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Jüdische Rundschau · 1924-05-02 · Heft 35 (2.5.1924) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 35 (2.5.1924)
Date
1924-05-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr.59410, — RcdnktinnsschluQ Sonntag und Mittwoch nachmittag. — su.rccsrrsr־jrר•.--tbzcz.i 1 ,עב;,י־-." -.ב.״־ז כ״ח ניסן׳ תיס״ר 23""2* ..*"«ST*1! inm** i 1 XXIX. Jahr; Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten ttelmsKltte In Palästina. ״Qasolar Programm.‘* Die neue Chance Eine merkwürdige Erfaltrunp des Privatlebens scheint sieh auch in der Politik zu wiederholen: Die Schwierigkeiten, Widerstünde und Hindernisse häufen sielt zu gewissen Zeiten, eins kommt immer erschwerend zum anderen, stets neue, und erhallte Anstrengungen zur Ucberwimlung• und Abwehr erfordernd. Dann aber lösen sich auf einmal alle Widerwärtigkeiten gleichzeitig oder in rascher Folge auf und der eben noch unendlich mühevolle und schwierige Weg liegt wieder eben und voll künftiger Verheißungen vor uns. Leider entspricht aber häufig diesem eigenartigen Polaritätsgefüllt unserer inneren Lebenserfahrung dann auch das Maß der dadurch hervorgerufenen Anstrengungen. Eine Kraftaiistrcngung erfolgt bei Einzelnen und bei Völkern nur sehr selten spontan, zumeist bedarf es noch des äußeren Anstoßes oder des Anreizes durch die Widerstände, die zu überwinden sind. So ergibt sich in Zeiten leichterer und müheloserer Arbeit dann oft als psychologische Folge ein Nachlassen der Anspannung, eine Erschlaffung der Energien. Vielleicht hat diese Ersclieinung wiederum im Kreislauf der Wiederkehr das Wachsen neuer Schwierigkeiten und Erschwernisse im Gefolge. Auf diese Gefahr des Naclilassens, des allzu optimistischen Vertrauens und der daraus folgenden Ein- Stellung des ״laissez faire-Iaissez aller" muß daher gerade in einem Zeitpunkt, da das politische Gesichtsfeld sich wieder erweitert, der Horizont sich aufklärt, die Situation sich günstiger gestaltet, mit nachdrücklicher Warnung lüngcwiescn werden. Es wäre vollkommen verfehlt, die gewünschte Wirkung dadurch zu erzielen, daß man nach dem Vorbild einer etwas ordinären Padagogik sieb hütet, eine zu günstige Bilanz aufzustellen und die nächsten Aussichten lieber pessimistischer einschätzt. Das wäre nichts anderes als das Pendant zum wilhelminischen Obrigkeitsstaat, der den Bürger infolge seiner Einschätzung als politisch unreif in die ausschweifendsten Hoffnungen auf ״herrliche Zeiten" wiegte und ängstlich die ״Schwarzseher" fcmhiclt. Diese Methode ist ebenso falsch wie die entgegengesetzte prinzipieller Schwarzmalerei. Jede auch noch so gutgemeinte Iliusionierung muß eines Tages zcrflattcrn und auf die Dauer ist die Wahrheit nicht zu verbergen oder zu verschleiern. Nur kommt die Enthüllung bei dem einen Volk rascher als bei einem anderen. So soll klargcstellt werden, daß die zionistische Situation zurzeit als wirklich günstig bezeichnet werden darf. Und während früher zu den schweren Sorgen in Palästina auch noch die großen Schwierigkeiten der Organisation und der Juden in den Diasporaländern hinzukamen, während nicht nur auf dem Gebiete der Geldaufbringung, sondern auch auf dein der Außenpolitik und der Kolonisation manches trüb aussah, hat sich die Lage in den letzten Monaten zugleich auf allen diesen Gebieten bedeutend gebessert. Ein deutlicher Gradmesser hierfür ist die Stimmung in Palästina, die unvergleichlich zuversichtlicher ist als noch vor nicht allzu langer Zeit. Unsere vielleicht allcrschwcrstc Sorge, die Arbeitslosigkeit, ist gebannt. Nachrichten aus Palüstina besagen, daß man dort bereits ganz, entgegengesetzte Befürchtungen hegt: Furcht vor einem Mangel genügend zahlreicher jüdischer Arbeiter, ein Mangel, der ein Eindringen der arabischen Arbeit in jüdische Unternchmungen zur Folge haben kann. Denn gleichzeitig —- auch hier die oben erwähnte Erfahrung