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Jüdische Rundschau · 1924-04-24 · Heft 32-33 (24.4.1924) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 32-33 (24.4.1924)
Date
1924-04-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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i Nr. 32 33׳ Kcrcu Hajcssod!11 Skandinavien and Finnland Wir berichleien bereits von der Tournee, die die Herren Dr. Apfel und Dr. Helf mann im Aufträge des Londoner K. - H. ־ Direktoriums nach den skandinavischen Ländern unterminimen haben. Nach den jetzt vorliegenden Berichten über tlie Fortsetzung und den Schhill der Arbeiten in den oben erwähnten Ländern kann fostgcstcllt werden, daß dieser Tournee dank der unermüdlichen Tätigkeit der Delegierten der vollste Erfolg hcschiedcn war. Was die einzelnen Länder betrifft, so war die Arbeit in Schweden und Norwegen recht schwer. In Schweden macht sich besonders das Lelilcn eines energischen zionistischen Führers, der auf die westjüdischen Kreise grollen Einfluß auszuüben vermöchte, sehr bemerkbar. Das materielle Ergebnis in Stock 110 Im, fast ganz auf einer einzigen Blau •Weiß - Versammlung erzielt, »dingt Insgesamt 3770 schw. Kr. Es gelang auch, in Stockhohn angesehene Professoren der dortigen Universität für die kulturelle Arbeit In Palästina zu interessieren, r.o vor allem die Professoren Jundel und Marcus. Noch sclnvicriger war die Arbeit in Norwegen, dessen 1200 Juden ökonomisch sehr schwach sind. Selbst die Jugend ist vom nationalen zionistische» leben sehr wenig berührt. Alle Juden nennen sich dort zwar Zionisten, haben aber bis auf geringe Ausnahmen vom Zionismus nur eine «ehr geringe Ahnung. Das materielle Ergebnis in Kristiania beträgt 10 000 norw. Kr. in bar, wobei allerdings zu berücksichtigen ist, daß <3000 Kr. von nur vier Herren gezahlt worden sind. Noch schwieliger war die Lage in Drontheim. Trotzdem wurden dort in bar 7000 Kr. erzielt und könnten bei Weiterer Arbeit noch 7000 Kr. erzielt werden. Das Fehlen einer systematischen Arbeit macht sich in ganz Norwegen stark fühlbar. Viel erfreulicher ging die Aktion in Finnland vonstatten. Liier kann man wirklich sagen, daß alle Juden, so wenig ihrer auch sind, mit Begeisterung dem Appell des K.H.*Delegierten gefolgt sind. So gestaltete sich in W i ־ borg die K. H. - Aktion zu einer allgemeinen jüdischen Dcmonstia'ion. Die angesehensten Mitglieder der Gemeinde gingen seihst von Haus zu Haus, um die Beiträge eiazuzielicn. Das Ergebnis in Wiborg wird auf 150000 finn. Mark geschätzt, wobei zu berücksichtigen ist, daß Wiborg bloß 2S0 Juden zählt. In Helsingfors mangelte cs vielfach an Mitarbeitern, da die dortige jüdische Bevölkerung mit ihren 1000 Seelen nicht so gut organisiert ist wie in Wiborg. Es gelang, in Helsingfors, ein IC. H. Komitee zu gründen, an dessen Spitze der Vorsitzende der Hclsmgforser Gemeinde Schkurnik steht. Es wird erwartet, daß Helsingfors in diesem Jahr für den K.H. 400 000 Fimienniark aufhringen wird. In Abo mit seinen 220 Juden wurden in bar 70000 finn M. aufgebracht, wobei überall zu berücksichtigen ist, daß der Winter eine ungünstige Zeit für die K.H.