Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 32-33 (24.4.1924)
- Date
- 1924-04-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 32/33 Icalele Fr23ce Anafole France, der repräsentative europäische Dichter Frankreichs, ist vergangene Woche, um 17. April, achtzig Jahre alt geworden. Die ״Jüdische Rundschau" ist ein 710• iiir.tisclics und politisches Blatt 11ml hat nicht Raum für breiten C1Uickw1m׳;ch, selbst nicht für einen Geist mul Dichter dieses «eiten gewordenen Ranges. Aber so weithin Juden Bücher lesen, und wo auch immer auf der Erde sie im Kampfe um ihre Rechte als Einzelpersonen und Volks* individuaiitiit sichen, haben sic Anlaß, «fiesem Jubilar vom Herzen her Dank für sein Werk und für das seltene Geschenk zu sagen, das seine Person für die Menschheit darstcllt. Anafole France, der «ins Glück hat, noch als Patriarch den Ruhm seines Volkes zu repräsentieren wie Rodin, wie Renoir, wie Cözamtc und Degas, hat ,Jemals auf Seiten des Unrechts, der [eigen Gewalt und der billigen Mnorität gestanden; und seine geistige Leidenschaft, seinen tiefen und beglückenden Spott, seine zärtliche Liebe zur langsam denkenden Rasse der Menschen stets eingesetzt dort, wo Minorität um ihr Recht auf Leben, Freiheit und Leistung• focht. Ohne die Juden zu verzärteln, worauf sie am letztem Anspruch machen wollen, hat er die antisemitischen Leiden*!.dinftrii und all ihr Bei werk einer heileren und durch Gelächter vernichtenden Kritik durch Gestaltung unterzogen; im Drcyfuß-Proz.eß, damals, als cs um das Recht eines Unschuldigen auf Freispruch ging, selbst wenn der zu Unrecht Verurteilie Jude war, hat er lieben Zola und CKmenccau im schärfsten Gefecht gestanden, und hinterdrein dies Gefecht in der bezaubernden Pvrot-Episode seiner,,Insel der Pinguine“ gestaltet, so daß es auf lange bin vor dem Vergessen bewahrt sein wird. Leser, die diese Chronik eines Mcnschcnvolkes und etwa noch «len hinreißenden ״Aufruhr der Engel“ gelesen haben, werden sich uns Anderen gluckwünscltend anschiießeii; una wer diese Meisterwerke noch nicht kennen sollte, der lasse sic jetzt zu sich: er wird, wenn er an sic heranreieht, sie weiser, heilerer und beglückter verlassen als sic ihn antrafen. »?ויוי 41 Mi Pogrome In der Ukraine? Das Pariser ״Journal“ meldet aus Charkow, daß in der ganzen Ukraine Judenpogrom« statttlndcn, speziell in den Dörfern und Städten, die von den großen Zentren entfernt liegen. Die jüdische Bevölkerung beginnt, über die Grenzen nach Rumänien und Polen zu strömen. Es ist bemerkenswert, daß die rote Zensur nicht wie in früheren Fällen die Nachrichten über diese Pogrome unterdrückt, so daß sie in der ganzen ukrainischen Presse zum Abdruck kommen. Nach den Exzessen In Czerntnvllz Czernn w i t z. (J. T. A.) Auf Grund einer Denunziation, daß die Czernowitzer Juden aus Rache wegen des U c b e r f a 11 s auf das u d d i s c h c Theater die. Störung eines christlichen Vortrags über Apostel Paulus planen, haben nie Behörden die weiteren Gastvorstellungen der Witnacr •jiddischen Truppe in Czernowitz verboten. In jüdischen Kreisen ist man angesichts der Tendenz der Behörden, solche lächerlichen Denunziationen als Grundlage für Amtshandlungen zu nehmen, sehr beunruhigt. Der als unparteiisch bekannte Po'izeipriisident von Czer* nowitz, Man esen, wird wahrscheinlich bald seinen Posten verlassen müssen, da man ihm vorwirft, er sei während der studentischen Ausschreitungen gegen die Juden allzu energisch «Ile Ziel seit ihre wen Ent! dem Von In den Dhk11r.;;iorir11 sich mit der 1 lade und Ihrer Flnnu/cnmg Dr. Ei. Ascher. und