Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 32-33 (24.4.1924)
- Date
- 1924-04-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 240 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 32/33 כ־ י ״י ץ-יוי3ן C 'v 1 י Ci' 11 f i i m (<,"11 ל fi 1 ' \ 1׳ i «*•mft «tat״*• *(.״m* ־•״4 *—>^י® Ci. h %. ^י־׳., ץ- ׳j־־/ <rs ך #j.;.*,'«: .»•: ״ל׳ •' ■' ׳ ׳C«. .. וז י-׳ו' / «ד־*/ \־*r 1 t ' / ״- -«®*ין®“,V.! - יו 1 ן , I *! | 5 ׳ ־ J C? «. Cfe.*# %.-.»%״ v״/ %J# י | 2/ f/ / ־ I; י f; י * ■~ *t «w*L ffes״-<ä» n ־ %ג ü ©1 AnI i ב**׳. ׳ *!Tr״■ (,*-l 1 ■ b ן* %--׳. י ,«״-/ Die Diskussion Mr. Mars hall: Die beiden Vorschläge, zu Heren Beralung diese Konferenz dnbemfen wurde, stehen nunmehr zur Diskussion. Ich möchte von den Anwesenden gern hören, ob sie die beiden Fraßen zusammen erörtern oder voneinander trennen wollen, nämlich die der J c w i s 11 Agency nmi die Frage der Schaffung einer Finanz- InvestitionsgcscUschaft. Fs scheint mir, daß hier kein besonderer Wunsch verließt, daher werden wir so vorgehen, daß jede Diskussion über einen der beiden Punkte oder über beide zusammen zulässig ist. Rabbi Dr. A b r. Simon: Darf ich eine Frage stellen? Welches sind die Organisationen, von denen hier als den iiichtzionistischcn die Rede ist? Mr, Mars 11 all: Fingeladen sind Einzelpersonen — Vertreter verschiedener Organisationen —, die aber nicht fiir ihre Organisationen sprechen, sondern als Einzelne, die sich mit diesen Fragen ernsthaft beschäftigen und die ausgewählt wurden, weil sie an allgemeinen Fragen des Judentums lebhaftes Interesse haben. Ich bitte daran festnialtcn, daß dies hier bloß eine Konferenz ist. Niemand ist an etwas gebunden, was hier getan oder gesagt wird, abgesehen davon, daß vorausgesetzt wird, daß jemand, der eine Erklärung gibt, für seine Person daran gebunden ist. — Ich möchte nicht die Redner aufrufen, da kein vorbereitendes Programm vorliegt. Soweit ein Programm bestanden hat, ist cs jetzt damit vollständig abgewinkelt, daß wir die l'rklänm״')״ von Dr. W c i z m n 11 n und Dr, R u p p i n g hört haben. Ich möchte mir aber sehr gern erlauben, ei:1ije Ilerre 1 au.'- Zurufen, wenn sie sieb nicht ficiwillig zu n Worte melden Wie ich höre, wird Richter Irving Lehman nicht während der ganzen Sitzung hier bleiben. Ich weiß, daß er sich mit dieser Frage lebhaft beschäftigt und sich sehr dafür interessiert hat, die denkenden Leute in Amerika dazu zu bringen, die Frage der wirtschaftlichen Entwicklung Palästinas ln Erwägung zu ziehen, und wenn er cs mir nicht übel nimmt, wenn ich ihn direkt auffordere, so wäre ich sehr erfreut, falls Ich ihn um die Darlegung seiner Ansicht bitten dürfte. Richter Lehmann: Mr. Marshall, meine Damen und Herren! Ich bin heute nicht hicrliergckommcn, um zu sprechen, sondern um zu hören. Die Verhältnisse haben es mir in den letzten paar Monaten unmöglich gemacht, in enger Fühlung mit jenen zu bleiben, die diese Fragen wie auch die .