der Polarität des Lebens- und Gcschichtsablaufs bestätigend — haben sich nicht nur neue Arbeitsmöglichkeiten wie der Tabakbau und Steinmetzarbeiten erschlossen, sondern die Aussichten des Arbeitsgebiets, das früher einen Hauptteil der Chaitizim absorbierte, der Bautätigkeit haben sich gebessert und hier werden wieder neue Kräfte verlangt. Darüber hinaus ist aimmchmcn, daß ungefähr im Herbst (vielleicht etwas später) durch die Ausführung der seit langem geplanten größeren Projekte, z. B. des Ruthenbcrguntcmchmcns, des Haufenbaus, des Baus neuer Handeisviertel in Jerusalem und Haifa usw. eine sehr starke Nachfrage nach gelernten Arheitskräfter! entstehen wird, die auch durch die zurzeit wieder erhöhte Einwanderung nicht wird befriedigt werden können. Manche unserer mit den Landes- und Arbeits- Verhältnissen wohlverirauten palästinensischen Freunde erheben daher die Forderung nach rechtzeitiger Vorbcrcitung der vierten Alijali. Es braucht ja nicht erst ausgeführt zu werden, daß vom nationalen Gesichtspunkt noch viel schlimmer als Arbeitslosigkeit ein dauernder Zustand des Mangels an jüdischen Arbeitern wäre — eine gottlob kaum Wirklichkeit werdende Befürchtung, (in Parenthese: wenn man sich an den früher lüiufigen antizionistischen Einwand, daß die Juden gar nicht nach Palästina gehen wollen, erinnert, erkennt man erst, welch außerordentlichen Erfolg des zionistischen Gedankens es bedeutet, daß wir eine derartige Befürchtung überhaupt nicht in Betracht zu ziehen brauchen. Dieser Erfolg ist vielleicht größer als alle politischen Errungenschäften.) Auch die objektiven Bedingungen im Galuth sind viel aussichtsreicher geworden. Wir meinen hierbei gar nicht die durch Dr. Weizmanns Arbeit in Amerika erschlossenen Möglichkeiten. Was die Beteiligung der Niclilzionisten anlangt, m ist wohl anzunehmen, daß über kurz, oder lang insbesondere auf dem Gebiet der Privatinitiative viel Wertvolles ans Amerika zu erwarten ist. Vor Uebcrseliätzungcn haben wir jedoch immer gewarnt und, wer jetzt die in unserem Blatte fortlaufend veröffentlichten Berichte über die New Yorker Palästina- Konferenz, vom 17. Februar liest, wird selbst aus den Reden der Teilnehmer einige Schlüsse ziehen können. So falsch und ungcred.it es wäre, die Ernsthaftigkeit der Bereitschaft unter den amerikanischen Nichtzionisten in Zweifel zu ziehen und die vielfach ganz außerordentlieh bemerkenswerten Reden auf der erwähnten Konferenz. als amerikanischen ״Bluff“ abzutun, ebenso ttnrichtig wäre cs, in der vorbereiteten Invcstitionsgescllschaff eine Art Panazee für alle künftigen ökonomischen Sorgen beim Palästina-Aufbau zu erblicken. Ausschlaggebend wird in letzter Linie, was wir immer wieder betont haben und was auch weiterhin unser cetcrum censco bleibt, die Anstrengung der Zionisten selbst sein; ob sic sich nun auf die Gewinnung von Menschen oder auf die Gewinnung von Geld richtet. Wenn wir nun auch die Ergebnisse der amerikanischen Keren Hajessod- Kampagne in diesem Jahre mit größter Vorsicht einschätzen wollen, so erscheint doch zweifelsfrei ein Ergcbnis gesichert: Wir werden ins neue Budgetjahr nicht mehr wie in den früheren Jahren mit neuen, in den Sommermonaten mitgenommenen Schulden cintrcten, soudem auch in diesen Monaten wird voraussichtlich aus den Ergebnissen der Wintcrarbeit genügende Deckung der Erfordernisse vorhanden sein, Zum erstenmal ist im Vorjahre dieser Zustand erreicht worden, ohne den früher jeder Etat schon zu Beginn des neuen Rechnung«- jnhrcs über den Haufen geworfen und alle. Voraur.bcrcchinnigen unmöglich wurden. Man weiß, welche Bedcutung im vorigen Jahre das Vorhandensein entsprechender Mittel zu Wintersanfang besonders für die landwirtschaftliche Arbeit hatte. Ergibt «ich, daß durch die diesjährige Keren I lajcssod-Arheit nur das reguläre Budget gedeckt wird, so ist auch das schon ein großer Erfolg, Denn dann können alle Eingänge aus