Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 30-31 (18.4.1924)
- Date
- 1924-04-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Kfunmicr 3 ffM r׳i *;i fi* ןיץ!»»״״־# ^ייייץ^ ן ■^"ץ^ t*y) 4/ 'vi3a^ ilsii»i1י« ^יייו^יי׳■* ך־׳״ו f*״r / 1| 1■w י •4a VI 11׳ CT 13:׳aaaK*£i!B■ -,: .sztzsxsrxxcxrrmxxarj. Erscheint In zwarijlloncr Folge wa.’r -» ־״: v יךמז2.־■ . rage■ ׳M.-MaasKssamaat | Berlin, iS. IV. 1924 ״ ־־מד־^דג• ד.מr״ mcBurBBBUs.rr.׳;x*?~~-w,t=;T;'.r=-.r5rir PaliisliiAcaslscIte löfllidikcllcn Von Hermann Kranold, Hannover. Wenn ich als Nicht Jude mich für die Probleme, mit denen der Zionismus 7,11 ringen hat, interessiere, so nicht deshalb, weil ich glaube, daß die Kolonisierung Palästinas für die deutsche Volkswirtschaft wesentliche Bedeutung hat. Weder als Absatznoch als Einkaulsgcbid kann ein Land mit dünner Bevölkerung, mit noch nicht ciiii’r Million meist recht primitiv lebender und spärlich produzierender Einwohner eine wesentliche Rolle spielen. Auch auf die ja noch immer nicht unkritische Lage der deutschen Valuta kann die Mithilfe jüdischen Kapitals am Palästina,lufb.iu keine wesentliche Wirkung haben, so wenig, wie die Besclmldipiiufien irgendeinen Sinn haben, die von Gegnern des Zionismus aus diesem Umstand gegen ihn gelcgentlieh abgeleitet weiden. Der Keren Kajemeth hat im 1. Vicrtcljchr 5684 aus Deutschland eine Einnahme von 159 ägyptischen Pfund, also reichlich 3000 Goldmark, gehabt; das sind keine Beträge, die für die deutsche Valuta irgendeine Rolle spielen. Auch die nationalen Fragen, die mit der Kolonisierung Palästinas Zusammenhängen, interessieren einen Deutschen erst in zweiter Linie, oder sollten cs doch. Denn das deutsche Volk hat mit seinen eigenen nationalen Fragen so viel zu tun, daß es gut daran tut, erst einmal im eigenen Haus Ordnung zu schaffen, ehe cs seine Nase in gleichartige Angelegenheiten anderer Nationen steckt. Wohl aber ist ein deutscher Sozialist menschlich .ווו dem Unternehme״ der Schaffung einer jüdischen Heimstatte in Palästina interessiert, denn es geht dort etwas vor sich, war, man ohne Ucbcrticibung als c i n e s d c r w c 11 i g e 11 ganz, großen Experimente im G cs c 11 sc h a i t s ־ leben bezeichnen kann. Es wird in Palästina eine Feuerprobe veranstaltet, an deren Ausgang man sehen wird, in weichem Maß kapitalistische Methoden den Aufbau dieser neuen Wirtschaft leisten können, und in welchem Umfang es erforderlieh sein wird, auf sozialistische Methoden zurückzügreifen. Hierüber etwas Bestimmtes zu sagen, ist heute nocli unmöglich, wiewohl der Stand der Dinge in Palästina und die Eigenart Palästinas als Kolonisationsgcbict die Leistlingsfähigkeit der kapitalistischen Methoden in skeptischem Licht zu sehen geneigt machen. Aber es wäre verfehlt, sich jetzt schon fcslzulegen. Ihn so lehrreicher nicht nur für dar, jüdische Volk, sondern für alle Völker wird cs sein, in einigen Fahren die Ergebnisse zu überschauen und für die eigene Arbeit daraus die entsprechenden Nutzanwendungen zu ziehen. Das wichtigste Interesse des deutschen Sozialisten aber ist das allgemein menschliche an schöpfcris eher Arbeit. Seit zehn Jahren scheint die Welt von einem bösen Geist im Kreis herumgeführt; Technik und Organisation der Vernichtung sind zu nie geahnter Vollendung gediehen. Aber selten wird das Alte vernichtet, um Platz für neue Schöpfungen frei zu machen. Und selbst wo cs ausnahmsweise geschieht, ■fehlt cs anscheinend an allen schöpferischen Fähigkeiten. Ucbcrall bedecken daher Trümmer die Erde, und der Zerstöruiigswut ist heute noch kein Ende, die Lust an der Selbstvernichtimg ist noch imgcsciiwächt wirksam