Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 34 (29.4.1924)
- Date
- 1924-04-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 248 JUEDISCHE RUNDSCHAU Kr. 34 Tf^XÖ ן I \ ^יייי^, ך'׳־/י י i ' / } 1 (i fli. 41 ■*» V«. * * 3r1׳׳-p״^/ ך״\ 11״ 1#* •4 fe» ז Jt t. ץי־יר׳^» ך ו; r ך ^׳י"•־׳ י; 114 ו1!| ••"י* וי j i4s1iC)3r# x\j ’ ( ן ' i t 4k--* V״ ... ״, ö j* •—»׳!*^י־•׳•׳, \# V *r J* 1 f ״■ <*» j ׳ ׳•J» Vi*•׳'׳' mJ» *- ■ ר o » » ך ־־•* "I r | ^» ... v, f C*״**^* K—1*1 Ä1 t# t» c. ך־ I ( #.״ ■ r-% י• ^/י י ן״ך *'״ ,«•זיליץ \ ן• ■J ,/',ק-«י^ ךל^“י^ד ל*"* few-J ''W׳'״ ■tl.L 2...... Z!י £ Dte Diskussion ■ ■ Nachmlttagssitzung Die Sitzung begann von neuem um 3 Uhr nachmittags »mfer Vorsitz von Mr, Marshall. Mr. Marshall: Wir haben die Genugtuung, unter uns Dr. Simon, den Präsidenten der allgemeinen amerikanischen Rabbinerkonferenz, zu sehen. Ich weiß, daß wir ihm alle sehr dankbar wären, wenn er uns seine Meinung über die Fragen, die w׳ir jetzt erörtern, bekanntgeben wollte. (Ikifall.) Dr. Simon: Man hat heule vormittags gesagt, daß die Zeit des Handelns gekommen sei, und auch ich glaube, סן weniger Worte, desto ln <>r. Ich bin mehr als erfreut, daß mir' die Möglichkeit geboten wurde, bei Ihnen zu erscheinen. Ich kam, weil ich ein sehr lebhaftes Interesse an der Frage besitze. Ich fühle, daß die Zeit für dic|c11igcn von uns, die offen auf einem nichtzionistisehen Programm gestanden haben, gekommen ist, w׳o sic eine Möglichkeit haben, nicht nur sich zu äußern, sondern auch sich manchem Vorschlag nuzu-schlicßcn, den wir unbeschadet unseres Standpunktes amichmcn können. Vielleicht sind Sie erstaunt über die Frage, die ich gleich beim Beginn der Sitzung heute vormittags an den Vorsitzenden gestellt hatte. Ich wollte wissen, wie viele von den Anwesenden tatsächlich Nichtzionisten sind. Ich glaubte, man müsse tatsächlich eine Scheidung zwischen den sogenannten Schafen und den Böcken durchführen, denn ich würde wünsehen, daß ein Vorschlag wie der jetzt zu erörternde, die Jcwisit Agency und die Invcstitionsgcscllscliaft, nur von Nicht• Zionisten beschlossen werden sollte, und der wahre Erfolg der Sache wird darin liegen, daß die Nichiziom'stc'n diese zwei Vorschläge verwirklichen. Aus diesem (}runde möchte ich, daß diejenigen von 11ns( die nicht mit dem Keren Hajcsgxl verknüpft sind, daß diejenigen von uns, die nicht mit der zionistischen Propaganda verknüpft sind, diese Vcrsainmhing führen und sich offen und ernstlich über die vor uns stellende Frage misspreciicn. Und idi glaube, wir werden uns in schöner Einigkeit und sicher in praktischer Zusammenarbeit fiir das große Projekt finden, das vor 11:18 steht. Unter diesem Gcsiclitsminkt, unter dem Gesichtspunkt, daß wir die Mögliehkeit naben, für zw־d große Aufgaben zu handeln, bin ich hierher gekommen. Ich glaube, für diejenigen von uns, die an Palästina interessiert sind, ist die Zeit gekommen, um eine Methode zu stieben, nach der wir unsere Absichten zu einem klaren, ausführbaren Projekt verdichten können. Vor uns stehen zwei!