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Jüdische Rundschau · 1924-03-25 · Heft 24 (25.3.1924) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 24 (25.3.1924)
Date
1924-03-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite!72 JUEDISCHERUNDSCHAU Nr. 24 Eia aiiü’/joiiLsliseJi-satiseinilisclics Pamphlcl Die ״Breslauer Zeitung“ vom 22. März berichtet: 111 irifii Jahren I >)21/22 tauchten an verschiedenen Orten Schlesiens Flugblätter auf, in denen die Juden und insbesondere die Zionisten in 11er frohsten Weise beleidigt wurden. Solche beleidigenden Flugblätter fand man auch׳ langen: Zeit hindurch in den Wngenabtcilen der Eisenbahn Breslau— lilut/—I inbclsdnverdt. Ja sogar in eine demokratische Vor- Sammlung halle sich ein Mann eingcschlichcn und dort solche ■Flugblätter verteilt. Alle diese Flugblätter hatten denselben Inhalt. Sie wandten sich an die deutschen Frauen und iMi.dchen mit dem Ersuchen, das Flugblatt zu lesen und weiterz.iigcbcn. Fs war in dem Flugblatt gesagt, daß im 'Mai 102(! in Breslau im Saale der Gesellschaft der Freunde eine 7 i o n I s t c 11 v e r s a m m I u n ff stattgefunden habe, in der die Rabbiner Abraham und Karcski aus Berlin die Juden aufgefordert hätten, sich der christlichen F r a u e n z11 b e m ä e 111 i g c n. Die gemeinsten Mittel dürften nicht gescheut werden, um die christliche Rasse zu domorulisiereii. An diese Zeilen war die Bemerkung geknüpft, lalle Juden seien schlecht und in den Vernichtungsplan eingeweiht. Unterschrieben war das Flugblatt: Bund der auf• geklärten Arbeiter, ge/. Professor Dr. Hcntschcl. Die Nach• Forschungen ergaben, daß weder ein Professor Hcntschcl noch die Rabbiner Abraham und Karcski existieren. Die weiteren Frmililnngen führten aber nach Habclschwcrdt zu dem II111h(l1׳m׳kereil)e!,it/er 0 r ög c r, bei dem die Flugblätter gedruckt worden ■waren. Auftraggeber war der jetzt In Gl.atz ■ siuriissige Bucherrevisor Franz Koslowski. Durch den Inhalt ilcs Flugblattes fühlte sich die Breslauer Ziomistischc Vereinigung 11ml deren Führer sowie die *Zionistische Organisation Deutschlands beleidigt. Es wurde deshalb Strafantrag gegen den Urheber, sowie gegen die Ver breiter des Flugblattes gestellt. Es waren dies Koslowski, sowie der 20־jährige Soltn des Buchdruckcrcibesitzcrs Grögcr suis Habclschwcrdt, .sodann der Kaufmann Felix Taubitz und der Barbier Heinrich Baum gar teil, beide aus Habelschwerdt; ferner die Sladtsckrctärc Heinrich Jelitto und Heinrich Fräse und der Obersteuersekretär Karl Pohlcr, sämtlich ans Breslau. (Also vielfach Beamte, für die auch die jüdischen Bürger Steuern zahlen! — Red. d. ״J. R.“.) Am Donnerstag standen alle Genannten vor dem Einzclrichter in Breslau. Als Nebenkläger traten auf: die Vorsitzenden der Breslauer Zionistischen Vereinigung Rechtsanwalt Jacob• soltn und Dr. Schachtel und für die übrigen Beleidigten J11sti7r.1t Dr. II i rs eh b er g und Rechtsanwalt Dr. Focrder. Der Angeklagte Koslowski erklärte, daß er das betreffende Flugblatt am schwarzen Brett der Breslauer Universität geftmdeii und geglaubt habe, es hänge mit Genehmigung der Universilät dort. Dieses Flugblatt habe er abgeschrieben und bei Grögcr drucken lassen. Er sei der Ansicht gewesen, daß das, was im Flugblatt' stehe, richtig sei. 'Gerichtlich sei ja auch fcslgcstcllt, daß alle Angehörigen des Ccntralvcrcins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens alles Deutsche bekämpfen. (Die bekannte, auf dem famosen Freispruch des (Apothekers Stacgmauu anläßlich der Klage des C.-V. sich stützende Lüge. — Red. d. ״J. R.