Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 24 (25.3.1924)
- Date
- 1924-03-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 24 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seife’173 1 roten der Frauen höre ich, daß cs einen Syn.ifföffcnvorstand gibt. I)ies.cn will ich sprechen. Er wird aus der Betstubc am Grabe Schimons des Zkuldik geholt, was sehr lauge dauert. Schließlich kommt cm jüngerer Sephardc an, sehr unwillig über die Störung׳ seines Gebetes, tutJ mit der Ankündigung, dal) er sofort dazu ziirückkehren müsse. (Wahrscheinlich gibt es gute Freunde, die «ine Gebetsmilerbrcchung denunzieren und ihm damit den sicheren Bct-Job rauben!) Ob er für die Ordnung in der Kolonie verantwortlich sei? Nein. Ob er sich gar nicht tim die. Altcrärmstcu kümmere? Er wisse nicht wie. Ob er oder die Leute selber sich nicht au die sephardisclie Gemeinde wenden? Das hatte man schon oft getan, aber es hülfe nie. etwas genützt. Wieso nicht? Weil die Gemeinde so gespalten und ihre einzelnen Teile so mit einander verfeindet seien, dal) sic ganz, gelahmt ist. z\her nun müsse er zurück zum Ik’Un. Ich hielt ihn am Arm fest: Ob er sich wenigstens um die Verteilung von Lebensmitteln, die wir cinkantcn würden, kümmern wollte? (Sehr unwillig): Ja, wenn er mit dem Beten fertig sei. Oie wichtigsten kimüiMidten Lebens- und Hcizmiltcl, die wir besorgten: Brot, Del, Tee, Zucker und Petroleum konnten so vielen Bedürftigen natürlich nur bis zum nächsten Tage helfen, an «lern — Dank dein Himmel! — die Sonne wieder schien. Wie das Uebel dieses Elends an der Wurzel zu fassen ist, «las ist eine Frage, der ich seither nachsinne. 111 einer Umgebung, in <ler weder Staatnoch Stadtverwaltung, weder Bcrufsvcrbaudc noch Keligionsgcmeimien noch soziale Vor- Fände die schwachen Elemente der Gesellschaft schützen und stützen, ist «las ein anscheinend unlösbares Problem. Auf unserem Gang zum LebcnsmiUclmarkt iolgtcn uns ein paar zerfetzte Männer und Weiher, die den Eindruck erweckten, als würden sie nur durch die allenthalben 11111 ihre Lumpen gewickelten Bindfäden vor dem Auseinander• lallen bewahrt. Im b 11 r 11 .ר r i s c 11 c n Viertel Die ״llistadnith mschim ibrioth“ hat ihre Arbeit in Jerusalem nach Stadnicrtcln organisiert. In jedem Viertel gibt es ein ITatienkoulilee, das sich der schwangeren Frauen annimmt, sie rechtzeitig zur Entbindung in der ״Hadassah“ amncklet, dann die Aufsicht darüber führt, daß die Kleinen regelmäßig zu «len Saiiglingsstaticnen gebracht werden. Auch hebräische Kurse für die jungen Mütter hat die Organisation in allen Vierteln eingerichtet, und demnächst will sie das erste Volksheim beginnen, mit dem Gedanken, nach und nach in allen Vierteln eine Volkserzichungsarbeit durch Volksheimc cin/nleiten. In «len versdiiedenen Vierteln machen wir natürlich sehr verschiedenartige Erfahrungen, denn bei «len Sepliarden, Aschkenascit, Jemeniten, Persern usw. sind Kulturniveau 1111«! l.ehciisgcwohiilieiten so stark verschieden von einander, «lall man 011 vergißt, dal) alle diese wie verschiedene Völkcrstnmme erscheinenden Gruppen unter den Sammelbegriff ״Juden" gehören. Ein Viertel, das sich bisher allen unseren Organisationsversuchen energisch verschlossen hat, ist das der bucharischvn Juden. Dieses Viertel sicht wirtschaftlich hoch über vielen anderen Stadtvierteln. Die Leute leben in soliden Stein- Häusern, die häufig groüe Imienhöfe haben und betreiben gutgehend«! Lebensmittelgeschäfte oder verkaufen Teppiche und «lic herrlichen Stickereien und Bilikarbciicn ihrer bucharischen Heimat. Wenn sie am Sabbat in ihren Festkleidern