Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1924-05-02 · Heft 35 (2.5.1924) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 35 (2.5.1924)
Date
1924-05-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2651273-2652595-2652628--15719-2675039
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 252 IUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 35 Neue Einv;anterm!g7,erltlil»!e Au» Jerusalem meldet J. T. A.: Die Palnstlnaregierung 11 nt fünfzehnhundert Einreisevisen für die nächsten drei Monate zur Ve rf ügu 11 ff .gestellt, die für fiint/cimiumdert gelernte und landwirtschaftliche Arheiler bestimmt sind. Seit einiger Zeit gibt es faktisch keine Arbeitslosigkeit mehr in Palästina, vielmehr bestellt jetzt eine Nac 11 frage nach Arbeitskräften. — In der letzten Woche sind 500 jüdische Einwanderer in Palästina aiigdangt. Elite Erklärung (!er P.'iläslinn*Regierung zur WSlunngsIrsgc Die Regierung veröffentlicht die folgende offizielle Fest- Stellung, die sich mit den kürzlich erfolgten Erklärungen der palästinensischen Araber zu der in Aussicht genommenen Einführung einer palästinensischen Währung befaßt: ״Hinsichtlieh des Zweckes des kürzlich ernannten Währungskonti• tces scheint in einigen Kreisen eine falsche Einschätzung zu bestehen. Dieses Komitee ist ernannt worden, um Erkund ungen über die W ii h r u 11 g s f r a g c einztizichen; cs sind aber ln dieser Beziehung keine endgültigen Entschcidüngen getroffen, auch ist noch nichts in Angriff genommen worden. Der linuplgrimd zu den jetzigen Erwägungen liegt darin, daß Palästina eine große Geldsumme jährlich dadurch verliert, daß die Zinsen aus dem Gegenwert der im Umlauf befindlichen ägyptischen Banknoten der Aegyptischcn Nationalhank /!!fließen mul nicht der palästinensischen Regierung. Für den Fall, daß die neue Währung cingcführt wird, ist beabsichtigt, daß sic nicht nur auf einer örtlichen Basis beruhen soll, sondern sie soll durch die Verbindung mit der brit ischen Währung voll gesichert sein, in derselben Weise, wie cs jetzt bei der ägyptischen Währung der Fall ist. Jlcrlicrt Saniue! über Palästina Ein Vorwort zum Führer für den Palästinapavillon der Ausstellung in Wembley, llcrbcrt Samuel hat für das zur Eröffnung derbritischen Rcichsmisstellung in Wembley hcrsiisgcffcbone Handbuch des P a 1 ü s t i n a P a v i 11 o n s das Vorwort geschrieben, das nach einem Auszug der J.T. A. lautet: ״Durch die Uclicrnnlimc «!es Mandats für Palästina hat Großbritannien eine Aufgabe von historischer Bedentung übernommen. Dem Christentum ist Palästina das heiligste aller Länder. Dem Judentum ist cs die geliebte Heimat, auf die sieb aller Schmerz und die zweitausendjährige Sehnsucht konzentrieren: cs ist der Mittelpunkt einer die ganze Welt umfassenden Bemühung und großer persönlicher Opfer in der Gegenwart, sowie «las ernnbenc Ideal der Zukunft. Der Islam hängt an Palästina wegen der «lort gelegenen heiligen Stätten, wegen des langjährigen Bcsitzrcciites an diesem Lande, sowie wegen «ler großen Mehrheit tier jetzt dort lebenden mohammedanischen Bevölkerung. Das Land wurde nicht dem britischen Reich zu,gesprochen; wir hallen es als T r c 11 h ä n d (c r. Alle Rassen und Konfessionen besitzen dort gleiche Rechte. Die Hoffnungcii der Juden der ganzen Welt, in Palästina wieder eine nationale Heimstätte aufzuhaucn, werden unterstützt, Die bürgerlichen und religiösen Rechte der Araber werden gleichfalls