Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 30-31 (18.4.1924)
- Date
- 1924-04-18
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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t Seite 228 Definitionen, statt das Nötige zu tun, mn etwas 1 Nützliches zu leisten 11ml ein großes Werk zu vollbringen. Dies ist die eine der Fragen, die Sie hier und heute erörtern sollen, wenn Sic dazu bereit sind. Unsere Einladung hat diese beiden Ziele erwähnt: zunächst unsere Haltung zur 1Jewish Agenev, zweitens unsere Haltung gegenüber der Bildung einer Pinanz-Invesütious-Gescllschaft zum Zwecke, um den Leuten, die nach Palästina kommen, eine Existenzmög- Jichkcit und eine Chance der Entwicklung zu gehen, um Palästina, das seit Jahrhunderten verwahrlost war, zu seinem ■früheren Zustand von Wohlfalurt und Schönheit zu bringen und daraus ein wirkliches Zentrum von Kultur und O c i s t zu machen. Meine Herren, die Sitzung ist eröffnet. (Lebhafter Beifall.; Mr. Mar:.!1;11I: Bevor die Verhandlungen beginnen, möchte (eh einige Mitteilungen verlesen, die ich erhalten habe. Begrünungen: Von Mr. Felix M. War bürg vor seiner Abreise nach Palästina: ״Ich hedaure, daß ich nicht 1*n der Lage sein werde, an der im Hold Aster am 17. Februar stattfiiidemlcn Konferenz, über Pal.'idinafragcii teilzimchincii. Sie und ich haben so oft über die Lage in Palästina sowohl vom poli• tischen als auch vom wirtschaftlichen Staml|nmkt miteinander gesprochen, daß Sie meine Ansichten genau kennen, ldi hoffe, daß diese Konferenz zu etwas führen wird, das jenen, die hören wollen, sagt, daß das Einzige, was ln Palästina geschehen muß, ist, daß cs , mit Bezug auf die sanitären Verhältnisse und die wirtschaftliche Lage Verbessert und auf eine gesunde Grundlage gestellt wird. Wie ich einem Führer der zionistischen Gruppe erklärte, könnten wir, wenn wir einen Waffenstillstand für zehn Jahre schließen würden, wo wir nicht vom politischen Zionismus reden und wo alle Gruppen sicli nur auf konstruktive Angelegenheiten konzentrieren würden, in zehn Jahren zeigen, ob Palästina bei einem Einwanderungsstrom von 25600 Personen jährlich seine Bevölkerung in gesunder wirtschaftlichcr Weise ernähren kann.“ Ein KabcUelcgramtn von James de Rothschild, London: ״Herzliche Glückwünsche Ihnen und Ihren ausgezeichneten Freunden mr Versammlung vom 17. Bin höchst erfreut über amerikanischen Judentums wachsendes, allgemeines Interesse an Palästina. Wünsche Ihren wichtigen Beratungen größtmöglichen Erfolg.“ Gestern erhielt ich einen Brief von einem ausgezeichneten Mann, der im Grunde denselben Vorschlag wie Mr. Warburg machte. Er erinnerte an das alte Wort ״Um Zions willen will ich nicht schweigen“. Er «agt: Wir wollen diesmal das Bibchvort umkehren: ״Laßt uns schweigen um Zions willc n“. Ein Kabcltclcgramm von Sir Herbert Samuel: ״Ueberzengt, von Marshall cinbcrufcnc Konferenz wird beitragen, durch Mandat geschaffene Jewish Agency wahrhaft repräsentativ zu machen und entsprechende Mittel für wirtschaftlichen Aufbau Palästinas zu liefern. Diese Mittel gegeben, vertraue ich fester als je nach vierjäh■ riger Erfahrung an Erfolg der Bewegung zum Nutzen der Araber wie der Juden.“ Ein Telegramm von Mr. Adolf Kraue, Chicago: ״Es ist mir unmöglich, zu verreisen. Wir sind an Palär.lln,•!fragen Interessiert. In unserer (ll'nc B'ritl1)-Silz1111g letzten Apiil bewilligten \>׳ir 23UOO ׳Dollar unserer Loge in Jerusalem und sammeln weiter, um 250 000 Dollar aiif/ubrmgcn zwecks Hilfe bei Errichtung einer Vorstadt in Jerusalem zur Unlerbriiiguiig von Einwanderern. Bitte informieret mich über von Konferenz angenommenen Plan. Wir können jetzt unsere Arbeit nicht aufgeben, könnten aber einen Plan zu gegenseitiger Hilfe ausarbcilen.