Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 26 (1.4.1924)
- Date
- 1924-04-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 26 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seile 180 s.ifion eine unbestimmte Gleichartigkeit, die Kennzeichen einer niedrigen Entwicklungsstufe ist. Es vollzieht sich denientar und immanent innerhalb der Gesamtorganisation ein organischer Diffcrenzieriingsprozeß in der Richtung zunchinender bestimmter 1) 11 g I c i c 11 a r t i g k c i t. N n t i o- II n 1 e Kultur, Politik mul Siedlung sind im Begriffe, die ihnen nicht mein• adäquate zentrale Organisationsfnrm zu sprengen und ihre Autonomie im Rahmen des Ganzen zu behaupten. Die nationale Politik der Diaspora ist bereits heute tatsächlich der Zionistischen Organisation entwachsen und wird von den einzelnen Landniamischnften getragen, die ihrem Zusammenschluß in einer zentralen Repräsentanz, lind in der jüdischen Vertretung beim Völkerbund cutgegenstreben. Auch die nationale Kultu rar beit Ist im Begriffe, sich von der allgemeinen nationalen Organisation loszulöscn und sich ihre eigene umfassende Orgaiiisationsforin zu schaffen, die ״Tarbut“ heißt. Das S i cd i u n gs \vc r k endlich erfahrt eine eiementare Verschiebung seines Schwerpunktes von der Zionistiseheii Organisation in den Kreis der jüdischen Welt- Öffentlichkeit, indem cs sieh in der Jewisli Agency einen eigeneu Mittelpunkt schafft. Das ist alles, (legen diese eiementare Entwicklung an/ukiimpfcn oder sie ins Ideen- und Gesinmingsuiüßigc umzubiegen, hat keinen Sinn. Sie ist als Fortschritt vier unbestimmten Gleichartigkeit zur bestimmteil Ungleich,irtigkeit naturnotweudig, fruchtbar und lebensfordernd. Es gilt, dieseii natürlichen Diffcrcnzierungsprczeli innerhalb der zionistischen Oesaintorganisation tatkräftig zu fördern und in die richtigen Bahnen zu lenken, um ilm zu gestalten. Das ist der Sinn und die Bedeutung der zionistischen Entwickhingskrise unserer Tage und die Aufgabe, die uns erwächst. Diese Aufgabe ist keine andere als die föderat i v c Umgestaltung der zionistischen Gesamt- Organisation im Sinne der Differenzierung der Ei 11 zeige biete Politik, Kultur und Sied- III n g auf Grundlage p r a k t i s c 11 e r Autonomie. Jedem dieser Einzelgebiete nationaler Arbeit ist ein eigenes Pmpugnmiarcssort allgegliedert, dem freier und uneiligescliränkter Bcwcgmigsraiim »!gestanden wird. Die Heran- Ziehung außenstehender Kräfte z.ur Mitarbeit am autonomen Teilgebiet wird dann reibungslos vor sich gehen. Die ideelle und organisatorische Einheit in der Vielheit ist durch den Zusammenschluß der dezentralisierten Arbeitsgebiete in einer höchsten Gesamtleitung gesichert. Von der raschen und reibiingslosen Verwirklichung dieser Forderung, deren wachsende Selhstrealisicruug als naturnotwendiger Entwicklungsprozeß in den letzten Jahren die schwersten Erschütterungen des gesamten Organisations- und idcciilcbens unserer Bewegung involviert hat, wird der Ausgang der gegenwärtigen Eilt- Wicklungskrise und die Zukunft des Zionismus abhängen. ״Wozu die dcutschnationalcn Juden gut sind“ Aus den Do k u in e 111 e 11 des ״Stahlhelms“ Der ״Montag-Morgen“ vom 31. März bringt unter obigem Titel die folgende Enthüllung: Zu welchem politischen Manöver die dcutschnatioaalen Juden mißbraucht werden sollen, gellt aus einem Bericht des deulschvölkischcn Majors a. D. Anker hervor, der am 28. Januar an einer vom Vorstand