geschützt. Man hofft, in Palästina sowohl eine arabische als auch eine jüdische Erneuerung zu erreichen. Die Tore des Landes sind für Pilger und Reisende der ganzen Welt weit geöffnet. Wir fanden ein durch Jahrhunderte lange Mißwirtschaft verödetes Land vor. Große Landstrecken waren mnlariavcrscucht, Eisenbahnen waren nur wenige vorhanden, die Straßen waren sehr unzulänglich; Häfen gab cs keine; die natürlichen Einnahmequellen waren ganz unentwickelt und eine Industrie gab es beinahe überhaupt nicht. Fast alle Erfordernisse eines zivilisierten Staates fehlten, cs mußte ganz von vorne angefangen werden. Der britische Steuer- Zahler hat die Kosten für die in Palästina stationierten Truppen bezahlt — eine Last, die in den vergangenen vier Jahren von jährlich 4.(100.0:0 Pfund auf jährlich 900.000 Pfund vermindert worden ist und die, wie man erwartet, sich auch weiterhin vermindern wird. Alles übrige wurde von «1er Palästina-Regierung aus eigenen Hilfsquellen bestritten, Zu der Zollverwaltung hat Großbritannien nichts beigetragen. Obgleich Palästina dem britischen Imperium nicht angchürt, hat man es mit Rücksicht darauf, daß es ein britisches Mandatsland ist, zur Teilnahme an dcr_ großen Ausstellung eingcl.ulcn.“ Samuel schließt: ״Ge• schützt durch die Macht und gestützt durch die Führung des britischen Reiches, inspiriert durch seine eigene glorreiche Vcrgangcnlicit und getragen von der Achtung und dem Interesse der drei größten Religionen der Menschheit, erwacht Pa• lästina in unseren Tagen aus dem jahrhundertelangen Schlaf und blickt mit Hoffnung und Vertrauen auf die Morgenröte einer neuen Epoche der Arbeit, durch die es zur Größe ge• langen wird.“ hatte für den 21. April fünfzehn prominente . '־־ ' י■Hüll Arabisch•Iranzoslsche Kämpfe in Syrien In Südsyrien ist cs, wie aus Adana gemeldet wird, zu schweren Zusammenstößen zwischen französischen Truppen und der Bevölkerung gekommen, Fianzö• s!sdie Flugzeuge mußten mehrere Ortschaften bombardieren, Die Lage wird als ernst bezeichnet. Nach den letzten Meldüngen sind einige tausend Mann französischer Truppen in Beirut gelandet. Auf einer ausgedehnten Kü»teilstrecke Im südlichen Syrien hat eine Art von F.ntsdicidimgskampf zwischen Rebellen unu Franzosen begonnen. Die Kämpfe daucrteil (am 1. Mai) noch an, und cs hat den Anschein, als ob «der Kcbcilcnführcr Su lei mann Herr der Lage sei. Kleine Palästina •Nachrichten Nach einer neuen Zusammcnslfllim;,׳ über di? in Palästina In hebräischer Sprache e rs c h e i n e nd e n Z e i t u ת• gen und Zeitschriften gibt es zurzeit dort insgesamt 2* criLr,*'ß,e Prcßorganc. Davon sind «Irci‘ Tageszeitungen, sechs Wochenblätter, zwei 11,1111111011,1 äsblättcr, acht Monats• Schriften und fünf Zweimonatsschriften. Die folgenden Informationen wurden dem Waad Leu ml offiziell seitens der Regierung erteilt: fm September 1022 wurden 11 ״/« aller Depeschen l n hebräischer Sprache (latcinRtlicr Schrift) nufgegeben; im September 1023 wurden 10־/״ aller Depeschen in hebräischer Sprache und lateinischer Schrift gesandt. Der Waad Leum i hat In seiner Sprung vom 11. April bcBchlosaeii, die in Palästina für den Keren Hageulah ge• sammelten Gelder zum Bau eines großen Hmtae* zu vorwemlc.i, das sämtliche Büro« der öffentlichen Jüdischen Institutionen mi'nehmen *■11<■־, l.ord und Lady Astor, Mitglied des englischen Unterlauscs besuchen zurzeit Palästina und halten sich äugenbhcklicii in Jerusalem auf. Herbert