“ Ein Brief von Dr. Ahraham Simon, Präsident der allgemeinen amerikanischen Rabbinerkonferenz: ״Ihr Aufruf zu einer unparteiischen Palästinakonferenz berührt eine sympathische Saite, leb kann nicht im Namen der allgemeinen amerikanischen Rabbinerkonferenz sprechen, die zur Zusammenarbeit mit dem Palästina-Council vorpflichfct ist, kann aber sagen, daß eine Organisation, die umfassender^ ist, nicht auf Prestige ausgeht und die Auf- oauarbeit für Palästina zusammcnfasscii, auspornen und vereinigen wird, höchst willkommen ist. ich werde die Bildung und Entwicklung der Gesellschaft mit lebhaftem Interesse verfolgen." , ferner sind hier noch viele Telegramme, von denen einzelne weiterhin zur Verlesung gelangen können. Mr. de 11־ aas (liest): . ,.Ghmstcr Gerichtsliof der Vereinigten Staaten, Wa.shi״״- ton, p, (,., H. Februar: Lieber Mr. de Haas! Ich nehme an, daß Sic an der Konferenz am 17. teitnehmen werden. Sagen Sie bitte für mich: Die Ereignisse der letzten vier Jahre haben meine Ucbcrzciigung bestärkt, daß die Wiedcrbcsredlung Palästinas mit Juden den einzigen möglichen Weg zur Lösung der /•üdci'/.r,??,c .darstcI,t־■ i״ Palästina Wirtschaftliehe Möglichkeiten bestehe!*, die, wenn man sic nutzt wenigstens vielen H 1111 d e r tt a 11 se n d c n die Mittel Inctcn werden, ein der großen jüdischen Traditionen würdiges ,V ״״ .f,״l״,C״:?aB °,lVe״ Juden Amerikas die T flieht ruht, bei dem Aufbau zu helfen durch genaues Studium dieser Möglichkeiten, durch die nötigen Kapitalsa 11!Wendungen und durch sachgemäße Fülirung und daß wIr mit d'eser Hdfc auf große Fortschritte in der wirtschaftlichcii, sozialen und kulturellen Entwicklung des Landes hoffen tlurfcn. Louis D. Brandeis.“ » 11X?” >I<icI!t,cr Mack. ‘!°ז in Florida ist: ״Ich bednure lebhaft, daß richterliche Pflichten allein meine Anweccnhe׳•» fUÜDISCHE. RUNDSCHAU Nr. 30/31 . ,. , - .. allein meine Anwesenheit verhindern ßm überzeugt, Konferenz wird volle Mitarbeit der bringen0"15 C3י־507 "'3 ״ c11' wirtschaftlichen Aufbau Palästinas Mr. Marshall: Ich glaube, es wäre vielleicht für unsere Beratungen nützlich, wenn wir eine Erklärung von Dr. Weizmann horten, der heute anwesend ist (lebhafter Beifall, die ,Versammlung erhebt sie 11). Die Rede Dr. Wclzmanns _ Mf• Marshall, meine Damen und Herren! Mit dem tiefen Gefühl schwerer Verantwortung unternehme Ich cs, In dieser beaeuaiugsvollcn •Versammlung zu sprechen Wir die wir seit fast zwei Generationen eine schwere Verant- Wortung getragen haben, betrachten diese Konferenz mit lebbaftem Interesse. Und icli bitte um die Erlaubnis, namens der Organisation, die zu vertreten ich die Ehre habe, meinen hcrzuchcn Dank dem Vorsitzenden dieser K o n f c - renz auszudrückcn, der zu jeder Zeit trotz seiner vielfachen Verpflichtungen ein tiefes Interesse für die Fragen Palästinas gezeigt und zu jeder Zeit seine hilfreiche Hand bei der Erfüllung unserer schwierigen Aufgaben dargeboten hat. Er hat den Beweis dafür geliefert, daß trotz der Tatsache, daß Fragen bestehen mögen, über die wir verschiedener Meinung sind, doch noch viel vorhanden Ist, was uns einigen wird, soll und muß, um! er hat in A>rt und Tat all das licrvorgcliobcn, was das Judentum einigt, und die strittigen Punkte luntaiigcsctzt. Ich will Sic, meine Damen und Herren, nicht mit einem hi!,torischen Bericht über all das aulhaltcn, was geschehen ist und die