiueingcsleckte Kapital wieder i re ig cm acht und könnte wieder verwendet werden und dieser Vorgang könnte immer wieder von neuem wiederholt und so rin dauernder, wertvoller Beitrag für die Sache ge• leistet werden. Mr. Samuel C. Lamport hat sich mit dieser Frage seit vielen Jahren beschäftigt. Er war, scheint mir, der Prä• sidcnt der American Palcstme Company, und ich würde ca lebhaft begrünen, wenn er uns heute nachmittags etwas über diese Frage sagen wollte. (Fortsetzung folgt.) Moses Mendelssohn {!her den Zionismns Von Dr. Immanuel Olsvanger, Capefown (Südafrika) Die Uebcrschrift wird wohl dem einen oder dem anderen als eine Mitteilung von einer splritualistisclien Seance erscheinen. Sie ist cs aber nicht. Was wir hier berichten wollen, sind des großen Denkers wirkliche Bemerkungen über die zionistischc Idee. Zwar kannte man zu seiner Zeit das Wort ״Zionismus“ nicht, jedoch der Gedanke der jüdischen Rückwanderung nach Palästina tauchte im Kopfe eines unbekannten Mannes auf, und wurde Mendelssohn zur Begutachtung iilj-ronmit. Wir wissen leider nicht, wer der ״Mann von Stande“ war, der dem Direktor der Königlichen Hauptbnnk zu Berlin, K o e s, du versiegeltes Paket überreichte, mit der Bitte, dieses Moses Mendelssohn zu übergeben. Auch ist der Inhalt jenes Paketes nicht erhalten geblieben, jedoch aus dem nachfolgenden Briefwechsel erhellt mit aller Deutlichkeit, daß «las Paket einen nustühr* liefen Entwurf einer jüdischen Besiedlung Palästinas enthielt. Einen Monat, nachdem La v a t c r seinen berühmten Brief an Mendelssohn schrieb, in welchem der Züricher Pfarrer den Dessauer Denker zur A nn ah me de 8 C11 rist e n tums öffentlich aufforderte, fand der uns interessierende Briefwechsel statt. Dieser Ist nach/iilcscn in ״Moses Mendelssohns Ge• sammelte Schriften; fünfter Band, S. 431 ff.; Leipzig, Brockhaus 1841“, eine Veröffentlichung, die seither keine neue Auflage erlebt hat u11<l die von zionistischer Seite, meines Wissens, niemals Beachtung gefunden hatte. Wir lassen nun den ganzen Briefwechsel folgen. 1. Kocs an Mendelssohn ״Es ist mir die Anlage von einem Manne von Stande, und den ich als Menschenfreund kenne und liebe, zur Be- Stellung zugesandt worden; doch mit dem Begehren, seinen Namen zu verschweigen, es sei denn, daß nach Durchlesung dieselben ihn zu wissen verlangen. Die beliebige Antwort werde ich richtig besorgen. Ko es. Berlin, den 23. Januar 1770.“ 2. Schreiben eines Mannes von Stande an Mendelssohn ״fIochzuverehrciider Herr Moses Mendelssohn! Große Männer sind besonderen Vorlällcn ausgesetzt. Die Aufforderung des guten Herrn Lavater hat Sie’ notwendig sehr betreffen müssen; die gegenwärtige, die in einem pani anderen Geschmack ist, wird Ihnen vielleicht noch sonderbarer, wo nicht gar alintletierlich Vorkommen; sie Ist imlesr.cn wenigstens so "gut, so aufrichtig gemeint wie niftg* lieh. Mrin.rlientiehe hat den Gedanken clngcflößt. So schwer es ist, die verdeckten Glinge der menschlichen Leidenschäften in seinem eigenen Herzen nusziispürcn, so habe Ich doch Ursache״, zu hoffen, daß wenigstens das mcinlge *ich nie einen Gedanken erlauben würde, der sich nicht mit der reinsten Absicht verknüpft fände, das Wold des ganzen menschliehen