Samuel auswärtige Persönlichkeiten, die sieh zurzeit in Prfüitiun auf• halfen, zum Tee ringelnden. Im Verlaufe der Unterhaltung über die wirtschaftlichen Möglichkeiten Palästinas gab Sir Herbert Samuel seiner Hoffnung Ausdruck, «laß Palästina das Handels ■und Industriezentrum des Ori. ents werden wird. Die arabische Zeitung ״L1 s a a n * e I * A r a b“ bringt einen Leitartikel, in welchem sie den Vorschlag macht, zur Lösung der schwieligen politischen und wirtschaftlichen Fragen des Landes eine von Juden und Arabern beschickte allgemeine palästinensische Konferenz einzuberufen. Wir entnehmen dem erwähnten Leitartikel folgende»! ״I'alä:,tiu,ו ist in der letzten Zeit in politischer und Wirtschaftlieber Beziehung in eine so schwierige Lage gekommen, daß cs unmöglich ist, hierzu weiter zu schweigen. Es ist notwendig, mit Einsicht und Ucbcrlcgunjg die Heilmittel zu suchen, um aus dieser schwierigen Situation herauszukommen. Der polt• tische Zustand im Laude hat sich so verschlechtert, daß er nicht gebessert werden kann, ohne daß beide Teile der Bevöikc rungda rau Anten nehmen. Wir glauben daher bestimmt, «laß mir «lic Einberufung einer allgemeinen nalär.tmcnsisclien Konferenz, auf der alle Laudeskinder ilire Schmerzen Vorbringen, die Heilung bringen kann. Wir sehen nicht ein, warum sich nicht alle Gruppen in diesem Ziele vereinigen sollen. Auf dieser Konferenz müssen wir 1111$ auch mit den Juden im Lande vereinigen, damit die Einheit vollständig wird. Wenn die Einigung auf dem politischen Gebiete nicht möglich sein sollte, so Ist sic sicherlich zu finden durch eine Lösung' aller wirtschaftlichen Schwierigkeiten, Die Bewohner des Landes kennen sich bereits so gut, daß sic sich einigen müssen, und auch die Juden ün Lande sollen den Schaden, der ihnen dadurch erwachst,'daß sie untereinander gespalten sind, bereits ein,“ . Eine Vereinigung der ״Moslem P a 1 e s 11 n ia n Yo u t h“ wurde in Haifa gegründet. Die Ziele dieser Jugcnd-Vcreinigmig sind: Schutz der arabischen Sprache, Erhaltung der Sitten und Gebräuche, Förderung des Ackerbaues und der Industrie lind Zusammensehlicßung der Christliehen und mohammedanischen Jugend zu gemeinsanier Arbeit. Die Pal. Tel, Agentur erfährt, diß die griechischen Patriarchen von Jerusalem, Alexandrien und Antiochien dem Patriarchen von Konstantlnopel die Einberufung einer Tagung in Jerusalem vorgesrlilagcn haben. Auf der Tagung soll die Vereinigung der Kirchen, sowie die Frage der Kalenderrctorm erörtert werden. Oberrnhhincr Jacob Melr und Rabbiner Z. P. Frank besuchten den Olicrkommi'sar Sir Herbert Samuel und erörterten mit ihm die Frage der ״Agunoth“ (Frauen, deren Männer vermißt werden). Nach dem jiidischcn Gesetz dürfen sich solche Frauen nicht wieder vcrheiraten, bis nicht ihre Männer als tot gemeldet sind. In Palä lina leben über hundert Agunoih, deren Männer während des Krieges in der türkischen Armee gedient hatten und seither vermißt sind. Sir Herbert Samuel versprach den Rabbinern, sich an den britischen Gesandten In Konstantlnopel zu weil len und Ihn zu bitten, von der türkischen Re״iertmg genaue Informationen über das Schicksal der vermißten Männer elnzuliolen. Der Wcllkongrcss Jildisriier Studenten Antwerpen. (J. T. A.) Am Dienstag, den 29, Anril, abends, wurde in Antwerpen der erste Weltkongreß der jüdisehen Stitdcntcn-Organisalkinen eröffnet. Bei der Eröffnung waren SO Delegierte aus 16 Ländern anwesend Etwa 2000 Juden aus