•'ragen. Finerneih die Jevvisli Agency, andererseits die Invcslitioiisgcscllsclinft. Ich glaube, daß man beide als vollkommen unabhängig voneinander betrachten kann, und doch sind sic irgendwie miteinander verknüpft. Die erste, die Jevvisli Agency, ist nach meiner Meinung das realste geistige P roblcm, das nicht nur vor dem amerikanischen Judentum, sondern vor dein Judentum der Welt stellt. Ich glaube, cs ist möglich das jüdische Volk der Welt in einer Körperschaft zu vereinigen, die in keiner Weise diejenigen van uns, die sich Niclit/ionbtcn nennen, auf ein poltt i s c h e s Programm verpflichtet. Idi glaube, c s i s t möglic 11, cine Plattform zu schaffen, auf der wir alle arbeiten können, um die Doktrin, die These, das Progranim der Bnlfour-Dcklaration nuszuführen. Wie das durchgesetzt werden soll, will ich hier nicht in den Details untersuchen; ich weiß cs nicht. Aber ich fühle, daß ich nicht von der Arbeit in Palästina ausgeschlossen sein darf. Ich glaube, daß keine Organisation ein Proramm formulieren sollte, dem ich nicht ehrlich zustimmen önnte. Und hier bietet sich mir die Möglichkeit. Ich weiß, daß ich, wenn ich für Palästina arbeite, durch eine Organi- Ration oder als Einzelner arbeiten kann. Es ist unmöglich, durch Einzelne zu arbeiten, weil das zu nichts führt. Wenn wir durch Organisationen arbeiten, so gibt es nur zwei Orgnnisationen, die ich kenne, einerseits die Zionistische Organisation und andererseits das Palestine Devclopmcnt Council. (Brandeis-Qruppe. — Red. ״J. R“) Nun glaube ich: wenn eine Jcvvish Agency geschaffen werden kann, die. wenn Sie wollen, alle übrigen Vertretungen absorbiert oder die sich mit den übrigen Vertretungen nach einem Verhältnismaßstab vereinigt, so bin ich sicher, daß wir Reformrabbi 11 er von der Konferenz, uns Ihnen freudig anschließcn werden. Wir wünschen eine solche Zusnmmcnarbcit. Wir werden aber mir mitarbeiten, wenn wir uns darüber verständigt haben, daß wir offen und ehrlich mitarbeiten können. Ich glaube nicht, daß das ein sehr schweres Bedenken sein wird, insbesondere, wenn beide Teile ihren Fanatismus bei- Seite setzen und wenn beide Teile (und hier wende ich mich mir an die Nichtzionistcn) Methoden fcstsetzen und durchführen, wie wir ehrlich mit der zionistischen Agency arbeiten können. Solange wir das nicht tun können, werden die Reformrabhiner sicher nicht mittim. Wir wollen ehrlich, wir wollen offen sein, wir wollen uns verständigen. Der zweite Vorschlag der Inmfitionsgcsellschaft bietet, glaube ich, sehr wenig Schwierigkeiten. Ich glaube, daß er sofort angenommen werden kann. Wir von der Konferenz, haben uns dem Palestine _ Development Council gegenüber verpflichtet, wir haben ein oder zwei gemeinsame Konimissionen. Unsere Leute wollen etwas für den wirtschaftlichen Wiederaufbau Palästinas tim. Icii bin aber genötigt, zu giauben, daß selbst in dieser Beziehung nicht eine so vollständige Zusammenarbeit vorhanden ist, wie es notwendig wäre. Daher glaube ich, daß die neue Invcstifionsgcscll- Schaft, die die Aktiva und die Begeisterung und die Kraft des P. D. C. übernehmen wird, auch die Mitarbeit der Reformrobbincr von Amerika für sich haben wird. Und so möchte ich, ohne Ihre kostbare Zeit in Anspruch zu nehmen, einfach sagen, daß ich in meiner persönlichen Eigenschaff eine parteiliche Organisation dieser Art begrüße. Ich glaube, Sie leisten ein wirklich historisches Stück Arbeit. Ich glaube, Sic schaffen wirklich eine Grundlage, auf der die Juden Amerikas stehen und mit einer Arbeit und einer Einmütigkeit und mit einem Ernst arbeiten können, die im Grunde schon den Erfolg dieser Vorschläge-sichern. Darum möchte ich, ohne mehr darüber zu sagen, was ich zu tun hoffe, wenn sich später eine