Geschlechtes zu 11cfördern. Ich darf es sagen, Ich habe mich in den Umständen befunden, wo ich zwischen dem Wohl eines Staates und meinem eigenen Interesse, sowohl an Ehre als nn Einkünften, wählen mußte! nilein keinen Augenblick habe ich angcslnndcn, was Ich wählen sollte: das allgemeine Wohl ist mir stets lieber als das meinlge gewesen. Eröffnen Sie, wertester Herr Moses, die Beilage, jedoch unter einer Bedingung, für welche die Denkungsart eines 80 würdigen Mannes wie Sic sind, mir die Bürgschaft leistet. Die Be- «lingmig bestellt darin, daß Sie, wer ich «ei, nicht «nszttforschcn *ich bemühen werden; hauptsächlich aber, niemals von dem Inhalte jemandem, wer cs auch «ein möge, etwas entdecken wollen, im Falle dcrselbige Ihnen ein törichter Einfall zu sein Vorkommen sollte, oder auch nur Ihnen nuszuführen unmöglich schiene. Die väterliche Liebe verblendet uns gar zu oft über «11c Gestalt der von uns gezeugten Mißgeburten; wie leicht konnte cs mir diesmal so gegangen sein? Indessen ist die Sache von solcher Beschaffenheit, daß, wenn Sie «Ins Urteil fällen, daß es־־ eine Mißgeburt sei, Ich, aller •väterlichen liebe ungc,achtet, mich völlig davon überzeugt finden werde. Sie können es mir dreist also eröffnen, was Sic davon denken, und gewiß versichert «ein, daß mich die höchste Mißbilligung von Dero Seiten nicht im allergeringsten die Hochachtung und Bewunderung, vermindern werde, mit der ich jederzeit verbleibe Dero dienstcrgcbcncr, obgleich unbekannter Verehrer. ׳ Berlin, im Jamtario 1770. Sie können die beliebige Antwort in dieselben Hände überliefern, «iitrch die Ihnen gegenwärtiges zugcstellt werden wird, Dcrselbige Freund kennt mich zwar sehr wohl, weiß aber ganz nichts von dem, was die Beilagen enthalten. Eröffnen Sic die Beilagen nicht früher, als bis Sic allein sind, und belieben Sie die Siegel abzuschneiden und nicht zu zerreißen.“ ' 3. Mendelssohn an den Mann von Stande ״fetz muß gestehen, daß ich von der politischen Verfnssung der Staaten nicht mehr weiß, als man etwa durch den gemeinen Umgang mit Leuten, die nicht sehr über meinen Stand erhaben sind, lernen kann. Wie kann Ich also ein Projekt beurteilen, daß die tiefsten Kenntnisse der Statistik voraussetzt. Uehcrliaupt genommen, scheint mir die Idee groß und in einem Geiste entstanden zu *ein, der sich »einer Kräfte bewußt ist. Der Eifer für die Toleranz, der Abscheu vor der Hierarchie, und «Ile Gesinnungen in Absicht nuf Religion und Sitten beweisen, daß der Verfasser so groß wla weise zu denken gewohnt ist. Selbst «lie Zuversicht, mit welcher derselbe von der Ans• fülirimg eines so kühnen Unternehmens spricht, hat mir für dessen Charakter eine nicht gemeine Hochachtung eingeflößt. , . . Die Kühnheit meines Geistes, wenn ich anders etwas davon besitze, erstreckt sich bloß auf spekulative Dinge, Im Praktischen hin ich stets tn einer allzu engen Sphäre eingeschränkt gewesen, als daß ich die Fertigkeit hätte er• langen können, mich zu großen Dingen zu erheben und über gemeine Schwierigkeiten hinwegzusehen. Wer kann seiner Größe eine Spanne zttlegcn? Die größte Schwierigkeit, welche mir dem Plane im Wege zu stehen scheint, ist der Charakter meiner Nation. Sic ist nicht vorbereitet