Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 30-31 (18.4.1924)
- Date
- 1924-04-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 222 ' Nr. 30/31 weg־; deduziert werden. Bedenklicher scheint unter diesem Gesichtspunkt der Kolilcnmangd nt sein. Hier kommt aber in |־r,״1־e daß die Aufforstung ausgedehnterer Gebiete palü- (ttineiiMM-ltcii I.ntides die Mö/Giclikcit zur 1lolrkohlcgcwinming vrsciilicllou wird, uikI daß trotz, des hchtciis von Kohle die Eiicrgicvcrenrgmi״ Palästinas als keineswegs ungünstig er- *cheint. Der ’größte Tri! der Kohle killt sieh in 1 lochölen bekanntlich durch elektrischen Strom ersetzen. Eine Rcilm von Strömen, die ansehnliche Wasserführung mit erheblichem Gefalle vereinigen, bietet die Möglichkeit, Wasserkraft 7ur Erzeugung clcklrischen Stromes zu benutzen. Die mit Nutzen verwertbaren Wasserkräfte I1ep.cn relativ stark Über das!.and verteilt. Atif'.crdem ist das Land, was man in Europa immer wieder vergißt, klein. An keiner Siehe ist cs breiter als 80 km in westöstlicher Richtung. Infolgedessen ist die Verleiht״״ des elektrischen Stromes durch Hochspannuimslcitimreii in Anlage um» Betrieb relativ billig. Dasselbe’ gilt mit Bezug auf die wichtigste Wasserkraft,^ den!Jordan, auch hinsichtlich der Anlagckosfcn für das (!roll- Kraftwerk seihst: das (bereits in Ausführung befindliche) Rutenborg-Projekt besitzt im GaliläiscUeit Meer ein natürliches Staubecken, das mit sehr geringem Aufwand ansgebaut werden kann. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang weiter, daß das Vorkommen erheblicher PctroleumiiKngcn mit Sicherheit festgestellt ist. Außerdem gewinnt für alle Lander mit intensiver Sonnenbestrahlung das Encrgicproblcm in den nächsten 2—3 Jahrzehnten ein viel günstigeres Gesicht. An sich ist f cch!lisch die Umwandlung von Sonnenstrahlung in elektrischen Strom ein langst gelöstes Problem, dessen Realisierung allerdings innerhalb eines kapitalistischen Wirt- *chaftssyatems vorläufig noch auf Schwierigkeiten im Kostc npunkt stößt. Von den beiden Hauptproblemen scheint das «ine, nämlich das der Schaffung einer billigen Anlage zur Umwandlung von Sonnenlicht in Dampfdruck, _ dmch die Arbeiten von Marcusc und Wolk nunmehr im wcsetitliehen gelöst. Schwieriger ist das zweite Teilproblein zu lösen: nämlich das für Anlagen mit intermittierender Kraftquelle ausschlaggebende Problem wirtschaftlicher Sjx'iclicruiig des gewonnenen Stroms für die Zeiten, in denen die Kraftquelle nicht arbeitet. Eine geeignete Kombination zwischen ,Wasserkraftwerken, Sonnenkraftwerken und Pctrolcumniotorcn wird das Problem aber wahrscheinlich bald lösbar machen. Daneben sind einige Bodenschätze vorhanden, deren Vorkommen wirtschaftlich besonders bemerkenswert ist: die Asphaltlager und der Gehalt des Toten Meeres an Kalisalzen, Bromiden’und Jodiden. Das Vorkommen von Kali läßt auch die Düiigerbesehnffuiig als gesichert erscheinen, die Be* Schaffung von Stickstoffdünger ist heutzutage im wesentlichen nur eine’ Funktion der Energieversorgung, Pliospliordiiimung kann, wie die moderne Agrikultur lehrt, durch reichlichere Stickstoff- und Kalidüngung in weitem Umfang ersetzt werden, ,Kalk gibt cs in Palästina mehr als gern!». Nach dieser Seite also sind alle Argumente gegen die Kofonisierbarke.it des Landes nur Scheinargumente. Allerdings wäre auch hier ein planmäßiges Erschließen der .Schätze 'des Lander, r.rlir erwünscht; bisher ist davon noch nicht viel zu merken. 