durch die Straßen gehen, so wird man fast geblendet von der Pracht der leuchtend grünen und roten Patsche, gebatikter Seide, goldrJurrliwirkter Stirnbänder, siibcrgcsticklor Schaftstiefel, trotz dieses äußeren Glanzes sind die sozialen und kulturellcn Verhältnisse in diesem Viertel so, «laß unsere Arbeit 111er «!ringend ויו turdiflidi i*.l. Die Wohnungen sind \erschmutzt mul wimmelnd vor Ungeziefer. Fanatischer Aberglaube verhindert eine vcrmiutligc Gcsiimlheiisptlcge. Unter den Erwachsenen, besonders «len Frauen, sind viele Analpliahetcn, utrtl ein schmerzliches Geschrei, das häutig aus den Häusern dringt, deutet meistens an, «laß der Familien, vater Frau und Kinder verprügelt. In dieses Vierte! komme ich mit der Vizcvorsitzenden unserer Organisation, Lcali Berlin. Wir beraten, ob wir zu einer «ler unter den Bucharen vertraut lebenden Euroji.äcrimien gehen sollen, gelangen aber zu der Ueherzeu :1mg, daß zwischen ihnen und den Fuchaiinncn eine tiele Kluft bestellt, die jede Einfhiliiiahme von seiten der Festeren vorhindert. Also gehen wir in eines der einflußreichsten Eudiarenliauser. Wir werden von einer schmierigen Magd in eine Art von Inneiihof mit Alarmorstiifcn und blühenden PUaiizen geführt. Durch die olfcne Tür scheu wir in einen Saal, 111 dem es offenbar nrienta'.Pche Wunder an Farben und Formen gibt. Hakt erscheint eine dicke, nachlässig gekleidete Frau mit einem unausgehihkden Gesicht und einem Kneifer, der offenbar nicht Kurzsichtigkeit beheben, sondern Jntelligenz alldeuten soll — die Herrin der orientalischen Pracht. Ehe ich auf mein eigentliches Thema komme, bitte ich, einen Blick in den Mürchensaal tim zu dürfen; ein tiefer weiter Saal von mindestens zehn Metern Länge, dessen ganzer Boden lückenlos bedeckt ist von einem einzigen herrlichen Teppich von dunkler Biutfarbo mit strengen weißen mul schwarzen Ornamenten. Die eine Saalwand von lauter Fenstern mit weißen Tüllgariiinen durchbrochen, die andere von Türen, eingcrahmt von gestickten Türgardinen in herrlichen Farben. Die innere Wand des Saales aber ein wahrer Mürdiengurten von buchatischen Wamlstickcrrien, dessen Farben 11ml ph.111faslische Formen ein Lustgefühl höchster künstlerischer Befriedigung Hervorrufen. Darüber freilich blickt das cmschlossene Offiziersgesicht des High Commissioncr auf einer riesigen Photographie in den orientalischen Saal, und ■neben dem Märchengarten der Teppiche hängt ein Wcbeteppicli in üblen Farben, auf den! ein Manu mit verzerrtem Gesicht und hochgezogcncn Schaltern Theodor Herz! vorstcllcn soll — Errungenschaften der modernen Kultur. Auf unsere Frage, ob sie uns helfen will, für die armen Frauen des Viertels zu sorgen, erklärt sie, dal) sich das für sie nicht schickt. Und ist um keinen Preis zu einer Erklärung zu bringen, weshalb sich das ״nicht schickt“. ,,Ob es denn nicht Pflicht sei, sich um die Hilfsbedürftigen zu kümmern?“ ״Ja, sie gäbe genug Almosen.“ ״Aber es gäbe doch noch wirksamere Hüte als durch Almosen.“ ״Mag sein, aber für mich schickt sich das nicht.“ Wir halten um, nun nn ihre Tochter, ein hübsches schwarzäugiges junges Mädchen in elegantem Kleide, das gut hebräisch spricht. Ob sie nicht mit ihren Freundinnen eine Jugend* gruppe bilden wolle. Sie habe keine Zeit. Womit sic denn so ausgefülit sei. Sie lerne Französisch und Klavierspielern Und dabei bleibt cs. Wir gehen es auf. Nachdem uns der arabische, mit Gewürzen bereitete Mokka angeboten worden ist, den abzuwarten Pflicht der Höflichkeit ist, gehen wir. Das nächste Haus, in dem wir unser Glück versuchen, ist eines, «Jessen Namen die Mitglieder der Kolonie mit Andacht aussprechen — so reich ist cs! Dort gibt cs ein kinderloses Ehepaar. Wir betreten «lie ebenfalls mit kostbaren Teppichen und Stickereien bedeckte Empfangshalle, an deren sehr einfachem Mittellisch ein paar etwas schmierige Herren um den Hausherrn versammelt sitzen. Er selbst, ein älterer Mann in Kaltau und Pelzmütze, mit einem wahren Kohinoor von funkelndem Glanz am kleinen Finger, , Wir tragen nach .