״.) Er berief sich dieserhalb auf Berichte in der ״Wahrheit“. Er wisse auch aus eigener Erfahrung, daß solche Vorgänge vorgekommen seien. Grögcr hat das Flugblatt unentgeltlich gedruckt. Ta tibi tz hat in einer Konditorei in Habclschwcrdt Flugblätter verteilt, jelitto hatte hier in Breslau ein solches Flugblatt bekommen lind es an Kollegen wcitcrgcgcben. Dem Angeklagten F rase wurde im Amtsgericht ein Flugblatt von einer Dante über-!geben; er nahm es mit an seine Dienststelle. Dem Pohl er wird zur Fast gelegt, das Flugblatt auf dem Landesfinanzamt Stuf der Schreibmaschine vervielfältigt zu haben. Bei dem l Barbier Baum garten in Habclschwcrdt hatte Koslowski!Flugblätter ausgelcgt, die dattn von anderen Kunden mitgenommen wurden. Einiges Interesse verdienen noch die!Aussagen des 2t! jährigen Grögcr. Er sagt, er interessiere sich sehr für die Judenfrage und ״auf Grund seines Studiums der einschlägigen Literatur“ habe er die Angaben in dem Flugblatt fitr möglich gehalten. Rechtsanwalt Jacobsoltn erklärte, daß eine solche Versammlung, wie sie im Flugblatt geschildert wurde, niemals stattgefunden habe. Staatsanwaltscliaftsrat Speer beantragte gegen den Hauptangeklagten eine Geldstrafe von nur 50 Goldmark; gegen die übrigen eine noch niedrigere Geldstrafe. Der Richter stand auf dem Standpunkt, daß der Inhalt des Flugblattes eine a t» ß e ro rd 0111 li ch schwere Beleidigung darstcllc und daß es 1111 deutsch sei, solche Beleidigungen 7.11 verbreiten. Er erkannte gegen Koslowski auf 400 Gold-, mark, gegen Grögcr und Taubitz auf je 30 Goldmark und gegen Jelitto und Pohlcr auf je 10 Gold mark Geldstrafe. Auch wurde auf Publikation des Urteils erkannt. Gegen Fräse und Baum,garten wurde das Verfahren eingestellt. Recht eigenartig war das Verhalten eines Teiles meist besser gekleideter junger Burschen im Gcriciitssaal, die, mit dem S t a h I h e 1 m n b 7 e i c 11 r n angetan, ganz offen Stellung gegen die jüdischen Nebenkläger nahmen. Siiznnfl des Board 01 Depulies London (J. T.A.) Am 16. März fand eine Sitzung des Board of Dcptttics statt, in der Mr. H. S. Q. H e n ri qu es den Vorsitz führte. Colonel Waley Cohen legte den Bericht der Gesetzes-, Parlamenlslind Ausländer-Komitees vor. In «lern Bericht wird augckümligt, daß man den Minister des Innern ersuchen wird, eine Deputation zu empfangen 11m die A 11 s w e i s tt n g s -, Naturalisation^• ttnei Ausliinücr-Besch rü nkungsfragen zu bespreenen. Mr. ü. F. d’Avigdor Goldsmid legte den Bericht des Joint Foreign Committee vor. Es wird fcstgcstcllt, daß die bulgarische Regierung in Verbindung mit den an bulgarischen Juden verübten Erpressungen strenge Maßnahmen gegen däs ina/edonbdtc Rcvolnti.ms-Komitee ergriffen habe. Ein Teil der erpreßten Gelder wurde zurückerstattet. Das 7. c n t r a 1 - K o tt s 1 s t ס r i u m der b u I - g a r t s c h e n Juden hat dem Joint Foreign Committee cm Telegramm gesandt, in dem die Nachricht, die bulgarische Regierung hätte die Unmöglichkeit erklärt, die Juden gegen das yorgehen des mazedonischen Komitees zu schützen, demcnlicrt wird. Im Gegenteil, die bulgarische Regierung hätte in Wort und Tat ihre Bereitwilligkeit bewiesen, den Juden vollen Schutz 711 gewähren. Was Polen anhetriftt, so hatte sich das Komitee mit antisemitischen Erscheinungen in Posen und an anderen Orten zu befassen. Der Sekretär der Universitäts-Kommission beim Kriegshilfsfonds in Polen hat mitgctcilt, cs sei Vorkehrung gctroflcn worden, daß auch, die ü d i s c h e 11 S 111 d c 111 c n aus dem Fonds unterstützt werden, s sind aber weitere zahlreiche Klagen jüdischer Studenten über die ihnen von der Rcgicrtitigs- und Universitätsbehörden zuteil gewordene