Erörterungen der fetzten Zelt, charaliatheit in Deutschland, ihrem beschäftigten, begegnete mnn Kurzem einer geläliriicln'ii l'arole, die fit verdient, auf Herkunft und ihre Begründung hin genau untersucht zu len: ״Vevlt'nimg der I Snfhsdiarah nach Palästina“. Die Iclnfiigserwblehlc dieser Parole ist genau bekannt. Nachin letzter Zeit dank der geistigen Aufklärungsarbeit für die angegriffenen Juden eingelrcfcn. Eine Frkliintng der philsdtea Regierung über die jüdische Anlonomic War sei! au. (J.T. A.) In der letzten Sitzung der RiUIungskommission des Senats wurde über den Antrag des jüdischen Parlamentskltib» bezüglich der Autonomie der jüdischen Gemeinden diskutiert. Der jüdische Senator Dr. Kothcnstrcicli begründete den jüdischen Antrag. Die Juden In Polen, sagte er, sind an einem großen [*ölen fnlcrcssicrt, sie wollen die Ju :end im staatscrhallcndcn Geist erzielten. Es ist aber nicht zu leugnen, daß, wenn ein Bildungsmimster Zirkulare über Einführung des Numerus clausus hcrausgiht, dies in der jüdischen Jugend starke Erbitterung hervorruft. Der Bi 1 du ng sm i n i s te r Borowski er• widerte: Die Regierung weiß gut, daß ein großes starkes Peilen im Interesse der Juden liegt. Die jetzige Re gicrung stellt nicht auf dem Stand pun kt des Numerus clausus. Der Forderung, daß der Ministerin!• referent über jüdische Angelegenheiten erst nach einer Verständigung mit der jüdischen Repräsentanz ernannt werden sollte, kann nicht entsprochen werden. Jedoch ist die Regierung bereit, und zwar aus Staatsintcrcasc, dcrgcsetzlichcn Normierung eines Jüdischen Zcntralrats mit dem Sitz ln Warschau zu zu stimmen. 111 Bezug auf die Kchillah-Wahlen ln den östlichen' Randlätidorn hat die Regierung Informationen, daß die jüdische Bevölkerung dort keine jüdischen Ge• meindevcrwaltungen wünscht (?). Der Wdikongreß jüdischer Sfadenten Vom 30, April bis 4. Mai wird in Antwerpen der erste. Weltkongreß jüdischer Studenten statt׳ finden. An dem Kongreß werden Vertreter der jüdischen Studentenorganisationen aller Länder teilnchmen. Das vor* läufige Exekutivkomitee sieht in Verbindung mit den Haupt* Organisationen jüdischer Studenten in 19 Ländern: Südafrika, Vereinigte Staaten, Estland, Belgien, Tschechoslowakei, Freie Stadt Danzig, England, Frankreich, Holland, Italien, Jugo■ slawlcn, Lettland, Litauen, Oesterreich, Schweden, Ungarn, Rumänien. Man rechnet mit etwa 100 Delegierten, Ziel’ des Kongresses ist, angesichts der antisemitischen S t r ö tnting einen engeren Zusammenhang zwischen den jüdischen Intellektuellen herbeizuführen. Die Veranstalter hoffen, daß Prof. Albert Einstein den Ehrenvorsitz übernehmen und zu dem Zweck nach Antwerpen kommen wird. ״Snobm“ nach London verlegt Das hebräische Zentralorgan der zionistischen Bewegung ״Haolam“, das bisher in Berlin erschien, wird im Interesse eines engeren Kontakt* mit der zionistischen Exekutiv« ab 1. Mm nach London verlegt. Chefredakteur bleibt auch weiterhin M. Klein mann. von Jahren immer tieferes Verständnis für die Bedeutung der Vorbereitung von Menschen für Palästina weit über den Kreis des deutschen Zionismus hinaus in den uns nahesichenden Jucentigruppcn und manchen anderen deutschjüdischen Kreisen Wurzel gefaßt hat, das mix auch in der Bereitstellung von Mitteln ausdrückte — kam gerade aus den Kreisen, die der Clialuziutli bisher am nächsten standen, Bedenken und Furcht vor den Folgen ihrer einstigen Stellungnahme. Was ist geschehen? Es sind von verschiedenen Seiten ־rößere Sumrneu für Lehrfarmeii zu landwirtschaftlicher Aus- Bildung nnpeboten worden. Man hat mit relativ geringen Mitteln eine Tischlcrcigeiio.