Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 30-31 (18.4.1924)
- Date
- 1924-04-18
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Kr. 30/31 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 220 Noch ein Wort-, und «Limit will ich schließen. In Palärtiuu leben heule iiiehtjiuiBdic Gemeinschaften, und die wichtigste nichtjihlische Ocmeinselialt ist die arabische O c!11 ein• sch;«((. Is wimle «1bcr die Beziehungen /wischen Juden 1m<l Arabern sehr viel Ueberfli'i.ssiges gesprochen tmd geschrieben. Ich möchte hier erkläre״, «laß auf Ciruml 11er i.r• fahrung, die wir nach fünfjähriger Arbeit in Palästina ge- Winnen konnten, wir alle Ursache haben, zu hoffen, «lall die Beziehungen zwischen Juden und Amber 11 freundschaftlicher werden werden. Heute bestellt bei tatsächlicher Leistung auf dem Felde, im Dorf oder in der Stadt eine wachsende Tendenz zur Zusammen• arbeit zwischen Juden und Arabern, und erst vor vierzehn Tagen hatten wir «iie Möglichkeit, «len arabischen Führern unsere Sache offen 11ml ehrlich tiarzulegeti, und ich jtll.mbe, sie fand ihre aufrichtige, wenn nicht Billigung, so wenigstens Beachtung. Hier und da gibt es infolge der durch «len Krieg geschaffenen Unruhe, infolge der Propaganda, die im Nahen Orient und in Asien im allguneinen vor sich geht, infolge von Versuchen, die bestehende Ordnung in diesem i'eilc der Welt zu untergraben, infolge von Versuchen, «iie Stellung des britischen Reiches im Orient zu uiitergiaben — infolge all dieser Faktoren ist ein gewisses Maß von (litt in das!,eben Pal ästinas gebracht worden und hat Reibung zwischen Arabern und Juden erzeugt. Aber wir alle sind uns bewußt — und ich spreche jetzt aus Erfahrung und Kenntnis — dati wir Juden mit den Arabern in der Vergangenheit zu- * a m ni c 11 gc n r b c i t <• t haben und «1.1 ft diese Zusammenarbeit grolle und herrliche Früchte getragen hat. In Snanien, in Bagdad arbeiteten Juden und Araber Hand in Hand für die Wohlfahrt des Landes und zum Nutzen «!er Menschheit, und diese Freundschaft zwischen• den beiden Völkern besteht noch trotz der Reihung, die künstlich hervorgebracht ist. Und «iie tatsächliche Arbeit in Palästina, die tatsächliche Leistung. «Iie heute sichtbar ist und die zum Vorteil Palästinas ausschlägt, ist ein gewaltiger Faktor zur Verminderung dieser Reibung. Und wir, blicken mit Vertrauen In die Zukunft idieser beiden Völker im Lande; sie sind nach meiner Meinung bestimmt, eine wichtige Rolle nicht nur im Aufbau Palästinas, sondern im Aufbau des ganzen Nahen Orients , zu spielen. So ist die Aufgabe, die vor uns steht,'nicht niir eine Aufgabe, die uns unmittelbar angeht, sondern eine Aufgabe, «lic «Iie Kultur der Menschheit betrifft — Länder zu erneuern und der Kultur wieder/ugeben, die in alten Zeiten die Wiege der menschlichen Kultur waren, aber verfielen und zerstört wurden. Wenn Sic Ihr Auge für einen Moment auf diese Karle an der Wand richten; «lies ist die Karte von Palästina innerhalb der Mamlatsgren/eri. Hie roten Flüchen sind die ji'ulisehen Siedlungen mul indischen Besitzungen. Sie sehe״, daß die jüdischen Kolonien und das unter dem jüdischen Pflug stehende Land t'ast überallhin verstreut ist, mit Ausnahme des südlichsten Teiles von Palästina. 