-Aktion in Finnland ist. Insgesamt ergab die Tournee folgende Resultate: Kopenhagen £ 000, davon £ 400 in har, Schweden fStockholm, Malmö und Göteborg) etwa £ 1000, Finnland (Helsingfors, Abo und Wiborg) etwa £ 3000, davon £ 2000 in bar, und Norwegen (Kristiania und Drontheim) etwa £ 1000, davon £ 500 in bar. Auf zahlreichen Vcrsamm'tingen und Aussprachen wurde eine Reihe wichtiger Persönlichkeiten für die Paiästinasachc gewonnen, so in Kopenhagen die Herren Melchior und Prof. Fridericia, in Stockholm der Gemeindepräsident Thiel und die Herren Traugott, Konsul Davidson u. a. m., in Malmö der Gemeindepräsident Lewin, Dr. Schönkopf, in Göteborg Henriques, in Kristiania Oemeimiepiä-ident Gitclson und in Drontheim Mendel* son und Dr. Dworskes. — Von besonderem Wert war die Arbeit in den Jugeudkreisen, besonders in denen der ostjüdischen Jugend. Auch die dänische lugend ist bereits vom Palästinagedanken beeinflußt, unberührt noch dagegen fst die schwedische. Die Arbeit in den akademischen Kreisen hat bei diesen die Bereitwilligkeit zur Mitarbeit, vor allem zur Förderung der Hebräischen Universität in Jerusalem, gezeitigt. Vom Preußischen Landesverband Jüdischer Gemeinden Wir haben bereits in einer kurzen Notiz über die Tagung des Preußischen Landesverbandes, die am 16. März im Logenhaus stattfand, berichtet. Einige Vorgänge dieser Tagung verdienen aber eine eingehendere Behandlung. Die Zusammenkunft der Vertreter der Gemeinden stellte nicht Tagung des Landesverbandes dar, informatorischen Zwecken der Versammlung war auch ein Oroßgemc'.ndcn hatte sich nur ein Vertretern mittlerer und kleinerer. eigentlich eine reguläre sondern war lediglich zu bestimmt. Der Besuch geringer. Außer einigen geringer Bruchteil von Gemeinden beteiligt. Einer der wichtigsten Beratungsgegenstände bildete die Frage der endgültigen Vornahme von Wahlen für den fm Statut vorgesehenen Verbandstag. Seit der konstituierenden Versammlung des Preußischen Landesverbandes im Juni 1922 führt der Vorstand der Berliner Gemeinde durch einen von ihm bestellten Dezernenten unter teilweiser Mitwirkung eines Ausschusses die Geschäfte des Preußischen Landes- Verbandes. Dieses Provisorium sollte nach den Bestimmungen der Verfassung des Landesverbandes bis zur Bestätigung des Verbandes durch die Regierung dauern. Die Qriinde, aus welchen diese Bestätigung bisher ausgeblicbcn ist (hnupt* sächlich die ungelösten Probleme der Kirchenverfassungen überhaupt) sind der Öffentlichkeit zur Genüge bekannt. Weite Kreise der Gemeinden, inslrcsondcrc auch unsere Gesinnungsgenossen, veitreten die Ansicht, daß die provi- 80ri«cl1c Geschäftsführung ein unerwünschter Zustand ist, dem endlich durcli die in der Verfassung vorgesehenen leitenden Körperschaften (Verbandstag, Rat) und Ausschüsse auf einer aus demokratischen Wah'cn ziisnmnicngcstzten Gemeindetagung ein Ende gemacht weiden müßte. Gegen diese Absichten wird aus verschiedenen Gründen Front gemacht. Insbesondere besteht eine gewisse Strömung auch innerhalb der Großgemeinden, welchen die demokratischen Wahlen ein Dorn im Auge sind. Man wittert Morgenluft in den jetzt veränderten Zeiten, in denen sich die Demokratie einer etwas geringeren Wertschätzung zu erfreuen scheint und macht innerhalb des Preußischen Landesverbandes Stimmung, daß die Waiden vielleicht nach einem ganz andern, etwa plutokratisclicn, System vorgenommen werden, durch welches von vornherein die alte Notablcnwirtschaft verewigt wird. Die Tagung des Preußischen Landesverbandes vom 16. März bot für diese Stimmung ein Ich!reiches Beispiel. Von Seiten der liberal gesinnten Herren, Rechtsanwalt H. Stern׳ (Vorsitzenden der Berliner RenrasenfanPn-Ver- Sammlung) und Justizrat Makover (Mitglied des Berliner Gcmcindcvorstandcs) war der Antrag gestellt worden, die Wahlen soba'ci als möglich, etwa im!!erbst d. J., vornehmen zu lassen. Ein Beschluß darüber konnte seitens der Berliner Jüdischen Gemeinde infolge der inneren Vorgänge, über die wir bereits berichteten, nicht gefaßt werden, so dal! die beiden Herren diesen Antrag nur für ihre