und häuft Schrecken auf Schrecken, ln solcher V/cIt bildet das Unternehmen, Palästina jüdisch 7u kolonisieren, eine Ausnahme- Erscheinung, und zwar eine, die als Lichtblick in tiefer Finsternis bezeichnet werden muß. Daß dieses Licht nicht erlischt, daß dieser Versuch, Zerstörung durch Schöpfung abzulösen, nicht mißlingt, ist ein Interesse, in dem der Sozialismus unbedingt mit der Sache der jüdischen Kolonisation Palästinas solidarisch ist. Und diese Solidarität darf nicht still in des Busens Tiefe glimmen, sondern muß durch das Einzige mithclfcn am Werk, was uns gegeben ist: durch sachkundigen, wohlerwogenen, kühl-objcktiven Rat. Er kann der Sache des Zionismus einen großen Dienst erweisen, denn anders als im Kopf des Juden malt sich im Kopf des Deutschen die Welt — anders, und vielleicht ln gewissem Sinn richtiger. Mit einer andern Mentalität steht der Deutsche diesen Fragen gegenüber. Nüchternes Rechnen ist ihm naturgemäß in dieser frage leichter als dem Juden. Das zeigt sicli schon dariii, daß er weniger!eicht vergißt, daß es sicli hei der jüdischen Kolonisierung Palästinas um Aufgaben handelt, die im Z u s a in men hang des Ganzen der palästinensischcn Volkswirtschaft beurteilt werden müssen. Infolgedessen gewinnen einige zentrale Einzclfragen für ihn ein Aussehen, das zwar weniger zu Optimismus verleitet, aber solidere Arbeit gewährleistet als eine Betrachtungsweise der Dinge, die diese Verkettung der jüdischen Kolonisationsarbcit mit der Gesamtheit des Wirtschaffens in Palästina verkennt oder daraus die Folgerungen nicht zieht. Daß das jüdische Werk in Palästina in einer gewissen Krisis steckt, daß diese Krisis auch in der Zionistischen Weltorganisation ihre tiefen und unerfreulichen Spuren hinterlassen hat, daß anderseits die palästinensische Krisis zum Teil seihst Folge innerer Schwierigkeiten der ,zionistischen Be* wegung ist, das sind Dinge, die ich leider als bekannt voraussrtzen darf; wenn auch über das Ausmaß dieser Krise die Meinungen auscinandergehcn mögen, ihr Bestehen wird heute von keiner Seite wohl mehr völlig geleugnet. Sie kommt auch in den W i r t s c h a f t s z a h 1 c n für Palästina zum Ausdruck. In den Jahren 1919—1922 betrugen die Einfuhr nach Palästina, soweit sie statistisch erfaßt ist, 20, die Ausfuhr 5, der Einfuhrüberschuß also 15 Millionen iig. Pid.; für 1923 scheinen die Zahlen etwas günstiger zu sein, aber wohl nicht viel, endgültig liegen sie noch nicht vor. An sich ־wäre eine solche Handels bilanz noch nicht so ungünstig, denn sicherlich darf man die Zahlungsbilanz nicht ohne Weiteres nach ihr beurteilen, in ihr werden vielmehr, soweit man das ohne genauere Zahlen lMKirtcilen kann, wahrscheinlich Einnahmen enthalten sein, die dieses aus dem auswärtigen Handel stammende Defizit mindestens zu einem Teil wieder ausgleichcn: die jüdischen privaten und öffentlichen KoionisationsgcUler, die Einnahmen aus dem sehr betrachtliehen Touristenverkehr, die Almosen u. dgl. in. Deshalb erscheint mir nicht wahrscheinlich, daß die palästinensische Volkswirtschaft der Uchcrfretndung unterliegt, sofern man nicht den Uebergang von Boden- Produktionsanlagen, Wertpapieren und Hypotheken in das Eigentum von Juden und jüdischen Organisationen, die noch außerhalb Palästinas ihr Domizil haben, als Ueberfremdung betrachten will, was ja ziemlich absurd wäre. Jedenfalls kann die Quote der lieberfremdung im eigentlichen Sinn, d. h. nach Abzug der außerpalästlnensiscli domizilierten jüdischen Kapitalanlagen in Palästina, nicht sehr groß sein. Eine innerhalb mäßiger Grenzen passive Zahlungsbilanz ist aber, wie die Koloni- *ationsgcschichte