־!!’gemeine Frage des Aufbaiis und der Hilfe für die Juden in Osteuropa bearbeiten. Ich glaube, daß es Männer dieser Art sind, die Ihnen helfen können, die besondere Frage zu behandeln, die Ihnen heute vor,gelegt werden soll. Ich habe Palästina nicht besucht, und ich glaube, daß Sie lieber Männern wie Dr. Weizmann, Dr. Kuppln und Mr. Brown ziiliören sollten, die dort waren. Ich kenne den Plan einer Kr cd I torgn ti i s a t io n nicht genau und glaube, cs wäre besser, wenn hier Männer des praktischen Gcschäftslebcns darüber sprächen, die diesen Plan studiert haben. Ich kann wirklich nur in Allgemeinheiten sprechen und Allgemeinheiten sind nicht das, was einer Zusammenkunft dieser 'Art vorgeleirt werden sollte. Ich erlaube mir, nur deswegen ein paar Worte zu sagen, weil icli mich in der Vergangenheit lebhaft für die Frage Interessiert und, wie einige von Ihnen wissen dürften, eine ähnliche Konferenz, wenn auch in viel kleinerem Maßgabe, vor ein paarJahren cinbcrufen habe, in der l־lolfntmg, daß Zionisten und Nichtzionisten beim Aufbau Palästinas zusammen arbeiten könnten. Diese Zusammenkunft führte zu nichts Konkretem, ich glaube aber, eiaß die dort ausgedrückten und formulierten Gedanken im Geiste einiger der anwesenden Herren nachgewirkt haben und die meisten von ihnen jetzt danach streben, einen praktischen Plan für die Mitarbeit aller Juden an der Frage des Palästinaaufbaus zu gestalten, da cs eine Frage ist, die uns alle als Juden angcht Ich weiß nicht, ob ich mich einen Zionisten oder einen Nichtzionisten nennen soll. Ich 'weiß nicht, zu welcher Gruppe ich eigentlich gehöre. Ich war niemals direkt mit der Zionistischen Organisation verbunden. Andererseits hatte die Idee des Aufbaus eines jüdischen Zentrums in Palästina, dem Lande unserer Ahnen, für mich immer eine bedeutende Anziehungskraft, bedeutete für mich mehr, als sie manchem der anwesenden Nichtzionisten bedeutet hat. Ich hegte die innige Hoffnung, daß, gleichgültig ob in Palästina ein jüdischer Staat entsteht oder nicht, wieder ein jüdisches Lehen In Palästina entstehen und das jüdische Leben und Denken in der ganzen Welt wicdcrbelcbcn werde. Ich hatte diese Empfindung lange, bevor der Krieg kam und uns vor die Frage stellte, wie die luden Osteuropas in Zukunft existieren sollen, Jch hatte diese Idee ganz ohne Rücksicht auf irgendeine praktische Uehcrlcgimg der Frage, wieviele Juden in Palästina eine Existenz finden könnten. Dann kam» der Krieg mit all seinen schrecklichen Problemen für die Juden Osteuropas, und ich zweifelte daran, daß die Zeit reif sei, um die Juden Amerikas, die einzigen Juden mit nennenswerten Mitteln, die sie zur Hiltclcistung für Juden außerhalb ihres eigenen Landes verwenden konnten, atifzurufen, iiire materiellen Mr׳.:- Ilchkciten fiir den Aufbau Palästinas zu verwenden, solange dieser in meinem eigenen Geiste mehr oder weniger auf Grundlagen des Gefühls und des Idealismus beruhte, nicht aber auf praktischen Vorschlägen. Ich hatte das Gefühl, daß diese Aufgabe für eine etwas spätere Zeit Vorbehalten werden solle. Da kam die B a 1 f o u r - D c k I a - ration und das vom Völkerbund Großbritannien erteilte Mandat. Palästina als Heimstätte fiir die Juden aufnibaucn. Auf Grund dieses Mandates wurde anerkannt, daß die Juden dn besonderes Interesse an Palästina haben. W i r b r a u c 11 c n dieses Interesse nicht zu definieren, denn wenn wir diesen Versuch machen, stoßen wir auf strittige Fragen. Es w»1rde aber anerkannt, daß die Juden der ,Welt ein besonderes Interesse an Palästina besitzen. Es war klar, daß cs große Geldsummen erfordern würde, Palästina aufzubaucn, und meiner Meinung nach forderte diese Deklaration die Juden der Welt auf, diese Frage als ihre eigene . Frage auf zunc h men. Wir müßten nicht nur in unseren eigenen Augen, sondern auch in den Augen der Welt Schilfbruch erleiden, wenn wir diese Frage nicht ernsthaft in Ang r i f f n e h tn c tu Ich zögerte noch immer, die Juden Amerikas aufzufordern, die Frage zu jener Zeit anzugehen, da ich fürchtete, es könnte eine Kollision mit der Arbeit des Hilfswerks in Rußland entstehen. Damals hatte ich ein Gespräch mit einem jungen Neffen von mir, der in Polen gewesen war und die Lage dort studiert hat. Er war ohne besondere Sympathie für den Aufbau Palästinas hingegangen. Er erzählte mir von den schrecklichen Zuständen die ln Polen bestanden. Er erzählte mir auch, daß er nach Aussprache mit den Juden jenes Landes die Dcbcrzcngung gewonnen hatte, daß wir. wenn Amerika nicht die Frage der Ernährung und Hilfeleistung für die luden von Rußland und Polen in die Hand nähme, ihren Leib töten würden. Aber wie einige der dortigen Führer ihm gesagt Hatten: ״Wenn ihr unsere Hoffnung auf Palästina zerstört, zerstört ihr nicht unseren Leib, sondern unsere Seele,“ (Beifall.) Wenn dies die Meinung der Juden Osteuropas ist, dann müssen wir meiner Meinung nach wohl fragen^ ob nicht die Zeit gekommen ist, selbst wenn wir die Fragen von einem rein praktischen Gesichtspunkt der Hilfe für unsere leidende״ Brüder in Polen und Rußland betrachten, ihren eigenen Vorstellungen Rechnung zu tragen und etwas dafür zu’ tun, damit ihre Seelen ebensowenig wie ihr Körper zerstört wird. Und mit diesem Gedanken berief ich die Konferenz, in meinem Hause zusammen. Vielmehr war es eine Reihe von Konferenzen. Das Ergebnis dieser Konferenzen war die Meinung, daß, während die Juden von Amerika für das 1 iilfswcik, für den Wiederaufbau in Ost• ettropa geben müssen, soviel sic können — und sie können reichlich fiir die beiden Aufgaben geben •— sie die praktische wirtschaftliche Seite diesei Problems in Palästina behandeln und ihr Bestes tun müssen, um aus Palästina einen Ort zu machen, wo Juden leben können. Ich habe zu Anfang gesagt, daß Ich persönlich Palästina nicht kenne und auch nicht weiß, wieviel Juden dort leben können. Ich glaube, wir können die Er- Klärungen Dr. Wcizmanns und Dr. Ruppins über die Zahl der Juden, die dort existieren können, annchmcn. Aber selbst wenn wir annchmcn, daß in Palästina eine viel kleinere Zahl leben kann, müssen wir doch daran denken, daß in Polen und Rußland derzeit sehr wenig Hoff n u n j* auf eine erfreuliche Existenz unseres Volkes besteht. Wir wissen, daß Amerika seine Tore für eine Irgend beträchtliche Zahl von Einwanderern schließt. Wohin sollen sich diese Leute in Zukunft wenden? Nur nach Palästina! Und wenn wir dort selbst eine viel kleinere Zahl von Leuten aufnehmen können, so glaube ich, daß wir sicher von unseren Ersparnissen Geld für Investitionen, für irgendwelche praktischen Zwecke, die in Palästina entwickelt werden, geben sollen, selbst ln ihn bescheidenen Maße, das der Konservativste von Ihnen als die richtige Zald von Juden ansicht, die dort leben können. Ich habe das Vertrauen zu den Mannen*, die Ihnen diese Frage vorlegcn, dal! sie Ihnen dartim können, daß cs ein praktischer gc sc 11 ä f t smä 1Hgc r Vorschlag ist. Wenn dies da Fall ist, so kann ich nicht verstehen, wie irgendjemand sich weigern kam;, einen praktischen geschäftsmäßigen Vorschlag zu