Person zu stellen in der Lage waren. Der Vorsitzende der Berliner Jüdischen Gemeinde, Herr Kammergerichtsrat Wolff, sprach sich für seine Person gegen die Wahl aus. Seine Argumente waren so fadenscheinig wie nur möglich. Wir greifen ans seiner Beweisführung nur ein Argument heraus, nämlich den Hinweis auf die gegenwärtigen Angriffe gegen das Judentum, JUEDISCHE RUNDSCHAU die es angeblich untunlich erscheinen lassen, wenn jetzt unter den Juden ein Wahlkampf statt!iinJen würde. Mit solcher Beweisführung könnte man freilich die Waiden immer verhindern, denn es Ist wohl naiv, zu erwarten, daß in irgendweicher absehbarer Zeit die Angriffe gegen da» Judentum aiifhiiren oder wesentlich gemildert werden könnten. Nicht weniger haltlos war das, 'was von andern Vertretern der G r o ß g c m c 111 d e 11 gesagt wurde, die in geschlossener Front sieh gegen die Vornahme von Wahlen erklärten und erst die staatliche Bestätigung des Verbandes abwnrlcn wollten. Dazu hatte ihnen der Geschäftsführer des Landesverbandes, Herr Dr. Freund, eine Handhabe, geboten, indem er davon!Mitteilung machte, daß ihm ein Rcferciitciirntwurf über die Regelung der kirchlichen Verhältnisse in Preußen bekannt sei, der auch die jüdischen Verhältnisse aufs engste berühre. Aus diesem der Versammlung unbekannt gebliebenen Entwürfe glaubte man die Hoffnung auf baldige Bestätigung «hielten zu dürfen, eine Annahme, eile sich wohl, wie die Dinge liegen, kaum ohne weiteres rechtfertigen läßt. Interessant war cs zu bemerken, daß innerhalb der Großgemeinden die Ansichten sehr geteilt waren. Außer den bereits erwähnten Vertretern der Berliner Jüdischen Gemeinde, den Herren Stern, Makower und Wolfi, sprachen noch Herr M. A. Loeb und unser Gesinnungsgenosse Dr. Köllen* scher, beide: entschieden für die Wahlen. Herr Loeb unterstrich insbesondere die geistige Not, die in kleinen und mittleren Gemeinden herrsche und die erst von dem endgültig konstituierten Preußischen Landesverband einigermaßen gelöst werden könnte. Herr Dr. Kollcnscber betonte namentlich, daß nach der Ausschaltung des Gcmeimlcbtindcs und der Auflösung des Verbandes deutscher Juden die deutsche Judenheit einer Vertretung ihrer gesamten Interessen ermangele. Gerade je bewegter die Zeit sei, je mehr sich die Angriffe gegen das Judentum steigern, desto dringender sei es, eine Vertretung zu schaffen und die Wahl zum Landesverband v0i/i!m11׳mcn; denn, wenn erst der Preußische Landesverband vorhanden sei, dann erst würde man an die Schaffung des Reich sverhandes hcrangelicn können. Er könne sieh des Eindruckes, so führte Herr Dr. Kollenscher aus, nicht erwehren, daß die Argumente gegen die Wahlen einer bewußten ״Sabotage" gleich kämen,' Die Gemeinde Berlin hatte sich somit durch den Mund des größten Teiles ihrer Vertreter für die Waiden ausgesprochen, lind wäre sie in der Lage gewesen, einen Bescliluß zu fassen, so würde er hüclistwahrschem'icl! für die Waiden ausgefallen sein. Von der Gemeinde Breslau, die 4 Vertreter halte, waren 2 für, 2 gegen die Wahl. Die Zahlen zeigen, daß die nach Gemeinden unter Ausschaltung der Berliner Oemeinde vorgenommene Abstimmung, die zur Ablehnung der Wahlen führten, nichts beweist, nicht nur weil Berlin mit seiner überragenden Stimnienzahl nicht mitwirken konnte, sondern, weil auch viele andere Gemeinden gar keine Mandate hatten, in dieser Frage endgültig Stellung zu nehmen. Die zweite A b 51 i 111 m 1111 g n a c 11 Köpfe 11 der Anwesenden ergab dagc״c11 eine Mehrheit für die Wahlen. Daß der Vorwurf der Sabotage, den Herr Dr. Kollenscher erhob, und gegen den sich Herr Dr. Baerwald aus