«einer Frau. Er ist sehr erstaunt. ״Meine Frau? Was wollen Sic denn von der?“ Wir beginnen, ilun unser Anliegen zu erklären. Er wehrt entschicileu ab: ״Da müssen Sie schon andere suchen, meiner Frau erlaube ich das nicht.“ ״Weshalb nicht?“ ״Nein, ich danke für diese tnodermal Sachen, die sind nicht für uns Bucharcn. Schließlich werden unsere Frauen noch kommen und verlangen, daß wir uns noch eine einzige Frau nehmen.“ Es läßt sich nicht leugnen, «laß diese unerhörte Forderung wirklich eine Folge höherer Entwicklung der Frauen werden könnte. Wir debattieren weiter mit ihm und warten auf die Frau, «lic mir auf einen Augenblick an der Tür erschienen ist, «•inen Knicks gemacht hat und wieder verschwunden ist. Endlich kommt sie mit dem unvermeidlichen Kaftec, will ihn präseniiemi wie eine Magd und wieder verschwinden. Wir nötigen sie zum Nicdersil/rn, wozu sie sich durch einen Bück erst von ihrem Manne «Sie Erlaubnis geben läßt. Aber auf iinscicn Versuch, .sic au der I lilfsarbcit zu interessieren, erwider« sie mir immer wieder, wir sollen das alles mit ihrem Manne besprechen; sie könne das nicht. ״Was sic, eine reiche kinderlose l'rau mit vielen Dienstboten, denn so viel zu tun habe?“ ״Ja, manchmal gibt cs Schneiderei und manchmal Besuch, und dann — wenn z. R, mein Mann im Garten aut und ab gehen will, dann muß ich ihn «loch begleiten.“ ״Uml wenn Sic ihn einmal nicht begleiten?“ Keine Antwort, aber rin ängstlicher Ausdruck, als sähe sie schon ihren Mann, der in der Bucharei eine andere Frau zurückgelasscu hat, neben ihr noch eine Jüngere und Gefügigere heiraten, die 111c fehlt, wenn er im Garten auf uml ab gehen will. Für dieses Mal gaben wir die Bucharei auf, — H. H. Th. _______.«' Das fraueiisiiminrcclii fa den )üdischcn Gemeinden ln der Woche vom 21. bis 20. März veranstaltet «!er Jüdische Frauenbund zusammen mit den Schwesternhümien der Loge, dem Bund Zionistischer Frauen in Deurtchland und den Frauen der Liberalen Vereinigung Kundgebungen für das aktive und passive Wahlrecht der Frauen in den jüdischen Gemeinden. Im folgenden eine Aeußcrung aus dem Kreise der Veranstalterinnen. Die Red. Wieder einmal ist die Frage des Fraiicnwahlrcchtcs in «ien jüdischen Gemeinden aufgctaucht, die schon einige Male «lie Gemüter beschäftigt hat und nach einem kurzen Auftritt immer wieder in die Versenkung verschwunden ist. La; entlniirt ja nicht eines gewissen Reizes zu!sehen, wie die so11־t so fortschrittlich siich gebärdenden Juden in ihren Gemeinden in diesem Punkt um etliches hinter der Entwüklmig der .anderen zurtick sind; cs ist, als wollten sic demonstrieren, daß sic ja gar nicht ■so freiheitlich sind, wie man Urnen «las in der deutschen Politik seit Jahrzehnten vorwarf, und als hätten sic diese — ihnen sehr passende Gelegenheit — für den Beweis gewählt. Als deutsche Bürgerin hat die jüdische Frau seit fast fünf Jahren das Recht, wählbar und wahlberechtigt ihre Ansicht in Reich, "Staat und Kommune zu vertreten, und die Pflicht, auch ihre Kräfte der Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen. Aber dort, wo es ihr oft noch mehr «!der doch ebenso am Herzen liegt, in tk׳r_ jü«1 ischcn Gemeinde, enibchrt sic