anderer Gebiete uns kirrt, für gewisse Phasen der KolonisatkmsbcwcgimR■ sogar normal und hindert zum mindesten ebensowenig den WirLschaftsaufsticg des Koloni- Mtkmsgebietes wie die spätere, allmählich sich durchsetzende völlige Befreiung von den Ucbcrfrcmduugsclcmcnlcn. Für die Volkswirtschaft Palästinas als eines Ganzen ist also diese Handelsbilanz nicht ohne weheres als ungünstiges Zeichen zu nehmen, wiewohl sie, wie ich noch zeigen werde, im Einzelnen Züge aufweist, die geeignet sind, optimistischer Stimmung einen kleinen Dämpfer aulzusctzcn. Anders, und wesentlich ungünstiger, ist aber die Bedeutung dieser paiästiiicnsisclicn Handelsbilanz für das jüdische Kolonis ,11 i o u s w c r k zu beurteilen. So richtig cs ist, daß in einer im allgemeinen niedergehenden palästinensischen Gesamtwirtschalt die jüdische Kolonisation wohl kaum wird gedeihen können, so falsch wäre es, umgekehrt aus den! Gedeihen dieser Wirtschaft im Allgemeinen schon aut ein solches des jüdischen Kolonisationswcrks im Ifcsoiulcrn zu schließen. Das Gedeihen Palästinas überhaupt ist eben zwar eine not w c 11 d i g c, aber keineswegs eine hinreichende Bedingung für das Gedeihen der jüdischen Kolonisation Palästinas, um so weniger, als der jüdische Anteil an Palästinas Wirtschaft vorläufig noch, trotz aller schönen Fortschritte, deren jeder Freund der Sache sich aufrichtig freut, ziemlich klein ist. Die Bedeutung dieser Verhältnisse der Ein- und Ausfuhr für die jüdische Kolonisationsarbeit wird «!entlieh, wenn man sich ein paar Zahlen klar macht. 1111 Durchschnitt der Jahre 1919 bis 1922 betrug der Eininhrühersehuß jährlich, wie wir gesehen haben, 3•4/י Millionen neg, Pfd. Die Gesamtemnahmen des Keien ll.1jcs.sod hetriigcii bis Ende Januar 1924: I 192 000 Pfd., diejenigen des Keren Knioincth bis Ende Septendier 1923 fast genau 1 Million Pfd. Beider Gesamteinnahmen seit ihrer Giümiung würden also ungefähr knapp ansreidten, um ־'a des Außenhandelsdefizit:! Palästinas für ein Jahr zu «lecken. Nach «len Veröffentlichungen in der ״Ziko“ betrug die Gesamtciniialmic des Keren Hajessod bis Ende September 1923: 995 000 Phi. Davon waren für Einfuhr produktiver Kapitalien allerhöchsten? 350 000 P(d. aufgewendet. Der Keren Kajemeth gab in Palästina im Jahre 1922 für andere Zwecke als für Lnmfkaiif 55 000 aeg. Pfd. aus. Auf Grund dieser Zahlen kann man schätzungsweise rechnen, «laß für volkswirtschaftlich produktive Anlagen .aus bcitlcii Fonds zusammen seit dem Kriege jährlich (hirchschnitllicli etwa 150 000 aeg. Pfd. nach Palästina gegangen sind. Nun Ist es sicherlich sehr richtig, daß die jüdische Kolonisation Palästinas zunächst einmal palästinensischen Boden in ihre llaiul bringen muß, und insofern bedeutet die Konzentration der Mittel der beiden genannten Fonds auf den Landkauf sicherlich ein durchaus einwandfreies, ja das einzig richtige Verfahren. Aber cs, gellt daraus hervor, daß die für beide Fonds ,erforderlichen Summen bisher in keiner Weise genügen, um Palästina auf einen Entwicklungsweg zu bringen, «Icr cs allmählich dahin führt, daß cs völkisch und wirtschaftlich vorwiegend jüdisch wird. Selbst wenn man annimmt, daß in der Einfuhr erhebliche Massen von Produktionsmitteln stecken, die mit jüdischem Privatkapital bezahlt wurden (mag dieses nun Leuten gehören, die innerhalb oder außerhalb Palästinas itircn Wohnsitz, haben), selbst dann bleibt bestehen, daß (wenigstens den vorhandenen Zahlen nach), man zu der Annahme gezwungen ist, daß vorläufig «las nicht - jtidischiialionale Kapital in Palästina schneller wäilist n!.. «Ins jüdisch-nationale, — ein Umstand, der umso schwerer wi«־gt, als