4. Das H a n p t a r g vi m f n t aber entnehmen die Gegner der Kolonisierung Pali •tinas durch die Juden den politischsozialen Verhältnissen des Landes. Hier ist es eine falsche Politik, vor den Tatsachen die Augen zu schließen. Palästina hat eine Bevölkerung, die in ganz überwiegender Mehrheit der arabischen Nation atigeliört. Es ist ein Teil des britischen iWdtrcichs, Das britische Weltreich ist für seinen Bestand auf gute Beziehungen zur arabischen Nation und zum Islam angewiesen. Es wird vermuüicli die Lösung dieser Schwielig* kcit auf die Dauer in der Gewährung weitgehender nationaler Autonomie an die arabische Be- Völkerung der verschiedenen in Betracht kommenden Reichsteile suchen und finden. Infolgedessen ist mit Sicherheit darauf zu rechnen, daß die englischen Bclierrsclier Palästinas im Großen auf die Dauer nichts ״egen die Interessen der arabischen Bevölkerung tun, am allerwenigsten zu Gunsten der Juden, die für Palästina vorläufig noch einen Wechsel von unbekanntem taoliSL-cheii Wert auf die Zukunft bedeuten und im übrigen in keinem großen Reiche der Welt verhältnismiißig so wenig zahlreich sind wie gerade im britischen Reich, wenn man von Ostasien ahr.ieht. Sic können machtpolitisch den ■Engländern nichts bieten. Die Araberautonomie Wird den Engländern auch die Möglichkeit zum Eingreifen Sn palästinensische Verhältnisse zu Gunsten der Juden bald erheblich beschneiden. Von den bloßen humanitären Lrwä- Rungen der Engländer ist wenig zu erwarten, ihr Interesse geht aber mit 'dem der jüdischen Kolonisation in folgenden Punkten konform; 1. Ein allgemeiner WirtscluifUaufschwmig Palästinas liegt natürlich auch’ im englischen Interesse. Führen die Juden ihn durch ihre Kolonisatioiisarhcit herbei, so ist das den Engländern sicherlich nur angenehm. 2. Die Engländer haben ein Interesse daran, den arabischen Nationalismus an Zusammenschluß der verschiedenen Linder mit arabischer Bevölkern!!״ zu hindern. Infolgedessen werden we die staailiche Selbständigkeit Palästinas so weitgehend wte mögiicli aufrecht zu erholten suchen. Damit ist eine politische Vorbedingung für das Gedeihen der Kolonisationsarbcit erfüllt, die als unentbehrlich bezeichnet werden muß. 3. Zur Stützung ihrer eigenen Machtpositionen im Lande kann es den Engländern nur recht sein, wenn die jüdische Minorität erheblich wächst oder gar eine Majorität wird, vorausgesetzt, daß *ich dadurch nicht Im Uebergangsstadium wesentliche politische Störunge« ergeben, . Diese Aktivposten der jzolitischen Stellung der Juden in Palästina werden von den Gegnern des Kokmisations* .werk* gewöhnlich vergessen; sehr zu unrecht; aber sie dürfen natürlich auch nicht überschätzt werden. Die Haupt* Schwierigkeit bleibt trotz ihrer im wesentlichen bestehen. Gegenwärtig haben unter der arabischen Bevölkerung neben *dar OcisdUchkeit des Islam die Großgrundbesitzer die Macht fei der Hand. Großgrundbesitzer ist die islamische Kultus״ gemeinsebnft durch die frommerT Stiftungen; die sogenannten rwakufs, Großgrumllxreitzer