iintersiüizcii, der ein dreifaches Ergebnis habet wird: er \v,.o erstens der Welt zeigen, daß wir Juden bereit sind, ene Verantwortung auf uns zu nehmen, die uns die Welt auicriegt hat; daß wir bereit sind, die besonderen Interessen anzuerkennen, die wir, wie die Welt sagt, in Palästina haben; daß wir noch ein Gefühl für das Land unserer Ahnen besitzen; zweitens wird er beitragen, um Kolonien aufzubauen, wenn Sie wollen KnSturkoloiiici), Kolonien, die ein jüdisches Leben führen und jüdisches De nke 11 und Fühlen ln der ganzen weit neu beleben werden. Und drittens, und ich will nicht sagen, ob es das wichtigste ist, wird cs die Möglichkeit eines glücklichen Lebens für eine An za 111 von Juden, mögen es nun weniger oder mehr sein, schaffen (Beifall). Mr. M a r sh a 11: Mr. Brown, cs wäre uns sehr angcnelun, jetzt Sic zu hören. Mr. David Brown: Herr Vorsitzender, meine Damen und Herren 1 Ich möchte die beiden Fragen, die Ihnen vorlicgeit, nur berühren, die Frage der Gruppen, die bis zur Zeit an der Agency noch nicht teiigenomnien haben, und die Frage wirtschaftlicher Investitionen in Palästina, in beiden Fragen nehme ich eine positive Stellung ein und ich sage dies, nachdem ich mich intensiv mit Palästina beschäftigt habe. Ich war seit drei Jahren auf dem Sprung nach Palä• stina. Vor drei Jahren gelobte ich mir. nach Palästina zu gehen. Leider konnte ich cs vor zwei Jahren nicht machen und konnte mich im letzten Jahre nicht gehen, obzwar ich beide Male in Europa war, aber diesmal gelang cs mir, nach Palästina zu kommen. Ich versuchte die Geschichte dieses Landes so genau zu studieren, wie cs für jemand von meinen begrenzten Möglichkeiten denkbar ist. ich stimme m i t <1 c in ü b c r c 111, was Dr. W c 1 z ni a n n gesagt hat, und ich stimme auch mit dem überein, was Dr. Ru pp in gesagt Hat, mul ich Inn in voller Uebcreinsilnmiung mit «lern, was hier durch unseren Vorsitzenden in seiner Einleitung gesagt wurde. Um zunächst die wirtschaftlichen Möglichkeiten und das Erfordernis nach großen Geldsummen für die Zwecke der im Lande möglichen Industrien zu berüliien, so habe ich gesagt und mit meiner Unterschrift bestätigt, daß Geldanlagen in Palästina — sichere Geld• anlagcn in Palästina — außer Frage stehen. Wenn den Bankiers oder I inarizleutcn in Amerika solche Darlehen vor•;cschkigeu würden, wie die, womit ich in Palästina zu tun ickmii, und wenn cs den Bankiers möglich wäre, ihre Vertrauensleutc lünzusenden und Informationen cinzuholcn, bin ich überzeugt, daß die Darlehen rasch gewährt würden und die Bmkorgani ntionen sehr zufrieden wären, diese Art von Sicherheit zu haben. Hinter jeder Investition muß zunächst die historische Entwicklung dieser Art von Investition stellen, die Möglichkeit Zinsen zu bezahlen und die Sicherheit. Alle drei Bedinrrungen sind heute in Palästina gegeben. Es ist chic Entwicklung vorhanden, cs kt die Möglichkeit von Erträgen, und cs ist eine Sicherheit vorhanden. Nehmen Sic etwa das Beispiel von Tel-Awiw, einer b.