1 leide ist Palästina von einem Gürtel jüdischer Kolonien bedeckt, und . wenn die Zwischenräume allmählich gewonnen werden könnten, besäßen wir eine zusammenhängende jüdische Siedlung; Beispidsweise möchte ich darauf Hinweisen, daß wir im Tale * J c s r e c I, wenn wir die Mittel hätten, heute z c 11 n t ,111 s c 11 d j ii «lisch(• F n in i 1 i c 11 .111 s i c 11 c 111 könnten, und cs ist klar, daß, wenn zehntausend Familien auf dem Lande angesiedelt werden, zweimal zehntausend Familien rings um sie wohnen können, zweimal zehntausend Familien auf eigene Rechnung kommen können. Wenn diese weißen Flachen rot gezeichnet werden können, haben wir eine landwirtschaftliche .Siedlung geschaffen, wo eine große jüdische aekeibautreibciidc Bevölkerung aufgezogen, ernährt und entwickelt werden kann. — Erst vor wenigen Wochen kehrte einer Ihrer besten Fachleute, Professor Elwood Mcad von Kalifornien aus Palästina zurück, der unsere Kolonien besichtigt, geprüft und beurteilt hat, und ich glaube seine Meinung richtig wiederzugeben, wenn ich sage, dal!, wenn diese roten Flächen entwickelt und diese weißen Flächen rot gezeichnet werden können, eine große lamlwirt- ,schaf t lieh c Gern e in sc ha ft hier niifgcbaut werden kann, die nach seiner Meinung mit der großen Entwicklung Kaliforniens oder irgendeiner andern großen landwirtschalt liehen Siedlung in Amerika wetteifern könnte. Die landwirtschaftlichen Leistungen «1er Juden in diesem Teile der Welt sind gut und zufriedenstellend genug, um die Hoffnung zu rechtfertigen, daß sic weitergehen und aus ihrer eigenen Kraft heraus in größerem Maßstabe als bisher wachsen können. Ich glaube, die Errichtung der Jewisli Agency, die Schaffung dieser InvestHionsgescilschaff, die Vereinigung aller Anstrengungen würde das Tempo der Entwicklung Palästinas beschleunigen; und wenn auch vielleicht nicht in unseren Tagen — ich sehe leider zu viele graue Köpfe hier — aber wenn nicht in unseren Tagen, so in den , Tagen unserer Kinder oder Kindeskindcr wird ein Land da ' sein, entwickelt durch unsere Leistung, mit unseren Einrichtungcn, mit unserer Sprache, mit unseren Schulen, «furch' unsere eigene Arbeit aus den Anfängen aufgebaut, von der Farm bis zur Schule, vom Dorf bis zur Stadt, vom Kindergarten bis zur Universität, und es wird vielleicht ein Leuchtfeuer für die Juden der ganzen Welt sein. Neue Gedanken und neue Ideen werden vielleicht wiederum von Palästina kommen und das Wort Gottes von Jerusalem. (Lebhafter Beifall.) Mr. Marshall! Ich glaube, es wäre gut, bevor wir in die aUgemeine Diskussion der beiden Fragen cintrcteii, etwas über die wirtschaftliche Lage in Palästina von jemandem zu hören, der sic als Fachmann behandeln kann] Ich erteile ' das Wort Dr. Rnppin, der mehr als irgendein anderer in dieser Versammlung mit Autorität und Kenntnis über Palästina, seine wirtschaftlichen, industriellen und landwirtschaftlichen Möglichkeiten sprechen kann. (Das Referat Dr. Ruppins haben wir bereijs wörtlich, in Nr. 25 der ״J. R.“ wiedcrgegcbcu.) (Fortsetzung in den nächsten Nummern.) Eine Anfrage im enolischcn Oberhause. über Trans|ordanicn und Palästina Lord Raglan teilt mit, daß er im Oberhause an die Regierung die folgende Anfrage richten wird: ״Ist der Regierung bekannt, daß die Verwaltung Trans Jordaniens durch Emir Abdullah tyrannisch, unbesonnen, untätig und sehr 1111 - populär ist; daß der Obcrkommis8är Von Paiästina nichts tut, um hier eine Besserung hcrbeiztiführen? Liegt es in der' Politik der Regierung, die Bevölkerung Palästinas mit