schicchic Behandlung cingelaufcit. Es sei aucli beschlossen worden, die Ansicht des Rechtsbeistandes über die Rechtskräftigkeit des Numerus clau $ u t> •G es e tzes in Ungarn ciiizwholcn, Herr Lazarus fragte, ob Schritte in bezug auf die Ausweisung von Juden aus der Bukowina und auf das Freitagsschluß-Gcsctz in der Türkei unternommen werden könnten. ftmm - I!1JKctoc1)a! Organisierte Fraacnarfcclt (Von unserer Jerusalemer Korrespondentin.) Jerusalem, Februar 1924, Wir leben in einem Gemeinwesen, dessen öffentliches Leben noch ganz unorganisiert ist. Die Folge davon ist, daß nur die stärksten Elemente der Gesellschaft sich halten können, während den schwachen nur die Wahl zwischen Untergang und Auswanderung bleibt. In allen modernen Kulltirstaateu hat die Slaalsrcgicriiitg ein festes System zum Schutz der schwachen Glieder der Gesellschaft ausgebildet, mit dem Bestreben, eine möglichst große Anzahl von Existenzen dem Slaate zu erhallen und nutzbar zu machen. Hierbei hellen kleinere Körperschaften: Staatsgemeinden, Religlonsgcmeimlen, ן Klinische Parteien, Berufsverbände usw. Der Falle, die dann noch übrig bleiben[ 11ehmr.1v sich in weitem Malle pliilaiitropisrlic und soziale Organisationen an. Diese öffentliche Fürsorge — eines der Kennzeichen eines Kulturlandes — fehlt in Palästina noch vollständig. Weder die Landesregierung, noch die Stadt- und Dort- Verwaltungen kümmern sich um die schutzbedürftigen Bevvolmer. Und die religiösen Gemeinden sind so gespalten und zerklüftet und, im Zusammenhang damit, finanziell so schlecht gestellt, daß sie nur einen Bruchteil der Bedeutung halten, die ihnen in früheren Zeilen zukam. ln einem sozial noch so ungebildete» Lande bleibt der privaten Initiative — worunter natürlich auch die Tätigkeit privater Gesellschaften und Gruppen zu verstehen ist — cm ungeheures Feld. Und auf diesem Feld Ist es besonders die Fülle seitens der Frau, an die besonders große Anforde• rutigen gestellt werden, weil sic in geringerem Maße als der Mann ihre Kräfte an einen Spczialbernf liingibt und deshalb tu dir Zeit und Energie behält, sich — neben der Fürsorge lür ihren engsten Kreis — um die Bedürfnisse der Gemcuischaft zu kümmern, So finden wir auch tatsächlich, daß die organisierte Frauenarbeit sich zu einem der wichtigsten Faktoren im öffentlichen Leben ■Palästinas ausbiklct. Jahrelang erstreckte sie sich aller• dings nur auf einige bescheidene Zweige lokaler Arbeit in kleinen lokalen Verbänden, während die Versuche zur Zu• snntmrnfassuug aller Frauen des Landes, wie sic wiederholt von Sarah TI1011 und anderen Frauen unternommen wurden, scheiterten. Dann trat als erste Organisation, die mit ihrer Arbeit das ganze Land umfaßte, die amerikanische ״Fladassah“ auf den Plan. Sie erstreckte ihre Arbeit auf einen einzelnen Zweig öffentlicher Arbeit, nämlich die WüchneriimenpHcgc, und erstarkte allmählich so, daß sie das ganze Gebiet der Gesundheitspflege umfassen konnte. Später gestützt durch die Institute der ״Hadassah“, konnte eine lokale Frauengruppe in Jerusalem, die Histadruth nasch im ibrioth, sich mit einem eng unirisscneu Programm: Fürsorge für Mutter und Säugling, organisieren. Dieses Programm sollte allerdings mir die Vorbereitung sein zur spateren Gründung einer Laudesorganisation mit einem umfassenden Programm der sozialen Arbeit. Inzwischen hatten sich Vertreterinnen von Frattengrunncn verschiedener europäischer Länder in London zur ״Welt- Organisation zionistischer Frauen“ vereinigt, die sich das Spezialgebiet der Fürsorge upd Ausbildung für Eiitwntidcrinncn als ihre wichtigste Aufgabe wählte und durch Einrichtung <U׳s