Palästiiiafr.'me und die zionistische Bewegung in den Vordergrund des Welt-Interesse׳■. gebracht hat. Der Präsident dieser Vor- ,.immluiig liat Ihnen die bedeutungsvollen Dokumente verlesen, die die Basis unserer heutigen Bemühungen geworden sind, und über diese Beinüliungen möchte ich ein paar Worte sprechen. Seit dem Kriege oder seit dem Waffenstillstand hat die Arbeit in Palästina in größerem Maßstahe begonnen, als es bis dahin der Fall war, und in «feil letzten dreieinhalb Jahren haben wir als eine Jewish Agency die Führung vorsdiicdcncr wichtiger Arbeiten in Palästina auf uns genommen. Das erste war die Einwanderung, und in den letzten dreic i 1111 a 1 b Jahren sin d 33 000 Einwanderer nach Palästina gekommen. Das bedeutet einen Durchschnitt von etwa 1000 monatlich. In innnchrn Monaten ist die Zahl niedriger, in manchen ist sie höher, aber der Durchschnitt bleibt im großen und ganzen ungefähr 1000. Ls sind Männer und Frauen im Alter von IS bis 35 oder dt) Jahren. Pie meisten der Männer sind durch den Krieg gegangen, mul die meisten haben sicli für die Ansiediung In Palästina vorbereitet. Ls sind «lies die sogenannten Pioniere. Es sind Männer, die die Ueberreste guter Familien darstcllcn, Leute mit meist guter Erziehung, ln den ersten Jahren unserer Ein- Wanderung waren etwa 40 «/» Menschen mit Hochschulbildung, wovon die überwiegende Mehrheit physisch geeignet war, die sehr schwere Arbeit zu leisten, die mit «lern Aufbau eines vernachlässigten Landes verbunden ist. Nach britischen Statistiken gehören etwa 85 ״,o der Ankommenden Einwanderer zur Klasse A, das heißt, sic sind physisch vollkommen goeignet für die schwere Arbeit des Aufbau*. 0;״ brauchen, im allgemeinen eine Erholung von drei Monaten, bevor sic sieh der Tätigkeit widmen können, die auf sie wartet. Nur 3 ס/יי sind ungeeignet oder nicht völlig geeignet. Ich werde mich, obgleich dies für meinen Zweck recht vorteilhaft wäre, nicht darüber verbreiten, durch welche Mittel tmd Wege schon diese Menschen getrachtet haben, nach Palästina zu kommen. Ich glaube, ich darf sagen, ,daß, wenn heute auf den Straßen Europas Bewegungsfreiheit bcstünde und wenn diese Straßen nicht von Gewehren, Pässen, Visen, Polizei und kämpfenden Armeen verbarrikadiert wären, ein Strom solcher Menschen vorhanden wäre, der den Weg zum nächsten Hafen sucht, wo er ein Schiff finden kann, das ihn nach Palästina bringt. Ich bin nicht für Ucbcrtrclbungcn, aber aus Kenntnis und Erfahrung sage ich, daß es heute, während wir hier in aller Ruhe unter dem Schutz und Schirm einer großen Republik versammelt sind, Millionen gibt, die ein Plätzchen suchen, wohin sie gehen können, und die nur zurückgchaltcn werden, weil die Straßen gesperrt und die Tore jener Länder, die Einwanderer autnehmen könnten, geschlossen sind. Von den Menschen, die nach Palästina kommen, gehen etwa 25 bis 30 9/״ in die Landwirtschaff, etwa 50 <70 werden von vorübergehenden Beschäftigungen, Hä 11s erb au, Austrocknung von Sümpfen, Aufforstungsarbeiten u$w. aufgenommen. Der Rest geht zum Handel, Verkehr und freien Berufen, Kein unvoreingenommener Beobachter, ob Jude oder Nicht- Jude, ob Zionist oder Nichtzionist, zweifelt daran, daß in Palästina Raum für — ,ich versuche ihn zu unterschätzen —• wenigslens niieinlialb Millionen Menschen über die heule im Lande lebende Bevölkerung hinaus ist. Das alte Pa- I äst Ina hatte innerhalb der Grenzen des heutigen Mandatsgehietes eine Bevölkerung von zwei Millionen, Es ist klar, daß mit modernen Methoden eine weit größere Zahl dort angcsicdcU werden