genug dazu, irgend etwa» Großes zu unternehmen. Bert)!nck unter welchem wir seit 10'vielen Jahrhunderten leben, hat unserem Ödst alle Vigttcur genommen. Es Ist nicht unsere Schuld; allein wir können nicht leugnen, daß der natürliche Trieb zur Freiheit in uns alle Tätigkeit verloren hat, Er hat *ich in eine Mönchstugend verändert und äußert sich bloß Im Beten und Leiden, nicht Im Wirken. Ich verspreche mir sogar von meiner so sehr zerstreuten Nation den Geist der Vereinigung nicht, ohne welchen der iihcrlegtcsic Entwurf scheitern muß. Von der anderen Seite scheint mir dl« Unternehmung immneßliche Summen zu erfordern, und ich, der Ich weiß, daß der Reichtum meiner Nation mehr im Kredit als ln wirklichem Vermögen besteht, kann nicht glauben, daß Ihre Kräfte hinreichen, solche zu erschwingen; wenn auch übrigens die Begierde zur Freiheit noch so große und die Liebe nun glänzenden Metall noch so geringe Gewalt über sie haben sollte. Alle diese Schwierigkeiten ungerechnet, scheint mir ein solches Projekt nur alsdann ausführbar zu sein, wenn die großen Mächte Europas |11 einen allgemeinen Krieg verwickelt sind, und jede für sich zu sorgen hat. In der Ruhe, in welcher sie dermal» leben, kann eine einzige eifersüchtige Macht (und deren werden nicht wenige sein) das Projekt scheitern machen. Die unglücklichen Krettzzüge scheinen diese Besorgnis nur ztt sehr zu rechtfertigen. Ich sende also die mir vertrauten Papiere mit der fcler• liehen Angelobung eines ewigen Stillschweigens hiermit zurück. Die natürliche, und In jedem anderen Falle nicht milöbliclie Begierde, eine Person, «lie man bocbachten muß, näher zu kennen, verspreche ich gleichfalls zu unterdrücken, Moses Mendelssohn. Berlin, den 26. Januar 1770,“ * 1 v Zu dieser Korrespondenz seien folgende kurze Remerkungen gestattet: 1. Wer war der ״Mann von Stande“ und was war «1er genaue Inhalt der Beilagen? Daß er ein gebildeter, menschenfreundlicher Mann war, sieht man sowohl aus seinem eigenen Schreiheu an Mendelssohn, als auch aus dessen Ant• wort nn ihn. Die Vermutung Hegt sehr nahe, daß «1er ״Mann von Stande“ und Bankdircktor Koes eine und dieselbe Person war. Das ließe sich leicht aus einem Vergleich der Manuskripte feststellen. Es Ist auch kaum snz.unehmen, daß der Verfasser, wer immer er sein mochte, das von Mendels• sohn zuriickgcr.chickte Manuskript vernichtet hätte. Irgendwo, vielleicht in einem verschollenen Winkel einer Bibliothek, oder in den Archiven einer, Gesellschaft, zu der Kocs gehörte, muß das Manuskript aiifgefundcn werden können. Es wird ein großes Verdienst für einen jeden sein, der eich die Mühe gibt, dem weiter nacluuspüren, ׳; . 2. Mendelssohns Antwort an «len unbekannten ״Mann von Stande“ ist in allen Einzelheiten bemerkenswert, von dem geradem prophetischen Satz über den Weltkrieg, bis zur feinen Ironie In der Bemerkung über seinen Umgang mit Leuten, ״die nicht sehr über seinen Stand erhaben sind“. Man beachte, was der Vater der deutschen Haskala als die größte Schwierigkeit in der Durchführung des zweifelsohne zionistischen Planes betrachtete: Der ״Charakter meiner Nation, in der der natürliche Trieb zur Freiheit alle Tätigkeit verloren hat". Der natürliche Trieb zur Freiheit