Iloslels in Jaffa und die Vorbereitung für die Mädchen• farm in Nahalal an die Ausführung ihrer Aufgabe sehritt. Nachdem tum auch die Histadruth nasdtim ibrioth und die Weltorganisation zionistischer Frauen erstarkt sind, scheint der Zeitpunkt gekommen, da man an eine engere Verbindung aller drei Organisationen denken kamt. Tatsächlich sind in der letzten Zeit von allen drei Organisationen Beschlüsse gefaßt worden, die solcher Zusammenarbeit den Weg bahnen. Das letzte Ziel einer Vereinigung der wichtigsten Frauen• kräftc zu gemeinsamer Arbeit wird sein: die Schaffung eines Frauonparlamentes zur Organisierung und Ausführung der sozialen Arbeit in Palästina und zur Erziehung der jüdischen Frauen des Auslandes, Ein solches Fraucnparlamcnt würde die Kraft gewinnen, nicht nur die־ mangelnde Fürsorge seitens Staat, Stadl, Rcligionsgcmcinde, Zionistischer Organisation zu ersetzen oder zu ergänzen, sondern alle genannten Behörden auf ihre Aufgaben hinzmveisen und deren Erfüllung durchzuliibrcn. Beschluß der ״Hadassah“ ״Hadassah“ ist bekanntlich in der letzten Zeit, auf Grund einer holten Spende von Nathan Straus und der Auf. bringtnig eines neuen Spcz.ialhudgcts durch die amerik.misclie ״I ladnssah“, in der Lage gewesen, vier Stationen für Säuglingspflege in Jerusalem cinztirichfen, von denen die eine, am Damnsknsior gelegen, einen arabischen Arzt hat titul hauptsächlich dom Wohl arabischer Säuglinge dient. Weiter soll ein System der Sütiglmgstürsorgc in den ga• liläischcn Kolonien von den Zentren Suffcd und Tibcrtas aus cingcführt werden. Utn nun eine Zusammenarbeit mit den bestehenden Organisationen zu ermöglichen, hat ״Ha• dassali“ einen Ausschuß für Säuglingspflege m Jerusalem gegründet, dem auch eine Vertretung von Histadruth naschim ibrioth angchört. Beschlüsse der W.J.Z.O. Die W, J. Z. <), hielt ihre 5. Exckutivsitziing an! 7. Fe• hni.tr in Jerusalem ah. Bei dieser Sitzung wurde u. a. über einen .Brief der Mrs. Natlwm in Neuseeland beraten, welche die Authringtmg einer Summe von 6000 £ in Australien für die Einrichtung einer weiteren Siiugtingsstation in Tiberins nach dem Plurkettsystcm ,״!׳kündigt. Es wurde darüber beraten, 01» die Säuglings;arbeit der W.J.Z.O. nicht besser in Vor• bind!mg mit 11er ״Hadnssah“-Arbrlt misgelührt werden sollte. Ein endgültiger Beschluß hierüber wird gefaßt werden, sobald eine von der ״Hadassah“ cinberufcue Sachvcrständigcn-Konkreuz über ein einheitliches .System der Sätiglingsbenandlung im ganzen Lande beraten haben wird. Ferner beschäftigte sich die Sitzung mit dem Kongreßhescliluß, wonach die in Karlsbad gewählte Exekutive von fünf Mitgliedern (Berlin, Gcrson, H oo flc n, M a 1 s c1• Sc ho chat, Thon) durch vier Vertreterinnen palästinensischcr Frauenorganisationen ergänzt werden soll. Es wurde beschlossen, die als Landesverbände organisierten Frauen• vereine, nämlich Misrachi, Histadruth Hapoalot und Gesell• schall für gleiche FTmtcnrcchte zur Entsendung von Vcr• tretcrinncn m die Exekutive aufzufordern. Ein weiterer Sitz, wird für die Histadruth naschim ibrioth reserviert, die sich demnächst als Landesverband konstituieren wird.