dies Recht uml «liege Pflicht_ bis heute. Und welche Gründe gibt es dafür? E; kompliziert die Frage des Frnuenwahlrechtes in der jüdischen Gemeinde, «laß sie nach zweierlei Recht umersudü werden muß: nach jüdischem und nach d c u t schein Reiht; aus diesen heidni Komplexen stammen auch die Aigiimeiile, die immer wieder dagegen erhoben werden, Pelraelucn wir zuerst das jüdische Gesetz, so muß gesagt werden, «laß im g e s e t z e s t r c 11 c 11 Lager keine Einigkeit daritber herrscht, ob das aktive und passive Wahlrecht «1er Frau mit der jüdischen Tradition vcrc.nbar ist oder nicht. Wahrend die einen, mit Rabb. Nobel an der Spitze, sagen, daß vom rcüginnsgcsetzüchcn Standpunkt nichts dagegen einzu wenden ist, gibt cs andere, die halaehiseiic Bedenken haben, m.inche auch nur gegen «las passive Wahlrecht «!er Frau, nicht gegen das aktiv«•. Es bedurfte ja nicht mehr auch noch dieses Beweises dafür, «laß bei «ler Vielfältigkeit der Tradition und der Schwierigkeit, «lie alten Begriffe z. B. mit modernen Funktionen uml Acmtcrn zu identifizieren, diese Entscheidungen sehr stark von «ler einzelnen Persönlichkrit, von ihrer :,uhjektiven Einstellung zu diesen Fragen, abhängen, die sieh in der Auslegung der alten Vorschriften und Beispiele dann eben widcrspicgclt. Tatsache ist, daß die große Gemeinde in Frankfurt ,־!. M. ihren Frau c n das aktive und passive Wahlrecht gegeben hat, «laß dies mit auf Initiative von Rabb. Nobel erfolgte (der sich in der Statutenänderungs-Kommission dafür einsetzte), und daß eine gesetzestreue Frau mit im Vorstand dieser Gemeinde sitzt. Das scheint doch ein Beweis dafür zu sein, daß eine gesetzestreue Weltanschauung sich wohl verträgt mit Forderungen, die im heutigen Staatsicbcn selbstverständlich sind. Zwar nicht ganz so verzwickt, wie die Entscheidung der Frage nach jüdischem Gesetz, aber beileibe nicht ciniach bt die Beantwortung nach deutschem ■Gesetz. Es ist ja bekannt, «laß wir Juden in Preußen uns von Staats wegen der Segnungen des — gar nicht ontiquiertcn -- Judenge setz es von 18-17 erfreuen (das uns z. B. auch den Besuch der Universität, mit Ausnahme der medizinischen Faknltat, verbot usw. usw.). Darin war auch der Ausschluß dev Frauen vom aktiven Wahlrecht fest gelegt; gegen das passive wurde also nichts cingcwciulct? Man könnte sagen: ja. Aber, wenn wir kein Interesse daran haben, die Fortschrittlichkeit und Lovaütät der weiland preußischen Regierung von 1857 zu bescheinigen, dann müssen wir wohl sagen: vom passiven Wahlrecht «1er Frau ist in diesem ominösen Gesetz nicht die Rede, weil an diese fortschreitende• Zersetzung des Bürger• liehen Lebens damals in Preußen niemand dachte. Die Kardinalfr.ige i;t aber, was wir mit dem Judcngesetz von 1817 eigentlich noch zu tun haben'). Es ist in der Tat eine noch nicht eindeutig entschiedene juristische Streitfrage, oh dieses Gesetz durch die Weimarer Verfassung aufgehoben ist oder nicht. Die Verfassung von 1018 gibt den Rcligionsgcsellschatten Autonomie (jj 137, 3): sie verleihen ihre Armier ohne Mitwirkung des Staates oder der IvürgerUchen Gemeinde. Der letzte Absatz des fraglichen Paragrajrlicn lautet aber: .,Soweit die Durchführung dieser Bestimmungen eine weitere Regelung erfordert, liegt diese der Landesgesetzgebung ob.