-sensdiaft begründet, die gleich• zeitig als Aur.bildnngsstättc für Chatuzim zu dienen hat; man ging daran, nul Grund bestimmter günstiger Vorbedingungen du Chalu/twim zu bauen; es wurde schließlich aus einer gemeinschaftlich mit dem Keren Hajessod unternommenen Aktion eine bestimmte, durchaus geringe Summe für einen sehr beschränkten Zeitraum für die Hachscliarah in Deutsch• Land zur Vcrf(h»1mg gestellt. Kann man dem! jahrelang Bertif-umschlchluitg predigen, um dann, wenn dieser Gedanke populär geworden Ist und Jahr für [;ihr eine wachsende Zahl junger Menschen in die Hachscharah hei eint reibt, diesen die reale Möglichkeit zur Durchführung ihrer Pläne verweigern? Gerade die letzten Monate, in denen der Clialuz. in immer engerem Zusammenhang mit zionistischen und jüdischen Jiigetutlnmdcn und zionistischen Ortsgruppen arbeitet, beweisen uns, welche Fülle geistiger und materieller Anreijnng und Arbrituiiöglichkeit für deutsche Zionisten ge• r״dc'durch die llaehsdiar.ih in Deutschland gegeben Ist. Und wir wollen mich schließlich nicht fra׳;e״, ob!!feilt mit einem gewissen Recht für die Arbeit und für die Menschen, in deren Namen wesentliche Eingänge der zionistischen Gelder oft erst ermöglicht werden, ein Anteil an diesen Geldern gefordert werden kann. Welches sind denn die Aufgaben der Hachscharah in Deutschland? Zweierlei: berufliche und menschliche Vorbereitung der Chahi/im. Es hat sich gezeigt, daß cs nicht günstig Ist, allzu junge und beruflich in keiner Weise vorgebildcle Menschen nach Palästina zu schicken, sondern in sich gefestigtere und In einem bestimmten Berufe verwurzelte Arbeiter, die eine größere Gewähr für dauernde und fundierte Arbeit drüben gehen. Gewiß kann in Zeiten des Schwunges, in Zeiten auf• flammender nationaler Begeisterung eine Schar junncr, von romantischen Träumen beseelter Menschen, die nach Palästina kommt, unserer Arbeit drüben einen ungeheuren Zuwachs an Stoßkraft und Energie verleihen. Die Zeiten der großen Alijali kurz nach dem Kriege haben uns «lies bewiesen, aber die späteren Jahre, Jahre einer sehr gezügelten, ja beinahe tropfenweisen Alljah, die Jahre eines sehr geordneten, ja fast allzu vorsichtigen Wälilens und Bauens zeigten auch, daß nicht immer und nicht unter allen Bedingungen des täglichen Lebens Beständigkeit durch Begeisterung zu er׳ setzen ist. Man braucht in Palästina Menschen, «Ile einen festen Beruf haben, Menschen sind erst dann in einem Be rufe produktiv, wenn sie ihre Lehrzeit üherstandrn haben. Hachscharah in Deutschland, wie überhaupt ln! Galutli, he׳ deutet Verlegung der Lehrzeit, d. h. der ersten, beruflich und menschlich, wenn mnn 10 sagen darf, unrentablen Jahre von Palästina und Europa. Die landwirtschaftliche Hachscharah beschränkt sich zur׳ zeit noch zum grüßten Teil auf Bauernzentren. «I. h. auf Dörfer, wo ein Kreis unserer Jungen, zu einzelnen Bauern verteilt, die Landwirtschaft erlernen. Diese Hachscharah kostet, abgesehen von Organlsationskosten und geringen Taschen׳ gelduntcrstützungcn, nichts. Ein anderer Teil der Hachscharah beruht auf Siedlungen, die in bezug auf genossenschaftliche Arbeit auf Selbstvciantwortlichkcit, Sparsamkeit und viele an dere, zwar nicht durch Prüfungen zu 'erweisende, aber gerade für das zukünftige Leben Palästinas ungeheuer wichtige Ei• genscliaften, ihre besondere Aufgabe zu erfüllen haben. Die Finanzierung dieser Plätze erfolgt in der Tat aus Mitteln, die sonst der zionistischen Arbeit nicht zu g u t e gekommen wäre n. Ein privater KreF von Vätern und