es bekanntlich leider einen imbcgiündcicn Optimismus darstelif, wenn man alles in Palästina investierte jüdische Privatkapital ohne weiteres dem jüdisch-nationalen .Kapital hinzurcchnct. Wenn auch die angestclltc Ucberlcgung nur eine relativ unsichere Schätzung darstcllt, so findet sie doch in anderen Tatsachen einigermaßen ihre Bestätigung, von denen die bemerkenswerteste die ist, «lall von der Landbevölkerung Palästinas nach der Zählung von 1922 nur 14158 Personen =2,9 ־־"/» jüdischer Nationalität waren. Auch wenn man die Rückschläge des Krieges in Rechnung stellt, und auch wenn man aniiimant, daß sich diese Verhältnisse seit jener Zählung etwas gebessert haben, ist «Jas eine Zahl, die sehr zu denken gibt. Auch vom Standpunkt des Interesses der palästinensischen Gesamtwirtscliaft Ist der hohe Einfuhrüberschuß aus einem besonderen Grunde nicht unbedenklich. Außer einigen Posten, die anscheinend unvermeidliche Schönheitsfehler der HandelsbiJ.uiz eines kapitalistischen Koloninigchicics darstcllen (wie z. B. die unverhältnismäßig große Einfuhr von Personenautomobilen), und außer Erdöl, dessen Einfuhr nun hoffentlich bald durch eine Ausfuhr verdrängt wird, bestellt die Einfuhr ungefähr zur il.dfie des Einfuhrüberschusses aus unproduktiven Vcrhrauclisgcgcnständcn: Textilien, Getreide, Mehl, ja sogar Frischgcimisc. Für ein Kolonisationsgcbict mit vorwiegend landwirtschaftlicher Bevölkerung ist dieser Zustand durchaus abnorm; an diesem Urteil kann auch der Umstand nichts ändern, daß die englische Bssatzungsiruppc zu diesem Ausscheu der Handelsbilanz einiges beigetragen haben mag. Dieses Detail der Zusammensetzung des Einfuhrüberschusses bedeutet einen deutlich parasitären Zug im Bilde der palästiiicnsi.schcii Volkswirtschaft. Aus diesen Tatsachen schöpft naturgemäß nicht nur die Skepsis der, objektiven Beobachters, sondern auch die Agitation der jüdischen Gegner jüdischer Kolonisation in Palästina Nahrung. Sie kombinieren die zweifellos vorhandenen Schwierigkeiten in den natürlichen und sozialen Verhältnissen Palästinas mit ihnen und deduzieren auf diese Weise im Namen der Wissenschaft eine Theorie, die angeblich die Unmöglichkeit einer jüdischen Kolonisation Palästinas «lartut. Grade unter Berufung auf die Wissenschaft wird neuerdings diese Agitation systematisiert.. Um so mehr scheint cs mir geboten, ihre Behauptungen ganz objektiv nachzuprüfcn und zu untersuchen, was daran haltbar ist. Allerdings ist in diesen Dingen nur mit ganz leidenschaftsloser Unvoreingenommen heit weiter zu kommen. Denn jede Argumentation, die sich auch nur den Schein optimistischer Annahmen zu Schulden kommen läßt, wird den Gegner des Kolonisations- Werks nicht überzeugen können. Zugleich bin ich aber überzeugt, dal» «las Kolonisalionswerk selbst eine solche nüchterne Nachprüfung nicht zu fürchten braucht und «laß dabei Ergebnisse zutage treten werden, die für das Gedeihen des Kolonisationswcrks selbst eine entschiedene Erleichterung bedeuten. Im folgenden seien die Hauptgruppen dieser gegnerischen Argumente kurz nacheinander besprochen. 1. Das Klima: Palästina zerfällt klimatisch in zwei deutlich unterschiedene Gebiet«', die voneinander durch eine ungefähr mit der Nord - Süd * Achse des Landes zusammenfallende Linie gebildet werden, die die Wasserscheide zwischen dem Mccresgehict und dem Gebiet des Jordan darstcUt.' Das westliche Gebiet ist Gebiet des Mittefmeerklimas, das östliehe stellt ein Uehcrgangsfjcbict zwischen Mittelmeer■ klima und Wüstenklima dar. Eine eigentliche Klimabcschreibung ist liier nicht am Platz. Nur das für unsere Untersuchung wesentlichste sei hcrvorgclvobcn. Der