ist der Staat, Großgrundbesitzer sind unter den Privatpersonen die Eifendis, die zum Teil wicht arabischer, sondern türkischer oder Icvantinischer Nationalität sind; In ihrer Mehrheit sind sie jedoch Araber. Wie weit künftig die Mar.se des arabischen Volkes stärkeres, politisches Gewicht gewinnt, stellt dahin; die Ereignisse in der Türkei regen da zu allerhand Vermutungen an. Wie dem aber auch sein mag, Geistlichkeit und Effemiis und autonome liationnlstaailiche Verwaltung werden bestimmt nichts tun, was das arabische Landvolk, die Fellachen, zu Gunsten .der Juden benachteiligt. Nun ist es natürlich richtig, daß die Volksmawen und die Großgrundbesitzer bei einem allgemeinen iWirtschaftsaufsehwung Palästinas, der durch die jüdische Kolonisation herbeigeführt wird, objektiv nicht schlecht fahren werden. Wlo es damit subjektiv ausdeht, steht *her' auf einem andern Watt. Außerdem gilt da» natürlich mir unter der Voraussetzung, daß man den Großgrundbesitzern den Gewinn am Wertzuwachs des Bodens nicht nimmt und daß man den Volkaltassen den Boden, den sie bewirtschaften und künftig natürlich erst recht brauchen, nicht fortnimmt. Infolgedessen konzentriert sich praktisch die politische und soziale Seite der jüdischen Kolonisation Palästinas auf die Erledigung der Boden frage. Daß in dieser Beziehung Außer einer, wie ich gern zugebe, im allgemeinen weitblickenden, großzügigen und geschickten Ausnutzung von Gelegenheiten ■zum Luklkaut von jüdischer Seite fast nie 11t6 geschehen 'JUEDISCnII RUNDS׳CHA0 Dauer wird bei ״kcit verursachten (״!!reu ’das Schicksal da gan/in Unternehmens ■ csclzi, die bestimmt im entscheidenden seiet! darüber einige ist, ist für die argumentative Verteidigung des Kolonisntionswerks, aber auch für sein praktische» Gelingen als die ernsteste Sorge zu. bezeichnen. Auf die dem wohl in der I faitplsnche durch Millcllor. bisheili’.en VeT auf eine Kart■״ , ... , Augenblick 11 i eilt dicht. Deshalb weitere Ansfiihnmgeii gemacht. Die Böden Palästinas, soweit sie für Bepflanzung ln Frage kommen, zerfallen in vier Gruppen: 1. Als gute Böden will ich alle diejenigen bezeichnen, die heute ohne weiteres kultu rfiihtg sind. Ein kleiner Teil von ihnen ist Eigentum von jüdischen Privatleuten oder jüdischen Kolonlsatioinimleriiehimiiigen. Sfaatslnnd ist fast nichts davon. Der weitaus größte Teil gehört entweder den Wnkufs oder den Effendts. In beiden Fällen ist er (von geringfügigen Ausnahmen abgesehen) mit fcllachisdten Pächtern besiedelt; gelegentlich kommt auch Elgcnhcwjrtsdiaftun״ durch den Oroßgrimdeigcntümcr mit Hilfe idlachisdter Lohnarbeiter vor. Von diesen Böden kann auf die Dauer die jüdische Kolonf'alion einen nennenswerten Zuwachs ihres Badens nicht erwarten,?11; ,;׳.׳ sie die Fellachen nicht vertreiben oder als Pächter bzw. Landarbeiter beschäftigen will, Beides erscheint für die jüdische Kolonisation gleich unann e 11 m b a r. 2. Als nächste Gruppe führe Ich' dfe versumpften Böden an. Sic sind niefit ohne weiteres kithurfnhig, weil vcrfichort und vielfach versauert, können aber durch eine geeignete Mischung von Aufforstung und Drainage kulturfähig gemacht werden. Dazu sind ziemlich umfangrcidi-c Kapitalsiiivcstitioncii erforderlich, die sich nur