ühendcii schönen Gemeinde, die ein sehr geringes Kapital aufgcnoimncu hat, bescheidener als manches unserer kleinen Dörfer ln Amerika mit 500 bis 1000 Einwohnern, eine Stadt, die gut organisiert und glänzend gelegen ist, mit soliden Häusern, m't schönen Einrichtungen mit schönen Straßen, Parks, Boulevards Schulen, mit allem, was eine Gemeinde von 15 oder 20 000 Menschen verlangen kann und vielleicht noch etwas mehr. Tci-Awiw böte die Grundlagen für Kredite in fünf• oder zehnfachem Umfange der derzeitigen Emission, ich habe so gut wie alle Kolonien besucht und eine der Fragen, die ich stellte, war; Was braucht Ihr hier in diesem Orte? * DIo Antwort war ausnahmslos« Geld. Nicht Geld in Form von Spenden. Der Palästinenser,.der Mann, der ständig dort wohnt, wehrt sich gegen den Gedanken weiterer Wohl, tätigkeit. Er will nichts davon wissen. Er will die Mittel haben, um das in seiner Kolonie zu schaffen, was zu einer gesünderen, sichereren und wirtschaftlicheren Arbeit nötig ist. Als s.׳>\'.r!1.11t:,man11 und Fabrikant sah ich eine gewaltige Verschwendung in fast jeder Kolonie infolge der Tatsache, daß sic nicht genügend Mittel haben, um das zu tun, was wirtschaftlich ist. Wir wissen in der heutigen Industrie, daß es richtig ist, das kostspielige Einzclbetnebsystem zu beseitigen, und doch sah ich in so gut wie jeder Kolonie, die ich besuchte, Einzelbetriebe über Einzelbetriebe von äußerster Kostspielig, keit. Und wenn sie 50 001) oder 100 000 Dollar hätten, um einen modernen Betrieb zu bauen, der das leistet, was jetzt 50 oder 60 Einzelbetriebe tun, konnten sie nicht nur die Zinsen für das Kapital zahlen, sondern die Ersparnis seihst würde den größten Teil hercinnringen, und die Leute in den Kolonien hätten für ihre überschiVssigc Energie und ihre überschüssige Leistung einen genügenden Ertrag. Es gibt keinen Grund in der Welt, warum die Juden des Landes lind anderer Länder nicht eine grolle Finanziiistitution aufbauen könnten, die den! Geldgeber Sicherheit seiner Investition und seines Ertrages bieten würde. DcrGeldbcdarf drüben ist gewaltig. Der Zinsfuß dort ist übermäßig hoch, weil so wenig Geld zu Anlcihez.wccken verfügbar ist, daß die Verzinsung nahezu den ganzen Ertrag der Investition veven,. 1 > Frage der Agency ist derart, daß meiner Meinung nach jeder Jude in Amerika, der noch etwas jüdisches Gefühl hat, insbeson• dere wenn er Nichtzionist ist, daran interessiert sein müßte. Oh wir wollen oder nicht, spricht das Land und die Welt von dieser großen Bewegung zum Aufbau Palästinas als von einer jüdischen Bewegung. Und wir müssen unsere Haltung klar michen, wenn wir wollen, daß die nichtlüJischc Welt verstellt, daß wir nicht daran interessiert sind und nicht daran tcilnchmcn wollen. Die nichtji:ä.'swhe Welt nimmt an, daß tatsächlich jeder Jude ein Interesse daran hat. Ich glaube in derselben Lage zu sein wie Richter Lehman. Ich weiß nicht, ob ich ein Zionist oder ein Niditzionist bin. Ich war niemals ein Gegner der Bewegung. Ich habe immer versucht das zu sein, was ich einen ״neutralen Anhänger“ nennen möchte (Heiterkeit). Mit andern Worten, meine Damen und Herren, ich fühlte, daß ich von der Sache so wenig wußte, daß ich nicht das Recht hatte, eine ablehnende Hab tung cinz 11 nehmen, insbesondere da ich nicht in der Lage war. sie zu begründen. Ich freue mich aus verschiedenen Gründen sehr, daß die sogenannten nichtzionistischen Gruppen mitder Zionistischen Organisation bei der Führung der Palästinasadle (wenn cs das ist, was die Agency bedeutet) vereinigt werden sollen. Wenn diese Versammlung oder die Führer, zu denen wir Vertrauen haben, eine Gruppe repräsentativer Männer wählen wird, die