nationaldeutschen Juden veranstalteten Versammlung teilgcnonunen hat. In diesem interessanten Dokument, das als .Zirkular vom ״Stahlhelm“ verbreitet worden ist, heißt cs u. a.: ״Daß icii der Einladung des Vorstandes ,nationalgesinnten Juden‘ zu ihrer Versammlung am 2S. Januar überhaiipt gefolgt bin, war von mir, ebenso wie jedes Wort meiner kurzen Rede dort (13 Minuten) genau überlegt. Ich ging hin in der Absicht, nach Möglichkeit ein scharfes A 1t fei 11 andcrpl atzen der nationalen Jude 11 111 i t ihren n i c 11111 a t i o n a 1 c n Rassegenossen h c r h e i z n f ü 11 r c 11. Die Hauptrede des ,national jüd i sch c 11' (soll wohl heißen: ,nationald cu tsehen‘. Das muß ausgerechnet Herrn Naumann passieren! —■ Red. d. ,J, R.‘) Herrn Dr. Naumann, so scharf national sie auch gehalten war, war nicht ohne weiteres geeignet, eine radikale Spaltung herheizuführen. Als ich mm nach ihm als Erster das Wort erhielt, trieb ich Naumanns Ausfiihrungen in streng logischem Gedankenaufbau, gewissermaßen in die letzten Konsequenzen und erreichte damit, was ich w o 11t e. Schon die Reden der nach mir sprechenden nichtnationalen Juden (Zionist Klee, Oskar Colin usw.), die vorwiegend in wütenden Ausfällen gegen mich bestanden, zeigten dcutlieh, wie höchst unangenehm allen nichtnationalcn Juden mein Mir scheint nun, hier machen Sic — und mit Ihnen die meisten Soziologen — einen Schritt zu wenig. Sic benutzen nämlich nur die Vergleichung mit der allgcmcingültigcn Meiischcnpsychologic, um doch noch zu einer Ursprungs- Ursache zu kommen. So und so, da und da, dann und dann ist der Staat entstanden, ist die Ausbeutung in die Welt gekommen; Sie führen die heutigen Zustände auf einen Entstehungsort, eine Entstehungszcit und eine Entstchungssrt zurück. Irgendwo, irgendwann in der transzendenten Maskicrung vor! Raum und Zeit, in der Modalität, irgendwie also soll alles einmal entstanden sein. feil glaube nicht, daß Sic schon cinsclicii, was für einen ungeheuren Unterschied cs macht, ob man von einer einmaligen oder von der immerwährenden Entstehung ausgeht. Jeder, der auf dem Gebiete der Mciischcngeschichtc von der einmaligen Entstehung atisgeht und die immerwährende nicht zur Grundlage seiner Betrachtung macht, wird zu irgendeiner Form der materialistischen Geschichtsauffassung geführt. Erklärung durch immerwährende Entstehung lieilit ja dagegen nichts anderes als Zurückführung auf Psychologie. Nachdem für Sic der Staat und seine wirtschaftlichen Folgeerscheinungen erst einmal geworden sind, operieren Sie mit diesen testen Dingern wie mit in letzter Linie entscheidenden Ursachen, aus denen alles abzuleiten ist. So ist für Sie z. B. die Verfassung der Geister in den christlichen Jahrhunderten zwischen 1000 und 1400 so etwas wie eine Folge oder Begleiterscheinung der Staats- und .Wirtschaftszustä ndc. Der Unterschied zwischen Sinnentäuschung und Verstandsirrtum ist Ihnen gewiß geläufig. Die substantielle Welt, mit der sieh die echte Wissenschaft beschäftigt, beruht auf den Angaben unsrer Sinne. Es gehen in diese Wissenschaft unaufgelöste Bcziehungskomplcxc vcrwickeltster Art ein und bleiben trotz, aller atomistischcn oder elektronischen Scheinanalyse unaiifgclöst. Mit diesen Täuschungen unserer Sinne, mit diesen Wirklichkeiten operiert die Wissenschaft und, wie sich zeigt, mit Erfolg. Wer aber die Verhältnisse zwischen den Menschen, den Staat, das Kapital z. B״ die ein Verhältnis immerwährender