Möglichkeit dazu zeigen wird, Sie in meiner persönlichen Eigenschaft zu der Initiative dieser Gruppe weitblickender und ernster Männer beglückwünschen, die schon durch diese Versammlung eingefeitet Ist. Ich hoffe, daß aus dieser Zusammenkunft von Nicht- Zionisten eine Organisation entstehen wird, die sich an Verantwortlichkeit, an Initiative, an Mut und an jüdischen Werten mit jeder anderen Gruppe von Juden, wo immer Sn der Welt, messen kann. Ich aanko Ihnen, (Beifall.) Air. Marshall: Ich würde cs begrüßen, wenn Jetzt einige Redner sich freiwillig rnckku würden, damit wir ihre Ansiciit erfahren können, ohne daß dar» Präsidium jemanden zum Worle ruft. Ich bitte Sie, zur Kenntnis zu nehmen, daß sflhsfvei'stäiidlicli liier vollkommen freie und unbehinderte Möglichkeit der Diskussion besieht. Bitte, vielleicht wird Riciilcr Stern sprechen, (Beifall.) Richter Stern: Ich glaube nicht* Mr. Marshall, daß ich zur Diskussion etwas Wertvolles hinzufügen kann. Mr. A'tarshall: Sie haben die Angelegenheit sorgfältig erwogen, Rieh!er, wir möchten Ihre Ansicht hören. Ich habe noch keine Gelegenheit gesehen, wo Sie nicht einer Disktission Nützliches hinznzufügen gehabt hätten, Richter Horacc Stern: Ich fühle wirklich nach der Ein* Icitnngsrcdc der Versammlung von Mr. Mars ha II heute früh und nach den ausgezeichneten sachlichen Darlegungen von Dr. Wcizmnnn, Dr. Ru pp in und den übrigen Rednern, die diese Darlegungen behandelt haben, daß »ehr wenig zu sagen übrig bleibt. Ich glaube, daß dies eine unparteiische Konferenz ist, daß jeder Redner zunächst sieh zu er* kennen geben soll, und wir haben mehrere solche Er- Klärungen heule vormittags gehört. Wir lütten die Bejaher, wir haben bisher noch' keine richtigen Verneiner gehört, aber wir hatten einige Ncuirnlc und einige bejahende Neuträte. Ich zögere niclit, zu sagen, soweit jemand etwas über seine eigene Meinung in einer so schwer faßbaren, flüchtigen und komplizierten Sache sagen kann, daß ich, soweit ich eine Anschauung habe und diese Anschauung kenne, wohl ein Nichtzionist bin, das heißt, daß ich niclit an einen politischen Jndenstaat, wie er heute gefordert wird, glaube. Aber ich habe mich überzeugt, daß diese Frage bei dem der/ciligeii Zusiand der Dinge ctw׳a so. wichtig und so entscheidend ist, wie die Frage, ob jemand an die Einstein* sehe Relativitätstheorie glaubt oder nicht. Ich glaube, die Frage von Zionismus oder Nichtzionismus hat mit der Lage, vor der wir heute stellen, nichts zu tun, die, wie Mr. Marsh,all sagt, eine Wirklichkeit und durchaus keine Theorie ist. Denn schließlich scheint mir die Frage, ob in Palästina ein politischer Staat entstehen sali oder nicht, keine Frage zu sein, die hier und heule, im Jahre 1921, in der Stadt Newz York, entschieden werden soll, und auch nicht im Jahre 1925 in der Stadt Jerusalem oder London; sondern, wenn die Frage jemals entschieden werden wird, so glaube ich, sie wird cntscliiedcn werden, sagen wir lieber durch unsere Enkel als durch unsere Kinder —- steiler nicht durch uns. Denn in der Wirklichkeit steilen die Menschen nicht als Anfang der Kolonisation eines Landes Prinzipien auf, die sic nachher in Wirklichkeit Umsetzern Das ist nicht der Weg, auf dem die Geschichte jemals gegangen ist oder auf dem irgendein Land gegründet wurde. Als die ״Pilger“ nacli Massachusetts und die ״Kavaliere“ nach Jamestown kamen, kamen sic