Frankfurt a. M. mit der billigen Bemerkung, daß die Frankfurtcr Gemeinde turmhoch über derartigen Angriffen stünde, verwahrte, nicht ganz aus der Luft gegriffen war, zeigte sicfi bei der Beratung des Punktes ״Organisafionsfragen". Man halte diesen etwas harmlos klingenden Punkt an den Schluß der Tagesordnung gesetzt. Wie sich aus den Ausfülmmgen des Referenten ergab, hatte man nichts weniger wollen, als schon jetzt die Ausschüsse für den Landesverband zu konstituieren und außerdem noch eine Organisation von Vertrauensmännern zu gründen, welche für gewisse Fragen die Funktionen der auf Grund der Verfassung erst nach den ordnungsmäßigen Wahlen einzurichfcndcn Instanzen übernehmen sollte. De Absicht, die Dinge In einer höchst bedenklichen Weise zu präjudizicren. wurde nur von den wenigsten Ocmcindevcrtretcrn erkannt. Es gab sogar naive Gemüter, welche diesen Vorschlag als notwendig ansahen. Herr Dr. Kollenscher beleuchtete diese harmlos klingenden, aber in Wahrheit sehr gefährlichen Vorschläge von offizieller Seite, und es gelang seinem und einiger anderer Herren Einflüsse, daß diese Angelegenheit ohne Beschlußfassung erledigt wurde. Otutsrbland Aas der Jüdischen Welt Seite 241 Beilegung des KonQttifs <n der Berliner Jüdischen Gemeinde Der Konflikt, der zwischen den zionistischen und den liberalen Mitgliedern des ikriiner Gemcindcvorst,־indes anläßlich der Dc/.crnatsvertciliing entstanden war, und über den wir in unserer Nr. 28 berichtet hatten, ist nach längeren Verhandlungen beigefegt worden. Der Vorsitzende gab die Erklärung ab, daß die von ihm gegebene Begründung für das Verhaken <h״ U'itn'en der Ausdruck seiner persönlichen Anschauung gewesen sei. daß aber ein entsprechender FmktiandiesciiUiß nicht vorgc'egcn habe. Auf Antrag der Zionisten wurde nun ein neues Dezernat geschaffen, das den Namen ״Dezernat für Geineindevcrfnssung" führen soll und Herrn Dr. Kollenscher übergeben wurde. De Herren Kareaki und Dr. Sandler behalten ihre bisherigen Dezernate. Herr Kareski wurde einstimmig zum stellvertretenden Vorsitzenden des Gemeindevorstandes gewählt. Gegenüber den Gerüchten über eine bevorstehende A m nestle In Bayern wurde von zuständiger Stelle versichert, «laß fine solche de-,halb flicht zu erwarten sei, weil sich die MluLter angcrtchts des bevorstehenden Zusammentritts des neuen Landtags nicht mehr als politische Minister, sondern als reine VerwaUungsbeamte betrachten. Deshalb sind auch die Beschwerden gegen Judenausweisungen zurückgestellt worden. Der Reichsbund deutsch nationaler Rechtsanwälte und Noiare hielt vor einiger Zeit i!1 Hamburg unter Leitung seines Vorsitzenden, Justizrat Dr. Willy H a h 11,' Berlin, seine Haupt- Versammlung ab. Es wurde eine Resolution angenommen, daß ,.im Strafrecht wie im Zivilrecht, Insbesondere im EheschciJungsrcrlit dein deutsch rechtlichen Gedanken gegenüber j ü d 1 s c 11 - r ö m i s c 11 c r R a b u 1 i s 11 k Raum geschaffen werden soll״. In einer weiteren Entschließung wird gefordert, daß das U c b e r g e w I c h t j ü d 18 c 11 c r R i c 111 e r und Staatsanwälte, namentlich in lc wieder zu beseitigen sei. ln kurzem »oll in Danzig eine Tageszeitung fn jiddischer Sprache nt erscheinen beginnen. Die Redaktion i1*t Herr J. Schajak inne. Die für den 12. April nach Prag einberufene Vorkonferenz der gesamten jüdischen Jugendverbände, die sich über den Plan eines zionistischen Welt •Jugend-Verbandes schlüssig werden soll, konnte zum anberaumten Termin nicht stattfinden, da die neue Verteuerung der Auslandsgebührcn den deutschen Delegierten die .Ausreise unmöglich machte. Die Initiative zu dein