der zionistischen Tyrannei auszusölmen, Indem sie in TransJordanien c i n e n o c h schlimmere Tyrannei auf richtet?" * Lord Raglan (von 1919 bis 1921 politischer Beamte r in Palästina), einer der extremsten Antizionisten im House of Lords,, der sich seit einiger Zeit aber auch gegen Emir Abdullah gewandt hat und «Icsball» von arabischen Blattern in Palästina ange ,riffcn worden war übte in einem Inlciview mit dem ״Daily Expreß" seh.irfe Kritik an 1:mir A!1«l u Ilah. ״Auf Grund meiner im Laude selbst gewonnenen Kenntnis der Dinge und durch Information aus einwandfreien Duellen behniijile ich, •laß Traiisjoniaiiicii unter Abdullah die Brutstätte der Korruption und des Chaos ist. Abdullahs Tätigkeit erschöpft sich darin, den kleinen Tyrannen zu tpielfti und die Bauernschaft zugrunde zu richten. Er erlicht Steuern, utn seine!>e r sö 1111 c 11 cn Extravaganzen und Laun e 11 sowie die seiner Höflinge bestreiten zu können. Die Entwicklung stagniert, weil die für Straßenbau und andere Aufbauarbeit ringc/ogencn Steilergcldcr für die vorerwäluiien Zwecke .iiifgebraucht werden. Der Handel liegt hoffnungslos darnieder und auf dem Gebiete des Ui! t err i eil t cs ist zur Zeit kein Fortschritt zu spüren. Linen Teil der Schuld ,111 diesem chaotischen Zustand/״ sagt I ord Raglan weiter, ״schiebe ich den Zionisten zu; Ich glaube, es bestellt auf ihrer Seile der wohlüberlegte Plan (!), in Transjordnnion «Iie Verwirrung m fördern,’um die A 11 fmcrksamkclt vo 11 Palästina ab zul c n k e n." Die diplomatischen Vertreter der alliierteil Regierungen in Koustantinopcl haben der tinkisehen Regierung eine Kollektiv - Note betreffend die kürzlich erfolgte Schließung der von der Alliance fsrae- 1 i t c U 11 i v c r s e 11 c, den römisch-katholischen Organisationen mal anderen religiösen Körperschaften unterstützten Schulen überreicht. Fs wird darin ausgeführt, daß die neuen Verfiigiingcn nach Ansicht der alliierten Regierungen nicht mit dein die Rechte der Minoritäten imd religiösen Körperschaften garantierenden Friedensvertrag übcrcinstimmcn. He Johnson Rill angenommen Am 12. April fand im Washingtoner Repräsentantenhaus «Iie Abstimmung über die Johnson-Bill statt, die bckanntlich eine jährliche Ei nw ander ungsquote von 2 ס/״ für jedes Land auf Grund des Status dieses Landes vom Jahre 1890 Vorsicht. Die Bill wurde im Repräsentantenhaus mit Mehrheit angenommen. Dieses Abstimmungsergebnis kam nicht unerwartet, da die Stimmung für die Bill im Repräsentantenhaus bekannt war. Durch die Annahme der Johnson-Bill im Repräsentantenhaus ist dieselbe noch nicht Gesetz geworden, da erst die Ab- Stimmung im Senat entscheidend ist. Wie bekannt, ist jedoch die Gegnerschaft gegen die Bill im Senat weit *' r ö ß e r als i m Rc p r ii s c!11 n Uten 11 a u a, so daß deren Annahme im Senat keineswegs als sicher gelten kann. * Der Präsident der Amerikanischen Arbeiter-Föderation, Samuel G oni pers, der selber Immigrant und Jude ist, veröffentlicht in der Aprilmimmer des ״Atncrjcnn Fcdcrationist“, dem offiziellen Organ der amerikanischen Arbeiter- Föderation, einen Aufruf an die Gewerkschaften, in der diese aiifgcfordert werden, gegen die Propag a 11 «1 a fiir eine unbeschränkte E i n w a n «1 e r u n g z 11 k ä 111 p f e n, Gompers hat ferner im Namen der Amcrikanischeu Arbeiter-Föderation eine Kundgebung an alle organi- Herten A r b c i t c r v c r b ä 11 d c erlassen, in welcher er z u r Arbeit f ii r «1 i e Johnson-Bill auffordert. Er schreibt ״1. .