• Seitens der ״Hadassali" nimmt Miß Szoid an den Exckutlvsitrungcn teil; nach ihrer Rückkehr nach Amerika wird Frau Machen• soll« ihre Stelle cinnehmen. Die weiteren Verhandlungen der Exekutive des W.J.Z.O, stauden vorwiegend Im Zusammenhang mit der Farm In Nah,11.11, deren Bau und Betrieb — dank einer Spende aus Kanada von 1000 £ und der Zusage einer weiteren sehr großen Spende aus privater Hand — nun sofort begonnen werden kann. Beschlüsse der Histadruth naschim Ibrioth Die Histadruth naschim ibrioth hat beschlossen, »ich au der Arbeit in den SäugiiiigsstatiotKn der ״liadassah“ in der Weise zu beteiligen, daß sie die Beschaffung von impräparierter Milch übernimmt. Sic wird ferner in den Distrikten, ln denen die Hadassah-Schwestern arbeiten, die persönliche Hnuspflege übernehmen und damit die rein hygienische Arbeit der ״Had.w.ah“ durch allgemeine soziale Arbeit ergänzen. Diese Arbeit soll so lange vorwiegend durch persönliche Hausbesuche geleistet werden, bis cs der Histadruth geluttgen sein wird, soziale Nachbarschaltszcntren (Vblksheimc) einzurtchlcn, in denen die Arbeit ln jedem Viertel zentralisiert weraeti kann. Zu Purim wird die Histadruth eine Konferenz, von Vertrdcrimien ihrer verschiedenen Gruppen im Lande zum Zweck ihrer Konstituierung als Landesverband cinbcrufen. Auf dieser Tagung soll zugleich der Vorschlag des An- Schlusses der 1 listadruth an die W.J.Z.O. und der Ent• sendung einer Vertreterin in die Exekutive der W.J.Z.O. unterbreitet werden. Die Histadruth naschim ibrioth hat sich an den Je• rusalemer ״Verein jüdischer Mädchen“, der bisher nur ge• sclligcn Charakter hatte, mit der Aufforderung gewandt, freiwillige Hilfskräfte für die soziale Arbeit der Frauen• Organisation zur Verfügung zu stellen. Der Gedanke hierbei ist, da fl die itmgcti Mädchen unter der Leitung erfahrener sozlaJcr Arbeiterinnen in die Gemeinschaftsarbeit eingeführt werden sollen. ' Büro für Arbeitsbeschaffung Das Büro für Arbeitsbeschaffung, unter der Leitung von Fräulein Hedwig Gcllncr, das vom Immigrant» Wclfarc Committee und der Moazat Hapoalot in Jaffa ein* gerichtet wurde, hat Im Laufe des letzten Monats zahlreiche Mädchen, die seit längerer Zeit arbeitslos waren, in Stel* hingen untcrgebracht. ״Soziale“ Glinge durch Jerusalem Schimon Hazaddlk Dieser Winter, der so spät ciusctzte, hat 1ms schließlich Regengüsse gebracht, wie sic nicht häutig auttreten. In einer Sabbathnaeht zog sich das Ungcwiticr zusammen, und von Sonntag bis Mittwoch goß es in nicht enden wollenden Strömen. Witternd vor Frost und Unbehagen saß man in den kalten Stcinstubcn um die Pctroleumöfchcn geschart — aucn die Kinder, die ihren Schulweg nicht hatten antreten können — und suchte sich mit Immer erneuten Rationen von heißem Tee über «las Frösteln und Unbehagen, das die im Sturme knarrenden Türen und klappernden Fensterläden ver• ursachtcn, hinwcgzuhcll'cn. In diesem entsetzlichen Wetter, in dem man keinen Fuß vor «lie Tür setzen mochte, erschienen bei mir zwei führende Mitglieder der benachbarten amerikanischen Kolonie, die Sclma Lagcrlöf in ihrem Jerusalem-Roman idealisiert hat. Sie sagten mir, «laß bei ihnen Bewohner einer nahen Scpharden• Siedlung erschienen seien und ihnen ihre bittere Not geklagt hätten. Und sic fragten mich, ob ich etwas für die Leute tun könnte. Ich war‘sehr erschrocken über ihre Schilderungen der Loge und machte mir Vorwürfe, «lall ich nicht selbst schon aut den Gedanken gekommen war, mich nach den Be• wohnern dieser elenden Siedlung umzusehen. Alsbald begab ich mich mit einer Nachbarin auf den Weg in die Siedlung ״Schimon Hazaddik“, Was ich dort Vorland, war furchtbar 1 Diese Siedlung ist von Scpharden, Jemeniten, Aleppcnscrn, Persern usw. bewohnt — den Acrmsten der Armen. An einem schmutzigen Teich, der ftti Sommer Tausende von ficber• tragenden Moskitos anssendet, gelegen, bestehen die zirka 50 ״Hauser“ — wenn sie überhaupt diesen Naincit verdien״־ — nur zum geringsten Teil aus Stein; der ־ganze überbifj ist aus Brettern und Pctroleumblcchcn zusammengenagelt, durch deren Fugen der Himmel hercinsieht. Bis vor kurzem ׳ waren die