neuer geistiger Beziehungen zu den ererbt und lastend, aber noch lange nicht dinglich gewordenen Beziehungscrbschaftcn sind, die man Zustände nennt, als Dinge nimmt und sie mit Hilfe der wissenschaftlichen Kausalcrklnrung begreifen will, unterliegt nicht der Sinnestäuschung, sondern dem Verstandcsirrtuin. Er stellt damit eine Schein- Wissenschaft her, die falsche Diagnosen und noch verfehltere Prognosen geben muß, weil alle Wirklichkeiten verschoben und viele!Wesenheiten nicht beachtet sind. Erscheinen und Reden war. So sagte z, B. Colin: ,Da sehen Sic, wie der reaktionäre, völkisch-monarchistische Herr Anker sofort Naumanns Erklärungen und Zugeständnisse nusnutzt.‘ Als Cohn dann in seiner, alle Utberlcgung vergessende Wut sagte, man solle sich doch recht reiflich überlegen, ob das sogenannte Deutsch tu in, wie Herr Anker er, wolle, wert sei, daß Juden Ihr Blut dafür ließen, entstand unter den nationaklcutschcu Juden cm rasender Tumult; ,Schuft, Lump, bezahlter Moskowiter!‘ riefen sie Gähn zu und gingen ihm auch tätlich zu Lci|1e, wogegen ihn seine Anhänger nur mühsam schützten, bis er dann aus dem Saal gewiesen und gewaltsam entfernt wurde. Ob hei allen sogenannten nationalen Juden dieser Zorn echt war, oder ob cs teilweise nur geschall, weil sic sicii vorher mit ihrem stürmischen Beifall zu meiner Rede fcstgclcgt hatten, lasse icli dahingestellt Zumal gerade die letztere Annahme den Erfolg meiner Taktik nur noch besonders unterstreichen würde. Mir scheint auf jeden Fall ein bemerken*• werter nationalcrErfolgn 11 jenem Abend festzu s t c 11 c n. Nicht als ob die paar wirklich!1 a t i o 11 a 1 c 11 Juden positiv viel bedeuten. Aber Zwiespalt, offene Meuterei im jüdischen Lager habe ich erzielt und das Ist meines Er ach t e n s von nicht zu unterschätzender Bedeutung im nationalen Sinne, denn cs b c - deutet immerhin eine Schwächung der feindliehen Fron t.“ Der ״Montag-Morgen“ fügt zu diesem Dokument folgendcs hinzu: ״Die dcutschnationalcn Juden können aus diesem Bericht des Majors Anker ganz deutlich hcrauslesen, welche Rolle man ihnen im völkischen Lager zumutet. Sic sollen mithelfen, sämtliche deutschen Juden zu Staatsbürg er ת zweiten Grades zu degradieren. Im übrigen werden sie von den Gesinnungsgenossen des Herrn Anker die Behandlung erfahren, die sic für ihre deutschnationale Strchcrei offenbar auch verdienen: Sic werden mit Verachtung bestraft. Wen es von den dcutsehen Juden also danach gelüstet, sielt für seine deutsche Gesinnung aus lachen zu lassen, der gehe zu den Deutschnationalen.“ Wir aber, die wir die Herkunft der Nnumannisehen Geistigkeit aus der Ideologie des Militarismus hier oft unterstrichen haben, schämen uns als deutsche Juden schon jetzt der Unwirksamkeit dieser Enthüllung, wenn nicht auf 1)r. Natimanu selbst, so doch auf seine Anhänger zumal Im ״Lokalanzcigcr“, in München und an ähnlichen Orten. Das merkt nichts, das rührt sich nicht, das zittert vor Begierde, weiterhin den vor Ludendorff gerechten Teil der deutschen Juden zu spielen, und ist in seiner Dagcwcscnhelt und Dummheit ro langweilig, daß wir zu diesem Thema nur noch bei so eklatanten Anlässen wie den heutigen unsere Lcscrschaft damit zu ärgern gedenken. Neue jiidcnmißlinndlunacn In Posen Posen (J. T. A.) Nach wenigen Tagen Ruhe haben er- Heute Judcnmißhnndhingcn In Posen dieser Tage stattgefunden. Am vergangenen Donnerstag ist eine Hooligan-Bande unter Führung des zu trauriger