״ daß alle Arbeiter an die Kongreßabgcordiictcn, Senatoren, «len Präsidenten telegraphieren sollen, daß der jolmson-Bill auch eine Bestimmung für Seeleute hinzugofiigt wir«), damit nicht die Schiffsreeder von der Einwanderung ausgeschlossene Personen als Seeleute in die amerikanischen Häfen bringen. '* In der vom Antragsteller selbst veränderten Gestalt, die die Johnsolin-Bill Ende März erhalten hat und die von der Immigrations-Kommission des amerikanischen Repräsentantenliauscs mit 14 gegen 2 Stimmen angenommen wurde, werden in dem nächsten Jahre nur folgende Einwanderer zitgefassen werden: Aus Rußland 2000 statt bisher 24000, aus Polen 90; 10 statt 31 (WO, aus Rumänien 1000 statt 7000, Tschechoslowakei 2000 statt 14000. Hingegen aus Deutschland 50(WO anstatt 63WO, Großbritannien 63000 statt 77 (MX). Eine starke Reduzierung erfährt auch die Quote für Italien, woher jetzt nur noch 4000 statt der früheren 42 000 z.iigelasseu werden sollen. Polen und der MlaorllHlcnscliulz In einem Gespräch mit einem Mitarbeiter der ״Oazctta Warszawska“ bestätigte der Vorsitzende des polnischen Senats Trampczynski ausdrücklich die Gerüchte, daß Polen beabsichtige, den Traktat über den Schutz der nationalen'Minderheiten in Polen z u k ii 11 d i g C n. Er sagte, dieser Vertrag sei ein Resultat der 1111 r i g 11 c 11 Lloyd Georges. Er gibt dem Völkerbund das Recht, sich in die inneren Angelegenheiten Polens c i n zu ini.selten. Das!;ei ein unerträglicher Zustand. Polen werde sich gemäß Punkt 12 an den Völkerbund wegen Acndcrtmg das Traktats wenden. * Dazu meldet der Warschauer Korrespondent des ״Vor* wärts": Die Regierung erklärt das Gemellt, daß Polen den Vertrag über den Minoritätenschutz infolge der letzten Entscheidungen des Völkerbundes zu kündigen gedenke, als unzutreffend. ׳ * Die Vertreter der nationalen Minderheiten in Polen bereiten nach der J. T. A. ein Pro t es t s c h re i b c n an Trampczynski vor, in welchem darauf hingewiesen wird, daß Trampczynski selbst als Vorsitzender der pol■ 11 i s c 11 c 11 K o 11 s t i t u a n t c d e 11 Minder 11 citntraKt.1t unterschrieben habe, und «laß ihm am wenigsten ein Recht zustche, nunmehr mit solchen Erklärungen hervorzutreten. Außerdem wurde in den Senat eine Interpellation gegen Trampczynski•; Erklärung cingebracht. Der Vorsitzende des jüdischen Parlamcntsclubs Dr. Reich ,wird in der Sitzung der Auswärtigen Kommission hierzu das Wort ergreifen. Audi die polnischen linken Parteien beschlossen, eine Sonderberatung abzuhalten, da nach ihrer Meinung Trampczynskis Hervortreten eine Gefahr für Polens Interessen bedeutet. * Der in London weilende Führer der polnischen liberalen Volkspartci, Thugutt, hat׳im Gespräch mit maßgeben-, den englischen Politikern erklär(, daß Polen Hebräische Sprachschule in Berlin (XII. Sommer-Semester), Anfang Mal werden «nun Anfängerklafiscn im IVe.aton und Zentrum Berlins eingerichtet, 1)10 Vorbesprechung sweekit FortaeUunct Am .Stundenplans ln sltintllchrn Anflitigerklnsion finflnt?ilimvocli den .'10. April 8 ‘/t Uhr abends in der JIoeliRchnlo für die Wissenschaft des Judentums, Artillnriestraßo 14, 1 ׳Treppe statt, Der Schulleiter: N. Bcrggriln, Cbnrlottcnbnrg 2, Idbnlxstraße 25 ,!