“ Das preußische Innenministerium bat das JiKlengcsctz '7)18 חסי als noch bestehend betrachtet. Sollte also zu seiner Beseitigung die laudesgesctz.lirlic Regelung notwendig sein, so müßte im preußischen Landtag ein entsprechender Gesetzentwurf du• gebracht ewrdcn. Andererseits erging vor zirka eineinhalb Jahren eine R c 1 c 11 s g c r i c h t s e n t s c h c i d u n g (hctreffend die braunschweigische Landeskirche), die dahin lautet, daß jede Gemeinde ihr Wahlrecht selbst ordnet, also, daß *) Das folgende betrifft nur Gemeinden, die in dem, 1817 zu Preußen gehörigen Gebiet liegen; daher hat z. B. Frankfurt n. M. unabhängig davon bereits eine Aenderung seiner Statuten vorgenommcii; interessant wäre cs allerdings, zu erfahren, wie Bcuthen formal sein Vorgehen begründet hat. die Weimarer Verfassung an Stelle aller früheren «iiexbeziig■׳ liehen Bestimmungen getreten ist. Für uns liegt die Sache so: einige Großgcmeimlen haben ihren Frauen das aktive und passive Wahlrecht gegeben, außer Frankfurt z. B. Leipzig (auf Antrag «Irr Zionisten in der Gemeinde, was uns natürlirh sehr viel Sympathien gewann), jüngst B c u t h c n , dann der Bund der bayerischen Gemeinden für ganz Bayern usw. Unter dem Hinweis auf «las Verhalten der Berliner Gemeinde haben die anderen Gemeinden in Preußen bis jetzt den Frauen ihre Rechte und Pflichten zu versagen gewußt, 11ml hier wiederum geschah es unter dem Hinweis aut «lie ״Gescl/estrcue“ gegen das Jmtengcsetr. von 1817; vor so viel Loyalität steht man allerdings gerührt•« Gibt cs heute denn tatsächlich noch Juden, die sieh auD!ichlig dadurch gebunden fühlen, dann mögen sie dahin wirken,' daß eine Aenderung auf gcsct/liehrin Wege geschieht (die Pietät hat diese Bewahrer alter Treue allmlings nicht gc* hindert, schon mehrfache Armierungen an dem heiligen Gesetze zu veranlassen, z. B. was die darin fcstgclegte Zahl des Vor• Standes betriflt, die für die Berliner (iroßgemcinde natürlich .audi nicht mehr maßgebend sein konnte); um einen weitere« Finwaiid, der wahrscheinlich gemacht werden würde, zu ent« kräfteii, muß gesagt werden, daß der gesetzliche Weg def, Aenderung in diesem Fall wahrscheinlich sehr einfach wäre, da ein Teil der Parteien einfach uninteressiert an diesem Gesetz ist, ein Teil sicher gern eine fortschrittliche Vorlage uiitcxstülrt, zumal wem! cs nicht aus der eigenen Tasche gellt, und die Sache fiir einige Parteien wirklich sclbstvcrt stündlich ist. In jedem Falle heißt cs für uns Juden, zu einer cmlieitiichcn Willeusbüdimg zu kommen, sei cs, um in de« eigenen Gemeinden dnreh/udringen, sei es für den Weg üben das Parlament Und mm noch eins, wohl die Hauptsache: weshalb wird dieses Problem wiciler aufgcrollt und hier vertreten? Weil wir überzeugt sind, daß die Gemeinden in der schwierigen Lage, in der sie jetzt überall sind, mit keines Mensche« Arbeitskraft verzichten können, der sich zur Vertilgung stellt, und daß es in der Gcmcindearbeit reichliche Posten gibt, die von Frauen nicht nur ausgefüllt werden können, son* dem von ihnen ausgefülit werden sollten. Wir im Zionismus haben ja vom Beginn unserer Bewegung an die wertvolle Mitarbeit der Frau kennen gelernt. Muß es gesagt werden, daß in der sozialen, gottesdienstlichen, Krankenhaus- und Schnlkommisrion usw. die Mitarbeit der Erat! nötig ist? Und nicht nur als Kormnissionsmitglicder («las sind ja Frauen bereits), sondern vor dem größeren Forum und mit der ver« atitwortungsvolicrcn Bestallung in Vorstand und Rcpräscu• tanz? Nicht aus theoretischer Fraucnrccli'lerci (wir wären׳ ja eine etwas verspätete Blüte an diesem merkwürdige« Baum!), sondern weil wir überzeugt sind, «lall'alle Kultur• arbrit mit auf dem Wirken «kr Frau beruht, erheben wir heute unsere Stimme für unser Recht und unsere Pflicht« Erna Blankenstein. Aus der jüdischen Welt Deutschland Die letzte Nummer der ״jüd i sch-1 ihc raf e n Z ei« tun g“ bringt unter der Ucberschrift ״Die Krise im Zionist muv* zwei ״Artikel von R.