Antwerpen wohnten der Eröffnungssitzung als Gäste lieh Vertreter «ler staatlichen und der Ktadthrhörden sowie der jüdischen Organisationen Belgiens begrüßten den Kongreß, —■ Am Mittwoch, den 30. April, bereitete der Bürgermeister von Antwerpen den studentischen Dele״lerien einen offiziellen Empfang tm Rntlmuse. Am i. Mal wird Im Opernhaus eine von der Stadt Antwerpen veranstaltete Festauffölirung zu Ehren der Delegierten staf!finden, bei welcher die Oper ״Der goldene Hahn“ von Rimskl-Korsakoff zur Aufführung gelangt. Die Stadtverwaltung Antwerpens hat für die Delegierten ein Rundrclseboot zwecks B״slchtlp׳ung des Hafens und der Docks zur Verfügung gestellt. Von den Delegierten aus Polen sind Mitteilungen eingetroffen, daß die polnischen Behörden sich geweigert haben, ihnen Pässe a 11 s zu s t e 11 e n. Man hat deshalb eine Ver- Schiebung des Kongresses um einige Tage In Erwägung gezogen. Inzwischen hat das Kongrcßhflro bei der polnischen Ges,•indisch,aft in Brüssel und dem polnischen Auswärtigen Amt ln Warschau dringende Schritte unternommen, daß den Delegierten aus Polen die Teilnahme am Kongreß ermöglicht werde. Die Glclclilierediflßimfj der indischen Fran In Palästina Von unserer Jerusalemer Korrespondentin. Eine Sitzung von ungewöhnlichem Interesse (and diese Woche im Jerusalemer Beth Am statt. Die Gesellschaft für Gleichberechtigung der Frau hatte zu einer Protestvcrsnmmhing gegen das Vorgehen der Orthodoxen in Palästina eingeladen, *lic auch der 3. Asscfath Haniwcharlm den Boykott angekiimligt haben, falls Frauen als Dc'cglcrfe an derselben teilnclmicn solllen. Den Vorsitz, führte Miss Hcnrlefta Szoid. Unter den Rednern waren die Herren Dr. Klausner und Sprinzak sowie die Frauen Asarjahu und Sukenlk In der Menge, die den Saal bis zum letzten Platz, füllte, befand sich vor ־allem eine große Zahl von Arbeitern. Unter leidenschaftlichem Beifall wurde die folgende Resolution an genommen: ״Wir palästinensischen Frauen, die Ihren Anteil an der Arbeit zum Aufbau unseres Landes gemeinsam mit dem Manne tragen, erlichen energischen Protest gegen jeglichen versuch, uns unsere politischen und bürgerlichen Rechte nt verweigern, und protestieren auch gegen •den Vorschlag einer Volksabstimmung, der unsere elementarsten Mensche r:chle anzwclfclt, Wir fordern unbedingte Gleichberechtigung auf allen Lchensgehietcn.“ Die Geschichte des Kampfes für die Gleichberechtigung In Palästina enlhält eine Fülle von spannenden Momenten, Wällrcml des Krieges war'den palästinensischen Frauen in vorher unerreichter Weise Gelegenheit gegeben worden, sich an der Arbeit zur Erhaltung der Gemeinschaft zu beteiligen. Von Sarah Thon wurde zur Zeit der Einnahme von Jerusalem durch die Engländer eine besondere Gruppe lür Frauen ״׳'heit organisiert, und sic war auch die erste Frau, die in clnet führende-palästinensische Körperschaft: den Wand Ha*• ni.ini, gewählt wurde. Damals erwachte das Losungswort: Gleichberechtigung der Frau!, «las von Anfang an bei bestimmteil Kreisen auf heftige Gegnerschaft stieß, Diese Diskussion nahm an Schärte zu, als für den Stadtrat von Haifa eine Frau als Kandidatin aufgestellt wurde, Dann!» käme* 110 Frauen der verschiedensten Kreise zusammen, um für die Olclchbercrhligiing zu demonstrieren, und ihnen gelang t«, die Wahl der Kandidatin diirchzusctzen. In verschiedenen Orten: Jaffa, Tiberia s, Safed formten sich nun Frauengcsellachaften zur Weiterführimg des Kampfes. Besonders