Freunden, private, ja geradezu familiäre Beziehungen, nlchtzionistisclic und ausländische Vereine und Bünde haben bisher dafür — übrigens bescheidene — Mittel zur Verfügung gestellt; und wenn in diesem Jahre von zwei Seiten in der Tat größere Summen zur Beschaffung von neuen Siedlungen quasi niTgcboici! wurden, so läßt sieh atirli dabei wieder fcststelten, daß hier ganz besondere Wünsche und Absichten Gelder flüssig machten, die man sonst nie und nimmer be kommen hätte. Kein Fonds Ist durch die Aufbringung solcher Gelder geschädigt worden, keine Aktion, weder eine geschält• liehe noch eine philanthropische, wurden mit oder ohne Wissen der oberen Instanzen durchgcführt. Eine Wahl über die dieser Gelder lag garnicht im Bereiche der wir aber selbst einmal an. daß von Irgendeiner eine solche Entscheidung über die Verwendung Kredite tiir Eüuscrban Dr. Runpfn hat aus New York an die palästinensische zionistische Exekutive telegraphiert, daß eine Anzahl ameritonischer Kapitalisten bereit sei, eine Anleihe von 800 000 Doli, zwecks Erbauung jüdischer Handelszentren in Jeru saicm und Haifa zu gewähren. Der Erstaufführung des Palästina-Films ln Holland wohnten der Minister für Unterricht, Kunst und Wissenschalten, Dr. I. Th. de Visser und der frühere Minister der Dauverwaftung, Dr. C. Lcly bei. Verwendung Möglichkeit. Nehmen Instanz aus bestimmter Gelder für die Hachscharah in Deutschland oder in Palästina hätte getrotfen werden können, so Ist auch da durchaus die Frage noch ungelöst, wofür man sich zu ent scheiden hätte. -Alan macht leicht einen Fehler, wenn man einfach rechnet; HX) £, damit kann man in Palästina 20 Leute einen Monat lang unterhalten und braucht es nicht in Deutsch׳ larni zu tun, oder 80000 M., damit kann inan in Palästina ebenfa'Li eine Siedlung von 5~ö Familien schaffen, _ Man vergißt dabei, daß bei der Einrichtung eines palästinensischen Lehrbetriebes mit riesigen Ameliorationr,kosten zu rechnen ist, daß fernerhin Jahre vergehen, ehe ein neuer lamJwirt׳ schafliichcr Betrieb sich ohne Zuschüsse und immer wachsendes Betriebskapital erhalten kann, ,von einer Rentabilität ganz zu schweigen; und endlich, daß die Anwesenheit eines größeren Stammes von ungelernten und jungen Menschen in klimatisch und sozial vollkommen neuen Verhältnissen, eine midi nur einigermaßen ordnungsmäßige Führung des Betriebes außer ordi'idllch erschwer(. Unsere deutschen Wirtschaften hingegen, seihst wenn wir sie In einem weiten Maße alt! Lehrwirtschaften aufbauen, sind sämtlich in der Lage, sich selbst zu erhalten und mit wesentlich geringeren Kosten, als in Palästina. Eine neue, erstmals ausgeprobte, für das kommende Jahr zu wel terem Ausbau in Aussicht genommene Methoefe verspricht uns sogar, mit geringen Gcldziwchüssen fast alle die Vorteile eines eigenen Betriebes, ohne seine außerordentlichen Kosten mit zu übernehmen. Ganz ähnlich liegen die Dinge im Handwerk. Die Einrichtimg einer Werkstätte in Palästina ist in weitaus höherem Maße nocli eine Frage der Wirtschaftlichkeit, da ihre keit und der Absatz handwerklicher Produkte fast vollständig von der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung des Landes abhängig ist, während eine landwirtschaftliche Siedlung sich schließlich durch Autarkie immer noch seihst ernähren kann, Dazu kommt, daß ein handwerklicher Betrieb Immer nur eine recht beschränkte Zahl von Lehrlingen aufnehmen kann, wenn «eine Produktion nicht illusorisch gemacht werden soll, ln Deutschland lernen fast alle handwerklichen Chaluzim bei deutschen Meistern und erhalten dort eine