-A. Heinrich Stern und Brom» Woyda, auf die wir in der nächsten Nummer zurückkoinhun. Ebenso auf einen Artikel ״Um die jüdische Agentur“ im ״Israeli t“. Die ״Frankfurter Z c i f 11 n g“ vom 22. März nimmt im Leitnnikel im Anschluß an die Berliner Versammlung d.a ״Vereins zur Abwehr des Aiiti-u nilfisimis“, m der Protcssof Ba 11 in gn r t en , Gesandter Fl i 1 d c n h r 11 ה d und Geh. Rat Kriesch sprachen, Stellung zum Antisemitismus in Deutsch-!and. Der plötzlich vorige Woche in Berlin verstorbene tschcclirw slowakische Gesandte und ehemalige Ministerpräsident VI. T11 5 a r war auch ein warmer Freund des Zionismus. Bereits ■ab österreichischer Abgeordneter hat er sich für die Juden• (rage interessiert. Er las alle ihm erreichbaren zionistischen /finnigen und Bücher 111:11 lernte sogar noch als Abgeordneter das hebräische Alphabet, 11m insbesondere die in «1er jüdischen Volkssprache geschriebene jüdisch-sozialistische Presse Amc. rikas verfolgen zu können. Es ist bezeichnend, daß die nationalistische tschechische Presse seinerzeit Tusar vor• geworfen hat, er habe eine Wiener Jüdin zur Frau, was nicht den Tatsachen entspricht. Die iiullcrgcwöhnlichen geistige« und diplomatisehen Fähigkeiten Tusars wurden auch von den meisten deutschen Blättern gewürdigt. Prof. Franz Oppenheimer, unser bekannter Ge* sinmmgsgenossc, wird am 33. Marz. 60 Jahre alt. Die ״Hakoali“ spielte Sonnabend in Berlin unentschieden gegen Tennis-Borussia und ebenso in Leipzig am Sonntag. Wir erwarten noch Aufklärung darüber, daß ein zionistische( Klub tatsächlich, wie bereits in der letzen Nummer betont, sich eine solch eklatante Verletzung der religiösen Toleranz zuschulden kommen lassen konnte. firtz -Tsrael Wie verlautet, unterstreicht der Bericht, den der Erz* hischof von Baltimore, Kardinal O’Conncl dem Vatikan über seine P a 1;1 s t i n a r c i s c erstattet hat, die schwierige I.age «Ur eingeborenen uml ausländischen Kaiholiken, die den verschiedensten Verfolgungen (!) seitens der Behörden nusgcsetzt sein sollen, ferner die angebliche Gegnerschaft, die der Zionismus unter den paläsfincnsisehen Juden finde (der Bericht spricht sogar von Zusammenstüßni, Racheakten und zahlreichen Verhaftungen), _ sowie endlich die angebliche Konzentration der .gesamten adrnimstrativen Gewalt in c 11 g 11 s c h -z i o n i s t i s c h e n Händen, den verderblichen moralischen Einfluß, den der Zionismus im Lande amüibcn soll 11, a. m. Der Polizeiinspektor J. Broadiiurst aus Neu-Schottland wurde von der Palastina-Rcgieimig zum assistierenden Ge״ ncrnlinspcktorfiirdas Polizei• und Gefängnis* wesen 111 Palästina ernannt. Er wird auch in der Kriminal-Untcrsucliurigsabtiiiuiig beschäftigt werden. Die Besitzer der ״S u 11 a n “ - Tabak-Gesellschaft in Wilna, einer der größten Konzerne dieser Art in Polen, rerten diese Woche nach Palästina, um dort eine Tabak* fabrik zu gründen. Kit MICH in ■— .. ß Das der litauischen Regierung nahestehend? Blatt ״Ritas“ hatte in einer Notiz behauptet, cs besteht die Wahrscheinlich- Reit, daß ein dieser Tage verschwundenes christliches Mädchen vo.n den Juden aufgegviften vurde, tim cs aus Anlaß des bevorstehenden P a s s a 11 ( e s t e s zu Ritualzwccken zu mißbrauchen. Wie mm die Polizei mitteilt, batte sich das yer* ioren geglaubte Mädchen sofort bei seiner Mutter ein* gefunden, allein die Mutter, die sich gleich nach dem angeblichen Verschwinden mit der Anzeige beeilt hatte, hat cs nun verabsäumt, von der Rückkehr der Polizei Mitteilung zu machen. ״Ritas“ veröffentlicht mm eine verlegene (Richtig• Stellung. ׳•־ -