niclit mit einer vorgefaßten Idee davon, was das Land genau werden sollte. Und wenn sie mit einer solchen Idee gekommen wären, hätten sie wahrscheinlich bittere Enttäuschungen erlebt, ehe noch viele Jahre vergangen wären. Tatsächlich sind von 1607, in welchem Jahre die Kolonisten von Jamestown kamen, bis 1739, wo die Verfassung der Vereinigten Staaten angenommen und der Staat begründet wurde, 182 Jahre vergangen, wie Sic leicht nachrechnen können. Und wer kann sagen, wieviel Jahre vergehen werden, bevor wirklich in Palästina Juden ln genügender Zahl und von genügendem Einfluß und Gewicht sein werden, um ü!x:r R e g i c r u 11 g s fo r 111 c n und c n d g ü 1 tige Bestimmungen, ser cs über Fragen der Religion, der Rasse, der Politik öder der Nation zu entscheiden? Wer Rann sagen, was in diesen Jahren dazwischen geschehen kann? So ist also die Frage eigentlich die, ob wir Theorien über die künftigen Schicksale eines Menschen diskutieren sollen, während dieser Mensch 1111 Sterben liegt, oder ob wir diesem Menschen ein bißchen Medizin einflößen und die Zukunft sich selbst (!!!erlassen sollen? Und wie icii Dr, Weizmann vorhin im Privatgespräch gesagt habe: wem! ein Kind auf der Straße verhungert, werden wir alle hingchcn und versuchen, i!1m etwas zu essen zu geben und werden ihm niclit zuerst eine Reihe von Fragen vorlcgon und sagen: Wenn du groß wirst, willst du ein Jude oder ein Christ werden — und wenn ein Jude, ein reformierter oder ein orthodoxer, und glaubst du an Palästina oder nicht? Wir werden dem Kinde Essen geben, und wenn cs mit unserer Hilfe groß wird, werden wir die Zukunft sich selbst überlassen und hoffen, ob er ein Zionist oder ein Nichtziomst ist, daß er im rechten Augenblick das Rechte tun wird unter Gottes Führung und unter Verhältnissen, die sicli mit der Zeit ändern und die der menschliche Verstand niemals vorher bestimmen kann. Und was diese Theorien anlangt, so glaube icii, daß ich, obgleich ich in keinem Sinne Zionist bin, sehr einverstanden damit bin, daß von 1c!zt in fünfzig Jahren meine Enkel im Hotel Astor darüber beraten und meinetwegen entscheiden. Heute sehe ich die Dinge, wie sie sind, und ich sehe vor allem, daß die Welt, wie das heute hier schon gesagt wurde, den Juden eine Chance gegeben hat. Sic hat sie den Juden gegeben. Sic hat keinen Unterschied zwischen Dr. Weizmann und dem bittersten Antizionistcu gemacht. Sic hat sic den Juden gegeben. Und die Welt wird das Ergebnis danach beurteilen, was die Juden mit dieser Chance tun. Und wir dürfen nicht versagen, denn dann würde die Welt dem Juden sagen: ״Was wir immer gesagt haben, ist wahr. Ihr seid keine aufb'micndo Kraft. Ihr habt weder das Blut noch die Seele von Pionieren. Ihr seid nur klcino Geschäftsleute und HUndler. Ihr seid die Parasiten, die von fremden Kul* turen leben, aber ihr könnt nichts aus eige* ncr Kraft von Grund aufbauen“ Das wird man sagen. Und ich glaube, in diesem Sinne hat Mr. Marshall heute gesagt, er halle es für wichtiger, diese Aufgabe zu erfüllen und nicht zu versagen, als irgendwelche Auslegungen oder Klagen oder Kritiken unserer antisemitischen Feinde zu be* Kämpfen. Und schließlich kann man doch niclit übersehen, daß sich die Tore der Welt langsam aber sicher für die Juden verschließen. Selbst hier in den Vereinigten Staaten wissen wir, daß das bevorsteht. Wir hoffen, es noch abwenden zu können, aber