Berühmtheit gelangten Sek ret a r c z i k durch die Gassen gezogen und hat allen jüdischen Passanten Stockschläge verabfolgt. Zwei zugereiste jüdische junge Leute wurden besonders schwer mißhandelt. Außerdem hat ein gewisser Percz Cziszewski, ein jüdischer Arbeiter, schwere Kopfwunden und einen Ncrvcnchok erlitten, so dal) er für längere Zeit erwerbsunfähig ist. Ein Wdlkongrcß der jHtlisclicn Sludcnlcnsclmit Die Vorkonferenz zur Gründung des Wcltvcrbamics der jüdischen Studentenschaft, die in Wien nm 23. •April bis 1. Mai 1923 tagte, faßte den einstimmigen Beschluß, im Jahre 1024 eineri allgemeinen jüdischen Studeutenkougreß, au dem sicii Vertreter der jüdischen Stndcntcnorg.misationcn aller Länder beteiligen sollen, eiiizuhertifen. Mit der Durchführung dieses Beschlusses wurde die von der Vorkonferenz eingesetzte provisorische Exekutive in Wien betraut. Diese steht mit jüdischen 8tudc11tcnorganisatio11cn bzw. Gesamtverbänden jiidischer Studentenschaft in 19 Ländern (Südafrika, Amerika, Belgien, Tschechoslowakei, Deutschland, Danzig, England, Estland, Frankreich, Holland, Italien, Jugoslawien, Lettland, Litauen, Oesterreich, Polen, Rumänien, Schweden und Ungarn) in Verbindung. Die Einberufung des Kongresses wurde für den 30, April 1924 nacli Antwerpen beschlossen. Was Sic als quasi-materiell auf fassen, ist nichts andres als Ucherlicfcrung, Gewohnheit, Vcrgangcnhcltscrhe. Gewiß sind diese lastenden, ruhenden, oft starren Einrichtungen große Komplexe, die von bestimmendem Einfluß auf die Gemüts- und Geistosbcschaffciihcit der Lebenden sind. Und gewiß können und müssen wir, da wir reden müssen, von einer bestimmenden Einwirkung der Zustände auf Anschauungen, Gedanken, Religionen, Künste usw. sprechen. Nur dürfen wir die Gegenseite nicht übersehen: daß auch diese Denkgcbikle Komplexe fester und ruhender Art werden, und daß wir mindestens so sehr von der immerwährenden Einwirkung z. B. des Christentums auf die Wirtschaft wie vom umgckehrten Verhältnis reden müssen. In der echten Wissen- Schaft gibt es keine Wechselwirkung: cs ist das Kennzeichen der Gebiete, die der Wissenschaft nicht erreichbar sind, daß mau auf ihnen immer wieder zur sogenannten Wcchsclwirkimg zuriickgefiihrt wird. fieberall, wo diese^Wechselwirkung sich uns z.unächst aufdrängt, ist das ein Signal für uns, daß die kausale Erkiärung aus Anfaugsursaclien unzulässig ist, daß die Wissensciiaft, d. 11. der Materialismus ausgespielt hat, und daß alle Schcimliiipc und Zustände auf immerwährende Scelenvorgängc zuriiekzuführen sind. Der Staat ist nicht entstanden, sondern er entstellt in jedem Augenblick, durch Dulden und Handeln, durch Scclcnvcrfassungcn; wobei allerdings das Erbe der Vergangenheit, die lebendig wcitcnvirkcnuc Vergangenheit von gewaltiger Bedeutung ist. Sieht man die Dinge aber so an, so wird alles wesenhaft anders und alles hat fortwährend die viel stärkere Tendenz, aus der Sphäre des Wissens in die des Willens zu schwingen. Der Glaube, von dem auch Sie trotz redlichem Bestreben und trefflichen Einsichten nicht loskonimen: die Wirtschaftsgeschichte sei ein Mechanismus, der sicii zum Sozialismus auslaufcn müsse, wird nicht mehr gegen die Erkenntnis aufkoinmen können, daß wir mit der Zurückfühning auf die Wirtschaft noch nichts erklärt haben, daß der Bestand dieser Wirtschaft selbst erklärt, aus dem Geisteszusiand erklärt werden muß, und «laß cs noch gar nicht ausgemacht ist, ob der