Bewohner dieser Kolonie — dank einem Minimum an Lcbcnsanspriiclicn, wie cs nur bei ganz unentwickelten Mcnscnen möglich ist — immerhin existenzfähig. Die Frauen arbeiteten fast sämtlich als Scheuerfrauen, die Männer landen als Stiefelputzer, Lastträger, Anstreicher, Tischlergchi'ten usw. einigen Erwerb. In den letzten Monaten dagegen ist die Siedlung finanziell sehr herabgedrückt worden durch eine Erscheinung, die überhaupt ernste Beachtung verdient: die ständige Emfiltmmg allerclendestcr Existenzen aus orientauschen Ländern. Während den Chaluzim die Grenzen ge• »perrt sind, sickern diese Existenzen, die sich in anderen orientalischen lindern nicht halten konnten, aut dein Land• wege unaufhaltsam ein und bringen mit sich nichts nl* dtc Lumpen auf ihrem Leihe, ihre Unfähigkeit zu lcghcher Arbeit -- physisch und psychisch —, Krankheiten und eine große Kinderschar. Und mit diesem Besitz fallen sie Verwandten und Freunden, die sich selbst kaum ernähren können, zur Last. Während cs nun, bei normalen Verhältnissen aut irgend• eine rätselhafte Weise doch immer möglich ist, die Existenz dieser Lebte zu erhalten, halten die Regengüsse sie jeder Erwerbsmüglichkcit beraubt. Aller Handel und Wandel fn der Stadt war unterbrochen, und selbst die, welche feste Einnahmen von irgendeiner Seite bezogen, konnten in ihrer Lumpcnkleidimg und ihrem zerrissenen Scnulnverk nicht das Haus verlassen. Und so hockten sic in ihrem ,,Zuhause", was fast ebenso schlimm war wie ein Ausgang m die Regengüsse. Durch die Dächer aus Latten und Pctrolcumblccliwändcn tropfte der Regen in die kdlerartigen, dunklen Zimmer und bildete auf den steinernen oder Estrich-Böden dunkle Pfuhle. In diesen Räumen saßen die Familien mit Säuglingen und größeren Kindern auf dem einzigen erhöhten Platz, dem Faimlienbett, in Ihren vielfach Ubcrcinandcrgczogcncn Lumpen zitternd vor Kälte. In den ״wohlhabenderen“ Häusern ga» es ein kleines Kohlenbecken, dessen Rauch den Kindern beizend in die Augen stieg. Einige hatte» den ganzen Tag noch nichts gegessett, viele nur etwas Brot, aber nichts Warmes, da die Brennstoffe wie zum Anzünden von Licht so auch zum Kochen fehlten. Eine junge Witwe aus Persien mit einem Säugling, die ' in einem dunklen Loch völlig entkräftet auf dem Bett liegt, klagt mir, daß das Wasser Tag und Nacht ihrem Kinde auf den Kopf läuft. Und dabei erzählen mir die um mich gruppierten Frauen, daß sie dem in der Stube nebenan wolt• nenden jungen Ehepaar für das verwahrloste Lorli 4 Pfund Jahresmletc bezahlen piuß. Ich gehe zu der ״Hauswirtin", deren Stube immerhin erträglich ist, wenngleich auch sic frierend und in einer wahren Lappenkleidtmg darin sitzt. Ich frage sie, ob sic denn die arme Nachbarin nicht in ihre Stube nehmen will; sic antwortet mir in fließendem Pran• zöslsch: ,,Madame, mein Mann schlägt mich ohnehin Tag und Nacht; wenn ich sie!!erbrächte, würde er mich totschlagen 1" Und als ich in ihre verstörten Augen sehe, glaube ich ihr die Wahrheit ihrer Aussage, Die vom Manne verprügelte Frau ist ja eine Erscheinung, der wir bei den Scpharden immerfort begegnen. Bei einer der Frauen, «lie hebräisch spricht und wohl zu den intelligentesten und wirtschaftlich stärksten in diesem Kreise gehört (sic ist Auiwärtcrin und hat mit dem 5 Pfund Monatsgehalt, die sie bei uns erhielt, eine alle Mutter, eine Tochter und einen Sohn im — Gymnasium unterhalten) er• kundige Ich mich, ob denn nicht eine Organisation irgend- ׳ welcher Art in dieser Kolonie besteht? Nein. Ob wenigstens «ine Art von Kolßjjfcvorstand existiert?, Nach längerem Bct

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