ausgezeichnete, auf längerer Tradition beruhende Ausbildung. Nur ein kleiner Versuch wurde bisher gemacht, ler.tm׳,teilen, oh es möglich Ist, aneli in eigenen gcinnseu-.eliaftliclieil Betrieben Aiuhil* (hmgszenircii zu schaffen; «Ile Ergebnisse dieses, noch Immer. Jungen Versuches sind bisher außerordentlich e!muti:cml. Die dazu verwendeten Summen sind, gemessen au der moralischen und erziehlichen Bedeutung des Projekts oder gar an den Instnllatlonskostcn eines ähnlichen Betriebes in Palästina m gering, daß sic kaum ins Gewicht fallen. Dennoch werden auch hier weitere Versuche unterbleiben, bis sich die Rentabilität und Durchführbarkeit solcher AusbikJungsslätlcn erprobt haben. Sowohl landwirtschaftliche, wie handwerkliche Hachscharah kann beruflich besser und finanziell viel billiger in Deutsch* land als in Palästina gemacht werden. Und schließlich und endlich: die Gelder, die in r,ie Inneingesteckt werden und gerade die relativ größeren Summen, vor denen man sich fürchtet, geiicn ja dein Zionismus und Palästina nicht verloren; 'in Gegenteil, sie würden ihm erst neu gewonnen und können später noch Immer, etwa durch Verkauf der« eingerichteten ietriebc flüssig und für Palästina verwendbar gemacht werden. Neben der rein beruflichen, steht die menschliche Vor• bercitung für Palästina, deren Bedeutung in letzter Zeit immer mehr in den Vordergrund rückt. Es mehren sich die Stimmen, die, auf den Erfahrungen der letzten Jahre fußend, darauf hinweisen, daß die seelische Festigung der Chaluzim die wesentlichste Aufgabe der J fachscharalinrbeit zu sein hat. Die besonderen Bedingungen Palästinas, die Schwierigkeit der Arbeitsbeschaffung, die eigenartige so/lale Struktur der Ar• helterschaft mit ihren großen Forderungen an jedes einzelne Ihre Glieder verlangen von jedem CI1.1 hu eine besondere, nicht gewöhnliche seelische Einstellung zum Lande und zur Arbeit. Der mehr oder weniger tief verwurzelte Wille zur Alijah allein verbürgt eine solche Einstellung noch nicht, und die Erfahrungen der Vergangenheit beweisen, wie oft es an einer Vorbereitung für sie mangelt. Es gißt naturgemäß kein Maß der Reife, ״keine Reifeprüfung“ hinsichtlich dieser Hachscliarah, «her eine* Gewähr gibt es doch: daß Menschen, die min• bestens Jahre in unserer Bewegung standen, die in Deutschlarni bereits unter den dem Lande angeglichenen sozialen Bedingungen arbeiteten, die im Ideenkreis und den Anschau• ungen «1er palästinensischen Arbeiterschaft, im Sinne der Tarbullt Awoaalt Palästinas erzogen wurden, sich «lamm mit größerer Schnelligkeit und Sicherheit in den Kreis der Arbclterschaft clngliedern werden, als alle anderen, die eine solche Entwicklung und Erzielung nicht durchmachten. Die kulturelle Hachscharah In Deutschland erspart wie die berufliche einer nicht geringen Anzahl von Einwanderern Enttäuschungen und Fehlschlägc, die sie sonst zum Aufheben der Arbeit und zum Verlassen des Landes bewogen hätten. Fs muß immer mit einem bestimmten Prozentsatz von solchen gerechnet werden, die im Berufe nicht' ihre Befriedigung finden und auch den sons.igen Bedingungen nicht gewachsen sind. Die Hachscharah In Deutschland erspart dem Lande Sclindigungrn durch solche Fehlschlägc, sic erspart der Organisation das Geld, das für die Alijah, wie auch für die Arbeitsbe• Schaffung dieses Prozentsatzes sonst ausgegeben worden wäre, und sic bewahrt uns schließlich vor der moralischen Depression, die von einer solchen in Deutschland ganz selbstverständlich und unbemerkt vor sich gehcmlcn, 111 Palästina jedoch demoralisierend wirkenden Erscheinung ausgclien