verzinsen können, wenn intensive, hohen Gewinn bringende Kulturen mit großer Ertrags׳,ieherheit auf ihnen angelegt werden können. Außer Südfrüchten und Gemüsen kommen als Kulturpflanzen für sie haupbächlidi Zuckerrohr und Baumwolle ln Frage, Für Südfrüchte und Gemüse ist der Absatz im Ausland und Inland sicherlich noch einer gewissen Ausdehnung fällig, doch dürften die Grenzen ans einem (bei der nächsten Bodensorte zu erwähnenden) Gründe sieh als ziemlich eng erweisen. Ucbrigciis ist das für landwirtschaftliche Produktion gewinnbare Sumpfland der Menge nach begrenzt, tun so mehr, als die Aufforstung, die schon um der Holz Versorgung willen erforderlieh ist, allerlei davon wegnehmen wird. Zimt großen Teil Ist der Sumpfboden liir den Erwerb durch die jüdische Kolonisalinn zugänglich; sein Einbeziehen in das Werk ist tu Oali!;i,1 schon erheblich fortgeschritten. 3. Als nächste Gruppe sind die Hänge der Oebfrge nt erwähnen. Sie sind ursprünglich (wie auch anderswo In der Welt) nut Hilfe von Terrassenbauten intensiv landwirtsch.iftlid! ausgemtfzt worden, die Terrassenbauten sind aber meist verfallen, der Erdkrumc beraubt und verkarstet. Die kolonisatorische Erfahrung anderer Länder!ehrt uns, daß Vrrf.ittejrrozeff rückgängig gemacht «׳erden kann. Ihe Terras׳-en,'.autrn können wieder hrrgrstrllt, Humus kann wieder anfgoschiiftet, durch Bepflanzung fcstgelegt und durch Aufforstung der Berggipfel vor Wcgselnvcnintung geschützt werden. Diese Kultur erfordert wohl von allen in Frage kommenden KuKtirortc.u den größten Aufwand an Kapital und Arbeit. Infolgedessen sind auch hier nur Intensive I/odcnkulturen wirtschaftlich möglich, Baumwolle und Zuckerrohr scheiden Hier aus klimatischen Gründen aus, so daß m wesentlichen mir Wein, Südfrüchte und Gemüse In Präge kommen, In dieser Konkurrenz der Berghiinge mit dem Sumpfhind liegt der Grund dafür, daß es auf die Datier schwierig sem wird, Palästinas '•Produktion an Südfrüchten und Gemüsen uiifemtbringen.. Der Baden Ist im allgemeinen für den Erwerb durch Jude״ zugänglich. Die In Frage kommern en hLiehen sind aber nicht übermäßig groß, eofern man meid sehr ungünstig gelegene Stücke, die besondere noht KnnUaiinvrMitionrn erfordern, «iiibeirichcn will. . ־*• , Alle 1'זי"1״ besprochenen Bodenarten sind geeignet eine Ivernlrtipne landwlriscliaftendcr Juden In Palästina hernnznztche״, für eine jüdische Besiedlung Palästinas in größerem Umfange sind sie auf die Dauer In zu kleinem• Ausmaß verfügbar. Auch sind sie unter dem Gesichtspunkt einer Sanierung der palästinensischen Volkswirtschaft im ganzen mcht zureichend, weil das wichtigste Problem fandwirtschaftlicher Produktion, der Getreidebau, auf ihnen nicht gelost werden kann; ebenso eignen sie sich nicht zur r utterproduktion. Für beides muß man mit die ictzte zu besprechende weitaus größte Grnpne von Böden z11nuh״n itcii, .״!