lebhaft wurde dieser in Safed geführt, wo — infolge einer starken Auswanderung der Männer — die Zahl der Frauen bei weitem über wiegt Dort wurde von den Frauen aller, auch der orthodoxesten Kreise, zur Zeit der Stadtratswahlcn eine Dcmonstrations* Versammlung einberufen, bestehend aus 300 Menschen, die nicht wankten und wichen, auch dis ein Polizei auf• gebot aic auscinandcrtrciben wollte. Schwer war auch der Kampf in I'etach-Tikwah, wo Frauen aller Klassen auf der Wahl weiblicher Mitglieder des Kolon cvorstaiidcs befanden, eines Tages mit Gewalt in . eine Wand-Sitzung eindrangen und die Wahlurne umwarfen. Aber dort war die Gegnerschaft orthodoxer Kreise so stark, daß bis mm heutigen tage noch keine Frau zur Verwaltung der Kolonie ziigclar.scn worden ist, während in vielen anderen Kolonien Frauen im Waad sitzen. Einen glänzenden Sieg errangen die Frauen zur Zeit der 1. Asscfath Haniwcliarim: Vierzehn Frauen hielten ihren Einzug in diese* Volkspsrlsment. Gleichzeitig mit dem Kampfe für' die politische Gleichbcrechtigung begann derjenige für die Gleichstellung der Frau vor dem Gesetz, dem sich vor allem die amerikanische Acrztin Dr. Strauß mit großer Energie wiüniete. Die Mehrzahl der RcchUfälie zwischen jüdischen Parteien wird ln Palästina nicht dem Rcgicrungsgcriclit, sondern den Rabbinatsgcrichten zur Entscheidung vorgelcgt und nach talmudischcm Gesetz entschieden, das der Frau so elementare Rechte, wie das der Vormundschaft über ihre Kinder verweigert und sic iin Erbrecht schwer bccintrüchtigt. Während mm einige aufgeklärte Rabbiner sich bemühen, zugunsten der Frau so weit wie irgendmöglich dieses Recht mit modernem Gerechtigkeitsgefühl in Einklang zu bringen, fällen andere — teilweise ans Gründen bestimmter Politik — Rcchtsprüche, die jeglichem modernen Gerechtigkeitsgefühl Hohn sprechen. Als der Kampf der Frauen lür ihre Gleichbercchllgimg e'rue'.zte, erwachte sofort ein heftiger Gegenkampf seitens des Misrad i I a r a h b a 11 u t. Um über die unhaltbare Lage zu beraten, beriefen die Frauen eine Vcr• Sammlung von Juristen, führenden Beamten und Leitern jüdlscbcr Institute ein. Der Kampf für die Gleichberechtigung der Frau vor dein Gesetz, hatte freilich seine Schwierigkeiten, da er Ja teilweise die Form einer Gegnerschaft gegen das jüdische Gesetz annchincn und sich gegen das geistliche Gericht wenden müßte, das von der Regierung bei den Juden ebenso wie bei den Mohammedanern tofcr!crt wurde. Ein Ausschuß gelaugte schließlich zu einer Synthese: in einem Memorandum an die Landesregierung wurde um Gewährung des Privilegs ersucht, daß eine Frau, die sich nicht dem Rabbinergericht unterwerfen wollte, sich an ein jüdische* Lalengericht wenden dürfe. Diesen Vorschlag wies die Regierung ab unter dem Hinweis, «laß im Falle einer Ablelimmg de* Rabbmergenchtcs durch eine der Parteien da» Regierungsgericht zu entscheiden habe. Immerhin brachte die Kenntnis der Tatsache, daß den Frauen noch eine andere Rechtsinstanz ollen stand, die Rabbiner zu einet sorgfältigen Wahrung der Frauenrechte. Der Kampf der Frauen um das Erbrecht hatte den gewünschten ErTolg: die Regierung gab ein neues Gesetz heraus, das die Frau mit den übrigen Erben gleiche stellte. Ein neues Kapitel in dem Kampfe um die G'eichbcrechtigung begann, als im Lande die lebhafte Bautätig• kclt e!n*elztc. Weite Krc>e wehrten sich nämlich gegen den bestellenden Zustand, wonach Grundeigentum auf den Namen efnes