müßte also, nach dieser Bemerkung Mendelssohns, die Nation zur Durchführung des Planes bewegen. So hat der große Denker, der Vorkämpfer der ״Befreiung“ der deutschen Juden doch eingoschen, daß die erstrebte ״Freiheit“ in der Diaspora nur eine vermeintliche, nur eine künstliche sein kann, und daß die natürliche Freiheit nur durch die Erfüllung des zionistischen Ideals zu erreichen ist. Dieser Brief Mendelssohn» sollte «11 den emanzlpations• trunkenen Juden zu denken gehen, die »ehr oft unter Be• rttfimg auf Mendelssohn den Zionismus bekämpfen. Seit Mendelssohns Brief sind 150 Jahre verflossen. In einem Teil der Judenheit »ind die Verhältnisse noch genau die• selben, wie sie Mendelssohn so treffend schilderte. In einem anderen aber bat sich vieles geändert. Der Weltkrieg hat, wie Mendelssohn es vorahnte, politisch den Weg geebnet. Der natürliche Trieb zur Freiheit hat die höchste Wirkung*• kraft entfaltet in den Herzen eines großen Teiles unseres Volkes. Ich brauche nur ׳die Chalurim zu nennen, «leren Scharen sich heute in allen Ländern Europas regen. Wenn schließlich dieser natürliche Trieb alle Kreise des Volkes umfassen wird, so wird es sich zeigen, um in Mendelssohns Sprache zu reden, die Begierde zur Freiheit über sie eine mächtige, die Liehe zum glänzenden Metall aber einer gar geringe Gewalt haben wird. Denn auch darin ist der Brief Mendelssohns bemerkenswert, «lall er für die Durchführung des Planes unermeßliche Summen als erforderlich erachtete. Das ist ja heute die größte Schwierigkeit, die wir zu über• winden haben. Möge dieser Brief des großen Denkers seine Wirkung auf das Geschlecht der Urenkel nicht verfehlen. Johannesburg, im März 1924. Zustimmung der ukrzlnisdien Stmjflreglmmn zum Plane der Jüdischen Kolonisation in der Krim Kiew. (J.T,A.) Die ukrainische Sowjetrepublik hat dem Plan der jüdischen Massenkolonisation in der Ukraine und der Krim ihre offizielle Genehmigung erteilt. Die Genehmigung wurde in die Form eines Beschlusses gekleidet, der von der ukrainischen Sowjetregimmg gelallt wurde und folgendermaßen lautet: Als eine Folge der Bedrücktmgsmaßnalimcn des früheren zaristischen Regimes, das die Juden daran hinderte, sich auf dem Lande niederzulassen und die Landwirtschaft zu pflegen, befindet sich die jüdische Bevölkerung ln einer außerordentlichen sozialen und ökonomischen Stellung. Da cs jetzt ungefähr 8 000 000 Des* fatinen besten Bodens gibt, der noch nicht bebaut worden ist; da der Beginn einer Kolonisation jgroOen Stils in dieser unbebauten Gebend eine dringende Notwendigkeit für das Ökonomische Wohlergehen des Landes ist, so 'wird beschlossen, daß die Sowjetrepublik der Ukraine in Verbindung mit der föderativen Regierung in Moskau Schritte unternimmt, die cs der ökonomisch zugrunde gcrichtefen jüdischen Bevölkerung in den Städten ermöglichen, sich in dem unbebauten Land im Süden der Ukraine und im Norden der Krim niederzulassenj ferner sei beschlossen die!