Plan geht von der Zentral-Steile für lüdische Jngendoewegung aus, die während des lelzfen Karlsbader Zionisten-Kongresses von Vertretern einer Reihe größerer Verbände der Jhigendbcwepimg gegründet worden ist. Die Zentral-Steile hat iuren Sitz, in Berlin (Qibg. 2, Gueriekestraße!4). Sie verfolgt das Ziel, die zahlreichen in der Welt versprengten zionistischen Jugendkrlfte unter Wahleitenden Stellen (1), ii mng der Autonomie der einzelnen Bünde rum Zwecke Ihrer vollen zionistischen Auswertung zu einem einheitlichen Welt* Jugend-Verband zirammcimifavsen. — Aufgabe dieses Ver*!).!!!(!es wird In erster Reihe gemeinsam mit dein Welt-Hechaluz die Erziehung eines starken Nachwuchses für das arbeitende Palästina snii. Der Wclt-Jugend-Vcrband wird ferner in Ost und Westen energischer Vorkämpfer für die hebräische Jugendbewegung werden, und cs wird ihm obliegen, der ׳csamten Erzichungsaibeit der Bünde neue Wege zu weisen. ■ ür die gesamte zionistische Bewegung, die dringend nach fuschen Kräften verlangt, kann sich in dein neuen Verband, unc neue wertvolle Kraftquelle erschließen. Die Zentralsteile bemüht sich zur Zeit weiterhin gemeinsam mit dem Welt-Hechaluz um die Vorbereitung der Wclt-Jugcnd-Konfcrenz; auf weicher die Gründung des Verbandes erfolgen soll. — Sie wird in midister Zeit unt Einzelheiten an die Verbände und die zionistische Oclfcntlichkcit herantreten. poUn Die Zahl der jüdischen Einwandererin Polen ist in letzter Zeit nach einer Meldung der ״Ost-Expreß" ständig gewachsen. Die weitaus meisten Juden kommen aus S o w j e t r u ß I a n d. Von den polnischen Polizeibehörden werden diesen Einwanderen keine Hindernisse in den Weg Gelegt. Die jüdische Abwanderung aus Polen hat dagegen merk! ich nachgelassen. Die jüdische Presse in Polen weist darauf hin, daß zu der Zeit, da in Polen der jüdische Grundbesitz unter* drückt wird, und jüdische Güter parzelliert werden, auf polnischem Territorium eine blühende jüdische Bauern- Kolonie besteht, welche die Eignung der Juden für Landwirtschaft vollauf erweist. Es handelt sich um das Dorf Jezieranny an der russischen Grenze, das aus* schließlich von jüdischen Rauem bewohnt kt, deren Vor* fahren zur Zeit des Zaren Nikolaus l. dort »!!gesiedelt worden sind. Diese jüdische Siedlung kann, wie die Zeitungen melden, als ein Muster hir ganz Polen angesehen werden. Sie macht äußerlich einen sehr wohlhabenden und sauberen Eindruck. Die Häuser sind geräumig und sauber: ebenso die landwirtschaftlichen Gebäude. Die Gemeinde hat einen Rabbiner und eine hebräische Schule. In der letzten Zelt haben sich ehemalige zntischc Offiziere eines Teils des Dorfbodens bemächtigt, ohne daß die polnischen Be* liörden cingcsclirittcn sind. Um de3 Friedens willen und mit Rücksicht auf die Nähe Rußlands lassen die jüdischen Bauern das ihnen zugefügte Unrecht geschehen. Vor dem Lodzer Kreisgericht fand die Verhandlung gegen die Chaluzim Bszosa und Fabrikant wegen Bildung einer illegalen Vereinigung statt. Die beiden hatten im Jahre 101«) ein Oesuch um Legalisierung des ״llcchaluz" eingcrcicht. Bevor aber ihrem Gesuch entsprochen wurde, richteten sie eine Tisc 11 lerWerkstatt ein und veranstalteten ein Gartenfest zugunsten des ״Hechaluz". Obwohl die Zeugen erklärt halten, daß Uecliaiuz ais eine Sektion der Lodzer zionistischen Gesellschaft bestand, wurden die An* geklagten zu je einem Monat Arrest verurteilt. Der provisorische jüdische Nationalrat in Pillen hat sein Programm für die Wahlen in die jüdischen Gemeinden Polens veröffentlicht. Die grundsätzlichen Feststellungen lauten: 1. Der jüdischen Gemeinde obliegen die religiösen, kulturellen und sozial-ökonomischen Funktionen, sowie die Teilnahme an dem Aufbau Palästinas. 