könnte, ohne auch nur im mindesten die berechtigten Interessen der heute in Palästina lebenden Bevölkerung zu beeinträchtigen. Wenn Sie sich die Mühe nehmen wollen, da« von Seiner britischen Majestät Regierung herausgegebene offizielle Dokument genau zu lesen, werden Sie in dem zweiten vom Herzog von Dcvonsliirc namens des Kolonialamlcs von Großbritannien Unterzeichneten Weißbuch eine Erklärung finden, die besagt, daß wir, die Jewish Agency oder dio Zionistische Organisation, loyal und pünktlich die Verpflichtungen clngehaltcn haben, die uns durch die Mandatarnt.־teilt aufcrlegt wurden. In dreieinhalb sehw'rrigcn Jahren der Arbeit in Palästina haben wir dach Ansicht von Seiner britischen Majestät Regiernng nicht den geringsten Anlaß zur Klage für irgendeine der heute in Palästina geltenden Interessen gegeben. Und ich hoffe aufrichtig und hm überzeugt, daß cs uns, uns allen, bcschicdcn sein wird, die Arbeit im seihen Geist fortzusetzen Diese 35000 in der erwähnten Weise untcrgebrachtcn Ein Wanderer haben den Kern unserer Arbeit gebildet und wir haben, indem wir sic miterbrachten, schrittweise den Anfang einer Gemeinschaft und eines Lebens in Palästina aufgebaut, der, das darf ich ruhig sagen, als eine schätzbare Leistung angesehen werden kann. Wir haben Straßen gebaut, wir haiien Sümpfe nusgclrocknct, wir haben insbesondere mit der Hilfe amerikanisch-jüdischer Frauen den Gcsiiiidlicitsziistaml des Landes beträchtlich gehoben und viele Orte, die vor fünf oder sechs Jahren als Wüste oder als Vorwurf für das Land angesehen wurden, sind heute von kleinen, aber freundlichen Dörfern bedeckt. Wir haben ein Erziclumgssystem errichtet und erhalten cs, das meiner Meimlng nach ohne weiteres mit jedem europäischen oder nmerikamsehen Erzicliungssystcm verglichen werden kann und gut abschncidcn würde. Wir haben eine Anzahl von Häusern, ich schätze etwa zweitausend, gebaut oder ihren Bau veranlaßt oder unterstützt. Wir haben Straßen gebaut, wir lialicn Sümpfe ausgetrocknet, wir haben Bäume gepflanzt und wir haben Palästina, wie Ich glaube, instaiKlgcsctzt, sich rasch von den Folgen des Krieges zu erholen; wir, können dio Fundamente des nationalen Helmes allmühlich aus dem Chaos erstehen sehen und der von dem türkischen Regime verbreitete Gifthauch verschwindet allmählich dank der jüdischen Arbeit. Und, meine Damen und Herren, auf Grund dieser paar trockenen Ziffern und Tatsachen ist es Ihnen wohl klar, daß diese Arbeit verdoppelt und verdreifacht werden könnte, wenn weitere Vlilfe und weitere Mittel zur Verfügung stehen. Wenn Sie mir nun gestatten wollen, Herr Präsident, will ich, wenn auch nur einen Augenblick, bei einem Gegen stand verweilen, der vielleicht die Grundlage der Debatte in dieser Konferenz bilden wird. Ich werde mich nicht auf die fast ein Alenschcnalfer währende Kontroverse überdie Jude 11 frage cinlasscn. Ich glaube, daß weder diese Konferesvz noch irgendeine andere und, sei sic noch s-< י r Vutimps• voll, weder fähig noch berechtigt ist, über diese Fragen ein endgültiges Urteil zu fällen. Wie mir ein ausgezeichnetes Mitglied dieser Konferenz sagte, bevor wir diesen Saal betraten, indem er einen Ihrer vorzüglichsten Mitbürger und Glaubensgenossen, den verstorbenen Richter Sulzbcrger, zitierte: ״Es ist manchmal gut, das Rechte selbst aus u 11 ric 111 i gc 11 G ründc 11 zu tuu“. Ich werde keine Analyse von Recht und Unrecht in den Beweggründen ver• suchen, aber eines muß Ich in aller Offenheit und Ehr- ' lieh k eit vor dieser Konferenz betonen — und, meine Damen und Herren, ich