den europinselten Ländern und den anderen Weltteilen für den außerordentlichen Etat und darüber hinaus auch für größere im Budget nicht vorgesehene produktive Anlagen verwendet werden. Hinzu kommt als ein sehr gcwicli׳ tiger günstiger Umstand die ebenfalls erst in der ietzlcn Zeit erfolgte Währuugsstaliilisicrung in Mittel- und Osteurop;!. Fs besteht infolgedessen unter der Voraus■ Setzung planvoller und intensiver Arbeit die bestimmte Hoffnung, daß die aus diesen Ländern zu erwartenden Keren Hajessod-Eingängc sehr beträchtlich sein werden. Wenn beispielsweise Amerika ans eigenen Kräften das kleine Paliistina-Bmlget decken kann, und die anderen Länder außer Amerika eine entsprechend hohe Summe noch für das Investitions-Budget aulhrlngcn, was durch■ aus im Bereich der Möglichkeit liegt (selbstverständlich kann die Verteilung auch umgekehrt erfolgen), so wird sicherlich diese Tatsache auf den Gang der Arbeit sowohl in Amerika wie in Europa den größten Einfluß haben. (Von der Erreichung unserer größeren Ziele in Ercz-Isrr.cl dadurch sprechen wir i!1 diesem Zusammen hang׳ gar nicht.) Es muß nämlich auf alle Spender den stärksten Anreiz, ausiiben, wenn ihnen gezeigt werden kann, in welcii größerem Maßstabe, rascherem Tempo, sichtbarerer Gestalt dürch ihren Beitrag der Aufbau des Landes forlschreiiet. lieber die politische Lage braucht wohl nicht viel gesagt zu werden. Die Arheilerrrgieruiig in England, der Rücktritt einer Reiiic antizioiiistisclicr Beamter in Palästina, Samuels entschlossenere Haltung den Arabern gegenüber angesichts deren unveränderter Intransigenz, das Nichtzustandekommen eines Anglo-Hcdjns-Vertrnges, der den Anschluß Palästinas an die arabische Kon■ föderal ion Vorsicht, die Konzentrierung der Interessen der Hnssciniten auf die Kalifatsfrage, die Streitig■ keilen zwischen den arabischen Staaten im Nahen Osten und die inneren Zerwürfnisse unter den palästinensischen Arabern, die eine antizionislisclic arabische Einheit«׳ front von vornherein unmöglich machen — das sind alles Tatsachen, die ־zur Stabilität der politischen Situation des Zionismus beigdragen haben. י So ist die Sachlage. Wieder einmal haben wir eine neue Chance. Wieder einmal wird sich zeigen, ob wir aus den Erfahrungen der letzten schweren Jahre ge■ lernt haben, nicht nur das Ausmaß unserer Anstren- Rungen auf allen Gebieten der Arbeit zu erhöhen, son■ dcrii auch die augenblicklich gegen früher größere Mög׳ lieiikcit der Einbeziehung aller Länder in die zionistische Arbeit zu nutzen. Wie an dieser Stelle letzthin darzustellcn versucht wurde, ist neben der Kraft und Mächtigkeit unserer Bemühung auch ihre Gleich« zcitigkeit an allen, auch den kleinsten Zentren zio. mstmeher Tätigkeit von größter Bedeutung. Ein neuer, und verheißungsvoller Aspekt eröffnet sich uns in dieser neugestalteten Konstellation. ״Zu neuen Ufern lockt ein neuer Tag". 5. K. ' Drtc! aus Palästina Der Tourlstenstrom — Aufstellungen — Ein neues Arbeiterheini in Jerusalem — Veranstaltungen In Jerusalem — Musn Katrins Abfuhr Jerusalem, den 23. April 1924. Die Peßaehwoche stand ganz Im Zeichen der jüdlsehen Touristen. Nachdem durch drei Monate der diesmal starke Fremdenverkehr Palästinas fast ganz aus Christ« liehen Touristen bestanden hatte — man schätzt die Zahl der jüdischen Touristen seit Januar auf zirka 500 —1 kamen in der Woche vor Peßaeh zirka 1500 jüdische Touristen ins Land. Der größte Teil von ihnen waren Gäste aus Polen und Rumänien, die zusammen über Constanza angckommen waren. Palästina hatte sich diesmal für seine Gäste . mehr oder weniger vorbereitet und eine ganze Reihe von Ausstellungen zeigten den Touristen ein Bild jüdischen Lebens. In Tel-Awiw fand eine Ausstellung heimischer palästincnsischcr Produkte statt, die unter dem mehr und mehr populär werdenden Schlagworte ״Tozereth Haarcz“ (Produktion des Landes) die Produktivität des Landes auf allen möglichen