■1Willi ■ ,־ יW . ״•tyitMlg? sofort nach Abschluß der wirtschaftlichen S a n i c r 11 n g s a k t i o n an die Lösung der Probleme der nationalen M i n «1 c r I: c i t c n schreiten werde, (kragt sieh nur, in welchem Sinuc. — D. Red.) # In einer der letzten Sitzungen der auswärtigen Kommission des pol 11 ischon Sejm sagte nach späteren Berichten der Abgeordnete Dr. Leon Reich zur F'ragc der Kündigung des Mimlcilicits-Vcrlrags «Itireli Polen, der Versailler Vertilg bilde zusammen mit dem Traktat über die Rechte «1er nationalen Minderheiten ein unteilbares Ganzes. Die Erörterung dieser Frage im gegenwärtigen Moment werde den polniidien Interessen zum Schaden gereichen, Minister des Addieren 7, n m 0 y s k i antwortete in der nächsten •Sitzung auf die Ausführungen Dr. Reichs, daß die Erörterung über die Notwendigkeit,, den Minderheits-Traktat zu kündigen, die P r i v a t m e i n u n g gewisser Politiker sei; die R e gier u 11 g selbst denke nicht daran, den Traktat zu kündigen. Auch in der Aiißcnkommissioii des Senat» wunie die Frage erörtert. Senator Dr. Ringel wies dio Haltlosigkeit der Aeußerung des Senats Vorsitzenden Trnmpc/vnski vom juridisrhen und staatepolitischen Standpunkt nach, trampczynski erwiderte, sein G<sprach mit dem Redakteiir der ״Gazctta Wnrszewska" sei keine staatspolitische Handlung gewesen, sondern der Ausdruck der Unzufriedenheit, die in Polen in Bezug auf die Einmischung des Volkeilmuds in die' inncrpolnischen Angelegenheiten herrsche. Taganfj des Jüdischen Nallonalrals in Litauen Kowno. (J.T. A.) Am Montag, den 7. April, 9 Uhr abends, wurde «lic Plenartagung des Jüdischen Natio« nalrats Litauens eröffnet. Der Vorsitzende Dr. Rosen« ha um erstattete einen allgemeinen Bericht über die Lage und wies insbesondere auf die bereits erfolgte Liquidation des jüdischen Ministeriums, sowie auf die nötige Legalisierung des jüdischen Nationalrats, die neuerdings verschleppt werden soll, hin. Er sagte, man könne nicht mit Sicherheit fcststellcn, ob der jetzige Sejm einer Legalisierung zustimmen werde. Sollte der Nationalrat nicht legalisiert werden, so würde siel» das viel schädlicher auswirken, als die Liquidierimg des Ministeriums. Dr, Rosenbaum berichtete zur Frage des Sonntngsruhcgcsctzcs, daß der Unterrieht an jüdischen Schulen an Sonn- und Feiertagen stattlinden dürfe, die Geschäfte in den vier größeren Städten Litauens aber müßten Sonntags geschlossen sein. Die Hinaus/ögcrung der Militärdienstzeit für Jeschiw a 11 - 7. ö g 1 i n g c wurde nicht bewilligt. Am 8. April fand die allgemeine Debatte über die politische Lage statt. Freilassung[ einzelner verhaiteter Zionisten ln Moskau Moskau. (J.T.A.) Von den bis jetzt verhafteten un« gefähr 60 Zionisten sind inzwischen etwa 15 wieder in Frei* heit gesetzt worden. Unter den Befreiten befinden sich lng< L e v y, Prof. B c 1 k o w s k y, Dr. B i c 11 o w s k v, Dr. E c b e d i n 5 k y, Chudakow 11. a. Man erwartet allgemein, daß auch die übrigen Verhafteten demnächst in Freiheit gesetzt werden. Die Befreiten erzählen, sie hätten beim Verhör freimütig zugegeben, «laß sic mit der zionistischen Idee sympathisicrcn. Sic haben aber gleichzeitig bestätigt, daß seit 1917 in Rußland keine zionistische Organisation existiert, umf daß sie auch mit ausländischen zionistischen Organisationen nicht in Verbindung stehen. Die eigentliche Ursache der Verhaftungen Ist noch bis heute nicht bekannt. Aas der Jödlschen Well PcutBthUwd Der Wortlaut der von uns