Geisteszustand die erwünschte Wirtscliaftsentwiekliing nicht anfhäit. Denn soviel Materielles birgt die Wirtschaft in steh, daß sic filch unglaublichen Schwierigkeiten anpassen kann: aucli wenn die Oekonomisten tausendmal vor Augen sehen, daß ein gewisser Zustand zu seinem eigenen Ende führen müsse, folgt daraus noch lange nicht, daß dieses Ende nicht ein immer tieferes Versinken sein wird, das ein Versinken, aber kein Tod, sondern ein in aller Schmach kräftiges Leben ist. Wdtcrc Zionislen-Vcrltallungcn in Moskau Am 14 und 17. März wurden in den Wohnungen, zahl-* reicher Zionisten Haussuchungen vorgenommen, denen eine Anzahl Verhaftungen folgten. Unter den etwa 20 Verhafteten befinden sich Prof. Heiko w s k y , Dr. B i c 11 o w s k y, Ing. Jesaia Goldberg und Aroiiow, — Die Zionisten-Veiliaftnngcn in Moak.au dauern an. Wie der J.T. A,- Vertreter erfährt, sind etwa 10 Zionisten bereits verhaftet worden, unter ihnen auch frühere Mitglieder der zionistischen Studcnteiiorganisation 11״ e c 11 a w e r“, die seit einigen Jahren nicht mehr mit der Zionistischen Organisation im Zusammenhang stellt. Unter den Verhafteten befinden sicii Mitglcdcr der Zcire-Zion (H i t a c 11 d u 111) und des He eh aluz. Der Grund für die Verhaftungen ist noch nicht ,bekannt geworden. Der J. T. A.-Vertreter hat nur so viel in Erfahrung bringen können, daß die gegen die Verhafteten vorgcbrachten Beschuldigungen nicht schwerwiegend sind, 60 daß cs möglich ist, daß die meisten von ihnen schon iit wenigen Tagen wieder aus der Haft entlassen werden. Ein zlonlslisclics Haus in Belgrad Dieser Tage fand hier die feierliche Einweihung des neuer bauten Hauses der zionistischen Organisation in Belgrad statt. Der Oberrabbiner von Jugoslawien Dr. Davidi Alcalny hielt die Festrede. Das Hans, das ausschließlich aus in Serbien seihst gesammelten Spenden erbaut worden ist, steht an einer der schönsten Stellen Belgrads. Keine Abschaffung des türkischen Großrabblnals? Der Koiistnntinopeler J. T. A.-Vertreter hatte ein Interview^ mit dem Oroßrabbincr der Türkei Chnim Bojerano Eifendi, in dessen Verlauf der belaste Rabbiner seiner festen Ueber- Zeugung Ausdruck gab, daß die türkische Regierung, in» Gegensatz zu den in dieser Hinsicht kursierenden zahlreichen Gerüchten, «las (iroßrabbinat nicht absdiaffcn wird. Die Stellung der jetzigen türkischen Regierung zu der ji'1dischen Bevölkerung ist eine überaus tolerante und freund-;rhaftliclic. Der Großrabbincr gab ferner seiner Meinung׳ Ausdruck, daß das Dekret Filier die Abschaffung von! Schulen verschied e 11 c r N a t i o 11 a 1 i t ä t c 11 die von der Alliance Israeiite und den Bticl BritU geleiteten jüdischen Schulen nicht berühren wird. Er glaubt auch nicht, daß für diese Schulen ein Verbot, Hebräisch zu lehren, herausgegeben werde. Ein legal von 15000 l’Iund für die Jüdischen Seminare in Palästina Wie die Pal. Tcl.-Ag. erfährt, beläuft sich das von den» verstorbenen Herrn Rafael G o t z in Moskau für den Unter• halt der jüdischen Seminare in Palästina hinter• lassene Legat auf die Summe von 15000 Pfund. Das diesen Legat verwaltende Komitee bestellt aus Achad Ha am, Ussischkin, Rabbiner T s c!1 c r 11 o w i t z, Hermann Struck vom Misrachi und L>r. Luric, der bis vor kurzen» Leiter der Bildungs-Abteilung'der zionistischen Exekutive war. Kleine Palästina - Nachrichten Von der palästinensischen Regierung sind hundert Visen für Frauen ausgegeben worden, die