Gebieten zeigte. Sie war auch für die Palästinenser eine Entdeckung. Daß auf dem Gebiete der Förderung eigener Produktion noch sehr viel geleistet werden kann, ist ganz außer Frage. Eine kleine Anekdote illustriert fibri« ge ns recht gut den weiten Weg von der Theorie bis zur Praxis der heimischen Produktion. Vor einigen Tagen be« suchte der Zivilsekretär Palästinas, Gilbert Clayton, die Ausstellung und nahm dann eine Mahlzeit in Tel-Awiw ein. Da Peßaeh war, wurden ihm Mazzoth vorgesetzt, aber da die Veranstalter des Festessens den palästinensischen Mazzoth nicht recht trauten, setzten sie dem hohen Gaste ausländische׳ Mazzoth vor. Der Zufall wolitc es, daß Clayton fragte, wo die Mazzoth erzeugt seien, und als man ihm sagte, es seien amerikanische, verlangte er selbst, man möchte ihm doch, nachdem er soeben die Tozeretli-Haarez-Ausstcllung besucht hatte, palästinensische Mazzoth vorsetzen. ... Die Ausstellung war auch von deutschen Firmen beschickt und wurde von vielen Arabern besucht. Es ist mir zu bedauern, daß nicht auch Araber als Aussteller tcilgenommcn haben. ln Jerusalem gab es zugleich drei Jüdische KunstaussteHunge n, dazu Ausstellungen versclüc« dener Institute, der Hadassali, der Kooperative ״Solei« ho 11 eh“ und eine große pädagogische Ausstellung, welche ein Bild der von den Kindergärten, Volks- und Mittel« schulen des Waad Hachiiiuch geleisteten Arbeit in den ver* schicdenen Fächern entrollte. Zu den Festlichkeiten gehörte auch die Orundstein« legung des Ar beiter he ims in Jerusalem. Das Heim: wird auf N'ationaHondsbodcn im Ratisbonvicrtcl errichtet, die Baukosten werden ungefähr 25 ÖÖO Pfund betragen. Das I laus wird sämtliche Institut! onenderArbeltcr« schalt, die Konsumgenossenschaft, die Arbeiterküche, die Arbcitsvermittliingsstflif, ׳Krankenkasse und Ambulatorium, Arbriterliotcl, Werkstätten, Kooperativen, Bibliothek, Vortrag.«- und Theatersaal, eine Schule für arbeitende Kinder usw. umfassen. Im übrigen gab es in Jerusalem für die Gäste Theater« aufführungen, Oper, Volksliederabende und vor allem ein Sportfest nach dem anderen. Ob es notwendig war, die ausländischen Gäste bei ihrer Pilgerfahrt nach Palästina gerade lange in der Stadt festzuhalten, um ihnen zu zeigen, daß die palästinensische Jugend auch turnen und Fußball spielen kann, ist manchen fraglich. Es will uns scheinen, daß ein innigerer Kontakt zwischen den Touristen und den Stätten der Aufbauarbeit Palästinas, den landwirtschaftlichen Siedlungen vor allem, für die ole rege! aus dem Galuth segensreicher gewesen wäre. Immer« bin: Das Zusammenströmen so vieler Touristen aus allen Teilen der Welt gab dem Palästinenser das Gefühl der clementaren Macht der Bewegung, welche hinter de n jüdischen Palästina steht.! A11 politischen Ereignissen dieser Woche ist nur die verdient scharfe Antwort zu verzeichnen, welche der Zivilsekretär Clayton im Aufträge Sir Herbert Samuels dem Exekutivkomitee des arabischen Kongresses auf seine Denkschrift wegen der Purim Vorfälle gegeben hat. (Wir brachten bereits eine Inhaltsangabe in unserer letzten Nummer. — Red.) Sie lautet: ״Mein Herr, ich habe Ihnen mitzutcilcn, daß Ihr offener Brief vom 3. April an seine Exzellenz entsprechende Beachtung gefunden hat. Er ist jedoch so voll von auffallenden Ungenauigkeiten uml groben Entstellungen der Tatsachen, daß er eine detaillierte Antwort überflüssig macht. Ich füge hinzu, daß es i n Z u k 1111 f t, bevor Sie derartige Briefe an die Regierung richten, angemessen wäre, daß §ie an der richtigen Quelle sich über die Genauigkeit der Feststellungen erkundigen, welche Sie machen." Der offene Brief Muss Kasims war offenbar nicht für die Regierung, sondern für die breiten Massen bestimmt und es ist fraglich, ob die Antwort der Regierung der Agitation, für welche er bestimmt war, Einhalt zu tun imstande ist h. b.

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