die Tatsache bleibt bestehen, daß die Einwanderung von Juden nach Amerika wahrscheinlich, wenn niclit jetzt, so ln nicht allzu fernen Jahren, mehr und mehr beschränkt und daß Vielleicht die Zeit kommen wird, wo Palästina da* einzige Land Ist, wo die Juden eine Zuflucht finden können. Nehmen wir nun an, cs gäbe keinen Zionismus. Nehmen wir an, wir hätten niemals von Zionismus gehört. Nehmen wir an, Palästina wäre einfach eine engl Ilse he Kolonie, so wie Südafrika oder Kanada oder Australien englische Kolonien sind. Nehmen wir an, die zionistische Theorie wäre niemals formuliert worden, und nehmen wir an, England, das die Kolonie Palästina besitzt, würde den leidenden Juden der Welt sagen: ״Hier ist eine Kolonie, wohin ihr gehen und wo ihr bleiben könnt, wo wir im voraus garantieren, daß ihr immer willkommen sein werdet, wo ihr niclit jahraus jahrein darum kämpfen müßt, daß die Tore offen bleiben, sondern wo wir euch eine schrittweise wachsende Einwanderung Zusagen, wie das Land sie ertragen kann, und wo wir euch das Ehrenwort einer der freisinnigsten Regierungen in der Welt verpfänden, daß das so sein wird, und wir machen einen feierlichen Vertrag mit euch, um diese Tat- Sache zu sichern,“ Icii sage, ganz abgesehen vom Zionisnius, wenn dieser Vorschlag gemacht würde, bin ich sicher, daß dicJiulciivonAmcrikafastihrcnlctztcnDoHar hergeben würden, um diesen Plan als einen bloßen philanthropischen Plan verwirklicht zu sehen. Wie ich früher gesagt habe, bloß deswegen, weil manche Leute glauben, daß diese Kolonie schließlich zu einem jüdischen btnat werden wird und es wünschen (während ich glaube, daß diese Frage erst in der Zukunft entschieden werden wird), scheint es mir nicht, daß ich well Ich zufällig eine andere Theorie Uber die künftige Bestimmung der Juden habe, daß deswegen ich oder ein anderer Jude dieser Sache *eine Unterstützung verweigern soll. Zum Schluß möchte ich nur noch ein Wort von mehr praktischer Natur sagen. Soviel von der theoretischen Erörtcrung der Frage. Wenn das alles Ist, was wir heute hier tun, so scheint <s mir, daß unsere Mühe größtenteils vergcblich war. Ich höre Mr. Marshall gern spcchcn. Ich würde weiter ah von Philadelphia nach New York fahren, um ihn sprechen 7u hören. Und ich würde sicher gern eine weite Reise unternehmen, um Dr. W c i z in a n n und einige von den anderen Herren sprechen zu hören. Aber andererseits kann ich mich auch angenehm belehren und unter* halten, wenn ich in ein Museum gehe oder einen Vortrag höre. Und wenn wir heute nur hierher gekommen sind, um uns angenehm zu belehren, s c 11 ö n c Re d c n zu hören tmd diese Frage zu erörtern, wie wir irgendeine wisscnsrhnftliche Frage analysieren würden, dann würden wir heute nach Hause gehen und uns zwar geistig etwas be reichert fühlen, hätten aber damit für die Sache gar nichts geleistet. Ich glaube, daß, wenn aus dieser Versammlung nicht etwa» wirklich Aufbauendes heraus* kommt, etwas, was die Schlüsse, zu denen wir gelangen, in ,Wirklichkeit umsetzt, diese Zusammenkunft ziemlich vergeblich gewesen sein wird. Und ich kann nicht glauben, daß wir als praktische Menschen, die von verschicdcnen Orten hier zusammengekommen sind, uns mit einem so bedauerlichen Ergebnis .