zusammen mit der Zio• nistischen Organisation in dieser Agency arbeiten werden, so bin ich fest überzeugt, daß die sogenannten Nichtzionisten in Amerika schließlich aufhordien, sich informieren und ein größeres Interesse an Palästina zeigen werden als bisher. Das ist, wie ich glaube, eine der Wirkungen dieser Agency. Männer, die beute überhaupt nicht interessiert sind, werden ein Interesse gewinnen weil sie an der Leitung, an der Führung der Sache durch Vertreter beteiligt sinJ, und sie w׳erden durch Männer vertreten sein, die sic Iriihcr als Gesinnungsgenossen gekannt haben, und sie werden das Gefühl haben, daß alles was drüben getan wird, jede Qeldauf• Wendung, jede Arbeit ebenso sehr ihnen gehören wird wie der Zionistischen Organi• 8 a t i o n. Daher bin ich in voller Ucbcrcinstimmung mit dem Ziel dieser Versammlung, das dahin geht, daß 1. die nichlzionistischen Gruppen an dieser Agency tcilnchmcn wollen; 2. daß die Juden Amerikas eine Finanzvcrtrctung mitbilden sollen, die ausgezeichnete Arbeit in Palästina leisten kann ln gesunder Weise, ohne jemanden zu schädigen, zum Vorteil aller und nicht zuletzt derjenigen, die das Geld geben. (Beifall.) Mr. Marsh all: Wir haben vereinbart, daß den zur Konferenz Eingeladcnen ein Mittagessen serviert wird, und ich habe jetzt anzukündigcn, daß das Mittagessen Im Neben• saa! vorbereitet ist. Wir werden daher eine Pause bis 3 Uhr machen und dann die Diskussion wieder aufnehmen. Unterbrechung der Sitzung 1 Uhr 15 nachmittags. (Fortsetzung folgt) Süznng des Board 01 Dcpulies London. (J.T. A.) Am 13. April fand unter dem Vorsitz von H. S. Q. Henrlqucs eine Versammlung des Board of Deputics statt. Den Bericht des Joint Foreign Committee legte d'Avigdor Goldsmid vor. Pr. Dalchcs las Auszüge aus, einem Im ״Haofam" vcröffcutlichten Brief vor, wonach die Juden in Sowjet• Rußland verfolgt werden, so daß eine Generation heran• wachse, die nicht einmal das hebräische Alphabet kennt. Lndeninhabcr seien gezwungen worden, Ihre Läden an Sonnabenden offen zu halten und sie an Sonntagen zu schließen. Herr Michael Levy mcinte( daß die russische Delegation, die sich jetzt in England befindet, über diese Angelegenheiten befragt werden solle. Sir Stuart Samuel stellte die Glaubwürdigkeit des von Dr. Daichcs wicdcrgcgcbcnen Briefes in Frage. Seitens des Foreign■ Coirmlltccs wird ini(»geteilt, es seien Schritte unternommen worden, um der kritischen Regierung die Meinung des Committccs über die religiöse Verfolgung der Juden <n Sowict-Rußland zur Kenntnis zu bringen. Mangels hinreichender Informationen über den vorgeschla• enen Plan der Errichtung einer autonomen üdischen Siedlung in der Krim und in der südlichen Ukraine ist es nicht möglich, ein grund• legendes Urteil über die Angelegenheit ahzugeben. Die Frage wird bis zur nächsten Versammlung vertagt. Weiter wurde im Committee der Bericht über die beabsichtigte Ab• Schaffung des Oberrabbinata in der Türkei durch die Angora-Regierung besoroehen. Es ist noch keine offizielle Kundgebung i!, dieser Hinsicht erfolgt. Die Juden in der Türkei scheinen keine große Gefahr zu befürchten. Es Ist wahrscheinlich, daß die türkische Regierung den gegenwfirlir׳ bestehenden Zusammenhang zwischen Oberrnbblnat und dem Staat ln Uebcreinst'mmung mit der Politik der Trennung von Kirche und Staat aufzuheben beabsichtigt