östiidie Streifen hat starken TcmpcraUirgrgrnsatz zwischen Tag und Nacht und infolgedessen ziemlich reichliche Taubilduug. Dieser Streiten ist wesentlich regenärmer als der westliche Streifen, der so regenreich ist, «lall die durchschnittliche Regenmenge für das ganze Land über dem Durchschnitt für Deutschland stellt. Dar, bedeutet allerdings für die Vegetation wohl immer noch eine etwas ungünstigere Gcsamtvc.sorguug mit Wasser als in Deutschland, da die intensivere Sonnenstrahlung und die höhere I>11rchsd1nittr.tempcratur eine vergleichsweise höhere Vcrdunstungsqiiotc zur Folge haben. Vergrößert wird diese. Ungunst «Icr Verhältnisse noch dadurch, daß der Rege» im wesentlichen auf «len Winter, ,den Spdhcibst und Vorfiuhlim: beschränkt ist, während die eigentliche Vegetations* pcricxle als regennrm bezeichnet werden muß, und dadurch, daß die Verkarstung des Gebirgslandes ein schnelles Absträmc» des Wassers ins M« er bzw. in die Depression.sgcbicte zue Folge hat. Die Wirkung ist Ueberschwemmungsnot in def Regenzeit und Wasserknappheit in der Tropenperiode. Eingesprengt in das Land, das diesen allgemeinen Charakter! aufweist, sind Gebiete, die, weil sie abflußlos sind odei! doch keinen genügenden Abfluß haben, Sumpfbildung׳ zeigen. Sic sind Brutstätten «Icr Malaria, in kleinen Stücke™ über das ganze Land verstreut, aber auch mit einigen große!» ' Komplexen vertreten. Diese Beschreibung klingt zunächst ganz hoffnunjpslosk Nähere Betrachtung aber laßt wenigstens unter dem Gesichtsptmkt der Wasserversorgung die Verhältnisse wesentlich günstiger erscheinen. Die Gebiete, die mit Wasser allzu reichlich bedacht sind, können a t! sg e t r o c k n e t werden. Geeignete Anpflanzungen, z, B. von Eukalyptus, vcrwemlnt große Mengen Wassers zum Aufbau der Sufistanz des Baumbest,indes und bieten mit ihren Blättern vergrößerte Verdiiristungslldchcrt. Baumlose Gebirge können allmählich wieder aufgeforstet werden und bilden dann eine Bodenkrume, die «las Wasser nach dem Regen festhält und mit erhebliche« Verlangsamung erst zu Tal laufen läßt. Soweit die versumpften Strecken nicht aufgeforstet werden sollen, könnet» sic durch Drainage in Verbindung mit Pumpanlagen und durch geeignete Ableitung der Zuflüsse trocken gelegt und das in ihnen überschüssige Wasser zur Bewässerung twgenü«■ gern! nnt Wasser bedachten benachbarten Bodens verwendet werden. Durch Aufforstung wie durch Drainage werden dir, Stimpfgclüctc euLi.Sert. Die Wasserführung des Jordans und seiner wichtigsten Zuflüsse sowie der andern großen Flüsse kann durch Anlage von Talsperren ebenso reguliert werden, wie eine Rcguliciung der FluBlüufc selbst die Versumpfung: und Vcrficbciung der fliißtaier zu beseitigen gestattet. Gerade die besten Ackerböden der ganzen Welt sind durch diese Methode der Kultur erschlossen worden. Es ist nicht einzu* sehen, warum das nicht auch in Palästina möglich sein sollte. Die erwähnte ziemlich scharfe Trennung der beiden Klima- Zonen besteht im Süden Palästinas nicht. Dort reicht die zun» Teil versandete, aber durchaus vegetationsfähige Steppe und damit «las Gebiet des Wüstenausgangsklimas bis nahe an das Meer heran. Dieses Gebiet bietet vielfache Gelegenheit zur Anlage artesischer Brunnen. In ihm selbst kann von einer natürlichen Wasserwirtschaft, die dadurch gefährdet werden könnte, keine Rede sein. Jeder Brunnen, mag er auf die Gruiuhvasscrvcrhältnisse wirken wie er will, bedeutet reinen Gewinn an hoher Kultur fälligem Boden. Unter ganz ähnlichen Verhältnissen ist durch artesische Brunnen ein großer Teil Algeriens zu einem Garten «1er Welt gemacht worden. Wasserwirtschaftlich