׳f die S t e ח p c n b ö d r n. Sie sind herreunr%, "i־;s'°, Ri"d ,*'״ Erwerb billig, sie sind also der 11 Mischen Kolonisation besonders leicht zugänglich, lud es ist nicht richtig, wen 11 man sie als ungeeignet •zu ausgiebiger^ landwirtschaftlicher Produktion bezeichnet. Die Lifalmmg in anderen Weltteilen lehrt eindringlich das Gegen (eil. Die Großvichwlrlschaft de* 1!5rdliehen Argentinien die OcfrcIdckiiKur des Mittleren kV e s t fn d c r V c reinigten Staaten, die GartenlciiHiir AI criens und Tunesien» sind auf ganz ähnlichem VhiC(n '•"0'י• Wf״c« der iiolicn Anlagckosfcn und der Absatzschwierigkeiten wird die Anlage artesischer Brunnen mit Schaffung von.Inseln intensiver Gartcnkultur r‘rY;l(1f ״n 1 c rKeTj,r(I יי cte Rolle spielen. Im übrigen sind c re '"1™i1 '״י AVnwcr und Humus In den oberflächlichen Seluchten, und tiefes Ptiiigcii verbietet sieh, weil sonst die \«1!wt11!);׳׳!11״rtle z« stark hcrnnfgcsvlzt wird, solange die Of.crf adic nicht eine helräehtliehc Änreirhrrmig an httmösen 1;-■;iandie. en crfaliren hat. Man mul) also Pflanzen hauen, die 1‘u"!<;״0,;י oh״c E'.E'» Pflügen halten können und luiimi(, bi.den. im wesentlichen kommen dafür Pflanzen in brage, d,e uns arnle sind, ihre Wurzeln tief In den Baden zu treiben, und weh dadurch das Ortunhvasscr zu erschließen, Das w!rd in erster Linie durch gewisse Luzerne arten geieistet Die A faifa, die in Argentinien auf ganz ähnlichen B’kleii m gioßem. Maßstal) nngohnut wird, gehört zu den Humushiklucr״; sie treibt ihre Wurzeln mehrere Meter tief in den bcHien und hört das Wasser derartig ausgiebig hera119 daß sie cs ,,.־uisirinkt“ d. 11. den Grumlwassorstand senkt, 'wenn nicht neues Gnmehvasser uaehströmt. Infolgedessen tritt in Argentinien nach einiger Zeit der Zustand ein, daß Luzerne nicht mehr angcliaut werden kann, weil das erreichbare Grundwasscr ״misgcirunkcn“ ist. Die argentinischen Steppen sind im Gegensatz, zu Siidpaliisfina au sich re gen arm, so daß die Grnmlwnsserblkliing dort schwach ist. In Palästina liegen die Dinge in dieser Beziehung anders. Der Regen ist auch in der Steppe garnicht so knapp, er ist nur auf einen Teil des Jahres ziisaminengedrängt und versinkt, im sandigen Boden schnell in der׳ Tiefe. Infolgedessen ist mit dem ״Austrinken" de» OruiidwassefR weniger zu rechnen, als in Argentinien. Alfalfa Ist Viehweide und liefert Viel: f 1111er, da» geselinilieii und als Heu oder rmge-iiiiert zur StalHillivnmg verwertet werden kann. Au sich überdauert־die Pflanze den Winter, sic kann aber untergepflügt mul der Bestand in Abständen von einigen Jahren erneuert werden. Die verrottende Piiauzenmasse liefert eine ifumusanrcieherting. Nach einiger Zeit wird der Boden ״alfaifamiidc" so daß mit der Kultur gewechselt werden muß. In Argentinien tritt das nach einer KtiHurdauer von sechs bis acht Jahren ein, dann ober ist der Humtisgchalt und damit die Bindekraft des Bodens für Wasser im allgemeinen so gestiegen, daß unter den besonderen Bedingungen de! sogenannten Dry Farming zum Anbau von Mais und Weizen übergegangen werden kann. Wahre,eheinlid» kann in Palästina die nordamertkanisclic Technik des Dry Farm i 11 g mit einer wichtigen Armierung angmvcmlct worden,’ Im mittleren Westen Nordamerikas wird die kräftige Wui/d, bildimg des Maises, der dort in der Kultur dem Weizen vorangcht, dadurch erzielt, daß man im Frühjahr den auf. gelaufenen Mais ein oder zweimal von Schweinen abweiden killt. Das wird in Palär.lina Wegfällen; alnveideti durch anderes Vieh kommt (aus lüer nicht näher zu erörternde« Gründen) kaum ln Frage. Infolgedessen werden Maissortcu gezüchtet