Mannes eingetragen werden mußte, so daß die Frau keinen rechtlichen Anspruch darauf erheben konnte. In Jerusalem wurde ein moralischer Druck ausgeübt und erreicht, daß z. D. in dem heuen Viertel Bone Baict srfiFcßlich die Mehrzahl der Häuser auf den Namen beider Eheleute eingdfragen wurdfe. Ekle Frage, wc'cher die .,Verci׳־lr1!ng für Glrichberechtigtmg der Frau" ebenfalls Ihre Aufmerksamkeit zuwandte, war die de* H e 1 r a t s a 11 c ra. Unter «len Aerzten war es besonders Dr. Helene Kagan, die Erhebungen über die vorderblichen Folgen der Kinderehe anstellte: in ihrer Praxis gab cs Fälle, in denen eine Fünfimdzwnnzigj'ihrige schon Mutter von zehn Kindern war und andere Fälle, in denen eine Sechzehnjährige schon drei «xier vier tote Kinder geboren hatte. Das Los «kr mit 12 oder 13 Jahren verheirateten armen Geschöpfe, die siccli und hilflos eigentlich noch selber der Pflege einer Mutter bedürfen, statt dessen aber einem sic prügrlndcn, in vielen Fällen um das dopnelte und dreifache älteren Manne .111*,geliefert sind, ist eine* der traurigsten Kapitel im Leben der orientalischen Juden. Bei diesem Kampfe landen die Frauen Unferstü'zimgdurch das Misrad Harabbanut, welches versprach, die von den kleinen Rabbinern aulgesetzten Hcirafskontrakte zwischen Menschen im Kinderalter nicht anzuerkennen. Außerdem richtete die Acrztin Dr, Strauß ein Ersuchen an die Landesregierung, das Hel• ratsalter auf mindestens 17 Jahre nlnaufzusetzen. Zu einer brennenden, das ganze Land beschäftigenden Frage wurde die Gleichberechtigung der Frau zur Zeit der 2. Assifath Haniwchnrim im Frühling 1922: da die Mehrzahl der Parteien auf seiten der Frauen stand, nahm der Mlsrachl nicht Teil an «Irr Tagung und sprengte damit «las Volksparlament. Im Anschluß an diesen ernsten Konflikt fand Im Sommer 1022 eine Sitzung «k* Wand Leumi statt, die vom Abend bis zum nächsten Morgen um V/1 Uhr dauerte und in der die Frauen für ihr Rocht, am Volksparlament tcilzimehmen, kämpften. Eine Interessante Episode auf dieser Sitzung war «Ins Erscheinen der Frau Seeliger vom Misrachi-Frauenhund, die eine Resolution vcrlns, wonach Ihre Gruppe gegen alle Forderungen der Frauen nach politischer Gleichberechtigung pro'cstiertc. Trotz dieser Resolution, die mir einen peinlichen Eindruck hinterließ, erklärte damals der Waad-Leumi, daß er die volle Gleichbcrechtigung der Frau anerkenne. Jetzt steht die 3. Assifath Haniwcharlm bevor, und damit ist aufs neue der Kampf der Frau uin ihre Rechte in den Vordergrund gerückt worden. Wieder erklärt der Mi*• rachl, daß er »ich nicht beteiligen werde, falls auch die Frauen mr Tagung zugelassen werden, und in weilen Krei* sen richtet sich die Volksinelming gegen diesen Vernich des MDrachi, die Frauentage zum Vorwand zu nehmen, um »ich der au* anderen Gründen unerwünschten Teilnahme ain Volksparlament zu entziehen. Seibstveis'änd'irh leistet beson* ders die Arbeiterschaft den Frauen grolle Hilfe bei ihrem Kampfe um die Anerkennung ihrer menschlichen Gleich• bcrechtigung. Noch ist dieser Kampf unen schieden, und t* kann geschehen, daß in einem Lande, in dem sich allmählich e'ne ganze Fülle weiblicher Intelligenzen sammelt und in dein «He Frstt In einer unerhörten Anspannung Ihrer Kräfte an der Gründung der neuen Gemeinschaft mitarbeitet, Ihr wiederum die Mitbestimmung über da* Leben dieser Gemein schaft versagt werden wird. H, H. C, I

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.