sage cs ohne jede Ueber- 11 e b u n g oder unangebrachten Stolz — Ich vertrete Massen von Juden, die über die ganze Welt zerstreut sind, nufer jeden lClima, in jeder Lebenslage, von Einstein, M 0 11 «I und James Rothschild an, der Sic heute begrüßt hat, bis zu den Tausenden und 1 lundcrtt.uisendcn von Namenlosen und Unbekannten, die von eine 111 heiligen Gefühl iiul einer großen Sehnsucht getrieben sind: Palästina (mit dieser,oder jener Begründung) aufziibauen, eine schöne Gemeinsebaft und ein Land, wo der Jude und die jüdische Seele ihren eigenon Ausdruck finden kann, ungehindert, ungeteilt,!!»gefesselt, in einer Umgebung, die durch die Empfimliingen von Jahrhunderten geheiligt ist, wo der Jude und die jüdische Seele ilirem Sinn für Religion, Literatur, Kultur Ausdruck* geben und «liest• Kultur aufbaue;! k.111'1, nicht auf dem Rücken von jemand anderem, sondern einfach als ein Ausdruck dessen, was in uns gelebt hat und uns dazu gemacht hat, was wir sind — ein unzerstörbares Volk. feil habe «las, was ich zu sagen hatte, losgelöst oder versucht losziilöscn von all den Scliiboleths, vor! aller politischen Terminologie, aber ich habe versucht, die Grundtriclic festzulegcn, die uns nach Palästina ziehen, und cs ist für mich nicht notwendig, noch einmal bei den Gründen zu verweilen, die von dem Vorsitzenden dieser Versammlung so beredt und so stark entwickelt worden sind. Ich glaube tatsächlich, meine Damen und Herren, daß kein Jude, wie immer seine Anschauung sein mag, heute das Recht hat, abseits zu stehen. Hier geht eine große Arbeit vor sich. Sie wird weitergehen, ob diese Konferenz es wii nsc 111 odcr nicht. Sic könnten ebensogut versuchcri, den Lauf eines Stromes aufzu» haltcji. Diese Gefühle, «lenen icii Ausdruck gegeben habe, leben in* den Massen des Judentums und treiben sie zu größeren und größeren Opfern. Ihre Sache ist es, es leichter zu machen. Aber ich weiß, und ich glaube, «laß ׳,er Geist, der diese Konferenz beseelt, der diese Männer und Frauen in diese Mauern gebracht hat, wcitcrlcbcn und uns bei der Vollendung unserer großen Aufgabe helfen wird. Es gibt noch etwas, was ich verpflichtet bin zu sagen. Bel vielen von Ihnen besteht ein Mißverständnis, als ob sie zu etwas verlockt würden, dem Sie nicht mit vollem Bewußtsein ziislinunen können, «las vielleicht Im Widerspruch mit Ihrer Anhänglichkeit an die Länder steht, in denen Sic leben. Meine Damen und Herren, ich bin ein Bürger eines großen Landes, das große Uebtrliefcrungcn der Freiheit und ein gerechtes Verhältnis zu den Juden hat, und ich glaube nicht, daß irgendein Widerspruch zwischen dem Wunsche besteht, ohne Schädigung für irgend jemanden ein Heim für die Juden und für das jüdische Leben und fiir die ■jüdische Wissenschaft und für die jüdische Kultur zu schaffen, und der Bürgerschaft derLänder, denen wir angeboren. Ich glaube im Gegenteil, daß Treue gegenüber der jüdischen Ucberlieferung• gleichzeitig eine Gewähr für Treue gegen* über den Traditionen der Länder bedeutet, wo unser Leben gestaltet wird, und ich glaube, daß die künst- Hellen Widersnrücß i.׳ geschaffen werden, aus dem Denken entfernt werden sollten. ln diesem Sinne gehen wir an die wichtige Frage der Sc ha ffung einer Jewish Agency im Einklang mit § 4 des Mandates, einer Jewish Agency, die alle Juden vereinigen soll, die am Aufbau Palästinas nijtarbcifrn wollen. Bisher lag die JewMi Agency in den I l.iiitten der Zionist!» sehen Organisation, aber wir, die Vertreter der Zionistischem Organisation, halten sic nicht für unser Monopol und wollen sie nicht fiir tmsc.