werden müssen, die auch ohne diesen Kunstgriff die erforderliche tiefgreifende Wurzclbildnng leisten. Wird am Ende des Jahres die Maisstoppel unfergepflügt, so erfolgt dadurch eine weitere Erhöhung des Humusgehahs und der Bindefäliigkcit für Wasser im Boden, so daß nach ein bis drei Maisjahren zum Weizen bau fibcrgcganffcii werden kann. Damit ist der wichtigste Punkt erledigt: Es ist nachgewiesen, daß der S te ppc 11 bodc n k u11ur f ä h ig ist Damit gewinnt In jedem Bclracht die Boden frage und damit die Durchführbarkeit der jüdischen Kolonisation Palästina« ein anderes Gesicht. Und zwar, wie nun nicht mehr näher angeführt zu werden braucht, nicht nur wirt- *chaftlich, Stendern auch politisch. Freilich ist dazu voran;gesetzt, daß all diese Fragen planmäßig bearbeitet werden. Aller wenn cs auch daran und an einzelnen prak. tischen Versuchen noch fehlt, so stützt sich das liier skizzierte Vorgehen doch auf eine breite kolon isatorlscho Erfahrung der Menschheit in den verseil irdensten Kolonlalländcm. Einen Zionismus, der hierauf sich stützt, phantastisch nennen, heifit nur sich selbst seine Ignoranz in der Geschichte der kolonialen Leistungen der Menschheit bescheinigen. Voraussetzung ist allerdings, daß das jüdische Volk im Galutli große Opfer an Geld bringt, daß nicht nur ein paar Handvoll idealislisclier Junger Juden für die Sache, die ihnen am 11 erzen liegt, sich zu Tode arbeiten. Für eine mit großen Mitteln arbeitende KolonlsaUo'isbcwegung, die die anderswo gemachten Erfahrungen ausnutzt, Ist aber ganz gewiß kein Ö rund zu in Verzweifeln gegeben. Was bleibt also von der Behauptung der wirtschaftlichen und politischen Unmöglichkeit der jüdischen Kolonisierung Palästinas übrig? Auch der ärgste Skeptiker wird nicht bchauplen können, daß die hier entwickelten GedankengSngo der Ausdruck eines blind wütenden Optimismus wären. Er wird gestehen müssen, daß die Argumente, die gegen das Werk sprechen, gründlich vorgetragen und ernsthaft und logisch untersucht wurden. Bei alledem aber bleibt nur eins übrig: daß nämlich, wie auch anderwärts kolonisieren eine mühevolle, an Opfern und Ent* tfiuschungcn reiche Arbeit ist. so auch die Kolonisation Palä* *tinas weder ein Sport für abenteuerlustige Jugend, noch ein Amüsement für Filmhcschaucr, noch ein beliagiiehcr Lebens• abend für behäbig gewordene OescId.Ldculc ist. Mühevoll, opferreich und schwierig ist das Werk: Wenn aber irgend etwas ln der Welt einen Ocwiun verspricht, der höher ist als gute Ocschättc, 80 13t cs der Versuch, durch Zusammenwirken des jüdischen Volkes, Palästina wieder zu einem Land der Verheißung zu machen — nicht nur für die Juden, sondern für allt, denen das Schöpferische im Menschen, das besonnen, aber entschlossen Schöpferische als das wahrhaft Menschliche erscheint. '* \ Nachbemerkung der Redaktion Es ist außerordentlich wertvoll, die Ansicht des geschätzten deutschen Kolonialfachniannes zu vernehmen, da er die einsehlägigen Fragen von einem unabhängigen und teilweise auch neuen Standpunkt ansieht. Wir mürlitcn nur ciniga Kleinigkeiten berichtigen, da der geschätzte Verfasser bei Abfassung seines Artikels nicht über alles Material verfügen konnte. Bei Betrachtung der Handelsbilanz unterschätzt der