־!blinden können. Ich glaube nicht, daß Palästina jemals in beiläufiger Weise aufgebaut werden kann. Ich glaube nicht, daß es aufgebaut werden kann durt'h gelegentliche Spenden, die man hier und da von ein paar Einzelnen bekommt, die eben gerade durch Beredsamkeit mitgerissen sind. Ich zweifle nicht daran, daß, wenn Dr. W e i z.!11 a n n die Möglichkeit fände, jedes Jahr hlcrlierzi!kommen und eine Kampagne in den Vereinigten Staaten durehzufi'ihren, er jedes Mal Geld bekommt Ich glaube, Dr. Weizmann kann für jeden Zweck Geld bekommen. Und dasselbe gilt von Mr. Marshall. Aber ich glaube nicht, daß eine Aufgabe wie diese von dieser Methode ahhängen darf oder nbhängen kann. Wenn Palästina überhaupt aufgebaut werden soll, dann muß es groß* zügig aufgebaut werden. Wir sprechen jetzt von einem Lande, wir!lenken an große Dinge, cs wird Millionen von Dollars erfordern! ein Teil in Form von Investitionen, ein Teil in Form von Spenden; aber in welcher Form immer wird es nicht nur große Geldsummen erfordern, sondern es wird große Geldsummen periodisch und dauernd fordern. Und wenn wir nicht bereit sind, die Sache ordentlich anzupacken, dann hat cs überhaupt keinen Sinn, etwas zu tun. Wenn alles, was bei dieser Versammlung herauskommt, ein Komitee ist, das einen Plan für eine Gesellschaft zur Investition von ein oder zwei Millionen Dollars ausarbeitet, ohne daß außer* dem ein großer Plan, ein ernster Plan, ein sachlicher Plan für dauernde und ständige Investitionen oder Leistungen oder was immer besteht, werden wir vielleicht mit dem Gefühl weggehen, daß wir etwas getan haben, aber in Wirklichkeit werden wir sehr wenig getan haben. Wir werden dem Patienten noch etwas Hilfe geleistet haben, wir werden seinen Puls ein bißchen beschleunigt und sein Herz ein bißchen angeregt haben, aber wir werden ihm kein Hilfsmittel gegeben haben, das eine dauernde Genesung durch die Schaffung eines wirklicli gesunden Wesens sichert. Mit andern Worten: ich glaube (und das war meine Meinung sogleich, als diese Zusammenkunft angeregt wurde), daß wir uns für Palästina entscheiden sollen oder dagegen. Wenn wir nicht ganz und gar dafür sind, dann glaube ich, daß wir es ebensogut ganz fallen lassen können und ganz aufhören sollen, davon zu sprechen, denn wir haben noch viel Probleme, philanthropischc Probleme, antisemitische Probleme, Erzieht!ngs- Probleme und die Erhaltung alt unserer jüdischen Körnerschäften und Institutionen in Amerika und ln anderen Län* dern. Wir haben genug zu tun, auch ohne akademische Diskussionen über Palästina abzuhaltcn. Wenn wir andererseits glauben und als Ergebnis dieser Versammlung oder sonstwie zu dem Schluß kommen, daß Palästina für diejenigen, die hingchcn wollen, und zur Ehre des jüdischen Namens aufgebaut werden soll und muß, dann müssen wir es ordentlich tun. Wir müssen es ordentlich 'tun und wir können es nicht ordentlich tun durch irgendwelche krampfhaften und geiege 11 tlif 11 cn Leistungen. Davon haben wir schon genug gehabt. Darum sollte, wie ich sage, ein Komitee, da* heute’hier gewählt wird, oder irgendwelche Körperschaften, die aus dieser Zusammenkunft entstehen, meiner Meinung nach groß genug und stark genug und umfassend genug sein, nicht nur, um mit den Zionisten in der Jewish Agency zusammen* zuarbeiten, sondern um die Frage wirklich in großem Licht zu sehen, eine wirkliche Organisation in Amerika aufz 11 bauen, die zum Beispiel mit dem Joint Distribution Committee vergleichb a r i s t, das 65 Millionen Dollar aufgebracht hat. (Fortsetzung folgt)