würde. Und endlich, was nützt cs uns, wenn wir heute eine Anzahl von jungen Menschen nach Palästina bringen umi mit Hilfe der aufgebrachten Mittel, ihnen dort Ausbildungst, mögllchkelten schaffen (wobei Immer noch die Frage offen bleibt, ob diese ganze Losung ״Verlegung der Hachscharah nach Palästina“ nicht durch die Tatsache der Linwanderungsbestlmmungen graue Theorie bleibt?). Wir werden dann vor der Situation stehen, nächstes Jahr Menschen für die Alijah nicht mehr zur Verfügung zu haben. Der Nachwuchs der Chaluzim kann nur dann erhalten bleiben, wenn ein stetiger lebendiger Zusammenhang /wischen den einzelnen Stadien der Entwicklung bestellt. Nur dann kann in der Jugenddte Beru fsumschichtungalsErzIchungsziel aufgestellt werden, wenn sich auch sofort die Möglichkeit ergibt, unter nicht allzu harten Bedingungen und nicht allzu umwälzenden Neuordnungen dieses Ideal zu verwirklichen. Man kann nicht ohne weiteres 16• oder 18jährige Jungen nach Palästina schicken, aber man kanrj sic in Deutschland der landwirtschaftlichen Arbeit zuführen. Die Kontinität des Nachwuchses in der Alijah ist abhängig vom Bestehen einer gründlichen umi gut fundierten Hachscharah im Hcimatlande. Und eines sei noch festgcstellt: Der Hcchaluz und zumal der deutsche hat auf Grund der Erfahrungen seiner nicht allzu jungen Arbeit, wie auf Grund der Informationen und Er- Kenntnisse seiner palästinensischen Chawerim mittlerweile ein klares Bild von detn Ziel seiner Hachscliaraharheit sich ge• schaffen. Er betrachtet es durchaus nicht mehr als seine wesentlichste Aufgabe, ausgezeichnete Vertreter der einzelnen Berufsarten für Palästina zu züchten, .wie man wohl vor einigen Jahren noch hätte annchmen können. Man weiß ganz genau, und die Resolutionen der letzten Jahreskonferenz be• weisen cs, daß das Ziel unserer Hachscliarah sein muß, einen Stamm von beruflich geschulten, jedoch nicht überspeziaii• slcrtcn Menschen nach Palästina zu schicken, die in der Lage sind, durch eigene Arbeit dem Lande noch mehr zu geben, als sie von ihm fordern müssen. Der Hcchaluz ist heute fern von einer Uebcrtrelbung der Hachscharah. in der Tat, Spezlaü* slcrutig und letzte Vervollkommnung, insbesondere Anpassung an die besonderen Bedingungen des Landes, das sind alles Dln^e, die nicht nach Dcutscliland, sondern nach Palästina geboren. Ein stetiger Strom der Alijah jedoch, sowie ein wirtschaftlich und menschlich gesunder Aufbau Palästinas, ist ohne eine Ihrem Ziele klare und in ihren Mitteln gesicherte Hachscharah in den einzelnen Ländern nicht möglicff. Kleine Palästina Nachridilcn In der Osler-Nummer der ״Woche“ werden mit Aufsatz, betitelt ״Dis neue Jerusalem“ von Dr. einem Georg Reihe von "interessanten Photographien Blumenthal, eine veröffentlicht. Die Polizeiabordnung, die zur Unter,Irückung des Strei• tei wegen der örtlichen Wasserversorgung In ein Dorf In der Nähe von Dittir, nb(r ׳*saw.lt worden war, hat 23 Personen veihaftet. Wahrend der Unruhen wurden eine Person getötet und acht verwundet. Sir Herbert Samuel hat ln einem Schreiben an den Leiter der hebräischen Oper in Jerusalem Oolenkln, diesem die Anerkennung für die bei der Einführung der Oper In Palästina geleistete Arbeit ausgedrückt. Anfang April wurde Karkur von einer arabischen Räuberbande überfallen. Dieser Ucherfall galt nicht der Kolonie der Londoner ,,Achuzah Company“ Kindern vor allem einem icmenitischen Lebensmittel gesch 8 ft, in dem Mr. Schlesinger gehörenden Teil Karkurs. Die Plünderer wurden von ein paar taugen Chaluzim zurückgcschlagen, wobei achtAraberverhaftet wurden.