Verfasser die Summen, die von jüdischer Seite ins Land gebracht wurden, und die schon vor einem Jahr auf 5 Milk Pfd, geschätzt wurden. Er übersieht ferner, daß das Handelspnssivum auch durch die großen Beträge (viele Millionen Pfund), die für die Besatzung von England in den letzten Jahren hcrclngesirümt sind, zum Teil gedeckt wurde. Seine Annahme, daß das nicht jüdische Kapital in Pnl istina schneller wächst als das jüdische, läßt sich durch die HamteT-bil.inzziffern, die in dieser Beilage schon öfters näher analysiert wurden, absolut nicht erweisen. Bezüglich des Erwerbs der guten Böden Ist der Verfasser skeptisch, well diese in Pacht von Fellachen sind. Es kann aber einem so guten Kenner der Verhältnisse nicht unbekannt sein, daß diese Fellachen den Boden in primitiver und extensiver Welse nutzen. Der Bericht des offiziellen I nndwirtschnfts- Inspektors berechnet, daß im Durchschnitt für je 3 Hektar bearbeiteten Landes nur ein Erwachsener für die landwirtschriftliche Arbeit verfügbar ist. Bei Ermöglichung des Hebergangs zur Intcnslvität wäre noch genug guter Boden‘ für die Juden frei. Im übrigen gibt der offizielle Laiidwirtscbaftsbcricht an, daß 300000 ha Landes ln Palästina ״kultivierbar, aber nicht bebaut" sind. Addierst wertvoll äst der Hinweis des Verfassers auf die Ausnützungsfählgkcit der südpalüstincnstechcn Böden, die überdies noch tief im Preise stehen. Allerdings gibt es von solchen Böden noch wenig Angebot. Die H! ffming, die 19;'0 21 bei der damaligen Exekutive bestand, in Negeb eine größere Strecke billigen Bodens erwerben zu können, hat sich nicht erfüllt. Immerhin ist cs bemerkenswert, daß schon die damalige Leitung auf dieses Gebiet als Kolonisation*- Zentrum für die Juden hingewiesen hat. fn den Vorschlägen, die der Jahreskonferenz 1920 von Simon und Sonne unterbreitet worden waren, ist von einer konzentrierten Siedlung Im Negeb die Rede gewesen. Es besteht übrigens bei dem zionistischen Landwirtschaitsdepartenients in Jerusalem der Plan, zur Enzrobung des ״Dry Farming“-Systcms eine Versuchs- Station bei Askalon zu errichten. Leider fehlte bisher das Geld dazu. Die Eaugrnppen iu Palästina im Jahre 1923 Von Dr. Walter Preuß, Jerusalem. Im folgenden versuche ich, dem zionistischen Leserkreis in Kürze die Resultate einer größeren statistischen Arbeit rU vermitteln, die in dem anläßlich der von der ״Jüd. Arbeiterschaft Palästinas" iieugppründeten genossenschaftlichen Aktien gesell* jelmft ״Solelbonelt", der Nachfolgerin des ״Misrad l’Awodoth Zihuriotli", herausgegebenen S.unmelhurhe ״Solclböntli" (he* briiisch) abgfdruckt wurde, weil die Ergebnisse dieser Unter* suohmtgen mich für einen größeren Leserkreis wichtig sind. Die *tatistlfsche Aufnahme, die alle Fragen des gesellschaftlichen und ökonomischen Lebens der jüdischen ßjuarbclterschait Palästinas umfaßte, wurde bereits das zweite Mal unternommen (über die Ergebnisse der ersten Statistik siche in deutscher Sprache die ״Arbeit", Jalirg. t'123/24), und cs ergab sich daher die Aicigilchkclt, eine vergleichende eingehende Untersuchung der Entwicklung der Existenz dieser Arbeltergrtippen vorztitichmcu. Die Untersuchung: beschränkte sich auf die Gruppen und berücksichtigte nidit einzelne Arbeiter; ihr«