•'rage 41er Fonds für diesen Koltmi• sationsplan mit der Moskauer Regierung und den jüdischen auswärtigen Organisationen, die in den Sowjetrcptthliken tätig sind, zu regeln. Der vor einigen Tagen aus Moskau nach New York 7urückgcl;e''r1״ i ׳her der Joint-Arbcit in Rußland, Dr. Boris Bogen, äußerte sich in einer der Presse übergebenen Er* klärting optimistisch über die Zukunft der Juden in den vom Kriege betroffenen ländern Osteuropas. Das \ü disclie Leben in Rußland, sagte Dr. Bugen, beginnt sich nt konsolidieren, besonders in Anbetracht der Tatsache, daß die jüdischen Massen, die durch den Krieg und die soziale Revolution wirtschaftlich vernichtet sind, sich dem׳ Ackerbau, besonders in der Ukraine und der Krim, zuzuwenden beginnen. IXe Krim, so schließt Dr. Bogen, bc• ginnt der Mitteln unkt der jüdischen Koloni• s a t i 0 n zu werden. (Mit dieser zuversichtlichen Auffassung steht Dr. Bogen im Gegensatz zu so ziemlich allen anderen Berichten aus Sowjclrullland. — Red.) Persönliches. (Lippmann Bloch — 75 Jahre alt.) Als der Weckruf Theodor׳ Herzls erschallte, war cs In West• europs — wir können das ruhig zugesteben — fast ausschließ• lieh die Jugend, die ilun folgte. Die ältere Generation war so sehr in deutschen Ideen, im Deutschtum aufgewachsen, daß sic selbst bei Erkenntnis der Gefahren, die damals das Juden• tum bedrohten, nicht mehr imstande war, sich politisch um• rustellcii. Nur wenige der an Jahren nicht mehr ganz Jungen bildeten damals In Deutschland eine rühmliche Ausnahme. Eine dieser Ausnahmecrsclielntingen war Lippmann Bloch in Breslau, «ler nunmehr am 2. Mai 75 Jahre wird. . Aber Herz, Gemüt und Verstand sind ihm jung geblieben. Nicht bloß sein stets gutes Herz, sein jüdisches Gemüt, auch sein durch• dringender Verstand halten ihn als einen der ersten sich zum Zionismus bekennen lassen. Doch er begnügte sich von allem Anfang an nicht mit dem Bekenntnis. Er stellte sich gleich in die Reihen der für den Zionismus Arbeitenden. Ihm war es selbstverständlich, daß das Bekenntnis zu einem so weit• bewegenden Gedanken große Opfer erforderte und freudig zollte er ihm seinen Maasser zu einer Zeit, als die Idee des Maasser im Zionismus noch nicht einmal ausgesprochen war. Er schützte nie die sonstigen Anforderungen vor, die an ihn stets in übergroßer Zahl — und nie vergebens — herantraten, wenn es galt, die zionistische Arbeit zu fördern׳. Wieviel besser wäre es um unsere Arbeit bestellt, wenn viele so gehandelt hätten o. er heute nur so handeln würden wie er| Lippmann Bloch wußte mich stets sofort die Konsequenz des Zionismus zu riehen, wenn dieser von irgendeiner Seite angegriffen wurde, Dies erfuhr der Centralvercin, erfuhr, der Hilfsvercln und manche Breslauer Organisation. 1905 machte er mit seiner Frau eine Reise nach Erez-Israel. Herz• liehe Freundschaft verbindet ihn mit unseren Freunden David Yellin und Kremeneizky. Wir wissen genau, daß jedes Wort, das wir hier von Lippmann Bloch schreiben, seiner übergroßen Bescheidenheit widerstrebt. Wir glauben aber doch es' der Organisation schuldig zu sein, ihr bei diesem Anlaß van dem stets großzügigen Wirken unseres Freundes wenig• , stens einige* zu erzählen und ihm selbst unsere Verehrung > zum Ausdruck zu bringen und den Wunsch, daß es ihm noch recht lange vergönnt sein möge, sich seiner guten Taten zu erfreuen und den Fortschritt unserer Arbeit in Erez-Israel mit Befriedigung zu »ehen. hs. *

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