2. Die Wahlordnung soll demokratisiert und den Frauen gleiches Wahlrecht gegeben werden, ln dem Manifest wird fcstgcstcllt, daß das Regierung•- dekret das Arbeitsfeld der jüdischen Gemeinden unrechtmäßig beschränke, und daß die Wahlordnung große Massen der jüdischen Bevölkerung von der Teilnahme an den Wahlen ausschließt. Litauen Die Abstimmung Im litauischen Sejm über dis Gesetzniojekt betreffend die Zwangssonntagsruhe hat eine Ucberraschung gebracht. Zunächst wurde über die Teilpunktc abgestimmt und beschlossen, daß in Städten mit über 10 000 Einwohnern sämtliche Geschäfte den ganzen Sonntag über geschlossen bleiben müssen. In der Frage wegen des Sonntagsunterrichtes ln den Schulen wurden Verbesserungen zugunsten des jüdischen Unterrichtes angenommen. Es wurden dann noch einige andere Verbesserungen zugunsten der Juden angcnominen, denen die sogenannte christliche Arbeiterpartei nicht zustimmen wollte. Mit Hilfe der linken Parteien und der christlichen Arbeiter wurde aber dann das ganze Gesetz abgclchnt. Demnach bleibt es bei der bisherigen Ordnung, daß in ganz Litauen am Sonntag die Geschäfte nur bis ein Uhr Mittag geschlossen bleiben müssen. Diese Ordnung ist für die jüdische Bevölkerung günstiger als das geplante Projekt auch in der gemilderten Form. In Verbindung mit der kürzlich im Völkerbundsrat besprochcnen Memeler Frage, wird der J.T.A. mitgeteilt, daß das Komitee der jüdischen Delegationen noch am 30. März v, J. der Botschafter-Konferenz, die damals die Frage des Memeler Territoriums besprach, ein Memorandum bezüglich der Naturalisation mehrerer tausend auf diesem Territorium lebender, d e deutsche Staatszugehörigkeit nicht besitzender Juden gesandt hat. Die Botschafter* Konferenz hat daraufhin eine Klausel abgefaßt, laut weicher den auf dem Territorium wohnenden Juden die litauische Staatszugehörigkeit zuerkannt werden soll. Der Völkerbund hat dann das Memeler Statut der Botschafterkonferenz, dem auch die litauische Regierung zustimmte, bestätigt. Gemäß diesen! Statut ist auller . den früheren deutschen Staatsangehörigen, die automatisch die lettländische Staatszugehörigkeit und das Memeler Bürgerrecht erwerben, ״jede an! Tage der Ratifizierung der jetzigen Konvention über achtzehn Jahre alte und seit Januar 1922 in diesem Territorium wohnende Person, der durch die interalliierte Verwaltung die dauernde Aufenthaltserlaubnis für Memel erteilt worden ist, berechtigt, für die litauische Staatszugeliöripkeit zu optieren. Personen, die die litauische Staats- Zugehörigkeit auf Grund dieses Artikels erwerben, besitzen dadurch automatisch auch das Memeler Bürgerrecht". Lettland Der lettländische Uirterriciitsminister, Professor St rauborg, hat in einem Interview mit dem Rigaer J.T. A.־ Vertreter seinem Erstaunen darüber Ausdruck gegeben, daß die jüdische Bevölkerung Lettlands wenig Ocbraucli von der ihr gesetzlich zugesicherten und von dem jüdischen Unterrlchtsdepartement überwachten kulturellen Autonomie machen. Er könne nicht verstehen, warum die Juden Lettlands angesichts dieser Erleichterungen für den jüdischen Unterrieht noch immer Schulen mit deutscher und russl- ■ eher Unterrichtssprache errichten. Rmnlnfen Unter da■ Gesetz des Bd«genmg־«tzt*nde1 fällt »ud» ein Verbot der Hlnaussendting von Nachrichten In das Ausland, die auf Juden und jüdische Fragen Bezug haben. Das Organ der antisemitischen Studenten und noch einige ׳antisemitische Broschüren wurden verboten.!

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