׳ \\ imv- >1 hatten. Wir <׳! utheii, daß die fcwisli Agency erst dann verwirklicht Ist, wenn alle jüdischen Elemente daran teihicluncn und als gleiche unter gleichen über tiie verschiedenen Fragen verhandeln, beraten und bei Ihrer Lösung Hand anlcgen. Wir glauben,' daß cs unser Recht ist, die 111 e Ins an den derzeitigen Funkt zu bringen, von heute an aber muß cs für das gemeinsame Wold und gemeinsame Interesse aller Juden geschehen. Und in diesem Sinne sind wir von der Mandatsmacht beauftragt, uns an die jüdischen Gemeinschaften der Welt zu wenden und sie cin/tiladcn, an der Jewish Agency unter Bedingungen tcilziinchmcii, «lic wir für die gemeinsamen Interessen und das gemeinsame Wohl ausarbeiten wollen, kl! glaube, daß Ich liier die Tatsache erwähnen soll, daß die Juuenheit von England und die von Italien, zum Teil auch diejenige von Frankreich, ihre Bereitwilligkeit gezeigt haben, an der Jewish Agency teilzunchmcn. Ich spreche, vom nichtzionistischen Element. Die Aufgabe der heutigen Konferenz ist cs, die nötiec'1 B'dingiingcn zu schaffen, unter denen auch die große Gemeinschaft des amerikanischen Judentums an dieser Agency tcilnchmcn wird, ich folge wieder «lein Beispiel unseres airmczcichnctcn Präsidenten und gehe nicht weiter in die Details ein. ich glaube, wir könnten mehr oder weniger die FJnzclhcitcn einer solchen Organisation skizzieren, aber nachdem wir uns im Prinzip entschieden haben, daß wir an der Agency tcilnchmcn wollen, wird es die Aufgabe eines Ko in Hees, das Sic wahrscheinlich als bevollmächtigte Vertretung dieser K011fereiu wählen werden, sein, die Frage zu erörtern. Heute wäre es meiner Meinung nach die Hauptaufgabe, nach ausführlichcr Erörterung diesen Vorschlag im Grundsatz an zu* nehmen oder a b z u 1 c I! n c 11, und ich hoffe, daß dieser Vorschlag, eine Agency gemeinsam mit jenen Menschen, die bisher die schwere Last des Palästinaaufbaus getragen haben, zu bilden, Ihre volle mul bereitwillige Zustimmung finden wird. Damit werden Sic, so glaube ich, eine neue Acra cinieitcn, vielleicht nicht nur in den Palästina-׳־ fragen, sondern im J11 <1 e tt tum im ganzen, und wieder einmal werden sich alle Elemente im Judentum auf einer Plattform vereinigen, auf der Plattform der gewaltigen Aufgabe, ein Land nuf/tibaucn und tausenden eine Möglichkeit zu geben, die hingehen und ihr Heim dort errichten wollen, dieses Heim zu errichten und ein jüdisches Leben, ein freies und unabhängiges Leben auf zu bauen. Das ist die Aufgabe, die einer großen Gemcinsclinft wie der Ihrigen wert ist, die immer bei der Lösung der großen Aufgaben und Bestrebungen des Juden• tiims in der ersten Reihe gestanden hat. Ich spreche jetzt als einer, der brr e ׳ Außenstehender, ein (last ist. Aber wir haben die Tätigkeit des amerikanischen Judentums während der Zeit nach dem Kriege beobachtet und wir haben die gewaltige, fast beispiellose Leistung gesehen, die «las amerikanische Judentum vollbracht hat, um den Juden Europas zu Hilfe 711 kommen. Sic haben gezeigt, was Sie tun können,'und ich bin sicher, wenn derselbe Geist Sie bei der Beratung der Fragen beseelen wird, die Ihnen heute unterbreitet werden, wird Palästina aufgebaut werden und ela wiederauf gebautes Palästina wird einen Wert für die Juden der ganzen Welt bedeuten. Fs wird, glaube ich, allen Juden, wo immer sie sein mögen, Ehre bringen, es wird einen Mittelpunkt jüdischer Gelehrsamkeit und jüdischer Kultur in einem Land schaffen, wo unsere geheiligten Traditionen noch bestehen und noch weiter bestehen werden.