besteht kaum ein Zusammenhang zwischen diesem Steppengebiet und dem übrigen Palästina; jenes ist nach eiern Toten Meer zu so gut wie abflußlos. Die in der nördlichen Hälfte Palästinas erforderlichen Eingriffe in die natürliche Wnsscrvertcikmg sind räumlich sehr geringfügiger Art, so daß also daraus der neuerdings sehr beliebte Einwand nicht abgeleitet werden kann, daß die Störung der natür* liehen Wasserverteilung durch die menschlichen Eingriffe die Wasserversorgung geTahrde. Daß übrigens an sich zwischen Regenmenge und Verdunstungsquote im eigentlichen Palästina Gleichgewicht besteht, gellt daraus hervor, «laß der Spiegel de* Toten Meeres (von kleineren periodischen Schwankungen abgesclien) in historischer Zeit nidit wesentlich gesunken ist» Eine Verschlechterung dieser Verhältnisse durch die erforderliehen Eingriffe ist nicht zu befürchten, da die Herab* sefzung der Verdunstung durch die Aufforstung verkarsteter Berge und die Erhöhung der Verdunstung durch die Anlage 'von Stauhecken und die Verlangsamung des Wasserahlaufs * sich ungefähr ausgleichcn werden. Das wahrscheinlich zu erwartende Sinken des Spiegels des Toten Meeres infolge der Anlage der Staubecken und die Abnahme der Verdunstungs* fläche des Toten Meeres werden allein vermutlich schoir die Vergrößerung der Vcrdunstungsfläche, die mit der Anlage der Staubecken verbunden ist, kompensieren, zumal das größte Staubecken, das Galiläische Meer, durch die Benutzung al* Staubecken keine wesentliche Vergrößerung seiner Oberflächen- Ausdehnung erfährt. Dringend wünschenswert wäre es allerding«, «Laß endlich einmal die ganze Frage von Fachseiten planmäßig bearbeitet und insbesondere die quantitativen VernuUiiissc der Wasserversorgung Klargcstellt würden. 2. _ D i e Bodenbesch affen heit, ln historischer Zeit hat sich die Eignung des palästinensischen Bodens für die Landwirtschaft entschieden verschlechtert. Die Verkarstung sowohl wie die Sumpfbiklung haben dazu da* ihrige getan. Beide Prozesse können aber rückgängig gemacht werden und sind anderwärts vielfach rückgängig gemacht worden. Die Bergterrassen können wieder mit Humus heschüttet werden, «len Bepflanzung vor der Schwemmwirkung (icr Regengüsse schützt. Die künstliche Bewässerung wird allerdings nur eine geringe Rolle spielen, ln der Umgebung zu entwässernder Sümpfe und artesischer Brunnen wird sie möglich sein, aber auch dort schon hohe Kapitalinvestitionen erfordern und infolgedessen wirtschaftlich nur beschränkt auwendbar sein. Größere Bewässerungsanlagen werden sich bis auf weiteres schon durch die hohen Anl.igekoslcn, dauernd vermutlich durch die erhebliche Vergrößerung der Verdunstung verbieten. Daß es trotzdem eine groteske Uehertrei« bung durchaus nicht unüberwindlicher Schwierigkeiten bedeutet, wenn die Gegner des Kolonisationswerks behaupten, der größte Teil Palästinas sei nicht mehr für den Ackerbau geeignet, werde ich weiter ualen noch zeigen. 3. Von den jüdischen Gegnern der jüdischen Kolonisation Palästinas wird weiter gelten«! gemacht, daß Palästinas Beden keine wertvollen Mineralien berge. Diese Behauptung ist zum größten Teil falsch, und so weit sie richtig ist, ist sie für eine Gesamtabschätzung der wirtschaftlichen Möglichkeiten Palästinas belanglos. Richtig ist, daß in Palästina keine Kohle und keine Erze, namentlich kein Eisenerz, gefunden sind. Daß ein Land ohne den Besitz von Eisenerzen eine ansehnliche Eisenindustrie aufbaiien kann, lehrt das Beispiel Italiens. Selbst wenn man also eine Eisenindustrie als unentbehrlich für Palästina betrachtet, so darf ihre Unmöglichkcit aus dem Fehlen der Eisenerze im Lande keines« t