bereits erwähnten Ansprache des Präsidenten des deutschen Reichstags Paul l.ocbc auf der Versammlung des Komitees für das arbeitende Palästina in Breslau Ist der folgende: ״Ich möchte Gelegenheit nehmen, hier ein Wort der Svmpathic, der Anerkennung zu sagen über eine Bewegung, «Iie vom ersten Augenblick an, da meine Freunde und ich sic kennen lernten, unser lebhaftestes Interesse erregt hat. Dieses Interesse wurde um so größer, je-mehr uns' von Sachverständigen Berichte über die Arbeit, «iie dort geleistet wurde, zugingeii, wobei ich besonders die Berichte über die Arbeiten der dortigen jüdischen Haugilderi hervorheben möchte. Wir in Westeuropa sind auf dem Wege des Kompromisses haften geblieben, an anderer Stelle hat mau in i t G e w a 11 «1 c n Neubau versucht, in Palästina erfolgt ein gewaltloser Neubau. Wir hatten alte Bindungen gelöst, uns von alten Bindungen befreit, wir hatten aber übersehen, uns genügend fiir den Ta# nach der Umwälzung vorznbcrcitcn. Dort wird Neues geschaffen mit dem gewaltige!» Prinzip der gegenseitigen Hilfe, werden Wege gesucht zu höheren Formen gemeinschaf tllch er Arbeit. Darum ist diese Ihre Bewegung nicht nur für die Juden,sondern für die ganze internationale Arbeiterschaft von größter Bedeutung. Die dortige gemeinschaftliche Arbeit und der gemeinsame Besitz in der Industrie, in der Technik, im Raugewerbe, in den Pflanzungen zeigen, daß in Palästina die wahre sozialistische Idee in die Tat umgesetzt wird. Wieder einmal sind die Juden die Pioniere einer neuen, einer positiven, einer fruchtbaren Bewegung. Mit größtem Interesse und tiefster Sympathic verfolgen wir diese Arbeiten. Die Tatsache ,dieser durch Bcis]1iel bewiesenen Leistung ist die vorzüglichste Gegenarbeit gegen die wüste Agitation, deren unerfreulichste Blüten ich eben von allen Plakatsäulen Bayerns zu sehen Gelegenheit hatte, — jener Bewegung, die die Schuld am Zusammenbruch «len Juden zusehieben und damit von sich ablenkcn möchte. Alle Zeit hat die Welt das lebendige Beispiel höher gestellt als theoretische Widerlegung. Dieses lebendige Beispiel jüdischer Arbeit geben uns jetzt die jüdisehen’ Arbeiter Palästinas. Zwar, daß der Jude arbeiten kann, •weiß jeder, der einmal im Osten gewesen ist 11ikF dort die Tausende jüdischer Arbeiter gesehen hat. Gegenüber jener Verhetzung sollten wir um so mehr in aller Offenheit und neidlos anerkennen, daß uns die Juden auf so vielen Gebieten geistiger Kultur sehr viel schon gegeben haben, und daß wir nun holten können, daß sie dort in Pa- Iästina uns auch einen neuen Weg für die Gesu n* düng des Wirtschaftslebens der.Welt weisen werden." Vorige Woche starb in Berlin die Schriftstellerin Auguste Hause iiner im Alter von 72 Jahren. Auguste I imischucr, die aus Prag stammte und Jüdin war, hat bereits in einem ihrer ersten Werke, dem zweibändigen Roman ״Familie Lowositz" jüdische Menschen dargestcllt und sieh mit den Problemen des Judentums beschäftigt. Sie hat sielt dann später immer mehr jüdischen Fragen ziigewandt, Ihr letzter, noch nicht veröffentlichter Roman ״Das goldene Prag" behandelt die nationalen Kämpfe zwischen den drei Nationalitätcn der Stadt: den Juden, Deutschen und Tschechen, die alle mit Objektivität behandelt werden. Auguste Hausclmer stand besonders Gustav Landauer in seinen letzten Lebensjnhrcn nahe. Für den Zionismus zeigte sie großes Interesse - und viel Sympathie, i i