sich in den landwirtschaftlichen Siedlungen der Zionistischen Organisation niederfassen wollen. Die Einwanderung weiterer Frauen für die landwirtschaftlichen Siedlungen wird hier als von besonderem Wert angesehen, da dadurch die Minner von den Arbeiten in der Milch- Wirtschaft und beim Gemüsebau befreit werden und sich einer ihnen angemessenen Betätigung widmen können. In der letzten Zeit hat die russische staatliche Schiffs• gcsdlschaft ״R u ß f I o i t“ angefaugen, die nach überscei• sehen Ländern reisenden russischen Emigranten aut eigenen Schiffen zu befördern. In diesem Plan ist; aucli eine Verbindung mit P a 1 ä s t i 11 a vorgesehen. Die Einschiffung der Palästina-Immigranten von Odessa nach Koustantinopel geschieht gewöhnlich auf russischen sta.1t• liehen Dampfern. Billette für Amerika-Immigranten werden für die Route Konstantinopel—New York, Billette nach Pa• lästina für die Route ö d e s s a—K o n s t a n t i n 0 p e 1—1 Jaffa ausgegeben. Man erwartet, daß in kurzer Zeit direkte Routen russischer Schilfe zwischen Odessa und Alexandrien mit Anlaufen «1er Häfen von Syrien und Palästina geschaffen werden. —- - -...- ————- ■■■ I .... 1-11-3 Kurz, die Weit und die Menschheit ist viel rätselhafter* und dunkler, als sie in Ihren Lehrbüchern steht. Gäbe ich zu, daß die Wirtschaft ein Mechanismus mit einer Entwicklung:;« tendenz wäre, so müßte ich ergänzend hiuzufügen, daß der Geist ein starres Ding sei, das sich dieser Tendenz in den Weg rollt. Die verkehrte Welt: die Wirtschaft ein lebendiger Organismus, der von einem erstarrten Ding, dem Geist, auf gehalten wird! Aber das ist auch nicht meine Sprache. Nun, meine Sprache kennen Sie, und Sic finden viele der Formen, in denen ich meine Art, die Dinge zu sehen, ausdrücke, unwissenschaftlich und dilettantisch. Hier haben Sie die Erklärung, warum ich meine Unwisscnschaftlichkcit für notwendig und für wahrer halte als Ihre Wissenschaftlich• keit. Hier die Erklärung, warum ich an keinerlei Kommen von irgendeinem Sozialismus im entferntesten glaube, che nicht ein neuer, gewaltiger, um gestaltender Geist über die Menschen gekommen ist. Hier die Erklärung, wieso wir in verschiedenen Tälern unsres Wegs gehen. Ich hoffe, durch dieses Vorläufige dazu beigctrageii zu haben, daß wir uns jetzt besser sehen als zuvor und also einander näher sind. Lin Vorläufiges ist er, auch wenn Sie nicht antworten wollen; ich habe über dieses Allgemeine und über Ihre Bücher im besonder!! noch mehr und allerlei Gutes zu sagen. Ich wünsche, daß wir einander so nahe* kommen mögen, als cs sein kann, und grüße Sic herzlich. Bilclicrschau Eine Keren Hajessod-ßroschüre von Adolf Böhm. Das Keren Hajessod-Direktorium hat soeben eine von Adolf Böhm verfaßte Brosciiürc ״Der Palästina-Aufbau• Fonds“ herausgegcbcii. fm ersten Teil, der sicii mit dem Aufbau des Landes befaßt, wird darauf hingewiesen, daß es sicii keineswegs darum bandelt, Palästina aus nationalen Mitteln aiifzribaucn, sondern durch diese nur die not• wendigen Voraussetzungen zu schaffen für den Aufbau, der nur mittels Kapital und Arbeit erfolgen kann. Es werden die politisch-rechtlichen Voraussetzungen des Aufbaus, und die Araberfrage behandelt und dann ganz besonders auf die Landwirtschaft eiugegimgen. In weiteren Abschnitten wird die Organisation des Keren Hajessod und seine Finanzgebarung dargelegt. Die Schrift ist zur Instruktion der Keren Hajcssod-Sammlcr und Spender unentbehrlich.